An dieser Stelle: Vielen Dank an EvilSeverus, Poetica Licentia, Eleydin, Amoklauf, AMJ & lady.

Chapter 6/3: Plappernde Drachen & Erleuchtungen
(Lucius POV)

Albus bot mir und Draco an, zusammen mit dem Lehrkörper und dem Prüfling das Abendessen einzunehmen.
Dankend nahm ich an, denn zu Hause erwartete uns nichts und niemand.

Es war als wäre ich zwanzig Jahre in der Zeit zurück gereist, wieder elf Jahre alt und erblickte zum ersten Mal die prachtvolle, riesige Halle Hogwarts.

Entgegen der landläufigen Meinung ich hätte zu Hause alles bekommen, was ich wollte, verbrachte ich hier die glücklichste Zeit in meinem Leben, denn hier war alles, was ich in Malfoy Manor schmerzlich vermisste:
Vertrauen, Verbundenheit und Akzeptanz.
Hier waren Severus und Regulus.

Vergnügt beobachtete ich meinen Sohn, das einzige im Leben, was ich je gut und richtig gemacht hatte, wie er sich staunend umsah und mir freudig all seine Eindrücke erzählte.

Ja, heute war ich glücklich wie lange nicht mehr, mein Sohn plapperte vergnügt vor sich hin, Severus ging an meiner Seite und sah ihn mit dem selben liebevollen Blick an wie ich... dennoch, etwas fehlte, etwas entscheidendes: Regulus.

Doch ihn hatte ich für immer verloren...

Die Flügeltüren öffneten sich; waren wir bisher allein, so gesellte sich nun als erstes das Mädchen zu uns.

Severus ließ sich nichts anmerken und nickte nur höflich, dennoch bemerkte ich, dass ihr Blick, nicht wie bei sämtlichen Magiern sonst üblich, zuerst auf mich fiel, sondern auf Severus.

So läuft der Hase also...

„Guten Abend, meine Herren."

„Serena!"

Draco stürmte sofort auf sie zu, anscheinend hatte er all seine Manieren vergessen und sprang sie regelrecht an, während sie ihn lachend auffing.

Mein Sohn freute sich und lachte, er hatte jemanden zum Spielen, der anscheinend treuherzig alles über sich ergehen ließ.

Man mag es kaum glauben, doch damals war mein Junge noch ein unvoreingenommener kleiner Engel, wen er ins Herz schloss, den liebte er bedingungslos.

Draco hing an ihr wie ein nasser Sack, leicht überfordert schleppte das Mädchen ihn zum runden Tisch und setzte ihn auf einem der Stühle ab.

Mein kleiner Drache war hellauf begeistert und ich hatte nicht vor, ihn zu bremsen oder ihm den Spaß zu verderben. Er war oft genug alleine, sodass dieses spielerische Treiben ihn wohl mehr erfreute als jedes materielle Geschenk, mit dem seine Mutter versuchte seine Gunst zu erkaufen.

Sie setzte sich neben ihn und er plapperte munter weiter vor sich hin, es war wundervoll zuzusehen wie mein Sohn förmlich aufblühte.

„... und dann gibt es bei uns auch Einhörner, hast du schon mal ein Einhorn gesehen?"

„In dem Wald, der das Haus meines Vaters umgibt, da gibt es auch Einhörner."

„Die sind wunderschön! Einmal bin ich mit Daddy spazieren gegangen, da ist eines direkt auf uns zu gekommen und hat sich streicheln lassen, das war so schön und..."

„Ein Einhorn hat sich von dir berühren lassen?", raunte mir Severus von der Seite zu.

„Seltsam, nicht wahr?"

Einhörner konnten in die Seele eines Magiers blicken, erkannten sowohl das Gute, als auch das Böse.

Einhörner ließen sich nicht berühren, wenn sie Dunkelheit im Herzen sahen.

Dennoch, das Einhorn schritt damals zielstrebig auf mich zu und neigte den Kopf, zuerst reagierte ich nicht, dann, nach einer Ewigkeit wie es mir vorkam, quietschte Draco, dass ich das Einhorn auch streicheln sollte, wie er es bereits eifrig tat.

Ich streckte meine Hand aus und berührte es, es scheute nicht und bis heute fragte ich mich, was das wohl zu bedeuten hätte.

„Daddy! Daddy, Serena hat dich was gefragt!"

