Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum.
Kapitel 21: Schwinge, Huf und Horn
In der sechsten Klasse machten sie einen Ausflug in eine Technikausstellung.
Das alte Kongresszentrum von Manehattan war ein großartiger Bau aus Gussstahl und Glas, ein riesiger Wintergarten, dessen durchscheinende Fassaden von verschnörkelten, reich verzierten Streben aus Metall gehalten wurden. Der Boden war ein Schachbrettmuster aus schwarzem und weißem Marmor, auf dem die Hufe der heranwachsenden Füllen und Fohlen laut klapperten, als sie in jugendlichem Eifer von einem Ausstellungsstück zum nächsten rannten. Ihre Lehrer versuchten die Bande zusammen zuhalten und ihnen etwas nützliches über die vielen Maschinen und technischen Wunder beizubringen, die aufgereiht standen, aber es war wohl schlimmer, als einen Sack Flöhe zu hüten.
„Das sind Dampfmaschinen! Mein Papa baut die!", rief Piston, einer von Rogues Schulkameraden stolz aus und deutete auf eine riesiges, stählernes Ungetüm, das nur aus Rädern, Kolben und Stangen zu bestehen schien.
„Hey, was ist das?", fragte Rogue und deutete auf einen kleinen Bereich, der durch Stellwände und ein Zeltdach vom Rest der Ausstellung abgetrennt war. Ein großes Banner hing über dem Eingang. Es verkündete: „Die Wunder der Elektrizität. Eine neue Kraft!"
„Pfft, mein Dad hat mir davon erzählt.", winkte Nobles, ein Einhornfohlen, ab. „Er sagt, das es ziemlicher Quatsch ist. Viel schwächer als Magie! Nur eine Spielerei. Lasst uns lieber die Ausstellung mit den Kristallmaschinen gehen! Das ist wirklich interessant."
Die kleine Gruppe machte sich auf den Weg zu einem anderen Teil der Ausstellung.
Rogue blieb hinter ihnen zurück. Er sah einen Moment lang den anderen Ponys nach. Er war froh, das er endlich eine Clique gefunden zu haben, die seine Präsenz zumindest tolerierte. Es war eine Erleichterung, seine Pausen und freien Nachmittage nicht mehr allein oder mit einem der anderen Außenseiter verbringen zu müssen, bis diese etwas besseres gefunden hatten. Vielleicht, wenn er weiterhin den Kopf unten hielt und brav ´Ja´ zu allem sagte, würden sie ihn irgendwann mehr mögen...
Er setzte ein Huf vor sich, dann hielt er inne. Er sah zu dem Banner über dem Eingang.
Es interessierte ihn wirklich, was hinter dieser ´neuen Kraft´ steckte. Die Anderen gingen unbekümmert ihrer Wege, lachten und scherzten untereinander. Sie bemerkten noch nicht einmal, das er fehlte.
Er hatte geschworen, sich Freunde zu machen. Nicht mehr allein seiner Wege zu gehen, sondern ernsthaft zu versuchen mit den anderen Ponys klar zu kommen. Aber auch seine bescheidenen Erfolge änderten nichts daran, das er sich in ihrer Mitte immer noch seltsam verloren vor kam.
In einem Anflug von Arroganz und Egozentrik, wie ihn wohl in dieser Form nur ein heranwachsendes Pony haben konnte, drehte er sich um und schritt entschlossen auf den Eingang des kleinen Bereichs zu. Was machte es schon aus, das sie ihn nicht wirklich mochten? Eigentlich waren sie alles Idioten. Er würde es ihnen schon noch zeigen. Irgendwann... irgendwie. Aber jetzt wollte er sich erst einmal diese Elektrizität ansehen, so wie er es am besten konnte – allein.
Er schlüpfte durch den Vorhang unter dem Banner und fand sich im spärlich erleuchteten Inneren wieder. Das einzige Licht im Inneren kam von kleinen Leuchtkugeln im Inneren, die seltsam schwach leuchteten. Magische Lampen waren in Equestria weit verbreitet, aber ihr Licht war normalerweise wesentlich heller und die Kugeln größer... und nicht so wie Birnen geformt. Er sah auf und bemerkte, das jeder der kleinen Lichter über einen Strang miteinander verbunden war. Die dunkle Schnur lief über die Decke, bündelte sich und endet in einem summenden Kasten neben dem Vorhang...
´Drück mich!´, stand auf einem kleinen, roten Knopf darauf. Rogue hob neugierig den Huf und...
Das Licht unter dem Baldachin flammte auf, so hell, das er für einen Moment die Augen zusammen kneifen musste. Die dunklen Kästen und Apparate, die er in der Düsternis vorher kaum zu erahnen gewusst hatte, erwachten knisternd, summend und ratternd zum Leben. Der Hengst trat instinktiv einen Schritt zurück und stieß gegen einen Tisch hinter ihm. Er drehte sich erschreckt um, ob er etwas kaputt gemacht hatte, nur um zu sehen, das die Nadel des Grammophons, das darauf stand, gerade auf die Schallplatte viel. Der Trichter knackte und rauschte, dann erwuchs eine Stimme daraus.
„Willkommen, lieber Besucher, zu unserem Teil der Technikausstellung ´Wunder der Elektrizität´! Die Funktion der Geräte und Phänomen, die wir ihnen darin vorstellen wollen, beruht auf dem Fluss von kleinen Teilchen zwischen zwei Quellen, die wir ´Plus-´ und ´Minuspol´ nennen. Durch Erforschung der Wechselwirkung zwischen diesen ist es gelungen, Effekte hervorzubringen, die wir bisher nur durch Magie erreicht haben. Aber diese Kraft kann problemlos durch alle Ponys genutzt werden, ohne das es der Magie der Einhörner bedarf! Tatsächlich ist das Prinzip dieser ´Neuen Kraft´ ein schon lange bekanntes: Bereits vor vierhundert Jahren..."
Rogue blendete die kratzende Stimme aus, als er etwas seltsames bemerkte: Das Grammophon hatte keine Kurbel. Seine Eltern besaßen eines dieser Geräte, aber es funktionierte rein mechanisch, mit einer Feder im Inneren, wie ihm sein Vater erklärt hatte. Er besah sich den Kasten von allen Seiten, konnte aber weder eine Kurbel, noch ein Gewinde entdecken. Aber eine der schwarzen Schnüre führte hinten in den Apparat...
Seine Neugier erlahmte schnell und er sah sich weiter im Zelt um. Viele kleine Lichter blinkten an jedem der Geräte. Sie alle hatten ein Schild unter einem Knopf, das verlangte ´Drück mich!". Aber am interessantesten sah diese große Glaskugel in der Mitte des ganzen aus. Es war durch rote Samtschnüre abgetrennt, so das nur ein schmaler Zugang übrig blieb. Neugierig trat Rogue näher. Ein einsames Podest stand neben der ponygroßen, durchsichtigen Kugel. Der rote Knopf darauf war der einzige, der fortwährend rot leuchtete.
Der heranwachsende Hengst trat näher und und sah sich das ganze näher an. Das Summen in der Luft, das in der Hauptsache von diesem zentralen Objekt auszugehen schien, nahm stetig zu. Nur hier fehlte das Schild, das einem zum drücken aufforderte.
Rogue zögerte. Vielleicht war das hier nicht für Besucher gemacht. Vielleicht stand hier normalerweise ein Pony der Ausstellung, der wusste, wie man das ganze bediente. Vielleicht... war es gefährlich.
Das Summen stieg an, dann gab es ein hörbares Klicken. Der rote Knopf begann zu blinken.
Er sollte das wirklich nicht tun. Aber es war ein blinkender, roter Knopf in einem Zelt voller wundervoller Apparate. Es wäre doch eine Schande wenn er...
Er drückte den Knopf.
Die Kugel erwachte zu funkelndem Leben. Er sah jetzt, das sie nicht leer war. Eine Stange mit einem messingfarbenem Kopf füllte ihre Mitte aus. Für einen Moment leckten pinke Feuerzungen darum, dann sprangen feine Blitze aus Ihr heraus und tanzten violett, blau und purpurn über die Innenseite ihres gläsernen Gefängnisses. Sie wirbelten durcheinander, zogen geisterhafte Schlieren aus Blau hinter sich her, erfüllten die Kugel mit unfassbarem Glanz und kaltem Feuer.
Fasziniert trat er einen Schritt näher.
Die Zungen zerfaserten, wenn sie das Glas trafen, spalteten sich auf und zogen spinnenhafte Projektionen über die glatte Oberfläche, bevor sie vergingen, ohne eine Spur zu hinterlassen.
Er streckte seinen Huf aus, gefesselt von dem Anblick. Er berührte das Glas und...
Seine Haut unter dem Fell kribbelte. Jedes einzelne seiner Haare, sein Schweif, seine Mähne, füllte sich kitzelnd mit Energie. Es war wie an jenem Tag in dieser Ausstellung, damals als Heranwachsender. Das Gefühl war so gleich, so vertraut, das ihn die Erinnerung wie ein Blitz durchzuckte.
Aber, anders als damals, hörte es nicht auf als ihm sein Fell weit vom Körper abstand. Statt dessen wuchs es immer noch an, potenzierte sich, schwoll an, wie die Flut aus einem Stautor, das man geöffnet hatte.
Kraft durchzuckte ihn, roh und ungehemmt. Sein Kopf ruckte nach oben, geleitet von Muskeln, die er nicht mehr selbst kontrollieren konnte. Jeder Atemzug war wie eine Welle an einem endlosen Strand, eine Welle, die größer und größer wurde, die immer weiter aufstrebte, ihn immer weiter auffüllte, bis er meinte sein Körper müsste platzen, so voll war er von ihr. Er meinte jede Faser, jede Zelle seines Körpers spüren zu können, wie sie vibrierte.
Und nicht nur das. Auch sein Geist raste, sein Hirn zuckte in dem Gewitter aus Kraft und Energie, das ihn durchtobte.
Das... das ist Magie. Rein, roh und ungeformt. So fühlt sie sich an.
Eine andere Erinnerung sprang in seinen Geist.
Es fühlte sich an, als würden Tausende kleiner Ameisen über sein Fell krabbeln und ihn kitzeln. Für einen Moment war es fast lustig, aber dann, wie auf ein geheimes Kommando... bissen sie alle zu. Er wollte noch protestieren, aufschreien, aber dort, wo sich sein Verstand befinden sollte, war nur ein violetter Wirbel, der sich drehte und drehte und ihn mit sich in seine Tiefen riss...
Damals war er nur das Ziel von Twilights Zauber gewesen. Hier und jetzt war er Teil davon.
Celestia und Luna, DAS ist Magie, so fühlt sie sich an! Es ist so herrlich! So wundervoll! Es ist das Gefühl alles zu können, alles in Reichweite zu haben! Alles...
Er füllte, wie seine Hufe vom Deck des Schiffe abhoben. Die Sensation des Schwebens war wunderbar, aber nichts im Vergleich zu der aufgestauten Energie, die in seinem Inneren tobte. Es war berauschend. Das Gefühl reiner Macht und Freude durchströmte ihn bis in die letzte Faser seines Seins. Er hatte noch nie so viel Kraft in sich gespürt, solche Zuversicht, als jetzt, da ihn die Magie...
Der weiß gestrichene Zaun zu seiner Linken ging ihm bis zu den Schultern und trennte den Hain von der Straße ab. Als der Weg einen Knick machte, senkte Rogue entschlossen den Kopf und kniff die Auge zusammen. „Yeehaa!" Seine Hinterläufe stemmten sich in den Boden und stießen ihn kraftvoll ab. Das weiße Holz segelte unter ihm hinweg und seine Hufe griffen in das weiche Gras zwischen den Apfelbäumen. Ohne auch nur langsamer zu werden, stürmte Rogue unter dem Schatten des Haines durch die sauberen Reihen der Bäume. Hier war das Gras noch grün und saftig und die Hitze war abgemildert durch die dichten Blätter. Er konnte nicht anders und lachte, laut und fröhlich, als sein Galopp ihn tiefer und tiefer zwischen die Apfelbäume führte. Seine kurze Mähne wippte im steten Rhythmus seiner Hufe und sein Schweif peitschte im Wind. Die braunen Stämme wurden zu verwischten Schemen, als er weiter beschleunigte. Er lief ein Rennen gegen sich selbst. Da hinter ihm war seine Sorgen und Ängste und vor ihm... war der grüne Hain, der Duft nach Gras und Sommer.
Doch, er hatte es schon einmal gespürt. Das Gefühl, ewig laufen zu können. Das Gefühl, dass nichts einen aufhalten könnte. Das alles, wirklich alles in Reichweite lag. Alles möglich war.
Er sah auf und erlaubte seinen Augen zu sehen, wirklich zu sehen. Er sah Pinkie Pie, Rarity, Applejack und Fluttershy, wie sie in dem Kreis standen. Und er sah Twilight, der Mittelpunkt, um den sie sich scharten. Die Stute trug einen konzentrierten, schmerzvollen Ausdruck auf ihrem Gesicht. Ein warmes, helles Licht blendete alles um sie herum aus, das Schiff, die Rufe der Besatzung und den Sturm, der dort draußen immer noch tobte. Er sah sie und verstand es.
Die Kraft kam nicht von ihnen, oder von ihm selbst. Sie entströmte dem, was sie gemeinsam waren.
Er hatte in den vergangenen Tage viel darüber nachgedacht, was Freundschaft bedeutete. Sie sollte Loyalität sein, Ehrlichkeit, Freude, Großzügigkeit und Güte. Er wusste das, sogar noch bevor er den Elementen der Harmonie begegnet war. Es war sein instinktiver Ansatz zu diesem Konzept gewesen, ein Ideal, nach dem er immer gestrebt hatte, wahrscheinlich wie so viele andere vor ihm. Aber als er in die Gesichter der Ponys um sich sah – verstand er es nicht bloß. Er fühlte es, tief aus sich heraus, jenseits seiner Erwartungen, seines Anspruches und seiner Vorstellungen.
Für diesen Moment war er ein Gläubiger, der nach langer, oh, so langer Zeit, endlich ein Wunder mit eigenen Augen sah.
Was er damals bei seinem Lauf gespürt hatte, war Glück gewesen, reines unverfälschtes Glück. Nicht weniger als er jetzt verspürte. Aber diesmal kam das Gefühl nicht aus der einzigen Quelle in seinem Herzen sondern auch noch...
...von seinen Freunden.
Da ging es ihm auf: Was er fühlte war nicht an die Magie von Einhörnern gebunden. Es war Magie, ja, aber eine, die ihnen allen gehörte und niemanden von ihnen zugleich. Es war etwas, das sie teilten und zusammen erleben konnten.
Teilen... Zusammen...
Er ließ los von dem was nicht seines war, sondern ihnen allen gehörte.
Twilights Gesicht entspannte sich. Funken schlugen um den Strahl aus ihrem Horn. Die Sphäre um das Schiff erstrahlte heller.
„Was immer die tun, es scheint zu funktionieren, Kapitän!", rief Worthwhile.
Fairway stand an der Reling und warf einen besorgten Blick nach unten. „Worth...", begann er leise.
Der Erste Offizier übergab das Ruder dem ersten Steuerpony. Jetzt, da die Winde nicht mehr an ihnen zerrten, lag ihr Kurs ohnehin nur noch in den Hufen der Einhornstute. Er trat zu seinem alten Freund.
„Was ist, Sir?", fragte er. Die sonst so wohl vertraute Selbstsicherheit war aus der Stimme seines Kapitäns gewichen und hatte einem Ton echter Besorgnis platz gemacht.
„Es liegt nicht mehr in meinem Huf.", presste der Kapitän zwischen seinen Zähnen hervor. „Ich... ich habe alles getan um meinem Auftrag gerecht zu werden und dabei die Ponys unter meinem Kommando zu schützen. Aber jetzt... jetzt sieht es so aus als hätte ich einen Fehler gemacht... mich und uns überschätzt... und... und...", er sah auf und blickte in die Augen seines Freundes. „...ich fürchte mich davor die Konsequenzen zu tragen.", brachte er schamvoll heraus. „I-ich habe mich geirrt. U-und meine Ponys müssen dafür leiden. Hätte ich nur... könnte ich nur..." Er sank zurück und sah hilflos auf seine Hufe.
„Nein...nein, nein...", flüsterte Worthwhile. Mit einem Satz war er bei seinem alten Freund. Er nahm die zitternden Hufe in die seinen. „Kapitän... Fair, bitte nicht. Du bist alles was uns jetzt noch zusammenhält. Wir, die Besatzung, alle haben Angst. Aber... aber solange sie wissen, das du hier oben stehst, haben sie auch Hoffnung."
Fairway schüttelte langsam seinen Kopf. „Das ist ja das schlimme: Sie haben mir vertraut und ich habe sie hierher geführt, in die Gefahr... ans Ende der Welt. Sie sind... sind einem Narren gefolgt. Und der Narr hat sie ins Verderben geführt." Er legte seinen Kopf auf die Brust seines ersten Offiziers, seines ältesten Freundes. Er hörte das Herz darin schlagen, laut und wild, fühlten den angestrengten Atem seines Freundes und das Zittern seiner... Wut? Überrascht zuckte er zurück.
Der Erdhengst vor ihm starrte ihn zwischen den Strähnen seiner hellblauen Mähne hindurch an. Sein Mund war zu einem strengen Strich kaum unterdrückten Zorns verzogen.
Fair wich noch weiter zurück. Er hatte Worthwhile noch niemals so... außer sich gesehen.
„Nein.", stellte der erste Offizier fest. „Nein.", er klopfte mit Nachdruck auf das hölzerne Deck. „All die Jahre habe ich zugesehen, wie du dein Spiel getrieben hast. Wie du alles was ich über ´Kommandoführung´ und die ´Ehre des Offiziers´ zu wissen glaubte auf den Kopf gestellt hast. Du wagst es nicht...", er stieß seinen Vorderhuf grob gegen die Brust des Kapitäns. „...du wagst es nicht, mich jetzt zu enttäuschen. Mich glauben zu lassen, dass das Pony, an das zu glauben mir so viel Mühe gekostet hat, das mich hat alles überdenken lassen, sich letztlich als das entpuppt, was ich tief in mir drin befürchtet habe: Ein Scharlatan."
