Lieben und geliebt werden ~ The Power of Love

Kara konnte nicht wieder einschlafen. Sie hatte nicht auf die Uhr gesehen, aber ihr Gefühl sagte ihr, dass sie inzwischen sicherlich eine Stunde wach gelegen hatte. Sie spürte Lee's gleichmäßigen Atem neben sich, seinen warmen Körper an dem ihren. Ihr Kopf war voller Fragen. Sie brauchte Antworten. Nur war da niemand, der sie ihr geben konnte oder wollte. Sie drehte sich auf die andere Seite, so dass sie sein Gesicht sehen konnte. Lee schlief ruhig und friedlich. Das Pflaster an seiner Stirn erinnerte sie an die Geschehnisse der vergangenen 48 Stunden – die Zylonen an Bord der Galactica, ihre Begegnung mit Leoben. Der Einschnitt, den das Stahlseil um Lee's Hals hinterlassen hatte, ließ sie immer noch schaudern. Kill Apollo and Starbuck will fall – dieser Satz hallte in ihren Ohren. Immer und immer wieder. Wie Recht Leoben doch nur damit gehabt hatte. Lee zu verlieren, would kill her straight the way. Starbuck brauchte Apollo. Aber vielmehr noch brauchte Kara Lee. Sie konnte ohne Zak leben, vielleicht auch ohne den Commander, ohne Helo und viele andere, aber nicht ohne ihn. Die vergangenen Wochen und Monate hatten ihr das immer wieder dann unvermittelt vor Augen geführt, wenn the world around her came down: Immer dann war er da gewesen. Jeder Satz, den sie damals in diesem Interview mit Rachel Stevens gesagt hatte, war die Wahrheit. Sie brauchte ihn, every day. Sie schliefen seit Wochen im selben Bett, was nicht bedeutete, dass sie sich nicht mehr zofften, und doch hatte noch keiner von beiden den final step gewagt. Wenn sie ehrlich war, fragte sie sich: Warum denn eigentlich? Sie benahmen sich wie brother and sister und wussten doch beide, dass sie das nicht waren. Kara war sich nahezu sicher, dass Lee ebenso empfand, nicht erst seit sie das Strahlen in seinen Augen am Colonial Day gesehen hatte. Wie hätte dieser Abend wohl geendet, hätte Baltar – diese Ratte – sie nicht mit K.O.-Tropfen außer Gefecht gesetzt? Und doch, crossing this last line between them, schien für ihn im Moment keine Option zu sein. Er hatte nie den Verusch dazu unternommen. Sie glaubte nicht an tiefe, innige Freunschaften zwischen Männern und Frauen – mit Ausnahme von Helo vielleicht. Aber Lee? Das war anders. He made her shiver mit jeder Berührung, he made her heart race when holding her tight – so wie damals auf der Tanzfläche am Geburtstag seines Vater oder eben bei der Party am Colonial Day, mit nichts als einem Hauch von Stoff zwischen ihnen – and he made her feel safe, ganz genau so, wie sie es in diesem Interview gesagt hatte. Ein Blick in seine deep blue eyes genügte und Kara war sicher. Sie waren schon so weit gekommen, gemeinsam. Und für Kara war eines ganz klar: Wenn sie die Erde erreichen und dort ein neues Leben in Frieden beginnen würde, dann würde Lee Adama ein Teil dessen sein. Kein Apollo ohne Starbuck, aber auch keine Kara Thrace ohne Lee Adama. Lee Adama war in ihrem Orbit. He was her orbit.

Sie wusste noch immer nicht, wer von beiden wem den größeren Schrecken an diesem Morgen eingejagt hatte. Er ihr, als er verschwunden war und sich von Leoben hatte überrumpeln und kidnappen lassen. Oder sie ihm. Alleine die Tatsache, dass Leoben an Bord war – oder gewesen war, immerhin hatte sie ihn eigenhändig erschossen – schien Lee an den Rand des Wahnsinns zu treiben.