Ich sah zu Draco, der schmollend seine Unterlippe vorgeschoben hatte, es sah unglaublich niedlich aus und ich musste mir jedes Mal ein breites Grinsen verkneifen.

„Verzeihen Sie, Miss Shadows, ich war gerade in Gedanken", entschuldigend lächelte ich sie an, „Würden Sie Ihre Frage bitte wiederholen?"

„Natürlich Sir, meine Frage war, ob ich nun Midnight reinholen dürfte?"

„Wen?"

„Meinen Wolf."

Skeptisch sah ich Severus an, der jedoch keine Bedenken zu haben schien.

Heute erkannte ich ihn wirklich nicht wieder, ansonsten litt er an akuter Wolfsphobie, einer fast panischen Angst vor Wölfen, heute jedoch war er sogar einverstanden, eines dieser Biester in seine direkte Umgebung holen zu lassen und auch seinen Patensohn dieser Gefahr auszusetzen.

Zweifelnd willigte ich ein.

Serena sagte Draco, dass er kurz warten sollte, sie würde 'Midnight' suchen und hereinholen. Sogleich darauf verschwand sie durch das Portal und ein schriller Pfiff hallte in den Gängen von Hogwarts wider.

Keine halbe Minute später betrat sie in Begleitung eines riesigen Schattens die Große Halle.

Ein riesiger Wolfschädel mit hellgelben Augen tauchte aus der Dunkelheit auf, unwillkürlich hielt ich die Luft an, als mir die tatsächliche Größe dieses Tieres bewusst wurde.

'Midnight' war gut und gerne zwei Meter lang, er ging Serena etwa bis zur Hüfte, einen geschätzten Meter, und seine Erscheinung... erinnerte mich spontan an Severus.

Sein Fell war tiefschwarz, man sah, dass es gepflegt wurde, dennoch stand es hier und da ein wenig ab, sodass es ihm alles in allem ein räudiges Aussehen verlieh.

Außerdem war er ein wenig dürr, fast unterernährt.

Was mich am meisten beeindruckte waren seine Augen, die mich aufmerksam und intelligent musterten.

Die Haltung des Wolfes verriet keine Anspannung, langsam kamen die beiden näher.

Draco war mittlerweile näher an mich herangerutscht, letztendlich schien er sich doch ein wenig vor dem imposanten Tier zu fürchten.

Auch Serena hatte seine Angst bemerkt und blieb stehen, der Wolf sah sie regelrecht fragend von unten herauf an, sie sah hinab und fing sanft an mit dem Tier zu sprechen: „Du macht ihm Angst, mein Junge."

Zu meiner Verwunderung schien der Wolf zu verstehen, er kauerte sich auf den Boden und robbte ganz langsam auf uns zu, behielt dabei immer Draco im Augen.

Sobald Draco zuckte, blieb der Wolf unter leisem Winseln ruhig liegen.

Severus stand auf, schritt langsam auf den Wolf zu und ging vor ihm in die Hocke: „Du brauchst keine Angst haben, Draco. Siehst du, er ist ganz zahm."

Der Tränkemeister streckte seine Hand aus und streichelte dem Wolf über den Kopf, anscheinend gefiel es ihm - der Wolf fiel seitlich um und präsentiere Severus seinen Bauch während er mit seinen Blicken den Wunsch 'Streichle mich!' zu verstehen gab.

Draco schien sich zu beruhigen, unsicher und langsam ging er auf die Drei zu.

Der Wolf lag immer noch seitlich mit geschlossenen Augen da, während Severus ihm den Bauch kraulte.
Serena stand einfach da und lächelte Draco aufmuntern zu.

Ganz langsam beugte sich mein Sohn zu dem Wolf und stupste ihn vorsichtig an, den Wolf schien das nicht zu stören, er sah nicht einmal auf, während Draco anfing ihm zögerlich durch das Fell zu streicheln.

„Der ist ja ganz weich!"

Serena grinste schief und linste zu dem Wolf: „Das kommt vom Baden und... „

Jäh fing der Wolf an tief zu knurren, Draco zog seine Hand weg und stolperte rückwärts auf mich zu, Severus hielt ebenfalls inne mit seinen Streicheleinheiten, währenddessen fing das Mädchen an zu lachen: „Das war nicht gegen euch gerichtet, das Wort 'baden'..."

Der Wolf knurrte nun lauter, seine Lefzen zuckten und sein Schweif bewegte sich unruhig, Serena lachte noch mehr und auch Severus fing an zu grinsen.