Er trat zurück und hob seine Vorderläufe. „Wie schrecklich muss man sein? Wie niederträchtig und Egoistisch? Um gute Ponys glauben zu machen, sie könnten sich auf einen verlassen?" Er sank in sich zusammen. „Und am schlimmsten: Wie konntest du mir weismachen, dass du dieses Pony bist? Mich glauben lassen, mich hoffen zu lassen... das... ein Traum, fest genug geträumt, ausreicht, um seine Wünsche wahr werden zu lassen."
Worthwhile sah auf und Tränen glitzerten in seinen Augen, als er seinen Freund am Revers packte und ihm ins Gesicht schrie. „Du wagst es nicht. Du bist zu sehr Feigling um diesen Traum enden zu lassen. Du träumst auch für mich, verstehst du nicht? Wir sind hier, weil wir deinen Traum teilen! Du bist so, weil wir alle wollen, das du so bist! Lass diesen Traum nicht enden und uns alle zum Schluss erkennen, das es nur ein Dummkopf war, dem wir gefolgt sind!" Er schüttelte das Pony vor sich noch einmal. „Lass es nicht enden! Ein Traum kann wahr werden, wenn alle fest genug daran glauben! Lass uns zusammen weiter träumen!" Er schluchzte verzweifelt und ließ von seinem Freund ab.
„Ssshhh, alles gut mein Freund. Alles gut." Worthwhile spürte wie ihm jemand beruhigend über den Kopf strich und sah überrascht auf.
Kapitän Fairway stand über ihm und ein warmes, mitfühlendes Lächeln zierte sein Gesicht. Er streckte seinen Huf aus. „Wenn ich ein Träumer bin und ein Traum ausreicht... dann träume ich für euch." Er half seinem ersten Offizier auf die Hufe. Seine Gestalt hatte sich wieder gestraft, und das Lächeln in seinem Gesicht war abenteuerlustig. „Ein Traum sagten sie? Verdamm´ich, aber das sieht mir mehr nach einem Alpdruck aus. Unsere schöne Lady ist in Gefahr und es gibt noch viel zu tun. Sind sie dabei?"
Worthwhile wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und salutierte zackig.
„Seid ihr alle mit mir?", schrie der Kapitän über das Deck.
Die Mannschaft brüllte ihm ihre Antwort entgegen.
Sein Lächeln nahm einen grimmigen Zug an. „Dann machen wir uns ans Träumen."
Der Wald war tief, dunkel und uralt. Seine Bäume wuchsen hoch und dicht, umschlungen mit Efeu und Ranken, sein Boden bedeckt mit trockenem Laub und Farnen. Pilze wuschen auf den verottenden Überresten gefallener Baumriesen. Moss wucherte auf Steinen und Rinde.
Es war kein stiller Ort. Farbenprächtige Vögel sangen ihr Lied in den Baumkronen und kleine Nager huschten keckernd auf den Ästen und Zweigen. Zwischen den gefallenen Blättern krabbelten Käfer und Mäuse. Und im Erdreich darunter, hörbar nur für die besten aller Ohren, wühlten Würmer und Maulwürfe in der Finsternis.
So war es seit einem Millennium und mehr gewesen.
So war es bis die Idle Barter aufsetzte.
Es war keine gute Landung. Es war nicht einmal ein ´Landung´ per se, als viel mehr ein kontrollierter Absturz.
Die schimmernde Blase, das Gewebe aus schützender Magie bog die obersten Zweige auseinander und sprengte die darunter liegenden Äste. Das bersten von Holz ließ die Tiere auseinander stieben wie ein Donnerschlag. Einer der Uralten, ein Koloss aus Rinde, Holz und Blättern, bog sich unter der plötzlichen Gewalt. Durch Jahrhunderte eisenhart gewordenes Holz stemmte sich dem gewaltigen Druck entgegen.
Risse durchliefen das violette Licht. Aber es setzte seinen Weg fort.
Das Holz, starr durch unverrückte Zeitalter, gestärkt durch Wurzeln, die sich tief in die Erde und den Stein gegraben hatten, widersetzte sich.
Druck...
Ein Gewicht, so schwer wie ein Berg...
Unverrückbar, unnachgiebig...
Erdrückend...
Das Holz brach. Risse durchzogen den Stamm, Faser trennte sich von Faser, zerfetzten Jahresringe die Jahrhunderte alt waren. Der Baum schrie, als er auseinander gerissen wurde.
Dann war es fort.
Alles.
Das warme Gefühl der Nähe. Das Kribbeln. Alle Kraft in seinen Gliedern...
Der Zauber zerbrach in einem Regen aus violetten Scherben. Der entblößte Rumpf schmetterte auf den fallenden Riesen nieder. Planken knirschten. Taue rissen. Ponys schrien.
Ein letzter, gewaltiger Stoß schüttelte das Schiff vom Heck bis Bug. Die Idle Barter gab einen gequälten Schrei berstender Balken von sich, dann lag sie still.
Ein Regen aus grünen Blättern fiel auf sie herab und deckte sie und ihre Mannschaft leise zu.
Das Trappeln von Hufen. Schreie. Schatten, die vor seinem Auge auf und ab liefen. Aber alles war so gedämpft, so fern, als wäre er nur ein Passagier in seinem eigenen Körper. Als wäre er in weiche, betäubende Watte gepackt.
Jemand schüttelte ihn.
„Rogue! Kommen Sie schnell, Bon Bon ist verletzt!" Er konnte die Worte kaum verstehen. Sie klangen verzerrt, wie durch ein langes Rohr gesprochen.
Er versuchte aufzustehen, versuchte seine wackligen Knie unter sich zu bringen. „Ja, Lyra, ich komme. Ich versuche nur..." Er sackte zurück. Seine Sicht verschwamm. Alles drehte sich um ihn. Hatte... hatte ihn einer der Schatten erwischt? Er... er schmeckte Blut auf seiner Zunge.
„Lyra! Lyra, leuchte mir! Ich kann nichts sehen!"
Hufe fassten seine Schultern, schüttelten ihn erneut. Ein brennendes Feuerwerk aus Pein explodierte in seinem Kopf. Plötzlich war da auch der Geschmack nach Kupfer in seinem Mund. Es machte ihn würgen. „Lyra, Nein! Ich..." Er wehrte die Hufe ab und übergab sich heftig auf den Boden. Er fühlte, wie sich sein Magen wiederholt schmerzhaft zusammen krampfte, bis er nur noch saure Flüssigkeit ausspie. Er atmete heftig.
„Lyra, warte! Ich glaube, ich habe eine Kopfverletzung! Ich..."
Zu viel Anstrengung. Sein Kopf schien zu explodieren, genauso wie sein Magen. Dann überfiel ihn Schwärze.
Sein Blick fokussierte sich wieder. Er verstand, das er seine Augen bereits eine Zeit lang offen gehabt hatte, aber erst jetzt wirklich verstand, was sie an Signalen an sein schmerzendes Gehirn sandten.
Da war... eine hölzerne Wand, schräg wie eine Rampe. Und eine Art Balkon, an ihrem Anfang. Ponys schritten die Rampe hinauf und lehnten sich über den Balkon. Aber ihre Bewegungen waren falsch, nicht so wie sie sein sollten. Kein Pony konnte so schräg die Wand hochgehen oder sich so über eine Balustrade lehnen, ohne hinunter zufallen.
Er versuchte den Kopf zu heben, aber es ging nicht. Statt dessen drückte er sein Gesicht noch tiefer in das feste, unnachgiebige Kissen unter ihm.
Unter ihm...?
Wo war unten? Wo oben? Er fühlten einen kurzen Anflug von Panik, als der Grund auf dem er lag sich plötzlich zu verschieben schien. Sein Blick schwankte und die Welt schlug wilde Kreise um seinen Verstand. Er versuchte aufzustehen, brachte seine Glieder unter das, was der Boden sein sollte. Aber alles flog wie ein wildes Karussell an ihm vorbei und er fand sich auf dem Boden liegend wieder.
Er versuchte es noch einmal. Mit dem selben Ergebnis.
Rogue blieb liegen und versuchte das ständige Drehen in seinem Kopf anzuhalten. Er hatte rasende Kopfschmerzen und ihm war schwindlig. Sein Magen revoltierte, aber alles was er ausspuckte, war bittere Galle.
Er wollte liegen bleiben, wollten warten bis seine Welt sich entschieden hatte, wo der Boden und der Himmel war, bis sein Kopf nicht mehr so schmerzte, als wäre er mit glühenden Nadeln angefüllt und sein Magen frei war von dem eisernen Band, das ihn zu umschließen schien. Er wollte liegen bleiben und darauf warten, das seine Gedanken wieder klar wurden und Sinn ergaben.
Er wollte... aber er konnte nicht. Er wusste, er musste aufstehen, auch wenn ihm gerade entfallen war, warum. Er musste versuchen seine Beine unter sich zu bekommen. Rogue rollte sich auf den Bauch und hob seinen Kopf. Lanzen brennender Pein durchzuckten ihn, als er fühlte, wie sein Gehirn in seinem Schädel pulsierte. Wieder drehte sich die Welt um ihn, aber er widerstand. Dann, Glied um Glied, richtete er sich auf. Und öffnete die Augen.
Er stand auf dem schrägen Kommandodeck, auf einem Haufen aus Tauen und Segelzeug, das gegen die Balustrade gerutscht war und eine halbwegs ebene Fläche bildete. Neben ihm lag eine weiße Einhornstute in der schmutzigen Uniform der Marineinfanterie, mit einem blutigen Verband um den Kopf. Es dauerte einen Moment, bis Rogue Leutnant Mellow erkannte. Er sah wieder auf.
Die Idel Barter ruhte schräg auf dem Stumpf des riesigen Baumes, den sie zu Fall gebracht hatte. Das Deck war ein Durcheinander aus abgerissener Takelage und herabhängender Segel, aber der Ballonkörper selbst schwebte wie durch eine Wunder noch immer über ihnen. Seine Farbenfrohe Seide hing in tiefen Falten bis hinunter auf das Deck, so als könnte seine Inhalt nicht mehr den vollen Umfang ausfüllen. Aber er schwebte noch.
Ihre Absturzstelle war umgeben von den Uralten Baumriesen wie von unverrückbaren Säulen. Der Fall ihres Bruders hatte ein Loch in die grüne Decke gerissen, durch das die Sonne ihre Strahlen schickte, in der glitzernder Holzstaub blitzte. Jenseits der hellen Lichtung schien der Wald dunkel und bedrohlich.
Vor dem havarierten Rumpf des Schiffes sah Rogue Mitglieder der Besatzung den hohen Farn durchkämmen, der dort wuchs. Sie zogen Teile der heruntergefallenen Takelage beiseite und drückten die grünen Stengel beiseite.
Auf dem Durcheinander des Achterdecks war es nicht anders. Ponys wühlten sich durch das Chaos und stießen Rufe nach ihren Kameraden aus. Er konnte sie sogar von unter Deck hören.
Er drehte sich um und beugte sich zu der verletzten Stute hinunter. Sie sah blass aus und war kaltschweißig und ihr Atem ging schnell, aber regelmäßig. Trotz des Nebels aus Verwirrung und Schmerzen, der ihn immer noch umgab, setzten seine Reflexe ein. Er zog routiniert ihre Lieder vorsichtig mit dem Huf zurück und kontrollierte ihr Pupillen. Es war schwer seine eigene Sicht genug zu fokossieren, aber er glaubte, das sie beide seitengleich reagierten. Seinen erlernten Instinkten folgend, führte er eine kurze Untersuchung ihres Körpers auf schwerwiegende Verletzungen und Knochenbrüche durch und war erleichtert, dass er außer ein paar Schrammen und Abschürfungen nichts fand. Das alles passierte nur auf einem nur halb-bewusstem Level, er folgte stumpf einem Programm, das vor langer Zeit sich in sein Innerstes eingebrannt hatte. Der Verband um ihre Kopfwunde war stramm und gut gewickelt, so das die Blutung aufgehört hatte. Vorsichtig drehte er sie in die stabile Seitenlage und versuchte dann seine rasenden Kopfschmerzen unter Kontrolle zu bringen. Sich selbst unter Kontrolle zu bringen.
Er war schon einmal hier gewesen. Nicht in diesem Wald, nicht auf diesem Schiff, sondern genau hier, an diesem Punkt, im Zentrum des Chaos. Es war, als würde er sich wieder genau dort befinden, auf der staubigen Straße in Ponyville, im Flackern der Lichter, zwischen huschenden Schatten und Schreien... Schreien...
Er krümmte sich zusammen, als neuerlicher Schmerz durch seinen Körper jagte, alleine bei dem Gedanken daran. Es war kein Kopfschmerz und kein verkrampfter Magen, der ihn zusammen zucken ließ, sondern eine Pein, die jede Faser seines Körpers gleichzeitig zu durchzucken schien. Wie eine Kralle, die tief in ihn griff, zupackte und dann drehte.
Sein Herz schlug so heftig, als wolle es seine Brust sprengen. Er stieß seinen Atem so heftig von sich, das seine Kehle davon wund wurde. Er spürte, wie ihm der Schweiß in Strömen von seinem Körper lief und er wollte ihn von seiner Stirn wischen, aber seine Hufe zitterten zu sehr.
Er konnte es nicht.
Er konnte nicht noch einmal durch diese Hölle gehen. Es würde ihn zerreißen. Es würde ihn zerbrechen, in so kleine Stückchen, das er sich nie wieder zusammenfinden könnte.
Er ging zitternd in die Knie und starrte aus weit aufgerissenen Augen auf die Planken vor ihm. Er wollte sich übergeben, den Schmerz aus sich heraus würgen, aber selbst das ging nicht mehr.
Doch das Grausamste von allem war, das er wusste, das er keine andere Wahl hatte. Das er trotzdem wieder aufstehen würde, auch wenn alles in ihm danach schrie es nicht zu tun. Auch, wenn er wusste, wie sehr er sich selbst damit verwunden würde. Was hatte Fluttershy gesagt? So bin ich einfach.
Er verstand nun, wie müde dieser Satz klang. Wie ausgezehrt und aufgebraucht. Als wäre das Pony das ihn aussprach dünn geworden, fadenscheinig von all dem was es gegeben hatte. Wie zu wenig Butter, auf zu viel Brot verstrichen. Er kam sich genauso vor. Wie viel zu wenig Rogue, auf viel zu viel Grauen gekratzt.
Er hatte gehofft, er könnte auf irgendeine Art und Weise immun dagegen werden. Das er abstumpfen würde, so wie er gegen das Leid seiner Patienten in Manehattan abgestumpft war, eines nach dem anderen. Es hatte ihn niemals wirklich losgelassen oder war ihm egal geworden. Er wusste, das er helfen konnte und das hatte ihm immer die Kraft gegeben weiter zu machen. Eine Mauer um sein Herz zu errichten, so das er weiter machen konnte, gerade hoch und stark genug um die Verzweiflung draußen zu halten ohne dabei kalt zu werden. Er war entschlossener geworden, selbstsicherer, in den Jahren die ihn mit so vielem konfrontiert hatten, bei dem andere Ponys einfach aufgegeben hätten.
Er hatte geglaubt, das es mit dem Überfall in Ponyville genauso sein könnte. Er hatte so viel Zuspruch und Unterstützung erfahren, das er sich letztlich selbst davon überzeugen konnte, alles richtig gemacht zu haben. Und damit sollte es doch dann gut sein, nicht wahr?
Aber fürchtete sich dennoch. So sehr, dass es ihm körperliche Schmerzen bereitete. Das war der Grund, warum er hier am Boden lag und um seinen Atem rang.
Es war Angst.
Aber nicht die Angst zu versagen. So sehr er dieses Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit bereits gewohnt war, davon ging der gähnende Schlund in seinem Verstand nicht aus. Dies hier war tiefer, irrationaler. Es war kein Gedanke an Schuld, der ihn lähmte. Es war sein Unterbewusstsein das sich gegen ihn stellte. Die wilde, animalische Reaktion eine Tieres, das schon einmal so verwundet worden war. Es fauchte und biss, trat und schlug in ihm aus, wehrte sich dagegen, das der dumme Verstand gegen jede Erfahrung noch einmal diesen schlimmen, dunklen Pfad einschlagen wollte.
Im Staub dieser Kreuzung, in der Finsternis der dunkelsten aller Nächte, hatte er eine Entscheidung getroffen. Er hatte sich entschieden aufzustehen und das Grauen tief in sich zu vergraben, es auszuschließen. Weil er einfach so war. Und er hatte gewusst, tief in sich drin gespürt, das er eines Tages den Preis dafür zahlen würde müssen.
Alles was er sich nicht erlaubt hatte zu fühlen, all der Schmerz und das Entsetzen, das er beiseite geschoben hatte, war nicht verschwunden, konnte nicht verschwinden. Er hatte es in sich abgekapselt und versucht zu vergessen. Aber es war nicht fort. Es schwärte in ihm fort, wie eine Entzündung, fraß sich leise tiefer. Bis es wie ein brennendes Fieber ausbrach.
Vielleicht hätte die Zeit diese Wunde heilen können. Vielleicht wäre sie nach und nach zu einer Narbe verheilt, deren knotiges, unnachgiebiges Gewebe einen nur noch ins Gedächtnis trat, wenn es beansprucht wurde. Und einen dann mit mit kurzem Ziehen an seine Existenz erinnerte.
Aber Rogue hatte keine Zeit gehabt.
Er sank auf dem Haufen aus Tauen und Segeln zusammen, schwach und zittern. In seinem Geist schrien die Ponys, huschten die Schatten und tropfte Blut in den Staub der Straße.
