Melde mich wieder zurück. Ich kann nicht sagen, wie zügig es nun voran gehen wird, weil mein kleiner mit seinen drei Monaten immer noch lieber auf Mami liegt, als in seiner Wippe oder auf seiner Decke. Dennoch haben mich eure Reviews angetrieben weiter zu machen und ich versuche wieder mehr Zeit fürs Schreiben zu finden. ... Aber nun mal das neueste Kapitel. Viel Spaß!
Unerwartetes
Ooo
Severus stand da und konnte nicht glauben, dass ausgerechnet Harry behauptete, dass Severus keine Schuld habe. Dabei war sich Severus sicher gewesen, dass er Harry verlieren würde, wenn er ihm alles erzählen würde! Nun sah es eher so aus, als ob Harry Angst hätte, Severus zu verlieren.
Severus konnte sich das nur erklären, dass es womöglich daran lag, dass Harry eben nur ein Kind war und das alles nicht richtig begreifen konnte.
„Es tut mir Leid", sagte Severus schließlich und legte seine Arme um den Jungen.
Harry erwiderte die Umarmung sofort und wollte gar nicht mehr los lassen.
„Eigentlich müsstest du mich hassen", sagte Severus erneut, doch Harry schüttelte nur den Kopf ohne los zu lassen. „Du bist nicht schuld!" wiederholte er stur.
Severus biss sich auf seine Unterlippe. Wieso vertraute ihm dieses Kind so? Womit hatte er Harrys Vertrauen verdient?
Langsam ging Severus rückwärts und nahm wieder auf dem Sessel Platz, dann hob er Harry auf seinem Schoß und so saßen sie eine ganze Weile.
ooo
Harry lehnte seinen Kopf an Severus Schulter und womöglich wären sie den ganzen Tag so dagesessen, wenn es nicht plötzlich an der Tür geläutet hätte. Fragend blickte Harry auf.
„Ich vermute es ist Javi", erklärte Severus.
Nur widerwillig rutschte Harry von Severus' Schoß, um den Mann aufstehen zu lassen.
„Ich bin gleich wieder da", versicherte Severus mit einem Lächeln und ging, um nachzusehen wer an der Tür war.
„Hola, Severus. Buenas tardes", hörte Harry eine Stimme. Sie gehörte tatsächlich Josés Bruder. Doch der Rest der Konversation war zu schnell für Harry, um einzelne Wörter auszumachen. Daher nahm er sich noch einen Orangensaft und setzte sich. Er würde wohl auf Severus warten müssen, um zu erfahren was los war.
Harrys Gedanken wanderten unwillkürlich zurück zu dem, was Severus ihm eben erzählt hatte. Er mochte den Gedanken nicht, dass Severus ein Todesser gewesen war. Aber egal was die anderen von Severus halten mochten, Harry wusste es besser. Severus war kein schlechter Mensch. Wie könnte er einer sein, nach allem was er für Harry getan hatte?
„Hasta luego, Harry!" rief Javi von der Türe.
„Hasta luego!" rief Harry automatisch zurück. Daraufhin hörte er Javi lachen und nachdem er sich auch bei Severus verabschiedet hatte, wurde es wieder still. Es dauerte nicht lange bis Severus zurück auf den Balkon kam.
„Was ist passiert?" fragte Harry neugierig.
„Gar nichts. Javi hat uns zum Abendessen eingeladen. José und ein paar andere von der Familie werden auch kommen."
„Oh? Okay", sagte Harry wenig begeistert. Der Gedanke einen Abend unter Menschen zu verbringen, die er nicht verstehen konnte, klang nicht sehr verlockend.
„Er hat dir auch das hier vorbei gebracht", sagte Severus und hielt Harry seine Hand hin. Darauf lag etwas, dass aussah wie ein Hörgerät.
„Ein Hörgerät?" fragte Harry verwirrt.
Severus schmunzelte, „Nein. Das ist ein Übersetzer. Wenn du ihn in dein Ohr steckst, kannst du Spanisch verstehen und sprechen."
Nun wurden Harrys Augen groß, „Wirklich?"
