Er wollte also spielen, ja?
Wie töricht von ihm, er wusste ja, dass ich viel stärker war als er, weil ich Menschenblut trank.
In weniger als einer Sekunde hatte ich mich wieder aufgerichtet und kam auf ihn zu.
Stefan schien trotz allem jedoch selbstbewusst und ging in Angriffsposition.
Er würde schon sehen, was er davon hatte…!
Ich zeigte auf den Alkohol, der sich nun langsam auf dem Boden sammelte: „Das war ein 64er, Stefan, so was sollte man nicht verschwenden!"
Ich wusste, das klang drohend, so sollte es ja auch sein.
„Komischer Weise empfinde ich nicht das geringste bisschen Reue.", lachte Stefan und mit einem einzigen Atemzug war ich bei ihm und wollte ihm ebenso eine verpassen, wie er es bei mir getan hatte, doch er hatte das scheinbar schon geahnt, denn er wich mir mit einer Geschicklichkeit aus, wie es eigentlich nur mir möglich war.
Und währen dich ihm irritiert und fassungslos hinterher sah, zerlegte er mit einem einzigen Tritt einen Stuhl und nahm sich ein Bein davon.
Ich brauchte nicht nachdenken, um zu wissen, was er damit vorhatte.
Es war wohl offensichtlich, dass er mir dieses Ding ins Herz rammen wollte!
„Überschätz dich nicht, Stefan, du spielst gerade wirklich mit dem Feuer, weißt du das?", grinste ich breit.
Er schnaubte nur belustigt und balancierte den Pflock auf seinen Fingern.
Er jonglierte ihn spielend leicht und hielt ihn locker in der Hand, während er wieder auf mich zukam.
„Du kannst mir gar nichts, Damon!
Mir ist schon klar, dass du das nicht wahrhaben willst.
Da hilft dir nicht mal mehr dieses wissende Grinsen, ich bin stärker als du!"
Meinte er das gerade ernst
Mit einem Mal brach ich in schallendes Gelächter aus.
Wie wollte er das denn bitten machen, hm?
„Ich bin amüsiert, Bruder, wie selbstsicher du geworden bist!
Was ist passiert?
Haben die Eichhörnchen Drogen genommen?", scherzte ich und krümmte mich vor Lachen.
Doch weiter kam ich nicht, denn so schnell konnte ich überhaupt nicht gucken, da wurde ich schon gegen eine Wand gedrückt.
Mein Kopf schlug hart auf und mir entfuhr ein Stöhnen.
Stefan riss mich zurück und stieß mich erneut dagegen.
Etwas knackte, aber ich wusste nicht, um welchen Knochen es sich handelte, den er mir gerade gebrochen hatte.
Es schmerzte, aber das war ganz leicht auszuschalten.
Mit voller Wucht und ohne Rücksicht riss ich mein Knie nach oben und setzte ihn damit außer Gefecht.
Auch, wenn das ein Trick von kleinen wehrlosen Mädchen war, er funktionierte hervorragend!
Und ehrlich?
Ich fühlte mich wirklich ein wenig unwohl und wehrlos, wenn ich daran dachte, was er gerade gesagt hatte.
Warum sollte ich keine Chance haben?
Ich war stärker als er!
Schon immer!
Mit geteilter Miene sah ich auf Stefan herunter.
Er wälzte sich am Boden und hielt sich mit verzerrtem Gesicht sein bestes Stück.
Aber diese Niedergeschlagenheit hielt natürlich nicht lange, dann sah er voller Hass, aber einem Lächeln auf den Lippsen, zu mir auf.
Die Adern unter seinen Augen traten hervor und plötzlich sprang er auf mich zu.
Ich wurde am Hals hochgehoben und zurück gegen die Wand getrieben.
Scheinbar hatte ihm dieser Stoß überhaupt nicht zugesetzt!
Stefan hob mich weiter in die Höhe und ich hatte keine Zeit, ihn weg zu stoßen, denn er zögerte nicht und bohrte mir sofort den Holzpflock in den Bauch.
Ich atmete schnappend ein, dann ließ er mich ein Stück nach unten, sodass meine Zehenspitzen wieder Boden spürten, zog das Stuhlbein aus meinem Körper und rammte es gleich wieder in mich hinein, jedoch nicht in mein Herz.
Ich wusste nicht wie ich darauf kam, aber ich hatte das Gefühl, dass er das auch nicht tun würde.
Stattdessen beugte er sich zu mir vor und flüsterte mit einem abartigen Grinsen: „Ja, die Eichhörnchen waren wirklich anders…so…menschlich."
In dem Moment blieb mein totes Herz stehen.
