TERRA NOVA

Of Daughters

20. Vertrauen

Nathalia legte die Decke über Alicia und drehte sie vorsichtig herum. Ihr Handgelenk wurde kalt und sie sah alarmiert zu Reynolds auf. „Mark, da kommt Luft aus der Wand."

„Bist du sicher? Das kann eigentlich nicht sein, dann..."

Sie starrte auf die Wand, dann auf Alicia und hob zitternd eine Hand vor ihr Gesicht. Erschrocken riss sie die Augen auf. „Maddy! Einen Scanner! Sie lebt!"

„Ich hol den Rover!" Mark jagte hinaus, Maddy kniete schon neben ihr, ehe ihr Verlobter draußen war und hielt den Scanner über die Bewusstlose. „Mehrere Brüche, eine verkapselte Blutung, eine kleine Schwellung im Gehirn, mehrere nicht tiefe, aber entzündete Schnitte. Kein...kein Baby."

Nathalia nickte, sie hatte schon vorhin etwas entdeckt, weil sie darauf geachtet hatte und zeigte es nun Maddy. Jayce zischte. Maddy holte eine kleine Medizintüte aus ihrer Tasche und hob das kleine blutige, irgendwie Blasenähnliche Gebilde vorsichtig auf, verschloss den Beutel.

Inzwischen war Mark zurück und zusammen mit Jayce trug der die Bewusstlose zum Auto. Maddy gab ihr den Scanner, drückte auf Aufnahme und rannte zu Fuß los. Sie wollte nicht das es jeder mitbekam. Nathalia war ihr unendlich dankbar dafür.

xXx

~Elisabeth Shannon~

„MOM!"

„MOM!"

Die Panik in der Stimme ihrer Tochter reichte, um sie alles liegen zu lassen, so dass Ogawa weitermachte. Eilig lief sie auf das junge Mädchen zu. „Maddy, oh mein Gott! Was ist passiert?"

Ihre Tochter streckte sich ihr entgegen, und antwortete ihr, in dem sie ihr ins Ohr flüsterte. „Wash, sie lebt! Die Jungs bringen sie her, hinten."

„Ich hole Ogawa."

Maddy aber hielt sie fest und schüttelte dann Kopf. „Nein, bitte, tue ihr das nicht, nimm mich."

Zweifelnd blickte sie ihre Tochter an, doch Maddys Blick war entschlossen und absolut ohne jeden Zweifel. „Ich hab sie doch schon gesehen. Bitte, Mum."

„In Ordnung," sie nickte, „komm mit!"

Sie sperrte den hinteren Teil der Klinik mit rotem Band ab, ein Zeichen für Ansteckungsgefahr. Dann schloss sie hinter sich und Maddy ab. „Zieh die Vorhänge und Jalousien runter!"

Ihre Tochter tat, wie geheißen, sie schloss hinten auf und bereitete alles vor. Kaum waren sie fertig, Maddy hatte eben das Biobett eingestellt und zog sich nun einfach den aufgehängten Arztkittel über, da fuhr das Fahrzeug vor.

„Legt sie hin, wartet draußen, und kein Wort, zu keinem." Nathalia zog sich ans Raumende zurück. Elisabeth sparte es sich, sie hinaus zu schicken, sie war sich ohnehin sicher, dass sie nicht gehen würde. Stattdessen sah sie nun zu ihrer Tochter und dann auf die Daten des Scans. „Multiple Brüche, Rippen, ausgekugelte Schulter, multiple Hämatome, Abdomen, Brust, Schulter, Schläfe rechts. Leichte Cranialschwellung. Richtig?"

Elisabeth nickte ruhig und zog vorsichtig die Decke weg. Sie konnte nicht sagen, dass sie nicht schockiert gewesen wäre. Sie holte vom Tablett hinter sich zwei Injektionen und verabreichte sie, anschließend legte sie einen Venenzugang und reichte Maddy eine Infusion. „Du weißt, wie die zu richten sind?"

„Ja, vom letzten mal."

„Gut, mach es! Nathalia neben an findest du Handtücher und Waschlappen, hol uns welche. Maddy, gib mir Abstrichsets."

„Du glaubst doch nicht etwa..."

