Zusammenfassung
Hermione, die eine Hausarbeit für Professor Binns zu schreiben hat, stößt bei ihren Nachforschungen auf Texte aus Hogwarts. Unter anderem fällt ihr das Tagebuch Helga Hufflepuff's in die Hände, in der die genauen Begleitumstände beschrieben sind, wie es zur Gründung Hogwarts kam.
Die Tagebucheinträge beginnen mit dem Tod der Familie von Helga, die 954n.Chr. von Soldaten des Eldorman von Cornwall und Ratsmitglied des Bundes der Wölfe, Solmen Slytherin, getötet werden. Solmen Slytherin versucht dabei hinter das Geheimnis des legendären Schwertes Hrunting zu kommen, doch zunächst scheitert auch sein ausgesandter Fährtensucher und Werleopard Nadal Lynx, als die zehnjährige Helga mit Hilfe des Halbelfen Richard Eriugena und seinem Schüler Godric Gryffindor sicher nach Tenby in Wales gelangt. Erst als im Jahr 955 der Konflikt in Wales um die die Könighäuser Deheubarth und Gwynedd eskaliert und Godric während eines Kampfes überwältigt und nach Gwynedd verschleppt wird, wo er schließlich als Geisel Melangell, die Tochter des gwyneddischen Hofzauberers Gwefrfawr kennen lernt, bekommt Nadal Helga in die Hand. Er rettet sie vor einem Dementorenangriff und erlebt mit ihr den Blick in die Zukunft der Sabberhexe Oilell, die Nadals Tod in einer großen Schlacht zwischen vier mächtigen Zauberern und Nadals zukünftigen Herrn, dem schwarzen Eldorman, hervorsagt. Ehe sie weiteres vorhersagen kann, greift der Irrsinn nach ihr, so dass Nadal und Helga nach Bodmin, der Heimburg der Slytherins, fliehen müssen. Hier überlässt Nadal gezwungenermaßen Helga dem Bund, doch er schwört, dem Mädchen Hilfe zu senden. Godric dagegen verliebt sich in Caernarfon in Melangell, muss aber mit ihr nach Dinas Emrys fliehen, als man ihn ermorden will. Doch König Iago von Gywnedd kann ihn verfolgen, da Wikinger in sein Land einfallen. So muss er sich dieser Gefahr erstmal stellen.
Währenddessen lässt Solmen König Eadred vergiften, was selbst Dunstan von Glastonbury, der Berater des Königs, nicht verhindern kann. Ziel des Bundes der Wölfe ist es, einen magischen König auf den Thron zu bringen. Dabei allerdings gehen die Ratsmitglieder unterschiedliche Wege. Während die Konkubine Ethelgiva Eadreds Nachfolger Eadwig mit ihrer Tochter Edgiva verheiraten möchte, damit seine Nachfolger magisch werden, plant der Bischof von Winchester, Aelfsige Eadwigs Tod. Dabei möchte er zugleich Solmen aus dem Rat entfernen, indem er seinen Sohn Salazar in das Attentat auf den König verwickelt. Doch mit Hilfe des schwarzen Eldorman, kann Solmen die Intrige aufdecken und den Plan vereiteln. Cuthburh, die Freundin Salazars und Zofe Edgivas, wird bei dem Attentat sehr schwer verletzt. Nur mit größter Hilfe könnte sie überleben, doch diese Hilfe verweigert Solmen Salazar. Er lässt nach einem Disput mit seinem Sohn, diesen und dessen Geliebte in den Kerker werfen, wo Salazar schließlich Cuthburh aus Gnade tötet. Als er sich selbst töten will, greift Helga ein. Mit Hilfe des Schwertes Hrunting, dem legendäre Drachenschwert des Sigurds, können Helga und Salazar sich aus dem Kerker befreien.
Dunstan von Glastonbury, der die Macht des Bundes einschränken könnte, verliert durch einen Disput mit dem neuen König seine Machtposition und Einfluss. England scheint so einer unsicheren Zukunft entgegenzustreben, immer mehr Fürsten lehnen sich gegen den neuen König auf. Nachdem Dunstan die königlichen Siegel abgeben muss und Winchester verlässt, wird er vom Bund überfallen, die ihn in das Attentat auf den König verwickeln wollen. Schwer verletzt überlebt er, doch er muss England verlassen, damit Eadwigs Bruder Edgar die Zeit bekommt, sich gegen König Eadwig zu stellen. Doch König Eadwig lässt ihm kaum Zeit… und zerstört dabei auch noch die Abtei Glastonbury.
19. Auf der Flucht
Hampshire, Ende Februar 956 n. Chr.
„Haltet an!"
Der bewaffnete Soldat hob seinen Arm und brachte schließlich den Kutscher dazu, die Zügel zu ziehen.
„Was ist los?", quäkte von innen eine Stimme, die eindeutig einem Mann zuzuordnen war. Kurz darauf ertönte aus dem Inneren der Kutsche: „Oswald? OSWALD!"
„Was gibt es, Herr?"
Ein bewaffneter Reiter trabte neben die Kutsche, in Hörweite der davor aufgebauten Soldaten, und rief in die Kutsche hinein: „Herr?"
„Frag' den Kutscher nach, warum wir schon wieder anhalten. Wir hätten schon längst bei meinem Bruder in Southampton sein können, wenn wir nicht ständig von irgendetwas aufgehalten werden würden."
„Herr, es scheint wieder eine Patrouille zu sein", sagte Oswald in die Kutsche hinein.
„Was, schon wieder… was suchen die denn bloß?"
„Ganz recht… wir suchen einen Hochverräter und seine Ordensbrüder", meinte der Soldat, trat an die Kutsche, öffnete sie und schaute in den Innenraum. Ein kleiner Mann mit weißem Bart saß auf einer Bank, gekleidet in fürstlichen Gewändern, zusammen mit einem hübschen Mädchen, welches recht freizügige Kleidung trug. Während das Mädchen demütig nach unten sah, funkelte der kleine Mann den Soldaten giftig an.
