A/N: Ungewohnt am Anfang: Dies ist entgegen meiner Ankündigung nicht das letzte Kapitel. Die Erklärung folgt am Schluss..
Rawness
Die Tür des Krankenflügels stand weit offen. Der große Saal selbst war leer, aber aus dem kleinen Zimmer dahinter hörte Remus aufgeregte Stimmen debatieren. Deutlich erkannte er Albus' Stimme, dazwischen Poppy, die ihn wohl zu beruhigen versuchte. Für einen Moment zögerte Remus. Die Gesprächsfetzen, die er aufschnappte, klangen nicht so, als ob sie für die Öffentlichkeit bestimmt wären. Aber die Verletzungen in seinen Händen pochten und zogen, und er fürchtete, das sie sich durch den Schmutz in der Hütte entzünden könnten. Also näherte er sich der offenen Tür und betrat den Raum.
"..wie stellst Du dir das eigentlich vor?" Die Szene, die sich vor Remus' Augen entfaltete, war denkbar seltsam. Albus stand sichtbar aufgeregt in der Mitte des Raumes. Er hatte die Fäuste in die Hüfte gestemmt, und seine durchdringende Stimme zeigte deutliche Nuancen von Zorn. Poppy stand hinter dem einzigen Bett im Raum, die Hände beschwichtigend erhoben.
Severus war wieder aufgewacht. Und offensichtlich in besserer Verfassung als Remus zu hoffen gewagt hatte. Er saß mehr auf dem Bett als darin, mit einigen Kissen im Rücken gegen das Kopfteil gelehnt. Nur seine nackten Füße, die für seinen sonstigen Stil viel zu legere Kleidung, und seine völlig zerwuschelten Haare deuteten darauf hin, dass er offensichtlich vor kurzer Zeit noch geschlafen haben mußte. Poppy hatte ihm anscheinend seine eigenen Kleider zugestanden und darauf verzichtet, ihn in einen der üblichen blau-grau gestreiften Pyjamas zu stecken, die sie sonst für ihre Patienten bereithielt. Statt dessen trug er weite Leinenhosen und ein ebenso weit geschnittenes Hemd, beides schwarz und reichlich zerknittert. Was Remus aber am meisten auffiel waren nicht diese Kleinigkeiten.
Poppy hatte sich reichlich Mühe mit Nährstofflösungen und Vitamininfusionen gegeben, aber all das hatte nur wenig gegen den in Monaten angerichteten Schaden ausrichten können. Es war eine Sache gewesen, Severus schlafend zu betrachten. Es war aber etwas völlig anderes ihn wach zu sehen - die tiefliegenden Augenhöhlen, aus denen schwarze Augen starrten, die viel zu harten Kanten seines Gesichtes, die nicht mehr durch lange Haare kaschiert wurden, die lächerlich schmalen Handgelenke, die langen Hände, die wie weiße Spinnen auf seinen Knien ruhten, und der müde und kraftlos gegen die Wand gelehnte Kopf. Nichts hatte Remus auf diesen Anblick vorbereiten können. Severus sah aus wie ein lebender Toter.
Das hinderte Albus aber offensichtlich nicht daran, wütend auf ihn einzureden. "Wie lange ging das schon? Wirklich, was soll ich denken. Erst erfahre ich diese -" mit einem Blick auf Poppy führte er nicht weiter aus, was er meinte, aber Remus war die Anspielung nur zu deutlich - "diese Sache und dann erzählt Remus mir von deinem Veränderungszauber. Und dann haben wir Dich hier und ich bohre ein bißchen herum, und dann kommt sowas zum Vorschein." Albus stand mit dem Rücken zu Remus, und bemerkte ihn nicht. Deswegen sprach er einfach weiter. Severus und Poppy aber sahen ihn. Dennoch gab keiner von beiden mit einer Regung zu verstehen, dass Remus störte. Also blieb er einfach stehen und hörte Albus' Tirade weiter zu.
"Bist Du wahnsinnig geworden, oder so? Du kannst doch nicht ernsthaft geglaubt haben, dass niemand dieses wahnwitzige Konzept durchschauen wird. Oder das Du noch lange aufrechterhalten kannst. Merlin, schau Dich an. Du kannst doch nicht einfach zulassen - Du kannst Dich doch nicht einfach so wegwerfen. Doch nicht so. Severus!" Ein wenig Verzweiflung mischte sich in Albus' Wut. Und dann Trauer. "Oder war das dein Plan?" Er trat einen Schritt näher zum Bett. Severus reagierte aber immer noch nicht, und hörte nur stumm zu. In seinem hageren Gesicht war kein Anzeichen von Emotion erkennbar. Remus schauderte vor seinen kalten Augen. "War das dein Konzept? Es würde den Eid umgehen, oder? Kein Problem. War es das, was Du wolltest? Dich umbringen?" Mit einer wütenden Handbewegung teilte Albus die Luft vor sich. "Sollte das ein langsamer Selbstmord werden? Ich kenne Dich, ich traue es Dir zu. Oder ist das eine Familiensache? Wir könnten über deinen Vater sprechen." Das war wohl der letzte Schlag gewesen, gesprochen voller Wut und Verzweiflung.