Ich verstand ebenfalls, was sie meinte, und grinste unwillkürlich mit, nur Draco sah verunsichert in die Runde.

„Dad?"

„Er mag es wohl nicht...", ich beugte mich zu ihm herunter und sprach flüsternd weiter, „gebadet zu werden, deshalb knurrt er."

Nachdem mich mein Sohn skeptisch gemustert hatte, sah er zu Serena „Aber warum tust du das dann?"

„Bei Wetterwechseln fängt er fürchterlich an zu stinken, genauso wenn er nass ist und im Frühling. Wenn ich ihn dann nicht bade, halte ich es nicht mehr in seiner Nähe aus."

Draco schien trotzdem seinen Wunsch, den Wolf zu streicheln, gänzlich verloren zu haben.

Severus setzte sich auf und deutete an, Midnight auf das weitläufige Hogwarts-Gelände zu bringen.

Ich setzte mich wieder an den kreisrunden Tisch und befand, dass es an der Zeit war, einige Dinge über das Mädchen herauszufinden: „Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen, Miss Shadows?"

„Gewiss, Sir."

„Darf ich auch, Daddy?"

Lächelnd sah ich zu meinem Sohn.

Draco eiferte mir immer nach, egal was ich tat, und ich hoffte nur, dass sich dieser Eifer nicht auch auf meine vergangenen Lebensabschnitte erstrecken würde.

Das Mädchen lächelte meinem Jungen zu: „Sicher, Draco."

Mein Sohn stockte und auf seiner Stirn bildeten sich kleine Falten, er schien nicht zu wissen, was er überhaupt fragen wollte.

Ich wusste genau, was ich wissen wollte und da mein Sohn zögerte, fing ich an, höflich die Fragen zu stellen, auf deren Antworten ich mir selbst keinen Reim zu machen wusste: „Wenn Sie erlauben, Miss Shadows, woher kennt ihr Vater Direktor Dumbledore?"

Das Mädchen sah mich an, kurz huschte ein dunkler Schleier über ihre Augen, aber kurz darauf lächelte Sie mir freundlich zu: „Soweit ich weiß, Sir, haben sich mein Vater und Albus vor über zwanzig Jahren kennen gelernt, in den Zeiten des", Serena zögerte kurz und sah mit einem Seitenblick zu meinem Sohn, dann unsicher zu mir, ich nickte ihr nur kurz zu als Zeichen, dass ich verstanden hatte, „nun... die genauen Umstände kann ich Ihnen leider nicht schildern, Sir, sie sind mir nicht bekannt."

Ich schenkte ihr mein charmantestes Lächeln.

Um Antworten auf die Frage zu bekommen, die mich am brennernsten interessierte, musste ich sehr vorsichtig auf diesen Punkt hinarbeiten: „Sie haben wirklich beeindruckende Ergebnisse erzielt, Miss Shadows, darf man fragen, wie Sie das geschafft haben? Natürlich ohne Ihre Intelligenz anzuzweifeln! Ich bin einfach neugierig."

„Ich fürchte Sie halten mich für intelligenter als ich wirklich bin, Lord Malfoy.
Meine Jugend bestand aus reinem Studium, mein Mindestpensum waren 10 Stunden Arbeit täglich.
Meine Mentoren, die mich das ganze Jahr über sieben Tage die Woche unterrichteten, waren auch diejenigen, die ich als einzige Gesellschaft hatte.
Bei derart erfahrenen Magiern wie Professor Dumbledore, Nicolas Flamel-"

„Flamel?", irritiert sah ich zu dem Mädchen, „Der Nicolas Flamel?"

„Ich kenne nur einen Nicolas Flamel, Sir, der Alchimist. Er ist im übrigen auch gerade in Hogwarts, ich werde heute Abend mit ihm abreisen."

„Ich verstehe... Deshalb war es Ihnen möglich unter Severus Kriterien zu bestehen?"

Sie schmunzelte in meine Richtung, Severus hingegen schien völlig desinteressiert an dem Gespräch und zauberte für Draco einen kleinen Illusionsdrachen, der fauchend um den Kopf meines lachenden Sohnes kreiste.

„Ehrlich gesagt war ich mir nicht sicher, ob ich bestehen würde, trotz eines brillanten Mentors wie Nicolas."

„Darf man erfahren, von wem Sie noch unterrichtet wurden, Miss Shadows?", fragte ich lächelnd.