„Was machen Sie da? Haben Sie keine Manieren? Das ist eine Unverschämtheit! Einfach die Tür aufreißen. Ich, Wilfur, Thegn von Bath, werde hier auf der Straße von jedem einfachen Soldaten angehalten und untersucht? Wer ist ihr Vorgesetzter, Mann? Ich werde mich entsprechend beschweren. Das wird Folgen haben."
Der Soldat erbleichte ein wenig aufgrund des Redeschwalles. Noch einmal blickte er umher… doch Dunstan von Glastonbury schien auch in dieser Kutsche nicht anwesend zu sein. Selbst unter dem Teppich, der flach in der Kutsche auslag, konnte Dunstan nicht verborgen sein.
„Entschuldigt, bitte, Thegn… aber Eldorman Aelfhere hat uns eigenhändig befohlen, jedes Fahrzeug, dass hier die Straße entlangkommt, zu untersuchen."
„Dennoch könnt ihr nicht einfach die Tür aufreißen, Mann. Er müsste erst einmal anfragen, ob er die Tür öffnen könnt. So ein Bauerntölpel. Kein Manieren."
Noch einmal schluckte der Soldat, ehe er die Tür wieder schloss und dem Kutscher das Zeichen gab, weiterfahren zu dürfen. Knarrend setze sich die Kutsche wieder in Bewegung und schon recht bald waren die Soldaten nicht mehr zu sehen. Richard schaute hinaus und rief Oswald zu sich.
„Alles klar, Oswald?"
„Alles klar, Meister Eriugena. Allerdings frage ich mich, wie ihr das wirklich hinbekommt."
„Fragt nicht. Für einen nicht magischen Menschen ist dies ein schwieriger Prozess."
Dann schloss er die Tür endgültig und hob seinen Zauberstab… im nächsten Moment verwandelte sich seine Kleidung, wie auch die Kleidung seiner Begleiterin. Abermals schwang er seinen Zauberstab… und der Teppich auf dem Boden begann sich leicht zu bewegen.
„Unangenehme Stellung", sagte Dunstan und richtete sich auf. „Ich habe schon gedacht, jetzt kommt einer der Soldaten rein und wird auf mich treten."
„Worauf ihr natürlich laut geflucht hättet, nicht wahr", fragte Richard Dunstan lächelnd.
„Natürlich… oder hättet ihr es gerne, wenn jemand auf euch herumtrampelt?" Dunstan setzte sich neben Rowena und nickte auch ihr zu.
„Ich frage mich nur, Meister Richard, warum meine Kleidung mehr verrucht ist, während eure so fürstlich daherkommt", fragte Rowena ihn ein wenig pikiert.
„Ich glaube, es sehe ein wenig merkwürdig aus, wenn ich verruchte Kleidung tragen würde, Schwester Rowena. Aber ich werde euch einen Grund geben… die Soldaten sind meist Männer. Wenn sie nun in die Kutsche schauen, dann fällt ihr Blick oft auf euch… und so nehmen sie die anderen Dinge, wie den Teppich, gar nicht wahr. Dieses und mein Zetern verwirrt sie… und lässt sie glauben, ein alter Quälgeist sei mit seiner Geliebten auf dem Weg nach Southampton. Und später erinnern sie sich vielleicht nicht mehr so genau an die Personen, an die Wachen… eben allenfalls an euch, Rowena…"
„Ich fühle mich so…"
„Denkt nur daran, dass wir so schadlos nach Southampton kommen werden."
Richard schaute sie freundlich an, nahm seinen spitzen Hut aus einer Tasche und setzte sich ihn wieder auf den Kopf, ehe er sich wieder seiner Lektüre widmete, die ebenfalls in der Tasche ruhte.
„Ich hoffe nur nicht, dass die nächste Patrouille so unerwartet kommen, so dass wir kaum Zeit haben werden, uns wieder zu verwandeln", sagte Richard über seinen Unterlagen.
„Nun, ich glaube nicht, dass der nächste Halt zu unverhofft kommt, Abbas… auf der Straße liegt ein umgestürzter Baum", hörte Dunstan von außen Oswald sagen. Richard seufzte, hob seinen Zauberstab, um Rowena, Dunstan und ihn abermals zu verwandeln, als Oswald hinzufügte: "Aber von Soldaten keine Spur".
„Dennoch verdächtig… Oswald, reitet voraus und siehe dich um. Vielleicht sind die Soldaten irgendwo im Gebüsch verborgen… oder gar anderes Gesindel, welches uns auflauern will", sagte Dunstan von Glastonbury, wobei er Richard signalisierte, mit der Zauberei abzuwarten. Der Kleriker aus Canterbury ritt voran, schaute sich um und kehrte zur Kutsche zurück.
„Sieht nicht aus, als würde dort jemand die Kutsche aufhalten wollen. Der Baum ist jedenfalls auf natürliche Weise umgestürzt."
„Braucht ihr Hilfe, Oswald?", fragte Richard den Kleriker, doch dieser schüttelte den Kopf.
„Ich glaube, dass schaffen wir auch ohne euch."
Wenige Augenblicke später war die Kutsche am Baum angelangt und schon begannen die Brüder Dunstans und Oswald damit, diesen von der Straße zu heben. Richard, Dunstan und Rowena nutzten den Augenblick, um einmal aus der Kutsche zu kommen und sich die Beine zu vertreten. Schließlich gelang es den Männern den Baum zur Seite zu ziehen und die Straße wieder frei zu machen.
„Hoffen wir mal, dass wir bis Southampton nun keine weiteren Halt machen müssen", sagte Dunstan zu den beiden anderen und begann die Kutsche wieder zu besteigen.
„Nun, dass kann ich nicht garantieren."
Dunstan starrte in die Kutsche auf einen Schatten, der bereits in die Kutsche befand und ihm geantwortet hatte. Die Person, die einherging mit dem Schatten der Kutsche, schien in seiner schwarzen Kutte vollständig zu verschwinden.
„Nadal!", rief Richard und zog seinen Zauberstab heraus, doch das Wesen machte eine abweisende Handbewegung.
