Kapitel 20

Ich blieb regungslos, als ich meinen Blick von dem zerknitterten Seiten, die in einem durcheinander vor mir auf den Gehweg lagen hob und stattdessen meinen Augen erlaubte sich auf etwas – irgendetwas – zu richten, das meine Gedanken von der unglaublichen Feststellung, die mich nur Augenblicke zuvor getroffen hatte, ablenken würde. Ich sah aus meinen Augenwinkeln, wie sich Harry runter beugte, und das zerknitterte Magazin aufhob und dann hörte ich wie er laut ausatmete.

»Bist du sicher…« begann er leise und vorsichtig. »Bist du sicher, das er es ist – Ich meine…es könnte doch…es könnte doch irgend…«

»Er ist es«, schnitt ich ihm ins Wort. Meine Stimme hatte jeglichen emotionalen Bezug verloren; sie war flach, monoton, tot. Ich atmete zitternd ein, presste meine kalten Finger in mein Gesicht und atmete einen Strom warme Luft in meine Handlichen aus. Ich nickte gegen meine Finger. »Er ist es.«

»Ich könnte mich irren – vielleicht ist es eine Verwechslung…«

»Es ist keine Verwechslung«, schnappte ich und schaute meinen besten Freund mit einem kalten Blick an. Ich presste meine Zähne fest aufeinander, während ich ihn anschaute, aber ich würde meinen Blick nicht erlauben, erneut auf die Titelseite zu schauen, wo er mit seiner dämlichen Gitarre so verdammt Arrogant stand. »Das ist er. Das ist keine verdammt Verwechslung, Harry.«

Seine Augen weiteten sich leicht, bevor er erneut auf das Boulevardblatt in seinen Händen schaute. Er starrte einen Moment lang Schweigsam auf die Titelseite, sein Blick huschte über das Bild. »Ja.« murmelte er und nickte. »Ja, du hast recht. Das ist keine Verwechslung.«

Ich schloss meine Augen fest und schluckte schwer gegen den Kloß in meinem Hals. »Er hat mich angelogen.« hauchte ich. »Er hat mich angelogen, Harry.«

»Eigentlich hat er dich, wenn man drüber nachdenkt, nicht angelogen«, antwortete er, »hast du ihn tatsächlich gefragt, was er für seinen Lebensunterhalt macht?«

»Ja«, presste ich hervor, meine Augen immer noch geschlossen. »Er hat mir gesagt, dass er Musiker ist.«

»Na bitte, da haben wir es doch«, begann er erneut, und ein wenig Humor war in seiner Stimme zu hören. »Ich meine, er hat dir gesagt, dass er Musiker ist – das ist doch irgendwie das gleiche.«

»Willst du mich verarschen?«, entgegnete ich scharf, öffnete meine Augen, die sich schnell mit Tränen füllten, und starrte Harry fassungslos an. »Das gleiche – soll das ein verdammter Scherz sein, Harry? Er behielt die Tatsache, das er ein…ein…« ich atmete tief durch. »Er hätte mir sagen können, das er…das er…«

»Ein Rockstar ist«,beendete er leise meinen Satz. »Ja, das hätte er dir sagen können.«

Wir schwiegen einen langen Moment, und während ich mir ein paar Tränen aus den Augenwinkeln wischte, sah ich wie er das Magazin ein wenig von sich weg hielt, um besser auf das Bild schauen zu können.

»Ich wusste, dass ich den Namen irgendwoher kannte«, murmelte er, und legte seinen Kopf leicht schief. »Ich bin mir ziemlich sicher, das Ginny eine Schwarz-Weiße Leinwand über ihre Couch hängen hat.«

»Was?«, schnappte ich und schaute schnell zu ihm. »Harry, was? Du willst mir erzählen, das deine kleine süße Freundin, ein Poster von dem Mann über ihren Bett hängen hat, der mein Leben für den letzten Monat zur Hölle gemacht hat, und du erinnerst dich erst jetzt an seinen Namen?«

