XX. Eine Begegnung der anderen Art
Das war also der Eingang zur Unterwelt - ich hatte mir ihn irgendwie cooler vorgestellt. Ein schweres Monument auf dem legendären Wiener zentralfriedhof, oder zumindest auf einem traditionsreichen amerikanischen Friedhof. Ein Gothicclub wäre ja wohl das mindeste gewesen was Hades hätte bieten können oder? Und statt dessen ein lächerlicher großen Betonkasten, die DOA Recording Studios machten auf den ersten Blick einen ganz normalen Eindruck, jede Menge Kulissen und Requisietenreste - Kulissen? In welchen Film nutzte man heute noch Kulissen die nicht Digital waren? Autos und vor allem große graue Betongebäude, welche genauso gut der Sitz einer Versicherung hätten sein können hätte da nicht in schweren Lettern DOA Recording Studios auf der Fassade gestanden.
"Hier soll das sein? Das ist lächerlich Percy!" bemerkte ich und wollte wirklich nicht so Recht glauben das Hades so wenig Wert auf sein Image legte. "Hab ich beim ersten Mal auch gedacht, aber warts ab Jack, es wird besser." bemerkte Percy mit einem schiefen lächeln und betastete den Beutel mit Drachmen den er bei sich trug. Er schien beruhigt zu sein als der Beutel in seiner Hand lag, stimmt man konnte ohne Geld nicht ins Totenreich gelangen, aber da wollten wir ja auch nicht hin. Warum machte sich Percy also sorgen um seine Drachmen? "Gehen wir." bemerkte er kurz angeboten und ging mit langen Schritten auf die Gebäude zu, welches von einer drei Meter hohen Betonmauer umgeben war, welche von einer dicken Natodrahtrspirale aus Bronze gekrönt war. Das solide Eisentor, welches den Eingangsbereich bildete war leider geschlossen, Hades machte es ungebetenen Gästen aber wirklich nicht leicht. Es war später Nachmittag und aus eben diesem Grund waren noch ziemlich viele Leute unterwegs - wir konnten also nicht einfach über das Tor klettern, zumindest nicht ohne von Pflichtbewussten US- Bürgern festgenommen zu werden, weil wir in Privateigentum einbrachen.
Ok - das war vielleicht ein wenig übertrieben aber Probleme hätten wir vermutlich schon bekommen, ganz davon abgesehen das Hermes mir ja berichtet hatte wie sehr sich Hades Momentan von Eindringlingen fürchtete. Ich wollte gar nicht länger darüber nachdenken, denn je länger ich das tat, desto offensichtlicher wurde wie verrückt unser Vorhaben eigentlich war. Höchstwahrscheinlich dürften wir dabei draufgehen, dessen war ich mir bewusst, andererseits war es so, dass das Schicksal der Welt daran lag das Palladion zu finden, und das ging schließlich nur mit dem Schlüssel der an der Quelle des Styx versteckt war. Die Tatsache das dem so war ließ nur einen Schluss zu - es gab zumindest einen Weg dorthin zu kommen ohne zu sterben, zumindest für einen Sohn der Athena, so viel Genauigkeit muss sein. "Warum haben wir eigentlich kein Boot gekauft Percy?" fragte ich ihn, mein Freund begann zu lachen. "Mann, man merkt das du den Styx noch nicht gesehen hast, da fährt kein anderes Boot drauf als dieser abgefreakte Kahn vom Charon. In diesem Fluss materialisieren sich zerbrochene Träume der Menschheit, das heißt da schwimmen nicht fertig gewordenen Traumhäuser und zerschossene U-Boote herum!" erklärte Percy. Ich muss wohl ein ziemlich blödes Gesicht gemacht haben, denn er war ungemein erheitert. "Glotz nicht so Jack, die Leute wundern sich schon." bemerkte er und zeigte auf einige Passanten, die mit verwundertem Kopfschütteln weitergingen oder demonstrativ von mit wegsahen.