„Ich... weiß es nicht, ich will sicher gehen."

Maddy nickte und gab ihr die Sachen.

Elisabeth machte Abstriche der Wunden, und des Genitalbereichs, während ihre Tochter die Infusionen anlegte und sie fragte wie schnell diese laufen sollten. Nathalia kam zurück, legte die Tücher ab und stellte auch eine Waschschüssel daneben. In ihrem Blick lagen Sorge und Trauer, aber auch Wut. „Dafür zahlt er."

„Skye glaubt nicht, das er die Wunden überleben wird."

„Daran glaube ich erst, wenn ich eine Leiche sehe," antwortete die junge Frau. Maddy warf ihr einen ernsten Blick zu und nickte. „Maddy, ich möchte das du die Wunden säuberst und wasche sie."

„Wohin willst du?"

„Ich muss mich vorne blicken lassen und dann die Proben untersuchen, ich will es selber machen."

„Okay."

xXx

~Maddy~

Sie reinigte die Schnittwunden an Armen und Beinen, verband sie wenn nötig mit Tupfern und Fixverband. Dann zog sie der Soldatin das schmutzige Hemd aus, legte ein Handtuch über sie und begann sie zu waschen. Es war merkwürdig. Sie hatte die ganze Zeit Angst Wash weh zu tun, trotz der Sedativa und des Schlafmittels. Außerdem kam sie nicht von dem Gedanken weg, wie unangenehm es ihr umgekehrt wäre.

Plötzlich stand Nathalia vor ihr und strich Wash durch das Haar. „Gib mir den Waschlappen, Maddy, bitte."

„Sicher?"

Nathalia nickte und blinzelte durch ihre feuchten Augen. „Du...kannst dir die Schnitte am Bauch ansehen. Der da... sieht tief aus."

„Okay."

~Nathalia~

Sie wusste nicht was genau sie bewegt hatte Maddy zu helfen, aber irgendwie, fühlte es sich besser an, als gar nicht zu tuen. Sie liebte Alicia, nicht eben wie eine Mutter, aber wie eine große Schwester. Sie war sich sicher, das Wash sie auch nicht einfach bei Fremden gelassen hätte und so rieb sie nun vorsichtig den Schmutz und das getrocknete Blut von der Haut der anderen.

Sie wollte außerdem auf keinen Fall, das ihr Vater sah, wie schlecht sie wirklich ausgesehen hatte. Sie hielt kurz inne und strich ihr über die Hand. „Ich hab dich lieb."

Das Maddy sie fragend ansah, ignorierte sie. Sie wusste Maddy würde schweigen. Ohne das sie zu sagen wusste wann genau, war die Gleichaltrige ihre beste Freundin geworden, neben Alicia. Sie sah kurz zu Maddy, die nun lächelte, und Alicia abtrocknete, während sie weiter wusch.

~Elisabeth~

Als sie wieder nach hinten kam, stand Nathalia ebenfalls neben dem Biobett, sie legte gerade die Waschtücher zur Seite und Maddy versorgte einen größeren Schnitt an Washs Seite. „Mum, ich denke... der muss genäht werden."

„Nein, nicht mehr. Nicht wenn so ein Schnitt älter als ein paar Stunden ist, leg eine kleine Drainage, mit einem Stück vom Streppverband und kleb einen Verband drüber."

Sie ging zu den beiden Mädchen, beobachtete wie ihre Tochter die Anweisungen befolgte und legte der anderen eine Hand auf die Schulter. „Wie geht es Taylor und Ayani?"

„Sie schlafen, denke ich. Josh ist da und Skye wollte auch kommen. Ich... ich will es ihm noch nicht sagen, nicht... solange..."

„Sie wird gesund."

„Aber... wir wissen nicht, was er ihr..."

„Er hat sie misshandelt, aber offenbar nicht angerührt." Elisabeth seufzte und schüttelte den Kopf. „Sie tut mir unendlich Leid. Beide, sie haben sich so über das Baby gefreut."

„Er sagt es nicht, aber... er ist... fertig, wenn... wenn ich und die Kleine nicht..." Nathalia schüttelte mit wieder nassen Augen den Kopf. „...er... er quält sich, ich...weiß das... er Schmerzen hat, aber..."