„Nicht doch, Halbelf, nicht doch. Ich habe euch hier nicht anhalten lassen, um euch euer Leben zu nehmen oder gar euch zu berauben. Ich wollte euch eigentlich nur eine Information zukommen lassen… eine Information, die gerade für euch, Halbelf, wichtig sein wird."
Richard kniff die Augen zusammen… bereit mit dem Zauberstab den Werleoparden zu verfluchen… doch er wartete ab.
„Wer sind Sie… was für ein Wesen ist dies, Meister Richard", sagte Rowena und starrte Nadal ebenso erstaunt an, wie Dunstan.
„Entschuldigt, meine Liebe, dass ich mich euch und, wie es mir scheint, Dunstan von Glastonbury, noch nicht vorgestellt habe. Mein Name ist Nadal Lynx… und ich stand im Auftrag von Solmen von Bodmin, dem Herrn über Slytherin, Eldorman von Cornwall… und Ratsmitglied des Bundes der Wölfe."
„Der Bund der Wölfe… ihr habt mit ihnen zu tun", fragte Dunstan vorsichtig, wobei er ebenfalls das verhüllte Wesen vorsichtig betrachtete.
„Nun, ich habe von Solmen meine Aufträge erhalten… als Fährtensucher, Jäger und… Meuchelmörder."
„Ein Assassine… euer Name… ihr stammt nicht aus England?"
„Nein, aus Süd-Ägypten… doch ich bitte euch, Dunstan von Glastonbury, und euch…"
„Schwester Rowena von Ravenclaw", erwiderte Rowena.
„…Schwester Rowena um Entschuldigung. Ich stehe euch gern zu einer anderen Zeit zur Verfügung, aber ich möchte nun unserem Halbelfen meine Information mitteilen, ehe sie veraltet oder unbrauchbar ist. Immerhin musste ich hier einige Zeit auf euch warten, nachdem ich eure Spur endlich gefunden habe, Halbelf. Ich wollte euch mitteilen, dass mein letzter Auftrag erfolgreich gewesen ist."
„Und? Was interessiert mich euer letzter Auftrag, Werwesen!"
„Ein Werwesen?", rief Rowena erstaunt und wich vor dem dunklen Schatten zurück. Sogleich hatte auch sie ihren Zauberstab gezogen und hielt ihn, leicht zitternd in der Hand.
„Hach… bin ich denn nur von Unfähigen und Menschen umgeben, die mir nicht zuhören wollen. Halbelf, ich habe euch für intelligenter gehalten. Meinen letzten Auftrag hattet ihr mit diesem Animagus fast vereitelt… doch nun konnte ich ihn doch erfolgreich abschließen und die Gefangene nach Bodmin bringen."
„Ihr habt… Moment… wollt ihr damit sagen, dass Helga sich in Bodmin aufhält… in den Fängen Solmens?"
„Mein Gott, er hat es. Aber wie lange es gedauert hat!", sinnierte Nadal vor sich hin.
Die Kutsche begann wieder zu fahren, doch schien dies keinen der Insassen zu interessieren.
„Wer ist diese Helga?", fragte Dunstan und schaute Richard an, ehe er wieder seinen Blick auf Nadal warf.
„Helga Hufflepuff. Sie war das Mädchen…", begann Richard, doch Dunstan unterbrach ihn.
„Hufflepuff? Sie sollte von Solmen gefangen genommen werden, wegen des Schwertes…"
„…Hrunting. Ja, Abbas. Jenem magischen Schwert, dessen Hinweise wir im Beowulf gefunden haben. Helga Familie kann mit dem augenblicklichen Aufenthaltsort des Schwertes zu tun haben. Wir wissen nicht wie oder wo, aber Solmen jagte das Mädchen, nachdem er ihre Familie tötete. Nur mit Hilfe meines Schülers Godrics konnte Helga diesem Jäger hier…", Richards zeigte mit dem ausgestreckten Zauberstab auf Nadal… "entkommen. Doch nun sagt mir, Nadal, warum erzählt ihr mir, dass Helga in eure Hand gefallen ist… wobei dann Godric wohl tot sei…?"
„Also, ich weiß nichts von eurem Animagus… als ich ihn das letzte Mal sah, hatte er sich gerade eine kleine Schlacht mit gwyneddischen Truppen geliefert und war überwältigt worden. Ich eilte eurem Schützling hinterher, rettete ihr Leben vor Dementoren und brachte sie schließlich nach Bodmin. Allerdings…"
Nadal machte eine kleine Pause und sog die nächtliche kalte Luft ein.
„Allerdings war mein Auftraggeber nicht gerade sehr freundlich zu mir. Er hat mir zwar den versprochenen Sold ausbezahlt, doch zuvor, nachdem ich zunächst ohne sie nach Bodmin zurückkehrte, hatte Solmen mir überdeutlich klargemacht, was es heißt, in seinem Sinne versagt zu haben. Es zeigte mir, dass ich für ihn nur ein Mittel zum Zweck bin, welches er wenig achtet. Außerdem… irgendwie tut mir die Kleine leid, sie einem solchem Schlächter übergeben zu haben. Sie war… und ich hoffe, sie ist es noch, ein bemerkenswertes kleines Persönchen… mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Nun, nachdem ich meinen Auftrag ausgeführt habe und nicht mehr unter Sold des Bundes stehe, dachte ich mir, ich könnte in meinem eigenen Interesse…"
„Was wollt ihr für diese Information, Nadal?"
„Nun, ich dachte, Halbelf, wenn ich euch nach Bodmin bringe… könntet ihr mich vielleicht auf eurem Schiff mitnehmen, mit dem ihr England verlassen wollt. Ich habe nämlich auch vor, dieses Land zu verlassen, um in meine Heimat zurückzukehren."
Richard schaute Dunstan an, dann Rowena.
„Abbas… ich bitte euch, mir die Möglichkeit zu geben, nach Bodmin zu reisen, um Helga aus den Fängen des Bundes zu befreien. Wir können Helga nicht dort lassen… Solmen würde versuchen, ihre Informationen über das Schwert aus ihr herauszufoltern. Bitte Abbas…"
Dunstan schaute auf den flehenden kleinen Mann.