Zweifellos würden noch andere bekannte Namen fallen, eventuell war es mir möglich durch ihre Lehrer Informationen über das außergewöhnliche Mädchen zu erhalten, zumal ich bemerkt hatte, dass auch Severus reichlich interessiert schien und vermutlich, ebenso wie ich, bisher noch im Dunkeln tappte.

„Nicolas Flamel, wie bereits erwähnt, unterrichtete mich in der Braukunst und in Kräuterkunde. Er sagte mir, dass er mich alles lehre, was ich wissen müsse, der Rest wäre eine Sache der Erfahrung.
Trotzdem, er ist und bleibt mein Mentor und Fragen habe ich immer noch mehr als genug. Bisher war er sehr geduldig mit mir, dafür bin ich dankbar.

Manche Fächer unterrichteten meine Mentoren abwechselnd, so duellierte ich mich mit all meinen Professoren und auch mit meinem Vater.
Zaubereigeschichte wurde mir früh nahegelegt, spielerisch als 'Gute-Nacht-Geschichten'."

Draco quietschte fröhlich, ein Grinsen stahl sich auf mein Gesicht, als ich sah, dass sich die Wangen meines alten Freundes Severus in Erwartung einer peinlichen Offenbarung rötlich färbten.

„Daddy und Sev erzählen mir auch immer 'Gute-Nacht-Geschichten'!"

Das Mädchen musterte den Tränkemeister eingehend, dieser starrte trotzig zurück und Serena schien schlau genug zu sein, nicht weiter auf Dracos Kommentar einzugehen.

Ich fürchtete, dass mein Sohn gerade drauf und dran war Severus hart erkämpftes Image eines bösen Tränkemeisters zunichte zu machen, zumindest konnte ich mir vorstellen, dass es ernüchternd wirkte zu erfahren, dass 'die Fledermaus' allabendlich einem Kind am Bett Märchen vorlas.

Die Schülerin räusperte sich um vorzufahren, nicht ohne Severus noch einmal einen amüsierten Blick zuzuwerfen und dafür einen bockigen Blick seinerseits zu ernten.

„Albus unterrichtete mich in Okklumentik und Legliments, wie Professor Snape bei dem Prüfungs-Duell beobachten konnte, wurde ein Schwerpunkt meines Trainings auf magische Kampftechniken gelegt."

Magische Kampftechniken, eine nette Umschreibung für Schwarze Magie.

Die meisten Magier dachten, Albus Dumbledore wäre allein der reinen, weißen, Magie zugetan.
Ich fürchtete, dass die meisten Magier auch völlig Idioten waren.

Wie hätte Dumbledore 1945 Grindelwald nur mit dem Gebrauch weißer Magie besiegen sollen?
Ihn zu Tode heilen?

Es war klar, dass der Direktor als Mann des Friedens ein fähiger Kampfmagier sein musste, leider war es eine unwiderlegbare Tatsache, dass jeder friedlichen Zeit ein Krieg vorausging und jede friedliche Zeit irgendwann durch einen Krieg beendet werden würde.

Männer wie Dumbledore waren es, die dafür sorgten, dass Kriege endeten.

Ich wäre nicht überrascht, wenn der Direktor dunkle Sprüche und Zauber beherrschen würde, von denen selbst der dunkle Lord noch nie etwas gehört hatte.

„Mein Vater Devon unterwies mich in den Grundkenntnissen eines Fluchbrechers und erzog mich nach der Tradition der Reinblüter, was bedeutet, dass ich sowohl Tanz-, Sing-, und Musikunterricht bekam, als auch das korrekte Verhalten in höhergestellten Gesellschaftsschichten gelehrt wurde."

Mental machte ich mir eine Notiz, dass ich Draco ins Gewissen reden sollte in Kontakt mit dem Mädchen zu bleiben.

Zwar wurden nicht selten diese Grundkenntnisse in reinblütigen Familien gelehrt, dennoch konnte man Bulstrode und Parkinson als bestes Beispiel dafür nennen, dass diese Erziehung an einem Großteil der jungen Magier völlig vorbei ging.

Mit Grauen erinnerte ich mich an den letzten Ball in unserem Hause.
Vermutlich war ich der einzige Vater, der sich nicht für sein Kind geschämt hatte.
So ausgelassen und fröhlich Draco plapperte, sobald wir allein waren, so diszipliniert und aristokratisch verhielt er sich, sobald es die Etikette von ihm verlangte.