„Weißt du, ich denke er braucht das." Sie nickte, als die junge Frau sie verständnislos ansah. „Er wird es brauchen, weil er sich Schuld geben wird, schuld nicht dagewesen zu sein."

Nathalia nickte und seufzte dann tief. „Geh heim, vor morgen lasse ich sie nicht aufwachen und ich verspreche dir, das Maddy, oder ich immer hier sind. Aber dich braucht dein Baby. Hier, nimm die mit. Die blauen sind Sedativa, die grünen Schmerzmittel, beides wird ihn zum schlafen zwingen. Er braucht die Ruhe."

Nathalia nahm die vier Injektionen und nickte. „Danke." Sagte sie, sie verabschiedete sich leise von Wash und ging. Maddy kam zu ihr. „Was willst du Dad sagen, das wir beide über Nacht hier sind?" Fragte sie. „Darüber muss ich noch nachdenken. Bleib bei ihr, ich muss zurück nach vorne."

xXx

~Taylor~

Als er aufwachte, war es seltsam still. Vor allem, wenn er der Uhr im Raum, über der Tür glauben schenkte. Er seufzte und quälte sich in eine aufrechte Position. Erst als er sicher war, das sein Kreislauf mitmachte nahm er seine Hose. Das fehlte ja jetzt noch, das er den Boden begrüßte und sie alle angelaufen kamen. Er seufzte und mühte sich dann ab, seine Hose einhändig anzuziehen, obgleich er Übung damit hatte, erschwerte es ihm die Stichwunde zusätzlich. Als er endlich fertig war lehnte er sich einen Moment zurück und schloss die Augen. Wieso ist es so still? Wo sind die alle? Wash... Er stand auf und ging aus dem Raum.

Am Esstisch saß Leah und malte. Sam saß auf dem Boden zwischen den Polstern und spielte mit zwei Fahrzeugen, vor ihm saß Nathalia, die ihrem Baby die Brust gab. Er sah sich weiter um und entdeckte Jayce in der Küche, er machte Brote fertig und entdeckte ihn just diesem Moment. „Taylor!"

Sofort wandten sich ihm alle Köpfe zu. Aufmerksame und besorgte blickte streiften ihn, lediglich in Sams Gesicht sah er nichts weiter als Freude. „Hey, ich dachte... ich sollte mal wieder aufstehen?" Fragte er und setzte sich an den Tisch zu Leah. „Hübsches Bild."

„Danke," sagte sie und schob ihm eine Karte zu. „Die ist... für dich."

Er nahm die Karte in die Hand. Sie war aus blauem Papier, vorne war ein krummes grünes Kleeblatt und eine sehr detaillierte Blume aufgemalt. Er klappte die Karte auf.

Für unseren Vater, wir haben dich lieb.

Leah

Sam

Er schmunzelte und legte einen Arm um das Mädchen, zog sie zu sich. „Danke," flüsterte er und küsste sie aufs Haar. Es tat ihm unsagbar Leid, das sie nach so kurzer Zeit die Hälfte ihrer neuen Eltern schon verloren hatten und er machte sich Sorgen, das er ihnen nicht geben konnte was sie brauchten. Er seufzte und ließ sie los, als Sam kam und sich ruhig neben ihn setzte.

„Hier, bitte." Jayce stellte ihm einen Teller mit Geschnitzeltem und Gemüse hin. Es roch gut, aber wirklich Hunger hatte er nicht. „Danke, vielleicht... später."

„Dad..." begann Nathalia vom Polstermöbel, doch Sam kam ihr zuvor, er kniete jetzt vor ihm auf der Bank und hielt ihm eine Gabel mit Gemüse genau vors Gesicht. „Wer gesund werden will, muss essen. Du...du...willst doch wieder gesund sein?" Der Anflug des Zweifels und der Angst in den so jungen Augen bohrten sich in seine. Er nickte und nahm dem Kind die Gabel ab, schob sie sich in den Mund. Der Junge setzte sich wieder, zog den Teller vor ihn und strahlte ihn an. Auch Leah war merklich erleichtert und zu seiner eigenen Überraschung kam der Hunger beim Essen doch noch.