„Abbas… ich werde auf jeden Fall Meister Richard begleiten. Wir können dieses Mädchen nicht in jenen Fängen belassen", sagte Rowena, worauf Richard die junge Hexe dankbar ansah.
„Nun, gut… ich kann versuchen, dass Schiff vielleicht die eine oder andere Stunde aufhalten… doch wenn ihr nicht gegen Morgengrauen zurück seid, werde ich mit dem Schiff auslaufen. Jede weitere Stunde würde unsere Pläne immens gefährden."
„So soll es sein… gut, Nadal, ihr habt gehört… führt mich und Schwester Rowena nun nach Bodmin!"
Nadal lächelte den Halbelf an.
„Dann haltet euch an mir fest", sagte er, ehe er seinen Zauberstab zückte und nach Bodmin apparierte.
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Festung Bodmin, Ende Februar 956 n. Chr.
„Vorsichtig!"
Salazar zog Helga gerade noch rechtzeitig hinter einen Vorsprung, ehe sie von zwei Wachen des Hauses Slytherin bemerkt worden war.
„Lauf nicht so leichtsinnig voraus… hier gibt es genügend versteckte Türen und Tore, aus denen unbemerkt und plötzlich jemand hervorkommen kann", flüsterte er in Richtung Helga, die ihn mit großen Augen ansah. Salazar duckte sich und lugte hinter dem Vorsprung hervor. Die beiden Wachen schienen verschwunden zu sein.
„Aber wenn wir so langsam vorankommen, glaubst du nicht, dass man dann unseren Ausbruch bemerkt?", fragte Helga den größeren Jungen ebenfalls leise.
„Das müssen wir in Kauf nehmen… allerdings habe ich noch einen Trick auf Lager", sagte Salazar und lächelte verwegen.
„Einen Trick?"
Doch Salazar lächelte nur, schaute dann noch einmal um den Vorsprung, nickte dann und schob Helga vor sich her. Leise, aber doch einigermaßen schnell überquerten Helga und Salazar den Innenhof der Burg, wobei Salazar unter dem Gewicht der toten Cuthburh leicht aufstöhnte. Schon waren sie der Torhalle sehr nahe gekommen, als abermals Salazar Helga und ihr Schwert hinter einen Karren zerrte.
„Au… du tust mir weh!"
Salazar schüttelte den Kopf und zeigte nur auf die Torhalle, die von weiteren Wachen bewacht wurde.
„Wie kommen wir dort hindurch?", fragte Helga Salazar entsetzt. Sie konnte keinen anderen Weg sehen, wie sie aus der inneren Burg in die äußere oder gar außerhalb von Bodmin gelangen konnte.
„Dadurch", sagte Salazar und zeigte auf ein Gebäude mit kleinen Türmen auf dem Dach.
„Dort gibt es einen Weg nach draußen?"
„Nein, das ist das Zeughaus… und dort drinnen gibt es die Rüstkammer. Wenn wir Glück haben finden wir dort genügend Helme und andere Rüstungen."
„Aber was willst du mit einer Rüstung… meinst du, sie werden dich in einer Rüstung nicht erkennen?"
Salazar lächelte Helga verschmitzt an, antwortete ihr aber nicht.
„Komm schon", sagte er und zog Helga in der Dunkelheit mit sich. Ohne dass jemand sie sahen, gelangten sie zum Zeughaus. Unterhalb der Treppe blieben sie schwer atmend stehen. Noch einmal kontrollierte Salazar, ob sich jemand auf der Treppe befand, ehe sie sie schließlich hocheilten.
„Kannst du dein Schwert benutzen, um das Schloss zu knacken?"
„Meinst du nicht irgendjemand mag den ‚Atem des Drachen' sehen", fragte Helga Salazar nach, doch dieser hatte wieder seinen durchdringenden Gesichtsausdruck aufgesetzt, der keinen Widerstand duldete.
„Wenn du meinst", sagte Helga schulterzuckend und zog das Schwert aus der Scheide. Wieder, wie beim ersten Mal, glomm das Schwert auf… und erneut tanzten kleine Flammen um das Schwert herum, die diesen Teil des Innenhofes erleuchteten. Diesmal mit beiden Händen am Schwertgriff, schwang Helga dieses gegen das Schloss, welches im nächsten Moment, kaum das es das Schwert berührte, nachgab und zersprang. Salazar atmete tief ein und kontrollierte den Innenhof, der weiterhin in Ruhe lag. Anscheinend hatte niemand das merkwürdige Licht gesehen oder das leicht scheppernde Geräusch gehört, dass das zerstörte Schloss machte, als es auf dem Steinboden aufschlug. Helga mühte sich das Schwert wieder in die Scheide zu stecken, woraufhin auch das Licht verschwand.
Beide blieben reglos stehen, in die Nacht horchend. Schließlich nickte Salazar, nahm Cuthburh auf die andere Schulter und eilte in das Zeughaus, worauf Helga ihm folgte. Drinnen war es sehr dunkel, so dunkel, dass beide abermals stehen blieben und sich erstmal der Dunkelheit anpassen mussten.
„Ärgerlich… mit einem Zauberstab könnte ich wenigstens ein kleines Licht machen… aber so?", sagte Salazar zu Helga… und ging dann in Richtung der Rüstkammer.
„Die Rüstkammer wird nicht bewacht?"
„Meist nicht… jedenfalls nicht vom Innenhof aus. Es gibt allerdings eine zweite Tür, die dann zum Bergfried führt und zu den Unterkünften der Wachen. Allerdings dürfte die jetzt niemand benutzen, da erst gegen Morgen ein Wachwechsel stattfindet. England ist ja nicht im Krieg und Bodmin wird nicht angegriffen… somit sind die Wachen minimiert und auch wenig bereit in diesen kalten Tagen, mehr zu tun, als wirklich notwendig", sagte Salazar leise und führte Helga in die Rüstkammer. Vorsichtig entzündete er eine der hier aufbewahrten Fackeln. Dann ging er zu den Helmen, die hier aufbewahrt wurden und kontrollierte sie.