Einige Sekunden lang sagte niemand etwas. Albus stand einfach mittem im Raum, die Hände immer noch Richtung Bett ausgestreckt, den Blick fest auf Severus gerichtet. Poppy schaute unruhig hin und her, und auch zu Remus, den aber sonst niemand beachtete.
"Bist Du dann fertig?" Es dauerte einen Moment bis Remus begriff das es Severus war, der sprach. Es strengte ihn sichtlich an, aber es war vor allem der Tonfall, der Remus einen kurzen Schauer über den Rücken jagte. Severus' sonst so faszinierende Stimme, die er anstrengungslos von Samt bis Klinge modulieren konnte und zu seinem Vorteil einzusetzen wußte, klang kratzig und rau, ohne Tiefe, und sehr leise. Er hatte lange nicht mehr gesprochen, und die Zauber, die in Kombination mit dem Heilschlaf eine regelmäßige Atemfrequenz garantierten, hatten seinen Stimmbändern nicht gut getan. Dazu kam der deutliche Mangel an Kraft, und Luft. Was er aber nicht verloren hatte war die Intensität seines Tonfalls.
"Wie schön. Bist Du an einer Antwort interessiert?" Albus wollte etwas sagen, aber Severus hob eine Augenbraue - eine sehr eindrucksvolle Mimik in seinem sonst beinahe wie eine Karikatur seiner selbst wirkenden Gesicht - und brachte Albus zum Schweigen. "Erstens können wir sehr gerne über meinen Vater sprechen. Dabei sollten wir erwähnen, dass die um seinen Tod gestreuten Gerüchte vor allem zur Ablenkung von der Wahrheit dienten. Das ist Dir durchaus bewußt. Damit wäre das Thema abgehakt. Zweitens allerdings verbitte ich mir jeglichen Vergleich mit ihm. Wäre ich mein Vater säße ich nicht hier."
Aber Albus war nicht zufrieden. "Ach nein?" Remus konnte seine Mimik nicht sehen, schloss aber auf Severus' weiterhin versteinertem Gesichtsausdruck, dass sie nicht sehr freundlich sein konnte. "Du kennst die Antwort." Doch Albus war zu wütend, um dieser Rethorik zu erliegen. "Das dachte ich eine Weile lang auch. Aber offensichtlich verbirgst Du mehr vor mir, als ich dachte. Also, sag es mir."
Severus schüttelte langsam den Kopf. "Was willst Du denn gerne hören? Natürlich wäre ich nicht hier, wäre ich den Wünschen meines Vaters gefolgt. Vermutlich würde ich gemütlich in Raven Hall sitzen und Death Eater Truppen koordinieren? Oder in der Leichenkammer von St. Mungo's liegen, je nachdem. Wenn ich ein braver Sohn geblieben wäre - aber Gehorsam, wie Du weißt, liegt nicht in meiner Natur." Noch während er sprach hob er eine seiner Spinnenhände und rieb über sein Schlüsselbein. Poppy zupfte ihn aber sofort am Ärmel. "Finger weg. Das Schlüsselbein wird noch eine gute Weile schmerzen, sowas heilt nicht schnell. Sei vorsichtig." Wie befohlen ließ Severus seine Hand wieder sinken und nickte ergeben. "Natürlich. Danke, Poppy." Dann räusperte er sich. Der Dialog mit Albus hatte ihn sichtbar angestrengt.
Albus stand immer noch regungslos im Raum. Anscheinend dachte er noch über Severus' Antwort nach. Dann hob er die Hände. "Nein, Gehorsam liegt Dir wirklich nicht." Er klang unschlüssig. Wieder sagte einen Augenblick lang niemand etwas. Remus trat unruhig von einem Fuß auf den anderen. Er fühlte sich so fehl am Platz wie ein Gewitter während eines Badetages, aber jetzt konnte er schlecht einfach gehen. Das wäre auffällig gewesen. Es überraschte ihn sowieso, dass weder Severus noch Albus ihn bemerkt zu haben schienen. Zu konzentriert waren sie auf ihren Dialog, zu viel Unsichtbares geschah zwischen ihnen.
Es war wieder Severus, der zuerst die Stille brach. "Albus." Wieder räusperte er sich, fuhr sich dann in einer seltsam unsicheren Bewegung durch die nur noch kinnlangen Haare. "Warum bist Du wirklich hier? Nur, um mir vorzuwerfen, dass ich angeblich wie mein Vater bin? Um mich Dinge zu fragen, deren Antwort Du kennst?" Albus dachte nach. Dann ging er einige Schritte vor, und setzte sich zu Severus auf das Bett.