~Leah~

Erleichtert beobachtete sie, wie er den Teller langsam leer aß. Sie war fast fünf Jahre älter wie ihr kleiner Bruder und im Gegensatz zu ihm verstand sie warum Taylor nicht essen wollte. Sie hatte auch kaum Hunger, sie fühlte sich schlecht und traurig, weil Wash tot war, sie hatte sie gemocht. Leah war sogar angefangen sie sich als Mutter vorzustellen, wie ihn als Vater, etwas das ihr vor nicht allzu entfernter Zeit noch undenkbar erschienen war. In ihren Träumen aber hatte sie sich und die anderen picknicken gesehen, spielen... Eine ganz normale Familie. Mum, ich vermisse Wash. Und dich vermisse ich jetzt auch ganz schrecklich, dass... das ist nicht fair, wir... haben dich und Daddy schon verloren, und er... seine andere Frau, das...ist...so furchtbar unfair...

Leah seufzte und schaute rasch zurück auf ihr Papier. Sie wollte nicht das er bemerkte das sie weinte. Er nicht und Sam nicht, sie wollte die beiden nicht noch trauriger machen. Tapfer stand sie auf und setzte sich neben Nathalia. Erst als sie sich bei ihr anlehnte und das Baby streichelte ließ sie ihren Tränen freien Lauf.

~Nathalia~

Sie nahm Ayani von ihrer Schulter, wo sie Bäuerchen gemacht hatte und legte sie sich in den Arm. Gerade als sie aufstehen wollte, um die Kleine weg zu legen, stand Leah vor ihr. Nathalia sah genau wie die Tränen in den Augen, der Kleinen brannten und blieb sitzen. Leah nickte, setzte sich dicht neben sie und lehnte sich bei ihr an. Während Leahs Tränen ihren Oberarm benetzten streichelte die Kleine, das Babys und gab keinen Ton von sich.

Nathalia ahnte den Grund für das stumme Leid. Erst am Morgen hatte ihr Maddy erzählt, das Leah nicht vor ihrem Bruder weinen wollte, sie war die Große, sie musste stark sein. Dieser Gedanke zwängte ihr das Herz zusammen. Leah war doch nur ein kleines Mächen und sie hatte schon ihre Eltern sterben gesehen. Sie legte ihren Kopf, auf den von Leah. „Ich hab euch lieb," sagte sie leise. Leah nickte und streichelte unverwandt weiter das Baby. Nathalia ließ sie und war fest entschlossen Leah am Abend mit in die Klinik zu nehmen.

~Jayce~

Taylor war in der Klinik, um Dr. Shannon nach seinen Wunden sehen zu lassen und Nathalia packte eine Tasche für sich, das Baby und Leah. Er war gar nicht einverstanden, mit dem was sie vorhatte und den Grund dafür verstand er schon mal gar nicht. Er war sich mit jedem Moment sicher, das sie ihm die Wahrheit verschwieg. „Nathalia," er ging zu ihr und drehte sie zu sich herum, als sie sich wieder der Tasche zu wandte. „Thalia, sieh mich an und sag mir, das es wegen der Kleinen ist."

Sie wich seinem Blick aus. „Das...das kann ich nicht."

„Dann... bitte sag mir den Grund. Peaches, bitte," flehte er sanft und suchte ihren Blick. Sie schaute auf, ihre Augen trafen sich und sie seufzte ergeben, als sie die Augen schloss, er wusste, jetzt hatte er sie. „Wegen...Wash," flüsterte sie und nun blickte sie ihm direkt in die Augen, in ihrem Gesicht eine stumme Warnung, in der Stimme, als sie weitersprach, eine flehentliche Bitte. „Sie...lebt..." Er öffnete den Mund, als die Tür aufging und Taylor zusammen mit den Kindern zurück kam, sie legte ihm rasch einen Finger auf den Mund, sah ihn warnend an und lächelte dann schnell ihrem Vater zu. „Was hat der Doktor gesagt?"

„Mmh," Taylor setzte sich mit einem missmutigen Blick. „Du sollst ihm nachher was geben, wenn er keine Tablette nimmt," erklärte Leah und schaffte es tatsächlich Taylor einen warmen Blick zu zuwerfen, während der sie ärgerlich ansah. Sam hingegen starrte seine Schwester perplex an und Jayce hatte den deutlichen Eindruck, das Leah mehr gesagt hatte, als sie gesollt hatte. „Sam, geh Zähne putzen. Leah, du auch!"