„Was tust du?"
„Ich suche etwas."
„Und was?"
Salazar griff in einen der Helme hinein und zog etwas grinsend heraus.
„Das!"
Helga mühte sich zu erkennen, was Salazar in der Hand hatte, doch es gelang ihr nicht.
„Was ist das?"
„Ein Haar eines der Wachen, das sich im Helm verfangen hat. Als die Wache den Helm abgenommen hat, hat er sich dieses Haar ausgerissen."
Helga schüttelte verständnislos ihren Kopf. Sie konnte Salazars ausgelassene Heiterkeit nicht im Mindesten verstehen.
„Du hast ein Haar eines der Wachen deines Vaters gesucht? Warum? Was ist den an diesem Haar zu besonders? Und wie sollen wir mit Hilfe dieses Haares die Burg verlassen können?"
Doch Salazar grinste nur, griff in seinen Umhang und holte eine kleine Phiole hervor. Dann öffnete er diese vorsichtig und stopfte das Haar hinein. Nachdem er die Phiole geschüttelt hatte, widmete er sich wieder Helga.
„Erschrick' bitte nicht. Ich werde jetzt den Inhalt dieser Phiole schlucken. In wenigen Augenblicken werde ich dann nicht mehr so aussehen, wie jetzt, sondern wie einer der Wachen meines Vaters. Aber ich werde dennoch noch Salazar sein. Mittels seines Aussehen können wir dann Burg verlassen."
Helga starrte den Jungen ungläubig an, der die Phiole nahm und den Inhalt sich in den Mund goss. Angeekelt verzog Salazar sein Gesicht, als er den Trank aus der Phiole hinunterschluckte. Kaum hatte sich Salazar wieder gestreckt, sah Helga, wie sich sein Gesicht begann zu verändern. Seine dunklen schwarzen Haare wurden kürzer… und erhielten einen leicht rötlichen Schimmer. Seine Nase wuchs, um seinen Mund wuchs ein Bart, seine Schultern wurden kräftiger… er wuchs… er wuchs so, dass seine Kleidung dem neuen Körper nachgaben und zerrissen. Nur die schwarze Robe, die er über den Sachen trug blieb heil.
Helga starrte den nun unbekannten Mann an, der weit älter als Salazar war.
„Nun… was sagst du zu meinem kleinen ‚Trick'?"
Auch die Stimme des Mannes war eine andere, als die von Salazar. Helga starrte ihn mit weit geöffneten Augen an.
„Komm, hilf mir in diese Rüstung zu kommen. Die Wirkung des Trankes dauerte nur wenige Augenblicke… genügend Zeit zwar, um die Burg zu verlassen, aber zu kurz um lange irgendwo zu verweilen."
Gemeinsam mit Helgas Hilfe zog sich der unbekannte Mann, der nun Salazar war, eine der hier aufbewahrten Kettenhemden an und setzte sich einen der Helme auf den Kopf. Dann griff er sich einen Speer.
„Würdest du mir bitte dein Schwert leihen. Es sieht besser aus, wenn eine Wache ein Schwert trägt, als wenn eine Wache neben einem kleinen Mädchen daher geht, die mit einem Schwert bewaffnet ist."
Helga starrte Salazar an.
„Bitte!"
Unwillig gab Helga ihm das Schwert, welches er sich umband.
„Gut, dann komm."
Mit einer ungewohnten Leichtigkeit schulterte er den toten Körper Cuthburhs und ging in Richtung Ausgang. Ohne weiter darauf zu achten, ob ihn nun einer sah, marschierte Salazar auf die Torhalle zu, die den Innenhof der Burg von dem Vorhof trennte.
„Halt… wer da?"
„Ja, ich bin es, erkennst du mich nicht?"
Salazar trat in das Licht der Torhalle und schaute die beiden Wachen an, die hier ihn aufgehalten hatte.
„Oh… du bist es, Geoffrey. Was machst du denn jetzt schon hier?"
„Spezialauftrag von Byreth. Ich soll den Körper dieser… Schlampe hier im Moor versenken. Sie hat ihre Aufgabe erledigt… und nun muss ich wieder mal die Reste beseitigen"
„Und das kleine Mädchen?", fragte die andere Wache und schaute in Richtung Helga.
„Das Gör… die ist doch glatt, ohne das die vorigen Wachen es bemerkt haben, in den Innenhof gelaufen. Ich habe sie gerade dort entdeckt… und du weißt ja, wie pingelig unser Housecarl Corric wird, wenn er dies erfährt. Deshalb… für unsere Kameraden… bringe ich die ebenfalls von der Burg. Das die keinen Ärger bekommen."
Die beiden nickten.
„Na dann, bis später", sagte Salazar und lief an den Wachen vorbei durch die Torhalle in Richtung Vorhof. Helga folgte dem Mann, ohne auf die Wachen zu schauen und tauchte wie dieser in die Dunkelheit des Vorhofes ein.
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Dinas Emrys, Gwynedd, Ende Februar 956 n. Chr.
Godric setzte sich auf einen Stein und schaute zur Burg Dinas Emrys hinauf. Langsam lichtete sich der Nebel und die Sonne kam hervor, so dass er schließlich die Konturen jener berühmten Burg sehen konnte, die einst König Vortiger begonnen hatte zu erbauen.
„Ob hier unten Merlin gestanden hatte, als er jene Vision mit den zwei Drachen hatte?", sagte Godric leise zu sich selbst. Irgendwie freute es ihn, hier in Ruhe sitzen zu können… oder diese geschichtsträchtige Umgebung von Dinas Emrys zu erkunden. Im Unterschied zu seiner Geiselhaft in Caernarfon konnte er in Dimas Emrys die Burg verlassen und sich wesentlich freier bewegen, denn Melangell wusste, dass er zu ihr zurückkehren würde. Seit sie hier beide eingetroffen waren, war das freundschaftliche Band zwischen ihnen noch wesentlich fester geworden.
