Kapitel
Frisch geduscht und angezogen ließ sich Hermine ihr Frühstück von den Hauselfen auf ihr Zimmer bringen. Auch wenn Harry und Ron gestern Abend nett zu ihr waren und anscheinend gutmütig über ihren Wutausbruch hinweggesehen hatten, hatte sie keine Lust sich jetzt gleich beim Frühstück mit ihren Problemen mit den anderen Gryffindors auseinanderzusetzen.
„Danke Dobby, Winky, vielen Dank, das sieht alles köstlich aus"
Hermine starrte hinunter auf ein völlig überladen wirkendes Tablett auf dem sich die leckersten Speisen tummelten, vom Frühstücksei bis zum geräucherten Lachs war alles vorhanden. Auch an Getränken hatten sich die Hauselfen nicht lumpen lassen und so sah Hermine sich überhäuft mit Kürbissaft, Tee, Kaffee, Orangensaft und und und...
„Bitte, Miss, wir machen das doch gerne" piepste Winky während sie einen kleinen Knicks vollführte und Dobby fügte eifrig hinzu „Miss Granger, Miss, wenn Sie noch etwas haben wollen, wir werden es Ihnen sofort bringen"
Auf ein „Nein, danke, aber das reicht mir wirklich vollkommen", folgten noch ein paar Knickse und Verbeugungen, dann war Hermine wieder alleine.
Herzhaft biss sie in ein mit Lachs belegtes Brötchen und ihre Gedanken wanderten zu den Hauselfen zurück. Winky hatte sich nach einer langen, langen Zeit Gott sei Dank noch rechtzeitig wieder aufgefangen, was auf Grund ihres hohen Alkoholkonsums jedoch alles andere als leicht war. Doch mit Dobbys Hilfe konnte sie schließlich ihre früheren Herren vergessen und jetzt auf Hogwarts ein einigermaßen unbeschwertes und fröhliches Leben führen. Hermine grinste in sich hinein: Auch wenn sie die Hauselfenaktion vor einigen Jahren aufgegeben hatte da sie jetzt verstand, dass diese bis auf wenige Ausnahmen nicht befreit werden wollten, kümmerte sie sich trotzdem immer noch ein bisschen um sie und passte auf dass es ihnen gut ging. Doch in Hogwarts gab es in diesem Bereich eigentlich keinen Grund zur Sorge.
Ihre Gedanken wanderten weiter. Heute war, schulisch gesehen, ein besonderer Tag. Die Siebtklässler duften ab heute einmal wöchentlich in einer Art Ausbildungslager teilnehmen, das war eine neue Idee von Dumbledore gewesen die er auch sogleich eingeführt hatte. Jeder Schüler der siebten Jahrgangsstufe wählte ein bis drei Fächer aus, in denen er oder sie besonders begabt war und konnte sich diesen dann intensiver, das heißt den ganzen Tag lang, widmen.
Hermine hatte sich auf Verwandlung, Verteidigung gegen die Dunklen Künste und Zaubertränke spezialisiert. Zwar hatten ihr viele ihrer Lehrer von drei Richtungen abgeraten und gemeint, sie solle nur zwei nehmen, aber Hermine hatte sich einfach nicht dazu durchringen können, eine davon wegzulassen und so war sie schließlich – als einzige Schülerin von Hogwarts – bei den dreien geblieben. Das bescherte ihr zwangsläufig einen ziemlich vollen Stundenplan, doch so etwas war sie gewohnt und es handelte ja sowieso nur von einem Tag in der Woche. Bis zum Schuljahresende sollte diese Regelung allerdings beibehalten werden.
Gespannt war Hermine auf den heutigen Schultag sehr! Endlich waren nur die wirklich guten Schüler in einem Kurs und vor allem auf Zaubertränke konnte sie sich so viel besser konzentrieren – wenigstens an einen Tag in der Woche kein Neville mehr der sie andauernd kläglich nach Rat fragen musste.
