Date: 20.Dezmber

Author: Godiva

Category: Short Story

Characters/Pairing: Ginny/Fleur (Ginny/Harry, Fleur/Bill)

Genre: Femmeslash, Comfort

Rating: PG-12

Disclaimer: Sie gehören J.K. Rowling, die vermutlich entsetzt wäre

Authors Note: Mein erster Femmeslash Versuch – allerdings ein äusserst zahmer.

Ginny sah sich ungeduldig um und spielte mit ihrem Ehering. Ihr Mund verzog sich angeekelt, als sie die geschmacklose Dekoration im Café begutachtete. Das viele Plastik schaffte es erfolgreich jegliche Weihnachtsstimmung in ihr zu vertreiben. Diese Muggelgegend war ihr völlig unvertraut, warum Harry ausgerechnet hier seine Weihnachtskäufe erledigen wollte, war ihr schleierhaft. Es war ein hässliches Stadzentrum aus den 1960-ern, wie es in England zu viele gab (und das sagte Harry gerne selber) und an Läden gab es hier nur das übliche. Zu allem Überfluss hatte Harry vor – Ginny sah auf die Uhr – vor einer Dreiviertelstunde einen Anruf erhalten und war zurück ins Ministerium appariert mit den Worten „Es dauert bestimmt nicht lange Schatz." Sie tappte ungeduldig auf den Tisch. Ihre Definition von „Nicht lange" sah anders aus. Sie schreckte aus ihren Gedanken hoch, als sich jemand an ihren Tisch setzte. Abfällig mass sie das makellose Gesicht Fleur's vor ihr, das etwas durch Fleurs säuerliches Lächeln verunstaltet wurde.

„'allo."

„Du hier?" Ginny gab sich erst gar nicht die Mühe höflich zu ihrer Schwägerin zu sein.

„Ja", bemerkte Fleur schlicht. „Ich sass schon die ganze Zeit in diesem Café und 'abe dich beobachtet."

„Was …" Jetzt wo sie es sich noch einmal überlegte … die Frage ‚Du hier' war eigentlich sehr berechtigt. Wie kam Fleur an den gleichen gottverlassenen Ort wie sie. „Du hier?" wiederholte sie also.

„Ich glaube, das ist zweifelsfrei." Fleur sah sie ein wenig herablassend an. „Ich kam mit Bill 'ier 'er, aber du 'ast uns nicht bemerkt. Ich wollte 'arry natürlich begrüssen, aber Bill wollte nicht. Kurz darauf musste er dringend ‚kurz' weg und kurz darauf bemerkte ich, dass auch 'arry verschwand."

„Du meinst …" Ginny sah sie fassungslos an. Sie hatte gedacht, das Thema wäre vorbei. Bill und Harry bemühten sich seit Jahren verzweifelt, Fleur und Ginny aneinander zu gewöhnen – ‚als ob wir Haustiere wären' hatte Ginny sich einmal bei Harry beschwert. Mittlerweile waren Ginny und Harry Ende Zwanzig, verheiratet seit Ginny 20 war. Fleur und Bill waren Mitte 30 und hatten noch vor Voldemorts Fall geheiratet. Die beiden jungen Frauen verstanden sich heute allerdings immer noch nicht besser als damals. Es war Ginny durchaus bewusst, dass sie Familienfeiern bei den Weasleys teilweise zu einer unangenehmen Angelegenheit machten, aber sie konnte sich nicht helfen. Sie konnte Fleur nicht ausstehen und die Abneigung war gegenseitig.

„Ginny?" Fleurs scharfe Stimme holte sie in die Gegenwart zurück.

„Was?" gab sie ebenso scharf zurück.

„Ich 'abe dich bereits dreimal angesprochen", erklärte Fleur mit Würde. „Ich 'abe ausgesprochen, was du gedacht hast. Bill und 'arry haben uns sitzen gelassen. Was sie sich davon er'offen, weiss ich nicht."

Ginny verdrehte die Augen. „Ich weiss, was sie sich erhoffen. Das gleiche, was sie sich schon seit Jahren wünschen."

„Oh Fleur, ich wünschte dieses Weihnachtsfest würde mir nicht verdorben durch einen Streit zwischen dir und Ginny", ahmte Fleur ihren Mann nach. Gegen ihren Willen grinste Ginny ein wenig.

