Hallihallo,

na, da habe ich euch aber warten lassen, ich weiß... nehmt es mir nicht übel, es geht im moment einfach nicht anders...

danke an euch für die lieben kommis: Katharina CH, silbernewolfsfrau, Anne-K- Janßen, Angie, mimaja und Loria...

ach und nur so eine kleine bitte: reißt mir nicht den kopf ab, ja?

knuddels

nerventod

beta: SnapesWife

oooooooooo

20. Halloween

Der Kuss schien eine kleine Ewigkeit zu dauern. Snape stand stocksteif da und tat gar nichts. Er schubste Harry nicht von sich, erwiderte den Kuss allerdings auch nicht. Und Harry? Der fühlte sich einfach nur unbeschreiblich. Sein ganzer Körper kribbelte aufgeregt, sein Herz klopfte wie verrückt und irgendwie wurden ihm langsam seine Knie weich. Es war ein so intensives und wunderbares Gefühl, dass Harry es kaum fassen konnte. Es fühlte sich so gut wie in den Erinnerungen an, wenn nicht sogar noch besser. Harry hatte das Gefühl, als wäre dieser Kuss das, was er schon sein ganzes Leben vermisst hatte. Doch dann wurde ihm plötzlich die Reglosigkeit seines Tränkeprofessors bewusst.

Erschrocken löste er sich und starrte Snape mit weit aufgerissenen Augen an. Sein Herz begann noch schneller zu schlagen, als er in dessen ausdrucksloses Gesicht blickte und sein Gesicht nahm ein tiefes rot an, ehe er sich umdrehte und einfach in Richtung seines Turmes davonrannte. Außer Atem nannte er das Passwort und stürmte in den Gemeinschaftsraum. Da es schon spät war, war dieser schon leer. Nur eine Person saß in einem Sessel am Feuer und schaute ihn überrascht an.

„Harry!", rief Hermine. „Da bist Du ja endlich. Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Hat die Erinnerung diesmal so lange gedauert?"

Harry war unschlüssig, was er tun sollte. Sollte er einfach hoch in seinen Schlafsaal stürmen oder doch vielleicht mit Hermine reden? Immerhin hatte er ihr bereits erzählt, dass er Gefühle für den Tränkemeister hatte. Die Antwort war ganz klar, er musste mit jemandem reden. Mit einem resignierten Seufzen ging er zu ihr hinüber und ließ sich in den Sessel ihr gegenüber fallen.

Er stützte die Ellenbogen auf seinen Knien ab und versteckte den Kopf in seinen Händen. „Ich bin so dumm, Hermine", murmelte er kopfschüttelnd.

„Was ist denn passiert?", fragte Hermine alarmiert und legte ihr Buch, in dem sie gelesen hatte, beiseite.

„Ich habe Snape geküsst", antwortete Harry so leise, dass sie ihn kaum verstehen konnte. „Ich weiß auch nicht, was mit mir los war, aber ich wollte es einfach und da habe ich es gemacht."

Hermine schaute ihn mit weit aufgerissenen Augen an. „Du hast was?", fragte sie beinahe hysterisch.

Harry machte sich auf dem Sessel noch kleiner. „Das ist nicht gerade eine Hilfe", murmelte er.

„Entschuldige, Harry", sagte Hermine. „Was ist denn genau passiert?"

„Wir haben heute eine… besondere Erinnerung gesehen. Ich meine… Vin und Severus… sie haben… also… ähm… sie haben… miteinander… du weißt schon", wisperte der Schwarzhaarige. „Und, na ja dann ist es einfach passiert."

„Einfach so? Man küsst doch nicht einfach so Snape", wisperte Hermine zurück worauf sie von Harry einen vorwurfsvollen Blick erhielt, auf den sie leicht errötete. „Was ist dann passiert? Ich meine, wie hat er reagiert?", fragte sie weiter.

„Er hat gar nicht reagiert. Ich habe ihm keine Gelegenheit gegeben", erklärte Harry. „Ich bin einfach weggerannt. Oh Merlin, was soll ich denn jetzt tun? Ich kann ihm doch nicht mehr unter die Augen treten."

„Hat Snape den Kuss denn erwidert?", fragte Hermine.

Harry wurde jetzt ziemlich blass und schaute sie mit großen Augen an. „Ich glaube nicht", antwortete er ehrlich und vergrub erneut seinen Kopf in seinen Händen. „Kann sich nicht die Erde auftun und mich verschlucken? Sobald Snape mich in die Finger bekommt, reißt er mir mit Sicherheit den Kopf ab."

„So schlimm wird es schon nicht sein", versuchte die Gryffindor ihn zu beruhigen.