Godric lehnte sich zurück, legte seinen Speer und die beiden getöteten Kaninchen zur Seite und starrte weiter auf die Burg, in der er und Melangell, so wie einige Bedienstete von ihr nun lebten.
„Melangell", murmelte er verträumt. Er blickte noch einmal hoch zur Burg, doch vor seinem geistigen Auge erschien nun jenes Bild, dass er heute Morgen von seiner Begleiterin gesehen hatte. Sie hatte sich ihr Haar gewaschen, jenes wunderschöne lange blonde Haar, das ihr nun fast bis zu ihrem Oberschenkel reichte. Noch immer konnte Godric den Duft der frisch gewaschenen Haare wahrnehmen und ihr Lachen hören, als sie ihn, während er frühstückte, mit Wasser nass spritzte. Ihre Augen, die stets leuchteten, hatten ihn spitzbübisch angestrahlt. Godric schloss seine Augen und ging im Geiste jede Kontur ihres Gesichtes durch. Vor allem ihre Grübchen hatten es ihm angetan, jene Grübchen, die immer dann erschienen, wenn sie ihn anlächelte.
‚Sie ist so wunderschön, so bezaubernd', sagte er sich. Er wusste, dass er sich in Melangell verliebt hatte… doch noch hatte er es ihr nicht gebeichtet. Noch war er sich nicht sicher, ob sie das gleiche für ihn empfand. Immerhin hatte sie, als sie sich kennen gelernt hatten, Prinz Ieuaf verehrt, der zu ihrem Leidwesen allerdings schon verheiratet war. Doch in der letzten Zeit hatte sie viel Zeit mit ihm verbracht… vor allem hier in Dinas Emrys, hier, wo die Zeit still zu stehen schien. Immer noch hatte Godric nichts aus Rhuddlan von König Iago gehört, wofür er dankbar war. Noch war er nicht in die Hauptstadt Gwynedd gerufen worden, um sich dort zu verteidigen. Natürlich waren auch hier die Informationen des Wikingerangriffes eingetroffen, doch in wie weit König Iago diese Gefahr behoben hatte, konnte Godric nicht sagen. Dazu waren die Informationen zu gering, die hier eintrafen.
Godric seufzte. Er hoffte, dass er noch viel Zeit mit Melangell verbringen durfte… hoffte, dass man ihn hier vergessen würde… so dass er schließlich mit ihr Gywnedd verlassen konnte, um sie nach Hause, nach Tenby zu führen, um sie dort ihrer Familie vorstellen zu können. Doch zunächst mussten sie noch hier bleiben, noch war der Konflikt zwischen den beiden walisischen Königshäusern zu frisch, noch galt seine Geiselhaft und sein Ehrenwort, dass er Prinz Ieuaf gegeben hatte. Abermals seufzte Godric.
„Man könnte glauben, du vermisst etwas!", hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich. Überrascht sprang Godric auf, doch als er sich umdrehte, sah er eine lächelnde Melangell auf ihn zugehen.
„Wieso?", fragte Godric nach, wobei er ein klein wenig rot im Gesicht wurde.
„Nun, nach den Seufzern, die du von dir gibst…"
„Nein, vermissen… vielleicht ein wenig mein Zuhause, Tenby. Die Burg meines Vaters. Sie liegt auch etwas erhöht, allerdings am Meer. Doch deshalb habe ich nicht geseufzt", sagte er und schaute dabei eher auf ihre Füße, als in ihr Gesicht, um nicht noch mehr Farbe in sein Gesicht zu bringen.
„Schade… ich dachte, du hättest mich ein wenig vermisst."
„Ähm… ja…" Was sollte er denn daraufhin erwidern. Irgendwie fühlte er sich in diesem Moment sehr unsicher.
„Eine schöne Aussicht auf die Burg, nicht wahr?"
„Ja… ich habe mich vorhin schon gefragt, ob hier Myrddin Emrys, den man auch Merlin nannte, gestanden hat, als er vor Vortiger gebracht wurde… und er hier jene Vision der beiden Drachen hatte, des weißen und des roten, die sich beide bekämpften, so dass deshalb die Ringmauer von Dinas Emrys jeden Tag einstürzte", antwortete Godric und war dankbar, dass sie das Thema geändert hatte.
„Möglich… doch was heißt hier ‚Vision'?"
„Naja… korrigier mich bitte, aber meinte Merlin mit den beiden Drachen nicht Vortiger, dessen Heereszeichen der weiße Drache war, und Uther Pentragon, der als Heereszeichen einen roten Drachen besaß. Heißt es nicht, dass Merlin die beiden Drachen im geistigen Auge kämpfen sah, dass er den weißen Drachen zunächst siegen sah… doch das schließlich der rote, der walisische, den weißen, den sächsischen, vertrieb?"
Melangell lächelte Godric an.
„Er deutete dies so… das ist richtig. Doch so wie du es sagst, war dies allein eine Einbildung des großen walisischen Zauberers Merlins. War sie aber nicht. Er hat damals die beiden Drachen wirklich mit einander kämpfen sehen… und hat dann diesen Kampf nur für Vortiger so gedeutet."
„Die beiden Drachen gab es wirklich?", fragte Godric erstaunt nach.
„Ja… als sie schließlich aus dem Berg befreit wurden, in dem sie angeblich durch den keltischen Gott Lludd Llaw Ereint gefangen gehalten wurden, begannen sie sich zu bekämpfen."
Godric starrte Melangell ungläubig an.
„Aber warum haben die beiden Drachen sich dann wirklich bekämpft… um ihr Territorium?"
Melangell lachte.
„Das auch. Aber ich denke mir, es ging noch um etwas ganz anderes."
„Und um was?", fragte Godric.
Melangell lächelte Godric verführerisch zu.
„Um was kämpfen wohl zwei so stattliche männliche Drachen… na…"
„Du meinst… es gab noch einen dritten Drachen hier… ein Weibchen?"
Melangell lachte laut auf, als sie Godrics Gesichtsausdruck sah, nickte ihm aber zu, als er sie weiterhin ungläubig anstarrte.