„So ähnlich drückt Harry sich auch aus."

„Dabei könnten sie friedlichere Weihnachten haben, wenn sie zulassen würden, dass wir uns aus dem Weg gehen", erklärte Fleur.

„Genau", sagte Ginny, für einmal völlig Fleurs Meinung. „Wenn man immer die beiden Personen nebeneinander setzt, die am wenigsten miteinander können, muss man sich nicht wundern, dass es jede Weihnachten Streit gibt."

„Erinnerst du dich noch an das Jahr, in dem sie unsere Geschenke gemixt hatten, damit wir miteinander reden?" erkundige sich Fleur.

„Ja." Ginnys Stirn umwölkte sich. „Ich hätte die Diamantenkette gerne behalten."

„Es war meine … die 'atte Bill mir gekauft. Es ist nicht mein Fehler, wenn 'arry dir nicht solche Geschenke macht."

Sie schwiegen wieder. Dann griff Ginny nach ihrem Glas und trank ihre Cola fertig. „Ich frage, mich wie ich jetzt nach Hause kommen soll."

„Apparieren?" erkundigte Fleur sich schnippisch. „Bill und 'arry werden doch wohl nicht annehmen, dass wir jetzt stundenlang in diesem Café sitzen und auf sie warten."

Ginny wurde rot – vor Wut. „Du weißt genau, dass ich schwanger bin!"

Fleurs Gesicht nach zu urteilen, hatte sie es erfolgreich verdrängt – sie und Bill hatten keine Kinder und es wurde immer unwahrscheinlicher, dass St.Mungos ihnen noch zu welchen verhelfen konnte.

„Eine schwanger Hexe sollte nicht apparieren, denn es besteht eine grosses Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr ungeborenes Kind zurücklässt. Nur Hexen mit grossem Talent und grosser Erfahrung im Apparieren sollten dieses Risiko auf sich nehmen", dozierte Ginny im Lehrertonfall. Fleur sah sie wütend an.

„Wie bist du 'ergekommen."

„Im Auto mit Harry. Aber er hat den Schlüssel und ich keinen Führerschein."

„Und Möglichkeiten zum flo'en kennst du hier?" erkundigte Fleur sich in einem Tonfall, der Ginnys Kopfschütteln vorwegnahm. Fleur stand energisch auf.

„Tür und Zündschloss sind kein Problem und ich habe einen Fü'rerschein. Ich werde dich nach 'ause fahren. Du kennst den Weg?"

„Ich sollte es finden." Ginny erhob sich ebenfalls. „Harry soll sich nur etwas wundern, wenn er zurückkommt."

Fleurs Lächeln kam schon fast an das diabolische Grinsen ihrer Schwager Fred und George heran.

Sie legten den Weg zu Harrys Auto schweigend zurück und mit einer diskreten Bewegung des Zauberstabes in ihrer Handtasche, hatte Fleur das Auto tatsächlich geöffnet ohne den Alarm auszulösen. Es kam Ginny in den Sinn, wie achtlos Harry und sie in den letzten Jahren geworden waren. In den ersten Jahren nach Voldemorts Fall, als noch viele ehemalige Todesser England unsicher machen, hätte Harry einen Schutz gegen einen solch magischen Einbruch gehabt, aber Fleur schaffte es problemlos, den Wagen zu starten.

Es war zwar deutlich, dass Fleur nicht gerade viel Fahrpraxis besass, aber sie schafften es problemlos aus der Stadt heraus und in Richtung des Dorfes, in dem Ginny und Harry sich niedergelassen hatten. Als Fleur auf dem Land die falsche Abfahrt in einem Kreisel nahm, wurde sie sofort von Ginny angefahren.

„Ich habe doch gesagt Richtung Leamington! Wie sollen wir denn je, ankommen, wenn du mir nie zuhörst."

„Du 'ast es mir zu spät gesagt, ich war bereits falsch eingeordnet." Fleur funkelte sie wütend an – immer noch wunderschön in ihrer Wut.

„Habe ich nicht!"

„'ast du wohl." Fleur fuhr den Wagen an den Strassenrand. „Weißt du, ich kann jetzt auch einfach apparieren und 'arry dann sagen, falls ich ihn finde, wo seine kleine Frau ist."