Er zahlte den Preis.
„Ich... ich weiß nicht, ob wir ihn schon aufwecken sollten, Twilight."
„Wir brauchen ihn, Fluttershy! Er ist der einzige mit echter medizinischer Erfahrung an Bord! Ist sein Fieber schon gesunken?"
„Mhm, lass´ mich kurz nachsehen."
Etwas kaltes, glattes wurde aus seinem Mund gezogen.
„Ja, die Medikamente haben ihn wieder auf Normaltemperatur gebracht. Aber ich weiß nicht, was mit seiner Kopfverletzung ist! Er ist seit dem Absturz noch nicht wieder zu Bewusstsein gekommen! Es könnte gefährlich sein ihn..."
„I-ich bin wach...", flüsterte er.
„Ewwp!"
Er hörte eine kurzes Schlagen von Flügeln. Er machte die Augen auf.
Er lag in einer Hängematte in einem der Unterdecks des Schiffes. Die Umgebung war durch von der schrägen Decke hängenden Öllampen erleuchtet, in deren warmen Schein er weitere Hängematten ausmachen konnte, die neben ihm aufgereiht waren. Twilight stand neben ihm und gab einen kurzen Laut der Erleichterung von sich, als sie sah, das er wirklich wach war. Hinter einem der dicken Balken, die wie Säulen aus dem Deck empor wuchsen, lugte vorsichtig das Gesicht eines schüchternen Pegasus hervor.
„Celestia sei Dank, Rogue, du bist wieder bei uns. Wie geht es dir?", fragte ihn die Einhornstute.
Das Rettungspony setzte sich langsam auf und legte seine Hinterläufe auf den Rand der Hängematte.
Wie ging es ihm? Seine Kopfschmerzen waren verschwunden und hatten den Schwindel und die Übelkeit mit sich genommen. Es gab ein paar Stellen an seinem Körper, wo sich ein paar Blessuren jetzt bemerkbar machten, vor allem an seinem Hinterkopf. Er hob seinen Huf und tastete sich vorsichtig ab. Schnell fand er eine Beule zwischen den feuchten Strähnen seiner Mähne.
Er blickte an seine Seite und fand einen Lappen, der an sein Hinterteil gerollt war, nachdem er aufgestanden war. Er tastete einen Moment mit dem Huf danach, dann ließ er es bleiben. Jemand hatte ihn wahrscheinlich auf seine Stirn gelegt und er war heruntergefallen, als er sich bewegt hatte. Das erklärte seine feuchte Mähne.
„Ich...ich...", begann er zögernd.
Er hatte einen Zusammenbruch erlebt. Die Erkenntnis schwebte seltsam klar und unmissverständlich in seinem Verstand. Die Erinnerungen vor seinem Aufwachen hier waren ein wenig verschwommen, so als würde er sie durch ein verschmutztes Glas betrachten, aber wesentlich klarer, als das er es als einen Traum abtun könnte. Er hatte einfach... abgeschaltet. Sein Verstand hatte sich zusammengefaltet, ohne das er etwas dagegen tun hatte können. Er wurde sich der letzten Bilder in seinem Kopf bewusst, bevor seine Erinnerung aussetzte. Er war klar gewesen, vielleicht angeschlagen und aus der Bahn geworfen, aber letztlich klar.
Er war bei vollem Bewusstsein gewesen, als er sich selbst aus dem Spiel nahm.
Das vertraute Gefühl der Schuld schwabbte über ihn hinweg, eine alte Wogen aus Furcht und Verzweiflung. Aber anders als vorher passierte sie ihn fast unbeeindruckt. Er fühlte sich wie in eine Schicht aus Öl gehüllt, an der die dunklen Wasser einfach abperlten. Wo er sonst einen flammenden Kern in sich selbst spürte, wo sonst sein Herz wild schlagen sollte, war eine dunkles Loch getreten, das klaglos alles ins sich verschwinden ließ, was auf ihn einstürmte. Aber anstatt einem Gefühl der Befreiung und der Erleichterung fühlte er nur diese gähnende Leere in sich. Dort, wo er etwas fühlen sollte, befand sich nun ein Loch, dunkel und unergründlich. Der Moment der Erkenntnis, der Moment in dem er sich verloren hatte, war kein heilendes Pflaster au seiner Seele. Es war ein blinder Fleck, notdürftig geflickt und übertüncht von seinem Verstand.
Was blieb, war ein Gefühl der Müdigkeit, das von ihm Besitz ergriff, sobald er sich seiner erinnerte. Obwohl er gerade erst erwacht war, fühlte er sich, als wäre ein ganzer Tag an ihm vorbeigestrichen. In was immer er die letzten Stunden verbracht hatte, es war kein heilsamer Schlaf gewesen. Nur ein Stupor, blind und abgeschlossen in sich selbst. Gefangen in den geisterhaften Bildern seines Kopfes. Kein Schlaf, keine Rekonvaleszenz. Nur ein schwarzes Loch in dem seine Gedanken verschwunden waren.
Ein Trauma.
In dem emotionslosen Licht seines geleerten Geistes gab er es zu. Es war eine klaffende Wunde in seiner Seele, eine begrabene, verborgene Wunde, tief und schwer. Der Preis den er zu zahlen hatte. Die Schuld, die er nie begleichen konnte.
So seltsam es auch klang, er begrüßte diese Erkenntnis. Es gab seinem verirrtem Geist eine Erklärung, eine Richtschnur, an der er sich entlang hangeln konnte. Es war, als hätte man ihm eröffnet, das er bei einem furchtbaren Unfall eines seiner Beine verloren hätte. Die Nachricht, die Erkenntnis schwebte in seinem Geist, neutral und unpersönlich. Er wusste, das er verwundet war, aber konnte das Ausmaß seiner Verletzung noch nicht gänzlich fassen. Es war umso schlimmer, das seine Wunde sich in ihm befand, unsichtbar und versteckt. Er wusste um sie, fühlte sie, aber es gab nichts, das er anfassen, berühren konnte um sich von ihrer Echtheit zu überzeugen. Es blieb nur seine Erinnerung an das lähmende Gefühl der Angst, das Geräusch seines wild pochenden Herzens und dem ekligen, kalten Schweiß auf seinem Fell.
Ich bin traumatisiert.
Für einen Moment erfasste Panik sein Herz, als er sich daran erinnerte, wie es war die Kontrolle über seinen Körper, über seinen Verstand, über sein Selbst zu verlieren. Es war nicht nicht so, als wäre er ferngesteuert gewesen. Das hätte eine Erleichterung bedeutet. Statt dessen hatte etwas tief in ihm seine dunklen Fühler ausgestreckt und sein eigenes Denken mit Angst und purem Schrecken vergiftet. Seine Wahrnehmung verdreht und sich in sein Denken geschlichen. Es war ein beängstigendes, befremdliches Gefühl. Sein eigener Geist hatte sich gegen ihn gewandt.
Ich bin traumatisiert.
Das Schlimmste war, das er sich nicht vorstellen konnte, anders zu handeln. Die Gefühle, die Erinnerungen, die in ihm hochgestiegen waren, waren wie ein Zwang gewesen, aber nicht von außerhalb, sondern aus seinem eigenen Innersten. Er wollte aufstehen, er wollte helfen, auch wenn er wusste, was das für ihn bedeuten mochte. Aber er konnte nicht. So wenig wie ein Pony laufen konnte, dem ein Bein fehlte.
Ich bin traumatisiert.
Rogue bemerkte erst jetzt, wie schnell sein Atem ging. Er hyperventilierte. Seine Hufe und seine Gesicht kribbelten bereits taub und er bemühte sich seine Atmung unter Kontrolle zu bekommen. Es gelang ihm, aber nur mühsam.
Nein. Ich bin ein starkes Pony. Ich bin ein Rettungspony. Ich kann nicht... kann nicht... Es muss etwas anderes sein.
Die Beule an seinem Kopf. Der Schwindel, die Übelkeit. Er hatte sich mehrfach übergeben.
Eine Gehirnerschütterung. Es kann nichts anderes sein. Der Grund, warum ich so durcheinander bin. Die Kopfschmerzen. Die Verwirrung. Die Bewusstlosigkeit.
Der Knoten aus Angst in seinem Inneren löste sich und er atmete erleichtert auf. Es war eine einfache, logische Erklärung. Es musste an seiner Gehirnerschütterung liegen.
„Mir geht es gut." Er brachte ein nervöses Lächeln zustande, während er das leise Gefühl zu ignorieren versuchte, dass das diese Aussage nicht weiter von der Wahrheit entfernt hätte sein können.
Twilight atmete erleichtert auf. Fluttershy kam aus ihrem Versteck und näherte sich ihm mit sachten Schritten, so als könnte er zerbrechen, wenn sie zu laut auftrat. Ein braunes, spitzes Gesicht lugte mit großen, schwarzen Knopfaugen aus ihrer dichte Mähne und warf ihm einen forschenden Blick zu. Dann sprang Bandit schnell wie ein Schatten auf die Hängematte und huschte flink an dem grauen Fell seines Freundes empor, bis er sich auf seinem gewohnten Platz zwischen seinen Ohren niederließ. Rogue kicherte, als die kleinen Klauen des Tierchens ihn kitzelten und er spürte, wie dieser einfache Laut ihn entspannte. Die Wärme seines kleinen Freundes auf seinem Kopf hatte etwas vertrautes, beruhigendes, das er jetzt mehr als alles andere zu brauchen schien.
„Rogue, wir brauchen deine Hilfe.", sagte Twilight leise.
Er sah auf zu ihr und für einen Moment schrack sie zurück. Sein Gesicht sah in dem düsteren Licht der Öllampen wie um Jahre gealtert aus. Seine Augen erweckten den Eindruck einer Müdigkeit, die weit über die normale Bedeutung dieses Wortes hinausging.
Aber dann nickte er und lächelte und der Moment war vergangen. Und er war so wie immer, als er von der Hängematte sprang. Er schien einen Moment zu schwanken, so als müsse er um sein Gleichgewicht kämpfen, aber als er entschlossen einen Huf vor den anderen setzte, war dort kein Anzeichen von Schwäche zu erkennen. Er ging an den beiden vorbei und fragte fast beiläufig: „Wie geht es den Verletzten?"
Twilight beeilte sich im nachzugehen und setzte gerade zu einer Antwort an, als sie das leise Flüstern von Fluttershy hinter sich hörte.
„B... bist du dir sicher, Rogue? Ich meine, das mit dir alles in Ordnung ist?"
Das Rettungspony zögerte in seinem Schritt und Twilight musste abrupt stoppen, um nicht auf seine Kehrseite zu prallen. Der Hengst dreht sich langsam um und sah auf den kanariengelben Pegasus, der neben dem Balken des Unterdecks unsicher von einem Huf auf den anderen trat, so als könnte sie sich nicht entscheiden stehen zu bleiben, oder einfach wieder in Deckung zu flüchten.
Er hätte Ihr gerne gesagt, das nichts mit ihm in Ordnung war. Er würde ihr so gerne anvertrauen, welche Angst er davor hatte, das es eben nicht nur seine Beule am Kopf war, sondern etwas schlimmeres, etwas das wesentlich tiefer ging. Das sich etwas tief in ihm drin falsch anfühlte, etwas, das so lange dort gelegen und still geeitert hatte, das er es selbst fast vergessen hatte. Das er glaubte, die Wunde in ihm, die niemals Zeit hatte zu heilen, die niemals Gelegenheit bekam abzuklingen, weil es immer etwas zwingenderes, wichtigeres als ihn selbst gab, letztendlich so schlimm geworden war, das sie nicht mehr von selbst weggehen würde. Er würde ihr so gerne anvertrauen das er vor Furcht fast verging, wenn er daran dachte, dass dieses Etwas in ihm so weit herangewachsen war, so groß geworden war, das es nicht nur mehr seine Gefühle, sein Denken, sondern auch sein Handeln beeinflusste. Das er sich nicht mehr dagegen wehren konnte. Ausgeliefert war.
Aber es war keine Zeit dafür. Es schien niemals genug Zeit zu geben, wenn es darauf ankam. Es gab zwingenderes, wichtigeres als ihn. Der Absturz musste viele Ponys verletzt haben und er war der einzige Sanitäter vor Ort. Er wollte sich gar nicht erst ausmalen, was auf ihn zukam: Sie waren abgeschnitten von der normalen medizinischen Versorgung. Es war nicht damit getan, die Patienten notfalls ein paar Stunden stabil zu halten, bis sie in ein Krankenhaus geschafft werden konnten. Er wusste nicht, wie es um die `Idle Barter´ bestellt war, aber er bezweifelte, das die so schnell wieder abheben würden.
Das war der Zeitpunkt an dem er sich normalerweise Vorhaltungen machen würde, warum er so schwach gewesen und nicht sofort zu Hilfe geeilt war. Ein unlösbares Conundrum aus Selbstvorwurf und Zweifeln, das ihn gerade lang genug beschäftigte, bis die nächste Krise letztlich seine volle Aufmerksamkeit verlangte und ihn davon ablenkte. Seltsamerweise fühlte er keinerlei Aufwallung dieser so vertrauten, wie verhassten Gewohnheit ihn sich. Vielleicht weil er diesmal eine Ausrede hatte, vor der sich auch sein angeschlagenes Selbstwertgefühl nicht verschließen konnte. Er hatte schließlich (ein Trauma) eine Gehirnerschütterung. Er konnte es sich nicht einmal selbst vorhalten. Er wollte glauben, dass es auch daran lag, dass er vielleicht endlich diesen Kreis durchbrochen hatte und über diese nutzlose Debatte mit sich selbst hinausgewachsen war. Wohin hatte sie ihn jemals geführt? Höchstens tiefer in den Sumpf aus Verzweiflung und Vorwürfen, die niemanden halfen, am allerwenigsten ihm selbst. Es war ihm im Nachhinein immer zutiefst zuwider gewesen und, zu einem nicht unwesentlichen Teil, peinlich.
Warum fühlte es sich jetzt so falsch an, dass er kaum einen Gedanken dran verschwendete? Warum machte auch das ihm Angst?
Er wollte zu einer beschwichtigenden Antwort ansetzen, derer, die er Twilight gegeben hatte, nicht unähnlich. Aber ein Blick in das unschuldige, mit aufrichtiger Sorge erfüllte Gesicht Fluttershys ließ ihn innehalten. Sie hatte ihn, wie schon so oft, mühelos durchschaut. Doch nicht nur die Fruchtlosigkeit einer weiteren Lüge hielt ihn davon ab, eine beschwichtigende Belanglosigkeit von sich zu geben.
Er erinnerte sich daran, wie sie sich für ihn in den Sturm geworfen hatte. Er erinnerte sich daran, wie er sie fest an sich gehalten hatte, so als wäre sie alles, was seinen Verstand, sein Leben, seine ganze Existenz zusammenhalten würde. Er begriff, wie wichtig sie für ihn geworden war. Und er glaubte langsam zu verstehen, wie wichtig er für sie geworden war.
Tu´das nie wieder, Rogue. Versprich es mir. Bitte.
Er wollte sie nicht belügen. Nicht um alles in der Welt.
„Ich...", seine Kehle fühlte sich rau wie Sandpapier an. Er schluckte nervös. „Ich glaube, ich schaffe das. Ich habe..." ein Trauma „...eine Gehirnerschütterung, aber es ist nicht..." Er stockte. Dann schüttelte er frustriert den Kopf. „Ich kann arbeiten. Bitte, Fluttershy." Es war seltsam, wie kläglich seine Stimme zum Schluss klang.
Sie sah ihn einen Moment lang aus ihren klaren, strahlend blauen Augen an, ein Blick voller Mitgefühl und Verständnis. Dann nickte sie sacht.
Er wünschte, er könnte bleiben und ihr all die Worte sagen, die ihm durch den Verstand wirbelten. Aber sie hatten keinen Zeit. Wie immer hatten sie keine Zeit.
„Wie schlimm ist es?", fragte Rogue, während sie durch die seltsam schrägen Gänge des Schiffes zum Oberdeck bewegten. Die `Idle Barter´ war halb auf der Seite liegend zur Ruhe gekommen und die gewohnten, ebenen Gänge hatten sich steile Rampen verwandelt.
Twilight sah bedrückt zur Seite, während sie weitergingen. „Ich denke es könnte schlimmer sein. Die kinetische Kugel hat die meiste Wucht des Absturzes abgefangen. Selbst die Landung in diesem … Baum ist uns vielleicht zu Gute gekommen. Die meisten Verletzungen sind Prellungen und Abschürfungen, ein paar kleinere Platzwunden. Das schlimmste sind gebrochene Rippen, ein gespaltener Vorderhuf und natürlich..." Sie zögerte.
Rogue warf ihr im Gehen einen neugierigen Blick zu. Sie hielt ihm einen Augenblick lang stand, dann fuhr sie fort, als wäre nichts gewesen.
„Wir stellen gerade Zelte auf, um die Verwundeten und das nötige Werkzeug zur Reparatur nach draußen zu bringen. Kapitän Fairway begutachtet gerade persönlich den Schaden am Rumpf und dem Schwebekörper, aber er sagt, dass er noch nichts gesehen habe, was nicht zu reparieren wäre." Sie blickte mit einem hoffnungsvollen Lächeln auf. „Ich denke das ist eine gute Nachricht, oder?"
Rogue nickte und ging nicht weiter darauf ein, das sie die so plötzlich abgebrochen hatte, als sie die Verletzungen beschrieb. Was immer das Problem war, sie würde rechtzeitig damit herausrücken. Die einzige Frage war, warum sie zögerte.
Er warf einen Blick hinter sich und sah Fluttershy, die langsam hinter ihnen her trottete. Er hätte gerne etwas Platz gemacht, damit sie nicht auf zwei wackelnde Hinterteil schauen musste, während sie gingen, aber die Gänge des Schiffes waren schon für zwei Ponys nebeneinander reichlich eng. Statt dessen beeilte er sich, das sie auf das Deck kamen.
