Bellas Sicht:

Es war mittlerweile schon Abend geworden und ich weinte noch immer.

Aber war das nicht verständlich?

Selbst, wenn ich auf ihn hereingefallen war, war er meine große, einzig wahre Liebe.

Durfte ich denn dann nicht um ihn trauern?

War mein Verhalten dumm?

Schließlich hatte er mich belogen.

Sollte ich wütend auf ihn sein?

Sollte ich ihn hassen?

Mich an ihm rächen wollen?

Wenn ja, warum verspürte ich keine solchen Gefühle?

Wahrscheinlich, weil ich ihm immer noch verfallen war. Weil ich ihm gehörte. Weil ich ihm gehören wollte.

Ich würde niemals aufhören ihn zu lieben. Ich würde niemals aufhören ihn lieben zu wollen.

Ich fühlte mich wie zerrissen.

Denn ein Teil von mir wollte zu ihm zurückgehen, sich in den Arm nehmen und küssen lassen. Hören, dass er mich doch liebte. Auch wenn das alles nur Lügen waren.

Doch der andere Teil wollte es endlich akzeptieren, dass er mich nicht so liebte wie ich ihn. Oder zumindest nicht mehr.

Die Anderen waren bestimmt schon zurück.

Würden sie mich suchen oder war ich ihnen egal?

Plötzlich hörte ich ein Rascheln hinter mir.

"Bella?", fragte eine Männerstimme.

Wie kam es, dass ich ihn trotz meiner Vampirinstinkte nich bemerkt hatte? Ihn weder gehört, noch gerochen hatte?

Wahrscheinlich, weil ich einfach nur meinen Gedanken nachgehangen hatte.

Doch was war, wenn es ein Feind war?

Ich hörte ihn immer näher kommen und brachte mich in Angriffsstellung.

Dann trat eine Gestalt aus den Büschen hervor.

Meiner Kehle entwich ein Knurren, doch dann erkannte ich, dass es nur Laurent war.

Sofort entspannte ich mich.

"Bella, was machst du denn hier?", fragte er besorgt.

"Was machst du hier? Ich dachte du wärst bei den Anderen?", versuchte ich von seiner Frage abzulenken.

"Die Anderen sind schon zurückgegangen. Ich wollte noch jagen gehen. Du weißt ja, dass mir eure Lebensweise noch sehr schwerfällt.", antwortete er mir.

Ich nickte verständnisvoll.

Ja, Laurent hatte oft mit mir darüber geredet. Überhaupt hatte er mir viele Dinge anvertraut, über die er nicht mit Anderen reden wollte.

Er war ein toller Freund für mich.

Ich vertraute ihm. Wahrscheinlich mehr als irgendjemanden sonst im Moment.

"Aber was tust du hier? Ich dachte, Edward und du wolltet euch einen schönen Tag machen. Warum bist du nicht bei ihm?"

Bei Edwards Namen nahmen meine Gefühle erneut die Überhand und ich begann wieder hemmungslos zu schluchzen.

Schon wurde mir von zwei starken Armen Halt gegeben.

Es waren nicht Edwards Arme und doch fühlte ich mich sicher und geborgen in ihnen.

Laurent war mein wahrscheinlich bester Freund und es tat gut jemanden zu haben, dem man sein Herz ausschüten konnte.

"Er...er...er hat ge..gesagt, dass er mich ...nicht mehr...lie...liebt.", brachte ich mit großer Anstrengung unter meinen Schluchzern heraus.

Laurent strich mir beruhigend übers Haar.

"Hat er das wirklich gesagt oder hast du das nur so interpretiert?", fragte er sanft.

Es dauerte ein wenig, bis ich ihm antworten konnte.

"Er hat gemeint, ich wäre nicht mehr die, in die er sich veriebt hat.", antwortete ich mit zitternder Stimme.

"Siehst du. Er hat nicht gesagt, dass er dich nicht mehr liebt. Er meinte, dass du dich verändert hast und nicht mehr dieselbe wie früher bist."

"Aber das kommt doch aufs Gleiche heraus.", schluchzte ich.

"Findest du? Lass uns zurückgehen! Dann kannst du mit ihm reden. Vielleicht klärt sich ja Alles auf.", schlug er vor.

Doch ich schüttelte den Kopf.

"Nein, aber du kannst zurückgehen, wenn du magst. Ich bin jetzt nicht stark genug dafür. Wenn ich es überhaupt mache, brauch ich noch etwas Zeit. Vielleicht morgen. Könntest du mir den Gefallen tun und Edward das hier von mir geben, wenn du zurückkehrst?", antwortete ich dann.

Doch als ich den Ring von meiner Hand ziehen wollte, hielt er mich auf.

"Nein, Bella. Du solltest ihn behalten. Zumindest solange, bis ihr alles geklärt habt. Vielleicht war das Alles ja nur ein großes Missverständnis und dann würdest du es bereuen. Außerdem bleibe ich bei dir. Denkst du ich lasse dich in so einem Zustand alleine? Ich kenne ein Plätzchen nicht weit von hier. Dort können wir hingehen und warten, bis du bereit bist."

Sein Vorschlag gefiel mir.

Mit einem Nicken stimmte ich ihm zu.

Er lächelte mich an und bedeutete mir ihm zu folgen.

Dann begann er zu rennen.

Nicht sehr weit von hier?

Das sollte wohl ein Witz sein!

Wir waren bestimmt fünf Stunden unterwegs. Und das mit Vampirgeschwindigkeit!

Doch dann hielt er endlich an.

Vor uns stand ein kleines Häuschen, das von Efeu umwuchert war.

Ich wusste nicht warum, aber bei seinem Anblick lief es mir kalt den Rücken herunter.

Wenn ich noch ein Mensch gewesen wäre, würde mein Herz wahrscheinlich rasen. Der Ort hier machte mir Angst.

Eine Frage schwirrte mir im Kopf herum:

Warum hatte Laurent mich so weit von den Cullen weggeführt, wenn er doch morgen dorthin mit mir zurückkehren wollte?

So angestrengt ich auch überlegte, kam ich zu keiner Lösung.

Also entschloss ich mich dazu ihn einfach zu fragen.

"Laurent, warum sind wir so weit weg von dem Haus der Cullens? Ich dachte wir wollten morgen dorthin zurückgehen?"

Als ich in sein Gesicht sah, zuckte ich vor Schreck und Angst zurück.

Seine Augen hatten einen kalten und sein Gesicht einen höhnischen Ausdruck angenommen.

Das war nicht mehr der Laurent, der mein Freund geworden war.

Nein, das war eher der Laurent, den ich beim Baseballspiel mit den Cullens kennengelernt hatte. Der Laurent, der mit James und Victoria gereist war. Der Laurent, dessen Nahrung die Menschen waren.

"Vielleicht weil ich nicht will, dass uns jemand findet.", meinte er bedrohlich.

Ich war wie erstarrt.

Was hatte er nur vor?

"Hallo, Bella.", meinte eine Stimme, die mir nur allzu bekannt war und mich vor Angst erzittern ließ.

Hallo Leute! Ich hoffe es hat euch gefallen.

Bitte reviewt!