Kapitel 21 – Layton – Die Hutzeremonie

Als die ersten Schüler und Schülerinnen die Große Halle betraten, war er sehr aufgeregt. Er und ein paar andere Lehrer hatten sich schon an dem großen Tisch am Ende der Halle, dem Lehrertisch, niedergelassen, während der Rest seiner Kollegen die Schüler geordnet auf ihre Plätze lotste. Da er, Hershel, neu war, hatte man ihn dieses Jahr mit dieser Aufgabe verschont und das war ihm auch ganz recht so.

Es war herrlich zu beobachten, wie die Schüler sich freuten, Professor Granger wiederzusehen, um Professor Snape aber einen großen Bogen machten.

„Alles in Ordnung so weit, Hershel?", fragte Minerva und setzte sich kurz zu ihm. Der eigentliche Platz der Schulleiterin war der goldene Thron in der Mitte des Tisches.

„Ja, schon", erwiderte er. „Ich bin nur ein wenig nervös."

„Keine Sorge", sagte sie freundlich und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Die Schüler werden Sie lieben."

„Danke", sagte er mit einem kleinen Lächeln.

„Freuen Sie sich einfach auf das heutige Fest – das ist immer etwas ganz Besonderes."

„Ja, das werde ich."

Sie drückte ihm noch einmal aufmunternd die Schulter, bevor sie sich auf ihren eigenen Platz begab.

Ein paar Minuten später war die Halle schon reichlich gefüllt und er war sich der neugierigen Blicke seiner neuen Schüler durchaus bewusst…

„Puh!", stöhnte Hermine, als sie sich schwerfällig auf den Platz neben ihm plumpsen ließ. „Du glaubst gar nicht, wie anstrengend es ist, dauernd dasselbe rufen zu müssen. Geht ruhig! Bitte nicht drängeln! Ja, der Unterricht beginnt schon morgen. Und so weiter." Sie verdrehte die Augen. „Da hattest du es mit deinen Studenten bestimmt leichter."

Er lachte. „Da bin ich mir nicht so sicher. Es kann manchmal sehr nervenaufreibend sein, mit einem gerade erwachsen gewordenen, selbstbewussten und von sich mehr als selbst überzeugten Studenten über eine bestimmte Note zu diskutieren…"

„Du Armer", sagte sie gespielt und lachte.

Weitere Minuten vergingen, bis Neville hereinkam und die Erstklässler ankündigte.

Minerva sorgte sofort für Ruhe in der Großen Halle, die große Tür sprang auf und ungefähr zwanzig kleine, neue Schüler und Schülerinnen betraten die Halle. Einige sahen sich erstaunt um, andere ängstlich, wieder andere entschlossen, es allen zu zeigen.

Neville führte sie bis zu den Stufen vorm Lehrertisch und erklärte ihnen dann die Funktion des Sprechenden Huts. Dieser sang danach ein kleines Lied über sich und Hogwarts:

Jedes Jahr geht es wieder los,

Viele kleine, neue Gesichter,

Ihr seid sicher aufgeregt,

Doch keine Sorge,

Ihr werdet es hier schon schaffen.

Ich bin heute euer bester Freund,

Ich bin der Sprechende Hut.

Schon seit tausend Jahren

Bin ich hier voller Mut,

Ich teile euch in unsere Häuser ein,

Jedes ist anmutig und rein.

Es gibt vier Stück an der Zahl,

Gryffindor und Hufflepuff,

Ravenclaw und Slytherin.

Nach Gryffindor die Mutigen

Und manchmal etwas zu Waghalsigen.

Nach Hufflepuff die Treuen

Und manchmal etwas zu Freundlichen.

Nach Ravenclaw die Klugen

Und manchmal etwas zu Rationalen.

Nach Slytherin die Ehrgeizigen

Und manchmal etwas zu Arroganten.

Doch ich bin mir sicher,

Egal in welches Haus ihr kommt,

Ihr werdet dort gut aufgehoben sein.

Und nun lasst uns endlich beginnen

Mit der wunderbaren Hut-Zeremonie.

Die Schüler in der Großen Halle jubelten, als der Hut geendet hatte, und auch Hershel klatschte eifrig in die Hände.

Nach und nach rief Neville die Erstklässler in alphabetischer Reihenfolge auf. Sie kamen ängstlich nach vorne, setzten den viel zu großen Hut auf, wurden einem der vier Häuser zugeteilt und liefen dann freudig zu ihrem neuen Haus/Tisch, das/der sie fröhlich jubelnd empfang.

Schließlich waren alle Schüler verteilt und Minerva eröffnete das Festessen. Sofort waren die Tische voller Schüsseln und Teller mit dem herrlichsten Essen, das man sich vorstellen konnte. Aufgeregt begannen die Schüler, zu essen und sich zu unterhalten. Es herrschte eine allgemein ausgelassene Stimmung und Hershel freute sich, dass dieser erste Abend so schön für die Erstklässler gestaltet wurde – Schule sollte schließlich nicht nur Lernen sein, sondern auch Spaß machen. Er zumindest versuchte, seinen Unterricht immer so auszurichten.

„Und?", fragte Hermine neben ihm. „Hat dir die Zeremonie gefallen?"

Er schluckte schnell und nickte. „Ja, sehr."

Sie grinste ihn nur an.

Nach dem Essen hielt Minerva eine kleine Willkommensansprache, in der sie noch einmal ein paar wichtige Regeln wiederholte und ihn als neuen Professor für Geschichte der Zauberei vorstellte.

„Steh auf!", flüsterte Hermine ihm zu.

Also tat er es und versuchte, seine Nervosität nicht zu zeigen, sondern lächelte seinen neuen Schülern freundlich an. Dann setzte er sich wieder und Minerva fuhr fort.

„Gut gemacht", lobte Hermine ihn lächelnd.

Er strahlte nur zufrieden zurück.

Schließlich war das Fest vorbei und die Vertrauensschüler brachten alle in ihre Häuser.

„Hier, Hershel", sagte Minerva und gab ihm einen Zettel. „Ich habe ihn heute Nachmittag endlich fertigbekommen."

Bei näherer Betrachtung erkannte er, dass es sein neuer Stundenplan war. Er nickte dankend.

„Viel Glück morgen", sagte sie und ging zum nächsten Kollegen.

Einen Moment später war Hermine an seiner Seite und verglich ihren Stundenplan mit seinem. „Oh, du hast Glück morgen", sagte sie. „Sechste Klasse, Ravenclaw und Hufflepuff. Das ist eine echt nette Kombination."

„Das ist gut", meinte er erleichtert.

„Keine Sorge", versicherte sie. „Das klappt schon alles. Du bist ja nicht auf den Kopf gefallen."

Sie gingen gemeinsam aus der Große Halle und über ein paar Flure, bis sich ihre Wege trennten.

„Viel Glück morgen, Hershel", sagte sie und gab ihm schnell einen kleinen Kuss auf die Wange. Dann verschwand sie geschwind durch einen Wandvorhang, der in einen Geheimgang führte.

Hershel spürte, wie seine Wangen rot wurden, und ging freudig grinsend in seine Wohnung.