„Kara, Du packst jetzt Deine restlichen Sachen aus dem Pilotenquartier und kommst mit zu mir…", hatte er gefordert. Kara war nie „offiziell" bei Lee eingezogen, so wie er auch nie wirklich „offiziell" aus dem Pilotenschlafraum ausgezogen war. Nach und nach waren die meisten ihrer Dinge in ihr neues Quartier gewandert, zuletzt das Foto, das sie am Colonial Day aus ihrem Spind genommen hatte. Dieses Zimmer hier, das war ja eigentlich nichts anderes, als Lee's Büro. Die Wohngemeinschaft von CAG und lead-pilot, vom Rest der Mannschaft kommentarlos hingenommen, vom Commander zumindest geduldet. Aber beide hatten immer noch einige Habseligkeiten in ihren Spinden und Kojen im Mannschaftsraum. Scharen neuer Piloten waren nicht in Sicht, ihre beiden Betten wurden folglich auch nicht gebraucht und so kamen die beiden auch regelmäßig dorthin zurück, um etwas zu holen, dort zu deponieren oder mit den anderen Piloten beisammen zu sein. Nur geschlafen hat niemand von ihnen beiden mehr dort, seitdem es dieses office gab.

„Aber…", Kara hatte kaum angesetzt, da war Lee ihr schon ins Wort gefallen: „Keine Widerrede. Du kommst mit! Period.", die Stimme hart, die Sache für ihn unverhandelbar.

„Soll das ein Befehl sein?", hatte sie bissig nachgehakt.

„Wenn es hilft…", Lee hatte die Arme vor seinem Oberkörper verschränkt.

„Lee, ich kann sehr gut auf mich selber aufpassen … was man von Dir ja scheinbar nicht behaupten kann!", das hatte gesessen. Seine Gesichtszüge hatten sich augenblicklich verfinstert. Und da waren sie wieder soweit gewesen – Starbuck und Apollo wieder in the mood for fighting. Sie hatte innerlich geseufzt. Nein, sie würde es dieses Mal nicht eskalieren lassen. Nein, Lee hatte schon genug Verletzungen im Gesicht, er brauchte nicht auch noch ein Veilchen.

Sein Ton konnte ihr sagen, was er wollte, aber sie hatte inzwischen gelernt auch seine Augen zu lesen und nicht nur immer auf das zu hören, was er sagte und vor allem nicht darauf, wie er es sagte. Lee war manchmal genauso unfähig seine Gefühle zu verbalisieren, wie sie. Lords, was hätte alles anders sein können, wieviele Streitereien, wieviele blaue Augen und wieviele Besuche bei Dr. Cottle, hätten uns erspart bleiben können, hätte sie das nur früher bemerkt? Immer wenn Lee laut wurde, sie angiftete und tried to pull the rank on her, immer dann war er in Wirklichkeit nur eines: besorgt. Und genau das sagten ihr seine Augen auch jetzt. Lee hatte Angst um sie. Angst, dass Leoben wieder auftauchen und ihr etwas antun könnte.

„Lee…", begann sie.

„Nein Kara, I am serious. Keine Diskussion. Komm mit. Bitte", hatte er gesagt. Sein Ton jetzt ruhiger, sachter, ein fast seufzender Nachdruck hatte auf dem letzten Wort gelegen. „Ich hab' Angst. Angst um Dich. Angst, dass er Dich wieder quält." Lee hatte einmal schwer geschluckt und dann hinzugefügt: „Kara, ich musste einmal hilflos mit anschauen, wie er Dich geholt hat. Ein zweites Mal halt' ich das nicht aus…"

„Kommt ein Möbelpacker, oder trägst Du meine Tasche?", hatte sie spitzbübisch gefragt, auch um die Schwere, die sich gerade zwischen ihnen ausbreitete, etwas aufzulockern.