Severus nickte zur Bestätigung. Als Severus José kennen gelernt hatte, hatte er den Übersetzer selber verwendet, bis er schließlich die Sprache gelernt hatte. Für ihn war dieser Übersetzer damals genauso wertvoll, wie er jetzt für Harry sein wird.
Sofort steckte sich Harry den Übersetzter ins Ohr und rief „Sag was auf Spanisch!"
„Hola, Harry. Cómo estás?" fragte Severus
„Bien, gracias!" antwortete Harry in fließendem Spanisch. Er grinste über beide Ohren, als er den Übersetzer wieder aus seinem Ohr nahm. „Das ist so cool!"
Severus lächelte. Er war so froh, dass Harry nach wie vor mit ihm bei Tisch saß und glücklich war. Er hatte nicht damit gerechnet, aber José hatte Recht gehabt. Harry vertraute ihm, komme was wolle. Severus hoffte nur, dass er Harry in seinem Vertrauen nie enttäuschen wird.
-oxOxo-
Harry und Severus verbrachten den Tag diesmal bei Pool im Garten der Wohnanlage. Im Poolwasser tat sich Harry viel schwerer mit dem Schwimmen als im Meer. Dennoch ließ er sich nicht den Spaß nehmen und würde den ganzen Tag im Wasser verbringen, wenn ihn Severus nicht immer wieder zu einer Pause zwang.
„Harry. Komm jetzt raus!" rief Severus nun schon zum dritten Mal.
„Aber mir ist noch nicht kalt!" rief Harry zurück. Als Antwort bekam er einen strengen Blick zugeworfen. Harry seufzte und kletterte aus dem Wasser. Als er Severus erreichte klapperten seine Zähne vor Kälte.
„Nicht kalt. Ja, klar!" knurrte Severus und warf Harry ein Handtuch zu.
„Hier ist ja auch Schatten", rechtfertigte sich Harry, während er sich im Handtuch einwickelte und dann den Baum empor blickte, unter dem Severus die Liegetücher aufgeschlagen hatte.
Severus kramte in einer Tasche und hielt Harry dann eine Flasche hin. „Trink das, und dann leg dich ein wenig hin. Mindestens eine halbe Stunde!" befahlt er.
Harry griff nach der Flasche und trank sie mit hastigen Schlucken beinahe leer. „Wow. War ich durstig!" sagte er, als der Severus die Flasche zurück gab.
Dieser knurrte erneut, dann packte er die Flasche wieder weg und beobachtete den Jungen, wie er sich hin legte. Harry verschränkte die Arme hinter seinen Kopf und blickte in die Baumkrone. Doch als er Severus Augen auf sich spürte, sah er zu dem Mann und fragte, „Was?"
„Wenn du vor hast dir Schwimmhäute wachsen zu lassen, dann weiß ich genau den richtigen Zaubertrankt für dich, ohne dass du dich dabei im Wasser aufweichen musst", bemerkte Severus.
Harry rollte mit den Augen. „Ach komm schon, so lange war ich auch wieder nicht im Wasser."
„Hast du dir deine Hände mal genauer angesehen?"
„Und wenn schon. Ich bin eben gerne im Wasser", erklärte Harry, „Ich hab mich noch nie so schwerelos gefühlt. Das ist fast genauso toll wie fliegen."
„Das ist ja auch in Ordnung, wenn du gerne im Wasser bist. Aber du musst aufpassen. Wenn du zu lange im Wasser bist, kühlst du nicht nur deinen Körper ab du trocknest ihn auch aus. Davon abgesehen steht der Pool in der Sonne und du könntest einen Sonnenbrand kriegen und du trinkst nichts, wenn du im Wasser bist. Alles in allem ist es ungesund zu lange im Wasser zu sein."
Harry rollte erneut seine Augen „Ja, Dad. Was immer du sagst!" murmelte er schlaftrunken. Zu lange im Wasser zu sein, macht einen offensichtlich auch müde, dachte sich Harry, ehe er seine Augen zufallen ließ.
Severus schüttelte ungläubig seinen Kopf, doch dann lächelte er den Jungen neben sich an. „Schlaf gut, mein Junge!" flüsterte er lautlos.
