Disclaimer: Alles gehört Tolkien und seinen Erben. Ich habe es nur geliehen, ist ja schließlich Fanfiction und gebe es später irgendwann einmal zurück.
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A/N: Amélie ist mein Fehlerfindel und bemüht sich redlich, meine Schlamperei wieder aufzupolieren. Dafür danke ich ihr und jeder, der gerne annähernd fehlerfreie Texte liest, sollte es auch.
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A/N: Ich bitte um Entschuldigung, aber jetzt habe ich die Erfahrung auch gemacht – eine Schreibblockade. Bislang ist mir das immer erspart geblieben, aber irgendwie zeichnete es sich ja schon ab. Die Abstände zwischen den Kapiteln wurden immer länger. Wenn es so bleibt, wie es jetzt im Moment ist, sollte ich es überwunden haben. Ich bedanke mich bei allen, die mich nicht haben hängen lassen und mir immer das Gefühl gaben, da wartet jemand auf mich und meine Schreiberei. Danke dafür!
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20. Kapitel: Scherbenhaufen
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Gaellas hatte den Ort als einen Lagerraum bezeichnet und die Anzahl Kisten, die nach einer geheimnisvollen Ordnung in Gruppen in ihm aufgestapelt waren, sprachen wohl für ihn. Wie alle Räume in den Tiefen des Palastes war er aus dem Fels geschlagen und wie alle Räume, an die Elben ihre Hand gelegt hatten, war es eine unnötig kunstvolle Arbeit. Die Wände waren glatt und in regelmäßigen Abständen stützten gemauerte Säulen die dazuwischen zu kleinen Kuppeln geformte Decke, die wiederum vor Ornamenten nur so wimmelten. Gut dreißig Schritte im Quadrat maß dieser Platz, der an seiner Kopfseite und an einer der Längsseiten über jeweils zwei von Rundbögen begrenzte Zugänge verfügte. Tore gab es keine. Nur eine Wand war vollständig massiv. Es handelte sich ausgerechnet um diejenige, durch die sie alle im Gefolge des auf der Echse reitenden Eichhörnchens gekommen waren. An der letzten Längswand führte eine Rampe weiter nach oben, wo ebenfalls ein Zugang war. Ausnahmsweise einer mit einer Tür, die allerdings nicht verschlossen war. Gaellas und Gilnín hatten sich davon überzeugen können, als sie vor einiger Zeit dort verschwunden waren, um in die oberen Ebenen des Palastes aufzusteigen. Sie brauchten Vorräte und Ausrüstung, um den Palast verlassen zu können.
Die beiden Elbinnen und Izak hatten sie zurückgelassen. Angeblich waren sie hier in Sicherheit. Eine Annahme, die zumindest Izak nicht teilte. Wie konnte man in einem Raum in Sicherheit sein, der über fünf ungesicherte Zugänge verfügte? Außerdem war er der Auffassung, dass die eigentliche Gefahr zumindest für ihn von seinen beiden Begleiterinnen ausging. Ihre geflüsterte Unterhaltung bestätigte ihn darin. Die beiden schienen zu meinen, dass er zu benommen war, um sie zu hören, doch seine Sinne war so geschärft wie nie zuvor, auch wenn sein Körper vor Schwäche zitterte und er nach der beunruhigenden Wanderung durch den Fels noch immer auf seiner Haut ein unangenehmes Prickeln fühlte.
„Wir sollten ihn wirklich töten", beharrte gerade die Elbin in der schlechtsitzenden Kleidung.
„Hört endlich auf damit, Tinnueden!" herrschte die Silberhexe sie an. „Ich habe mir nicht die ganze Mühe mit ihm gemacht, um ihm jetzt das Genick zu brechen."
„Aber der Palast taumelt in einen Abgrund."
„Deswegen verlassen wir ihn ja auch."
„Und wo gehen wir hin?"
„Dorthin, wo möglichst keine Eldar sind, die Euch und mir an die Wäsche wollen."
„Dann sollten wir Gilnín und Gaellas besser hier lassen."
„Die beiden sind immun."
„Sicher?"
„Ganz sicher."
„Warum?"
„Aus dem gleichen Grund, warum es uns nichts ausmacht, dass Izak den verseuchten Anteil seiner Ork-Seele ausschwitzt."
„Und der wäre?"
„Der Maia schützt uns."
„Welcher Maia?"
Varya stöhnte theatralisch. „Ich frage mich wirklich, was Thranduil an Euch gefunden haben muss. Dieser Maia da!"
Obwohl er sich eigentlich nichts sehnlicher wünschte, als nur noch still liegen zu bleiben, siegte dennoch Izaks Neugierde. Er kroch ein Stück vor und sah um die Kiste herum, hinter der die Elbinnen auf dem Boden saßen und sich im schwachen Schein einer einzigen Öllampe unterhielten. Die elbische Hexe deutete noch immer auf das Eichhörnchen, das auf dem Kopf der Echse saß und sich putzte.
„Was dachtet Ihr denn, was das ist? Ein Eichhörnchen in einer Fehlfarbe? Er ist ein Maia, er muss es jedenfalls sein. Ionnin kann nämlich gewöhnlich nicht durch Felsen gehen und es reicht auch nicht, ein beliebiges Eichhörnchen zu streicheln, um eine andere Sprache zu lernen."
Izak warf dem angeblichen Maia einen nachdenklichen Blick zu. Ihm blieb fast das Herz stehen, als das Tier für einen Augenblick seine Fellpflege unterbrach und ihm zuzwinkerte.
„Wenn Ihr das wusstet, hättet Ihr uns warnen können!" empörte sich die Elbin.
Varya betrachtete ihre Fingernägel. „Plustert Euch nicht so auf. Das bisschen Unruhe werden wir schon überstehen."
„Das bisschen…" Die andere Elbin brach ab und gab einen triumphierenden Laut von sich. „Ich habe Euch durchschaut, Hoheit. Ihr wusstet es gar nicht. Es ist Euch eben erst aufgefallen und wahrscheinlich habt Ihr keine Ahnung, welcher Vala ihn uns schickt."
„Na und? Wenigstens habe ich es gemerkt, was man von Euch nicht behaupten kann. Außerdem ist es egal. Es ändert wenig daran, dass wir in der Klemme sitzen und den Palast verlassen müssen."
„Wir könnten ihn immer noch töten."
„Nur wenn die Flucht uns auch nicht weiterhilft."
„Thranduil würde ihm sofort den Garaus machen."
„Thranduil ist nicht hier und außerdem solltet Ihr in meiner Gegenwart so selten wie möglich auf meinen Gemahl zu sprechen kommen. Haben wir uns verstanden?"
„Ja, auch wenn ich Euch versichere, dass es wirklich nur eine ganz unbedeutende Geschichte war."
„Tinnueden, Ithildrim gelten gemeinhin als überaus rachsüchtig."
„Schon verstanden. Meine Lippen sind versiegelt."
„Wie schön."
Izak sank wieder auf den kühlen Steinboden. Er verfluchte den Tag, an dem er dem Tawarwaith-Prinzen zur Flucht verholfen hatte. Dieser elende Sinda und seine ganze Sippe würden nun sein Tod sein. Seine Kehle schnürte sich zu, als ihm der Sinn dieses Gedankens klar wurde. Er hatte noch nie zwischen den Elben unterschieden, ein Ork konnte es gewöhnlich nicht. Elben waren Elben, immer gleich in ihrer widerlichen Schönheit und Sauberkeit. Und nun dachte er über Sindar nach. Izak hasste dieses Wissen, das aus einem Teil seiner Seele stammte, den er nicht kannte. Etwas Fremdes machte sich in ihm breit und mit jedem Stück, dass es die vertrauten Schatten verdrängte, offenbarte sich ihm ein Wesen, das er verabscheute und fürchtete zugleich.