In diesem Moment bemerkte er Remus. Er sah nicht erfreut aus, bemühte sich aber, es sofort zu verstecken. "Remus. Stehst Du schon länger da? Ich habe Dich gar nicht bemerkt." Remus versuchte zu lächeln, aber es fiel ihm schwer. Er spürte Severus' prüfenden Blick. "Nur kurz. Ich, ähm, ich bräuchte Poppys Hilfe. Meine Hände sind etwas ramponiert." Wie als Beweisstück zeigte er seine zerkratzten Hände vor. Poppy eilte sofort zu ihm. "Das sieht ja fürchterlich aus. Lass uns rüber gehen, ich versorge Dich." Unausgesprochen stand im Raum, dass sie die beiden anderen allein lassen wollte. Bereitwillig ließ Remus sich von ihr aus dem Raum dirigieren. Aus den Augenwinkeln sah er aber noch eine Bewegung, und verblüfft fragte er sich, ob er richtig gesehen hatte. Hatte wirklich Severus gerade wie tröstend eine Hand auf Albus' Schulter gelegt? Dann aber schloss Poppy sanft die Tür hinter sich, und Remus mußte seine Neugier auf später vertrösten.
Schnell und fachmännisch versorgte die Medihexe seine Hände, und schimpfte gleichzeitig mit ihm. "Wirklich, Remus. Immer die Hände. Was hast Du nur mit deinen Händen?" Aber Remus konnte nur die Schultern zucken. Schließlich verstand er die Fixierung des Wolfes auf die Pfoten auch nicht wirklich. Schließlich entließ sie ihn. "Fertig. Lass den Verband heute dran, morgen früh sollte alles verheilt sein. Wie gut, dass Du dir keine Knochen gebrochen hast. Mein Skele-Grow ist komplett aufgebraucht. Severus muss mir unbedingt neues brauen, noch bevor das Schuljahr anfängt. Schließlich hat er auch alles aufgetrunken."
Eigentlich wäre Remus nach seiner Behandlung gerne noch einmal zu Severus gegangen. Zuviele Fragen hatte er, und zu sehr wollte er ihm von seinem Wolfsbann-Abenteuer mit Albus erzählen. Auf der anderen Seite war es vielleicht klug, diese Nachricht von Albus überbringen zu lassen. Aber darüber sprechen würde er sicherlich mit Severus, denn er war sich sicher, dass er nur so den Fehler finden würde, der ihnen offenbar unterlaufen sein mußte. Aber Poppy machte keine Anstalten, ihn wieder in das private Zimmer zu lassen. Statt dessen erkundigte sie sich nach der Wirkung des Trankes, und Remus erzählte in Kurzversion die Ereignisse der letzten Nacht, nicht ohne Sirius' Hilfe zu betonen. Er erwähnte auch, das Albus bereits eine Idee gehabt hatte, wo genau der Fehler passiert war. Aber auch Poppy verwies ihn an Severus. "Ihr müßt es ihm sowieso sagen. Er würde es natürlich auch sebst merken, schließlich wart ihr in seinem Labor. Ist vom Trank noch etwas übrig?" Das wußte Remus gar nicht genau. Er versprach, nachzufragen, und wurde von Poppy förmlich weggeschickt. "Komm später nochmal vorbei. Lassen wir Albus noch ein wenig Zeit mit Severus, sie werden einiges zu klären haben. Und dann werde ich mir erlauben, auch Albus rauszuwerfen. Severus braucht Ruhe. Es geht ihm besser als ich dachte, aber er ist sehr fragil. Außerdem - " Die Medihexe grinste. "- habe ich ihn, als ich den Heilschlafzauber aufgehoben habe, mit einem schönen Somniare belegt." Damit konnte Remus nichts anfangen, aber Poppy reagierte auf seinen fragenden Blick und erklärte bereitwillig. "Eine besondere Form des heilenden Schlafzaubers. Er wird an die Energiewerte eines Kranken gekoppelt, und sorgt dafür, dass sie nicht unter ein bestimmtes Level absinken. Passiert das doch, aktiviert sich der Zauber und zwingt den Patienten dazu sich auszuruhen. Das ist sehr praktisch bei schwierigen Patienten, die sich sonst keine Ruhe gönnen. Also perfekt für Severus. Allerdings nicht ungefährlich, denn gelegentlich schlafen die so Behandelten auf der Stelle ein, egal wo sie sind. Deswegen darf man sie nicht aus den Augen lassen. Ich vermute, dass Severus tief und fest schläft, wenn ich zurück ins Zimmer gehe. Allein schon deswegen macht es keinen Sinn, Dich jetzt hineinzulassen. Komm nach dem Mittagessen wieder, dann wird er wieder wach sein." Das war deutlich, und so ließ Remus sich bereitwillig davonschicken.
Die Zeit bis zum Mittagessen verging schnell. Es war schon recht spät gewesen, als er die Heulende Hütte verlassen hatte, und auch die Behandlung durch Poppy hatte einige Zeit in Anspruch genommen. Remus ging zunächst zurück zu seinen Räumen, wechselte seine Kleidung und versuchte, trotz seiner verletzten Hände zu duschen. Glücklicherweise hatte nur seine rechte Hand einen größeren Verband benötigt. Aber auch die linke war über und über mit Pflastern bedeckt, und so gestaltete das Duschen sich als etwas kompliziert. Schließlich aber fühlte Remus sich gewaschen und in frischer Kleidung wie ein neuer Mensch, und verließ seine Räume für einen kurzen Spaziergang. Vielleicht würde er Sirius treffen, und könnte mit ihm nochmal über die Ereignisse der vergangenen Nacht sprechen. Durch die Verwandlung war seine Wahrnehmung stark verzerrt, und er war sich nicht sicher, ob vieles sich so zugetragen hatte, wie er es in Erinnerung hatte. Sirius wäre eine wertvolle Zweitmeinung.