Harry und Ron hatten sich beide nur für Verteidigung gegen die dunklen Künste eingetragen, so hatten sie mehr Zeit für ihr Quidditch Praktikum das ebenfalls diese Woche anlief und sich an alle Hausspieler der vier Schulteams richtete.
Die ersten vier Stunden waren für sie heute Zaubertränke angesagt worauf Hermine sich wirklich freute – nur ein bisschen mulmig war ihr auch zu Mute, wie sollte sie sich denn jetzt Snape gegenüber verhalten? Schließlich war es für sie keinesfalls alltäglich, mit einem ihrer Professoren schon vor dem Frühstück zusammenzutreffen und dann auch noch mit ihm laufen zu gehen.
Doch Snape nahm ihr die Entscheidung ab indem er sie behandelte wie immer, na ja, was hätte sich anderes erwartet? „Wie immer behandeln" sah bei Snape in etwa so aus, dass er sie so gut wie möglich ignorierte, statt ihr lieber Malfoy und Co aufrief die leider auch in Zaubertränke gingen und sich ansonsten über ihre Tränke weder beschwerte noch freute.
Alles in allem kam sich Hermine wirklich schrecklich ignoriert vor und als er sogar bei einen sehr schwierigen neuen Trank mit dem Namen „Petitia Lave" den sie als erstes – weit vor den anderen – und völlig fehlerfrei gebraut hatte, keine Reaktion zeigte und so tat, als würde er sie nicht bemerken, sackte sie förmlich in sich zusammen. Ihre Stimmung war auf dem absoluten Nullpunkt angelangt und am liebsten hätte sie einfach das Klassenzimmer verlassen und sich zurück in ihr Bett geschlichen. Dass Snape kurz danach Malfoy für seinen mehr schlechten als rechten Trank heftig lobte und ihm 20 Punkte für Slytherin versprach trug auch nicht viel dazu bei, diese Laune zu verbessern...
Die Stunden schlichen quälend langsam dahin und was sich Hermine wenige Minuten zuvor noch als schön und sehr interessant vorgestellt hatte, wurde der reinste Albtraum. Egal was sie tat, egal welch Glanzleistungen sie vollbrachte und wie viele richtige Tränke sie auf seine Fragen hin nannte, nie gab es auch nur ein einziges Wort des Lobes oder zumindest eine kleine Geste der Aufmerksamkeit. Dafür wurden Malfoy und die anderen Slytherins für jeden kleinen richtigen Gedanken hervorgehoben als hätten sie Wunder vollbracht und sogar für die wenigen Ravenclaws die anwesend waren, gab es hin – und wieder ein kleines Lächeln.
Hermine kam sich verarscht vor, alleine gelassen, vernachlässigt. Mit der Zeit machte sie sich nicht mehr die Mühe sich zu melden und Beiträge einzubringen und die Freude und das Feuer waren ihrem Gesicht entwichen.
Doch warum ließ sie sich von diesem Mann auch verdammt noch mal so stark beeinflussen, warum verzerrte sie sich so nach einem Lob von ihm, warum würde sie beinahe alles machen, um ein kleines bisschen seiner positiven Aufmerksamkeit zu bekommen? Warum? Warum ließ sie Zaubertränke nicht einfach sausen, warum?
Doch Hermine wusste keine Antworten auf die nagenden Fragen die in ihrem Kopf auftauchten und sich wie große, blinkende Fragezeichen durch ihre Gedanken schoben. Fakt war einfach, dass Zaubertränke ihr unendlich wichtig war und dass sie darin auch mehr als gute Leistungen vollbrachte. Die ihr aber auch anerkannt werden sollten...