Sie stiegen nacheinander die schmale Stiege nach draußen hinauf. Als der helle Schein des durch das hohe Blätterdach fallende Tageslichts auf sein Gesicht fiel, kniff Rogue geblendet die Augen zusammen und hielt einen Moment auf den obersten Stufen inne. Dann machte er plötzlich einen kleinen Satz nach vorne, als sich etwas hartes, stumpfes in sein Hinterteil bohrte. Er drehte sich überrascht um und sah in das vor Verlegenheit glühende Gesicht von Twilight, die sich langsam hinter ihm auf Deck schob.
„Tut mir leid, Rogue. Du bist so plötzlich stehen geblieben und ich..." Sie sah verlegen weg. „Tut mir leid."
Eigentlich war das ziemlich komisch. Rogue hätte gerne darüber gelacht. Aber etwas in ihm würgte dieses Gefühl ab, ließ es einfach verschwinden, wie Wasser in einem Abfluss. Er zwang sich zu einem Lächeln, nur um ihr über die Verlegenheit hinweg zu helfen.
„Kein Problem. Nichts passiert." Er drehte sich wieder um und besah sich die Szenerie, die sich vor ihm ausbreitete.
Er hatte bereits kurz nach dem Absturz einen Blick über das Deck und die neu geschaffene Lichtung geworfen, aber seine Erinnerungen daran waren bruchstückhaft und trübe, wie durch den zersplitterten Boden einer Flasche betrachtet. Jetzt, da er mit klarem Verstand wieder sah, konnte er sich an Vieles erinnern und die Veränderungen erkennen. Das Deck des Schiffes sah noch immer aus wie ein Schlachtfeld. Heruntergerissene Takelage und Quermasten, loses Tauwerk und zerbrochenes Holz von Planken und Balken lag wild durcheinander. Aber die herab hängenden Segel waren heruntergeholt und auf Seite geschafft worden, so das eine Arbeitsmannschaft sich um die Takelage kümmern konnte. Gerade waren sie dabei mit Ästen und Messern einen halb über die Reling hängenden Mast frei zuschneiden. Auch ansonsten war das stolze Schiff der Luftwache arg gebeutelt worden. Rogue sah überall Risse in Planken und Balken, die ihm vorher nicht aufgefallen waren. Er begann sich ernsthaft zu fragen, ob die ´Idle Barter´ wirklich wieder abheben konnte.
Jenseits der Reling, nahe am schräg liegenden Rumpf des Schiffes, leuchteten die weißen Zeltbahnen hastig errichtet Unterstände im Licht. Fässer und Kisten waren darunter aufgestapelt, gefüllt mit Werkzeugen und Arbeitsutensilien. Eine provisorisch errichtete Esse spie schwarzen Rauch in die feuchte Waldluft und ein Pony mit einer Schmiedeschürze bediente eifrig den Blasebalg darunter. Ein weiterer Baldachin war mit Stroh ausgelegt worden und diente mit sorgsam aufgeschichteten Decken und Kissen als Krankenlager. Als Rogue das sah, machte er sich vorsichtig an den Abstieg.
Er hatte seine Schwierigkeiten mit der Strickleiter, die hinab auf den Boden führte und konnte ein erleichtertes Aufatmen nicht unterdrücken, als er endlich fest mit allen Hufen auf dem Boden stand. Der Grund unter ihm war weich und feucht und sofort stieg ihm der Duft von vermentiertem Laub und zerdrückten Kräutern in die Nüstern. Es war ein seltsamer Geruch – lebendig und frisch, so schien es im ersten Moment. Aber dahinter verbarg sich eine Note aus stillem, unberührtem Alter, die ihn erschaudern ließ. Er schüttelte das Gefühl ab und trat durch die hohen Farne auf das Krankenzelt zu. Twilight setzte mit einem Sprung neben ihm auf und glitt schnell an seine Seite.
„Die meisten Ponys sind schon gut versorgt worden. Soda, der Smutje, ist auch Sanitäter, weißt du? Er hat sich zusammen mit Fluttershy um alle gekümmert, auch um dich." Sie redete schnell und wurde immer schneller, während sie sich dem Zelt näherten. „Er hat gesagt, das wir dich nicht wecken sollen, weil du wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung hast. Du sahst auch wirklich nicht gut aus, so blass wie du warst und so haben wir dich erst einmal unter Deck geschafft, aber jetzt... jetzt..." Sie verstummte. „Jetzt kommen wir nicht mehr weiter." brachte sie kleinlaut zu ende.
Sie standen vor dem Sonnensegel, unter der die verletzten Ponys lagen und mit Verbänden um Kopf, Rumpf oder Gliedern neugierig zu ihnen aufblickten. Ein quadratischer Bereich unter der Zeltbahn war mit weißen Bettlaken abgetrennt worden.
Ein paar Blutstropfen waren darauf zu sehen. Sie waren klein, fast winzig, aber auf dem weißen Tuch sprangen sie hervor wie ein Leuchtfeuer in der Nacht.
Was erwartet mich dahinter?, fragte sich Rogue im Stillen. Wer wird es sein?
Gesichter stiegen vor seinem geistigen Auge hoch. Ponys die er zuletzt gesund und munter gesehen hatte, die mit ihm zusammen gelacht, gefeiert und ausgelassen getanzt hatten. Er wollte es sich nicht vorstellen, aber ungewollte verzerrte sich jedes dieser Gesichter vor Schmerzen, wurde blass vor Schock, das Fell verklebt mit Blut...
Er kämpfte die Vorstellung nieder. Nur ein Gedanke blieb und ließ sich nicht verscheuchen:
Wer wird es sein?
Er zog den Vorhang zurück.
Rogue lehnte sich hilfesuchend an den Rumpf des havariertes Schiffen und spuckte die bittere Galle aus seinem Mund. Seine Beine zitterten so sehr, das er ohne diesen Halt einfach auf die Knie gefallen währe. Sein Magen krampfte sich ein weiteres Mal zusammen, aber außer einem dicken Schleimfaden klatschte nichts mehr zwischen die zerdrückten Farne des Waldes. Langsam ließ er sich am Holz entlang zu Boden gleiten und keuchte hingebungsvoll.
Das konnten sie nicht von ihm verlangen. Er war kein Arzt. Er war nur ein Erdponysanitäter. Das konnten sie nicht von ihm verlangen!
Das Würgen hatte Tränen in seine Augen gedrückt, aber er blinzelte sie nicht weg. Er sah hinauf zu dem strahlenden Flecken Himmel über dem fernen Blätterdach und genoss das unwirkliche Flirren des Lichts in seinen Augen. So sah alles aus... wie ein Traum. Er konnte hier liegen bleiben und sich selbst einreden, das es genau das war – ein Traum. Er wusste, das er nicht daraus aufwachen würde, dafür fühlte sich das harte Gras unter ihm zu rau, zu feucht an, der Geschmack in seinem Mund zu bitter und das Elend in seiner Magengrube zu real. Aber wenn er behauptete, dass das ein Traum war, sei es auch nur für einen Moment, war es nicht wichtig, ob er zurückging. Dann war es egal, was dort im Zelt auf ihn wartete. Dann bedeutete es nichts.
„Vielleicht möchtest du einen Schluck Wasser." Twilights Stimme war es, die ihn zurück in die unwillkommene Realität berief.
Er wischte sich hastig mit dem Huf über die Augen und stand auf. Seine Knie schienen immer noch aus Wackelpudding zu bestehen, aber sie trugen ihn. Wenigstens etwas.
Sie ließ einen Trinkschlauch mit Wasser zu ihm schweben, den er dankbar aus der Luft griff. Er trank mit hastigen, durstigen Schlucken. Das kühle Nass fühlte sich wunderbar an, als es seine raue Kehle von dem bitteren Geschmack seines Mageninhalts reinwusch. Er hatte den Schlauch halb leergetrunken, als er absetzte und sich über das Kinn strich, um ein paar verirrte Tropfen fortzuwischen.
„Ist... ist es wirklich so schlimm?", fragte sie zögernd.
Rogue ließ den Wasserschlauch sinken und setzte sich auf seine Hinterläufe.
„Ich weiß es nicht.", brachte er flüsternd hervor. Es war eine Lüge. Er glaubte ziemlich genau zu wissen, wie schlimm es war. Das war nicht das Problem. Die Probleme ergaben sich aus dem, was deswegen getan werden musste.
Das können sie nicht von mir verlangen.
Twlight sah einen Moment lang zu ihm hinab und setzte sich dann neben ihn. „Soda hat gesagt, das er das nicht machen kann. Er ist zwar als Sanitäter ausgebildet worden, aber er hat so gut wie keine praktische Erfahrung. Deshalb sollten... sollten wir dich wecken und..." Sie sah hoffnungsvoll zu ihm auf.
Er mied ihren Blick. So schön diese Stute auch war – verdammt, sie waren ALLE schön – er konnte diesen Blick nicht ertragen. Es lag so viel Vertrauen darin, so viel Hoffnung auf... auf... letztlich auf ein Wunder. Wie oft hatte er diesen Blick schon gesehen. In den Augen der Angehörigen, wenn Er und Trotter einen leblosen Körper bearbeiteten? Wenn sie Nadeln in ihn stachen, Medikamente aufzogen und Apparate anschlossen, obwohl doch schon ein einziger Blick aus kundigen Augen reichte um zu wissen: Es hat keinen Sinn. Das Nicht-Wahr-Haben-Wollen. Diese Hoffnung auf...
Ein Wunder.
Das Pony hinter den Vorhängen war nicht Tod. Es lebte, es würde leben, wahrscheinlich. Die Frage, die Entscheidung, die schicksalshafte Weggabelung war nur: Wie? Aber das änderte nichts an der Hoffnung in ihren Augen.
Und es war um so viel schlimmer, da er dieses Pony kannte, das es keines der austauschbaren Gesichter in der Masse der Patienten der Großstadt war. Dieses Pony hatte eine Stimme, hatte eine Persönlichkeit, hatte Freunde und Vorlieben und Schrulligkeiten und ein echtes Wesen, das er kannte... es würde keine Mauer geben, die er davor aufbauen konnte, keine Entschuldigung und keine Ausflucht. Er würde so unweigerlich mit diesem armen Wesen fühlen, als wäre er selbst es, der unter seinen zitternden Hufen lag, die nicht wussten was sie tun mussten...
Der bloße Gedanke daran quetschte sein Herz aus Angst schmerzvoll zusammen. Der Gedanke daran, was er tun musste... tun musste.
Rogue war nicht aus dem Zelt geflohen, weil er nicht ertragen konnte, was er dort drinnen sah. Er war gefasst gewesen, auf eine fast unnatürliche Art und Weise kalt, als er die Bettlaken beiseite geschoben hatte.
Dahinter, auf einem hölzernen Tisch, der mit einem mittlerweile blutbesudelten Laken bedeckt war, lag Worthwhile, der erste Offizier. Seine Mähne hing schweißnass von seinem Kopf und sein Fell schien eigenartig stumpf aufgrund des Schocks und des Blutverlustes, das seine Haut darunter so blass werden ließ. Ein Infusion hing an einem der Zeltstreben und der Schlauch verschwand unter dem dünnen Laken. Er war im Delirium, halb wach, halb betäubt von den Schmerzmitteln, die sie ihm verabreicht hatten. Doch trotz seines Dämmerzustandes war es offensichtlich, das er schreckliche Schmerzen litt. Soda hatte nicht gewagt ihm mehr Morphium zu geben, damit seine Atmung nicht aussetzte.
Worthwhile war beim Absturz über Bord geschleudert worden. Nur der weiche Waldboden hatte ihm das Leben gerettet. Dennoch waren seine beiden Vorderläufe bei dem Sturz zerschmettert worden. Der linke war nicht so schlimm. Ein glatter Bruch der unteren Knochen, der sich leicht schienen ließ. Aber das rechte Bein...
Die zerbrochenen Knochen hatten sich durch die Haut gebohrt und eine tiefe Wunde hinterlassen, als sie wieder in ihr fleischiges Gefängnis zurück schnappten. Feine, weiße Knochensplitter glänzten fahl im abgedämpften Licht unter dem geronnenem Blut. Das Glied stand eigenartig und auf Übelkeit erregende Art und weise falsch. Aber das war es nicht gewesen, was Rogue dazu veranlasst hatte unter hastig gemurmelten Entschuldigung nach draußen zu stürmen.
Es war, was diese Verletzung bedeutete.
Ein offener, dislozierter Bruch. Mit Splitterbildung. Ein erfahrener Chirurg hätte ernst genickt und sich fürs Wochenende nichts vorgenommen. Rogue, der wusste, das man von ihm erwartete, das er das irgendwie wieder richtete, konnte nicht anders, als einfach zu fliehen.
Er konnte das nicht. Es war unmöglich.
Aber er musste es tun. Deshalb hatte er sich hier draußen noch einmal die Seele aus dem Leib gekotzt. Deshalb hatte er versucht, wenn auch nur für einen Augenblick, das alles als einen Traum ab zu tun. Denn alles war besser, als sich dieser Realität zu stellen, in der er Soda einmal in die Augen geblickt hatte und so viel Angst und Verzweiflung darin sah, das er wusste, das von dieser Seite kaum Hilfe zu erwarten war. Eine Realität, in der er etwas tun musste – musste, musste, musste! Weil es keine andere Möglichkeit gab! Weil es niemanden gab, der es ihm abnehmen konnte. Weil nur er die verrrückte Hoffnung der anderen tragen konnte, es könnte gelingen! - an dem er unweigerlich scheitern würde. Und es würde keine Ausflucht, keine Vergebung vor ihm selbst geben, denn das hier war Worthwhile, der Honor Marington liebende Worthwhile, der aufrechte erste Offizier, der sorgenvolle Stubenkamerad, das verdammt gute Pony Worthwhile, an dem er ein blutiges, schmerzhaftes, elendes Mahnmal seiner eigenen Unzulänglichkeit statuieren würde.
Weil es unmöglich war. Und weil er es trotzdem tun musste.
„I... ich bin kein Arzt." Seine Stimme klang so schwach, so kläglich, selbst in seinen Ohren. „Celestia und Luna, ich weiß nicht was ich tun soll. Ich... ich... kann..."
Er schloss die Augen und fühlte, wie heiße Tränen der Verzweiflung seine Wangen hinab liefen.
Er hörte das sanfte Knirschen zerdrückter Farne und dann einen Huf auf seinen Schultern, der ihm Halt gab.
„Du hast einmal etwas zu mir gesagt. Etwas, das mir das... das mir aus einem tiefen dunklen Loch zurück ans Licht geholfen hat. Weißt du noch, was es war? Damals in Ponyville?"
Schreie in der Dunkelheit. Blut auf den Straßen.
Dann waren da zwei Hufe und sie fassten seine Schultern und schüttelten ihn.
„Wir können es nicht ohne dich, Rogue! WIR KÖNNEN ES NICHT OHNE DICH! Du musst! Du musst! Weil... weil wir ohne dich verloren wären. Weil es keine andere Möglichkeit gibt. Weil es getan werden muss. Und es gibt niemanden... niemanden außer dir!"
Sein Körper leistete keine Widerstand, als sie ihn vor und zurück stieß. Er war wie eine Puppe in ihren Hufen. Sämtliche Kraft schien aus seinen Gliedern verflüchtigt zu haben und ließ ihn leer und ausgehöhlt zurück.
Weil er wusste, das sie recht hatte. Weil er wusste, das es keinen anderen Weg gab, als diesen einen schweren Gang.
Er streckte einen Huf aus, der eine Tonne zu wiegen schien und berührte sie an der Brust, so das sie aufhörte, ihn zu schütteln.
„Ich... ich mache es." Es kostete ihn Kraft diese Worte zwischen seinen Lippen hervor zustoßen, so unvermeidlich sie letztlich auch waren.
Twilight ließ von ihm ab und trat einen Schritt zurück. Er sah Erleichterung auf ihrem Gesicht blitzen, aber auch Mitgefühl und Sorge. Sie ahnte, was es für ihn bedeutete. Vielleicht war sie selbst schon an diesem Abgrund gestanden, vor diesem Sprung in dunkle, unbekannte Wasser.
Er atmete tief durch. „Gehen wir." Er wollte nicht. Aber er musste.
Sie nickte und zusammen machten sie sich auf den Weg.
Als er zum zweiten Mal die Zeltbahn zurückschlug, hatte sich wenig verändert. Auf dem hastig improvisierten Operationstisch lag Worthwhile noch immer fahl und blass, in steter, unruhiger Bewegung. Fluttershy wusch mit einem feuchten Lappen den kalten Schweiß von seinem Gesicht und sah hoffnungsvoll auf, als die beiden Ponys in das abgetrennte Quadrat schlüpften.
Rogue stockte in seinem Schritt, als er den süßen, kupfernen Geruch des Blutes in der Luft wahrnahm, genauso wie er es beim ersten Mal getan hatte. Erst ein sanfter Stoß von Twilight riss ihn aus seiner Erstarrung.
Er trat einen Schritt vor an den Tisch und besah sich seinen Patienten – Denk von ihm so. Es ist dein Patient. Einfach ein Patient. - genauer. Er schob seine Gefühle, seine Ängste, seine Sorgen tief in einen hintersten Winkel seines Verstanden und versuchte das Pony vor ihm ganz... klinisch zu betrachten.
Worth... der Patient hatte viel Blut verloren, bevor ein Tourniquet oberhalb der offenen Wunde an seinem Vorderlauf gelegt worden war, der die Blutung stoppte. Das hatte ihm das Leben gerettet. Das andere Bein war sauber geschient und versorgt. Ansonsten hatte er noch ein paar üble Quetschungen und Abschürfungen, aber nichts was ihn destabilisieren konnte. Der Patient hatte einen großlumigen, venösen Zugang, über den ihm Flüssigkeit zum Ausgleich seines Volumenverlustes an Blut verabreicht worden war, genauso wie eine – unzureichende - Menge an Schmerzmitteln. Letztlich war es gut, das Soda nicht mehr Morphium eingesetzt hatte, denn die Wirkung auf den Blutdruck hätte vielleicht ausgereicht, um Worthwh... um dem Patienten einen Kreislaufkollaps zu bescheren.