Ich konnte mir immer noch nicht vorstellen was das für ein Fluss war, noch viel weniger allerdings begriff ich wie man ein Bad darin überleben konnte ohne von irgendetwas ertränkt, überfahren oder zerfleischt zu werden. Während wir noch sprachen, kam ein Mann über den Innenhof der Studios geschritten, er wirkte wie einer dieser Typischen Sicherheitsmänner, die man ja fast in jedem Supermarkt zu Gesicht bekommen konnte, er entfernte die Schwere Kette, welche das Doppeltor der DOA Studios verschlossen hielt und Steuerte geradewegs auf die knapp 70 Meter Straßenabwärts gelegene Subway-filiale zu. Scheinbar wollte er sich etwas zu Essen holen, ich konnte ihn verstehen. Wer wollte schon in den Hades einbrechen? Das war in hohem Grade unlukrativ, zumindest für jeden Einbrecher den ein Mensch aufhalten konnte. Ich und Percy nutzten jedoch sofort die sich bietende Gelegenheit, sobald der Wachmann das Restaurant betreten hatte gingen wir gemächlich zum Tor. Percy zog es weit genug auf um hindurchzugehen ohne das es auffiel, wir beide wirkten wie Rucksacktouristen mit unseren Treckingrucksäcken, die mit Wasser, Proviant und vor allem Taschenlampen gefüllt waren.
Ich folgte ihm und schloss das Tor wieder, damit im besten Falle niemand etwas merkte. Dann liefen wir schnell auf den Haupteingang zu, Percy natürlich voran. Im Gegensatz zu mir kannte er sich hier ja aus, zumindest hatte er das gesagt. Ich war jedoch skeptischer je näher ich dem Eingang kam, es handelte sich um eine Stinknormale Türe, nichts besonderes. Irgendetwas stand auf ihr gekritzelt, aber da Percy nicht darauf achtete tat ich es auch nicht. Als ich entrat bemerkte ich plötzlich, das es wohl doch so war wie mein Freund vermutet hatte, der Raum, eine Lobby so groß das sie eigentlich das gesamte Gebäude der DOA Studios ausfüllen musste war durchaus geschmackvoll eingerichtet. Wände und Decke waren Stahlgrau gehalten, lediglich schwarze Ledergarnituren standen in losen Gruppen in dem enormen Raum. Leute in den Verschiedensten Kleidungsstücken standen hier herum, Männer in Anzügen und Frauen in Tuniken, auch der ein oder andere Mensch der gerade einem Roman von Alexandre Dumas entsprungen schien befanden sich hier, sie waren nichts als leblose Schatten ihrer selbst, Seelen die Gedankenlos ins leere starrten. Wenigstens lief Musik - wenn auch verdammt schlechter Muzak Stoff. Mir drehte sich fast der Magen um von diesen weichlichen Gitarren und dem dezenten Schlagzeug. Auf einem großen Steinernen Podest stand ein Wesen, das ich sofort als Charon identifizierte.