Aber statt seines Freundes traf er nur Minerva, die ihn wissen ließ, dass Sirius für Sprout im Wald nach einer bestimmten Knollensorte suchte. Ein wenig ärgerte Remus sich, dass er nicht hatte mitkommen können - schließlich war er der neue inoffizielle Kräuterxperte dieses Schlosses! - aber dann freundete er sich mit dem Gedanken an ein eine ruhige Stunde am See an. Aus der Bibliothek stibizte er einen Roman, und machte es sich an seinem Baum am See gemütlich. Nach dem Vollmond arbeitete er nie, solange er es vermeiden konnte. Zu anstrengend war die Verwandlung, dass er sich nicht ein wenig Ruhe gönnen mußte. Und noch hatte er ja ein wenig Zeit, bevor das neue Schuljahr anfing. Viel war es allerdings wirklich nicht mehr. Eine kurze Rechnung ergab, das er gerade noch zwei Wochen hatte, bevor der Hogwarts-Express im Bahnhof ankommen und das gewohnte Leben wieder beginnen würde. Es fiel ihm schwer, das baldige Ende des Sommers zu akzeptieren. Natürlich freute er sich auf das neue Jahr, die neuen Erstklässler, die vertrauten Gesichter der Schüler. Sirius konnte es gar nicht abwarten, Harry wiederzusehen, und Remus freute sich für ihn darauf. Schließlich war Harry für Sirius alles, was von seiner Familie geblieben war - und vice versa. Aber für Remus bedeutete ein neues Schuljahr auch viel Arbeit: Der Unterricht, der Orden. Und gleichzeitig stieg in ihm die Angst vor neuen Attacken der Death Eater auf. In den letzten Wochen schien sogar Voldemort eine Art Sommerpause eingelegt zu haben. Der Tagesprophet hatte keine Angriffe verzeichnet, und auch der Orden war seit einiger Zeit nicht mehr zusammengetreten. Aber mit dem neuen Schuljahr und dem Herbst würde es wieder losgehen, da war Remus sich sicher. Wen würde es treffen?
Erst das Erscheinen eines Hauselfen, der ihn zum Mittag rief, befreite Remus von seinen trüben Gedanken. Er ärgerte sich ein wenig über sich selbst. Mußte er jedes Mal, wenn er eine freie Minute in der Sonne verbrachte, gleich irgendwelche Horrorszenarien entwerfen? In Zukunft würde er das lieber anderen überlassen.
Schnell und ereignislos ging das Mittagessen vorüber. Albus war nicht dazugekommen, und so erfuhr Remus nichts Neues aus dem Krankenflügel. Dorthin aber lenkte er schließlich seine Schritte, neugierig und ein bißchen ängstlich. Hatte Albus schon von ihrem Wolfsbannabenteuer erzählt? Die Tür zum großen Zimmer stand offen, und auch die weitere Tür in das Privatzimmer war nur angelehnt. Remus betrat den Raum ohne anzuklopfen.
Was sich sofort als Fehler offenbarte. Severus saß auf den Bett, die Beine übereinandergeschlagen, auf dem Schoß und um ihn herum verteilt Bücher und Notizbücher, einen Stift in der linken Hand. Offensichtlich hatte er an irgendetwas gearbeitet, und war über die Störung wenig erfreut.
"Der Nächste, bitte. Minerva, Albus, Poppy mit ihrem verdammten Somniare - ich komme mir ja schon vor wie im Zoo. Willst Du mich jetzt auch besichtigen?" Remus hob abwehrend die Hände. "Tut mir leid. Störe ich Dich beim arbeiten? Ich kann später wiederkommen." Aber Severus schlug seufzend sein Notizbuch zu. "Wenn Du schon hier bist kannst Du mir auch sagen was Du von mir willst. Ich schlafe sowieso gleich wieder ein, wenn ich diesen dämlichen Zauber richtig einschätze. Also?" Remus mußte grinsen. Er hatte sich schon gedacht, dass Severus wenig erfreut auf den Somniare reagieren würde. Hätte er gekonnt, wäre er wahrscheinlich dem Krankenflügel schon längst entflohen und hätte sich in seinen Räumen verkrochen. Aber Poppy wollte ihn noch eine Weile überwachen, und dank des Somniares hätte sie ihn - selbst wenn er einen Fluchtversuch gewagt hätte - wahrscheinlich einfach irgendwo wieder einsammeln können. Das einem so auf seine Würde und Freiheit bedachten Zauberer wie Severus ein solcher Mechanismus nicht gefallen würde, war abzusehen.