Er wendete sich dem Hauptproblem zu und versuchte seine Hufe vom Zittern abzuhalten, während er das frische, saubere Verbandtuch beiseite schob.
Ein offener Bruch. Die Bruchenden waren nicht zu sehen, da sie zurück in die Wunde geglitten waren. Nur einige Knochenfragmente schimmerten weiß in dem auseinander klaffenden Fleisch. Die Wunde war gereinigt worden und das Abbinden hatte das Nachfließen von Blut verhindert, so das nur einige hartnäckige Blutkoagel an den Wundrändern blieben. Darüber hinaus stand das Glied in einer üblen Fehlstellung.
Rogue trat zurück. Ein Schweißtropfen ran ihm auf die Schnauze und er wischte ihn geistesabwesend fort. Fluttershy fragte ihn etwas, aber er nahm es nicht einmal war. In seinem Kopf rasten die Gedanken. Seltsamerweise war es genau seine Angst, die ihm den entscheidenden Stoß gab.
Als das grausame Bündel aus Furcht, Unsicherheit und psychischem Schmerz, das er so verzweifelt in eine Ecke gedrängt hatte, allein des Anblicks wegen aufbegehrte, aufschrie und sich in die wild drehenden Zahnräder seines Geistes stürzten wollte, machte etwas klick in ihm.
Der offene Bruch ist nicht das vordringliche Problem. Die Beeinträchitgung des Kreislaufes durch den Blutverlust wiegt sehr viel schwerer, schoß es ihm durch den Kopf. Und darunter, auf einer anderen Ebene: Du warst schon einmal hier. Du hast so etwas schon einmal gemacht.
Sein Verstand arbeitete jetzt auf Hochtouren. Die Synapsen feuerten in seinem Gehirn und riefen Erinnerungen ab, die wirr und unzusammenhängend schienen, aber dennoch einem Leitthema folgten.
Vor jeder weiterführenden Maßnahme muss die Stabilisierung des Kreislaufes stehen. Kein Eingriff ohne Narkose und eine Narkose ist nur möglich, wenn der Blutdruck hoch genug ist, um die Medikamente zu verkraften.
Du bist schon vorher von dieser Klippe gesprungen. In der Straßenbahn, als die alte Mähre wegen der Hitze zusammenklappte.
Anatomiestunden. Das Praktika im Operationssaal. Gespräche mit den Doktoren. Erzählungen seiner Kollegen. Es war ein Puzzel.
Kristalloide Infusionen? Nein, eine Therapie mit solchen war auf lange Sicht nicht durchzuhalten. Nur eine Bluttransfusion kam in Frage. Es ging jetzt nicht nur um das Volumen selbst, der Patient brauchte Thrombozyten, Erythrozyten, die ganze Palette. Plan: Abfederung des Schocks mit Kristalloiden Infusionen bis zur Verabreichung von mindestens einem halben Liter Spenderblut. Dann volle Narkose. Säubern der Wunde, Entfernung der Knochenfragmente, Reposition des Beines, vernähen der Wunde, Schienung, lösen der Abbindung, massive Antibiose, engmaschige Überwachung.
Wie oft hast du am Anfang gedacht: Ich kann das nicht? Wie oft wolltest du aufgeben, es sein lassen, weil es dir unmöglich schien?
Niemand hatte es ihm beigebracht. Er hatte niemals einen Kurs ´Operative Eingriffe für Anfänger´ besucht. Er war nur Sanitäter und sein Job war es die Ponys irgendwie lebend in ein Krankenhaus zu bringen, wo die Experten warteten.
Aber er hatte aufmerksam zugehört, hatte beobachtet, hatte sich interessiert. Und genug Puzzleteile zusammenbekommen, damit sich ein ungefähres Bild formte. Es war lückenhaft und schrecklich unvollständig, die leeren Flächen gefüllt mit aber was wenn? Und bist du dir wirklich sicher?
Aber es musste genügen.
Wie oft bist du dennoch gesprungen, Rogue?
„Ich brauche Blut. Besorge mir einen, nein, mindestens drei Blutspender. Ich brauche die Blutgruppe von diesem Pat... von Worthwhile und wenn du sie auftreiben kannst, Ponys mit null negativ." Er hatte seinen Befehl – und nicht weniger war es – an niemanden bestimmten gerichtet, aber Twilight fühlte sich dennoch angesprochen.
„Ja!, Ja, sofort! Ich..." Sie zögerte einen Augenblick lang.
„Frag Soda. Wenn er der Sanitäter ist, weiß er auch, wie man herausfindet, was für eine Blutgruppe alle haben.", kam er ihrer Frage zuvor. Sie nickte überrascht und stürmte nach draußen.
Rogue beugte sich über den ersten Offizier und wischte ihm eine feuchte Strähne seiner Mähne aus dem Gesicht, die sich dorthin verirrt hatte.
Er hatte es wieder. Diese Gefühl, als würde er aus seinem Körper heraustreten, sich selbst von außen betrachten und die Dinge in einem anderen, klareren Maßstab betrachten, anstatt sich in den Einzelheiten zu verlieren. Er hatte dieses Gefühl vermisst. Nein, mehr noch, er hatte sich danach gesehnt. Je hektischer es am Notfallort zuging, umso distanzierter war er geworden, hatte sich losgelöst von Hektik und Stress und war umso konzentrierter geworden. Er glitt tiefer in seine Zone der Ruhe und alles was er tun musste, rollte sich vor ihm auf wie ein wohlbekannter Pfad, den er nur entlang schreiten musste. Angst, Sorge und Unsicherheit ließ er weit hinter sich. Denn er erinnerte sich an etwas, das er schon lange gewusst hatte, an etwas das er unterwegs irgendwann vergessen hatte und das im Twilight erst wieder ins Gedächtnis rufen musste:
Wenn nicht ich, wer dann?
Er hob den Kopf. „Du musst mir assistieren, Fluttershy."
Der Pegasus sah überrascht auf, nickte dann aber sachte.
Das Rettungspony trat an eine kleine Kiste, die an der Seite stand und besah sich die darin aufgereihten Ampullen mit Medikamenten, die bereit lagen.
„Ich hielt es für eine gute Idee die Beatmungseinheit meines Notfallsets in Ponyville zu lassen, also müssen wir von Huf beatmen. Du... du hast Erfahrung mit der Behandlung von Tieren und ich werde Soda brauchen, um mir anzureichen. Meinst du, das bekommst du hin?"
Er sah auf und begegnete ihrem Blick. Sie ließ den den Waschlappen, den sie von Worthwhiles Stirn genommen hatte, in den Eimer mit Wasser fallen und nickte ernst, während sie versuchte ein tapferes Gesicht zu machen.
„Gut. Noch eines: Ich würde selbst gehen, wenn ich könnte, aber ich muss hier noch einiges vorbereiten. Ich brauche Rarity. Sie muss die Wunde vernähen, wenn ich... wenn ich fertig bin. Sag´ es ihr bitte, ja?" Er widmete sich wieder der Kiste mit den Medikamenten.
Er wünschte, er könnte die Fashionista aus dem Ganzen heraushalten, aber sie war die logische Wahl. Twilight war eine hervorragende Magierin, aber Rarity musste aufgrund ihrer Schneiderarbeit genug Erfahrung mit diffiziler Zauberei haben um mehr von Nutzen zu sein. Er wusste nicht, ob sie bereit war ein so... blutiges Handwerk auszuführen, aber er vertraute ihr. Er vertraute ihr als Freund. Darauf musste er sich verlassen.
Fluttershy zögerte, bevor sie das Zelt verließ. „I... ich wollte nur sagen, dass...dass...", gab sie leise von sich und trat von einem Huf auf den anderen.
Rogue nickte abwesend und kramte auf der Suche nach einem Muskel-Relaxant in der Kiste umher.
Ich darf nicht nur als Sanitäter handeln, dachte er. Es geht hier nicht mehr um Minuten oder eine halbe Stunde, bis der Patient im Krankenhaus ist. Ich muss dafür sorgen, das er über mehrere Tage stabil bleibt, bis wir zurückfliegen können. Und das er eine Chance hat, sein Bein zu behalten. Celestia und Luna, lasst es mich schaffen. Lasst es mich...
Er spürte, wie etwas weiches, leicht feuchtes seine Wangen berührte. Überrascht zuckte er zurück. Als er sich umdrehte, war alles was er sah, das letzte Aufblitzen von gelben Flügeln, die hinter der flatternden Zeltbahn verschwanden.
Fluttershy war fort. Alles was sie zurück ließ war ein Hengst, der sich verträumt die Stelle rieb, an der ihre Lippen ihn berührt hatten.
Blitzende Instrumente im Sonnenlicht.
Blut auf rostfreiem Stahl.
Weiße, weiche Tupfer, die das Rot fortwischten.
Elfenbeinfarbene Splitter, die in sterilem Wasser versanken und zinnoberrote Schlieren hinter sich herzogen.
Klare Tropfen reinen Morphiums auf der Nadel einer Spritze.
Fluttershys, helle, blauen Augen, die zu ihm aufsahen, während sie den Beatmungsbeutel bediente.
Blut, so rot. So rot wie Rosen, so rot wie sein Cutie-Mark, so rot wie Appleblooms Schleife in der Mähne, so rot wie die Abendsonne, die auf Pears leblosen Körper fiel, so rot wie die Äpfel im den endlosen Reihen der Bäume in Ponyville, so rot wie...
Er hielt den Becher mit beiden Hufen und schaffte es dennoch kaum, ihn fest genug zu halten, um sich noch einen Schluck des – so rot wie – Weins zu trinken. Jemand hatte den Trunk angewärmt und offensichtlich einen guten Schluck Rum dazu geschüttet, so wie er Rogues Kehle zum Brennen brachte. Aber er half. Gegen das Zittern. Und gegen die Kälte, die mit dem Sonnenuntergang über sie hereingebrochen war.
Die Sonne war schnell hinter den hoch aufragenden Baumriesen um ihnen herum verschwunden und hatte sie bald in ein grünes Zwielicht getaucht, das nun zunehmend dunkler wurde. Der Wald war so dicht, das die Nacht hier früh hereinbrach. Und sie war kalt.
Nun, eigentlich war sie nicht einmal so kalt, aber für Ponys, die die drückende Hitze eines wolkenlosen Sommers gewöhnt waren, reichte es, um sich in ungewohntem Frösteln zu finden. Feuer waren in dem improvisierten Lager entzündet worden, um die sich die Ponys scharrten und die Kälte und Dunkelheit vertrieben.
Rogue saß allein, nur mit einem zusammengerolltem schlafendem Bandit auf seinem Rücken, im Dunkeln, und versuchte herauszufinden, ob das Zittern von der Kälte oder von seiner Erschöpfung herrührte.
Was er heute getan hatte... Was er heute getan hatte...
Sein Verstand stockte allein beim Anfang des Gedankens daran. Aber die andere Stimme in seinem Kopf - die von weiter hinten sprach, die so oft und gerne unangenehme und doch so wahre Kommentare von sich gab und die sich anscheinend von nichts in der Welt dazu überreden ließ, die Klappe zu halten – Postulierte in einem monotonem, gleichbleibenden Rhythmus immer wieder das, was er sich selbst nicht einzugestehen wagte: Du hast ein Pony operiert. Du hast ein Pony operiert. Du hast ein Pony operiert.
Dabei klang sie weder vorwurfsvoll, noch aufgeregt, noch ungläubig. Es war nur ein Hintergrundrauschen in seinen Gedanken, das ihn fortwährend davon abhielt sein Heil in herrlicher Ignoranz zu suchen. Für einen Moment zu glauben: Das ist nicht passiert. Das war nicht real.
Er versuchte seine Erinnerungen an das was geschehen war... an das was er getan hatte... mit dem in Einklang zu bekommen, was er über sich selbst zu wissen glaubte. Mit dem, was er für möglich hielt.
Es schien keine Überschneidung zu geben.
Er war Rogue, ein Rettungspony aus Manehattan, ein Erdpony. Er zog die Ambulanz. Er war der verdammt beste Wagenfahrer im ganzen Distrikt. Es gab keine Kurve, die er nicht nehmen konnte, keine Abkürzung, die er nicht kannte und keinen Stunt, den er – zumindest in Gedanken – nicht schon abgezogen hatte. Das war er. Das war Er. Er half am Patienten, wo er konnte, aber das war nicht seine Aufgabe, er war nur ein Erdpony! Er kannte keine Analysezauber, konnte mit seinen ungeschickten Hufen oder seinem schmutzigen Mund nichts tun, was ein Einhorn mit steriler Magie nicht tausendmal besser konnte. Er war nur stark. Er war nur schnell.
Aber er war kein Arzt. Er war kein Chirurg. Er konnte keine Ponys zusammenflicken. Er konnte ihnen keine Splitter geborstener Knochen aus dem Fleisch ziehen, in dem er eine Pinzette zwischen seinen Zähnen hielt. Er hatte nicht das Gefühl dafür, die verdrehten Gliedmaßen wieder zurecht zu rücken, sie vorsichtig richtig zu drehen und auf Zug zu halten. Er hatte keine Ahnung davon ein anderes Pony anzuweisen, die Stiche der Nadel so und so zu setzen. Er wusste gerade noch wie man die Schienung anlegte, um alles ruhig zu halten, damit nichts noch schlimmer wurde. Aber das war es auch schon.
Trotzdem hatte er all das heute getan.
Er nahm noch einen tiefen Schluck aus dem Becher und schluckte herunter, was ihm gerade versucht hatte, aus dem Magen wieder hochzusteigen.
Selbst jetzt, selbst nachdem er all das hinter sich gebracht hatte, diese furchtbare Aufgabe, der er nicht ausweichen hatte können, die er hatte meistern müssen, auf Wohl und Wehe, war kein Gefühl des Triumphs oder der Erleichterung in ihm. Er fühlte sich nur leerer und ausgehöhlter als zuvor. Als hätte diese Erfahrung etwas von ihm mitgenommen, ihm etwas gestohlen, anstatt ihn an Erfahrung reicher zurück zu lassen.
So sehr er sich von sich selbst entfernt hatte, so sehr er sich selbst zurückgelassen hatte, so konzentriert und fokossiert auf die Aufgabe er auch geworden war, als er Worthwhile unter seinen zitternden Hufen hatte... so sehr ihn der Rückzug in die ´Zone´ auch geholfen hatte, die Aufgabe zu vollbringen... er hatte sich niemals vollständig abkapseln können. Er hatte sich stets selbst über die Schulter geschaut, voll Grauen und Entsetzen darüber, was er tun musste.
Er erinnerte sich daran, wie es wie ein Blitz durch seine Gedanken gefahren war, wie er trotz der Angst, die seinen ganzen Verstand zu beherrschen schien, kristallklar vor seinen Augen stand, eine Frage, die Frage: Wie konnte es dazu kommen? Wie bin ich hierher geraten? Wie konnte ich das zu lassen?
Und er dachte zurück, an all die Ereignisse, all die Entscheidungen, ob bewusst, oder unterbewusst, die er getroffen hatte, sah zurück, als währe er auf einem Pfad dem er folgte und würde sich für einen Moment umdrehen, um zu sehen, woher er kam. Und er sah keine Abzweigung keine Gabelung und keine Kreuzung. Es gab Wege, die vom Pfade abwichen, Spuren, die flüsterten was währe wenn? Und was würde passieren? Aber es waren schmale Fährten, die sich im Nebel verlohren. Er konnte seinen Pfad zurück verfolgen, Huftritt um Huftritt und wo er sah, das er gezögert hatte, wo er geglaubt hatte, eine Wahl treffen zu müssen, der Pfad dennoch ein eindeutiger gewesen war: Er war dem Weg der Notwendigkeit gefolgt, dem Weg dessen, was er als richtig empfand, dem Weg... dem Weg des guten Ponys.
Er verstand es nicht. Wenn... wenn man ein gute Pony war, wenn man alles tat, um ein gutes Pony zu sein... warum stieß einem dann so etwas schreckliches zu? Warum führte ihn dieser aufrechte Pfad immer wieder in diese fruchtbaren Situationen? Sollte einem guten Pony nicht Gutes widerfahren? Sollte der Weg des Aufrechten, Sanften und Verständnisvollen nicht auch mit Aufrichtigkeit, Sanftheit und Verständnis gesäumt sein? Warum führte Gutes zu tun dazu, das man nur noch mit mehr Dreck beworfen wurde? Und wenn man diesen Dreck abschüttelte und weiter seinem Weg folgte, der Dreck einfach nur tiefer, schlimmer und kälter wurde? War das ganze ein einziger, grausamer Test? Ein Versuch, wo der Punkt war, an dem das gute Pony zerbrach, aufgab und sich geschlagen und abgestumpft niederlegte?
Rogue legte sich tatsächlich nieder und rollte sich so gut es ging in sich selbst ein. Die zerdrückten Farne unter ihm waren durch die Sonne des Tages getrocknet worden und schützten ihn ein wenig von der feuchten Kälte, die aus dem Erdreich nach oben drang. Er spürte die kleine warme Stelle auf seinem Rücken, wo Bandit schon lange eingeschlafen war und seltsamerweise reichte das aus, das er sich gut genug fühlte, um Ruhe zu finden.