Reihen von verstorbenen Pilgerten zu der auf dem Podest stehenden Gestalt, gaben etwas in seine ausgestreckte Hand und Schritten durch ein großes Steinernes Tor weiter in die Dunkelheit, vermutlich auf die Fähre, welche auf dem Styx schwamm. Wie warteten. "Verdammt, Lebende dürfen eigentlich gar nicht hier sein!" fluchte Percy, dem die Schweißperlen genauso auf der Stirn standen. Mein Herz blieb für einen Moment fast stehen - verdammt, als ob es nicht schon risikoreich genug wäre sich in Hades Reich herumzutreiben. Jetzt war es sogar noch offiziell verboten - und Götter nehmen ihre Verbote sehr ernst, das lehrt die Mythologie nur allzu oft. Schließlich sagte eine knöchern und kalt klingende Stimme. "Keine weiteren Passagiere." Charon in seiner weiten schwarzen Kutte drehte sich langsam um und schritt durch das Tor. "Jetzt ." zischte Percy atemlos und sprintete Los, ich folgte ihm und übersah dabei eine der Gestalten, ich wollte mich abfangen aber stolperte einfach durch sie hindurch, eine schreckliche Kälte umfasste mich kurz, er schien fast als wolle sie mir das Leben aus den Knochen saugen, doch dann war alles wieder normal. Percy und ich schritten durch das Tor und blickten auf, ja was eigentlich. Charons Boot, eine altertümliche Konstruktion die fremdartig von allem wirkte das ich jemals gesehen hatte fuhr durch einen graugefärbten Strom voller Wirbel und Stromschnellen. Ein alter, rostiger VW- Käfer krachte scheppernd gegen das Schiff, das keinen Millimeter von seinem Kurs abwich. Charon benutzte eine Lange Stakstange um es langsam fortzubewegen, er musste auf die andere Seite des Flusses, der vielleicht 100 Meter breit war, lange Zeit hatten wir nicht.
Wir befanden uns auf einem hölzernen Kai, der aus einem schwärzlichen Schilfgürtel hinausragte, der die Ufer des Flusses säumte. Der Styx strömte eine unsägliche Trauer und Hoffnungslosigkeit aus, die mir fast physische Schmerzen bereitete und dennoch war ich fasziniert von dem Strom, den zerrissenen Familienbildern, verbrannten Teddybären und verbogenen Waffen die darin herumgewirbelt wurden. Ich verließ den Kai am äußersten Rand des aus schwarzem Stein Bestehenden Randes. Wir liefen auf runden, schwarzen Kieselsteinen, zwischen denen das Wasser des Styx floss, welches offensichtlich etwas gegen die Gummisohlen unserer Schuhe zu haben schien. Es stieg nämlich ein seltsamer Dampf auf so oft wie mit ihnen den Boden berührten. Wir schritten schnell und vorsichtig - Percy voran, weg von dem Anleger. Der Styx verlief nicht etwa gerade, sondern in einer einzigen gewaltigen Spirale, 9 mal Wand er sich um die Unterwelt, wenn man den Mythen Glauben schenken durfte. Zumindest sah es so aus das er einen ziemlich kurvigen Verlauf hatte, korrigierte ich mich. Schon nach wenigen hundert Metern waren wir außer sich und Unsere Schuhsolen und Socken durch geätzt. Der erste Moment in dem die nackte Haut die feuchten Kiesen Bedeckte war ein Schock - ich schrie vor Schmerzen auf, meine Fußsohlen wurden von einem brennenden Schmerz durchtränkt, der schlimmer war als alles was ich vorher in meinem Leben empfunden hatte.
Es war als ob man seine Füße gleichzeitig einfriert und Flüssige Säure taucht und dabei noch Zeit hat sie mit tausenden von Nadeln zu bearbeiten. Meine Gesamte Wahrnehmung verschwamm und ich wurde fast ohnmächtig. Ich sank in die Knie, eine ziemlich schlechte Entscheidung wie ihr euch denken könnt, meine Knie durchfuhr der gleiche Schmerz, Dampf stieg aus der Haut auf, die Feuerrot anlief, seltsamerweise aber keinerlei richtige Verätzungen zeigte. Das bemerkte ich vor lauter Schmerzen aber nicht, ja länger ich mit den feuchten Steinen in Kontakt blieb, desto weniger taten sie weh, nach kurzer Zeit war ich in der Lage unter beständigem jammern und wimmern weiterzutaumeln, Tränen des Schmerzes verschleierten immer noch meine Sicht. Percy erging es kaum besser, auch wenn er nicht zusammengebrochen war hörte er sich ebenfalls an wie ein Welpe beim zahnen. "Scheiße Mann - was ist das für eine verdammte Scheiße." quetschte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, ich erhielt von Percy keine zusammenhängende Antwort. Inzwischen traten die Ufer des Styx ein wenig weiter zurück, sodass wie auf trockenen Boden ausweichen konnten.