Er presste die Augenlider zusammen, als er bemerkte, dass sich seine Augen mit brennenden, schmachvollen Tränen füllten. Was für eine Regung, wie schmerzlich bei jedem Atemzug. Wenn er diesen Tränen ihren Lauf ließe, würden sie sich wie Säure über sein Gesicht ätzen und sich zu den Schmerzen gesellen, die er bereits fühlte. Zu allem, was sie ihm bereits angetan hatte, kam nun noch das Gefühl hinzu, dass ihm bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wurde. Etwas enthüllte sich, eine blutige Masse, die einmal jemand anderer gewesen war.
Unwillkürlich stöhnte er auf.
„Was hat er?"
„Ich weiß es nicht."
Die Stimme hatte nah geklungen und Izak zwang sich, wieder die Augen zu öffnen. Die Hexe kniete sich neben ihn auf den Boden und er verspürte den Drang zu einem hysterischen Lachen, als er ihren besorgten Gesichtsausdruck bemerkte. Ehrliche Sorge, die ihm galt, einem Ork und das, nachdem sie ihn schon fast getötet hatte.
„Geh weg von mir", keuchte er.
„Das geht nicht mehr", sagte sie leise und ein bisschen betrübt. „Ich befürchte, da müssen wir beide jetzt durch."
Bevor er sie nach dem Sinn dieser Bemerkung fragen konnte, die in seinen Ohren den Unterton einer Drohung hatte, streckte sie auch schon die Hand aus. Sie würde es wieder tun! Helle Panik ergriff ihn und er robbte ein Stück von ihr weg. Zu seiner Verblüffung hielt sie in der Bewegung inne und seufzte tief.
„Ist es denn so schrecklich?" fragte sie dann.
„Ich will es nicht!" knurrte er. „Warum sollte ich auch?"
Sie legte den Kopf ein wenig schief. „Bist du gar nicht neugierig, warum du so anders bist?"
„Nein! Du tötest mich."
„Nur einen Teil von dir." Sie stand auf und blickte auf ihn hinunter. „Aber wenn du diesen Teil unbedingt behalten willst… es ist nur, dass ich den Eindruck hatte, du wärst damit nicht besonders glücklich. Sonst hättest du dich kaum Legolas anschlossen und ihm zur Flucht verholfen."
„Ich wollte nur weg von den anderen", widersprach er und schauderte, als er den Funken eines Zweifels in sich spürte.
„Wie du meinst", erklärte sie nach kurzem Schweigen. „Ich werde dich zufrieden lassen, Izak. Es sei denn, du bittest mich um Hilfe. Überleg es dir also. Und trink das hier, es ist kein Calagad, nur ein Stärkungsmittel. Du wirst es brauchen."
Damit warf sie ihm eine kleine Phiole zu, deren Glas dick genug war, nicht zu zerbrechen, als seine zittrigen Finger daneben griffen und sie auf den Steinboden vor ihm fiel. Izaks misstraute ihr genug, um noch eine ganze Weile nur die Phiole anzustarren und zu überlegen, welche neue Teufelei sie sich nun ausgedacht hatte. Am Ende siegte jedoch der Wunsch, diese Schmerzen in seinen Gliedern beenden zu können. Zumindest hatte sie nicht gelogen, es war ein anderes Gebräu und es wirkte gut. Als die Tür an der Rampe vorsichtig aufgeschoben wurde und die beiden anderen Elben zurückkamen, konnte er sich bereits wieder ohne Hilfe auf die Beine stemmen und ein wenig steif umherlaufen.
„In den oberen Ebenen ist kein Durchkommen mehr", erklärte Gaellas und lud einige prall gefüllte Ledertaschen ab. „Wenn ich es richtig erkannt habe, strömen aus allen Teilen der Umgebung Tawarwaith in den Palast. Es ist, als ob sie von einer unsichtbaren Quelle angezogen werden."
„Den Namen der Quelle kennen wir ja wohl", murrte Tinnueden. „Und ich meine immer noch, wir sollten ihn töten."
„Dann nehmt auf der Stelle Euer Messer und schneidet ihm die Kehle durch!" schrie der dunkelhaarige Elb mit dem langen Kampfstab in der Hand sie an. „Schaut mich nicht so an! Dachtet Ihr etwa, wir übernehmen das für Euch?"
„Aber…warum ich? Ich meine…" Die Elbin sah voller Entsetzen von einem zum anderen.
Izak bleckte grimmig die Zähne. Es bereitete ihm ein diebisches Vergnügen, wie kleinlaut sie auf einmal war. „Dann komm doch, Spitzohr, abschlachten lass ich mich sicher nicht."
„Ruhe!" fauchte Düsterwalds Königin und stampfte mit dem Fuß auf. „Ich hoffe wirklich, das sollte ein schlechter Scherz sein, Gilnín."
„Es war eine Demonstration", erklärte der andere boshaft. „Sie ist ein wenig schnell damit, das Leben anderer zu fordern, selbst wenn es sich nur um einen Ork handelt."
„Das ist mal wieder typisch!" geiferte Izak empört. „Bin ich weniger wert als ihr?"
„Im Augenblick schon", war die kühle Antwort der Silberhexe. „Aber vielleicht ändert sich das noch."
„Wir sollten wirklich langsam hier verschwinden", mischte sich zum Glück Gaellas ein. „Wir nehmen den Fluss."
Izak schwankte zwischen Schadenfreude und Verzweiflung, als sich das Vorhaben bereits nach wenigen Minuten in Luft auflöste. Von ihrem Lagerraum aus waren es nur wenige Meter durch einen der breiten Durchgänge hinaus auf einen unterirdischen Verladesteg. Es war klar, dass Gaellas darauf vertraut hatte, dort einige Kähne zu finden, auf denen sie den Palast schwimmend verlassen konnten. Leider war die dunkle Wasserfläche, die nur von drei Fackeln erleuchtet wurde, leer. Sah man mal von dem Heck eines Bootes ab, das noch aus dem Wasser ragte. Irgendjemand hatte hier gewütet und sich an den Booten vergriffen.
„Ich wusste es!" triumphierte Tinnueden.
„Und ich dreh ihr gleich den Hals um", murmelte Gilnín kaum hörbar.
„Was ist mit Thranduils Barke?" überlegte Varya mit einem Anflug von Hoffnung in der Stimme.
„Ein anderer Anleger", wehrte Gaellas ab. „Wir müssten wieder in die höheren Ebenen aufsteigen, um sie zu erreichen. Außerdem denke ich nicht, dass wir sie steuern könnten. Sie ist ein wenig groß."
„Aber schön", seufzte Düsterwalds Königin wehmütig. „Wahrscheinlich habt Ihr Recht. Was nun?"
„Schwimmen?" schlug Izak das Naheliegende vor.
„Das ist ein Zauberfluss", belehrte ihn Tinnueden. „Spring rein und du schläfst viele Tage lang."
„Und ertrinkst nebenbei", ergänzte Gaellas. „Nur der König kann den Bann vorzeitig heben."
„Und wo der gerade ist, wissen wir wohl alle." Varya schüttelte leicht den Kopf. „Dann bleibt wohl nur noch eine Möglichkeit."
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Ein warnendes Kribbeln zwischen ihren Schulterblättern ließ Arwen mitten im Satz innehalten. Sie warf einen gehetzten Blick über ihre rechte Schulter. Zwar war es schon lange Jahrhunderte her, dass sie dieses Warnsignal verspürt hatte, aber auch diesmal trog es sie nicht. Eine Reitergruppe bewegte sich durch die Reihen der marschierenden Krieger, um die Spitze des gemischten Heeres einzunehmen.