Endlich schrillte die Glocke und Hermine machte sich gerade mit hängendem Kopf auf in Richtung Tür, als sie ein Arm aufhielt und sie zurück nach hinten zog. Als aller erstes dachte Hermine an Snape, doch als sie sich umdrehte und der Person ins Gesicht schaute... „Malfoy" spuckte Hermine ihm ins Gesicht, gerade jetzt hatte sie wirklich keinen Nerv mehr für die kleinen Machtspielchen zwischen den Häusern. Suchend sah sie sich im Raum um, doch bis auf Malfoy, sie selbst und Snape der gerade hinten im Zimmer beschäftigt war, war niemand mehr zu sehen, niemand hier, der ihr aus der Patsche helfen konnte.
„Was willst du Malfoy?" fragte Hermine in gereiztem Ton.
„Und wieso hältst du mich eigentlich fest?" zischte sie und versuchte – vergeblich- ihren Arm aus Malfoys Kontrolle zu entziehen. Doch der hielt sie weiterhin fest und sah ihr spöttisch in die Augen. Kurz wanderte sein Blick zu Snape der jedoch beschäftigt zu sein schien und anscheinend auch nicht bemerkt hatte, dass kurz vor seiner Tür in der Ecke noch zwei seiner Schüler standen.
„Das wirst du gleich sehen, Schlammblut!" und bevor Hermine reagieren konnte, hatte Malfoy seine Lippen zu einem dreckigen Grinsen verzogen und sie dann auf die ihrigen gepresst. Hermine war zu überrascht und perplex um sich dagegen zu wehren, was machte Malfoy da gerade, er küsste sie!
Doch Halt, das ist Malfoy, Mine, du willst das doch nicht! schrie eine panische Stimme in ihrem Kopf. Und jetzt begannen bei Hermine endlich wieder alle Sinne zu arbeiten. Was bildete sich dieser Typ denn ein? Noch immer hatte er seine Lippen auf ihre gepresst und verlangte mit seiner Zunge auf ziemlich brutale Art und Weise Einlass.
Hermine versuchte zu schreien was ihr aber nicht gelang da Malfoy nun erreicht hatte was er wollte und darum ihren gesamten Mundraum ausfüllte. Das konnte doch nicht sein! Panik kam in der Gryffindor hoch. Wild schlug sie um sich und versuchte sich zu wehren doch irgendwie schaffte sie es nicht aus Malfoys Umklammerung herauszukommen... Nein, Nein, Nein! Sie konnte das nicht geschehen lassen, sie musste sich wehren, das war Malfoy verdammt, wer wusste wie weit der noch gehen würde, am Ende würde er noch...
Sie nahm alle ihre Kraft zusammen und biss ihm auf die Zunge. Sofort ließ Malfoy von ihr ab und stieß einen Schmerzensschrei aus. Zornig funkelnd sah er sie an.
„Wie kannst du es wagen, Schlammblut! Wie kannst du es wagen! Das wirst du bitter bereuen, ja, in der Tat sehr bitter..."
Während er redete war Hermine immer weiter vor ihm zurückgewichen und hatte nun endlich ihren Zauberstab aus dem Umhang hervorholen können.
„Wage es nicht Malfoy!" zischte sie mit vor Wut bebender Stimme und auf ihn gerichteten Zauberstab. „Wage es nicht mich noch ein einziges Mal zu berühren oder mich noch einmal Schlammblut zu nennen, wage es nicht mich noch einmal zu beleidigen oder mir weh zu tun!"
„Oh Ho, willst du dich etwa mit mir duellieren, SCHLAMMBLUT?" flüsterte Malfoy mit heiserer Stimme.
Die Wiederholung dieses einzigen Wortes war der Auslöser dafür, dass bei Hermine alle Sicherungen durchbrannten.
„Wie kannst du es wagen, du dreckiges schmieriges Arschloch!" schrie sie in gellendem Ton während sie gleichzeitig ihren Zauberstab auf ihn richtete. Oh, sie würde ihn verletzten, verletzen und peinigen, es war gefährlich sich mit ihr anzulegen, sie würde ihn leiden sehen... „Cru..." doch gerade als sie ansetzte wurde ihr von hinten eine Hand auf den Mund gedrückt und sie wurde heftig nach hinten fortgerissen. Panisch schrie Hermine auf! Als sie sich umdrehte sah sie sich vor Snape stehen der sie mit vor Zorn funkelnden Augen anstarrte...
