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„Sag mir was du siehst und sprich nicht in Rätseln!" Herrschte ich sie zornig an, diese Frau hatte etwas an sich, was mich nervös machte und auch Angst einflösste. Wieder warf sie mir einen eigentümlichen Blick zu.

„Komm morgen wieder und bring deine Freundin mit!" Befahl sie mir. Dann wendete sie sich ab und ging fort.

„Warte! Was….?" Doch sie hörte mir nicht mehr zu. Unschlüssig stand ich vor dieser unsichtbaren Barriere und war verwirrt und irritiert. Ich verstand gar nichts mehr. Ich weiß nicht, irgendwann nach Minuten, es könnten auch Stunden gewesen sein, kehrte ich um und begab mich zurück in unser Lager. Martha wartete bereits auf mich. Unruhig und wütend schlich sie in dem Keller herum.

„Nichts! Ich war überall, doch nirgends war eine Spur von ihnen zu finden!" Sie stemmte die Hände in die Hüften und baute sich vor mir auf.

„Was tun wir jetzt?" Ich hatte bisher geschwiegen und ihr noch nicht gesagt, was ich in Erfahrung gebracht hatte.

„Ich habe sie gefunden." Als sie das hörte, sprang sie mir in die Arme vor Glück.

„Lass uns sofort mein Haar zurückholen! Jetzt sofort!" Rief sie übermütig aus.

„Martha! Blick nach draußen, der Morgen dämmert bereits. Wir müssen bis zum Abend warten. Aber das ist noch nicht alles."

Nun löste sie ihre Arme von meinem Hals. „Was ist los?" Alle Fröhlichkeit war von ihr gewichen. Ernst blickte sie mich an.

„Ich habe mit der alten Frau gesprochen." Mir war nicht ganz wohl unter ihrem Blick.

„Gesprochen!" Sie spie das Wort regelrecht aus. „Warum hast du ihr nicht den Hals umgedreht und mir mein Eigentum zurückgebracht?"

Sie nahm ihre Hände von mir und trat zurück. Böse funkelte sie mich an. „Dir ist wohl entgangen, dass ich bald sterbe!" Beschwichtigend hob ich die Hände.

„Hör mir zu, verdammt noch mal! Sie will dich sehen und zwar gleich morgen Abend!" Kurz stutzte sie.

„Sie will mich sehen? Warum? Erzähl mir was genau ist passiert?" Also erzählte ich ihr haarklein was sich, sobald ich auf den Schutzkreis gestoßen bin, ereignet hat.

„Und sie hat dir aus den Knochen die Zukunft weisgesagt?" Ich zuckte mit meinen Schultern.

„Nun ja, nein, ich….. sie hat was gesehen, aber nichts gesagt." Martha schien nachzudenken, sie schritt wieder auf und ab, das tat sie immer, wenn sie etwas sehr beschäftigt. Plötzlich hielt sie inne.

„Gut, las uns morgen hingehen und hören was die Alte zu sagen hat." Wir begaben uns zur Ruhe und die nächst Nacht kam schnell.

9 Tage bis Vollmond

Martha konnte es kaum erwarten in das Lager der Sinti zu kommen und so prallte sie trotz meiner Warnung gegen den Schutzkreis. Verblüfft fiel sie auf ihr Hinterteil. Ein leises Geräusch vor uns, ließ sie wieder hochschnellen. Ihr entrang sich ein Fauchen. Erst da sah ich, was sie so aufregte. Fast unbemerkt war die alte Frau aus den Schatten an uns herangetreten.

„Ich töte dich!" Schrie Martha sie an. Doch die Alte fürchtete sich nicht, sondern hob lediglich eine Augenbraue.

„Halte dich zurück! Nicht ich will was von dir." Sagte sie mit ruhiger Stimme. „Komm begleite mich ein Stück."

Am Bannkreis schritten die Beiden entlang und ließen mich zurück. Ich sollte nie erfahren, was die Alte zu Martha gesagt hat. Nach einer Weile kamen sie zurück. Ernst blickte Martha mich an.

„Geh zurück in dein Haus und vergiss mich." Ich runzelte meine Stirn, ich verstand nichts.

„Wasss?" Sie legte ihre Hand auf meinen Arm und wiederholte ihre Worte. „Das hier ist nicht dein Krieg, sondern geht nur mich und mein Volk an. Verschwinde!"

Sie ließ ihre Hand wieder sinken und trat zurück von mir, stellte sich neben die Alte, die ihr Wort an mich richtete.

„Jetzt sag ich dir was ich gesehen habe. Du bist der Einzige deiner Art, denn du empfindest Leid. Kein anderer Vampir kann das. Hier!" Sie reichte mir eine schwarze Katze. Ich nahm das Tier in meinen Arm.

„Was soll ich damit?"

„Das ist dein Wächter. Für die Toten gibt es zwei Sorten von Wächter, Katzen oder Krähen. Eine Krähe passt nicht zu dir, den sie fliegt bei Tage, doch die Katze jagt ausschließlich bei Nacht. Er wird dich beobachten und mir Berichten und sollte ich mich geirrt haben, werde wir uns wiedersehen."