„Anthony Prius", fuhr die Schülerin fort, während mein Unterkiefer drohte runter zu klappen, „lehrte mich ebenfalls korrekte Umgangsformen.
Er ist mein Magister, der mich in den wichtigsten Sprachen wie Russisch und das grundlegende Arabisch, Latein, in dieser Verbindung auch Italienisch und Französisch, unterwies.
Anthony drohte mir damit, nicht eher zu ruhen, bis ich die wichtigsten Sprachen in Perfektion beherrschte.
Außerdem lehrt er mich Politik, Diplomatie und die Variablen des Geschäftslebens, mit allem, was dazu gehört."

Anthony Prius, bei Salazar, natürlich war er mir bekannt.
Prius war ein Aristokrat des alten Adels, der sich in die Einsamkeit zurückgezogen hatte, nachdem seine Tochter von einem Werwolf zerfetzt worden war und selbiger seinen Enkel gebissen hatte.

Früher war er ein international engagierter Politiker, ein steinreicher Geschäftsmann und verfügte über spinnennetzartige Verbindungen zu allen Zaubereiministerien, Institutionen und Gesellschaftsschichten.

Heute kannte niemand seinen genauen Aufenthaltsort und dieses Mädchen sagte mir, dass sie von einem der bekanntesten Magier dieser Zeit unterrichtet wurde!

Ich bedeutete ihr vorzufahren, wahrlich, ich hatte mehr Fragen auf dem Herzen als Galeonen in der Tasche, trotzdem entschloss ich mich das Mädchen erst einmal ausreden zu lassen.

„Natürlich hatte ich auch wechselnde Dozenten, meine Mentoren waren immer darauf bedacht, dass mich die besten ihres Faches unterrichteten."

Suchend blickte ich mich auf dem Tisch nach etwas anderem als dem obligatorischen Saft um.

Anscheinend wusste Albus, dass ich Kürbissaft schon immer gehasst hatte, denn ich sah eine verstaubte Weinflasche auf dem Tisch, nach der ich auch sofort griff.

Während ich mir ein gutes Glas Rotwein einschenkte, nach einem Blick zu Severus, der mir sogleich sagte, dass er mich am liebsten erwürgt hätte, da ich als 'Gast' dem Alkohol frönen durfte, er jedoch als Lehrer weiter bei Wasser und Saft bleiben musste, fuhr ich fort weiterhin meine Fragen an Miss Shadows zu stellen.

„Haben Sie sich bereits für ein Fachgebiet entschieden?"

„Ja, Sir. Mundet der Wein?"

Tatsächlich hatte der Wein eine delikate Note, einen aromatischen lieblichen Geschmack und schien eine der teureren Varianten: „Vorzüglich, Miss Shadows, möchten Sie auch ein Glas?"

„Nein, danke, Mister Malfoy, als Schüler steht mir das nicht zu, jedoch freue ich mich, dass der Wein Ihren Vorstellungen entspricht.
Er ist aus dem privaten Weinkeller meines Vaters, ich hatte ihn für heute aufgehoben doch leider war mir entfallen, dass Albus keinen Wein mag.

Zu Ihrer Frage:
Ich habe mich bereits spezialisiert, auf den Bereich Neurotoxine und Nervengifte."

Unkontrolliert fing ich an zu husten, das Grinsen, mit dem das Mädchen mich gerade bedachte, erinnerte mich unwillkürlich an meine Schulzeit. Das selbe Grinsen hatte Severus zur Schau getragen, nachdem ich von etwas getrunken hatte, das vorher von dem kleinen Giftmischer mit einem Zaubertrank versetzt worden war.

„Lucius, geht es dir nicht gut?", raunte mir ein grinsender Severus zu.

Ich stellte das Glas auf dem Tisch ab, wartete einige Sekunden auf eine eventuelle Wirkung und räusperte mich: „Nein, nein alles in bester Ordnung."

Das Glas schob ich vorsichtshalber, zusammen mit der vollen Weinflasche, ein Stück weg von mir und sah mich nach Severus Wasserkarraffe um.

„Sera?", Draco sah sie mit großen Augen an, „Was machst du jetzt?"

Das Mädchen sah irritiert meinen Jungen an, statt Draco antwortete ich, denn es war ein guter Ansatz für meine nächste Frage: „Mein Sohn möchte wissen, welche Tätigkeit sie ausüben werden, Miss Shadows."