Ihre beiden Taschen standen noch unausgeräumt am anderen Ende des Raumes. Das hatte Zeit. Und weil Lee auch wirklich nichts dem Zufall überlassen wollte, hatte er auch noch zwei Marines vor ihrem Zimmer positionieren lassen. „Dass er es immer übertreiben muss…", dachte Kara. Er war ihr Schutz, her rock, ihr doppelter Boden und ihre Zuflucht. I have to stop fighting it, denying it, dachte sie. Sein Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig. Nach einiger Zeit ihres Zusammenwohnens hatte Lee angefangen ohne Tanks zu schlafen. Und manchmal, in Nächten so wie heute, wenn sie nicht schlafen konnte, dann ging ihr Blick auf Wanderschaft over his bare body. The hell of a body. Wie viele Kameradinnen auf der Galactica sie wohl hierfür beneideten? Ihr Blick blieb an seinen dogtags hängen. Den markanten Zickzack-Streifen in der Mitte konnte sie selbst hier in der fast vollständigen Dunkelheit des Raumes ausmachen. Sie war schon lange genug wach, so dass sich ihre Augen an die Finsternis gewöhnt hatten. Außerdem brannte in einer Ecke am anderen Ende immer ein kleines Licht. Kara wusste, dass Lee eigentlich am liebsten in völliger Dunkelheit schlief. Ihr zu Liebe, brannte jetzt jede Nacht dieses Licht.

„Kannst Du nicht schlafen?", Lee's Murmeln überraschte sie. Sie war sicher gewesen, dass er schlief.

Sorry, ich wollte Dich nicht wecken…", flüsterte sie.

„Hast Du nicht. Ich war schon vor Dir wach.", gab er leise zurück. „Also, was ist los?"

„Nichts…"

Liar…"

Kara biss sich auf die Unterlippe. Damn it, warum musste er sie nur so gut kennen, dass es ihr noch immer Angst machte. Sie würde wohl mit der Wahrheit rausrücken müssen. „Mein Kopf fühlt sich so voll an. Meine Gedanken drehen sich im Kreis, schlagen Purzelbäume … ich komm' nicht wirklich zur Ruhe", antwortete sie dann wahrheitsgemäß. Sie wusste, dass sie ihm nichts vormachen konnte. Sie konnte allen anderen auf diesem Schiff einen Bären aufbinden und sich selbst auch, aber nicht ihm.

„Leoben?", fragte Lee.

„Ja … nein … nicht nur. Ich frage mich die ganze Zeit, wie die Zylonen auf die Galactica gekommen sind. Bislang haben wir nur Leoben dingfest gemacht. Mindestens vier andere müssen noch hier sein. Was haben sie vor? Frak Lee, die können uns jeder Zeit dieses Schiff um die Ohren fliegen lassen…"

„… oder sie sind längst wieder von Bord…", meinte Lee, wobei er selbst nicht so wirklich daran glaubte. „Come close… wenn uns dieses Schiff um die Ohren fliegen sollte, dann will Dich im Arm haben", sagte Lee schläfrig und zog Kara an sich. Sie kuschelte sich an ihn, their bodies cuddled into each other's.


Kara erwachte vom Sausen des Wasserstrahls in der Dusche, gefolgt von einem lauten Frakkkkk, wiederrum gefolgt von einem noch lauteren Poltern, Metall auf Metall, so hörte es sich an. Das Schiff war ihnen also während der Nacht nicht um die Ohren geflogen.

„Lee, bist Du okay oder muss ich Cottle holen?", Kara drehte sich im Bett herum, rieb sich den Schlaf aus den Augen und gähnte.

„Wenn ich den Chief erwische … diese Duschkopfkonstruktion ist lebensgefährlich, zumal das mit der Wassertemperatur immer noch nicht richtig funkioniert…", kam Lee's Stimme aus dem kleinen Badezimmer am anderen Ende des Raumes.

„Zu warm oder zu kalt?", rief Kara.