„WAS GEHT HIER VOR!" brüllte er. „ERKLÄREN SIE MIR WAS DAS HIER SOLL! WARUM SIND SIE ÜBERHAUPT NOCH HIER IN MEINEM KLASSENRAUM UND WARUM VERSUCHTE MISS GRANGER GERADE MISTER MALFOY EINEN UNVERZEIHLICHEN FLUCH AUFZUHALSEN!"
Malfoy fand als Erster die Sprache wieder. „Ähm, Professor, das war nur eine kleine Meinungsverschiedenheit – tut uns leid."
„LEID? KLEINE MEINUNGSVERSCHIEDENHEIT! GLAUBST DU ICH HABE KEINE AUGEN IM KOPF?" fauchte Snape Malfoy an.
Heftig atmend wandte sich Snape von ihnen ab. Mist, so etwas passierte ihm normalerweise eigentlich äußert selten... wie hatte er so die Kontrolle über sich verlieren können?
„Gehen Sie, Draco. Ich möchte nicht, dass so etwas noch einmal vorkommt, ganz egal was Sie getan haben."
Der Angesprochene nickte leicht, anscheinend hatte er schon erwartet, ohne Strafe davon zu kommen. „Auf Wiedersehen, Professor Snape"
Snape schüttelte unwillig den Kopf.
„Und nun zu Ihnen, Miss Granger! WAS fällt Ihnen ein, Draco einen Cruciatus – Fluch auf den Hals schicken zu wollen? Sie können VERDAMMT NOCH MAL von Glück reden, dass ich Sie daran gehindert habe, so wird das ganze keine großen Auswirkungen haben! Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollen sich vor ihm in Acht nehmen!"
Hermine konnte nicht mehr, sie war am Ende, seelisch und körperlich total am Ende. Wie konnte sie nur? Einen UNVERZEIHLICHEN Fluch! Sie wusste nur, dass sie in diesem Moment aus purer Wut gehandelt hatte, dass sie keine klaren Gedanken mehr fassen konnte, dass sie nur noch verletzten wollte, sich rächen wollte... für alles, für diesen miesen Tag, für Snape, für Malfoy, für alles...
„Ich weiß nicht, Professor..." war das einzige was Hermine noch hervorbringen konnte bevor sie weinend auf dem Boden zusammenbrach.
Sie konnte nicht mehr, sie fühlte sich elend, sie war müde und konnte trotzdem unmöglich schlafen, sie fühlte sich ausgelaugt, beschmutzt, entwürdigt, alleine gelassen... beschmutzt durch Malfoy, Malfoys Lippen auf den ihrigen, Malfoys Zunge in ihrem Mund, Malfoys Finger auf ihrer Brust...
Hermine schluchzte auf und merkte erst jetzt dass sie am Boden des Klassenzimmers saß, die Arme um den Körper geschlungen als würde sie versuchen, sich selbst zu wärmen.
Snape war anscheinend der selbe Gedanke gekommen.
„Ist Ihnen kalt, Miss Granger?"
Hermine schüttelte stumm den Kopf, noch immer liefen ihr die Tränen über die Wangen und sie wurde von unregelmäßigen Schluchzern durchzuckt.
Seufzend sah Snape sie an und fing, mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete, an zu sprechen:
„Hören Sie zu Miss Granger und beruhigen Sie sich. Wir gehen jetzt in meine Räume, ich mache Ihnen eine Tasse heißen Tee und dann erzählen Sie mir einfach einmal alles von Anfang an"
Hermine nickte ergeben und versuchte aufzustehen doch ihre wackligen Beine versagten ihr den Dienst. Erst nach einigen Versuchen schaffte sie es und war schließlich heilfroh als sie endlich in Snapes Räumen angekommen waren – die nebenbei bemerkt eigentlich relativ geschmackvoll eingerichtete waren.