Ich ließ mich erst einmal auf den harten Kiesboden fallen und atmete keuchend durch. Percy tat das gleiche. "Das war wirklich übel Jack - ich war eben kurz davor einfach aufzugeben." gestand Percy, dessen Atem ähnlich rasselnd ging wie meiner, wir Beide waren von oben bis unten in Schweiß gebadet. "Aber wir haben es geschafft - es scheint übrigens so als ob wir in die Richtige Richtung laufen." bemerkte ich und deutete auf das uns umgebende Gestein, aus dem Schwarzen Fels, der quasi glatt wie eine Betonwand emporragte und jedes bisschen Licht schluckte, das eventuell in diese Dunkelheit drang, nur dank unserer Taschenlampen hatten wir uns überhaupt zurechtgefunden, war ein fahlgrauer feucht wirkender Stein geworden. Ein Glück das keine der beiden in den Fluss gefallen war. Ich leuchtete mit dem Lichtkegel meine blauen Maglite die Decke ab. Inzwischen war der Stein in ein dunkles grau übergegangen, das der Farbe des Wassers sehr ähnelte, es gab eine scharfe Grenze zwischen den beiden Bereichen, als ob dort das Reich Hades endete und hier eine andere Gottheit ihre Heimat hatte. Percy bemerkte den veränderten Stein auch. "Wirklich interessant - ich hab echt keine Erklärung dafür Jack. Scheint das der Styx noch so einige Geheimnisse auf Lager hat." bemerkte er, ich meinte ein Rascheln gehört zu haben und fuhr auf, in einer einzigen Fließenden Bewegung hatte ich mein Armband ausgezogen und es in ein Schwert verwandelt, ich blickte in die Dunkelheit hinein. Nichts als sich leise in der Strömung wiegendes Schilf, zugegeben das Schilf sah irgendwie missgebildet und Schwarz aus, aber es war immer noch Schilf!
Verwundert bemerkte ich wie ein pinkes Speedboot den Styx herunter trieb, gerade als ich hinsah, wurde scheinbar aus dem nichts die Seite des Bootes aufgerissen und es versank in den nicht mehr ganz so reißenden Fluten. Mir gefiel dieser Fluss immer weniger, auch wenn er immer faszinierenden wurde. Ich hörte das rascheln von Plastik und bemerkte gerade noch wie Percy den Rest eines Milchbrötchens in den prall gefüllten Mund steckte und kaute. Ich muss wohl ziemlich seltsam dreingeschaut haben, der Percy fragte ein bisschen angegriffen ob ich ihm keine Milchbrötchen mehr gönnen würde. Percy ruckte kurz misstrauisch mit dem Kopf, er hatte wohl irgendetwas gehört. "Jack, mich gefällt das nicht." sagte er, Riptide in der Hand haltend, das leuchten unserer Schwerter machte zum Glück den Gebrauch der Taschenlampen nahezu überflüssig. "Es scheint als ob uns irgendetwas beobachtet und ich würde meinen Arsch darauf verwetten das es uns nichts Gutes will!" erklärte Percy. Ich verstand nicht so ganz was Percy damit meinte, aber ich vertraute ihm einfach mal, Vorsicht ist immer die Mutter der Porzellankiste. Aber so leise und vorsichtig wir auch die Füße aufsetzten, so sehr wir unsere Sinne anstrengten, wir hörten nichts außer dem rauschen des Flusses. Der Boden hatte sich auch gewandelt, jetzt bestand er aus grauem feuchten Sand, der an unseren Fußsohlen kleben blieb.