„Warm? Kochend, trifft's wohl besser…", Lee trat mit einem Handtuch um die Lenden zurück ins Zimmer, sich mit einem weiteren die Haare trocken rubbelnd. Seine Haut schimmerte rot, das Gesicht gerötet wie von einem Sonnenbrand. Sunburn, dachte Kara. Früher hatte sie die intensive Sommersonne von Caprica manchmal verflucht. Was würde sie jetzt dafür geben, an einem von Capricas Seen zu liegen, sich die Sonne auf den Körper knallen zu lassen und mit einem Sonnenbrand am Abend nach Hause zu gehen.

„Woran denkst Du?", fragte Lee, dem Kara's schmales Lächeln nicht verborgen geblieben war.

„Sonnenbrand…"

Lee schüttelte verwirrt den Kopf und verschwand wieder im Bad, um sich anzuziehen.

Alle Nachforschungen waren erfolglos geblieben. Im Lauf der Nacht waren weder weitere Zylonen aufgetaucht, noch hatte man irgendetwas darüber herausgefunden, wie sie auf das Schiff gekommen waren, beziehungsweise wieder vom Schiff verschwinden konnten. Wenn sie das denn waren. In den Gängen standen überall zusätzliche Wachen, die Codes der Waffenkammern waren geändert worden, kein Schiff verließ die Galactica ohne nicht vorher gründlich durchsucht worden zu sein und andocken durfte nur, wer wirklich unbedingt musste.

„Vielleicht sollten wir die Sache einfach als abgehakt betrachten", sagte Colonel Tigh. Die Mienen der Umstehenden waren ebenso ratlos wie die seine. Sie hatten das gesamte Schiff bis in den letzten Winkel abgesucht – mehrmals. Und jedesmal ohne Erfolg. Sie hatten nicht den geringsten Anhaltspunkt, weder zum Verbleib der Zylonen noch zu ihrer Intention.
„Vielleicht…", murmelte Kara vor sich hin. In dem Moment kündigte ein Rauschen in der Sprechleitung Nachrichten aus dem All an: „Galactica, Apollo. Der Sektor hier draußen ist sauber, wir kehren um und kommen zurück zum Schiff", informierte Lee.
Roger that Apollo", bestätigte Dee: „Die Landebahn gehört Euch. Eintreffen in fünfzehn Minuten."
Sauber, dachte Kara. Nicht nur das Schiff, auch das All um sie herum schien zylonenrei zu sein. Was nur führten sie im Schilde?


Als Lee aufwachte, war es noch mitten in der Nacht. Deutlich zu früh, um aufzustehen, auch für die Frühschicht. Er öffnete die Augen und merkte augenblicklich, dass etwas – jemand – fehlte: „Kara?", flüsterte er. Keine Antwort. Kein Geräusch. Nocheinmal: „Kara?", jetzt etwas deutlicher. Nichts. Ein drittes, lautes: „Kara, bist Du da?" und ein drittes Mal: Nichts. Er war augenblicklich hellwach, auch wenn er nicht so recht wusste, was ihm die Panik in die Adern trieb und seinen Adrenalinpegel so derartig anschwellen ließ. Es war an und für sich nichts Ungewöhnliches, dass Kara nachts das Zimmer verließ. Der Chief hatte noch keine Zeit für die Reparturen im Bad gefunden und da dort inzwischen gar kein Wasser mehr aus der Leitung kam, weder warm noch kalt, hatten die beiden momentan auch gar keine andere Möglichkeit, als die Gemeinschafts-Waschräume zu benutzen.

Lee mahnte sich zur Ruhe. Easy, easy, dachte er und horchte in die Nacht. Jeden Moment musste die Tür sich leise aufschieben und Kara hereinspazieren. Nach drei, vier rastlosen Minuten, in denen er sicherlich alle zehn Sekunden auf den Sekundenzeiger des Weckers geschaut hatte, hielt er es nicht mehr aus. Er schwang die Beine aus dem Bett, griff nach seinen Tanktops, schlüpfte schnell die nächstbeste Hose und ging zur Tür. Die beiden Marines, die er am Eingang postiert hatte, standen ordnungsgemäß an Ort und Stelle: „Wo ist Starbuck hin?", Lee wollte keine langen Erklärungen, er wollte Antworten.

