Bevor wir das nächste Türchen öffnen, schauen wir uns noch den Wichtelwunsch zur vorherigen Story an:

Die liebe Lapis hat sich ja schon selber verraten.
Dann zeige ich euch noch, was sie denn haben wollte.

"Liebes Wichtelkind,
ich wünsche mir einen kleinen humorvollen OS aus dem HP-Fandom,
genauer gesagt soll sich alles um Severus Snape drehen.

Hier ein paar Fakten:
- Snape soll endlich der Orden des Merlin erster Klasse für seine Rolle im Krieg gegen Voldermort verliehen werden, worüber er mäßig begeistert ist
- der große Harry Potter hat deswegen hinter den Kulissen beim Ministerium gekurbelt
Vorkommen sollen weiters:
- ein Deal
- der Weihnachtsball auf Hogwarts, wenn auch nur erwähnt
- soviel Leute aus HP wie du willst, vielleicht ja auch Hermine, wenn du SS/HG-Shiper bist
- ein Severus Snape wie wir ihn kennen und lieben: übelgelaunt, einzelgängerisch, sarkastisch, unwiderstehlich
- Potter, der merklich erwachsener ist"

o0o0o0o0o0o0o

*kriecht unterwürfig hinein*
Schande über mich, meine Familie und mein Haupt!

Nun muss ich euch tatsache das zwanzigste Türchen zusammen mit dem einundzwanzigsten präsentieren.
Ich kann mich gar nicht genug entschuldigen!
Bitte verzeiht.

Seht, was sich unser Polarwolf hat einfallen lassen.

Mehr von ihr? Kein Ding!

www. fanfiktion. de/u/Polarwoelfin

(Nehmt bitte die Leerzeichen nach www. und nach fanfiction. raus)

Gebetat von Silvia

Die Nachwehen des Krieges

von Polarwölfin

Die Nacht war nicht mehr weit entfernt. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages beleuchteten die Türme des Schlosses auf eine unheimliche Art und Weise. Hermione saß hinter der alten Trauerweide. Die Beine dicht an den Körper gezogen und von ihren Armen eng umschlungen. Von der beeindruckenden Szenerie um sie herum bekam sie nichts mit. Ihr Blick war starr auf den schwarzen See gerichtet. Die Gedanken meilenweit entfernt. Dann plötzlich stand sie auf, eilte auf das Schloss zu und hinterließ eine Stille, die für Anfang November auf den Ländereien Hogwarts eigentlich nichts Ungewöhnliches war.
Diesmal aber wog sie schwerer. Um ein vielfaches.

Jemand berührte sie am Arm. Hermione wachte in Sekundenschnelle auf, zog ihren Zauberstab und richtete diesen unerbittlich auf die Person, die sie berührt hatte. Die andere Person sprang blitzschnell zurück. Erst dann sprach eine verheulte Stimme: „Hermione! Ruhig! Ich bin es nur! Ginny!"
Schwer atmend steckte Hermione den Zauberstab weg. „Tut mir Leid. Ich …"
„Schon gut. Wir allen haben schwere Zeiten hinter uns", flüsterte Ginny. Nach kurzem Zögern fügte sie hinzu: „Ich hatte einen Alptraum. Könnten wir reden?" Hermione nickte und zeigte einladend auf ihr Bett. Sie redeten über Gott und die Welt. Nur nicht über das richtige Problem.

„Findest du es nicht auch ein bisschen merkwürdig, dass bisher noch weit und breit keine Schneeflocken hier auf Hogwarts zu sehen waren? Ich meine, wir haben schon Mitte November und kalt genug für Schnee ist es auch." Ginny sah Hermione fragend an.
Diese zuckte mit den Schultern und erwiderte: „Ja, ein bisschen merkwürdig ist es schon. Aber der Schnee kann ja noch kommen. Er ist zwar spät dran, aber noch nicht ganz aus den zeitlichen Rahmen. Lass uns jetzt erstmal den Ausflug nach Hogsmeade genießen."
Sobald die beiden die Tore Hogwarts passiert hatten, fielen winzig kleine Schneeflocken auf sie herab.

Hermione schritt langsam durch die Gänge Hogwarts Richtung Großer Halle. Es war Abendbrotzeit. Mit ihr eilten andere Schüler in dieselbe Richtung. Es herrschte ein lautes Treiben. Hie und da hörte man ein Auflachen. Aber nicht laut und unbeschwert, sondern leise und gedämpft. Vielleicht wog die Trauer für ein lautes Lachen einfach noch zu schwer. Vielleicht kam wegen der anhaltenden Trauer auch noch keine Weihnachtsstimmung auf. Aber sie hatten ja auch erst Ende November. Spätestens in der ersten Dezemberwoche, wenn Hogwarts weihnachtlich geschmückt werden würde, würde diese wohl aufkommen.
Hermione selber glaubte nicht, dass bei ihr dieses Jahr Weihnachtsstimmung aufkommen würde.