„Ja, so sagen die hier ansässigen Zauberer. Irgendwo tief unten im Berg, soll ein Drachennest gewesen sein, indem schließlich der rote Drache und das Weibchen ihren Nachwuchs aufgezogen haben, nachdem der weiße Drache besiegt worden war. Wo genau aber diese Höhle liegt… und ob noch heute sich dort Drachen aufhalten, mag niemand genau sagen. Manchmal rumort der Berg ein wenig, so dass man vielleicht doch noch Drachen unter dem Berg hat… und vereinzelt sollen auch riesige vogelähnliche Tiere gesehen worden seien… doch ob dies wirklich Drachen sind… keine Ahnung."
„Vielleicht sollte man mal nachsehen..."
„Godric… wage es nicht!" Melangell schaute den jungen Mann vorwurfsvoll an, wobei Godric ein klein wenig Angst in ihren Augen erkennen konnte. Verwundert über die Reaktion Melangells versuchte er die junge Frau zu beruhigen, in dem er Melangell leicht mit der Hand über ihren Arm strich. Dabei blickte er tief in ihre Augen und sah dort plötzlich eine Sehnsucht, ein Begehren, aber auch Schmerz. Er begann sich in diesen Augen zu verlieren… und es war für ihn wie ein Tröpfeln eines Rinnsales, welches sich vom Berg nach unten bahnte. Atemlos näherte er sich Melangell, die ihn nun auch atemlos ansah… und aus dem Tröpfeln wurde schließlich das Plätschern eines Baches. Eine Flut von Gefühlen schien ihn mit sich fortzureißen, die immer schneller kamen, so dass seine Gedanken kaum mit ihnen Schritt halten konnten.
„Ich…", begann Melangell, doch Godric legte einen Finger auf ihren Mund und schon verstummte die junge Frau. Dann, ganz plötzlich, lagen sie sich in den Armen, wobei Godric merkte, dass Melangell leicht zu zittern begann. Godric schaute die junge Frau an, die ihn ebenso ansah und ihn in sich aufsog. Langsam näherten sich ihre Gesichter… fast zögerlich fanden sich ihre Münder. Dann, plötzlich, als wäre ein Feuersturm über beide hinweggerauscht, als würde sich die Sehnsucht nach dem anderen endlich ihren Weg aus ihren Herzen bahnen, pressten sie ihre Lippen aufeinander und ließen schließlich ihre Leidenschaft freien Raum. Ihre Hände glitten jeweils über den anderen Körper, ertastend, erforschend… wobei beide die Berührung des anderen hingaben. Obwohl es immer noch Winter war, bahnten sich Schweißtropfen seinen Weg über seinen Rücken. Ihr Kleid verhackte sich in seinem Umhang und schließlich gab der gezerrte Stoff am Saum nach. Godric strich ihr übers Gesicht und ließ die Finger langsam im schimmernden Wasserfall ihrer Haare verschwinden. Schauer durchlief seinen Körper…
„Du bist schön… so wunderschön", flüsterte Godric, mit vor Ehrfurcht heiserer Stimme. Melangell sah zu ihm auf und lächelte ihn an. In ihrem Blick lag eine Wärme, die er noch nie irgendwo gesehen hatte.
„Ich liebe dich", erwiderte sie, ebenso leise… und doch waren es die wundervollsten Worte, die er je gehört hatte. Sein Gesicht begann zu glühen, als er sie abermals in die Arme nahm und sie schließlich zärtlich küsste. Langsam, ganz langsam, sanken beide auf den Boden, wobei ihre Küsse inniger und hitziger wurden. Schließlich, als sein warmer Mund ihre Haut liebkoste, merkte er wie sie unter seiner Berührung abermals erschauerte.
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Review-Antworten:
Eva Luna: Danke schön für dein wundervolles Review. Ich freue mich, dass ich dich auch mit meiner zweiten Fanfiction erfreuen kann. Es stimmt, im Augenblick scheint es für unsere Protagonisten noch einmal gut auszugehen… sowohl Godric, als auch Helga und Salazar konnten sich befreien oder sind im Augenblick dabei es zu tun. Zudem hat Godric wohl sein Glück gefunden. Und Helga wird nun nach Godric und Salazar nun auch noch Rowena kennen lernen.
Fluffy Bond: Ich kann mir vorstellen, dass man sehr traurig über das letzte Kapitel sein kann (ich war es auch!), denn es ist furchtbar, was Cuthburh und Salazar passiert ist. Schönen Dank für dein Lob, dass ich die Gefühle der Beiden, Helga und Salazar, so gut herübergebracht habe. Wo das Schwert die ganze Zeit war… nun es war versteckt… dort, wo nur Helgas Mutter herankam und schließlich auch Helga. Sie ist nun die Hüterin des Schwertes, die sich das Schwert ‚herbeiwünschen' kann. Durch den einmaligen Kontakt mit dem Schwert und dem Erkennen seines Eigenlebens, der geschilderten Wärme, konnte Helga das Schwert zu sich rufen.
Nun, es ist zu Godrics Vorteil, wie du ersehen kannst. Und doch ist er noch nicht gänzlich außer Gefahr.
Nell: Es stimmt, es ist grausam, was Salazar widerfahren ist… und es wird ihn sein ganzen Leben lang prägen. So wird er schließlich zu jener widersprüchlichen Figur, in der sich Gegensätze vereinigen werden.
Beim Schwert habe ich wirklich so ein wenig an den Stein der Weisen gedacht. Wobei es nur der Hüter des Schwertes rufen kann, derjenige, der die Macht des Schwertes nicht missbrauchen, der sich nur mit ihm verteidigen will. Denn in den Händen eines anderen ist das Schwert eine weitaus gefährlichere Waffe. Warum? Nun, nicht alle Eigenschaften des Schwertes sind bisher genannt worden… aber ich werde schon noch darauf kommen… und auch, was aus dem Schwert schließlich wurde…
Nun ich hoffe ihr musstet nicht allzu lange euch gedulden… und hoffe euch gefällt das neue Kapitel.