Das Mädchen nickte, packte ihren Bruder am Arm und zog ihn einfach mit sich. Er folgte den beiden, während Nathalia sich neben ihren Vater setzte.

~Taylor~

Er hatte das eindeutige Gefühl, das die beiden Mädchen keine Ruhe geben würden, bis er wieder halbwegs in Ordnung war. So jung Leah auch sein mochte, sie hatte ein feineres Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen und die Gefühlswelt der anderen, als ihm lieb war. Nathalia kam und setzte sich neben ihn, die Kinder waren unterdessen im Bad und sein Soldat folgte ihnen.

Er wusste, das Jayce die letzten zwei Nächte hier geblieben war, ebenso wie er wusste, das der junge Mann nicht hier im Wohnbereich geschlafen hatte. Es wäre wohl logisch gewesen, wenn er seine erst siebzehn jährige Tochter ermahnt hätte aufzupassen und sie zu ermahnen, das der junge Mann nichts in ihrem Bett verloren hatte. Anderseits wusste er ebenso sehr, dass er ihr vertrauen konnte. Auch bei seinem Soldaten war er sich sicher. Mehr noch, als er sich vielleicht in Puncto Reynolds und Maddy Shannon war, das dort nichts laufen würde.

Er seufzte und schaute Nathalia direkt an. „Du hast nicht vor, mich hier einfach sitzen zu lassen," sagte er ruhig, es war keine Frage gewesen, eher eine Feststellung. Sie schüttelte den Kopf. „Ich weiß, das du dich quälst, du willst den Schmerz und ich verstehe ein wenig wieso, aber... du hast keine Schuld..."

Taylor hielt die Luft an, er war erschrocken, fühlte sich ertappt und bloßgestellt. Er wollte einfach aufstehen und weggehen. Doch zum einen wusste er, dass er, wie er saß nicht so einfach aufstehen konnte. Und zum anderen würde sie ihm folgen, auch das sagte ihm ihr Blick. Sie war plötzlich, um so vieles Erwachsener, als er sie je zuvor wahrgenommen hatte. VERDAMMT! Sie ist 17! Ich...ich sollte mich um sie kümmern... Er spürte ihre Hand an seiner Wange und zwang sich, sie anzusehen, sich auf sie zu konzentrieren, statt auf Trauer und Wut.

~Nathalia~

Er sah sie an, als wolle er sie wegschicken, oder aufstehen. Sein Blick wandte sich ab. Er wirkte müde, nicht so sehr körperlich erschöpft, anders und sie sah genau seine Resignation. „Du hast nicht vor, mich hier einfach sitzen zu lassen," stellte er ruhig fest, sie hörte wie seine sonst so feste Stimme kaum merklich zitterte. Sie schüttelte den Kopf und blickte ihn ruhig an, als er zurück sah:„Ich weiß, das du dich quälst, du willst den Schmerz und ich verstehe ein wenig wieso, aber... du hast keine Schuld..." Sie musterte ihn genau, während sie mit ihm sprach. Ihr entging sein offenes Minenspiel nicht und sie wusste, das es ihm nicht bewusst war, denn ansonsten, hätte sie gar nichts gesehen. Sie legte ihm eine Hand an die Wange und drehte seinen Kopf wieder zu sich herum, sie suchte seinen Blick, seine Augen waren traurig und müde.

„Du...hast keine Schuld," sagte sie leise und atmete tief durch. „Hör auf damit, dich zu quälen. Dad, du hast dich um mich gekümmert, glaubst du wirklich, ich könnte dich jetzt alleine lassen? Für nichts auf der Welt." Er schwieg und sie schloss kurz die Augen, ohne ihre Hand von ihm zu lösen. „Dad, ich...wir brauchen dich."

„Ich weiß," sagte er und schaute sie mit traurigem Blick ernst an. „Aber... lass mir Zeit."