„Es ist ja nett, dass Du mich aufmuntern willst, aber belüg mich nicht", jammerte ihr Freund. „Ich bin so ein Trottel."

Als Hermine nichts darauf erwiderte, schaute er wieder auf, in ihre mitleidigen Augen. „Jetzt wäre eigentlich der Zeitpunkt, an dem Du mir sagen müsstest, dass ich das nicht bin und alles gut werden wird", sagte er vorwurfsvoll.

„Harry, ich bin sicher, dass er versteht, was in Dir vorgegangen ist. Immerhin hat er die Erinnerung mit Dir zusammen gesehen und vielleicht denkt er ja, dass Du irgendwie die Gefühle von Vin und Dir durcheinander gebracht hast", versuchte es das Mädchen.

„Oh ja, sicher. Snape ist ja immer so rücksichtsvoll und nimmt auf die Gefühle der anderen Rücksicht", erwiderte Harry verärgert.

Hermine zuckte nur hilflos mit ihren Schultern, ehe sie von ihrem Sessel aufstand und sich vor Harry kniete. Sanft zog sie seine Hände von seinem Gesicht und hielt sie mit ihren fest umschlungen. „Hör mal, ich weiß, dass das was Du da gemacht hast nicht gerade ideal war, aber es ist nun auch nicht mehr zu ändern. Du kannst auf mich in jedem Fall zählen. Egal wie Snape nun reagieren wird, ich werde alles tun um versuchen Dir zu helfen. Und ich bin mir auch sicher, dass Ron das tun wird."

Harry nickte traurig. „Danke", wisperte er.

Hermine lächelte ihn an und streichelte sanft mit einer Hand über seine Wange. „Du wirst sehen, alles wird gut", lächelte sie. „Und jetzt will ich wissen, wie Dir der Kuss gefallen hat."

„Hermine!", keuchte Harry empört, doch das störte das Mädchen gar nicht. „Jetzt sag schon", grinste sie.

Harry wurde wieder rot wie eine Tomate und traute sich nicht ihr in die Augen zu sehen, als er sagte: „Es war einfach… wow. Seine Lippen waren richtig sanft und weich und mein ganzer Körper hat gekribbelt."

„Das ist schön, Harry. Das ist wirklich schön." Hermine schlang ihre Arme um Harry und zog ihn in eine feste Umarmung, die er mit ganzer Kraft erwiderte.

oooooooooo

Snape hatte am nächsten Tag nichts gesagt, was schlicht und ergreifend an der Tatsache lag, dass Harry ihn den ganzen Tag nicht zu Gesicht bekommen hatte. Er wusste nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war, doch irgendwie war er ganz froh über diese Schonfrist, auch wenn es ihm lieber gewesen wäre, das Donnerwetter bereits hinter sich zu haben. Vielleicht hielt Snape sich ja nur zurück, um ihn am heutigen Halloweenball vor versammelter Mannschaft runter zu putzen. Zuzutrauen wäre es ihm. Wenn Harry nur daran dachte, wurde ihm schon ganz schlecht, ein Zustand, der sich seit gestern gehalten hatte. Als er mit Ron und Hermine zu den verschiedenen Klassen gegangen war, hatte er hinter jeder Ecke Snape vermutet, der ihn anschreien würde, doch nichts war geschehen.

Auch heute hatte er den Zaubertränkemeister noch nicht zu Gesicht bekommen. Der Ball würde in weniger als einer Stunde beginnen und Harry drehte sich der Magen um, wenn er auch nur an die Möglichkeit dachte, gleich auf Snape zu treffen. Warum auch musste er sich auch ausgerechnet in diesen verbitterten Mann verlieben? Warum hatte sein Gryffindormut sich nicht einmal zurückhalten können und ihm höflich und freundlich erklärt, dass es keine gute Idee wäre den Mann zu küssen?

Harry saß auf seinem Bett im Schlafsaal und hatte sein Kostüm neben sich liegen. Ron saß ihm gegenüber und schaute ihn jetzt schon seit einer geschlagenen halben Stunde mit weit aufgerissenen Augen an. Er hatte heute den ganzen Tag gefragt, was denn mit ihm los sei, da er so blass wäre. Nach dem zehnten Mal hatte Harry ihm einfach geradewegs gesagt, dass er Snape geküsst hatte und sich nun vor dessen Reaktion darauf fürchte. Ron hatte eigentlich ganz gut darauf reagiert, wenn man mal davon absah, dass er seit zwei Stunden kein Wort mehr sagte und immer wieder seinen Kopf ungläubig schüttelte. Wenigstens war er nicht in Ohnmacht gefallen, das war doch schon mal was.