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Informationen zum Nachlesen
Assassine
Die Assassinen (auch Haschischin) waren eine militante ismailitische Sekte (Nizaris) im 8. bis ca. 14. Jahrhundert, die eine Verbindung von Religiosität und Freibeuterei an der mittelalterlichen afghanischen Seidenstraße mit der Eigenbezeichnung ad-dawa al-dschadida ("die neue Lehre") praktizierten. Der Name Assassine wird zurückgeführt auf haschschaschin (arab: haffáfn, "Haschisch-Esser" (Haschisch arab: haffáf). Eine andere Bezeichnung speziell des syrischen Zweig der Sekte ist fida'i oder fidawi.
Obwohl seit dem 8. Jahrhundert bekannt, wird die Gründung der Assassinen gewöhnlich auf 1092 datiert, mit Hassan i Sabbah, der in einer Gebirgsfestung südlich des kaspischen Meeres bei Alamut residierte. Alamut liegt in der Nähe der iranischen Stadt Qaswin, im Süden von Teheran. Als jemenitischer Emigrant und ein ismailitischer Schiit suchte Hassan mit Hilfe der Assassinen die Macht des abbasidischen Kalifats zu zerstören, indem er seine mächtigsten Mitglieder ermorden ließ.
Vieles des gegenwärtigen westlichen Überlieferung über die Assassinen wird auf die legendären Schilderungen des Marco Polo in Alamut 1273 zurückgeführt. (Die Festung aber wurde vermutlich bereits 1256 durch die Mongolen zerstört.)
Nach der Legende hätte man den Assassinen mittels Drogen die Gewissheit eines Platz im Paradies vermittelt, sofern ihre Morde mit goldenem Dolch erfolgreich verliefen. Im Rausch würden sie rauben plündern, sterben, um im Paradies auferweckt werden. Während der darauf folgenden Überfälle kämpften sie schonungslos im Glauben, ihr Tod würde sie nun zu diesem Paradies zurückbringen. Jedoch scheint der Name Assassine eine polemische Schöpfung der Gegner; es gibt keinen Beweis für einen Drogengebrauch.
Die Überlieferung, die Assassinen hätten Haschisch systematisch benutzt, um militärischen Gehorsam bei den Elitetruppen zu erreichen, führt in Europa zu einer synonymen Übertragung: Mörder, die ihre Tat hinterrücks "wie im Rausch" begehen, werden Assassin genannt.
Dinas Emrys
Dinas Emrys (walisisch für "Festung des Ambrosius") ist ein felsiges und bewaldetes Hügelchen, das eine Landmarke auf dem Talboden bei Beddgelert im Norden von Wales bildet. Es ist von Interesse für Archäologen, da es ein Beispiel Ringwalls ist, dessen Befestigungen aus der nachrömischen Zeit stammen, aber auch im Zusammenhang mit den Legenden um König Artus. Dabei handelt es sich um die Gegend des berühmten Wortwechsels zwischen dem Warlord Vortigern und Myrddin Emrys, heute bekannt als Merlin. Vortigern, dem Hinweis seiner Ratgeber folgend, wollte den Jungen töten, der angeblich von den Feen getragen wurde und der aus Caer Myrddin (Carmarthen) kam, um übernatürliche Kräfte zu besänftigen, die ihn daran hinderten, hier eine Festung zu bauen. Merlin lachte über diesen Rat, und erklärte, dass der Ringwall keinen Bestand haben könne aufgrund eines versteckten Tümpels, der zwei vermes so wie in der Historia Brittonum beschrieben, enthalte – ein Wort, das sowohl mit Drache, also auch mit Dachs übersetzt werden kann. Diese beiden Drachen, ein Roter und ein Weißer, bekämpften sich unter der Burg. Der Weiße würde zunächst den Kampf gewinnen, der Rote aber schließlich siegen. Diese Vorhersage war der Beginn eines fast 1000 jährigen Krieges zwischen Kelten und Sachsen.
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Personen, die in diesem Kapitel der Geschichte Nosce te ipsum vorkommen. Die Personen die kursiv geschrieben sind, sind erdacht (entweder von JKR oder von mir)
Aelfhere
Eldorman von Wiltshire, Führer der ostsächsischen Partei, Onkel und Berater König Eadwigs
Aelfsige
Bischof von Winchester, Ratsmitglied der Wölfe
Byreth
Housecarl Solmens, Mitglied der Wölfe
Corric
einäugiger Housecarl Solmen von Slytherin, Mitglied der Wölfe
Cuthburh
(+956), Zofe im Hause Ethelgiva, unterstütze Dunstan, Freundin von Salazar
Dunstan
Abt von Glastonbury, einer unserer Hauptprotagonisten.
Eadred
(924 +955), König von England
Eadwig
ab 956, König von England, Sohn Edmunds
Edgar
Bruder Eadwigs, Prinz von England, Sohn Edmunds
Edgiva
Tochter von Ethelgiva, Königin von England
Ethelgiva
Konkubine, Mutter von Edgiva, Ratsmitglied der Wölfe
Godric ap Maredudd
Sohn des Herrn von Tenby und Gryffindor
Gwefrfawr ap Sywno
Zaubermeister am Hofe Gwynedd. Vater von Melangell
Helga Hufflepuff
elfjähriges Mädchen, eine der vier Gründer Hogwarts
Iago ap Idwal Foel
König von Gwynned
Melangell
Tochter von Gwefrfawr ap Sywno, Zaubermeister von Gwynedd
Nadal Lynx
Werkatze, Jäger von Solmen
Oilell
Sabberhexe
Oswald
Neffe des Erzbischofs Odo, Kleriker
Rowena Ravenclaw
Nonne Glastonbury, eine der vier Gründer Hogwarts
Richard Eriugena
Heiler und Arzt, Ausbilder Helgas
Salazar Slytherin
jüngerer Sohn Solmens von Slytherin, Gründer Hogwarts
Solmen
Edorman von Cornwall, Graf von Slytherin, Vater Salazars, Ratsmitglied der Wölfe