Arwen packte Maedcam an der Schulter und stieß sie noch tiefer in die Kriegerreihe hinein, die sie sich für ihr Unternehmen ausgesucht hatten. Galadriels Schneiderin gab unter der rüden Behandlung einen empörten Laut von sich, der Arwen an eine Feldmaus erinnerte, wehrte sich aber zum Glück nicht. Die Tawarwaith, zwischen denen sie sich durchschlängelten, reagierten kaum auf die beiden Störenfriede. Noch war das Elbenheer nicht in wirklicher Schlachtordnung unterwegs. Die einzelnen Völker vermischten sich, zumindest was die Galadhrim und Bruchtaler anging. Die Waldelben Thranduils hingegen blieben weitgehend unter sich und das beabsichtigte Arwen zu nutzen. Zuerst war es aber wichtiger, außer Sichtweite dieser Reiter zu kommen.
Arwen nahm einem Tawarwaith kurzerhand eine Bannerstange aus der Hand und hielt das grünschimmernde lange Banner mit dem Siegel Thranduils vor sich und ihre Begleiterin. Der Elb, der zuvor die ehrenvolle Aufgabe des Bannertragens inne gehabt hatte, hob in mildem Erstaunen eine Augenbraue.
„Wir sind die Ablösung", murmelte Arwen.
Er glaubte ihr wohl kein Wort, aber andererseits schien er auch nicht unglücklich darüber, seine tragende Rolle aufgeben zu müssen. Mit einem knappen Nicken und einem spöttischen Lächeln um die Mundwinkel ließ er sich zurückfallen.
„Er hält uns wahrscheinlich für völlig von Sinnen", seufzte Maedcam leise. „Und wenn du mich fragst, hat er gar nicht so unrecht."
„Scht", machte Arwen. Sie spähte vorsichtig an der Seite des Banners vorbei und ihr Magen zog sich vor Schreck zusammen. Die Reitergruppe war nun mit ihnen auf einer Höhe und an ihrer Spitze ritt ihr Vater. Das war auch der Grund für das Prickeln zwischen ihren Schulterblättern gewesen. Wann immer Arwen damit beschäftigt gewesen war, Unfug anzustellen, hatte sie dieses Gefühl stets davor gewarnt, dass Elrond sich näherte und Vergeltungsmaßnahmen im Entdeckungsfall drohten. Hastig zog sie das Banner wieder zurück. „Elrond…"
Maedcam, offenbar mit einem bislang unentdeckten Hang zur Selbstzerstörung gesegnet, riskierte ebenfalls einen Blick an ihrem Bannerschutz vorbei. Ihre Augen weiteten sich und ihr Gesicht wurde noch blasser, wenn das überhaupt möglich war. „Haldir und Glorfindel sind bei ihm."
„Sie sind beschäftigt."
„Oh, Lord Celeborn und König Thranduil auch", ergänzte Maedcam. Zur Selbstzerstörung gesellte sich nun auch noch ein Verlangen nach Vollständigkeit. „Wenn sie uns entdecken…"
Arwen riss das Banner wieder runter und zog Maedcam nah an sich heran. „Das werden sie nicht, solange wir nicht auffallen", zischelte sie ihrer Freundin ins Ohr. „Aber das wird uns kaum gelingen, wenn du jeden einzelnen von ihnen wie ein Zeremonienmeister ankündigst."
„Tut mir leid", schluckte Maedcam. „Ich bin mir nur nicht mehr sicher, dass es eine gute Idee war-„
„Genug", unterbrach Arwen sie und atmete tief durch. „Beruhige dich, Maedcam. Wenn du weiter so vor Schuldgefühlen vibrierst, wird mein Vater es spüren. Verstehst du? Er kann das, eigentlich ist er sogar sehr gut darin. Denk einfach an Forlos."
Röte zog sich über Maedcams Wangen und ihre Unterlippe zitterte leicht. „Er wird es auch nicht gutheißen."
Arwens leichtes Knurren ging zum Glück im allgemeinen Stimmengemurmel der Krieger unter. Schweigend packte sie Maedcam am Ellbogen und schob sie energisch vorwärts, bis sie sich dem gleichmäßigen Marschtritt der sie umgebenden Gruppe völlig angepasst hatte. Die Reiter waren zum Glück längst weiter vorne verschwunden. Bis sie am Abend das Lager aufschlagen würden, dürften sie vor weiteren Überraschungen Ruhe haben, schätzte Elronds Tochter. Dann müssten sie sich nur noch ein sicheres Plätzchen für die Nacht suchen. Auch das dürfte inmitten der Tawarwaith nicht wirklich schwierig werden. Thranduil stellte das größte Kontingent und Arwen war sich sicher, dass sich nicht alle Krieger untereinander kannten. Außerdem gab es bei den Tawarwaith mit Abstand die meisten weiblichen Krieger.
Arwen hielt immer noch sehr viel von ihrem Plan, auch wenn Maedcam neben ihr her trottete, als hätte sie alles Unglück dieser Welt ganz alleine auf ihre Schultern geladen. Dabei hatte doch bislang alles ganz fabelhaft funktioniert. Auf Arwens Zügen erschien ein kleines, jedoch eindeutig triumphierendes Lächeln. Wer war sie, dass sie sich wie ein kleines Kind einfach am Anduin abstellen ließ wie kostbares Spielzeug, das nichts aushielt. Natürlich verstand sie ihren Vater, er war ein recht behütender Charakter. Bei ihren Brüdern stand er damit auf verlorenem Posten, aber bei Arwen gab er sich dafür umso mehr Mühe.
Außerdem war natürlich noch Maedcams Lebensglück zu bedenken. Forlos, dieser dumme Sturkopf, brütete über den Gefahren der nahen Schlacht und schien seinen Tod schon so sicher eingeplant zu haben, dass die arme Maedcam überhaupt keine Gelegenheit mehr hatte, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Vom Anduin aus ging das ohnehin nicht und so hatte Arwen kurzerhand den ihrer bescheidenen Meinung nach fast schon genialen Plan erdacht, noch ein wenig länger in der Nähe des Heeres zu bleiben.
Und wie ging das am besten? Arwen grinste nun unverhohlen den Waldelb zu ihrer Linken an. Der kannte zwar den Grund ihrer guten Laune nicht, grinste jedoch zurück. Wenn er gewusst hätte, dass die fremde Elbin neben ihm Elronds Tochter war, wäre ihm die gute Laune wohl vergangen. Aber so hielt er sie einfach nur für eine beliebige Kriegerin, höchstwahrscheinlich aus einem entlegenen Teil des Düsterwaldes. Außerdem erstarb das Grinsen, als sie ihm die Bannerstange in die Hand drückte. Die brauchte sie jetzt nicht mehr.
Oh ja, ihr Plan war schlicht, aber genial! Je länger sie darüber nachdachte, desto sicherer war sie sich. Wenn das hier vorbei war, würde sie Elladans Huldigungen dafür entgegennehmen. Sie freute sich schon auf das dumme Gesicht ihres ältesten Bruders. Er hielt sich immer für den besten Strategen der Familie. Diesen Stab durfte er bald an sie weiterreichen.
Scheinbar willig hatte sie sich den Anweisungen ihres Vaters gefügt und sich von ihm verabschiedet. Die Tränen beim Abschied waren sogar echt gewesen, weil sie einen Moment das schlechte Gewissen überkommen hatte, ihn anlügen zu müssen. Gespürt hatte er von ihrem Vorhaben nichts, denn genau wie ihre Brüder hatte sie schon früh gelernt, ihre Gedanken wenigstens für eine kurze Zeit vor ihm zu verbergen. Außerdem war er abgelenkt gewesen, weil König Thranduil und Celeborn sich leise, aber äußerst boshaft in einen Disput verstrickt hatten.