Anders als vorher war der Schmerz zu ertragen und erst jetzt bemerkte ich, dass meine Hose ziemlich nach Urin stank, nun ich brauche wohl nicht erwähnen wo der Hergekommen ist oder? Angeekelt ging ich weiter, was sollte ich auch machen? Waschen konnte ich die Hose ja nicht. Ich guckte nicht nach ob mein Freund ein ebenso demütigendes Erlebnis hatte hinnehmen müssen. Der Schmerz an den Füßen war erstaunlicherweise erträglich, so erträglich wie die Vorstellung am gesamten Fuß offene Blasen zu haben. Ich wollte nicht nachsehen ob das zutraf. Dieser seltsame Dampf stieg immer noch auf. Inzwischen waren wir schon eine Gefühlte Ewigkeit marschiert, aber in Wahrheit konnten wir kaum mehr als einen Kilometer zurückgelegt haben. "Percy - wie groß ist die Unterwelt eigentlich?" wagte ich mich zu erkundigen. "Verdammt groß Jack - ich würde mich da drin bestimmt verlaufen." bemerkte Percy zerknirscht. Verflixt und zugenäht - das war genau was ich hatte hören wollen! Es konnte also durchaus sein, dass wir mehrere Tage unterwegs waren, wenn wir es überhaupt bis zur Quelle schaffen sollten. Auf einmal hörte ich eine wohlbekannte wutschnaubende Stimme in meinem Kopf.
"Pendragon du nichtsnutziger Hurensohn - was machst du in meiner Unterwelt!" der Druck in meinem Kopf war so groß das ich vor Schmerzen aufjaulte, ich konnte mir einen ziemlich pathetisch klingenden Kommentar nicht verkneifen. "Die Welt retten Hades!" knurrte ich zurück und musste dabei laut gesprochen haben, Percy hatte sich nämlich sofort mit besorgtem Blick umgewendet. Ich spürte den Druck auf meinen Kopf nachlassen, scheinbar hatte ich Hades mit dieser Mitteilung wirklich erstaunt. Seine Stimme klang jedenfalls deutlich freundlicher als er wieder zu sprechen begann. "Aha - du hättest dich auch bei mir anmelden können - Poseidon hatte also doch Recht. Gleichviel, untersteh dich noch einmal mein Reich zu betreten bevor du nicht tot bist - sonst sehe ich das als Angriff auf meine Person an - als direkten Angriff, du hast mich verstanden?" drohte der Gott und ließ mich noch einmal unter dem Druck in meinem Kopf aufjapsen.
"Natürlich habe ich verstanden - und glaubt mir Lord Hades, es gibt wirklich ein paar Orte auf dieser Welt die mir wohnlicher erscheinen." antwortete ich. "Das ist gut." erwiderte der Gott knapp und ließ meinen Kopf wieder in Ruhe, der sich ziemlich leicht und hohl anfühlte. "Alles in Ordnung - es scheint ihm gut in den Kram zu passen was wir hier machen Percy - ich frage mich aber warum er uns nicht gefragt hat was wir vorhaben? Scheinbar weiß er davon mehr genau wie dein Vater." erläuterte ich. Percy nickte mit gerunzelter Stirn. "Das ist immer so bei den Göttern - sie wissen alles, dürfen aber wegen ihrer Eide nichts unternehmen." meckerte Percy und schritt mit geballten Fäusten weiter, ich folgte Ihm, es war immer noch dunkel und leer. Aber das Schilf wurde immer dichter, die Gegenstände im Fluss weniger. Vielleich war der Styx ja wie ein normaler Fluss, an seiner Quelle reiner als im Unterlauf dachte ich mir, während wir über die Schlüpfrigen, graubraunen Steine kletterten, die aufgetürmt herumlagen und das Ufer ziemlich verengten. "Es geht nicht weiter Jack." fluchte Percy, der sich gegen einen mehr als Mannsgroßen Steinstemmte, der zwischen seinen nicht kleineren Brüdern und der Decke des seltsamen Höhlengebildes eingeklemmt war. ER rührte sich keinen Millimeter, kein Wunder dieser Brocken wog ja auch eine ganze Menge. Ein Welle der Hoffnungslosigkeit ergriff uns, sollte das schon das Ende unseres Weges sein? Ich konnte und wollte mir das nicht vorstellen.