»Wag es ja nicht, Hermine«, murmelte er finster, und warf mir einen strengen Blick zu. »Untersteh' dich deinen Ärger an mir auszulassen. Ich hab hier nichts falsch gemacht – ich hab dich nicht angelogen und meine Identität Geheim gehalten. Also fang gar nicht erst an.«

Ich seufzte und presste erneut meine Hände auf mein Gesicht. »Es tut mir leid«, flüsterte ich gebrochen in meine kalten Hände. »Ich weiß, ich bin ein Miststück und du verdienst das nicht, aber ich einfach…« ich verstummte, als meine Stimme brach und noch mehr Tränen sich ihren Weg bahnten. Als ich meinen Satz nicht beendete, spürte ich wie Harry näher kam und seine Arme tröstend um mich legte. Die Geste war warm und willkommen, und brachte einen hauch Gelassenheit in meine beschissene Situation. Ich seufzte schwer in das teure Material seines Wollmantels.

»Ich weiß«, murmelte er leise, hob eine behandschuhte Hand und strich abwesend über meine Haare. »Ich weiß dass das hart ist«, er zog sich für einen Moment zurück, und als ich meine Augen öffnete, lächelte er mich liebevoll an. Er hob beide Hände und umfasste mein Gesicht. »Hey – hey, sieh mich an, okay? Du schaffst das. Du bist besser als er, Süße. Du stehst über ihn. Du warst ehrlich, er war es nicht. Du schaffst das.«

Ich schniefte und nickte, als er mir ein paar Tränen von meiner Wange wischte, und sein lächeln weitete sich. »Gut«, er ließ seine Hände wieder fallen und hob das Magazin wieder auf, das er achtlos weg geworfen hatte, als er mich umarmt hatte. »Nun dann«, er räusperte sich. »Was hast du jetzt vor?«

Ich schüttelte mit dem Kopf und schaute in den Himmel, während ich meine Arme fest vor meiner Brust verschränkte. »Ich habe keine Ahnung«, gab ich zu und schielte auf das Magazin. »Ich….ich weiß nicht mal wo ich anfangen soll.«

»Ich denke, mit ihm zu reden wäre ein guter Anfang«, schlug Harry vor, »du weißt schon, um herauszufinden was das Ganze soll oder…oder was auch immer.«

»Nein, ich denke nicht, dass ich ihm im Moment gegenüber treten kann«, murmelte ich und ließ meinen Blick auf meine Schuhspitzen fallen. Ich zuckte mit den Schultern und ein gebrochenes Lachen entwich meinen Lippen. »Ich glaube nicht, dass ich mir selbst genug trauen kann, um ihn nicht zu töten.«

»Nun, das wollen wir ja nicht«, antwortete er lachend. »Wie wäre es, wenn du zuerst mit seinem Bruder redest – du hast gesagt, dass ihr zwei euch auch gut angefreundet hättet, oder nicht?«

Und dann dämmerte es mir. Ich stöhnte innerlich, als ich zurück auf das Magazin Cover schaute, denn dort, gleich neben diesen Blödmann, war der Kerl, mit dem ich Zeit verbracht hatte und der Licht auf meine Situation geworfen hatte. Da war er, mit glattem Haar und dunkle, enge Kleidung, die am jedem Winkel seiner schlanken Gestalt anlag. Da war er – eine Person der ich vertraute und die ich liebgewonnen hatte – da war…

»Blaise ist sein Name, oder nicht?« begann Harry erneut, in seiner Stimme war deutliches Interesse heraus zu hören. Er studierte das Bild für einen langen Augenblick, bevor ein verschlagenes Grinsen an seinen Mundwinkeln zog. »Du hast mir nie erzählt, das Mr. Arrogant einen solch süßen Bruder hat, Hermine« er schaute auf, ein Grinsen zierte seinen Mund. »Vielleicht sollte ich mit dir kommen – du weißt schon, um die Dinge unter kont…«

Ich seufzte »Nein.« Und ignorierte seinen offensichtlichen Versuch, Dracos leichterer, mitfühlenden Hälfte kennen zu lernen. Ich schüttelte den Kopf. »Nein, ich muss das alleine machen.«

