Ich werde Zeuge der schlimmsten Vogelshow aller Zeiten

Julian


… und Reyna öffnete den Mund: „Dreht um!"

Trotz dessen, dass meine Finger in meinen Ohren steckten und ich versuchte alles mit meinem Atem und leisem Summen zu übertönen, sprengte mir die Lautstärke fast die Trommelfelle und ich verspürte den Drang einfach von Homer runterzuspringen und umzukehren.

Die Vögel die direkt vor uns waren drehten fast auf der Stelle um und wurden nun von den Pegasi vor uns hergetrieben. Ich sah leicht panisch zu Reyna und dann zu Charlie. Reyna brüllte den Vögeln, deren vollen Namen ich beim besten Willen nicht aussprechen konnte, weiter Befehle zu, während Charlie mitten im Kampf allen Ernstes die Augen geschlossen hatte. Was zum …?

Plötzlich flog Globe im steilen Sturzflug nach unten und berührte mit den Füßen fast die Wasseroberfläche. Das Wasser unter ihm fing an zu brodeln und stieg langsam in Kugelform in die Höhe, bis es sich zu einer großen Fläche ausstreckte und alle Vögel in einer riesigen, schwebenden Wasserkugel jämmerlich ertranken und sich in goldenen Staub auflösten.

Ich tat die Frage, warum sie sich auflösten auf die nun schon ziemlich lange Liste meiner Fragen und sah staunend zu, wie die Kugel einen goldenen Schimmer annahm und ins Wasser zurückfiel.

Globe stieg wieder auf und Caesar näherte sich ihnen.

Reyna flüsterte Globe etwas zu und brüllte dann: „Homer, flieg rechts neben Globe!"

Mein Pegasus gehorchte und flog rechts neben Globe, während Laura mit Ducky (wirklich, Entchen? Für einen Pegasus?!) links neben ihn flog.

„Warum?", fragte Laura.

„Passt auf, dass Charlie nicht runterfällt. Der Trottel hat sich übernommen", schimpfte Reyna.

Ich betrachtete Charlie und merkte erst jetzt, dass er bewusstlos war.

„Wird er wieder?", fragte Laura besorgt.

„Klar, wir machen gleich Pause und dann schmeiß ich ihn ins Wasser", brummte Reyna.

„War das ein Scherz?", fragte ich vorsichtig.

„Enkel des Poseidon?!", sie sah mich fordernd an.

Ich sah Laura an, die nur mit den Schultern zuckte.

Tatsächlich kam nach ein paar Minuten eine Insel in Sicht auf der wir schließlich landeten.

„Sicher, dass es hier sicher ist?", fragte Laura argwöhnisch, während sie den Sandstrand und die idyllische Landschaft beobachtete.

„Klar, das Ogygia, die magische Insel von Calypso. Naja, zumindest war sie das, bevor Leo sie befreit hat. Die Götter haben der Insel eine neue Magie eingeflößt: Immer wenn ein Halbblut auf dem Meer in Gefahr schwebt, erscheint sie. Sie kann sich grenzenlos vervielfachen und verschwindet später einfach wieder. Das Beste ist, dass dort die Zeit langsamer vergeht. Das heißt wir verlieren vielleicht eine Stunde, wenn wir einen Tag dortbleiben", erklärte uns Reyna.

„Du meinst, dass ist die Insel, wo Odysseus mehrere Jahre seines Lebens verbracht hat?", fragte Laura staunend.

„Ja, hilf mir mal", sie stieg hinter dem immer noch bewusstlosen Charlie auf Globe auf und trieb sie an.

Wir folgten ihr bis zu einem großen See, den man auch für eine Meerenge hätte halten können.

Reyna stieg ab und sagte zu Globe: „Flieg über den See und wirf ihn ab!"

Die Stute gehorchte ohne zu Zögern und flog mindestens zehn Meter über den See bevor sie anfing zu buckeln und Charlie einfach so ins Wasser fiel.

Charlie kam eine Minute später vor uns aus dem Wasser, komischerweise vollkommen trocken.

„Sag mal, Ambrosia und Nektar hätten's nicht getan, oder was", pflaumte er Reyna an.

„Das hier ist lustiger", Reyna zuckte grinsend mit den Schultern.

„Na warte, dafür wirst du bezahlen!", Charlie schaute sie mit einem hinterlistigen Grinsen an.

„Untersteh dich, Eulenfreak", knurrte Reyna nur.

„Ha, dein Charme-Sprech wirkt bei mir nicht, dämliches Aphroditekind", meinte Charlie triumphierend und spritze Reyna erfolgreich nass.

Daraufhin folgte die größte Wasserschlacht aller Zeiten, bei der Charlie einen vollkommen unfairen Vorteil hatte und uns nassspritzte.