Die Batterien meiner Taschenlampe waren fast leer und so leuchtete ich über den Fluss hinweg und gewahrte fein platzierte schwarze Steine, die aus dem Wasser emporragten. Sie waren in etwa einem Meter Entfernung platziert, genau richtig für einen Menschen um von Stein zu Stein hüpfen zu können. Diese gleichmäßig geformten Steine hatten auf jeden Fall etwas künstliches, sie waren offenbar extra installiert worden. Jetzt, wo ich das ganze näher betrachtete entdeckte ich auch sorgfältig verschmierten Mörtel, man hatte hier offensichtlich absichtlich in die Struktur des Styxufers eingegriffen. "Hilf mir mal Jack." fluchte Percy, der immer noch versuchte den Stein wegzudrücken. "Jack, die Steine sind mit Mörtel verbunden, lass den Mist und schau dir mal die Alternative an." rief ich ihm zu. Er hielt inne und wandte seinen Kopf auf den Styx hinaus. "Nein Jack, das ist nicht dein Ernst oder? Das ist Selbstmord!" rief Percy aus und hatte dabei ein Todernstes Gesicht. "Wenn du auch nur einen Fehltritt begehst dann bist du nichts weiter als ein gekochter Haufen Fleisch. Deine Seele verbrennt mit Jack. Dann bist du WIKRLICH Tod." rief er fast schon panisch aus. Ich versuchte ihn zu beruhigen.
"Das ist ganz einfach - wie auf einem Abenteuerparcour für Kleinkinder Percy! Die Steine sind alle gleich groß und gleich weit voneinander Entfernt, da kann nichts passieren wenn man sich nicht blöd anstellt." erläuterte ich. Ich verstand Percy Panik nicht, ich wollte lieber im Styx umkommen und für immer zu nichts zerfallen, als von Hades in private Obhut genommen zu werden. "Es gibt schlimmeres als nicht mehr zu sein Percy - das solltest du besser wissen als ich." bemerkte ich mit einem Schulterzucken und schickte mich an zum Wasser hinunterzuklettern, als Percy plötzlich "für den Olymp!" ausrufend an mir vorbei Sprang und mit langen Sätzen von einem Stein zum anderen Sprang. Beim letzten Stolperte er und wäre fast an einem dahintreibenden Schwimmreifen hängen geblieben. Auf der anderen Seite blieb er stehen und drehte sich um. Ich ging bedeutend vorsichtiger vor, setzte meine Tritte langsam und genau. Die Steine waren von Spritzwasser überzogen, sodass meine Füße brannten wie über glühenden Kohlen. Ich durfte jetzt keinen Fehler machen, musste den Schmerz ignorieren. Wie eine Maschine, alle Gedanken ausgeblendet setzte ich einen Fuß vor den anderen, während mit ein brennen in den Unterschenkeln hochzufahren schien. "Jaaack. Schnell!" brüllte Percy wie der Donnerhall, ich blickte mich um und sah eine große Madonnenfigur auf mich zurasen, ich riss die Arme hoch um mach an dem sehr solide gearbeiteten goldenen Strahlenkranz festzuhalten, als mich die Galionsfigur der Segelyacht mit einem leichten Stoß am Brustkorb traf. Ich ruderte wild mit den Armen, es war ein seltsames Gefühl ähnlich dem das man hat wenn man sich langsam vorneüber vom Sprungbrett über dem Pool fallen lässt. Percy war mucksmäuschenstill.