Sein Lächeln verschwand, er seufzte und hielt mir das Magazin entgegen. Als ich nur drauf starrte und eine Augenbraue hob, verdrehte Harry die Augen. »Nimm es. Du solltest dir das vermutlich Mal durchlesen, bevor du die Bombe bei den zwei Idioten platzen lässt.«

Er hatte recht. Ich nahm das Magazin und bedanke mich leise bei ihm, bevor ich dem Verkäufer – der deutlich verärgert drein schaute – 5 Pfund in die Hand drückte. Ich murmelte ihm zu, das er das Wechselgeld behalten könnte, und machte mich auf dem Weg zum Hotel. Das Wechselgeld spielte keine Rolle. Die kalte Luft, die mein Gesicht und meine Hände betäubte, spielte keine Rolle. Zum Teufel, nichts spielte in diesem Moment eine Rolle, denn mir wurde plötzlich bewusst, dass ich einen Mann bedient hatte, der in Europa und sogar in den Vereinigten Staaten sehr bekannt war. Wie konnte ich verdammt noch mal nur so dumm sein? Hatte ich denn noch nie was von Google gehört? Warum konnte ich keinen Zusammenhang herstellen?
Trotzdem vertiefte ich mich auf meinem langen Weg in das Magazin, blätterte durch die Seiten und lernte, dass die beiden Brüder, seit sie elf oder zwölf Jahre alt gewesen waren, mit der Musikbranche zu tun hatten. Das sie aus Kanada, Toronto, kamen, und das sie eine Handvoll Studio Alben, in Französisch und in Englisch, veröffentlicht hatten. Und hier war ich. Die kleine dumme Hermine. Die seine Muffins besorgte, sein Geschirr spülte und seine mit Samen befleckten, teuren Laken wechselte.

Ich war ein Dummkopf.

Ich wartete nicht lange vor Blaise' Tür, nachdem ich geklopft hatte, bis seine Stimme hinter der Tür erklang. Seine leichten Schritte näherten sich auf der anderen Seite der schweren Eichen-Tür, und als er sie öffnete, und mich erkannte, erhellte sich seine komplette Miene. Er trug keine engen schwarzen teuren Markenjeans, wie auf dem Magazin Cover, welches ich in meiner Manteltasche gesteckt hatte und seine Haare waren frei von Haarspray oder irgendwelchen Gels. Ich fragte mich im Stillen, ob er mir wirklich so sehr vertraute und sich wirklich so ungezwungen mit mir fühlte, dass er mir erlaubte, hinter die schweren, teuren Kosmetika und den Haarprodukten zu sehen.

»Hermine«, grinste er und zog mich in eine feste Umarmung. Ich blieb starr und erwiderte die Geste nicht. Er zog zurück, und schien mein steifes Verhalten nicht bemerkt zu haben, stattdessen trat er zur Seite, und winkte mich begeistert in seine elegante Suite. »Komm rein, komm rein.«

Ich folgte ihm wortlos, zog meine Schuhe in der Nähe der Tür aus und folgte ihm in das Wohnzimmer. Er drehte sich um und grinste mich an. »Ich hatte eigentlich vor dich anzurufen«, begann er begeistert und zum ersten Mal fällt mir der französische Akzent bewusst auf. Ich konnte seine Aussprache der englischen Worten endlich zuordnen. Ich war ein solcher Idiot.

»Ich wollte, dass du heute früh vorbei kommst, aber…oh, wen interessiert das«, er hielt inne und grinste mich immer noch an. »Etwas unglaubliches ist passiert.«

Ich schluckte schwer und schaute ihn emotionslos an. »Ja, etwas unglaubliches ist passiert.«

»Komm her, sieh mal«, er winkte erneut und drängte mich ihm in die Küche zu folgen. Als ich langsam in Richtung Küche schlürfte, sah ich, was er mir zeigen wollte. Er winkte wie wild in Richtung des Tellers auf der Arbeitsfläche, ein breites grinsen überzog sein Gesicht, und seine Augen funkelten begeistert. »Siehst du? Siehst du sie?«

Ich schaute auf den Teller. Ungefähr ein Dutzend Muffins lagen in unförmigen Klumpen darauf, ihre leicht verbrannten Oberflächen waren mit dunkel blauen Punkten übersäht. Unter anderen Umständen, wäre ich in Gelächter ausgebrochen, hätte mit ihm gescherzt und ihn sogar aufgezogen. Aber nicht jetzt.