Er wusste, er konnte nicht lange schlafen. Soda hatte die Überwachung von Worthwhile übernommen, da Rogue nach der Operation einfach nicht in der Verfassung dazu gewesen war. Aber er musst ihn bald ablösen und den ersten Offizier einer postoperativen Untersuchung unterziehen, bevor er eine lange Nachtschicht antrat, angefüllt von Blutdruckmessungen, Verbandskontrollen und Medikamentengaben. Er würde nur einige Minuten die Augen schließen und versuchen zu schlafen, trotz der Stimme in seinem Verstand, die beständig wiederholte: Du hast ein Pony operiert.(Du hast es umgebracht) Du hast ein Pony operiert. (Du hast es umgebracht) Du hast ein Pony operiert. (Du hast es...)
„Er macht es nicht mehr lange!" Rogue´s Stimme presste sich angespannt zwischen seinen Zähnen hervor. Er presste die dicke Tamponade auf die Brust des Patienten. Das graue Fell, seines und des des Ponys unter ihm, war blutverkrustet. Weiße Rippen zeigten sich darunter. Er konnte nicht mehr unterscheiden, wo er aufhörte und die Wunde begann.
Trotter gab ein entschlossenes Schnauben von sich und stemmte sich erneut ins Joch. Rogue spürte, wie sie beschleunigten und suchte mit einem Huf in der Ablage der Ambulanz nach mehr Verbandstoff, während er mit der anderen noch immer auf die schreckliche Verletzung drückte.
„E.T.A drei Tage!", rief Trotter nach hinten. Rogue merkte, das sie keine Gaze mehr hatten.
Er drückte die blutigen Lumpen tiefer in das Loch im Brustkorb. Er wusste, das es sinnlos war. Dennoch drückte er fester, immer fester. Er merkte, wie Tränen seine Wangen hinunter liefen.
Das Pony unter ihm hustete uns spuckte Blut. „Rogue!", stieß es hervor, „Rogue!"
„Ich tu´was ich kann! Ich weiß nicht, was ich sonst tun soll! Ich... ich..." Seine Stimme klang schrill, voll Panik.
„Rogue! Rogue!", bettelte das Pony unter ihm. Er sah von seiner blutigen Arbeit auf und sah seinem Patienten ins Gesicht.
Seine Hufe ließen die Verbände fahren und die rotgetränkte Gaze flatterte hinter dem Wagen davon. Er beugte sich hinab und schloss das Pony in seine Vorderläufe.
„Es tut mir leid. Es tut mir leid", schluchzte er erstickt von seinen eigenen Tränen.
„Rogue! Rogue!" Er erkannte die Stimme seines Patienten. Das Grauen durchfuhr ihn wie ein Eisstachel, der durch sein Herz drang. „Ich will dir nur sagen... nur sagen..." Die Stimme erstarb und ließ ihn einsam und verlassen auf der Ladefläche der Ambulanz zurück.
Es war der langsam erkaltende Leib seines Vaters, Steady Runner, den er in seinen Hufen hielt. Rogue drückte ihn fest an sich, fühlte, wie sein Herz noch ein paar zögerliche Schläge tat, bevor die lebendige Wärme aus seinem Körper glitt. Und als die Stille in der Brust zu lange anhielt, zu still und zu tief wurde...
Da schrie Rogue. So laut und so lang wie kein Schrei dauern konnte.
Er erwachte mit klopfendem Herzen in der Dunkelheit. Der Schrei, den er im Schlaf ausgestoßen hatte, prallte noch immer als Echo von den Innenseiten seines Schädels ab und schien sich endlos in seinem Geist auszubreiten. Seine kurze Pause war weit davon entfernt, erholsam gewesen zu sein und als er sich erhob, fühlte er sich umso mehr zerschlagen und erschöpft, als er es vorher gewesen war. Rogue regte seinen steifen Glieder müde und strich sich die Reste der zerdrückten Farne aus dem Fell, die darin hängen geblieben waren. Bandit war von seinem Rücken verschwunden. Ein kurzes Frösteln erfasste ihn und er wusste nicht, ob es von seinem Alptraum her rührte, oder von der plötzlich so kalt gewordenen Nacht. Die verwirrend losen Fäden seines jüngsten Alpdrucks wirbelten noch immer durch seinen Geist, aber sie ergaben keinen Sinn und verblassten schnell, so wie jeder Traum kurz nach dem Erwachen.
Der Becher mit dem gestärkten Wein war achtlos neben ihn geglitten. Er hob ihn auf und näherte sich langsam dem nächsten der Feuer, die die Nacht erhellten.
Er trat langsam in den Kreis des Lichts, dass das prasselnde Feuer in die Dunkelheit zauberte und genoss für einen Moment die pure, heimelige Wärme, die es verströmte. Der helle, gemütliche Schein drang langsam durch sein Fell und erfüllte ihn mit einem Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. Er ließ sich vorsichtig am Rand des Feuerscheins nieder und nahm diese Wärme in sich auf, tankte Kraft aus ihr, wie an einer erfrischenden Quelle.
Etwa regte sich, ihm gegenüber, auf der anderen Seite des Herdfeuers. Er sah auf und versuchte gegen den hellen Schein der Flammen auszumachen, wer es war. Aber das Feuer blendete ihn zu sehr, so das es nur ein dunklerer Schatten vor anderen Schatten blieb.
„Wer... wer ist da?", fragte er vorsichtig. Er wusste, das hier, an den Wachtfeuern des havarierten Schiffes kaum eine böse Überraschung auf ihn warten würde, standen doch die Ponys der Luftwacht sicherlich auf Posten um jeden Eindringling schnell zu melden. Aber als das Pony auch nach bangen Momenten keinen Laut von sich gab, sah er sich hilfesuchend um.
Gut ein halbes dutzend Feuer waren um ihn umher und beleuchteten die Zelte und den Rumpf der ´Idle Barter´ mit warmen Schein. Doch noch während er sie betrachtete, fiel ihm auf, das an keinem von ihnen der Schatten eines Ponys zu sehen war. Mehr noch – er hörte keinen Laut, keine geflüsterten Gespräche in der Dunkelheit, kein Schnarchen schlafender Ponys oder das Knacken berstenden Holzes der anderen Feuer. Nur das Knistern der Flammen vor ihm – und die nächtlichen, unheimlichen Laute des Waldes um ihn. Das Huschen Ungesehenens im Unterholz. Das Rascheln der Farne im Wind. Das Knarren der Bäume, als würden sie sich... bewegen...
„Wer bist du?", stieß er laut hervor und schluckte die plötzlich aufwallende Angst in sich nieder. Es schien, als wäre er allein mit dieser unheimlichen Gestalt, als wären alle anderen Ponys eingeschlafen, oder erstarrt und er zuletzt zurückgeblieben, um, was immer hier vor sich ging, aufzuhalten. „Was bist du?"
Die Gestalt regte sich leise, erhob sich, ohne dass das Licht des Feuers den Schatten unter ihrer Kapuze erleuchten konnte. Der helle Schein der Flammen schien dem Dunkeln darunter auszuweichen, ihm zu fliehen und hüllte die Züge des Ponys ihm gegenüber in eine Finsternis, die dort nicht sein sollte. Höher und höher strebte das dunkle Rund der Kapuze, bis es vor dem offenen Sternenhimmel über ihm thronte, unerreichbar, kalt und unnahbar. Und als es sprach, donnerte ihre Stimme.
„Ich bin die Hoffnung in der Finsternis, das Versprechen des Lichtes in der Nacht, das Firmament und das silberne Gestirn, das Funkeln Allens, was verborgen liegt."
Rogue kauerte sich furchtsam zusammen, als die Kraft der Stimme über ihn hinwegfegte und barg sein Gesicht in seinen Hufen. Das Feuer loderte wild auf, wie als Antwort auf die Wildheit der Worte oder auch nur des Windstoßes, den sie auslösten.
Doch dann verklang das Echo zwischen den dunklen Bäumen und das Feuer brannte wieder nieder. Und er wagte es, seinen Kopf zu erheben und dem Pony jenseits der Glut ins Angesicht zu schauen.
Sie schlug die dunkle Kapuze zurück und er sah, dass ihn seine Ohren nicht getäuscht hatten. Es war tatsächlich eine Stute, wie er es schon an der Stimme erkannt hatte. Doch darüber hinaus...
Ihr Fell war von so einem dunklen, samtenem Violett, das es den Schein der Flammen einfach zu schlucken schien. Sie schien aus der Dunkelheit hinter ihr heraus zuwachsen, wie ein natürlicher Fortsatz von ihr, wie eine reine Kontur der Nacht, gerade genug um sie ihn sehen zu lassen. Ihre Mähne wallte hinter ihr, ein Schleier aus glitzernden Sternen und fernen Galaxien, so das er nicht zu sagen vermochte, wo sie anfing und der nächtliche Himmel begann. Das Dunkel hinter ihr schien sich an ihren Seiten zu verdichten und verwandelte sich in weite, große Schwingen, die sich herrschaftlich ausbreiteten. Und auf ihrer Stirn, unter der Krone aus tiefschwarzem Metall, wuchs ein schlankes Horn, dessen polierte Windungen an ihrer Spitze das helle Licht eines blinkende Pulsares trug.
Rogue nahm all dies mit einem einzigen, schnellen Blick wahr. Er war einen Augenblick wie vom Donner gerührt, unfähig sich zu bewegen, oder auch nur zu denken. Dann setzten sich tief in ihm verankerte Reflexe in Bewegung und er ließ sich demutsvoll auf seine Knie nieder.
„Eure... eure Majestät,...", stotterte er ehrfurchtsvoll und senkte seinen Kopf noch tiefer. Er wusste, tief in sich drin, das es nicht sein konnte, das dies nicht real war, das die Prinzessin, egal welche Prinzessin, nicht hier sein konnte, nicht bei ihm sein konnte, aber diese Zweifel wurde so mühelos von einer Woge der Erleichterung begraben, das sie kaum sein Bewusstsein erreichten. Sie war hier, Sie war da und nun würde sie alles richtig machen. Dafür waren die Prinzessinnen da. Das war es, was sie machten. Damit so ein dummes, ungeschicktes Erdpony wie er nicht mehr... nicht mehr... so dumme und ungeschickte Fehler machen konnte. Machen musste. Sie würde heilen, woran er sich so dilettantisch versucht hatte. Sie würde Rat wissen, wo er ratlos war. Sie würde richtig stellen, wo er falsch gelegen war.
So wartete er, den Kopf geneigt, auf ihre weisen Worte, die ihn führen sollten.
„Rogue...", begann sie und seine Ohren zuckten aufmerksam, das ihm auch ja nichts entging.
„Rogue...", sprach sie noch einmal und dann seufzte sie. „Sieh mich an."
Er zögerte, als er hörte, wie ihn die Göttin ansprach. Was konnte sie anders sein, als ein göttliches Wesen? Sie mochte nicht real sein, sie mochte nicht in Persona zu ihm sprechen, aber hatte seine Großmutter nicht gesagt, das in Zeiten der Not es sein mochte, das die Prinzessin (Sie kannte damals nur Eine Prinzessin) eine Vision sandte? Das es ein einfache, aber mystische Verbindung zwischen den Herrschern und ihren kleinen Ponys gab? Wie viel schlimmer konnte die Not werden, damit Sie sich zeigten? Er sah langsam auf.
Lunas Gesicht ragte über ihm auf und der Glanz ihrer Schönheit allein reichte aus um ihn sich wieder zusammen kauern zu lassen. Aber ihr Befehl gab ihm Mut und er heftete seine Augen auf ihr funkelndes Anglitz.
Ihre Augen waren tiefe Wasser, dunkel und unbewegt. Das Weiß der Sclera war nicht das der Gänseblüten Blätter, sondern der hellen, strahlenden Sterne und des silbern blitzenden Mondes. Ihre Iris war der Himmel der anbrechenden Nacht, blau und endlos. Doch ihre Pupille... ihre Pupille war ein schwarzes Loch, das so unerbittlich an ihm zog, ihn forttrug, ihn mit sich riss und schließlich... aufsog.
Ein Moment, in dem er fiel, haltlos und ohnmächtig. Ein Moment in dem er fühlte, wie alles in ihm zusammengepresst wurde, so unnachgiebig, so Fest und Eng, das er auf einen bloßen Punkt zusammenschrumpfte und dann expandierte, explodierte und erschüttert seinen Blick abwendete.
Er fand sich wieder, auf seinem Rücken liegend, außer Atem und zutiefst verängstigt.
Ein Huf drückte schmerzend auf seine Brust und er hustete erstickt. Sofort verschwand das Gewicht von seinem Rumpf. Das himmelsgleiche Gesicht der königlichen Stute beugte sich sorgenvoll über ihn.
„Es tut mir leid, das ich so... gewaltsam in deine Träume eindringen musste, aber du bist der einzige Anker in der Nähe der Elemente, den ich finden konnte." Er kniff die Augen zusammen, aber er konnte fühlen, wie sie sich über ihm schüttelte. „Deine Alpträume... Sie sind wie ein Leuchtfeuer für mich." Er riss die Augen auf, aber aus dem Gesicht, das über ihm aufragte, sprach nur Verständnis und Sorge. „Es gibt einen Ort in dir, Rogue, der dunkel ist und wirr und wund. Ich habe ihn gesehen... für einen Augenblick. Ich wünschte, ich könnte dir helfen, es dich vergessen machen." Sie schwieg eine lange, bedeutungsvolle Sekunde. „Aber du lässt mich nicht. Und das muss ich akzeptieren. Heute ist es gut. Heute lässt es mich dich finden, unter all den anderen Alpdrücken, die unsere kleinen Ponys in meinen Nächten plagen. Heute lässt es mich unsere Botschaft an dich weiter tragen." Sie sah ihn aus ihren tiefen, dunklen Augen an. „Es ist ein Traum, Rogue. Ich bin nur ein Traum und nicht mehr. Und du wirst mich vergessen haben, wenn du erwachst. Wenn ich nicht... wenn ich ihn dir nicht... einpräge. Ich möchte es nicht, aber es ist die einzige Möglichkeit. Ihr seid weit von uns entfernt und ich konnte nur dich finden. Aber ich kann... ich möchte es dir nicht aufzwingen." Sie verstummte für einen Augenblick und suchte in seinen Augen nach Furcht oder Ablehnung. Er war eingeschüchtert und kauerte vor ihr im Staub, aber sie sah, das sich seine Ohren achtsam aufgestellt hatten. Sie fuhr fort. „Es ist nicht gefährlich, aber schwierig und... verwirrend. Und für uns beide nicht sehr angenehm. Bist du bereit dazu?"
Unter dem Blick aus diesen silbernen Augen konnte er nicht mehr als leicht zu nicken. Auf Lunas Gesicht blitzte für einen Moment ein dankbares Lächeln auf, das im nächsten Augenblick bereits wieder fort gewischt war.
Sie beugte sich tief zu ihm hinab und ihr Flüstern war wie ein Summen in seinem Ohr. Es war wie die vielfarbigen Stimmen der Bienen, die aufgeregt um ihren Stockt schwirrten. Eine Stimme von vielen. Ein Stimme, die eines sagte, eines meinte, eines hervorhob, eines verdeutlichte, eines versteckte, eines verdeckte.
„Ihr seid vorschnell aufgebrochen, getrieben von Schuld und verzweifelter Hoffnung..."
Twilight blitzte vor seinem geistigen Auge auf, wie sie am Bugspriet stand und selbstvergessen in die Leere vor ihnen starrte.
„... ein Sprung in das Abenteuer, das Unbekannte, so vertraut und doch so anders..."
Er sah die sechs Stuten, Schulter an Schulter stehen, den Blick entschlossen und zu allem bereit. Dann sahen sie zurück, hinter sich und machten Platz, ließen einen zwischen sich. Einen grauen Hengst, ein Rettungspony und ihre Front wurde breiter.
Er hörte alle Stimmen, hörte sie, als wären sie eine einzige. Und für einen einzigen, kostbaren Moment verstand er sie. Verstand, das diese Gottheit, diese Prinzessin, ein Band zwischen ihnen aufgebaut hatte, eine Verbindung, die nicht nur ihre Worte und deren Bedeutung, sondern auch die Gedanken dahinter an ihn weiter trugen, in ihn strömten. Und dahinter war nicht mehr als bloße Ahnung, verwirrende Bilder und tiefe Unsicherheit. Er sah sich, sah seine Freunde, sah die Ponys die er kennengelernt hatte, doch alles verschwamm zu einem unwirklichen, verschwommenen Bild, wie ein Foto, das viel, viel zu oft belichtete worden ist. Er erhaschte kurze Eindrücke, winzige Einsprengsel Realität, die nicht wahr geworden, nicht wahr werden sollte, noch nicht eingetreten, niemals eintreten sollte, vielleicht eintreten konnten oder sogar eintreten sollten. Ein Spiegel, zerbrochen, von dem jede Scherbe ein anderes Bild zeigte.
...die nicht wahr geworden,
Rogue´s Kiefer schlossen sich fest um die Strähnen von Pear´s Schweif. Er spürte, wie die festen Strähnen ihm ins Zahnfleisch schnitten, wie sie ihm zu entgleiten drohten, aber er stemmte sich fest gegen den hölzernen Boden des Balkons und knurrte entschlossen: „Nein, heute nicht!". So verzerrt es sich durch seine verkrampften Kiefer auch anhörte, er gab nicht nach und zog das kleine Pony Zentimeter um Zentimeter zurück auf die rettende Plattform. „Halt Ihn! Halt ihn!", schrie Trotter, während er durch das Wohnzimmer galoppierte. Dann umfasste eine rettende Blase aus grüner Magie das zappelnde Fohlen und hievten es zurück über den rettenden Balkon.
…nicht wahr werden sollte,.
Er sprang die Stufen hinab, nahm die Absätze mit einem einzigen Sprung. Seine Hufe schmerzten mit jedem Aufprall, aber er merkte es nicht einmal. In seinem Kopf spulte sich nur eine Szene immer wieder Ab: Wie der Schweif des Fohlen aus einen Zähnen glitt und fiel und fiel und fiel...
Ein weiterer Absatz. Die Eingangstür. Seine Huf schlugen Funken auf dem gepflasterten Weg. Dann war da Staub, Staub der unter ihm aufwallte, als er um die Ecke bog und sah...