-o-
„Harry, wach auf! Wir müssen uns noch fürs Essen fertig machen!" Severus schüttelte Harrys Schulter.
„Lami lafen" murmelte Harry und versuchte die Hand abzuschütteln.
„Harry, auf jetzt!"
„Mag nicht", murrte Harry erneut. Doch plötzlich quietschte er erschrocken auf, als Severus anfing ihn zu kitzeln. „Nein, auf hören! Lass dass, niiiiicht!" kicherte der Junge.
„Bist du jetzt munter?" fragte Severus ohne zu stoppen.
„Ja, ja. Ich bin wach! Bitte, hör auf!" versicherte Harry.
„Gut!" damit stoppte Severus und zog den Jungen auf die Beine.
„Das war gemein!" grummelte Harry verstimmt, doch Severus grinste und sagte „Aber effektiv!"
-oxo-
„Muss ich eigentlich mitkommen? Kann ich nicht hier bleiben stattdessen?" fragte Harry, als er aus der Dusche trat, ein Badetuch um seine Hüften gewickelt.
Severus warf ein zweites Handtuch über Harrys Kopf und begann dessen Haare trocken zu rubbeln.
„Wieso fragst du?" wunderte sich Severus und hielt mit seiner Bewegung inne.
„Na ja. Es ist nur… ich weiß auch nicht… ich kenn dort doch niemanden."
„Aber genau aus diesen Grund findet die Party doch statt. Damit du die Oritells kennen lernst."
Nachdem Severus fertig war mit Trockenribbeln zog der das Handtuch wieder von Harrys Kopf und studierte den Jungen. Es war nicht zu übersehen, dass Harry sich unwohl bei der Sache fühlte. Severus konnte Harry nachfühlen. Das war ein fremdes Land für ihn und die Leute sind auch fremd. Aber wenn sich Severus an seine erste Zeit hier zurück erinnerte, war es für ihn damals auch ungewohnt. Aber er hatte sich schnell an die Leute gewöhnt und sich hier wohlgefühlt. Es braucht halt ein bisschen Zeit.
Davon abgesehen, konnten sie froh sein, dass sie sich hier verstecken durften. Sie mussten José und seiner Familie dankbar sein. Um das Thema zu wechseln, drehte Severus Harry Richtung Spiegel und fragte dann Harrys Spiegelbild. „Was machen wir nur mit deinen Haaren?"
Harry sah sich im Spiegel an und begann zu grinsen. „Wieso? Ich mag den Look!"
„Ich hab befürchtet, dass du das sagst. Hast du schon mal überlegt die Haare wachsen zu lassen?" fragte Severus.
„So lang wie deine?"
„Wenigstens lang genug, dass sie flachliegen. Oder du könntest sie dir ja auch schneiden lassen. Wenn sie kürzer sind dann verwirren sie sich auch nicht so."
Ein Schauer lief Harry über den Rücken. „Tante Petunia hat versucht sie mir zu schneiden, aber sie sind über Nacht nachgewachsen. Tante Petunia hat…", weiter wollte Harry nicht sprechen, aber es war auch nicht notwendig, Severus konnte sich schon vorstellen, dass der Junge deswegen bestraft wurde.
„Tut mir Leid. Ich wollte keine unangenehmen Erinnerungen ausgraben. Aber es ist doch ziemlich ungewöhnlich, selbst für einen Zauberer. Du sagst sie sind über Nacht nachgewachsen?"
Harry nickte unsicher.
„Ist das mehr als einmal passiert?"
Erneut nickte Harry.
„Und seitdem hat niemand deine Haare geschnitten und sie sind auch nicht länger geworden?"
Wieder ein Nicken seitens Harry.
„Hast du dich nie darüber gewundert?"
„Doch. Aber nachdem ich erfahren hatte, dass ich ein Zauberer bin, dachte ich das ist normal."
„Hmm… Hast du schon mal was von Metamorphmagiern gehört?"
Diesmal schüttelte Harry verneinend den Kopf.
„Das sind Zauberer, die ihr Aussehen mit Willenskraft verändern können."
Nun wurden Harrys Augen groß. „Wow, klingt cool! Denkst du ich kann das?"