»Das sind Muffins«, rief er begeistert aus und schob den Teller in meine Richtung. Genau in dem Moment bemerkte ich, das er eine alberne Rosa Schürze trug – ähnlich wie das kleine Ensemble von Fleur. »Und ich hab sie gemacht.«

Ich blinzelte, starrte auf die offensichtlich verbrannten Backwaren und setzte mich dann auf einem Stuhl, der an der Theke stand. »Wo ist Draco?«

Blaise runzelte leicht die Stirn. »Ich weiß es nicht. Er macht ein paar Besorgungen, glaube ich«, gab er weiterhin fröhlich von sich und schob den Teller so nah zu meinen Händen, dass der kalte Keramikrand gegen meine Finger drückte. »Aber wem kümmert's? Hier, probier einen. Ich kann nicht glauben, das ich es geschafft habe etwas zu kochen – ich meine, sieh sie dir an, sie sind…«

Er endete abrupt und sein Lächeln verschwand, als er zu mir schaute. Ich war mir sicher, dass mein Ausdruck alles andere, als Begeisterung widerspiegelte, und als er meine ernste Miene bemerkte, weiteten sich seine Augen ein wenig. »Hermine, was gibt's? Was ist los?«

Ich schluckte erneut schwer, mein Blick starr auf den Rand des Tellers gerichtet. Ich weigerte mich ihn anzuschauen. Nicht, wenn er mich angelogen hatte. Da er nicht ehrlich zu mir war.

»Blaise«, begann ich leise und hielt meinen Blick fest auf den Teller gerichtet. »Wir müssen reden.«

»Was? Über was?«

»Du musst mir sagen, was auch immer du geglaubt hast, mir sagen zu müssen«, murmelte ich und bemerkte, wie lächerlich ich vermutlich Klang, aber ich wollte es unbedingt von ihm hören, bevor ich ihm die Beweise zeigte. »Wenn es irgendetwas gibt – irgendwas – das du mir sagen möchtest…dann…dann sag es jetzt.«

Ich hörte wie er sich einen Stuhl heranzog und sich mir gegenüber an die Theke setzte. »Hermine«, begann er leise, »ich habe keine Ahnung wovon du da redest.«

»Hör auf«, zischte ich plötzlich, meine Augen füllten sich mit Tränen, als ich zu ihm aufschaute. »Hör einfach auf zu Lügen und sag mir die Wahrheit, Blaise.«

Seine Augen waren wieder leicht geweitet und ich sah wie sich sein Kinn anspannte. Ich sah, wie er schwer schluckte und hörte wie er scharf einatmete, während wir einander anstarrten.

»Wie hast du es rausgefunden?«, murmelte er leise, seine Augen immer noch geweitet und sein Kinn immer noch angespannt.

Meine Augen blitzen verärgert auf, als meine Hand zu meiner Tasche wanderte. Ich zog schnell die zerknitterten Seiten heraus und warf sie dann kurzerhand auf die Arbeitsfläche zwischen uns. Sein Blick fiel auf das Cover und sein Mund klappte auf.

»So…«, presste ich hervor und zeigte mit einem Finger auf das zerknitterte Magazin, »…fand ich es heraus.«

Er war einen Moment lang still, und starrte mit einem geschockten Gesichtsausdruck auf die glänzende Vorderseite. Er schaute zu mir auf. »Hermine, ich…«

»Was wäre passiert?«, murmelte ich und starrte ihn mordlustig an, »was wäre passiert, wenn ich heute nicht zum Mittagessen gegangen wäre? Wenn mein bester Freund nicht am Zeitungskiosk hätte stehen bleiben wollen? Huh? Hätte ich jemals erfahren, das ihr…das du…?«