Pears war durch eine unglaubliche Laune des Schicksals in einem geradezu winzigen Wagen mit trockenen, abgestorbenen Zweigen der sterbenden Büsche gelandet, der unter dem kleinen Balkon parkte. Das Rettungspony atmete auf, während er das weinende, geschundene Fohlen aus den kratzenden Ästen befreite...
...noch nicht eingetreten,
Die riesigen Hengste traten noch einen Schritt vor, so das Rogue in ihren Schatten stand. Einer von ihnen lachte leise.
Er konnte das nicht zulassen. Er konnte nicht daneben stehen, während diese... Wilden unausprechliche Dinge mit Applejack, Fluttershy und den anderen anstellten. Er musste etwas dagegen unternehmen, irgendetwas. Er war sich mehr als schmerzlich bewusst, das er keine Minute gegen einen der erfahrenen Kämpfer des Stammes durchhalten würde, schon gar nicht mit seiner Verletzung. Aber er würde nie wieder in einen Spiegel sehen können, wenn er es nicht wenigstens versuchte. Sie würden ihn zu Brei stampfen.
...niemals eintreten sollte,
Der Filter seiner Atemmaske war so sehr verdreckt und verbraucht, das jeder Atemzug einem Kampf gleich kam. „Masken auf, Zivilschutz! Stuten, Füllen und Fohlen zuerst!", schrie er wie immer, als er die dunkle, finstere Kellertür des Appartmentblockes auftrat. „Wir führen euch zur Metro!", rief er so laut er noch konnte in die Dunkelheit. Ein heftiges Husten stieg seine Kehle hinauf und plötzlich sprenkelten dunkelrote Flecken sein Visier. Aber aus der Finsternis der Kellerabteile traten zögernd ein paar Fohlen und hoben ihre Hufe. Er hielt kurz inne, trotz des Schmerzes in seiner Brust und sagte dann voll Zuversicht: "Keine Angst. Wo wir euch hinbringen, kann euch die Strahlung nichts anhaben." Für ihn war es zu spät, aber nicht für sie.
...vielleicht eintreten konnten,
„Alle Feuerwehrponys auf dieser Leitung, ich wiederhole: Alle Feuerwehrponys auf dieser Leitung: Retten sie so viel Zivilpersonen wie möglich aus der Stadt Manehattan und den betroffenen Suburbs. Die neue Feuerfront ist der Hutcoltriver! Jedes Übergreifen des Brandes über den Fluss muss unter allen Umständen verhindert werden!"
Sweet Water versuchte Rogue zurückzuhalten, als dieser gegen den Flüchtlichstrom anstürmte.
„Es hat keinen Sinn!", schrie er.
Der Erdhengst streifte seine Hufe ab. „Meine Eltern sind noch da drin!"
Als er ihn nicht mehr halten konnte, ließ Sweet seine Hufe fahren und sah seinem Kameraden nach, wie er sich gegen den endlosen Strom der flüchtenden Ponys stemmte. „Es ist zu spät!", rief er ihm noch hinterher, aber sein Kamerad war bereits in der endlos wogenden Masse der Zivilisten verschwunden, hin zu der Feuerwalze, die sich durch die ausgetrocknete Stadt brannte.
...sogar eintreten sollten.
„Das sind Laternen!", rief Fluttershy aus. „Das ist das Mittsommerfest!", sie lachte, als die ersten schwebenden Lampinons sanft über das Boot trieben. Dieser Laut war so rein, so fröhlich, so frei von Sorge und Angst wie sie sich seit Wochen nicht mehr gefühlt hatte. Als die Laternen über ihr Boot strömten und sie beiden in das warme Leuchten der brennenden Kerzen hüllte, lachte auch Rogue. Sein Blick glitt über das Zelt aus Licht über ihnen und den vielen Funken, die es bildeten.
All die Jahre, die ich wie im Traum verbrachte...
Fluttershy hatte ihre Hufe auf die Reling des Bootes gesetzt und blicke auf die tanzenden Lichter in der Nacht.
Die ganze Zeit, niemals wirklich sehend...
Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, voll von Freude.
Doch nun, schimmernd im Sternenlicht...
Eine Freude, die auch Rogue in seinem Herzen spürte.
Ist sie hier...
Ihre Blicke trafen sich.
Und klar wie ein Kristall...
Die Visionen die aus den Offenbarungen der Prinzessin erwuchsen, endeten. Lunas Stimme zitterte, so als ob sie sich nicht sicher wäre, das sie den nächsten Satz von sich geben konnte. „Er ist schwach, doch daraus erwächst Stärke. Er ist unsicher, doch daraus erwächst Selbstbewusstsein. Er hat Angst, doch daraus erwächst Mut..."
Er ist ein Wegpunkt. Ein Für- oder -Wieder. Ein Scheitelpunkt, eine Unsicherheit, Ein Joker. Ein Ass. Oder ein schwarzer Peter.
Rogue.
Er schnappte erschreckt nach Luft, als die überwältigenden Bilder in seinem Kopf abebbten. Er leckte sich abwesend über seine Lippen, die sich trocken wie Papier anfühlten und versuchte wieder so etwas wie Ordnung in seinen Verstand zu bekommen. Er hatte einen Blick in den Kopf einer Gottheit geworfen, nein, war in den breiten, starken Strom ihrer Gedanken geworfen worden und es hatte sich angefühlt, als müsse er jeden Moment darin ertrinken.
Das Summen in seinem Kopf, dass das Rauschen dieses Geistes gewesen war, der Klang dieses Flusses, war verschwunden, aber er konnte sich glasklar daran erinnern, wie es ihn bis zum Bersten angefüllt hatte mit... mit ihr. Mit Luna.
Er sah auf und blickte noch einmal in das Gesicht der Prinzessin über ihm. Und als sie etwas ihren Kopf drehte und das silberne Licht der Sterne über ihnen in einem anderen Winkel auf ihre feinen Züge schien, wusste er, das er sich getäuscht hatte. Sie hatte ihn für einen Moment in ihr Selbst gelassen und auch wenn er nicht gänzlich verstand, warum, so verstand er dennoch umso besser, wie intim und selbstlos dieser Akt von ihr gewesen war. Sie hatte ihm nicht nur Bilder gezeigt, er war nicht nur Zuschauer in dem Kino ihres Kopfes gewesen, sondern er hatte auch verstanden, was sie über all die Dinge dachte, die sie ihn sehen ließ, was sie dabei fühlte, wie sehr sie sich... fürchtete.
Nein, Sie war keine Gottheit. Ein Prinzessin, herrlich und glorreich. Aber, trotz aller Macht, aller Weisheit und allem Wissen... nur ein Pony. So verletzlich und unsicher wie sie alle. Nicht mehr und nicht weniger als er selbst.
„Wie... wie kann es sein, das ich so wichtig bin? Ich bin kein besonderes Pony. Ich bin kein Element der Harmonie! Ich bin... ich bin praktisch nur zufällig hier!"
Sie sah einen Moment auf ihn hinab, dann trat sie langsam einen Schritt zurück, so das er sich aufrichten konnte. Dann schüttelte sie sanft den Kopf.
„Ihr seid alle wichtig. Wir wissen nicht, wie du in die ganze Sache hineingeraten bist, aber wir sind uns sicher, dass du ein ebenso wichtiges Teilchen in allem bist wie jedes der Elemente." Sie lächelte leicht. „Schließlich bist du es, durch den wir euch gefunden haben. Und auch wenn ich nicht glaube, das deine Rolle damit beendet ist, scheint es doch schon ein guter Anfang zu sein, nicht wahr?"
Rogue nickte verwundert.
Ihr Lächeln verschwand. „Was mich zurück bringt auf die Botschaft, die du Twilight von meiner Schwester überbringen sollst." Sie sah ihn mit strengen, ernsten Blick an. „Bist du bereit?"
Er sah sich erschreckt nach etwas zu schreiben um. Dann ging ihm auf, das dies nur ein Traum war und er sich keine Notizen machen konnte. Er schluckte schwer. „Ja.", brachte er zaghaft hervor.
Prinzessin Luna lehnte sich nach vorne, streckte ihren Hals, so weit, bis ihr Mund direkt an seinem Ohr war. Er erschauderte, sowohl aus Furcht wie auch aufgrund der plötzlichen Nähe der großen Stute. Er konnte ihren Atem das empfindliche Fell seiner Ohren streicheln fühlen.
„Dies sind die Worte von Sol Invictus, Schwesterregentin von Equestria, Prinzessin Celestia, an ihre treue Studentin Twilight Sparkle:"
Er hielt gespannt den Atem an.
„Ich vertraue dir.", flüsterte sie ihm ins Ohr.
Atmelos wartete er. Und dann dämmerte es ihm, das dies die ganze Nachricht gewesen war.
„Was? Das ist alles? Aber... aber... wie soll uns das helfen? Ich... wir...", stammelte er.
Luna richtete sich wieder zu ihrer ganzen, majestätischen Größe auf. „Dies wird genügen, Rettungspony Rogue Runner.", sagte sie mit einer Stimme, die keinen Widerspruch zuließ. Er klappte so schnell seinen Mund zu, das seine Zähne ein klickendes Geräusch von sich gaben.
Sie breitete ihre weiten Schwingen aus, in denen sich das Sternenlicht fing. Ein Flüstern ging durch den nächtlichen Wald, als ein Wind die Blätter aufwirbelte und zum Rauschen brachte.
Die Prinzessin hob den Kopf und hielt ihre Nüstern forschend in die frische Brise. „Unsere Zeit ist fast vorüber." Sie sah noch einmal zu ihm hinab. Die Augen in ihrem herrschaftlichen Gesicht wurden etwas weicher und sie ließ noch einmal ein kurzes Lächeln aufblitzen. „Ich freue mich schon darauf, dich persönlich kennen zu lernen. Träume sanft, mein Untertan!"
Der Wind blies in einer gewaltigen Böe. Ihre dunklen Schwingen fingen in auf und hoben sie hinfort, hinauf zu dem silbernen Rund des Mondes über der Lichtung. Rogue blieb unter ihr zurück und sah zu ihr auf, einem Schatten auf der schimmernden Scheibe am Firmament.
„Du bist ein Teil des Ganzen. Vergiss´ das nicht!", rief sie ihm als Abschied zu. Dann trug der Wind sie und den Traum mit sich fort.
Als seine Augen aufsprangen, erwartete er, dass ihn bereits das Licht des neuen Tages begrüßen würde. Er fühlte sich so ausgeruht und erholt, wie schon lange nicht mehr. Er sprang auf seine Beine und sah sich verwundert um, da noch immer dunkle Nacht um ihn herum herrschte. Neben ihm landete ein keckernder Bandit zwischen den Farnen und beschwerte sich bitterlich, das er so plötzlich abgeworfen worden war, aber Rogue beachtete ihn gar nicht. Ein kurzer Stich der Angst ging durch ihn, als er glaubte, das er vielleicht sogar den nächsten Tag hindurch geschlafen hatte. Doch er beruhigte sich selbst, da er noch immer zwischen den zerdrückten Farnen neben dem Rumpf des Schiffes lag und sein kleiner Freund noch so ruhig bei ihm geschlafen hatte. Er hatte so seine Zweifel, das seine fürsorglichen Freundinnen ihn so hier draußen gelassen hätten oder Bandit sich eine Mahlzeit verkniffen hatte. Er konnte nicht mehr als ein paar Stunden geschlummert haben.
Umso seltsamer war es, das er sich fühlte, als hätte er eine ganze Nacht sorgenlos geruht, noch auf etwas sehr viel besserem als dem kalten, unbequemen Waldboden. Vielleicht lag es daran, das ihn zum ersten Mal seit langer Zeit keine Alpdrücke geplagt hatten. Die Erinnerung an seine Träume schwand schnell aus seinem Geist, aber er glaubte, dass sie diesmal... anders gewesen waren. Er hielt inne und dachte angestrengt nach. Ihm war, als würde er etwas wichtiges vergessen, etwas, das sich gerade außerhalb seiner Wahrnehmung bewegte, wie etwas, das man nur aus den Augenwinkeln wahrnehmen konnte und verschwand, sobald man seinen Blick darauf richtete. Er konnte es fasst erfassen, er konnte sich beinahe erinnern, was es war... beinahe...
Er seufzte und schob den Gedanken beiseite. Es war nicht wichtig. Er musste zurück ins Krankenzelt und nach seinem Patienten sehen. Es war ein gutes Zeichen, das er ein wenig Ruhe bekommen hatte. Hätte sich Worthwhiles Zustand verschlechtert, hätte man bestimmt nach ihm gerufen. Er würde Soda ablösen und den Rest der Nacht über den ersten Offizier wachen. Er fühlte sich so ausgeruht, dass dies kein Problem darstellen sollte.
„Komm, Bandit." Er nickte dem kleinen Nagetier aufmunternd zu und winkte mit einem Huf. Bandit gab leise Geräusche von sich, die ein verstimmtes Grummeln sein konnten, kletterte dann jedoch flink auf seinen gewohnten Platz zwischen Rogue´s Ohren. Der Hengst lächelte zufrieden. So viel um ihn herum auch aus dem Fugen geraten zu schien, das kleine Tierchen blieb wie ein vertrauter Schatten an seiner Seite. Er war wie eine lebende Erinnerung an bessere, sorglosere Zeiten, ein kleiner Anker, der dem Pony bewusst machte, das diese Zeit nicht nur in seinem Kopf existierte. Sie war real, so real wie die kleinen Pfoten, die seine Kopfhaut kitzelten, sie hatte stattgefunden und vielleicht... vielleicht konnte er eines Tages dorthin zurückkehren. Und sein Versprechen einlösen, Bandit nach Hause zu bringen.
Als er langsam auf eines der Feuer zutrottete, glitten seine Gedanken zurück an das, was er an diesem Nachmittag getan hatte.
Es war seltsam. Er wusste, auf einem rein rationalem, vergeistigten Level, das er nur getan hatte, was notwendig gewesen war. So dilettantisch und krude seine Arbeit auch gewesen war, es hatte wenig gegeben, was er hätte an Worthwhile verschlechtern können. Der Eingriff und die Narkose war ein Wagnis gewesen, aber unabdingbar. Im besten Fall hätte er seinen Vorderlauf verloren. Im schlimmsten – und wahrscheinlichsten Fall – hätte ihn die Infektion umgebracht. So hatte er zumindest eine Chance.
Aber das hatte keinerlei Einfluss auf das, was Rogue tief in sich drin nicht abschütteln konnte. Er hatte eine Grenze überschritten, war auf ein Gebiet vorgestoßen, für das er nicht gemacht war.
Es hatte eine Grundfeste in ihm erschüttert, die er als sakrosankt angesehen hatte. Er glaubte fest an die Hierarchie der Medizin, an die unverrückbaren Grenzen der verschiedenen Professionen, der Unantastbarkeit der Zuständigkeiten. Was er getan hatte – was er gezwungen war zu tun – war rein den Ärzten vorbehalten.
Er wusste um die besondere Stellung der Rettungsponys, die sie aufgrund ihrer Tätigkeit einnahmen. Als Speerspitze der medizinischen Versorgung mussten sie diese Grenzen manchmal sehr... großzügig auslegen. Es war eine gänzlich andere Arbeit als in einem Krankenhaus, in dem vielleicht manchmal die Ressourcen knapp werden konnten, aber dennoch immer vorhanden waren. Sie mussten alles tun, um das Pony dort hin zu bringen. Und das entschuldigte vieles.
Aber die Operation von Worthwhile stand auf einem ganz anderem Blatt. Er war über die Strenge geschlagen. Er hatte sich auf ein Feld vorgewagt, auf dem er nichts zu suchen hatte.
Aber er hatte keine Wahl gehabt.
Es war diese Unvereinbarkeit zweier seiner Grundsätze, die ihn an sich selbst verzweifeln ließ. So sehr er sich auch anstrengte, so sehr er auch darüber grübelte, er konnte die beiden Bilder nicht in Deckung miteinander bringen.
Und so, anstatt sich darüber zu freuen, dass er eine scheinbar unüberwindbare Hürde hinter sich gebracht hatte, dass er weit über sich hinausgewachsen war, fühlte er sich nur leer und verlassen.
Er schlug das Tuch im Krankenzelt beiseite und trat zu dem improvisierten Krankenbett, das man aus Stroh und frischen Laken für den ersten Offizier aufgestellt hatte. Soda riss die Augen auf und sprang müde auf seine Hufe. Er war drauf und dran zu salutieren, als er sich daran erinnerte, das Rogue ein Zivilist war – Das neugierig um sich schauende Nagetier auf seinem Kopf gab ihm wahrscheinlich den entscheidenden Hinweis. Statt dessen strich er sich seine weiße Mähne zurück und lächelte unsicher. „Ach sie sind es.", flüsterte er leise, um keines der anderen Ponys in ihrer Nähe zu wecken. „Lösen sie mich ab?", fragte er hoffnungsvoll.
Rogue nickte. „Ja. Sie können sich hinlegen, ich übernehme für sie."
Soda stieß einen erleichterten Seufzer aus. Rogue hatte ein wenig Mitleid mit ihm. Wenn es schon ihm so schwer gefallen war, musste es für das andere Pony noch wesentlich schlimmer gewesen sein. Es war verrückt. Er war kaum drei Jahre älter als dieser Mannschafter, aber er sah zu ihm auf, wie zu einem Heilsbringer, wie zu einem mystischen Helden, wie...
...wie er zu den Ärzten aufgesehen hatte, wenn er und Trotter ein zerbrochenes, krankes Pony in die Notaufnahme geschoben hatten. Mit flatternden, weißen Kitteln, die hinter ihnen wehten wie die Umhänge der Paladine aus alten Sagen, Stethoskope wie magische Talismane um ihren Hals geschlungen, bereit ihre seltsame, unbegreifliche Magie zu wirken und den Tag zu retten, gegen jede Wahrscheinlichkeit...