„Ich bin mir nicht sicher, vielleicht. Aber wir werden zu einen anderem Zeitpunkt darüber reden, sonst kommen wir noch zu spät!"
Mit diesen Worten verließ Severus das Badezimmer, um sich umzuziehen. Harry blickte zurück zu seinem Spiegelbild. Konnte es wirklich sein, dass er sein Aussehen nach Willenskraft verändern könnte? Könnte er damit die Narbe zumindest optisch verschwinden lassen?
„Harry!"
„Komme!"
-oxo-
„Harry, Severus, schön dass ihr da seid", begrüßte José die beiden und ließ sie in Javis Wohnung hinein. Die Wohnung sah genauso aus wie die, in der Harry und Severus wohnten, nur war diese im Erdgeschoß und statt dem Balkon gab es eine sehr große Terrasse.
Harry adjustierte sich den Übersetzer neu, er fand ihn noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber er konnte alles verstehen und das faszinierte ihn.
Severus drückte Harrys Schulter und fragte „Alles okay?" Harry nickte und lächelte, aber das Lächeln erreichte nicht seine Augen. Er war trotzallem sehr nervös und unsicher. Sie folgten José ins Wohnzimmer, wo die anderen der Familie schon warteten.
Eine jüngere Frau sprang auf und kam sofort zu ihnen hinüber. „Severus, wie schön dich wieder zu sehen!" Mit diesen Worten drückte sie Severus einen Kuss auf die Wange.
„Carolina!" antwortete Severus ein wenig verblüfft.
„Und du musst Harry sein", stellte die Frau fest, als sie sich Harry zuwandte. „Schön dich kennen zu lernen. Ich bin Carolina, aber du kannst auch Caro zu mir sagen. Ich bin Javis Tochter." Dann umarmte sie Harry herzlich. Harry versteifte sich schockiert. Er kannte die Frau doch gar nicht, und wunderte sich, warum sie ihn so warmherzig begrüßte.
„Ich möchte dir meine Tochter vorstellen, Lin, sie ist… hmm…" Caro sah sich um und stellte fest das ihre Tochter nicht im Raum war. „Sie ist wahrscheinlich in der Küche. Magst du nicht schauen, ob du sie dort findest?"
Unsicher blickte Harry zu Severus. Er war sich nicht sicher, ob er Severus Seite verlassen durfte.
„Du brauchst nicht schüchtern sein. Sie wartet schon so auf dich", sagte Carolina mit einem Lächeln, aber erst auf Severus Kopfnicken hin, machte sich Harry auf die Suche. Die Küche war nicht schwer zu finden, nachdem diese Wohnung der ihren gleich sah.
Vorsichtig linste Harry in die Küche, in der zwei Frauen sehr beschäftigt waren, dass Essen zuzubereiten. Und dann war da noch ein Mädchen in etwa in Harrys Alter. Sie hatte dunkle Haare und ein freches Grinsen im Gesicht. Sie saß auf einem kleinen Tisch und stibitzte Paprikastückchen.
„Komm, Lin, raus mit dir. Du kannst essen, wenn wir alle essen!" schimpfte eine der Frauen und versuchte Lin aus der Küche zu scheuchen. Schnell schnappte sich das Mädchen noch ein Gurkenstück ehe es hinunter hüpfte und die zwei Frauen in Ruhe ließ.
Vor der Küche stieß sie auf Harry, der sie mit großen Augen ansah.
„Und wer bist du?" fragte sie mit hochgezogener Augenbraue.
„Ähm… Harry!"
„Oh, der Junge aus England, richtig? Meine Mutter hat mir von dir erzählt. Ich bin übrigens Celine, aber alle nennen mich nur Lin."
„Hallo, Lin."
„Hast du auch schon Hunger? Ich kann dir einen Snack besorgen", bot Lin großzügig an.
„Denkst du, sie lassen dich noch mal hinein?" fragte Harry unsicher und deutete zu den beiden Frauen in der Küche.
„Hmm… du hast Recht. Wir probieren es etwas später", sagte Lin mit einen spitzbübischen Grinsen. Harry grinste zurück, er mochte das Mädchen auf Anhieb.