»Es tut mir leid«, flüsterte er und schüttelte mit dem Kopf, während er mich verzweifelt ansah. »Ich wollte es dir sagen, Hermine, du weißt gar nicht wie sehr…«

»Warum hast du es dann nicht?«, schnappte ich gereizt, meine Stimme nahm an Lautstärke zu. »Warum zum Teufel hast du so etwas wie das vor mir verheimlicht, Blaise? Ich dachte wir wären Freunde.«

»Das sind wir«, erwiderte er, »wir sind Freunde, deshalb konnte ich es dir nicht sagen.«

»Wie macht das überhaupt Sinn?«, knurrte ich und starrte ihn eisig an. »Wir sind Freunde, also lügst du mich an – so dass ich wie eine verdammte Idioten aussehe, die Zeit mir dir und deinem…deinem berühmten Bruder verbringt?«

»Hermine, bitte«, flehte er gebrochen und ergriff meine Handgelenke. Seine Augen glitzerten, ich konnte sehen, wie sich Tränen darin bildeten. »Bitte, versuch zu verstehen…ich wollte es dir sagen und ich hätte, wenn Draco es nicht…«

»Wenn Draco es nicht tut, huh?« ich lachte humorlos. »Oh, also so läuft das? Es war ein kleines Spiel für euch beide, oder nicht? Ihr wolltet sehen, wie lange ihr Hermine wie einen Dummkopf aussehen lassen könnt?«

»Nein«, antwortete er schnell und schüttelte seinen Kopf. Seine Hände lösten sich von meinen Armen und er presste sie gegen sein Gesicht. »Nein, so ist das überhaupt nicht, es ist nur…er wollte es dir nicht gleich sagen, ich meine…ich wollte es so sehr, aber…Draco…er…«

»Spar es dir«, presste ich hervor und stand auf. »Du hast mich wie eine verdammte Idiotin dastehen lassen, Blaise. Ich habe Zeit mit euch beiden verbracht und gedacht das alles normal wäre und…«

»Deshalb konnte ich es dir nicht sagen«, unterbrach er mich scharf und ergriff meinen Arm, um mich am gehen zu hindern. Seine Augen schwankten als er in meine starrte, seine Lippen waren geteilt und seine Wangen gerötet. »Ich konnte es dir nicht sagen, weil alles normal war…du hast mich wie ein menschliches Wesen behandelt, Hermine. Weißt du wie lange es her ist, dass mich jemand meinetwegen gemocht hat?«

Ich schluckte schwer, während ich ihn anstarrte. Die Tränen begannen zu laufen und hinterließen nasse spüren auf seinen Wangen und ich spürte plötzlich wie sich meine Augen ebenfalls erneut mit Tränen füllten. Ich sank zurück auf meinem Platz und seufzte schwer in meine Hände.

»Gott, Blaise«, murmelte ich gedämpft durch meine Handflächen. »Ich kann nicht glauben, dass ich solch eine Idiotin bin, dass ich es nicht gewusst habe.«

»Du bist keine Idiotin«, versicherte er mir leise, seine Finger strichen sanft über mein Handgelenk. »Du bist alles andere als eine Idiotin, Hermine…«

»Doch das bin ich«, ich schniefte, und war mir sicher, dass mein Gesicht so rot wie eine Tomate und meine Augen sicherlich total geschwollen waren. »Ich hing mit zwei berühmten Personen ab und hatte verdammt noch mal keine Ahnung.«

»Du hast mich wie ein menschliches Wesen behandelt«, begann Blaise leise, »du warst die erste Person seit langem, die Zeit mit mir wegen meiner Gesellschaft verbringen wollte.«

Ich atmete zitternd ein.

Gott.

Das war alles so beschissen.

