~Kapitel 20~
Inzwischen war auch Lindsey zum Gespräch bei Holland gerufen worden. Er saß im Vorraum und wartete auf seinen Chef. Dabei gingen ihm verschiedene Gedanken durch den Kopf. Vor allem natürlich, was er wollte, da es sich dringend anhörte. Er erinnerte sich an die aufgelöste Lilah, welche ihm heute begegnet war und er wusste, dass sie da gerade von einem Gespräch mit Holland gekommen war.
Er hoffte, dass das Gespräch für ihn besser lief. Ich habe mir nichts vorzuwerfen! Dachte er gerade, als Holland um die Ecke bog und breit lächelte, als er Lindsey schon auf ihn warten sah. „Lindsey! Entschuldigen Sie, dass ich Sie warten lassen habe, aber ich musste eben selber noch schnell etwas erledigen." Lindsey nickte. „Kein Problem."
Holland führte ihn in sein Büro und beide nahmen Platz. „Lindsey." Begann er wieder. „Wie Sie bestimmt schon erfahren haben, hat Ihre Kollegin Lilah mein Vertrauen und auch das der Firma mit ihrer letzten Aktion schwer missbraucht. Nicht, dass Sie das jetzt falsch verstehen. Mir liegt etwas an beiden von ihnen, jedoch muss mein Vertrauen zu Ms. Morgan erst wieder aufgebaut werden."
Er machte eine kurze Pause. „Ich brauche allerdings für meine Projekte, vor allem für das Spezialprojekt, jemanden, in den ich mein vollstes Vertrauen setzen kann, jemanden, der handelt und zwar richtig und jemanden, dem die Verantwortung nicht zu viel ist." Lindsey setzte sich nun aufmerksam hin. Das klingt ja schon mal gut.
Holland stand auf und ging zu seiner Minibar, er schloss sie auf und goss zwei Gläser karamellbrauner Flüssigkeit hinein. Mit den Gläsern in der Hand ging er zu Lindsey zurück.
„Ich denke, Sie Lindsey, Sie sind dieser Jemand!" Er reichte dem jüngeren Anwalt ein Glas. „Ich hoffe, dass ich Sie mit diesem Angebot jetzt nicht überrumpele, Lindsey. Ich will, dass Sie wissen, was für eine große Aufgabe das ist, und dass sie mit einem großen Teil Verantwortung verbunden ist." Das soll wohl heißen: Wenn auch nur irgendwas schiefgeht bist du der Sündenbock!
Das war Lindsey aber gerade ziemlich egal. Sollte ich wirklich gewonnen haben? „Sie werden die Leitung des Projekts übernehmen. Damit übergebe ich Ihnen die volle Handlungsfreiheit – tun Sie, was immer getan werden muss. Die Firma brauchte die Informationen, die Ms. MacIntyre so stur zu verbergen versucht, und jetzt brauchen wir noch viel mehr: Die Mutter und das Kind!"
Er lächelte hinterhältig. „Immerhin wäre es herzlos, die beiden jetzt schon zu trennen." Lindsey schluckte, nickte aber. „Also kann ich auf Sie zählen?" Lindsey lächelte nun ebenfalls, sämtliche Konsequenzen und Gefühle verdrängend. „Absolut. Danke, Sir!"
Die beiden besiegelten die neue Position mit einem Handschlag und dem Schluck aus dem Glas. Bevor Lindsey ging, mahnte Holland noch einmal: „Viel Erfolg! Und vergessen Sie die Verantwortung nicht!" Nickend verschwand Lindsey in sein Büro.
Der Übersetzer war unterdessen eingetroffen und saß mit Lupe und antiken Wörterbüchern über der Schriftrolle gebeugt. Während Lilah ungeduldig, mit einem Becher Kaffee in der Hand, versuchte sich auf andere Fälle zu konzentrieren, die sie noch zu bearbeiten hatte. Natürlich nicht, ohne alle zwei Minuten zu fragen, ob der Übersetzer schon etwas herausgefunden hatte, was er bis jetzt immer verneinte.
Das wiederrum brachte Lilah fast an den Rand des Wahnsinns. „Wofür bezahlen wir Sie eigentlich?" und „Schlafen Sie da schon, hinter ihrem Buch?" waren noch die harmlosesten Kommentare ihrerseits. Als es mal wieder so weit war, fragte Lilah: „Und, haben Sie jetzt schon etwas herausgefunden?"
Der Übersetzer machte eine Kopfbewegung, die man nicht richtig als Kopfnicken oder –schütteln identifizieren konnte. Es ertönte ein Klicken und der Übersetzer wandte seinen Blick Lilah zu. Diese hatte sich ihre Waffe aus einer Schublade geangelt und geladen, was das Klicken erklärte. Als sich ihre Blicke trafen, zog Lilah erwartungsvoll ihre Augenbraue hoch und der Übersetzer reagierte schnell: „Ähm, ja, in der Tat. Hier steht etwas!"