„Dazu fehlt dir die Courage!"

„Ach ja?" Der Motor stellte sich ab und Fleur öffnete die Tür. „Ich war Champion im Trimagischen Turnier, weißt du."

„Bill wird sauer sein, wenn du mich hier sitzen lässte," drohte Ginny, jetzt doch etwas hilflos wirkend.

„Bill wird mir verzei'en. Du 'ast mich provoziert." Fleur sah sich suchend um, dann stieg sie wieder ins Auto. „Ich muss noch ein Stück fahren um einen Ort zu finden um zu apparieren."

Ginny seufzte. „Jaja, du hattest Recht. Aber fahr mich nach Hause."

Fleur sah sie kritisch an, zuckte dann aber elegant mit den Schultern. „Nun gut. Ich 'offe es ist nicht mehr weit."

„Ist es nicht."

Sie schwiegen den Rest der Fahrt, bis auf Ginnys Richtungsanweisungen, die nun immer pünktlich kamen. Als sie vor dem Haus standen und Fleur die Delle, die der Pfosten im Auto hinterlassen hatte zum verschwinden gebracht hatte, sah Ginny sie ein wenig unsicher an.

„Du kannst auch erst noch etwas trinken, bevor du heimapparierst."

Fleur sah sie überrascht an, erkannte dann aber die Entschuldigung und nickte.

„Und dann gehe ich 'eim und sage Bill die Meinung."

„Harry wird sich wundern, dass wir gemeinsam hier auftauchen", bemerkte Ginny. Fleur lachte nur ihr perlendes Lachen, das Ginny so auf den Geist ging.

Es stellte sich heraus, dass Harry wider Erwarten nicht zu Hause war. Entweder er war tatsächlich noch einmal arbeiten gegangen oder dieser Hund vergnügte sich gerade irgendwo, während er seiner schwangeren Ehefrau (nun, es war erst der dritte Monat, aber immerhin) mit ihrem Hassobjekt alleine liess. Der sollte froh sein, wenn Ginny ihn in das Schlafzimmer liess. Missmutig stellte sie sich in die Küche und bereitete den Tee zu (Fleur würde niemals englischen Kaffee trinken) und arrangierte noch etwas nachlässig Mandarinen und Mince Pies auf einem Teller, den sie ins Wohnzimmer schweben liess. Überraschenderweise kritisierte Fleur nichts. Dann lag plötzlich ihre Hand auf Ginnys Oberschenkel. Sie schaffte es, nicht zusammenzuzucken, aber eine verräterische Röte kroch in ihr Gesicht, als sich ein Kribbeln in ihrem Körper ausbreitete. Ihre Schwägerin bemerkte sie noch nicht, ihre schönen Augen waren seltsam abwesend, als sie Ginny in die Augen schaute.

„Meinst du, Bill und 'arry 'aben Recht? Dass wir uns kindisch benehmen?"

„Sie aber auch …." Brachte Ginny heraus. Warum sah Fleur noch einmal so gut aus? Und warum war sie so nett? Die Hand bewegte sich nicht von ihrem Oberschenkel weg.

„Oh ja …" Fleur schüttelte leicht den Kopf, schien sich aber nicht wirklich für das Thema zu interessieren. „Darf ich deinen Bauch fühlen?"

„Da spürt man noch nichts …"

Fleur schien diese Worte als Aufforderung zu verstehen und begann mit ihrer zweiten Hand sanft über Ginnys Bäuchlein zu streicheln, das noch sehr bescheiden war.

„Ich 'abe dich zum ersten Mal wirklich ge'asst, als ich davon erfahren 'abe …" sagte sie plötzlich. Was sagte man auf so ein Geständnis? Ginny zog es vor zu schweigen. Fleur sah verträumt auf ihren Bauch.

„Ich wollte auch Kinder. So sehr. Aber der Krieg …"

Niemand wusste, was für einen Spruch MacNair benutzt hatte, aber auch die besten Heiler St.Mungos hatten Fleurs Fruchtbarkeit nicht wiederherstellen können. Davon abgesehen, dass Bill Angst hatte, seine Kinder könnten auch zu Werwölfen werden. Es schien ganz natürlich, dass Ginny Fleurs Wange streichelte und ihr die Träne aus dem Augenwinkel wischte. „Es tut mir wirklich leid … für euch beide," flüsterte sie. Fleur bemühte sich tapfer zu lächeln.