„Nun, zuerst werde ich nächstes Jahr die Prüfung zum Tränkemeister absolvieren, was darauf folgen wird, ist noch nicht entschieden.
Ich habe bestimmte Vorstellungen meinen zukünftigen Tätigkeitsbereich betreffend, doch muss ich erst sehen wie sich alles entwickelt."

„Was sind das für Vorstellungen, Miss Shadows?", erklang nun die dunkle, ruhige Stimme meines Freundes Severus, die Schülerin lächelte ihn an und lupfte eine Augenbraue.

„Natürlich bevorzuge ich einen Tätigkeitsbereich, bei dem ich Trankexperimente durchführen kann, Sir.

Verzeihen Sie, Professor, ich respektiere Sie und Ihre Arbeit, aber Lehrkraft käme für mich nie in Frage, meine Nerven sind aus Seide, wenn Sie verstehen."

„Ich verstehe Sie", antwortete der Tränkemeister belustigt, „aber glauben Sie mir, Miss Shadows, mit der Zeit entwickelt man effektive Methoden um seine Nerven zu beruhigen."

Sie lächelte ihn verwirrt an: „Bitte?"

„Strafen, Miss Shadows", antwortete er sadistisch lächelnd, „nichts ist effektiver als stundenlanges Putzen von Kesseln, Wänden und Böden ohne magische Hilfe, vor allem, wenn noch eine drei Fuß lange Strafarbeit auf den Schüler wartet.
Irgendwann lernt es auch der Dümmste."

Geschockt sah mein Sohn seinen Paten an: „Onkel Sev? Ist das wahr? Daddy!"

Draco sah hilfesuchend zu mir, selbstverständlich wusste ich, dass Severus meinen Jungen nie grundlos strafen würde, aber Draco hatte die Angewohnheit, Regeln großzügig zu übersehen und Grenzen soweit es ihm möglich war auszutesten.

Severus sah ihn amüsiert an: „Wenn du mir keinen Grund gibst, Draco, werde ich dich sicher nicht bestrafen."

Mein Stammhalter fing mit großen Augen an heftig den Kopf zu schütteln: „Nein, Onkel Sev! Ich werd brav sein, bestimmt!"

Severus strubbelte seinem Patensohn durch die Haare: „Dafür werde ich schon sorgen, außerdem gäbe es schlimmere Strafen.

Miss Shadows? Mich würde interessieren wie Nicolas und Albus Sie straften, ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie immer einfach waren."

Das Mädchen besah den Tränkemeister skeptisch und fing dann doch an zu grinsen:
„Nun das kam immer darauf an, was ich angestellt hatte und wer mir die Strafe aufgebrummt hat.
Körperliche Züchtigung war natürlich nie der Fall, aber meine Professoren straften mich durchaus so, dass ich es mir merkte."

„Die da wären, Miss Shadows?"

Mein alter Freund lehnte sich interessiert und aufmerksam zuhörend ein Stück nach vorne.

Anregungen für künftige Strafarbeiten waren ihm immer willkommen.
Severus hatte sich bei mir schon öfters darüber beschwert, dass putzen keine 'pädagogisch wertvolle Erziehungsmaßnahme' wäre, was für mich übersetzt soviel wie 'es befriedigt nicht meine Rachsucht' hieß.

Die Schülerin seufzte und musterte den Tränkemeister mit einem amüsierten Glitzern in den Augen.
„Vermutlich werden es Ihre Schüler bereuen... und ich - irgendwann.

Albus Zitronenbonbons habe ich seinerzeit durch gefärbte Chilli-, Knall- und Scherzbonbons ersetzt, Großvater hat gelacht, trotzdem ließ er sich eine überzeugende Strafe einfallen.
Ich durfte einen Monat lang für Muggel arbeiten..."

Ich verschluckte mich und fing an zu husten: „Bitte was haben Sie!?"

„Einen Monat für Muggel gearbeitet, Sir.
Ich vermute Albus hatte es sowieso in Erwägung gezogen, zumal die Muggel schon Bescheid wussten, ich lieferte ihm nur noch einen Grund."

„Worin bestand Ihre Aufgabe?", wollte nun auch Severus wissen.

Missbilligung zeichnete sich in seinem Blick ab, ich konnte es nur zu gut nachvollziehen.
Für einen Magier, vor allem für einen reinblütigen Zauberer, gab es keine erniedrigende, gewaltlose Strafe als für einen Muggel zu arbeiten.