Frustriert seufzte er auf und machte sich daran, sein Kostüm anzuziehen. Irgendwann schaffte auch Ron es, sich aus seiner Starre zu lösen und so gingen sie gemeinsam hinunter in den Gemeinschaftsraum, wo sie sich mit Hermine trafen. Da diese spürte wie unwohl sich Harry fühlte, schnappte sie sich einfach dessen Arm und auch den Rons und ging dann mit beiden hinunter zu der Große Halle. Dort hatten sich auch schon fast alle anderen Schüler versammelt und warteten darauf eingelassen zu werden. Keine fünf Minuten später öffneten sich die großen Flügeltüren. Die Lehrer hatten sich bei der Dekoration selbst übertroffen. Überall an den Wänden hingen große Spinnennetze, Skelette und rote Tücher. Überall schwebten Kürbisse und an der Decke flogen viele Fledermäuse herum. Die Halle war sehr dunkel und wurde nur von den schwebenden Kürbissen beleuchtet.

Aufgeregt plappernd setzten sich die Schüler an die Haustische, wo die Hauselfen allerlei köstliche Speisen bereitgestellt hatten und kurz darauf war die Halle von Lachen, Geschnatter und schabenden Messern und Gabeln erfüllt. Harry schaute hinauf zum Lehrertisch und stellte traurig fest, dass Snape nicht da war. Es versetzte ihn einen kleinen Stich, dass er sich schon wieder zu drücken schien, nur um ihm aus dem Weg zu gehen. Hermine, die neben ihm saß, nahm seine Hand und drückte sie ein wenig, da sie den traurigen Ausdruck in Harrys Augen gesehen hatte. Der gab ihr ein kleines Lächeln und machte sich dann lustlos über die Speisen her.

Als alle aufgegessen hatten, verschwanden die vier Haustische durch einen Wink von Dumbledores Zauberstab und kurz darauf setzte die Musik ein, die den Ball offiziell eröffnete. Ron zog Hermine mit sich auf die Tanzfläche, während Harry einfach am Rand stehen blieb und seinen Mitschülern zuschaute. Seine Gedanken wirbelten in seinem Kopf herum, als er zuschaute, wie die anderen tanzten.

Warum um alles in der Welt ging Snape ihm aus dem Weg? Was sollte das? Harry war sich sicher, dass er es sogar besser gefunden hätte, wenn der Tränkemeister ihn angeschrieen oder Punkte abgezogen hätte, doch stattdessen erfolgte keine Reaktion – nichts. Wusste Snape nicht, dass er ihn damit in den Wahnsinn trieb? Oder zielte er vielleicht sogar darauf ab? Er hätte so gern mit ihm geredet, ihm erklärt, warum er das getan hatte. Snape musste das doch verstehen. Er musste doch verstehen, wie durcheinander Harry war. Wie gerne würde er Snape sagen, dass es nicht nur einfach so passiert war, sondern er ernsthaft Gefühle für den Tränkemeister hatte. Merlin, was dachte er hier eigentlich? Snape sollte Verständnis zeigen und sich dafür interessieren, wie es in ihm aussah? Harry schnaubte. Das wäre ja so, als würde er erwarten, dass plötzlich schwarzer Schnee fiel oder Schweine plötzlich fliegen konnten. Dieser Mann interessierte sich nicht für ihn.

Und das war eine Tatsache, die Harry in diesem Moment, da er all die glücklichen Gesichter seiner Schulkameraden sah, gehörig gegen den Strich ging. Warum zum Teufel war Snape nur so ein Arsch, wenn er doch von den Erinnerungen her wusste, dass dieser Mann auch ganz anders konnte? Vielleicht sollte ihm mal jemand erklären, dass man so nicht mit Menschen umspringen konnte. Am liebsten würde er jetzt hinunter in den Kerker gehen und ihn anschreien, dass er auch nichts für seine Gefühle konnte und Snape ihn dafür nicht verurteilen sollte. Aber das konnte er einfach nicht. Gryffindormut hin oder her, das ging einfach nicht, nicht wenn dieser Kuss zwischen ihnen stand.

Von dem Fest jedenfalls hatte Harry jetzt die Nase voll. Unbemerkt von seinen Freunden verließ er die Große Halle und steuerte den See an. Frustriert ließ er sich auf seinen Stein nieder und starrte in die Nacht hinein. Er musste endlich aufhören daran zu denken. Die Nacht war kühl und sein Kostüm doch recht luftig. Er zog seinen Zauberstab hervor und legte einen Wärmezauber über sich, bevor er erschrocken zusammenfuhr, als er ein Geräusch aus dem Verbotenen Wald hörte. Etwas knackste und raschelte und Harry hielt nun seinen Zauberstab direkt vor sich, um dem eventuellen Angreifer etwas entgegen setzen zu können.