Kaum waren die ersten Krieger abgerückt, hatten sich die beiden Elbinnen in die von Maedcam heimlich zusammengeborgte Kleidung gehüllt und einfach in eine große Gruppe Tawarwaith eingereiht. Bei den Bruchtalern hätte man Arwen erkannt und bei den Galadhrim sogar sie beide. Auch wenn sie ihre Haare gekürzt und in die schlichten Flechten der Krieger gelegt hatten, waren sie nicht gerade bis zur Unkenntlichkeit verändert. Aber die Krieger Thranduils stellten die größte Gruppe und dort konnte man untertauchen. Jedenfalls für eine Weile.
Arwen warf Maedcam einen aufmunternden Blick zu, den Galadriels Schneiderin schließlich mit einem etwas schwachen Lächeln erwiderte. „Wir müssen es nur bis zum Heerlager auf der Ebene schaffen. Dann redest du mit ihm und alles wird gut."
„Er war sehr deutlich."
„Er ist ein Schwachkopf. Außerdem hat er gar keine andere Wahl, wenn er dich sozusagen auf dem Schlachtfeld sieht."
„Ich glaube, er wird mir eher den Hals umdrehen", widersprach Maedcam unglücklich.
„Sicher nicht", behauptete Arwen nicht wirklich überzeugt. Forlos war Haldir ziemlich ähnlich und bei dem hätte sie eine solche List auch nur im äußersten Notfall angewandt. Andererseits war dies ein Notfall, ein sehr dringender sogar. „Er wird glücklich sein, dass du bei ihm bist."
„Am Vorabend einer Schlacht?"
„Sei nicht so pessimistisch."
Maedcams Antwort war Schweigen. Eigentlich war Arwen nicht unglücklich darüber. Die Krieger schlugen ein recht hohes Tempo an, um mit den Berittenen mithalten zu können. Sie waren früh am Morgen vom Ufer des Anduin aufgebrochen und zum stillen Entsetzen der beiden Elbinnen gab es bis zum Abend keine Unterbrechung des Marsches. Den Kriegern schien es nichts auszumachen. Im Gegensatz zu den Beschreibungen in den Geschichtsbüchern wirkte das Heer nur wenig heroisch und diszipliniert, eher wie eine Völkerwanderung. Arwen erkannte jedoch bald, dass es keineswegs an Struktur fehlte. Sie selber befand sich in einer Gruppe Tawarwaith, die wie durch einen Zauber immer die gleiche Position innerhalb des gesamtes Heeres hielten. Zwar hatten sie nicht unbedingt das, was man eine Kampfformation nennen konnte, doch trotz der wechselnden Landschaft konnten sie ein konstantes Tempo beibehalten.
Arwen hatte sich nie für verhätschelt gehalten, doch als der Abend näher kam, wünschte sie sich nur noch einen Platz zum Ausruhen. Mit einem Stöhnen quittierte sie das Hornsignal, das das Ende des Marsches ankündigte. Mit der noch immer stillen Maedcam an ihrer Seite suchte sie sich einen Lagerplatz am Rande der Tawarwaith. Ein Hauch von Zweifel an der Genialität ihres Planes kam auf, nachdem ihr klar wurde, dass die Versorgung der Krieger im Gegensatz zum Lager am Anduin doch ein großes Maß an eigener Initiative erforderte.
Überraschenderweise schien Maedcam sich plötzlich recht wohl unter den Kriegern zu fühlen. Sie huschte herum, schleppte Feuerholz heran und bald brannte ein kleines Lagerfeuer vor ihnen, genau wie Dutzend andere, die Löcher aus Licht und Wärme in die Dunkelheit schnitten. Arwen saß daneben auf dem Boden, die schmerzenden Beine ausgestreckt und von dem Gedanken gequält, dass die nächsten beiden Tage so sein würden wie dieser.
„Wir hätten uns bei der Reiterei einschleichen sollen", murrte sie.
„Ich reite nicht gerne", lächelte Maedcam entschuldigend. „Da vorne wird wohl ein Reh gebraten. Offenbar kann sich jeder etwas davon abholen. Ich bin gleich wieder da."
Das Reh war Arwen egal. Sie ließ ihren Kopf auf die Packrolle sinken, zog ihren Umhang über sich und blinzelte hoch in den klaren Nachthimmel. Der Anblick der Sterne hatte etwas Tröstliches. Wie wenig sie von dem Tun der winzigen Gestalten weit unter ihnen beeindruckt waren. Arwen gähnte. Eigentlich war ihr Plan doch genial. Elladan würde grün vor Neid werden.
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„Bruder, unsere Lage behagt mir nicht."
Elladans Lippen verzogen sich zu einem freudlosen Lächeln. Elrohir konnte es zwar nicht sehen, da sie alle noch die Kapuzen ihrer Umhänge tief ins Gesicht gezogen hatten, aber er würde es spüren. „Wem sagst du das?"
Neben ihm bewegte sich Estel unruhig im Sattel. Man musste keine magischen Fähigkeiten haben, um aus der angespannten Linie seiner Schultern und der Art, wie er mit einer Hand die Zügel umklammert hielt und mit der anderen am Knauf seines Jagdmessers spielte, auf eine ähnliche Stimmung zu schließen.
„Ich hatte mir dieses Zusammentreffen ehrlich gesagt auch ein wenig anders vorgestellt", kam es von Galen.
„Warum sind sie so wütend?" Selbst Hestia, die vor Galen im Sattel saß, kam trotz ihrer unfallbedingten Naivität nicht umhin, die angespannte Stimmung zu bemerken. „Können sie Erestor etwa auch nicht leiden?"
„Das passiert ihm in letzter Zeit dauernd", gluckste Estel unwillkürlich.
Der kurze Moment der Erheiterung ging ebenso schnell vorbei wie er gekommen war. Elladan ließ seinen Blick über die Gesichter der Männer gleiten, die mit jeder Minute des Wartens den Kreis enger um sie schlossen. Die Bewohner der Braunen Lande waren ihm nicht vertraut. Er hatte von ihnen gehört, von ihnen gelesen und fand nun, dass die Beschreibungen ihnen nicht wirklich gerecht wurden. Ihnen Wildheit zu bescheinigen, traf nur einen Teil ihrer Erscheinung. Ein Hauch von übler Rohheit haftete ihnen an, den er bislang nur bei Orks hatte entdecken können. Wahrscheinlich waren sie Nachkömmlinge der Balchoth, den primitivsten unter den Wagenfahrern. Die Karren, die am Ostrand des Lagers abgestellt waren und in deren Nähe einige kräftig gebaute Pferde angepflockt waren, ließen kaum noch einen anderen Schluss zu.
Vielleicht war es doch nicht die beste aller Ideen gewesen, einfach so in Bednars Lager zu reiten. Diesmal und damit zum ersten Mal, seit er sich erinnern konnte, war Elladan der Meinung, dass Erestor einen taktischen Fehler gemacht hatte. Drei Tage hatten sie in aller Hast die Ebene hinter Azula durchquert, um Bednars Stamm zu erreichen, bevor Marsden dies tat. Sie hatten kaum Ruhepausen eingelegt. Wenn die Pferde es nicht nötig gehabt hätten, wäre Erestor wahrscheinlich durchgeritten und hätte von seinen Begleitern verlangt, im Sattel zu schlafen.
Dann endlich tauchte das Lager der Sterblichen vor ihnen auf. Es war kleiner als sie vermutet hatten und gerade im Moment war Elladan sehr dankbar dafür. Ihre Annäherung hatte für Unruhe gesorgt und kaum hatten sie die Grenze des äußersten Zeltes passiert, strömten aus allen Ecken abenteuerlich gekleidete Gestalten heran. Bednars Männer - es waren wirklich ausschließlich Männer, woraus Elladan schloss, dass dies nicht wirklich das Hauptlager des Stammes war - zählten gut ein halbes Hundert. Es waren Kämpfer, Krieger wollte er sie nicht nennen.