"Geh jetzt." sagte ich mit einer Stimme die nicht von mir zu kommen schien, jedenfalls klang sie viel zu sachlich und emotionslos - doch ich hatte nicht wirklich Angst. Es war eher eine absolute Gleichgültigkeit die mich befallen hatte. "Neiiin Halt dich fest Jack!" schrie Percy, aber das erreichte mich nur noch so halb, ich schloss die Augen und ließ mich fallen, ins nichts. Plötzlich durchfuhr mich ein Schmerz wie ich ihn noch nie gekannt hatte, es war als ob flüssiges Feuer und Eis gleichzeitig durch meinen Körper gepumpt wurden - es schien fast so als ob ich an Substanz verlöre. Gleichzeitig sah ich mein Leben wie in einem aufgespulten Film. Meine Kindheit, das eiserne Training aus dem sie Bestand. Ich sah meinen Vater, der mich meist mit verächtlichen Augen ansah, die vielen Monsterjagden - die Menschen die ich nicht tötete und die Abende der Ruhe und Beschaulichkeit. Meine Tage mit Jordan, in denen sich unsere Gespräche um andere Dinge drehten als Tod und Kampf. Die Zeit in der ich gegen all das rebellierte, feierte, versuchte normal zu leben und schließlich Gwen kennenlernte. Ich konnte diesen Abend noch genau vor mir sehen, die schwarzen Ledersessel der Bar, den Geruch ihre Parfüms. Wie ein Bilderwall rasten sie an mir vorbei Gesichter, Ereignisse und Personen, besonders häufig waren es drei Gesichter die ich sah. Gwen, Jordan und - Sam?
Über diese Erkenntnis war ich derartig verunsichert dass ich das strampeln vollkommen vergaß und nichts dagegen unternahm als mich eine kühle Hand in Stahlhartem Griff packte und mit großer Geschwindigkeit an den Haaren durchs Wasser zerrte. Ich lag auf einem glatten, warmen Boden. Scheinbar verschwand die Seele wohl doch nicht wenn man im Styx starb, ha du hattest doch nicht Recht Percy! Ich öffnete mutig die Augen, und tatsächlich sie gehorchten mir sogar. Ich blickte auf meine Krebsrote Haut, die im selben Moment wieder einen normalen Farbton annahm. Eine trostlose graue Decke befand sich über meinem Kopf, sie zeigte die Taten einer Frau, eine Frau die Titanen dahin schlachtete und ganze Armeen von Monstern besiegte mit nichts als Speer und Schild. Ich war verwundert, sollte ich etwa in einem Athenatempel gelandet sein? Aber seit wann hatte die rote Haare? Eine Stimme erklang und sang ein Schlaflied, es war eine tiefe warme Atlstimme der ich noch viele Stunden hätte zuhören können. Ich richtete mich auf und stellte zu meinem entsetzen fest, dass ich bis auf mein Armband vollkommen nackt war.
Zum Glück war der Raum in dem ich mich befand warm, der Raum an sich war Achteckig und an den Wänden von Zahllosen Waffenständern überzogen. Hellebarden, Äxte, Schwerter und alle möglichen anderen Waffen befanden sich dort. Es gab sogar Feuerwaffen, wer auch immer diese Sammlung angelegt hatte, der musste offensichtlich nicht sparen. Der Boden war hellgrau gefliest. In die Mittleren Kacheln eingelassen war ein Siegel oder etwas derartiges. Ein typisches Ritterschwert welches über drei geschwungenen Linien schwebte. Der Raum war nicht möbliert, bis auf einen Altar in dessen Mitte ein Zeremoniendolch steckte, der von der Form her einer mittelalterlichen Basiliskenzunge entsprach und eine schwarzgrünlich schimmernde Klinge besaß. Hinter dem Alter befand sich ein blutroter dicke Vorhang der zu Seite gezogen wurde. eine Frau trat ein, mit einem kleinen quäkenden Bündel vor der Brust. Es handelte sich um einen in eine prunkvolles mit Gold besticktes Tuch in welcher vermutlich ein Kind steckte. Die Frau legte es sanft auf dem Altar nieder. Sie war eine beeindruckende Erscheinung von außergewöhnlicher Schönheit.