Harry spitze seine Ohren und lauschte angestrengt, als er ein leises Fluchen vernahm. Es war eindeutig eine Frauenstimmer, die dort schimpfte. Harry stand auf und lief langsam in die Richtung aus der die Stimme kam. „Du bist zu spät, meine Liebe", hörte er plötzlich die Stimme Snapes.

„Oh, entschuldige bitte, Severus", entgegnete die Frauenstimme schnippisch. „Es war nicht meine Idee, dass wir uns hier draußen in diesem Wald treffen."

„Ich habe Dir bereits erklärt, dass es nicht anders geht. Hätte ich Dich in meinen Räumen empfangen, hätte Dich einer der Schüler sehen können. Natürlich wäre das anders gewesen, wenn Du direkt zu mir gefloht wärst", sagte Snape kalt.

„Du weißt ganz genau, dass ich es hasse mit Flohpulver zu reißen. Davon wird mir immer schlecht. Und ich bin mir sicher, dass es Dir nicht gefallen hätte, wenn ich mich bei Dir hätte übergeben müssen", schnappte die Frau verärgert.

Leise schlich Harry näher heran, um sehen zu können, mit wem sich Snape da gerade traf. Er erhaschte einen Blick auf die Frau. Sie war um die Mitte dreißig, hatte lange Blonde Haare und eine gute Figur. Harry konnte nicht verhindern, dass er leicht eifersüchtig wurde. Warum traf Snape sich mit dieser Person hier draußen? Doch er konnte nicht weiter darüber nachdenken, da die Frau erneut sprach.

„Ich muss gestehen, dass ich überrascht war, nach der lange Zeit wieder von Dir zu hören", sagte sie. „Erst meldest Du Dich ewig nicht mehr und dann soll ich einfach so von dem einen auf den anderen Tag hier erscheinen."

„Ist das nicht Dein Job?", fragte Snape.

„Ja, aber es wundert mich doch ein wenig", gab die Frau zu. „Was ist los, Severus. Verdreht Dir eine Schülerin den Kopf und Du musst mal ein wenig Dampf ablassen?"

„Ich bezahle Dich nicht fürs reden", schnappte Snape nun.

„Ja ja, ist ja schon gut", lenkte die Blonde ein. „Wie willst Du es nun haben? Hier draußen?"

Snape nickte nur und Harry riss die Augen auf, als die Frau sich ihm daraufhin näherte und ihre Arme um ihn schlang, ehe sie ihn leidenschaftlich küsste. Der Tränkemeister erwiderte den Kuss und Harry hatte in diesem Moment das Gefühl, als könne er hören wie sein Herz brach. Nein, mehr musste er nun wirklich nicht sehen. Blindlings lief er rückwärts und stolperte über einen Ast. Er hörte, wie Snape fluchte und dann eilig Schritte in seine Richtung kamen. Harry versuchte noch sich zu verstecken, doch schon im nächsten Moment stand sein Professor genau vor ihm.

„Potter", knurrte er. „Was tun Sie hier?"

Harry standen Tränen in den Augen und anstatt etwas zu sagen, senkte er schnell seinen Kopf, um Snape nicht mehr ansehen zu müssen.

„Verschwinden Sie wieder ins Schloss", befahl Snape. „Ach und eh ich es vergesse, zwanzig Punkte Abzug für Gryffindor, wegen Herumspionierens und noch mal zwanzig Punkte wegen der Sache von neulich Abend. Und damit sind sie schon glimpflich davongekommen."

Harry schluckte schwer und nickte kurz, wagte es aber noch immer nicht, Snape anzuschauen.

„Was ist das überhaupt für ein Kostüm?", fragte Snape daraufhin abfällig. „Nein, lassen Sie mich raten. Hades, nicht wahr? Typisch für Sie ein Kostüm zu wählen, das einen griechischen Gott darstellt. Wäre Zeus nicht besser gewesen?"

Harry reichte es jetzt. Schnell stand er auf und drehte sich um, um zum Schloss zurück zu gehen. „Und bevor ich es vergesse, Potter. Fünf Punkte Abzug, weil Sie meine Fragen nicht beantwortet haben", rief Snape ihm hinterher.

Ohne sich noch einmal umzudrehen, eilte Harry nun zurück zum Schloss, doch anstatt zum Fest zurückzukehren, spurtete er hinauf zum Gryffindorturm und warf sich, in seinem Schlafsaal angekommen, auf sein Bett, wo er hemmungslos zu weinen begann.