-oxo-
Bis das Abendessen serviert wurde, hatte Harry festgestellt, dass Lin sehr viel Ähnlichkeit mit Fred und George hatte. Ständig neckte sie Leute oder stellte irgendeinen Unsinn an. Aber die meisten waren ihr deswegen nicht böse. Wenn sie geschimpft wurde, dann war es auch nur mehr Show als ernst gemeint.
Harry hatte beinahe vergessen, dass sie alle eigentlich eine andrere Sprache sprachen. Sein Übersetzter funktioniert einwandfrei und inzwischen spürte ihn Harry nicht einmal. Als Severus ihn einen fragenden Blick zuwarf, lächelte Harry nur glücklich.
Das Lächeln, das Harry Severus zuwarf wärmte dessen Herz. Da war keine Spur mehr von dem unglücklichen, verzweifelten Jungen, der vor wenigen Tagen noch von seinem Onkel brutal misshandelt wurde. Wenn Albus den Jungen jetzt sehen könnte, würde er sicher zustimmen müssen, dass Severus die richtige Entscheidung getroffen hatte, hier her nach Spanien zu kommen.
Dann seufzte Severus. Er musste noch einen Weg finden Albus Bescheid zu geben, dass es ihnen gut ging, ohne die Spur nach Spanien zu lenken.
„Und ich habe immer geglaubt, du magst keine Kinder", sagte Carolina mit leiser Stimme, als sie sich zu Severus lehnte.
„Dieses Kind ist anders", gestand Severus.
„Weil es Lilys Kind ist?" fragte Caro nach.
„Nein… na ja… vielleicht. Aber da ist so viel mehr."
Caro lächelte wissend.
„Was?" grummelte Severus.
„Nichts. Ich wusste nur nicht, dass du so viel für ein Kind empfinden kannst. Du siehst aus wie eine Katze die ihr um jeden Preis ihr Junges verteidigen würde."
„Eine Katze?" fragte Severus schockiert über diesen Vergleich. Obwohl er zugeben musste, er würde Harry um jeden Preis verteidigen, wenn es darauf ankam. Harry bedeutete ihm sehr viel. Doch dann riss es ihm, war er wirklich so durchschaubar?
Caro lächelte und flüsterte dann „Du bist süß!"
„Was?"
-xox-
„Komm mit. Ich muss dir was zeigen", sagte Lin und zog Harry über die Terrasse in Richtung der Stiege, die hinunter zu Straße führte.
„Wohin gehen wir denn?" fragte Harry unsicher.
„Runter zum Strand!"
„Jetzt? Es ist doch schon dunkel!"
Lin blieb stehen und runzelte ihre Stirn. „Na und? Du hast doch keine Angst im Dunklen, oder? Außerdem ist es gar nicht dunkel. Die Lichter der Strandpromenade leuchten über den ganzen Strand."
„Aber ich sollte Severus Bescheid geben", sagte Harry und kam sich neben Lin wie ein Baby vor.
Lin blickte über ihre Schulter und sah, dass ihre Mutter und Severus dicht beieinander standen. „Ich glaube, wir lassen die beiden lieber, außerdem weiß meine Mum, wo sie mich findet."
Harry starrte ebenfalls verblüfft zu den Pärchen. Severus hatte ihm gar nicht erzählt, dass er hier eine Freundin hatte.
„Komm schon!" rief Lin nahm Harry bei der Hand und zog ihn fort.
Lin hatte Recht. Es war relativ hell am Strand. Die Beleuchtung der Promenade reichte bis zu den Wellen der Brandung.
Harry zog seine Schuhe aus, um den kühlen Sand auf seinen Füßen zu spüren. Lin tat es ihm nach. Sie ließen ihre Schuhe auf dem Holzsteg zurück, der nur bis zur Hälfte des Strandes reichte. Als sie den nassen Sand der Brandung erreicht hatten und das Wasser um ihre Füße schwappte, drehte sich Harry um und staunte.
„Schön, nicht?" fragte Lin.
„Ja, wie eine Schlange aus Licht."
„Die Promenade hat nicht immer so schön ausgesehen. Aber vor ein paar Wochen sind die Bauarbeiten endlich fertig geworden."