„In Richtung Waschraum", sagte der eine Marine.

„Vor etwa zehn Minuten", fügte der zweite hinzu.

„Danke", gab Lee zurück und schlug ebenfalls die Richtung zum Waschraum ein. In seinem Rücken hörte er die beiden tuscheln und kichern. The hell, sollten sie doch denken, was sie wollten!

Er war gerade um die Ecke gebogen, da wusste er sein schlechtes Gefühl bestätigt. Es polterte und klirrte. Kara war nicht alleine in diesem Waschraum und wenn sie nicht gerade eine handfeste Schlägerei um ein Seifenstück angezettelt hatte, dann brauchte sie dringend seine Hilfe. Lee rannte die letzten Meter zur Tür, zückte seine Waffe und warf die Tür zum Waschraum knallend auf. Darin, ein Bild, das beinahe zu erwarten gewesen wäre: Kara und Leoben. Der Zylon hatte sie an die Wand gedrängt, schien jedoch nicht bewaffnet zu sein. Auf den ersten Blick zumindest.

„Nimm sofort Deine dreckigen Hände von ihr", Lee's Stimme ließ keinen Spielraum für Verhandlungen. Er meinte, was er sagte.

„Oh, Captain Adama … wir hatten ja schon die Ehre", wieder dieser Hohn in Leoben's Stimme. Diese Überheblichkeit, Arroganz. Er widerte Lee an. „Ich muss wohl nicht erst fragen, wie Du uns gefunden hast…"
Sofort hab ich gesagt!", dieses Grinsen des Zylonen. „Und by the way Leoben, eines solltest Du inzwischen wissen: Come hell or high water, Starbuck and Apollo always end up at the same place…"

Leoben schnaubte. Dieses selbstsichere Grinsen. Lee war, als wusste Leoben ganz genau, dass er nicht lebend aus diesem Raum herauskommen würde. Er hatte das auch bei ihren letzten beiden Begegnungen gewusst – und es schien, als war ihm das einfach egal. Hier nahm die Wendung vom „für jemanden sterben wollen" gleich ganz eine andere Qualität an. Leoben würde immer und wieder für Kara sterben, weil er genau wusste, dass er heruntergeladen wurde und auf einem Auferstehungsschiff wieder aufwachen würde. Es machte für ihn keinen Unterschied, ob das ein-, zwei-, drei-, oder hundertmal geschah. Er stand immer als derselbe wieder auf.

Eine Hand genügte um Kara's Arme überkreuzt an die Wand zu drücken und ihren Körper darüber, mit der anderen hatte Leoben ihr Kinn umfasst und zog ihr Gesicht jetzt zu sich: „Sieht so aus, als müssten wir unser nächtliches Rendezvous für heute beenden, der Captain scheint etwas dagegen zu haben, mein Liebes…" – wieder dieser spöttische Unterton. Kara schüttelte sich in disgust und versuchte vergebens sich aus seiner Umklammerung zu lösen. Es wollte ihr nicht gelingen. Da griff sie zum letzten Mittel, das ihr einfiel: Abrupt wandte sie ihren Kopf zurück, war nun Auge in Auge mit ihrem ärgsten Feind, fixierte seinen Blick und spuckte ihm ins Gesicht. Nicht gerade sturbucklike, aber es half. Es brachte Leoben soweit aus der Fassung, dass er kurz die Umklammerung ihrer Arme lockerte. Das gab Kara genug Raum, um einen Fuß zwischen sie und den Zylonen zu bringen und ihn mit einem gehörigen Tritt von sich wegzukatapultieren. Leoben taumelte und fing sich auf der anderen Seite des Raumes an einem Waschbecken ab.