Vollkommen entkräftigt ließ sie sich auf das von Snape ihr zugewiesene schwarze Sofa sinken und schloss die Augen. Sie fühlte sich immer noch elend, ihr war als wäre sie irgendwie nur halb und nicht ganz und jetzt saß sie in den Privaträumen ihres Zaubertrankprofessors und sollte ihm die ganze Geschichte erzählen vor der sie doch selbst so viel Angst hatte.
Sekunden später war Snape wieder da und stellte eine große, dampfende Tasse Tee vor sie auf den kleinen Beistelltisch. Danach ließ er sich auf den Sessel ihr gegenüber fallen und sah sie auffordernd an. Vorsichtig nahm Hermine die Tasse in die Hand und begann am Tee zu nippen... sie versuchte zu reden doch sie konnte nicht, es war wie eine Art innere Blockade... sie konnte nicht ihre gesamten Gefühle vor ihrem Zaubertrankprofessor ausbreiten. Aber das würde sie müssen wenn sie ihren angefangen Cruciatus Fluch erklären müsste...
Einige Minuten verstrichen ohne dass jemand der Beiden sprach. Snape drängte sie nicht wofür Hermine ihm sehr dankbar war, so viel Taktgefühl hatte sie ihm eigentlich gar nicht zugetraut.
„Erzählen Sie es mir. Alles" Snape sah sie auffordernd an.
Hermine schluckte und starrte ihm in die Augen.
„Miss Granger, ich kann mit solchen Situationen nicht besonders gut umgehen aber ich würde Sie bitten, mir zu erzählen, wie es in diese Situation hier gekommen sind" fügte er etwas genervt hinzu. „Was hat Draco Malfoy getan?"
Hermine schluckte noch einmal und fing dann mit leiser und erschöpfter Stimme an, zu sprechen:
„Malfoy..." ihre Stimme brach ab.
„Bitte von Anfang an, Miss Granger. Sie sahen schon in meinem Unterricht nicht so aus wie sonst."
„Wie Sie wollen, Professor", kam Hermine leise und mit tonloser Stimme der Aufforderung nach. „Ihr Unterricht heute war für mich wie ein Alptraum. Ich meisterte die schwierigsten Tränke und hatte sie alle fast in Sekundenschnelle fertig – richtig gebraut. Doch Sie taten die ganzen vier Stunden über so als wäre ich nicht anwesend. Sie verteilten munter Punkte an Malfoy und die anderen Slytherins und sogar die Ravenclaws bekamen 10, aber mich... mich ignorierten Sie die ganze Zeit... es schmerzt mich, ich brauche Bestätigung für meine Arbeit... ich habe die ganzen 6 ½ Jahre lang ausgehalten ohne zu Murren, ich habe Zaubertränke intensiver gelernt als jedes andere Fach weil ich überzeugen wollte, ich wollte zeigen dass auch ich als muggelstämmiges Mädchen gut bin, ich wollte Sie überzeugen... dass ich nicht nur ein kleines nerviges SCHLAMMBLUT bin..." Hermine brach ab.
Snape sagte nichts dazu und sie fuhr fort:
„Ich weiß dass ich gut bin, Professor, aber ich erwarte nicht, dass sie jeden Tag in Lobeshymnen über mich losbrechen. Ich weiß dass Sie Ihr Haus bevorzugen wo es nur geht und ich habe gelernt, damit zurechtzukommen, auch wenn es in mir manchmal brodelt und nach Gerechtigkeit schreit. Ich will doch nur, dass Sie mir vielleicht auch einmal ein Nicken schenken wenn der Trank in Ordnung ist oder vielleicht eine kleine Hilfestellung wenn ich etwas nicht verstehe... oh ja, auch das kann vorkommen. Manchmal sitze ich stundenlang bis in die Nacht vor meinem Zaubertränkebuch und versuche komplizierte Inhalte zu verstehen und alleine zu erarbeiten weil ich weiß, dass Sie mir nicht helfen würden wenn ich Sie fragen würde...ich hatte mich so auf diese Spezialstunden gefreut... und... und dann wurden sie der Horror..."