Harry nickte nur.
„Komm, lass uns schwimmen gehen!" rief Lin übermütig und streifte ihr Kleid ab. Darunter hatte sie bereits einen Badeanzug an.
„Was?"
-oxo-
Severus war mehr als nervös. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Carolina Interesse an ihn haben würde. Das letzte Mal als er sie gesehen hatte vor zehn Jahren, da hatte sie gerade ihren Mann verloren gehabt und Severus war auch noch nicht über Lilys Tod hinweg. Natürlich hatte sie da noch nicht viel Interesse in Severus gehabt. Aber offensichtlich hat sich das jetzt geändert und Severus wusste nicht so recht, wie er damit umgehen sollte.
Hilfesuchend sah er sich nach Harry um, doch er konnte den Jungen nicht entdecken. „Wo steckt er denn?" wunderte sich Severus.
„Wer?"
„Harry."
„Er ist sicher mit Lin unterwegs."
Severus hob eine Augenbraue und begann dann mit der Suche nach dem Jungen. Carolina ging mit ihm. Nachdem Severus Harry nirgends in Javis Wohnung finden konnte und auch sonst keiner den Jungen gesehen hatte, fing er an sich Sorgen zu machen.
„Womöglich ist Lin mit ihm runter zum Strand. Sie liebt es bei Nacht zu schwimmen", meinte Caro schließlich.
„Zum Strand? Schwimmen?" rief Severus ungläubig und eine Panik machte sich in ihm breit.
„Beruhig dich. Ich bin sicher ihnen geht es gut", versuchte Caro Severus wieder zu beruhigen.
„Ich soll mich beruhigen? Harry kann noch nicht so gut schwimmen. Er lernt noch."
„Aber Celine kann gut schwimmen. Ihnen wird schon nichts passieren."
Doch Severus hörte nicht mehr zu. Mit ungutem Gefühl im Magen rannte er los.
-oxo-
„Komm schon, Harry. Trödel doch nicht so!" rief Lin lachend und spritze Harry Wasser entgegen.
Harry stand mit Unterhose bekleidet bis zu den Knien im Wasser und wusste nicht so recht, was er tun sollte. Sein Gewissen schrie danach umzukehren und Severus Bescheid zu geben. Doch Harry war sicher, Severus würde es ihm nicht erlauben. Lin auf der anderen Seite beteuerte ihm, dass es ein unglaubliches Gefühl war, bei Nacht zu schwimmen und Harry wollte auch nicht wie ein Baby vor Lin dastehen.
Lin kam zu ihm und nahm seine Hand. „Du wirst es nicht bereuen. Ich verspreche es dir!"
Harry seufzte, doch dann spürte er plötzlich Lins Hand in der seinen und wusste, er konnte nicht mehr zurück. Er blickte in ihre dunklen Augen und ließ sich schließlich ins tiefere Wasser ziehen.
Als das Wasser Harry bis zur Brust reichte blieb Lin stehen und erklärte ihm, was er zu tun hatte, wenn eine Welle kam, um sich dann wie ein Surfbrett zum Strand spülen zu lassen. Harry brauchte ein paar Versuche, aber schließlich schaffte er es.
Es war wie Lin gesagt hatte, ein unglaubliches Gefühl. Er fühlte sich eins mit dem Wasser und vollkommen schwerelos. Harry wusste nicht, dass man seinen Körper als Surfbrett verwenden konnte. Das war fast so, wie wenn er ohne Besen fliegen würde.
„Und?" fragte Lin lachend.
„Unglaublich!" rief Harry und grinste.
Gerade als Harry erneut hinaus geschwommen war, um auf die nächste Welle zu warten, hörte er, dass jemand seinen Namen rief. „Severus!" stellte er mit Schrecken fest. Suchend sah er sich um, aber ohne seine Brille, die bei seinem restlichen Gewand lag, konnte er nicht so weit sehen.
„Harry, pass auf!" rief plötzlich Lin, doch noch bevor Harry verstand was los war, überraschte ihn eine hohe Welle und drückte ihn Unterwasser.