Die ganze Schule war draußen auf dem Quidditchfeld versammelt. Das letzte Spiel des Jahres stand an. Gryffindor gegen Slytherin. Es ging um alles oder nichts. Vor allem um die Ehre der Häuser. Hermione stand dick eingepackt inmitten der Menge, die überwiegend für die Löwen war. Die Schulleitung, bestehend aus McGonagall und Snape (der den Schlangenbiss auf ungeklärte Weise doch überlebt hatte), gab sich Mühe, die Normalität nach Hogwarts zurückholen. Aber es gelang nicht so richtig. Die Menge tobte zwar zweifelsohne, aber es schien Hermione so, als würde diese Anfeuerung nur auf Sparflamme stattfinden. Und es schneite unerklärlicherweise immer noch nicht.

Hermione eilte zum Büro der Schulleitung, um die Liste der Schüler abzugeben, die dieses Jahr über den Weihnachtsferien in Hogwarts bleiben wollten. Als der Wasserspeicher das Passwort verlangte, murmelte sie nur: „Lebkuchenmännchen". Als Hermione an die Bürotür klopfte, hörte sie eine männliche Stimme, die sie herein bat.
„Guten Tag, Sir", grüßte sie Snape überrascht. "Ich bin wegen der ..."
„Ich weiß, warum Sie hier sind. Jetzt geben Sie schon die Liste her!", fauchte er.
„Wo ist Professor McGonagall?", wagte sie zu fragen, als sie die Liste an Snape weitergereicht hatte.
„Bis auf weiteres beurlaubt. Totaler Erschöpfungszustand!", ließ er sie wissen.

Snape blickte grimmig von seinen Unterlagen auf. „Was wollen Sie noch hier, Granger? Die Stunde ist längst vorbei. Verschwinden Sie endlich von hier!"
Hermione ließ sich von seinen Worten nicht einschüchtern, erwiderte seinen durchdringenden Blick unerschrocken und sagte mit fester Stimme: „Finden Sie es nicht auch ein bisschen seltsam, dass dieses Jahr unter den Schülern überhaupt keine Weihnachtsstimmung aufkommt? Und dass innerhalb von Hogwarts noch kein Schnee gefallen ist, aber vor den Toren Hogwarts und in Hogsmeade Unmassen von Schnee liegen?"
„Das ist in der Tat sehr seltsam."
„Und was genau unternehmen Sie dagegen?"
„Momentan noch nichts. Ich hasse Weihnachten."

Snape hatte eine Versammlung in der großen Halle einberufen. Hermione beobachtete, wie Snape zum Rednerpult schritt. Die bis dahin laute Halle verstummte.
„Hier in Hogwarts geschehen zurzeit sehr merkwürdige Dinge. Wirklich kein einziger von Ihnen ist in der Weihnachsstimmung, die man erwarten würde. Was mir persönlich nichts ausmacht. Ich bin den Dingen trotzdem auf den Grund gegangen. Folgendes habe ich dabei herausgefunden: „Der Schutzwall um Hogwarts nimmt alles Verdrängte als negative Energie auf und gibt sie um ein Vielfaches ab. Überflüssig zu sagen, dass dieser Effekt keine Weihnachtstimmung aufkommen lässt und die Trauer immer noch allgegenwärtig ist. Ein reiner Teufelkreis!"

Snape hatte angeordnet, dass jede Person in Hogwarts mit einer anderen Person über das sprechen sollte, was er verdrängte.
Deswegen saß sie jetzt in seinem Büro und hielt seinen unergründlichen Blick aus.
„Miss Granger, haben Sie sich das gut überlegt? Noch können Sie einen Rückzieher machen und mit einer anderen Person sprechen!"
Mit fester Stimme sagte sie: „Ja. Ich habe mir das gut überlegt. Ich will nur mit Ihnen sprechen, Sir!" Dann fing sie an über die Erlebnisse auf der Flucht zu erzählen. Erst zum Schluss kam sie auf das zu sprechen, was sie wirklich belastete. Die Gedächtnisveränderung ihrer Eltern.

Das festliche Weihnachtsessen in der großen Halle war noch nicht ganz beendet gewesen, als Hermione sich an ihrem Lieblingsort hinter der Trauerweide zurückgezogen hatte.
Wieder saß sie mit angezogenen Beinen da. Doch die Szenerie hatte nichts mehr mit der gemein, die noch in November geherrscht hatte. Die Sterne leuchteten am dunklen Himmel und der Mond beschien die weiße Fläche auf den Ländereien. Snape hatte Recht behalten. Sobald die Leute angefangen hatten, über das Verdrängte zu sprechen, waren die ersten zarten Schneeflocken innerhalb von Hogwarts gefallen und die gewohnte euphorische Weihnachsstimmung kam auf. Nur bei ihr nicht. Sie vermisste ihre Eltern.

Eine Person gesellte sie zu ihr, lehnte sich lässig an dem Stamm des Baumes und sah auf den vereisten See. Plötzlich sprach die Gestalt: „Granger, mir scheint die Unterhaltung mit mir hat Ihnen nur bedingt geholfen. Sie scheinen mir immer noch nicht in wirklicher Weihnachtsstimmung zu sein."
Hermione zuckte erschrocken zusammen. Dann meinte sie achselzuckend. „Das hab ich mir von der Unterredung auch nicht erhofft."
„Verstehe.", sagte er leise. Er fügte hinzu: „Hermione, ich werde sie bei Ihrer Suche unterstützen."
Hermione nickte zum Zeichen, dass sie verstanden hatte. Dann sagte sie unmittelbar: „Frohe Weihnachten, Sir!"
Überraschenderweise erwiderte er ihren Gruß.

Ende