"Ich wollte Dir von meinem Abenteuer mit dem Wolfsbann berichten. Hat Albus Dir schon davon erzählt?" Remus machte es sich in Poppy's weichem Sessel am Fenster bequem. "Bitte, setzt Dich doch. Du mußt wirklich nicht stehen bleiben, das wäre zuviel der Höflichkeit." Hätte Severus über seine übliche Stimme verfügen können, hätte er die Worte vermutlich gefaucht. So krächzte er aber nur, mußte dann husten, und brauchte eine ganze Weile, bis er sich wieder gefangen hatte. Unwillkürlich mußte Remus an Fawkes denken, der einmal von seiner Schulter gefallen und in einem Haufen Staub gelandet war, und anschließend sehr ähnlich reagiert hatte: Entsetzt hatte der Phönix versucht, sein Gefieder zu ordnen, gleichzeitig aber möglichst würdevoll wieder aus dem Staubhaufen aufzuerstehen. Auf Remus' ausgestreckte Hand hatte er nur mit einem Hacken des Schnabels reagiert, bevor er in eine Ecke geflüchtet war und dort lange genug gesessen hatte, bis er seine Person wieder arrangiert hatte, um dann mit seinem üblichen Pomp erneut auf Remus' Schulter Platz zu nehmen.
Bei dem Vergleich konnte Remus ein Grinsen nicht unterdrücken, was Severus aber nur weiter irritierte. "Und was ist daran lustig?" Er mußte schon wieder husten und verbarg kurz sein Gesicht in den Händen. Remus hob zum Ausdruck seiner Friedensbereitschaft die Hände. "Nichts, entschuldige." Severus nickte, hustete aber weiter. Dann hatte er sich wieder gefangen und holte tief Luft. Remus betrachtete ihn aufmerksam. "Du siehst wirklich fürchterlich aus." So direkt hatte er es eigentlich nicht formulieren wollen, aber ohne nachzudenken war es ihm einfach herausgerutscht. Severus rieb sich die Nasenwurzel. "Gratulation zur Erkenntnis des Tages. Du darfst dich über einen vierten Platz freuen, denn alle anderen waren schneller. Minerva hatte sogar einen Spiegel dabei, was wirklich liebenswürdig war." Scheinbar war Minerva in guter Gryffindormanier vorangeschritten, und es schien Remus, als sei sie dabei nur knapp einem grausamen Tod entgangen. "Lebt sie noch?" Das würde eine schöne Geschichte geben, um sie bei Gelegenheit - also wenn alles vorbei war - den Schülern zu erzählen. "Natürlich. Das spare ich mir für später auf. Gryffindor wird dieses Jahr einiges zu tun bekommen. Jetzt aber zum Wolfsbann - was wolltest Du sagen?"
Albus hatte ihm also wohl noch nichts davon erzählt. "Du hast noch nichts von unserem, ähm.. Abenteuer gehört?" Severus schüttelte langsam und vorsichtig den Kopf. "Albus hatte andere Fragen. Obwohl er sich in Andeutungen ergangen hat. Der Vollmond war wohl letzte Nacht? Mein Zeitgefühl ist, gelinde gesagt, durcheinander." Remus zeigte seine verletzten Hände. "Allerdings." Für einen Moment sah Severus ihn mitleidig an. "Das tut mir leid." Aber Remus winkte ab. "Nein, wieso? Der Trank hat gewirkt, nur etwas verzögert."
Vielleicht hätte er sich eine sanftere Methode überlegen sollen, um Severus davon zu berichten. "Welcher - Merlin, nein, ihr habt nicht - habt ihr?" Entsetzt starrte Severus ihn an, und Remus blieb nichts anderes übrig als zu nicken. Severus schloss kurz die Augen, sichtlich bemüht, nicht die Contenance zu verlieren. "Wer, wir? Wo? In meinem Labor? Habt ihr den Verstand verloren?" Dann gab er seinem offensichtlich nicht mehr zu bändigenden Bedürfnis nach, schlug die Hände vor's Gesicht und sagte erst einmal gar nichts mehr. Remus versuchte derweil, den Schaden zu reduzieren. "Reg Dich nicht auf, es ist nichts kaputt gegangen. Wir haben dein Labor nicht in die Luft gejagt, oder irgendetwas ruiniert. Alles hat einigermaßen gut geklappt, erstaunlicherweise. Wir hatten deine Konzeptbücher und die Erinnerung aus Albus' Beständen, und die Zutaten waren ja schon alle bereitgestellt, das Hyle im richtigen Zustand..." Weiter kam er nicht. Severus hatte während seiner Ausführungen die Hände wieder vom Gesicht genommen, funkelte ihn wütend an und unterbrach ihn barsch. "Ihr habt also, wenn ich das richtig verstehe, in meinem Labor, mit meinen Aufzeichnungen, die ihr aus meinen Räumen geholt habt, und meinen Zutaten einen Trank gebraut, der-" Weiter kam er nicht. Seine angeschlagenen Stimmbänder waren deutlich überfordert, und seine Anklage ging in unverständliches Krächzen und Husten über. Mühsam angelte er sich ein Glas von seinem Nachttisch, trank etwas Wasser, und atmete dann tief durch. Remus betrachtete das Spektakel mit einer Mischung aus Besorgnis, Schuldbewußtsein und Belustigung. Normalerweise war Severus' Wut ausgesprochen eindrucksvoll, und welche arme Seele sie auch immer auf sich gezogen hatte mußte zittern und bangen. Allein der Verlust seiner Stimme und seine deutliche köperliche Schwäche nahmen ihm aber viel von seiner Ausdruckskraft, und der ihn immer wieder überfallende Husten tat sein übriges dazu. Trotzdem fühlte Remus sich ein wenig mulmig. Und eigentlich hatte Severus ja recht: Sie hatten mit ihrem Abenteuer seine Privatsphäre ziemlich schamlos ignoriert, und sich einfach nach gutdünken bedient - da gab es nichts zu leugnen.