Harry verlor die Orientierung und wusste nicht mehr wo oben und unten war. Er versuchte wieder aufzustehen, doch es dauerte bis er den Boden wieder spürte. Als er endlich stand, nahm er gierig ein paar Atemzüge, doch noch bevor er die Augen öffnen konnte, kam die nächste Welle und drückte ihn zurück Unterwasser.
Panik machte sich in Harry breit. Er wirbelte im Wasser herum und hatte einfach nichts mehr unter Kontrolle. Er fühlte sich so wehrlos gegen die Macht des Wassers. Er spürte den Boden unter sich konnte aber nicht aufstehen, weil das Wasser ihn nicht mehr losließ.
Schließlich spürte er Hände, die sich um seine Arme schlossen und ihn wieder über Wasser zogen und schließlich raus an den Strand zurück.
Harry hustete und spuckte, weil er etwas Wasser in den Mund bekommen hatte. Als er schließlich die Augen öffnete, blickte er direkt in die sorgenvollen schwarzen Augen Severus. Ein Knoten bildete sich in seinem Hals. „Tut mir leid", flüsterte er und senkt seinen Blick.
Severus war erleichtert und verärgert zugleich. Ein simples ‚Tut mir Leid' rechtfertigte die Panik und Sorge, die er in den letzten Minuten gespürt hatte, in keinem Fall. Aber bevor er noch irgendetwas sagen konnte, setzte sich Harry auf und vergrub sein Gesicht in Severus nassem Hemd.
„Es tut mir leid, es war eine dumme Idee. Ich weiß, ich hätte das nicht tun sollen, ohne mit dir vorher zu reden, es tut mir so leid."
Harry versuchte seine Schluchzer zurück zuhalten, aber es gelang ihm nicht so richtig. Severus brachte es nicht übers Herz Harry zu schimpfen, wenn er so aufgelöst und erschüttert war, daher nahm er den zitternden Jungen einfach stumm in seine Arme und drückte ihn fest an sich.
„Es hatte ihm Spaß gemacht. Ich meine bevor… na ja…" begann Lin, erschrocken über das plötzliche Ende ihres Abenteuers, aber ein finsterer Blick von Severus ließ sie wieder verstummen.
„Du hättest uns fragen sollen, bevor du mit Harry zum Strand gegangen bist. Harry hat gerade erst schwimmen gelernt", erklärte Caro ihrer Tochter.
„Das wusste ich nicht. Aber wir blieben eh nur da, wo wir stehen konnten."
Soweit es ging verfinsterte sich Severus Blick noch mehr.
„Es tut mir leid, ich werde das nächste Mal fragen", sagte Lin schließlich niedergeschlagen.
Danach wurde es still.
Severus zog schließlich Harry wieder auf seine Füße. Dann sah er sich nach Harrys Gewand um und zog dem Jungen das Shirt über den Kopf.
„Wo sind deine Schuhe?" fragte Severus.
„Dort hinten, am Holzsteg", antwortete Harry leise.
„Dann lass uns gehen."
„Severus, kann ich irgendwas für dich tun?" fragte Caro unsicher.
„Nein, Danke!" kam die barsche Antwort.
Dennoch wackelte Caro mit den Fingern der ausgestreckten rechten Hand und plötzlich war Severus Gewand wieder trocken.
Daraufhin wurden Severus Gesichtszüge wieder eine Nuance freundlicher, wenn auch nicht viel. „Danke. Entschuldigst du uns bei José und Javi?"
„Ja, klar."
-xox-
„Geh dich duschen und dann reden wir", sagte Severus zu Harry sobald sie zurück in ihrer Wohnung waren.
Harry ließ seinen Kopf hängen. „Es tut mir-"
„Leid. Ich weiß. Wir werden trotzdem darüber reden was passiert ist."
Harry seufzte und ging dann zum Badezimmer. Doch als er die Schnalle in der Hand hatte, drehte er sich erschrocken zu Severus um. „Wirst du mich… ähm… be… strafen?"
Severus war von Harrys Frage überrascht. Er hatte diesmal gar nicht daran gedacht, „Nein, ich denke du wurdest bereits genug bestraft. Aber wir werden darüber reden."