Sie hatte den gerundeten Körper einer Frau in den besten Jahren, ihr Gesicht war scharf und kantig geschnitten und strahlte Autorität und Gefährlichkeit aus. Ihre Augen waren von dem selben melancholischen grau wie der Styx selbst, ihre Haut hatte die matte kohlschwarze Farbe von Styxeisen aus welcher nur die minutiös manikürten Fingernägel herausragten. Sie war in eine silbern glänzende Altgriechische Rüstung gekleidet, über die eine Kaskade tiefroter Haare fiel. "Wie heißt du Sterblicher?" fragte sie mit einer rauchigen, tiefklingenden Stimme die verführerisch und traurig zugleich klang. Ich gebe zu das mein Puls ein wenig schneller ging. "Jack - Jack Schmid Lady, der eure?" fragte ich und erntete ein tiefes, trauriges lachen, das zwei Reihen blendend weißer Zähne aufblitzen ließ. "Ich bin Styx - die Herrin dieses Flusses und du befindest dich in einem Raum meines Palastes. Das ist es doch was du wissen wolltest oder?" sagte sie mit einer Spur Arroganz in der Stimme. Ich war erstaunt, so hatte ich mir eine Nymphe nicht vorgestellt, aber Styx war nicht um Sonst die Patronin des Unterweltsstroms geworden. Ich meinte mich daran erinnern zu können das dies auf ihre Leistungen im ersten Titanenkrieg zurückzuführen sei. "Es ist mir eine Ehre euch kennen zu lernen." sagte ich und verneigte mich - es schien mir Unklug sie auch nur im entferntesten zu verstimmen.
Langsam schritt sie auf mich zu und betrachtete mich von oben bis unten, ich konnte fast spüren wie sich ihr Blick durch meinen Körper bohrte. Es ist nicht das erste Mal, dass jemand in meinem Fluss badet - aber es ist das erste Mal das es so passiert." sagte Styx. "Ich habe das Versprechen bereut das ich damals der Mutter des Achill gegeben habe. Mit der Gabe des Styx ist nur den Trägern Ruhm zu Teil geworden und niemals mir." sagte sie und hörte sich geradezu verzweifelt an. "Warum sollte ich dich Leben lassen Mensch - du hast nicht einmal göttliches Blut in dir von dem Segen deiner Eltern einmal ganz zu schweigen! Damit bin ich nicht an mein Wort gebunden, ich werde keinen weiteren Heroen unterstützen wenn es nicht sein muss." sagte sie so kühl als ob es sich bei meinem Leben um das einer Fliege handelte. Nun aus ihrer Perspektive war dem auch so - auch wenn dies der Fliege keineswegs gefiel für so unbedeutend gehalten zu werden.
"Vielleicht weil es ungerecht ist einen Mann zu beurteilen bevor man seine Taten gesehen hat? Und davon abgesehen, warum habt ihr mich gerettet wenn ihr mich doch tot sehen wollt!" bemerkte ich und traf damit hoffentlich den wunden Punkt. Für eine winzige Sekund zuckte eine der beiden manikürten Augenbrauen nach oben. Ich hatte also richtig vermutet, die Göttin hatte mich gerettet. "Zunächst einmal aus Neugier und zum anderen, weil ich ein Angebot habe das dich interessieren könnte." erklärte sie mir. Ich gab ihr winkend zu verstehen, das sie fortfahren sollte und stellte gleichzeitig verblüfft fest, dass es mir in ihrer Gegenwart keinesfalls peinlich war nackt zu sein. "Ich klinge interessiert." bemerkte ich und bemühte mich um ein Lächeln. "Gut - ich hatte es mir bereits gedacht." antwortete Styx wissend und schenkte mir ein melancholisches lächeln.