Strauchdiebe, hatte Estel sogar mit Abscheu in der Stimme gemurmelt.
Keiner konnte ihm widersprechen. Es waren gedrungene Gestalten, voller Muskeln und einem nicht richtig menschlichen Ausdruck in den durchweg braunen Augen. Ihre Gesichter waren eine einzige Scheußlichkeit. Offenbar gehörte es zur Stammessitte, Muster in die Haut zu brennen und dann voller Stolz die aufgeworfenen, wulstigen Narben zu zeigen. Keiner der Ankömmlinge hatte jemals etwas Derartiges gesehen, selbst die Fratzen der Orks waren nicht so verunstaltet.
Erestor war selbst davon nicht zu beeindrucken. Er bedeutete mit einer herrischen Geste der widerstrebenden Emi, ihn bis vor das größte Zelt in der Mitte des Lagers zu folgen. Zumindest hatte er noch genug Verstand, nicht vom Pferd abzusteigen. Langsam schoben sich die beiden Pferde durch die Menge stinkender Körper und hinterließen dabei eine Art freien Korridor, bis sie schließlich von vier mit armlangen Hackmessern bewaffneten Männern aufgehalten wurden.
Das große Zelt war an einer Seite offen und nun trat aus dem dunklen Inneren ein beleibter Mann in einer längsgestreiften knöchellangen Tunika nach draußen. Er verschränkte die muskelbepackten Arme vor der Brust und sah ohne Anzeichen einer Regung hoch zu Erestor.
Elladan konnte ihn durch die Lücke zwischen den beiden Pferden recht gut erkennen und schauderte unwillkürlich. Bednars Gesicht war so mit Narben bedeckt, dass es kaum noch möglich war, seine ursprüngliche Form zu erkennen. Zwischen den Wülsten aus hellem Fleisch glitzerten seine schmalen Augen mit einem Ausdruck von Verschlagenheit.
Neben Elladan zog sein Zwilling die rechte Hand unter den Umhang, um sie auf den Griff seines Schwertes zu legen. Estel folgte ihm kurz darauf und auch Galen schlug eine Seite seines Umhanges zurück, um ungehindert nach dem Kampfstab auf seinem Rücken greifen zu können.
„Kennst du diese Männer?" hörte man ihn leise in Hestias Ohr raunen.
„Nein", hauchte das Mädchen zurück. „Aber ich mag sie nicht. Gibst du mir ein Messer?"
„Wenn es nötig ist", bestätigte der Rhûna bereitwillig.
„Ich kenne dich." Bednars Stimme war eine Überraschung. Elladan hatte eher ein tiefes Grollen erwartet, doch die Stimme klang hell, fast wie die eines Kindes. „Du bist die Seherin aus Azula."
Weiter vorne sah man nur, wie Emi nickte. Ein leises Klingeln begleitete diese Bewegung in der plötzlichen Stille unter den Balchoth.
„Willst du mir aus der Hand lesen?" Meckerndes Lachen begleitete diese Frage.
„Wir suchen jemanden", beendete Erestor mit kalter Stimme das Geplänkel schon im Ansatz.
Bednars Aufmerksamkeit richtete sich auf Emis Begleiter. Es missfiel Elladan, wie wenig er sich überrascht zeigte. Aus der Nähe musste er längst erkannt haben, dass er einen Elb vor sich hatte. „Warum sollte ich dir helfen?"
„Weil es sich lohnen könnte."
„Ein lohnendes Geschäft ist immer gut", überlegte Bednar und schürzte die ohnehin fleischigen Lippen. Schöner wurde er dadurch nicht gerade. „Aber ich denke, dein Gold gehört mir ohnehin und dich selber und deine Freunde werde ich mit einem fetten Gewinn verkaufen können."
„Du drohst mir?" Selbst Erestor klang verblüfft.
„Das gibt Ärger", orakelte Estel düster.
„Wahr gesprochen, Bruder", bestätigte Elrohir und Elladan konnte das leise Scharren hören, mit dem er unter dem Umhang bereits das Schwert ein Stück aus der Scheide zog.
„Marsden warnte uns, dass Fremde kommen werden", verkündete Bednar gerade großspurig. „Und er überließ es mir, was wir mit euch machen."
„Und was genau hast du dir da vorgestellt?" Man musste Erestor schon gut kennen, um in seiner gelassenen Stimme einen tödlichen Unterton entdecken zu können. Elladan gab nicht mehr viel um Bednars Leben, allerdings würde es bis dahin ein weiter Weg sein und mittendrin standen noch fünfzig bewaffnete Wilde.
Schon wieder gab Bednar sein meckerndes Lachen von sich. Es war so lächerlich, dass der fremdartige Befehl, der darin enthalten war, beinahe den gequälten Ohren der Erstgeborenen entging. Dafür hörten sie das Raunen der Balchoth und die Geräusche, mit denen Waffen gezückt wurden.
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„Uhuh."
Mit wedelnden Armen hing Tinnueden einen Moment in der Luft. Selbst wenn Varya ihr näher gewesen wäre, hätte sie ihr kaum helfen können. Sie war genug damit beschäftigt, auf dem schmalen Sims in der Tunnelwand Halt zu finden. Auch wenn der Sims gut eine Elle breit war, so bog sich doch die Wand nach innen und das machte es schwer, sich anders als seitlich darauf zu bewegen. Außerdem war alles glatt und feucht. Vor Nässe glänzende Flechten hatten sich überall breit gemacht und Varya wäre lieber mit einem Stück Seife unter den Füßen bei einem hochoffiziellen Empfang die Palasttreppe heruntergestiegen, als hier auf diesem schmalen Felsband an einem verzauberten Fluss entlang zu turnen.
Zum Glück war Tinnueden nicht auf ihre Hilfe angewiesen. Gilnín, der sich vor ihr befand, fasste im letzten Moment zu und drückte die Hofdame energisch wieder an die Felswand zurück. Es war vielleicht ein bisschen zu heftig, denn der Schreckenslaut wurde ansatzlos von einem Schmerzensschrei abgelöst. Varya war sich nicht ganz sicher, ob sie nicht das leise Knacken einer Rippe vernommen hatte.
„Passt doch auf!" fauchte Tinnueden erbost.
„Verzeiht meinen Mangel an Manieren", höhnte Gilnín und schaffte es sogar, eine Verbeugung anzudeuten.
„Lass sie das nächste Mal einfach reinfallen", bellte Izak, das Schlusslicht ihres kleinen Trupps. „Dann ist sie wenigstens still. Das Weib kann nur meckern."
„Ruhe dahinten!" schnauzte Gaellas von der Spitze aus. „Wir sind fast am Ziel. Der nächste, der seinen Mund nicht halten kann, landet wirklich im Fluss."
„Gaellas, so redet man nicht mit der Königin." Tinnueden konnte es einfach nicht lassen.
„Mit mir?" grinste Varya. „Ich hab doch gar nichts gesagt. Ich glaube, er meinte Euch."
„Gleich drehen wir wieder um", drohte Gaellas mit einem Hauch von Verzweiflung in der Stimme.
„Das geht nicht", erinnerte ihn Gilnín. „Der Sims."
„Genau, der Sims", bestätigte Varya. „Das lange Stück, das der Ork abgebrochen hat."
„Gar nichts habe ich!" lispelte Izak empört. „Es war schon morsch."
„Stein ist nicht morsch", korrigierte Gilnín.
„Du bist wahrscheinlich zu fett", stichelte Tinnueden genüsslich.