Hermine brach erneut ab und traute sich nicht, ihrem Professor in die Augen zu schauen, zu viel von ihren eigenen Gefühlen hatte sie ihm gerade freigelegt, mehr als sie je vorhatte.
„Heute nach der Stunde wollte ich so schnell wie möglich verschwinden doch Malfoy hielt mich zurück. Er beleidigte mich und schimpfte mich wieder einmal als Schlammblut und... und... dann küsste er mich. Ich wollte mich wehren doch ich schaffte es nicht mich zu befreien... er schob seine Zunge zwischen die meinige und seine rechte Hand war unter meinen Pulli gerutscht und lag auf meiner Brust... doch mir gelang es nicht ihn fortzustoßen, ich konnte auch nicht schreien... ich biss ihm auf die Zunge und er ließ endlich los. Er beschimpfe und erniedrigte mich auf eine Weise, wie nur er es kann. Ich... – ich zog meinen Zauberstab und drohte ihm, ich sagte er dürfe sich nicht mehr an mir vergreifen... doch er schimpfte mich aufs Neue als Schlammblut... ich wollte ihm den Crucio auf den Hals jagen... dann kamen Sie"
Tränen liefen Hermine über die Wangen und sie bemerkte nicht wie Snape sich erhob und neben sie auf das Sofa setzte. Vorsichtig nahm er ihr Gesicht in seine Hände und drehte sie zu sich herum. Völlig verzweifelt sah Hermine zu ihm auf... sah in seine kohlrabenschwarzen Augen...
„Miss Granger – Hermine. Hör mir bitte zu….es tut mir leid, sehr leid, dass ich dich so verletzt habe, auch wenn du das jetzt nicht glauben kannst, ich wollte das nicht. Ich kann nicht erklären warum ich mich so verhalte, jedenfalls jetzt noch nicht. Ich hoffe du kannst mich verstehen, Hermine, aber ich habe gelernt, meine Gefühle zurückzuhalten... zu unterdrücken. Ich rede mit dir gerade offener als mit den meisten Menschen ausgenommen vielleicht Albus. Bitte vertrau mir, Hermine."
Snape sah sie an und Hermine nickte leicht.
„Was Malfoy dir angetan hat war eine Schweinerei, das gebe ich zu. Ich hätte das nicht von ihm gedacht, auch wenn ich dich vor ihm gewarnt habe. Ich kann deine Gefühle verstehen, Hermine, vermutlich besser verstehen als du dir jemals vorstellen kannst... aber bitte versuche dich unter Kontrolle zu halten, so etwas darf nicht noch einmal passieren..."
Etwas abrupt stand Snape auf. „Ich denke es ist besser wenn du nun gehst, Hermine. Diese... Aussprache wenn wir sie so nennen, war für uns beide wahrscheinlich ziemlich erschöpfend. Ich würde mich freuen, wenn du heute Abend kommst – mit deinem Aufsatz, von dem ich nicht verlange, dass du ihn heute Nachmittag noch weiter schreibst. Auf Wiedersehen."
Hermine nickte und stand auf. Noch immer schwirrten ihr Snapes Sätze im Ohr herum... ...vermutlich besser verstehen als du dir jemals vorstellen kannst...
„Danke, Professor, Sie haben mir sehr geholfen" murmelte sie und sah ihm direkt in die Augen. Snape nickte kaum merklich.
„Bis heute Abend dann"
Und nach einem leisen „Ich würde es schätzen, wenn Sie Ihren Freunden nichts davon erzählen würden" von Snape und einem unmerklichen Nicken von Seiten Hermines war sie zur Kerkertür hinaus gegangen.