„Jede," sie nickte und lächelte milde. Er setzte sich aufrecht hin und dieses mal verbarg er den Schmerz dabei nicht. Es tat ihr weh ihn so zu sehen und sie schüttelte den Kopf. „Okay, du hast nur eine Wahl, Sedativa oder Schmerzmittel?" Stellte sie ihn vor die Wahl. Er schenkte ihr einen ärgerlichen Blick.

~Taylor~

Er wusste, das er im Grunde nicht wollte. Nicht mit ihr reden, nichts einnehmen und nicht schlafen. Ohne sie, war sein Bett kalt und alles irgendwie leer. Doch eben, hatte ihm seine Tochter einmal mehr bewiesen, das sie ihm keine Ruhe mehr geben würde zu viel zu grübeln. Er wusste sie hatte Recht damit, doch das führte ihm nur einmal mehr vor Augen, warum er ihre Mutter gemocht hatte, sie war wie Ayani unglaublich stark und unnachgiebig gewesen. Kaum jemand hatte sich gegen ihn lange widersetzt, die zwei schon, wie auch Wash. Er schloss kurz die Augen und nickte. „Beides," sagte er ruhig und trat an seiner verblüfften Tochter vorbei in sein Schlafzimmer.

Als sie ihm Minuten später folgte entging ihm nicht, wie sie ihn ernst musterte, ehe sie sich auf seine Bettkante setzte. „Lass dir helfen," bat sie leise. Er nickte und beobachtete nun seinerseits, wie sie ihm die Jeans zu Ende auszog. Er schluckte und streckte die Hand nach ihr aus, als sie die Hose hinter sich legte. „Nathalia, danke."

Sie schaute auf und lächelte ihm zu. Einen Moment später saß sie neben ihm und betrachtete die beiden Injektionen in ihrer Hand. „Du willst... wirklich beide?" Fragte sie abschätzend und musterte dann wieder ihn. Er nickte und nahm ihre Hand. „Ihr habt Recht, ich sollte einmal länger schlafen als nur ein paar Stunden," er seufzte und schaute zum Boden, „doch... das werde ich nicht. Ich...kann nicht..."

Sie drückte seine Hand und nickte, dann reichte sie ihm die Injektionen. Er schüttelte den Kopf. Es wurde wirklich Zeit, das er ihr zeigte, dass er ihr bedingungslos traute. „Du... weißt warum ich am Anfang, so... distanziert war?" Fragte er leise. Sie nickte und schaute ihn ruhig an.

~Nathalia~

Nachdenklich schaute sie ihn an und nickte.

„Ich... konnte nicht anders, ich... war nie gut, im...Vertrauen und ich..." er seufzte und blickte sie sehr traurig an. „Es gibt wenige die es bisher behalten haben." Er strich ihr über die Wange. Sie nahm seine Hand und nickte. Sie konnte ihn verstehen, von Alicia wusste sie, dass er in Somalia von seinem besten Freund und seiner rechten Hand verraten worden war. Dann war da noch Lucas... die Kriege in denen er gewesen war, Hope Plaza... „Schon gut, Dad, ich... verstehe es."

Er nickte und klopfte sich auf den Oberschenkel. „Gib du sie mir."

Überrascht schaute sie auf, sein Blick ruhte ruhig auf ihr. Sie brauchte einen Moment ehe sie nickte und ihm die Injektionen verabreichte, von beidem ungefähr ein Drittel. Anschließend reichte sie ihm die Decke als er sich hinlegte. Sie konnte zusehen, wie er einschlief und blieb da, bis sein Atem ruhig und gleichmäßig war, sie beugte sich vor und küsste seine Wange. „Verzeih mir, Dad. Ich... bin im Moment nicht ganz ehrlich, verzeih mir," flüsterte sie, stand auf und verließ seinen Raum.

Fixverband = Klebeverband, in Krankenhäusern und Praxen findet man das oft unter dem Namen Fixomull

Ja ich könnte sehr viel realistischer Medigabe, Verletzungen und Co ausführen, aber erstens wozu? Und zweitens komme ich dann zu schnell ins Fachchinesisch, aufgrund der GuK- Ausbildung, also lasse ich es, und drittens es stört mich gar nicht, wenn dadurch immer mal wieder Kommentare kommen wie: „Wenn das aber so ist, dann..."

*g*

Also Button bitte nutzen bis dann!