„Fett? Ich und fett?"
„Jedenfalls schwerer als wir", nickte Varya und schob sich ein Stück weiter nach vorne.
„Das ist ja wohl keine Kunst. Es gibt Eichenblätter, die sind schwerer als ihr."
„Was natürlich anders wäre, wenn du…"
„Ich will nichts mehr davon hören!" unterbrach der Ork sie aufgebracht.
Varya sah ihn böse an. „Wenn du weiter so hier rumfuchtelst, rutschst du noch ab und dann muss ich dich festhalten und was dann passiert, kannst selbst du dir vorstellen."
„Eher schwebe ich über dem Wasser!"
„Nein, dafür bist du zu fett", kam es von Tinnueden.
„Licht am Ende des Tunnels", sagte Gilnín.
„Ist das jetzt sprichwörtlich gemeint?" wollte Varya wissen.
„Nein, tatsächlich", grollte Gaellas. „Während die Damen plauderten, haben wir das Ende des Kanals erreicht."
„Der Ork war auch beteiligt", murrte Tinnueden.
Varya konnte nicht verhindern, dass sich ihre Laune unwillkürlich hob. Während der letzten Stunden, in denen sie auf diesem Sims entlang gekrochen waren, hatte sie sich mehrfach gewünscht, doch lieber den Weg durch den Palast gewählt zu haben. Dabei hatte sie anfangs noch angenommen, dass es eigentlich gar nicht so schwierig sein konnte, auf einem nicht einmal besonders schmalen Weg in der Tunnelwand durch den Berg zu balancieren. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass der Sims und die Tunnelwand so glitschig sein würden. Sie hatte auch nicht damit gerechnet, dass der Sims gar nicht dafür gedacht war, dass jemand ihn als Weg benutzte. Gaellas hatte ihr erklärt, dass dort manchmal Laternen aufgestellt wurden. Zumeist zu ganz besonderen Anlässen, von denen Varya bislang noch keinen erlebt hatte. Und am allerwenigsten hatten sie damit gerechnet, dass der Sims einfach unter dem Tölpel von Ork auf einer Strecke von zwei großen Schritten nachgeben und in den Waldfluss stürzen könnte. Izak hatte sich mit einem großen Sprung gerettet, dabei eine irritierende Eleganz an den Tag gelegt, die allerdings abrupt erstarb, als er wie ein Frosch hochkant an der Tunnelwand klebte und sein Gesicht in die schleimigen grünen Flechten drückte.
„Ich bin eine Elda", murmelte sie kopfschüttelnd. „Ich sollte auf diesem Sims entlang tanzen können."
Von Izak kam ein seltsames Geräusch.
„Lachst du etwa?" erkundigte sie sich und sah ihn scharf an. „Du lachst. Ich dachte, Orks können das gar nicht. Ihr habt Humor."
„Nein, haben wir nicht. Du beleidigst mich. Geh endlich weiter! Ich will hier raus."
„Und ob du gelacht hast." Eine erstaunliche Feststellung, die sie aber im Moment nicht näher untersuchen wollte. Es wurde wirklich Zeit, dass sie wieder ans Tageslicht kamen. Gaellas war jedoch vorsichtig. Er befahl den beiden Elbinnen und Izak, noch im Dunkel des Tunnels zu bleiben, während er und Gilnín sich langsam vorarbeiteten. Zwar waren vom Ausgang her keine Geräusche zu hören, aber vielleicht waren die Tawarwaith einfach nur in einen erschöpften Schlaf gefallen, nachdem sie die ganze Nacht Orgien gefeiert hatten.
Varya seufzte leise und starrte gedankenverloren auf die schwarze Oberfläche des Flusses. Es verriet viel über das Haus Oropher und die Tawarwaith als solche, dass sie ein so gefährliches Wasser einfach zu einem Transportweg machten. Jeder andere mied die Nähe des Flusses. Gut, Thranduil besaß genug Macht, um den Fluch brechen zu können. Aber sie glaubte kaum, dass man ihn oft zu Hilfe rufen musste. Die Waldelben hatten gelernt, mit den widrigsten Umständen fertig zu werden. Sie waren hart und dennoch wusste Varya ganz sicher, dass kein anderes Elbenvolk dem Berg in seinen tiefen Hallen soviel Schönheit hätte abtrotzen können. Sie liebte diese Tawarwaith und wenn sie sie vor Schaden bewahren konnte, indem sie Izak weit weg brachte, dann würde sie es auch tun.
Außerdem war es besser, die Tawarwaith hatten sich wieder erholt, wenn Thranduil zurückkehrte. Er würde es Varya wohl doch ein wenig übel nehmen, wenn sie aus seinem Palast eine Lasterhöhle machte. Thranduil Oropherion war ein bisschen empfindlich, was die Würde seines Heimes anging.
Ein etwas schräges Pfeifen vom Tunneleingang erklang.
„Hat es die Amseln jetzt auch heimgesucht?" fragte Varya verblüfft.
Tinnueden runzelte die Stirn. „Ich glaube, das war Gilnín. Dieser Elb ist sogar zu ungeschickt, die Lippen zu spitzen und einen klaren Ton herauszubringen. Seid Ihr sicher, dass er Lord Erestors Sohn ist?"
„Erestor ist es jedenfalls", erklärte Düsterwalds Königin mit einem Achselzucken. „Das sollte reichen."
Es waren wirklich nur noch wenige Schritte, dann verbreiterte sich der Sims und Tageslicht brachte sie zum Blinzeln. Als sich ihre Augen an das hellere Licht gewöhnt hatten, erkannten sie Gaellas und Gilnín, die voller Ungeduld auf sie warteten.
„Wir müssen uns beeilen", sagte Gaellas und beobachtete unruhig die Umgebung. Viel war nicht zu erkennen. Die Hänge des Gebirges waren mit hohen, starken Tannen bewachsen, zwischen denen sich der schwarze Fluss seinen Weg nach Norden suchte.
„Dann lasst uns aufbrechen", befand Gilnín.
Statt einer Antwort wandte sich Varyas Leibwächter etwas zögerlich zu ihr um. „Hoheit?"
Es dauerte einen Moment, bis ihr klar wurde, dass er eine Entscheidung von ihr erwartete. Gaellas war etwas unvorbereitet in die Rolle des alleinigen Beschützers der königlichen Familie gedrängt worden. Es schien, als hätte er jetzt seine Grenze erreicht.
„Nach Westen", sagte sie und versuchte, ihrer Stimme jeden Zweifel zu nehmen.
„Gut." Gaellas atmete auf. „Dann sind wir auf der richtigen Seite des Flusses. Alles andere wäre schwierig geworden. Wir hätten erst zur Fährstelle laufen müssen."
„Wir werden alle sterben", brummte Gilnín düster. Er nahm sein Gepäck auf und stapfte davon.
Widerspruch war nicht zu hören, als auch die anderen sich daran machten, den beschwerlichen Weg zu Fuß in Richtung der Alten Waldstraße zu beginnen. Sie waren noch nicht weit gekommen, als Varya noch einmal anhielt und sich umsah. Gerade wollte eine Wolke voller Abschiedsschmerz über ihr niedergehen, sie war sozusagen schon im Anflug, als ein Rascheln in ihrer Nähe sie zusammenzucken ließ. Ihr Mund war geöffnet zu einem Warnruf, als Ionnin mit langen, ungelenken Sätzen aus dem Wald kam. Seine großen, gelben Echsenaugen strahlten so vor Wiedersehensfreude, dass Varya breit lächelte und die Abschiedswolke abdrehte.