Sich das Gesicht abwischend, noch immer aber vor sich hingrinsend sagte er: „Na na na, was sind das denn für Manieren, Kara…"

Lee hatte die Situation ausgenutzt und sich mit gestreckter Waffe zwischen den beiden aufgebaut: „Versteh' es doch endlich, Leoben: Sie liebt dich nicht!"

„Was weißt Du schon davon…", gab der zurück.

Eine ganze Menge, wollte Lee sagen, verkniff sich jedoch den Kommentar und wiederholte stattdessen: „Kara liebt Dich nicht, wann geht das endlich in Dein mickriges Zylonen-Hirn?!"

„Eines Tages wird sich mich lieben" – die Gelassenheit des Zylonen konnte einen in den Wahnsinn treiben, dachte Lee. Genau das hatte Kara geschildert, genau das hatte auch sie dazu gebracht, zur Spiegelscherbe zu greifen, als Leoben sie auf dem Basisstern gefangen gehalten hatte. Leoben glaubte scheinbar noch immer, dass die Zeit für ihn arbeiten würde, dass es es mit ein bisschen Geduld und dem ein oder anderen Download erwarten könnte, bis Kara endlich in seine Arme käme. „Sie hat ein Schicksal, Apollo – das ist das, was Du nicht verstehen willst! Kara hat ein Schicksal. She's the habringer of death an angel blazing with the light of God. She will lead us all to our end…"

Was war das nun wieder für ein Humbug? Wenn Leoben glaubte, dass er sich davon würde verunsichern lassen, dann hatte er sich getäuscht, dachte Lee. Nicht mit ihm.

„Tja, das ist dann wohl der Unterschied zwischen uns Menschen und Euch Maschinen", begann Lee. Jetzt blickte Leoben ihn mehr fragend als spöttisch an, abwägend und interessiert.

„Menschen verstehen, wenn sie verloren haben. Sie wissen, dass man Liebe nicht erzwingen kann. Das, was Du fühlst – wenn Du denn fühlst – .love! Du hast Schaltkreise und was auch immer man Dir in Deine Relais einprogrammiert hat, es ist programmiert. Liebe funktioniert nicht wie ein Programm. Es gibt keinen Knopf, den man drücken muss und Puff, dann geht's los. Liebe ist anders."

Mit einer Hand zielte Lee noch immer auf den nun mehr als verwundert wirkenden Zylonen vor ihm, mit seiner rechten zog er Kara schützend an seine Seite und wiederholte kaum hörbar: „Liebe ist anders."

Leoben's Gesichtsausdruck hatte sich nun mit einem Mal deutlich verändert. Vom Hohn und Spott der vorangegangenen Minuten war nichts mehr zu sehen. Er musterte das Paar vor sich genau: „So ist das also…", flüsterte er. Für einen kurzen Moment bevor er abdrückte, glaubte Lee auf Leoben's Gesicht so etwas wie Begreifen und Erkenntnis gelesen zu haben.

Der Schuss hallte an den Metallwänden des Raumes wider und Lee zog Kara in seine Arme. „Bist Du okay?", fragte er sachte.

„Ich glaube schon", flüsterte sie. Der Schuss hatte nun auch die beiden Marines auf den Plan gerufen. Polternd flog die Tür ein zweites Mal auf: „Captain Adama – ist alles in Ordnung?", fragte der eine and stopped dead – nicht wissend, ob des Anblicks des toten Zylonen am Fußboden oder der innigen Umarmung des Paares vor ihm.

„Lee…?", begann Kara, „Du ordnest den beiden jetzt aber nicht an, dass sie mich auch zum Zähneputzen und Duschen begleiten sollen, oder?" Lee erwiderte ihr vorsichtiges Grinsen mit demselben: „Das übernehme ich besser selber", und hauchte ihr einen zarten Kuss auf die Haare.


So, hier mal ein etwas kürzeres Kapitel. Wenn's trotzdem gefallen hat, dann gerne eine Review dalassen.

Eure PoV