Trotzdem wußte Remus nicht ganz, was er sagen sollte. Severus' Hustanfall rettete ihn allerdings für einige weitere Minuten und gab ihm etwas Bedenkzeit. Genau diesen Moment wählte Albus, um seinen Kopf durch die Tür des Zimmers zu stecken. "Das klingt ja, als würde jemand abgestochen werden. Ah, Remus. Ich störe. Dann komme ich später wieder." Mit dieser Erklärung wollte er schon wieder verschwinden, wurde aber von Severus' auf ihn gerichteten, dürren Zeigefinger festgehalten. "Halt!" Überrascht hielt Albus inne, und betrat das Zimmer. Wieder hustete Severus, nicht ohne aber weiterhin mit dem Zeigefinger auf Albus zu zeigen und in der Luft herumzustochern. Dabei krächzte er immer wieder einzelne Wörter. "Du! Wir.. müssen.. reden!" Etwas amüsiert hob Albus die Hände, und lächelte. "Das klingt dramatisch. Beruhige Dich erst einmal wieder, deine Stimme klingt grauenvoll. Was gibt es denn?" Aber Severus brauchte noch einen Moment, bis er wieder sprechen konnte. In der Zwischenzeit hatte Albus genügend Zeit, um Remus' etwas betroffenen Gesichtsausdruck richtig zu deuten. "Ich ahne schon, worum es geht. Remus hat von unserem kleinen Wolfsbannabenteuer erzählt?"
Severus nickte, und fing sich schließlich genug, um weiterzusprechen. "Merlin, diese Husterei ist ja nicht zu ertragen. Erinnert Poppy doch das nächste Mal daran, dass es durchaus Zauber gibt, die sowas verhindern können." Er räusperte sich noch einmal, und begann dann, mit weitaus schärferen Tonfall weiterzusprechen. "Bei den Knochen aller Alchemisten, was habt ihr euch eigentlich dabei gedacht? Wenn Du ein Labor haben willst, dann richte Dir eines ein, dieses Schloss hat genug Zimmer und Kerker. Mein Labor! Wolfsbann! Ein Wunder, dass ihr euch nicht umgebracht habt. Oder uns alle." Er war sichtlich wütend. Albus hob abwehrend die Hände. "Erstens will ich gar kein eigenes Labor, schließlich ist deines ja wirklich gut ausgestattet. Zweitens haben wir uns dabei eine Menge gedacht, schließlich brauchte Remus den Trank. Und drittens hattest Du uns ja freundlicherweise wissen lassen, wo die Konzeptbücher waren, und mir die aufbewahrte Erinnerung wieder ins Gedächtnis gerufen. Eigentlich war das also deine Idee. Und viertens waren wir zu zweit, und ich weiß eigentlich recht gut, was ich tue." Im letzten Satz schwang soetwas wie beleidigter Stolz in Albus' Stimme mit, und Remus stellte überrascht fest, das ihr Gespräch sich wie ein Stück mit vertauschten Rollen anhörte. Wie oft hatte Albus schon Severus auf diese Weise zur Raison rufen wollen?
"Ach so, ihr wart zu zweit. Si caecus caecum ducat ambo in foveam cadunt, schon vergessen?" Albus verdrehte die Augen. "Werd nicht schnippisch. Das Risiko war uns bewußt. Oder mir zumindestens. Aber Remus brauchte den Trank, und die Ausgangsvoraussetzungen waren gut. Alles war vorbereitet, wir hatten deine Konzeptschriften - auch wenn ein Großteil davon unleserlich war - und die Erinnerung war wirklich hilfreich. Du hast ganze Arbeit geleistet, sonst wäre ich niemals auf die Idee gekommen, es zu versuchen. Und es hat geklappt, jedenfalls beinahe. Aber ich schätze, Du wirst uns in Kürze sagen können, wo unser Fehler lag." Severus sah nicht überzeugt aus. "Es hätte unglaublich viel schief gehen können. Die Wahrscheinlichkeit das es funktioniert war winzig. Gerade das Stadium, in dem das Hyle erhitzt wird ist sehr gefährlich." Albus nickte. "Natürlich, und das war mir sehr wohl bewußt. Tu nicht so, als wärst Du der einzige Tränkemeister hier." Jetzt gewann Albus' Stimme an Schärfe, und das war offensichtlich genau das richtige, um Severus wieder zu bremsen. "Das ist mir selbstverständlich bewußt. Aber Du bist kein Spagyriker, und hast offen gesprochen vom Wolfsbann keine Ahnung." Aber auch diesen Einwand wischte Albus vom Tisch. "Du hast keine Ahnung von Arithmetik und hast trotzdem in deinen Konzeptbüchern gerechnet. Stellenweise allerdings etwas nachlässig in der theoretischen Fundierung, möchte ich sagen."