„Seitdem … ich komme mir vor, wie eine 'albe Frau."

Ginny streichelte weiter über ihre Wange. „Fleur …"

Fleur streichelte wieder Ginnys Bauch. „Aber du … du kannst Kinder bekommen."

Ginny seufzte leise. „Ich hoffe es …" Zwei Schwangerschaften hatten bereits in Fehlgeburten geendet.

„Bestimmt …" Fleur streichelte sanft weiter. „Dieses 'ier wird geboren werden, ich spüre es."

Sie schwiegen wieder, hielten sich nur und streichelten einander beruhigend, über Wange, Bauch, Rücken, Arme … langsam, unbeabsichtigt von beiden wurde diese Berührungen mehr. Ginny bemerkte es mit einem vagen Entsetzen, aber das schien auf einer anderen Ebene statt zu finden, als ihre Körperkontrolle, den ihr Mund legte sich auf Fleurs. Es war ein recht keuscher Kuss, immer noch trösteten sie einander und doch … Ginny konnte nicht verleugnen, dass ein gewisses Verlangen dahinter lag. Ihre Hände fuhren langsam unter Fleurs Hemd, die es ihr gleichtat. Dann stoppten sie beide simultan und sahen einander in die Augen. Entsetzen spiegelt sich in entsetzten Augen. Als hätten sie sich verbrannt liessen sie einander los. Ginny holte tief Luft, wollte aus Gewohnheit Fleur beschimpfen. Dann sackte sie etwas in sich zusammen.

„Wir waren es beide, oder?"

„Ja …" Fleurs Stimme hörte sich schwach an. „Ich weiss auch nicht, wie es kam … du bist so süss, du fühltest dich so gut an …"

Ein unangenehmes Schweigen breitete sich aus. Ginny war verzweifelt. Wie konnte sie nur? Sie liebte Harry doch, hatte nie jemanden anders geliebt und bestimmt noch keine Frau! Als sie zu Fleur schielte, bemerkte sie, dass diese auch völlig aufgelöst wirkte. Wenn es etwas gab, was Ginny ihrer Schwägerin schon seit ihrem fünften Schuljahr nicht mehr vorwarf, so war es fehlende Liebe zu ihrem geliebten Bruder Bill. Sie hatte nur bis zu diesem Tag nie verstanden, warum Bill diese Liebe erwiderte.

Sie schreckten erst wieder hoch, als aus der Küche der charakteristische Knall des Apparierens ertönte.

„Ginny?" hörten sie Harrys Stimme. „Wie bist du nach Hause gekommen? Stell dir vor, mein Auto wurde ge …"

Harry hielt inne, als er ins Wohnzimmer trat und seine Frau mit Fleur auf dem Sofa sitzen soll. Ginnys Wangen waren zwar noch gerötet, aber ihre Stimme war kühl.

„Fleur hat mich nach Hause gefahren. Du brauchst eine bessere Einbruchssicherung."

Sie erhob sich würdevoll – nur um kurz darauf noch übertroffen zu werden, von Fleurs gebaren. Diese sah Harry mit einer Herablassung an, die schlecht dazu passte, dass sie keine zehn Minuten zuvor in Begriff gewesen war seine Frau zu verführen. „Guten Tag, 'arry. Ich gehe dann wieder, jetzt wo du dich wieder um deine schwangere Frau kümmern kannst."

Sie nickte Ginny zu, aber Ginny ahnte, dass Unsicherheit hinter ihrem kalten Gehabe steckte.

Sie sah Harry an und hoffte er bemerkte ihr schlechtes Gewissen nicht. Aber als Fleur wegappariert war, sah er Ginny nur neugierig an, traute sich aber offensichtlich nicht, etwas zu fragen.

„Sie ist ganz Ordnung", erklärte Ginny dann. „Euer Plan ist aufgegangen, wir werden euch Weihnachten nicht verderben, hurra. Und jetzt gehe ich baden."

„Aber …" Harry war wohl ein wenig perplex, als seine Frau ohne Begrüssungskuss (oder alternativ, ohne Szene) ihn im Wohnzimmer stehen liess.