Harry nickte und verschwand schließlich im Badezimmer. In der Zwischenzeit bereitete Severus für Harry einen Kakao und für sich selbst Glas Whiskey, den er von José bekommen hatte.
Harry sah sehr müde aus, als er schließlich zu Severus ins Wohnzimmer kam.
„Komm, setz dich!" sagte Severus mit ruhiger Stimme und reicht Harry den Kakao. Der Junge sah Severus groß an. „Aber…ich hab das gar nicht verdient", sagte verwirrt.
„Ich hab dir den Kakao nicht gemacht, weil du ihn dir verdient hast, sondern weil er dir jetzt gut tun wird, oder etwa nicht?"
„Ähm… ja… Danke!" sagte Harry und nahm vorsichtig einen Schluck. Dann nahm er die Tasse zwischen seine beiden Hände und wärmte seine Finger daran. Severus beobachtete den Jungen, ohne ein Wort zu sagen.
Nach einer Weile unangenehmer Stille, sagte Harry schließlich niedergeschlagen „Wenn du möchtest, dass ich mich noch schuldiger fühle, dann klappt das sehr gut."
„Nein, dass ist nicht meine Absicht. Ich frag mich nur, was du dir dabei gedacht hattest. Warum du mir nichts gesagt hast, bevor du gegangen bist. Hast du eine Vorstellung davon, wie besorgt ich war, als ich festgestellt hatte, dass du nicht mehr in Javis Wohnung warst?"
Harry ließ seinen Kopf hängen, „Ich wollte dir Bescheid geben, aber Lin hat gesagt, dass ihre Mum wissen wird, wohin wir gehen."
„Sie wusste es ja auch. Aber ich bin für dich verantwortlich, deswegen musst du mir immer Bescheid geben, wohin du gehst, egal wie beschäftigt ich gerade zu sein scheine."
Harry nickte. „Es tut mir leid."
Severus schüttelte den Kopf, „Das will ich nicht hören. Was ich hören will, ist dein Versprechen, dass du mir in Zukunft immer sagst, wohin du vor hast zu gehen. Das ist ein fremdes Land voll mit unbekannten Menschen und wir müssen zusammen halten."
„Ich verspreche es", sagte Harry und lächelte zögernd.
„Gut. Und jetzt erklärt mir, was du dir gedacht hast, ohne Aufsicht schwimmen zu gehen? Soweit ich weiß, hast du gerade erst schwimmen gelernt und bist bei weitem kein Profi darin. Warum spielst du so leichtfertig mit deinem Leben?"
Neue Tränen bildeten sich in Harrys Augen. „Ich… äh… na ja… Lin hat gesagt, wie toll das Wellensurfen ist. Sie hat mir erklärt wie es geht. Wir waren auch nur soweit drin, wie wir auch stehen konnten. Ich hab nicht geahnt, wie gefährlich es sein könnte. Es war echt toll… na ja das heißt, bis die Welle mich unters Wasser gedrückt hat."
„Als ich gesehen habe, wie dich die Welle verschluckt hat, ist mein Herz beinahe stehen geblieben", gestand Severus.
Harry schauderte es bei der Erinnerung. „Ich dachte, ich würde nie wieder hoch kommen. Die Welle war so stark, so unglaublich stark."
„Komm her", sagte Severus und klopfte auf den Platz neben sich. Unsicher stand Harry auf und kam näher, doch dann schlangen sich zwei Arme um ihn und Harry nahm stattdessen auf Severus Schoß Platz. Er umarme Severus zurück und vergrub sein Gesicht erneut in dessen Hemd.
„Du kannst dich glücklich schätzen, wenn ich jemals wieder in die Nähe des Meeres lasse", flüsterte Severus in Harrys Haare.
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt wieder ins Wasser gehen mag", flüsterte Harry zurück.
„Natürlich magst du. Wir werden zusammen gehen, okay?"
Harry nickte und drückte Severus noch fester. „Ich hab dich lieb!" sagte er beinahe lautlos.
Doch Severus hörte es und strich Harry durch sein strubbliges Haar. „Ich hab dich auch lieb, mein Sohn!"