Die letzte Bemerkung war ein gründlich plazierter Hieb, und er traf. Severus biss sich etwas beleidigt auf die Lippen und verschränkte dann die Arme vor der Brust. Dabei zuckte er etwas zusammen, als die Bewegung sein Schlüsselbein in Mitleidenschaft zog. "Touché. Trotzdem war es unklug von euch, das müßt ihr zugeben. Habt ihr mein Labor wenigstens wieder in den Ausgangszustand zurückversetzt?" Jetzt erst traute Remus sich, wieder in das Gespräch einzusteigen. "Das haben wir, alles sieht aus wie vorher. Jedenfalls für meine Augen." Severus nickte vorsichtig. "Ich werde den Schaden dann besichtigen, sobald Poppy mich hier frei lässt." Albus lachte, und alle vorherige Anspannung wich aus seinem Gesicht. "Wenn Du dich ruhig verhälst könnte das in den nächsten Tagen der Fall sein. Ich sehe Dir an, dass dein Schlüsselbein Dir Schmerzen bereitet. Und deine Stimme klingt grauenvoll, mit Aufnahmen deines Gekrächzes könnte ich während des Schuljahrs viel Geld verdienen. Ruh dich noch ein wenig aus. Und wenn Du über etwas nachdenken willst, kann Remus Dir alles über den Wolfsbann berichten und Du könntest uns helfen, die Ursache für die verminderte Sekundär- und verzögerte Primärwirkung zu finden."
Es blieb Severus nichts anderes übrig, als dem zuzustimmen. Die nächste halbe Stunde verbrachten sie damit, den Verlauf des Wolfsbannbrauens gründlich durchzugehen. Severus stellte gezielte Detailfragen, oft nach Dingen, die Remus für völlig nebensächlich gehalten hatte. Schließlich verabschiedete Albus sich. "Ich habe noch einiges zu erledigen. Remus wird Dir sicherlich gerne weiter Gesellschaft leisten, und ich schaue dann später noch einmal herein. Überanstrenge Dich aber nicht, Du weißt ja, wie der Somniare wirkt." Düster nickte Severus. "Allerdings." Prompt gähnte er. Das hielt ihn aber nicht davon ab, noch die nächsten Minuten weiter nach sämtlichen Details des Brauprozesses zu fragen. Remus antwortete, so gut er konnte, war aber irgendwann auch in den kleinen Details unsicher. Es war ihm ein bißchen peinlich, dass er ein erst wenige Tage zurückliegendes Ereignis nicht mehr exakt rekonstruieren konnte. Aber Severus beruhigte ihn. "Es ist völlig normal nicht jede Kleinigkeit im Gedächtnis zu behalten. Der Brauvorgang ist kompliziert und viele Details waren für Dich einfach nicht wichtig. Wenn Du nochmal in die Aufzeichnungen schaust wird Dir vieles wieder einfallen." Aber Remus war nicht mit sich zufrieden. "Trotzdem finde ich es seltsam. Wie kann ich soviel vergessen? Dein Gedächtnis ist besser als meins!" Severus beschwichtigte ihn aber sofort. "Jahrelange akademische Ausbildung, andauernde Beschäftigung mit der Materie, alles nur Übungssache. Außerdem bringt die Arbeit für den Orden die Achtsamkeit für kleinste Details mit sich."
Daran hatte Remus nicht gedacht. Aber es stimmte natürlich. Als Spion mußte Severus peinlichst genau auf die kleinsten Details achten, um weder sich noch andere zu gefährden. Gleichzeitig war das Wissen, das er erlangte und zum Orden trug auch oft kleinteilig und mußte genau rekonstruiert werden, um vollkommen ausgenutzt werden zu können. Da war es kein Wunder, das Severus ein aufmerksamer Beobachter war, eine Fähigkeit, die Remus an sich gerade erst trainierte.
Noch während er aber diese Gedanken wälzte erhielt er ein Paradebeispiel für die Wirkung des Somniare. Nur für einen kleinen Moment hatte er Severus nicht angeschaut. Als Remus aber wieder zu ihm hinübersah, und bereits zu einer Frage ansetzte, war er eingeschlafen. Remus war verblüfft und verstand gleichzeitig, warum genau Severus diesen speziellen Zauber nicht ausstehen konnte. Einfach so mitten im Gespräch einzuschlafen war wirklich gewöhnungsbedürftig, und jemanden wie Severus - immer wachsam, immer bereit zum Angriff - eigentlich eine Zumutung. Auch wenn er im Krankenflügel sicher und unter Freunden war, verbuchte er es wahrscheinlich als Attacke auf seine persönliche Würde.