„Es war nichts wirklich Schlimmes, es war nicht einmal ein richtiger Muggel, sondern ein Squib, der unter Muggeln lebte und eine Bücherei führte.
Er brauchte Hilfe, sein Partner fiel für einen Monat aus und soweit ich mich erinnere, wollte sein Kollege mit seiner Frau in die Flitterwochen.
Also habe ich diesen Monat die Arbeiten übernommen."

Mein Sohn zog die Nase kraus: „Du hast für einen Squib gearbeitet? Das ist wirklich eine gemeine Strafe!"

„Besser als die Strafe, die ich von meinem Vater erhielt, nachdem ich den Drink seines Freundes mit einem äußerst wirksamen Abführmittel versetzt hatte."

Severus fing dunkel an zu lachen, eine wahre Seltenheit, aber wenn es um Tränke ging, die in guter, alter Slytherin-Manier untergejubelt wurden, war er genau in seinem Element.

Das hatte ich oft genug zu spüren bekommen.

„Sie haben bitte was? Welcher Trank?"

Das Mädchen grinste: „Einen 'Liqiudum Deduco'."

Severus Augen funkelten und obwohl ich den Trank nicht kannte, konnte ich anhand seiner Reaktion sehen, dass es wohl kein einfaches Abführmittel war.

„Lucius", sprach er mich von der Seite an. „erinnerst du dich daran, als Sirius im dritten Schuljahr einige Wochen auf der Krankenstation lag?"

Ich nickte, zu gut erinnerte ich mich daran.

Sirius hatte Severus kopfüber aufgehängt und seine Hosen verschwinden lassen.
Es war eine Demütigung ohnegleichen, wochenlang sprach unser Jüngster kein Wort mit mir und Regulus bis er schließlich eines Abends mit einem seltsamen zufriedenen Glitzern in den Augen den Gemeinschaftsraum betrat, sich zu uns setzte und meinte die Sache sei geklärt.

Wie er die Sache 'geklärt' hatte erfuhr ich am nächsten Tag durch einen sichtlich geschockten Regulus.

Madam Pomfrey beorderte Regulus auf die Krankenstation und wurde von der Medihexe befragt, ob es in seiner Familie Fälle von akuten Stoffwechselproblemen gab, als Regulus verneinte, führte sie ihn zu seinem, in Windeln gewickelten, jüngeren Bruder Sirius.

Die Medihexe war völlig ratlos, nichts konnte den Durchfall stoppen, sowie Sirius etwas zu sich nahm, schien es rasend schnell durch seinen Körper zu fließen um halb verdaut wieder das Tageslicht zu erblicken.

Er war in einem wirklich erbärmlichen Zustand und das für gute zwei Wochen.

Nicht, dass Sirius das nicht verdient hatte!
Man konnte sogar sagen, dass Regulus und ich ein wenig stolz auf unseren Jüngsten waren, endlich hatte er sich wie ein richtiger Slytherin gewehrt.

Severus dunkle Stimme riss mich aus meinen Gedanken: „Normal ist dieser Trank nicht nachweisbar, wie kam ihr Vater darauf, dass Sie mit der Sache zu tun hatten? Und welchen Grund hatten Sie, dem Freund ihres Vaters gerade diesen Trank in den Drink zu mischen?"

Das Mädchen räusperte sich und sah den Tränkemeister mit einer Unschuldsmine an,
„Der einzige, der damals bei uns zu Hause fähig war derartiges durch einen Trank in die Wege zu leiten, war ich.
Ich konnte diesen Muggel nicht leiden, Sir, ich war in der Stadt, bei genannter Strafarbeit von Albus und habe den Kerl quasi inflagranti mit einem anderen Mann erwischt.

Ich sagte meinem Vater nie etwas davon, es war besser, dass ich ihn vertrieben habe. Dad hat genug mitgemacht, ich wollte nicht, dass es ihm schlechter ging als ohnehin schon."

Ihre Stimme hatte einen harten Ton, ihr Grund war nachvollziehbar, trotzdem hätte es ihr die Strafe erspart, zumal ich mir denken konnte, dass sie bittere Konsequenzen nach sich gezogen hatten.

„Was waren die Konsequenzen, wenn ich fragen darf?"

„Mein Vater ließ mich den Rasen mähen, eine Fläche von den Ausmaßen des Hogwarts-Geländes.