»Ich wünschte, du hättest es mir gesagt«, sagte ich leise, »anstatt es mich durch ein mieses Boulevardblatt herausfinden zu lassen.«

»Das tue ich auch«, murmelte er. Und dann lachte er leicht auf, als er erneut auf das Magazin Cover starrte. »Besonders, weil es nicht mein bestes Bild ist.«

Daraufhin lachte ich auch, ungläubig darüber, dass ich in Blaise Malfoys Küche saß, dass er mit jemand wie mir herumalberte. Ich schaute runter auf das Bild und zuckte mit den Schultern. »Du könntest nicht mal schlecht aussehen, selbst wenn du es versuchen würdest, Blaise. Das hab ich dir schon mal gesagt.«

Er seufzte und zuckte mit den Schultern, als er das Magazin zur Seite schob. »Die Beleuchtung ist nicht so schmeichelhaft auf meinem Gesicht.«

»Halt die Klappe«, ich schniefte und wischte über mein feuchtes Gesicht. Ich lächelte ihn warm an und nickte zu dem Teller der noch immer zwischen uns stand. »Und gib mir einen von diesen Muffins.«

Er grinste, seine Augen erhellten sich erneut und er griff nach einem klumpigen, halb schwarzen Muffin und hielt ihn mir hin. »Ich hab gute drei Stunden gebraucht um…«

»Drei Stunden, Blaise?« ich lachte. »Für Muffins brauch man nicht länger als eine Stunde.«

»Nun mach mal halb lang, ja«, erwiderte er und stand auf, um sich ein Glas aus einem der oberen Schränke zu holen. »Ich bin Sänger, kein Küchenchef.«

Als ich in den Muffin biss und mein Gesicht wegen der verbrannten Oberfläche leicht verzog, fiel mein Blick auf einen Stapel Post, der in der nähe auf der Theke lag. Ich sah ein paar Umschläge hier und da, ein Coupon Buch und dann fiel mein Blick auf einen bestimmten offenen Umschlag, mit einem Blatt Papier daneben. Ich starrte neugierig darauf, ein Bild von einem Auto war oben auf die Seite gedruckt, mit den Worten JIM'S AUTO SERVICE, die mit dicken, schwarzen Buchstaben darunter gekritzelt waren.

»Blaise«, rief ich, schaute auf und sah wie er gerade ein Glas Orangensaft einschüttete. Ich nickte in Richtung des Papiers. »Was ist das?«

Er streckte seinen Kopf, um auf das Dokument zu schauen, bevor er mit zwei vollen Gläsern Saft zur Arbeitsfläche kam. »Oh das? Ist nichts, nur eine Zahlungsquittung für Draco.«

»Zahlungsquittung?« wiederholte ich murmelnd und ließ meinen Blick über die Informationen wandern. »Für was?«

Er biss in einen seiner eigenen Meisterwerke und zuckte mit den Schultern. »Er hatte letzten Monat eine kleine Delle im Auto, nichts großes.«

Eine Delle.

In seinem Auto.

Mein Blick folgte den Worten weiter die Seite runter. Dracos Stimme hallte in meinem Kopf, während sich mein Herzschlag beschleunigte - könnte es sein? Ich beäugte das Datum und realisierte, dass diese kleine Dellen Zahlung, von meinem ungestümen Ausbruch in dieser Schicksalshaften Nacht außerhalb des Restaurants, stammte.

»Ich würde mindestens 3000 Pfund für den Schaden schätzen.«

Mein Blick fiel auf die fett gedruckten Worte – fällige Zahlung.

Und mein Herz blieb stehen.

Oder zumindest dachte ich das.

Ich konnte nicht atmen.

Ich konnte mich nicht bewegen.

Oh mein Gott.

»Das Stimmt nicht«, begann ich mit zitternder Stimme. »Das ist nicht Richtig, sag mir dass das nicht Stimmt.«

»Was?« er runzelte die Stirn und schielte auf das Blatt. Er starrte einen Moment darauf, schüttelte seinen Kopf und biss erneut in seinen Muffin. »Nein, das stimmt. Der Typ hat ihm sogar ein Angebot gemacht. Hätte normalerweise 15 Pfund mehr kosten sollen.«

Ich wollte mich übergeben.

Ach du heilige Scheiße.

Fällige Zahlung - £75.53

»…3000 Pfund für den Schaden.«

Fünfundsiebzig verdammte Pfund.

Oh mein Gott.