Es war tatsächlich ein ungewöhnlich ruhiger Moment. Remus war sich nicht sicher, woher dieses Gefühk kam. Aber Severus so mittem im Gespräch einschlafen zu sehen war eine völlig andere Sache als ihn im Heilschlaf zu sehen. Seltsamerweise waren diese Besuche distanzierter gewesen. Erst noch mit Severus zu sprechen und ihn dann von der einen auf die andere Minute so ruhig zu sehen war wie eine ungewohnte Vertraulichkeit. Und dieser Schlaf war auch eine völlig andere Art des Schlafens. Währen der Heilschlaf dem darin Festgehaltenen die Individualität nahm, und ihn vielmehr auf bloße Körperlichkeit reduzierte, war dieser viel natürlichere Schlaf vertrauter. Es war nicht bloß ein geschundener Körper, den Remus besichtigte, sondern Severus. Und zu Remus' Erleichterung gab dieser Schlaf ihm den friedlichen Ausdruck den Schlafende sonst an sich hatten, und der ihm im Heilschlaf völlig gefehlt hatte.
Langsam stand Remus von seinem Sessel auf. Seine Vorsicht war aber völlig unnötig. Der Schlafzauber wirkte gut, und er hätte tanzend und singend den Raum verlassen können - Severus hätte es nicht gehört.
Erst vor der Tür entspannte Remus sich wieder. Für einen Moment überlegte er, ob er die Aufzeichnungen ihrer Laborarbeit noch einmal durchgehen sollte, damit er für zukünftige Gespräche mit Severus besser gerüstet wäre. Dann aber fiel ihm ein, dass die Konzeptbücher, seine eigenen Notizen und die Nachschlagewerke damals einfach im Labor liegen geblieben waren, und dort wahrscheinlich immer noch liegen müsste. Den Zugang zum Labor allerdings hatte Remus nun nicht mehr. Albus aber hatte bestimmt das Passwort. Mit gefasstem Entschluss schlug Remus den Korridor zu Albus' Büro ein, als ihm plötzlich siedendheiß einfiel, dass er Severus gar nichts von der Pergamentrolle erzählt hatte, die auf seinem Schreibtisch lag. Und er hatte ihn auch nicht gefragt, was eigentlich in diesen Nacht passiert war. War etwas schief gegangen? Hatte Voldemort etwas erfahren? Oder war am Ende Overy an der ganzen Misere schuld? Geschickterweise hatten Albus und Severus in seiner Anwesenheit nur über den Wolfsbann gesprochen, und alles andere vermieden. Und er wußte auch nichts darüber, wie es Severus nun körperlich eigentlich wirklich ging. Rein optisch sah er fürchterlich aus, aber welche Verletzungen hatte er noch? Sichtbar waren nur das gebrochene Schlüsselbein, alles andere hatte Poppy mit ihren Heilkünsten offensichtlich bereits versorgen können. Aber wie würde es weitergehen?
Kopfschüttelnd stellte Remus fest, dass er sich wieder einmal im Gespräch hatte manipulieren lassen. Noch einmal würde ihm das nicht passieren. Wie lange der Somniare seine Wirkung wohl beibehalten würde? Entschlossen ging Remus weiter, geradewegs zu Albus' Büro. Er wollte Antworten. Und diesmal würde er sie bekommen.
(c) Fayet - 28.7.2011
Si caecus caecum ducat ambo in foveam cadunt - Wenn der Blinde den Blinden führt, fallen beide in den Graben. Severus zitiert hier aus dem Gedächtnis Mat. 15, 14, aber nicht wortgetreu. Die originale Sequenz lautet "Caecus autem si caeco ducatum praestet, ambo in foveam cadent". Das falsche Zitat ist aber in der gelehrten Literatur weit verbreitet, Severus könnte es beispielsweise aus den Schülergesprächen des William von Ockham haben, der es in seinen Dialogus-Gesprächen benutzt. Ockham war Philosoph, Theologe und einiges mehr, und lernte und lehrte Ende des 13. Jh. an der Universität in Oxford, bevor er vom Papst exkommuniziert wurde und als Rebell sein Leben beschloss.
Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.. Ich hatte euch das Ende in diesem Kapitel versprochen, aber es wäre ein Monster geworden. Ein großes, böses Monster. Und weil Kapitel schöner sind, wenn sie alle in etwa gleichlang sind - bei Earl Gray bewegen sich alle Kapitel zwischen 5000 und 8000 Worten, dieses hier wäre mit über 10.000 ein Gigant geworden - mußte ich kürzen. Ich bitte untertänigst um Gnade. Im nächsten, und dann diesmal wirklich letzten Kapitel gib es mehr Antworten.
Dank an alle, die sich mit interessanten Anregungen an meiner "wie soll das Ende aussehen?" Aktion beteiligt haben! Ich habe dabei viel über eure Vorstellungen für Earl Gray gelernt. Und bin weiterhin neugierig auf eure Meinung (und Reviews.. Oh, war das ein Hinweis?)