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Der Kragen seines Hemdes schien von einem Atemzug zum anderen deutlich enger geworden zu sein. Haldir widerstand nur mühsam dem Drang, mit dem Finger unter dem Rand entlang zu fahren, um ihn wieder zu weiten. Stattdessen blieb er äußerlich so ruhig wie zuvor stehen und versuchte zu verstehen, warum sich sein sonst so gelassener Herrscher schon wieder auf einen Disput mit Düsterwalds König eingelassen hatte. Seit Tagen schwelte es zwischen den beiden. Immer wieder gingen sie bei den kleinsten Anlässen aufeinander los. Das Gespräch vor einiger Zeit hatte offenbar nichts zwischen ihnen geklärt. Eigentlich schien sich alles nur noch verschlimmert zu haben.
Auf der anderen Seite des Zeltes stand Forlos ebenfalls im Halbschatten und die verkrampfte Art, wie er den Griff seines Schwertes umklammert hielt, bewies Haldir, dass es dem Freund kaum besser ging.
Es hatte nur ein Abendessen in Elronds Zelt sein sollen und nun entwickelte es sich zu einer bitter geführten Auseinandersetzung, die schon kurz davor stand, in Handgreiflichkeiten auszuarten. Lord Elrond hatte einen Ausdruck in den Augen, als würden sich seine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten, während Lord Glorfindel noch recht gelassen an einem Zeltpfosten lehnte und wohl eher den sportlichen Aspekt dieses Streites zu genießen schien.
„Du irrst dich, Cousin, wenn du glaubst, dass die Tawarwaith sich wieder aufreiben lassen, nur damit du deine kostbaren Galadhrim heil durch eine Schlacht bringen kannst", fauchte Thranduil. Düsterwalds König saß schon lange nicht mehr auf seinem Platz an der Längsseite der Tafel. Er war aufgesprungen und stützte sich mit den Fäusten auf dem Tisch ab, weit vorgebeugt und damit sehr nah an Celeborns Gesicht.
Auch den Herrscher Lothloriens hatte es nicht mehr auf dem Stuhl gehalten. Ebenfalls auf die Tischplatte gestützt, funkelte er sein Gegenüber an. „Was hast du denn, Thranduil? Angst vor ein bisschen Orkgestank? Vielleicht bist du es auch nicht gewöhnt, nachdem dein Leben bei der letzten Schlacht so gut unter Verschluss war?"
Haldir hatte schon Revierkämpfe zwischen Zwölfendern beobachtet, die freundlicher abliefen. Er tauschte einen Blick mit Forlos, der ein Stück hinter seinem König stand. Der Hauptmann der Tawarwaith schien keine Lippen mehr zu haben, so fest presste er sie aufeinander. Legolas neben ihm hatte etwas Versteinertes an sich. Nur das Funkeln in seinen hellblauen Augen verriet seine Anspannung.
„Du wirst diese Schlacht nicht planen", verkündete Thranduil aufgebracht. „Dann können wir auch sofort Elronds abgeschnittenen Ringfinger mit Vilya nach Dol Guldur schicken. Eigentlich hättest du schön in deinem sicheren Wald bleiben und dich hinter Galadriels Röcken verstecken sollen."
„Lass Galadriel aus dem Spiel."
„Nichts lieber als das. Wenn du es wünschst, lass ich ihr von Cirdan auch ein Boot bauen, damit sie endlich in den Westen segeln darf." Thranduil lächelte böse. „Ah, ich vergaß – selbst die Valar wollen sie nicht haben."
Celeborns Faust krachte auf die Tischplatte. Am Ende der Tafel kam eine Weinkaraffe ins Schwanken und kippte langsam über den Rand. Glorfindel, noch immer recht gelassen, schnellte vor und rettete das Gefäß. „Nicht den guten Wein. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ihr beide schon zuviel davon getrunken habt oder einfach nur zu wenig."
„Sei still!" herrschte Thranduil ihn an. „Wenn du dein Leben dieser bequem gewordenen alten Schneeeule anvertrauen willst, zieht es dich offenbar wieder zu Mandos. Ich hätte mich überhaupt nicht auf diesen Wahnsinn einlassen sollen."
„Dann geh doch", schrie Celeborn aufgebracht.
„Ich denke, es reicht jetzt", war es von Elrond zu vernehmen. Ärgerlich trat er an das Kopfende des Tisches. „Dies ist weder die Zeit noch der Ort, eure Familienfehde auszutragen. In zwei Tagen sind wir an unserem Ziel und nach allem was wir wissen, werden wir bereits erwartet."
„Sauron wird sich keine Sorgen machen, wenn er Thranduil sieht", spottete Celeborn.
Haldir atmete tief durch. „Herr…"
„Nein, unterbrecht ihn nicht", sagte Thranduil mit plötzlicher Ruhe. „Es ist interessant, die wahre Meinung meines Cousins zu vernehmen. Nicht, dass ich es schon immer gewusst habe, aber dennoch ist es gut, wenn auch andere Ohren diese Worte hören."
„Zumindest geht es reicht weit", kam es gedehnt von Legolas, während er an die Seite seines Vaters trat. „Ihr haltet wenig von unserem Volk, Lord Celeborn."
„Das liegt wohl daran, dass Euren Herrschern schon immer der Sinn für die großen Zusammenhänge gefehlt hat. Eure Könige sind gar nicht in der Lage, an ihrer eigenen, aufgeblasenen Persönlichkeit vorbei zu schauen."
Stille senkte sich über die Anwesenden. Elrond sah seinen Schwiegervater an, als hätte der den Verstand verloren. Selbst Haldir musste schlucken. Er kannte Celeborns Temperament. Zumeist war es perfekt gezügelt, aber in den wenigen Momenten, in denen er die Kontrolle darüber verlor, war es eine fürchterliche Kraft.
„Nun", begann Thranduil nach einer langen Pause und räusperte sich, „dann ist es wohl besser, wenn meine aufgeblasene Persönlichkeit dir und deinen genialen Strategien nicht länger im Wege steht."
„Thranduil, das könnt Ihr nicht machen", stöhnte Elrond gequält. „Ich bin sicher, Celeborns vorschnelle Worte sollten keine Beleidigung sein."
„Nein, sollten sie nicht", bestätigte Celeborn mit einem kalten Lächeln. „Es sind Tatsachen. Er hat seit der Schlacht am Schicksalsberg nichts dazugelernt, Elrond, gar nichts. Lass ihn doch gehen, sonst tritt Prinz Legolas eher die Herrschaft über die Tawarwaith an, als ihm lieb sein kann. Versteck dich in deiner Höhle, Thranduil. Am besten mauerst du die Tore zu."
„Celeborn!" herrschte Elrond ihn an und einen Moment hatte Haldir den Eindruck, Bruchtals sonst immer so besonnener Fürst würde Celeborn einen ganz und gar unelbischen Kinnhaken versetzen. „Es reicht!"
„Wahr gesprochen." Thranduil ließ einen finsteren Blick über die Anwesenden gleiten, bis er wieder auf Celeborn zum Ruhen kam. „Die Tore werde ich nicht zumauern lassen, denn sonst erreicht mich nicht die Nachricht, wie du dein erbärmliches Leben in einer sinnlosen Schlacht aushauchst. Vielleicht gewinnst du ja auch, Cousin, wenn wir dir nicht länger im Wege stehen." Er neigte leicht den Kopf in Richtung Elrond. „Ihr solltet umkehren, mein Freund, es ist eine verlorene Schlacht, wenn Ihr weiter so offen gegen Dol Guldur zieht."
„Ihr wisst, dass ich das nicht kann", war Elronds Antwort, leise vor Bedauern.
„Dann habt Ihr mein ganzes Mitgefühl." Damit verließ er das Zelt, dicht gefolgt von Legolas und nach kurzem Zögern auch Forlos. Haldir suchte die Aufmerksamkeit seines Freundes und hoffte, in dessen Miene auch nur ein kleines Anzeichen dafür zu finden, dass sich alles wieder beruhigen würde. Ein eisiges Gefühl überkam ihn, als er Resignation in Forlos' Augen schimmern sah.