Ohne Magie nur mit einer alten Sense habe ich täglich mehrere Stunden damit zugebracht und das über einige Wochen.

Dank der Blasen an meinen Händen durfte ich auch einen guten Monat warten, bis ich mich wieder der Braukunst zuwenden konnte, mir war es schier unmöglich einen Zauberstab zu halten, geschweige denn korrekt zu schneiden oder mit dem Mörser umzugehen."

Geschockt sah ich das Mädchen an, auch Severus musterte sie ungläubig.

Draco schien von alldem nichts mitbekommen zu haben, er spielte ausgelassen mit seinem Illusionsdrachen.

Severus stellte jene Frage, die mir durch den Kopf ging: „Warum haben Sie ihrem Vater nicht die Wahrheit gesagt? Verständlich, dass er Sie gestraft hat, wenn auch in einem Ausmaß und einer Art, die ich nicht verstehe. Sicherlich hätte er anders entschieden, wenn Sie ihm den Hintergrund offenbart hätten."

Das Mädchen seufzte, ein dunkler Schatten lag über ihren Augen, als sie mich intensiv musterte .

Als sie begann zu sprechen, zögerlich und unsicher, schien es mir als würde sie allein mich mit ihren Worten erreichen wollen: „Sir, wie ich Ihnen bereits sagte, alles wofür mein Vater gelebt hatte, wurde ihm genommen und ich werde ihn nicht mehr verletzen als nötig.
Sollte ich durch mein Handeln Konsequenzen ziehen müssen, sei's drum.
Irgendwann werde ich entgegen seinem Willen handeln, jene Konsequenz und die folgende Strafe werden wohl härter sein als alles Vorhergegangene.

Trotzdem wird mich nichts davon abhalten können und sollte es noch so unmöglich sein, in ferner Zukunft werde ich es wagen, koste es was es wolle."

Flashback Ende

natürlich erinnere ich mich noch an Sie, wie könnte ich nicht?

Ich freue mich von Ihnen zu hören, auch wenn ich zugegeben muss, dass mich Ihr Schreiben überraschte.

Mit Ihrem Sohn verbindet mich eine enge Brieffreundschaft, Draco ist ein wundervoller Lichtblick in der Triste des Alltags.
Natürlich höre ich rund um Hogwarts einige Geschichte von meinem Großvater, Dracos Ansichten und Ausführungen sind, wie ich gestehen muss, um einiges interessanter.

Tatsächlich bin ich Leiter einer Abteilung eines internationalen anerkannten Institutes, meine Abteilung beschäftigt sich hauptsächlich mit wissenschaftlichen Forschungen.

Unsere Gruppe ist unter dem Namen 'Custodis Opacum' bekannt.

Mit dem englischen Ministerium verbindet mich nicht viel, leider wie ich sagen muss, denn ihr Minister ist der Ansicht, dass er allein Englands magische und nicht-magische Gesellschaft beschützen könnte.

Zu Ihrer Frage, Lord Malfoy, natürlich würde es mich freuen, Sie, Draco und Severus zu einem derartigen Spektakel zu begleiten und ihre Frau kennen zu lernen.

Ich vermute es soll für Severus eine Überraschung werden, nicht wahr?

Ihrem Vorschlag uns am Tag des Finales in Ihrem Ministerium zu treffen würde ich gerne zustimmen, sollte etwas dazwischen kommen, würde ich Sie bitten mich zu informieren, ansonsten werde ich Sie an diesem Tag, etwa zwei Stunden vor Spielbeginn in Ihrem Büro aufsuchen, sollten Sie damit einverstanden sein.

In freudiger Erwartung

Serena Serpens Shadows

Auch nachdem ich den Brief drei, vier Mal durchgelesen hatte, stand immer noch der selbe Name in Mitten des Pergaments.

'Custodis Opacum'

In Gedanken versunken streichelte ich den Bussard.

Der Vogel hatte sich mittlerweile in der kleinen, offenen Silberbox, die auf meinem Tisch stand und für wichtige Dokumente gedacht war, nieder gelassen und gurrte zufrieden vor sich hin.

Ich stand auf und lief aufgeregt in meinem Büro umher, nun, vollends von meiner Idee überzeugt, musste ich nur noch an der Ausführung feilen.

Natürlich, es würde nicht einfach werden, aber Draco unter dem Schutz der 'Custodis Opacum' zu wissen, wäre eindeutig das Beste, was ich meinem Sohn bieten konnte.