Mit diesen Worten entließ sie mich und auch Martha winkte mich fort. Achselzuckend ging ich mit meiner Katze fort. Ich habe Martha und die Alte in jener Nacht zum letzten Mal gesehen.

Hier endet dieser Teil und ich war einfach zu müde, um noch weiterzulesen. Ich öffnete die Pizzaschachtel und aß ein Stück, der nun kalten, Pizza, aber das ist der Vorteil bei Pizza die ist kalt genauso gut. Ich hatte den ersten Bissen kaum geschluckt, als es an meiner Tür läutete.

Wer konnte das um diese Uhrzeit sein? Wie spät war es eigentlich? Knapp zehn Uhr. Unwillig und müde trottete ich zur Wohnungstür, wahrscheinlich stand der nervige Typ von neben an vor meiner Tür und wollte sich wieder irgendwas ausborgen. Das der auch nie regelmäßig einkaufen gehen konnte. Doch als ich durch den Spion guckte, war da niemand.

Ich wollte mich schon von der Tür abwenden, als es erneut klingelte. Also stand wer unten vor der Tür. Ich nahm den Hörer der Sprechanlage ab und fraget nach. Als ich seine dunkle Stimme hörte, überlief mich ein warmer Schauer.

Sebastian war hier. Mit zitternden Fingern drückte ich den Knopf, um ihn einzulassen. Ich hatte meinen Finger kaum vom Knopf genommen, da klopfte es schon an meine Tür. Er war wirklich schnell. Hastig riss ich die Tür auf und starrte ihn an. Wir hatten uns gerade ein paar Stunden nicht gesehen und doch schien es mir ewig her zu sein. Sein Mund verzog sich zu einem kleinen amüsierten Grinsen.

„Darf ich reinkommen, oder möchtest du mich noch eine Weile anstarren."

Ich spürte wie ich rot wurde. Schnell öffnete ich dir Tür ganz weit und ließ ihn ein. Mit großen Schritten ging er an mir vorbei und blickte sich neugierig um.

„Schön hast du es hier." Er drehte sich zu mir um und sah mit seinen saphirblauen Augen auf mich herab. Ich verlor beinahe den Faden, konnte mich kaum erinnern, was er gerade gesagt hatte.

„Was machst du hier?" Brachte ich schließlich doch noch heraus.

„Ich wollte dich sehen." Sagte er schlicht und blickte mir dabei tief in die Augen. „Außerdem bin ich neugierig. Wie weit hast du mein Buch gelesen?"

Ah, daher weht der Wind. Er wollte wissen, was ich, nun da ich soviel über ihn wusste, von ihm hielt.

„Weit genug." Wich ich aus und bewegte mich ein paar Schritte zur Seite, doch ich kam nicht weit. Er streckte seinen Arm aus und fasste mich um die Taille und zog mich an seine Brust.

„So kommst du mir nicht davon!" Er hielt mich fest und blickte mich an, mir wurden die Knie weich.

„Bis zur Katze, bis zur Katze bin ich gekommen." Hauchte ich atemlos hervor.

„Ah mein kleiner Luzifer!" Als er meine verständnislose Mine sah, fügte er noch erklärend hinzu.

„Die Katze, ihr Name ist Luzifer, ich fand den Namen passend." Auch seine Stimme klang ein Spur heiser, oder bildete ich mir das ein? Ich schluckte.

„Lass mich sofort los!" Meine Stimme war kaum mehr als ein heißeres Krächzen. Intensiv suchte seine Augen mein Gesicht ab, so als hätte er auch das Gefühl, wir hätten uns ewig nicht gesehen.

„Ich möchte dich küssen."

Schokolade, wie flüssige Schokolade, so klang sie, seine Stimme. Ich brachte kein Wort mehr heraus, jeder vielleicht noch halbwegs vernünftige Gedanke, der eventuell da gewesen war, war mit seinen Worten unweigerlich in den Tiefen meines Gehirns verschwunden, statt dessen rief eine Stimme in meinem Kopf mir zu – ja!

So als hätte er mich gehört, beugte er den Kopf und drückte sanft seine Lippen auf meine. Ich schloss meine Augen und schlang meine Arme um seinen Nacken. Ich hatte ihn so vermisst. Hingebungsvoll erwiderte ich den Kuss und vertiefte ihn, dann riss ich mich los. Er kam uneingeladen in meine Wohnung und als Strafe dafür küsste ich ihn.

„Warte! Bist du nur hergekommen um mich zu küssen?" Er versuchte mich wieder in seine Arme zu ziehen.

„Ja, das war einer der Gründe." Einer der Gründe? Es gab also mehrere Gründe?

„Und was noch?" Geschickt wich ich ihm aus, sollte er mich noch einmal berühren, ich würde ihm nicht mehr widerstehen können.

„Das erzähl ich dir später." Antwortete er und bekam mich grad noch zu fassen, ehe ich mich hinter der Couch verschanzen konnte.

„Doch zuerst."