„Sieh mich nicht so an", knurrte Celeborn in Elronds Richtung. „Thranduil ist ein hitzköpfiger Narr."
„Und du bist besser?" war die scharfe Gegenfrage. „Du hast gerade unseren stärksten Verbündeten aufs Gröbste beleidigt und fortgetrieben. Wenn hier jemand eine aufgeblasene Persönlichkeit hat, dann ist es sicher nicht Thranduil."
„Ich denke, ich rede noch mal mit ihm", ließ sich Glorfindel vernehmen. „Thranduil ist zwar aufbrausend, aber sicher kein Feigling. Und, Celeborn, solltet Ihr jemals das Gegenteil behaupten, nehmt Euch vor mir in Acht. Oropherion ist mein Freund. Ihm verdanke ich schon mehrmals mein Leben. Das ist mehr, als ich von Euch behaupten kann."
Von Celeborn kam nur ein kurzes Knurren, dann stürmte er hinaus. Haldir machte eine entschuldigende Geste in Richtung Elrond, bevor er hastig seinem Fürsten folgte. Celeborn war so schnell unterwegs, dass es eine Weile dauerte, bis er ihn eingeholt hatte. Schweigend lief er ein ganzes Stück neben ihm her. Schließlich blieb der Sindar-Fürst stehen und seufzte schwer. „Ihr könnt Euch jedes Wort sparen, Haldir."
„Es steht mir nicht zu, Euer Verhalten zu beurteilen."
„Blödsinn! Ihr seid meine rechte Hand. Wenn nicht Ihr, wer sollte dann etwas sagen?"
„Vielleicht besinnt er sich noch einmal", sagte Haldir etwas lahm.
„Sicher nicht. Thranduil wird gehen und mit ihm seine Krieger." Celeborn neigte den Kopf leicht zur Seite. „Hört genau hin, sie brechen bereits ihr Lager ab."
Haldir versuchte, die Geräusche zu ignorieren. „Wenn Ihr Euch entschuldigen würdet…"
Zu seiner Überraschung lächelte Celeborn beinahe zufrieden. „Vielleicht für die Wahl meiner Worte, aber nicht für das, was sie erreicht haben. Thranduil nützt uns hier auf in der Feldschlacht überhaupt nichts. Versucht jetzt besser, etwas Schlaf zu finden. Es werden keine angenehmen Tage, die uns nun bevorstehen."
Haldir neigte steif die Stirn und ließ ihn stehen. Seine Schritte führten ihn in Richtung der Tawarwaith. Auch wenn er dort nun nicht gern gesehen war, konnte er Forlos nicht ohne ein weiteres Wort ziehen lassen. Die aufgeflammte Feindschaft zwischen ihren Herrschern sollte nicht zwischen ihnen stehen.
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Kaya Unazuki: Da kann ich nur beschämt nach oben verweisen. Es war eine handfeste Blockade. Nicht einmal so, dass ich nicht wusste, was ich weiter schreiben sollte. Ich konnte mich einfach nur nicht überwinden, es auch aufzuschreiben. Diesmal keine Entschuldigung von mangelnder Zeit etc., das war zwar wirklich Mangelware, aber es ging trotzdem nicht. Sorry, aber glaub mir, Teddybär und Schmusedecke haben wirklich geholfen.
Ainu: Tja, und hier ist ein neues Kap. Ich hoffe, du liest überhaupt noch, so viel Zeit wie ich mir gelassen habe. Zumindest kann ich hier die Frage beantworten, was mit dem ehedem so friedlichen Palast passiert. Varya macht das einzige, was ihr noch einfällt. Und Emi… mal sehen, wer oder was Emi ist.
Frenze: Mal ehrlich, würdest du auf Glorfindels NASE gucken, wenn er da so halbnackt vor dir steht? Ich nicht, auch wenn meine gute Erziehung es ja eigentlich erzwingen sollte. Aber was nützt einem die gute Erziehung, wenn dabei der ganze Spaß verloren geht. Da hast du arme Socke aber einen Horrortrip im Flieger gehabt. Und man kann noch nicht einmal die Flucht ergreifen. Ja, ich würde mich auch lieber mit Erestor rumschlagen. Der hat wenigstens seine Prinzipien.
Shelley: Hmpf, welche Stellen meinst du? Treib meine Fehlerfindel nicht in den Wahnsinn. Sie kämmt sonst mit dem Fehler-Nissenkamm durch die Story. Ich hab dich übrigens auch bei der con vermisst. Kommst du wenigstens dieses Jahr wieder? Meine Papiere sind mittlerweile alle wieder da, an die neuen Geheimnummern gewöhne ich mich langsam und letzte Woche kam die Mitteilung der Staatsanwaltschaft Fulda, dass das Verfahren mangels Ermittlungsergebnisse eingestellt wurde. Welch eine Überraschung+seufz+
Annchen: Ach, Annchen, die Schreibblockade hat mich ganz kalt erwischt. Hab jeden Tag aufs Neue geschworen, das aufzuschreiben, was mir zum Teil schon in ganzen Absätzen durch den Kopf geisterte. Kaum hab ich das Dokument aufgerufen war es auch schon wieder vorbei und nix ging mehr. Das war so ein blödes Gefühl, ein paar Mal stand ich schon kurz davor, die Story einzustellen. Es ist ja nicht fair, euch so lange hinzuhalten.
Bring mich bloß nicht auf dumme Gedanken mit meiner Wahrsagerin. Ich seh sie jetzt schon die ganze Zeit vor mir, wie sie quietschbunt in einer Ecke der Kaminhalle hockt und gegen Bares den Elben aus der Hand liest. So ein Pappschild an einer Säule aufgehängt: Madame Emi ist nun da. Wahrsagen 1 Goldklumpen, Teeblätter lesen 2 Goldklumpen. Erestor hätte gewiss seinen Spaß, wenn er Elrond so ärgern kann.
Feanen: Am Besten wird es wohl sein, wenn Thranduil gar nichts erfährt. Wird aber wohl schwierig. Ich könnte schwören, es gibt im Sommer des folgenden Jahres ungewöhnlich viele kleine Elbenbabys. Ist ja auch irgendwie eine nette Vorstellung.
Sycronn: Danke, danke und ich bin beeindruckt, dass du sie in einem Rutsch gelesen hast. Gut, dann hast du wirklich den direkten Vergleich und ich gebe dir recht. Die Schwerpunkte haben sich immer ein wenig verschoben. Mal sind die einen der Mittelpunkt, mal die anderen. Dabei ist das nicht einmal Absicht. Es hat sich so entwickelt. Aber ich werde mal nach deinem Hinweis darauf achten, dass Galen wieder ein wenig mehr zu sagen hat. Ich mag den Jungen nämlich auch. Er war die erste Gestalt, die bei den Heilern in meinem Kopf rumspukte.
Es gibt eine Menge lose Enden bei den Heilern. Figuren, die ins Leben gekommen sind und nun sehr frei darin rumschweben. Aber ich kann sie nicht alle immer in den Storys unterbringen. Im Grunde sind sie zur freien Verfügung und der Phantasie aller überlassen. Bedien dich, wenn du möchtest – aber ich möchte es zuerst lesen +ggg+.
Hey, du bist ja noch eine schlimmere Kupplerin als ich. Ich versuch mich wenigstens nur an Forlos. Ein paar Junggesellen müssen doch noch übrig bleiben, sonst erleidet Glorfindel nachher noch einen Schwächeanfall. Haldir und seine Brüder helfen ihm bestimmt gerne.
Man ‚sieht' nix?