Lilah sprang auf und ließ die Waffe auf ihrem Schreibtisch liegen. „Was denn? Nun sagen Sie schon!" Er zeigte mit dem Finger auf eine, für Lilah wie Schreibübungen eines Vorschulkindes aussehende, Passage und erklärte: „Hier steht etwas über eine Schwangerschaft und einen Vampir…" Lilah nickte heftig. „Ja und? Weiter? Was steht da noch?"
Der Übersetzer machte ein unentschlossenes Gesicht und Lilah warf einen Blick zu ihrer Waffe auf dem Schreibtisch. Sofort blätterte der Übersetzer hastig in einem der Bücher um ihn herum. „Es ist schwer zu deuten, da man die Sprache, die bei dieser Schriftrolle verwendet hat, nicht direkt einem Sprachstamm zuordnen kann, hinzu kommt noch, dass man Prophezeiungen vielseitig interpretieren kann…"
„Dann interpretieren Sie, was am Wahrscheinlichsten ist!" mahnte Lilah. Der Übersetzer nickte erneut heftig. „Dieser Satz hier." Er zeigte auf Besagtes. „Kann mehrere Bedeutungen haben. Im gesamten Dokument steht nichts von einer normalen, natürlichen Geburt. Es kann heißen, dass eine neue Welt anbricht oder…" Lilah wurde erneut ungeduldig. „Oder?"
„Oder es den Tod bringt." Lilah schluckte und setzte sich auf den nächstgelegenen Stuhl. „Welches ist am Wahrscheinlichsten?" Der Übersetzer zuckte mit den Schultern und als Lilah wieder zur Waffe griff, erklärte er schnell: „Wirklich! Es ist beides sehr wahrscheinlich! Ich kann nichts ausschließen, nur bitte, bitte legen Sie die Waffe weg… Ich kann es wirklich nicht genauer bestimmen!"
Lilah glaubte dem Mann, sicherte die Waffe und legte sie zurück in ihre Schublade. „Okay, vielen Dank für Ihre Hilfe. Der Scheck liegt bei meiner Sekretärin…" Der Übersetzte packte seine Bücher zusammen und verschwand so schnell er konnte.
Es war schon zu fortgeschrittener Stunde, als Lilah ihr Appartement erreichte. Lilliana hatte es sich mit einer Decke und einer heißen Schokolade auf der Couch bequem gemacht und schaute einen Film. „Hallo Schwesterherz! Wie war dein Tag?" begrüßte sie die Anwältin freudig. Der Ausblick auf die Hilfe des Angel Investigations Teams hatte sie fröhlich gestimmt und sie in ihrer Meinung unterstützt, dass sie das schaffen würden.
Doch dann sah sie Lilah's Gesicht und ihre Laune mäßigte sich. „Was ist passiert?" Lilah seufzte und setzte sich neben ihre Schwester. „Keine guten Neuigkeiten." Sie blickte Lilliana in die Augen und diese wartete Aufmerksam, was Lilah zu berichten hatte. „Die Firma weiß alles… Über dich, Angel, über dich und Angel und deiner Schwangerschaft. Holland war auf 180, als er herausgefunden hat, dass ich es wusste und nichts gesagt hab."
Lilliana machte große Augen. „Und jetzt?" Lilah verzog ihre Mundwinkel zu einen angedeutetem Lächeln. „Tja, ich lebe noch. Ich denke, dafür sollten wir erstmal dankbar sein. Andererseits wird mir Holland so schnell nichts mehr mitteilen, was er bezüglich dir und/oder Angel plant. Das wird das größere Problem sein, denn so sind wir völlig unvorbereitet…"
Die Anwältin seufzte und Lilliana nahm ihre Hand. „Das klappt schon, wir kriegen das irgendwie hin! Angel hat seinen Leuten von uns und ihm..." sie legte ihre andere Hand auf ihren Bauch. „erzählt. Sie wollen uns helfen, etwas darüber herauszufinden. Bis es soweit ist, muss ich eben einfach nur extrem aufpassen und ein bisschen vorsichtiger sein. Vielleicht gibt es schon morgen etwas Neues. Cordy, Gunn und Wesley betreiben schon Recherchen und Nachforschungen und morgen treff ich mich mit ihnen im Hyperion. Vielleicht kann mir dann Lorne auch noch etwas berichten, nachdem er mich gelesen hat. Ich soll für ihn singen."
Lilah lächelte nun wirklich. „Seit wann bist du unter die Optimisten gegangen?" Ja, einfach extrem auf sich aufpassen und vorsichtiger sein… Das ist nicht gerade eine von ihren besten Übungen. Schoss es Lilah durch den Kopf. Lilliana grinste. „Keine Ahnung, ich hab das einfach im Gefühl!"
TBC