„Machen sie mir eine Übergabe.", unterbrach sich Rogue selbst in seinem Gedankengang.
Zahlen und Messwerte ratterten aus Sodas Mund, wie eine mathematische Aufgabe. Rogue bemerkte, wie der junge Sanitäter kurz die Augen schloss, um sie sich aus dem Gedächtnis abzurufen. Aber er warf nicht einen einzigen Blick auf Worthwhile. Bemerkte nicht die immer noch fahle, aber schon wesentlich bessere Fellfarbe, den flachen, aber regelmäßigen Atem und die Infusion, die gerade ihre letzten Tropfen in seine Venen fließen ließ. Er sah nicht die feinen Schweißtropfen auf den Nüstern von Worthwhile, oder roch den leichten Geruch nach Urin, der von der Bettstatt ausging.
Rogue seufzte leise. Soda hatte noch zu lernen, sich mehr auf seinen Augen, seine Hufe und seinen Verstand zu verlassen, anstatt auf nackte Zahlen. Außerdem hatten sie alle heute viel durchgemacht. Es hätte keinen Sinn ihn jetzt auf seine Fehler hinzuweisen.
Er schickte seinen jungen Kollegen weg und machte sich an die Arbeit noch einmal alle Werte zu prüfen. Nicht ohne sich der Komik bewusst zu werden, das er zuerst noch gedacht hatte, dass ihn doch so wenig von Soda unterschied, nur um dann selbstgefällig im Geiste seine Fehler aufzuzählen. Er schüttelte stumm den Kopf über sich selbst und machte sich an die unangenehme Arbeit, Worthwhile zu säubern und sein Bettzeug zu tauschen.
Als er das frische Laken über ihm ausbreitete und auf das immer noch so schwach und krank aussehende Gesicht des ersten Offiziers sah, hielt er einen Moment inne. Er zog die Decke bis an sein Kinn und strich sie dann sorgsam glatt. Der Hengst regte sich leicht in seinem Schlaf. Er hatte leichtes Fieber, aber seine Temperatur war die letzten Stunden stabil geblieben. Die Antibiotika taten ihr Werk und verhinderten das schlimmste.
Rogue beugte sich über ihn und sog unwillkürlich den Geruch ein, der von dem Hengst aufstieg. Frisches Stroh und saubere Laken. Der stechende, medizinische Geruch von Wunddesinfektion, Medikamenten und, etwas weicher, sauberer Verbände. Kaum wahrnehmbar, das heiße Aroma fiebrigen Schweißes. Und die Wärme, die von ihm aufstieg.
Eine Erinnerung stieg in Rogue hoch, ausgelöst von einem dieser vielfältigen Gerüche. Sie war alt und fern, aber dennoch warm und schön.
Bevor die Erinnerung verblasste, bevor er zu sehr darüber nachdenken konnte, senkte Rogue seinen Kopf und gab Worthwhile einen flüchtigen Kuss auf die heiße Stirn. „Alle Wünsche mit dir, mein kleiner Prinz, sanfter Schlaf und süße Träume."
Seine Mutter hatte das immer zu ihm gesagt, wenn sie ihn krank zu Bett gebracht hatte. Und er war immer gesund geworden. Er glaubte, es gab keinen schöneren Gruß, mit dem man einschlafen konnte.
Er lag auf etwas Stroh neben dem Krankenbett, mit einem Bleistift im Mund und versuchte sich angestrengt daran zu erinnern, wie man den Flüssigkeitsbedarf eines chirurgischen Patienten berechnete – Er war sich sicher, das irgendwann während seines Praktikums auf der Intensivstation mal gehört zu haben – als die Zeltwand zurückgeschlagen wurde.
Bandit hob träge den Kopf vom Nachttisch, wo er eingeschlafen war. Als er sah, das es Applejack war, die ihren Kopf herein steckte, ließ er ihn wieder sinken. Die Erdstute blickte sich kurz um und lächelte dann, als sie Rogue sah. „Möchteste nen´ Kaffee? Ich hab´ gedacht´ dasde´ vielleicht ein´ brauchen kannst."
Rogue spuckte den Bleistift aus und nickte. Er fühlte sich nicht müde, aber er hatte noch die ganze Nacht vor sich. Außerdem drang die Kühle ihm auf seinem dünnen Strohbett langsam in die Knochen. Etwas warmes zu Trinken würde ihm gut tun.
Er warf einen kurzen Blick zu seinem Patienten. Worthwhile´s Zustand hatte sich in der letzten Stunde nicht verändert und die Decken, sowie die Wärmflasche, die Rogue ihm gemacht hatte, hielten die nächtliche Kälte von ihm fern. Es war kein Problem, wenn das Rettungspony sich einige Minuten am Feuer aufwärmte.
Er maß noch einmal die Temperatur und vergewisserte sich, das die Infusion lief, dann folgte er seiner Cousine zu dem Feuer, das unweit des Krankenzeltes brannte.
Er wollte sich ihr gegenüber setzten, aber sie hielt ihm schon eine dampfende Tasse entgegen und klopfte dann neben sich auf den großen, zerbrochenen Ast, der ihr als Sitzgelegenheit diente. Ein Segeltuch war darüber ausgebreitet, damit keine Splitter unliebsame Überraschungen bereiten konnten.
Er nahm ihr den Becher ab und nahm einen vorsichtigen Schluck. Der Kaffee war wunderbar, heiß und süß, mit ein wenig Schokolade darin. Genauso wie er ihn mochte...
Er starrte in die hellen Flammen, die sich knisternd durch das dicke Holz fraßen. Er hörte, wie sich die Stute neben ihm bewegte und wurde sich plötzlich bewusst, wie sehr es diesem Abend ähnelte, der schon so lange und so kurz nur, zurück lag. Sie zwei am Feuer in einer kalten, dunklen Nacht... ein unbekannter, finsterer Wald so nahe bei ihnen... und so viele unausgesprochene Worte zwischen ihnen...
so viele unausgesprochene Geheimnisse...
Etwas zupfte an seinem Verstand. Etwas, das er fast vergessen hatte, das wichtig war...
„Schmeckter´ dir?", fragte sie ihn.
Er hob lächelnd den Becher und prostete ihr zu. „Ja, allerdings. Genau das richtige."
Sie tranken beide und sein Lächeln verschwand langsam. Er fühlte, das die Fürsorge nicht der einzige Grund war, warum sie ihn hierher eingeladen hatte.
„Warum schläfst du nicht schon?", fragte er sie.
Sie schwieg einen Moment lang, dann schob sie einen etwa kopfgroßen Stein mit dem Hinterlauf näher ans Feuer. Rogue sah jetzt, das mehrere dieser Findlinge um das Feuer verteilt waren.
„Ich pass´ aufs´ Feuer auf und sorg´ dafür, das die Verletztn´ was Warmes zum Trinken bekom´ odr´ nen´ warmen Stein, wenn´ses friert." Sie seufzte schwer. „Wo ich doch sowieso nich´ schlaf´n kann, kann ich mich wenigst´ns noch nützlich mach´n." Sie sah hinaus in die Finsternis jenseits des warmen Scheins des Flammen. „Sieht so aus, als würd´n wir alle nich´ viel Schlaf bekom´ heute Nacht."
Rogue runzelte die Stirn, schwieg aber. Statt einer Antwort nahm er noch einen Schluck aus seiner Tasse und ließ sie fortfahren.
„Fluttershy is´ mit den Patrouillen unterwech´s und schaut sich nach Heilkräutern um, obwohl man kaum´ n´ Huf vor Aug´n seh´n kann. Rarity is´ da drüb´n...", sie nickte in Richtung eines beleuchteten Zeltes, das nahe am Rumpf aufgebaut war. „... un´ hilft die Segl´ zu flick´n. Pinkie geht mit der Kanne rum un´ schenkt Kaffee aus." Sie schwenkte ihren Becher. „Twilight is´ im Kommandantenzelt un´ geht den Lokalisierungszauber durch... zum hunderst´n Mal oder so." Sie sah müde in das Feuer. „Wir werd´n uns morg´n kaum auf´n Huf´n halten könn´, wenn wir aufbrech´n. Aber wer kann schon n´ Auge zumach´n?", fragte sie traurig.
„Was ist mit Rainbow Dash?", fragte das Rettungspony verwirrt. Er hatte sie in der Aufzählung vermisst.
Applejack blickte überrascht auf und setzte zu einer Antwort an. Dann stutzte sie kurz und legte verlegen eine Huf auf ihr Gesicht. „Du weiß´ es nich`, oda? Dammich´, woher denn auch?" Sie stand auf und senkte ihren Blick. „Rainbow is´ vermisst. Sie hat... irgendwas gemacht, damit wir besser über´n Gebirgskamm komm´, irgend nen´ Pegasusstunt. Die ander´n Pegasie ham gesacht, dases´ uns n´Hals gerettet hat, aber sie is´danach nich´ mehr aufgetaucht." Sie sah auf. „Du warst erst ausgenockt un´ dann haste den erst´n Offizier operiert, desweg´n ham wir dich nich´ gestört. Twilight hat n´ Lokalisierungszauber mit n´ paar Haar´n aus ihr´m Kamm gemacht – kannste glaub´n das die Mähre sich kämm´ tut? - und sacht´, dasse´ weiß, wo se´ zu find´n is. Is´ sogar inner´ Richtung zun´ Zwillignsgipfeln, wo wir hinwoll´n." Plötzlich bekamen ihre Augen einen sorgenvollen Ausdruck und sie verstummte.
Rogue schluckte schwer, als er das alles hörte. Er hatte das Fehlen von Rainbow Dash gar nicht bemerkt. Wieder einmal war zu viel passiert, in zu kurzer Zeit. Dennoch verspürte er einen kurzen Stich der Schuld in seiner Brust, als er davon hörte.
„Was ist, AJ? Wo liegt das Problem?"
Die Stute zögerte noch einen Moment, dann sprach sie weiter. „Twi hat den Zauber n´ paar Mal wiederholt un´ sacht, das se´ spühren würd´, wenn Dash sich merklich bewegt hätt´. Sie is´n Pegasus, also...",
„Also sollte sie keine Probleme haben, nach uns zu suchen, selbst wenn sie nicht weiß, wo genau wir runter gegangen sind.", beendete Rogue den Satz für sie. „Es sei denn..."
„...wenn se´ zu verletzt is´ zum Flieg´n." Applejack starrte traurig auf den Boden zwischen ihren ausgestreckten Hinterläufen.
Rogue setzte dazu an ihr ein paar aufmunternde Worte zukommen zu lassen, als er sah, wie in dem Schein der Flammen Tränen in den Augen seiner Cousine glitzerten. Sofort verstummte er. Einen Moment lang rätselte er, wie er dieser Situation begegnen sollte, dann tat er einfach, was das naheliegenste war: anstatt sich lange mit dem Was wäre wenn? Und was könnte? Aufzuhalten, wie er es so oft getan hatte und wie es ihm niemals gut getan hatte, rückte er einfach etwas näher an die Stute heran und legte ihr vertraut einen Huf auf die Schulter.
Applejack zögerte keinen Augenblick und glitt in seine Umarmung, schmiegte ihren schlanken, starken Hals an den seinen und versenkte ihr Gesicht in seiner kurzen, blonden Mähne, während sie hilfesuchend ihre Hufe um ihn schlang. Er erstarrte für einen Moment aufgrund ihres plötzlichen Vorstoßes, dann entspannte er sich langsam. Er hielt sie fest und gab ihr den Halt, nach dem sie sich so sehr gesehnt hatte.
„Twi sagte dasses´ entweder so is´, weil se´ verletzt is´, oder weil...weil..." Applejack schluchzte auf und drückte ihren Cousin fester an sich. „S´ so: Der Zauber wirkt auf´m Körper vom Pony. S´ is´ egal ob´s lebendich´ is´ oda´... oda´..." Sie heulte auf, unfähig, den Schmerz noch weiter zu verstecken.
Rogue drücke sie an sich, unfähig etwas zu erwidern, das sie trösten konnte. Was konnte er schon sagen, was nicht eine flache Plattitüde war? Ein bedeutungsloses Wort der Tröstung, Ein Lügen-für-Fohlen? Er wusste, das solche Worte manchmal tröstend sein konnten, trotz des besseren Wissens. Aber irgendwie glaubte er, das er damit diesmal sein Ziel nicht erreichen konnte. Applejack wollte Tröstung, ja, aber nicht auf so plumpe und hilflose Art und Weise. Sie wollte Hoffnung, echte greifbare Hoffnung, nicht nur eine leicht zu glaubende Lüge, die alles ein wenig besser ertragen ließ.
Er ließ sich einen Moment Zeit, während er seine Cousine sanft ins seinen Hufen wiegte. Der Wunsch, ihr nachzugeben, brannte hell und heiß in seinem Herzen. Aber so gerne er diesem Verlangen auch nachgegeben hätte, er war nicht frei. Er hatte hier noch einen Patienten, der seine Aufmerksamkeit erforderte. Mehr noch, er hatte hier eine Schuld. Eine seiner Taten, die ihn fesselte, mit unsicheren, unsichtbaren Banden, gestrickt aus den schwer greifbaren Stricken seines Gewissens.
Er hatte Worthwhile so viel angetan... hatte... hatte sich an ihm vergangen... hatte die Erwartungen an ihn gestillt, die andere so leichtfertig in ihn gesetzt hatten. Er hatte Huf an ihn gelegt, wider besseren Wissens, hatte seine... Scharlatanerie an ihm betrieben wie ein...
Er stoppte seine Gedanken, bevor sie sich noch tiefer in ihn graben konnten. Alles das... seine Vorbehalte, seine angebliche Schuld, von der er sich nicht befreien mochte, seine selbst generierte Unzulänglichkeit, alles war sein Problem. Er... Sie alle konnten sich diese, seine Egozentrik nicht mehr leisten. Nicht jetzt, nicht hier.
Ging es den wirklich noch um Worthwhile? Er war stabil, und nur Celestia und Luna oder wer sonst dafür zuständig war, konnte noch wirklich über sein Schicksal entscheiden. Er konnte noch ein wenig an den Reglern spielen und sich hinterher einreden, es war seine Verdienst oder seine Schuld, wie es ausgegangen wäre. Oder ging es nur noch um Rogue, immer um Rogue, das arme, zerbrochene Rettungspony, so voller Fehler...
Er ist schwach, doch daraus erwächst Stärke.
So voller Selbstzweifel...
Er ist unsicher, doch daraus erwächst Selbstbewusstsein.
...das dann doch immer wieder die Stärke fand, zu bestehen? Das sich selbst so sehr hasste und dennoch nicht von dem schrecklichen Bild im Spiegel lassen konnte? Hatte er Sie nicht erst gefragt (Wen hatte er gefragt?) wie es sein konnte, das er so wichtig war? Dabei war alles, wobei es sich bei ihm drehte schon so lange nur er. Nur er, wie er sich fürchtete, sich sorgte, wie er fühlte.
Er atmete tief durch. Nein, so schlimm war es nicht. Wie so oft machte sein Verstand es viel schlimmer als es war. Aber das änderte nichts daran, das darin ein Fünkchen – oder mehr – Wahrheit steckte.
Worin lag des Fünkchen hierherin? Er war für Worthwhile verantwortlich, so viel stand fest. Es mochte gut gewesen sein, was er an ihm getan hatte, notwendig und ohne Alternative. Aber das löste ihn nicht aus den daraus erwachsenden Konsequenzen.
Aber was war dagegen aufzuwiegen? Rainbow war mindestens verletzt, sonst wäre sie schon zurückgekehrt oder hätte zumindest nach ihnen gesucht. Worthwhile war versorgt und hatte die medizinischen Vorräte des Schiffes in seinem Rücken. Rainbow war irgendwo da draußen und ohne jede Hilfe. Er mochte nicht einmal daran denken, dass die vielleicht bereits tot war.
Die Entscheidung war einfach. Er musste nach ihr suchen. Er musste mit den anderen mitgehen, auch wenn es bedeutete, Worthwhile in den zweifelhaften Hufe von Soda zu belassen. Und wenn sie sie fanden, würde er sie soweit zusammenflicken, das sie es bis zurück zum Schiff schafften... oder ein weißes Laken über ihr Gesicht ziehen. Wie er es schon so oft getan hatte.
„Ich komme mit euch.", stieß er hervor und strich seiner Cousine beruhigend über den Rücken. „Wir finden sie. Und ich... ich..." Er konnte ihr nicht versprechen, ihre Freundin wieder ganz zu machen. „...wir werden sie finden."
Jetzt und hier war es genug.
Sie alle fanden doch noch irgendwie ein wenig Schlaf, bevor der Morgen an diesem neuen Tag graute. Rarity schlief unter einem frisch geflickten Segel. Pinkie deckte Twilight unter einer Decke aus Landkarten zu, bevor sie sich zu ihr kuschelte, damit sie nicht fror. Rogue legte sich neben Worthwhile auf ein dünnes Strohbett und zitterte leise, bis Applejack zwei warme Steine zwischen sie schob und sich neben ihn legte, einfach um ihre Wärme miteinander zu teilen. Fluttershy lugte später durch den Spalt in den Zeltplanen und betrachtete die beiden eng beieinander schlafenden Ponys eine Zeit lang, bevor sie zurück trat und sich allein am Feuer zusammenrollte.
„Himmel, pack´jetzt endlich dieses verdammte Stück Papier weg!", herrschte Rogue Soda an und schlug ihm unwirsch das Patientenprotokoll aus den Hufen. Das Klemmbrett landete im Dreck der zerdrückten Farne unter ihnen und das junge Sanitätspony sah ihm verlegen nach. Er mied den Blick des Rettungsponys und hob es vorsichtig wieder auf, um es auf das Bettende zu legen.
Rogue raufte sich die Mähne in Verzweiflung. Wie konnte er diesem Grünling in weniger als einer Stunde beibringen, worauf er wirklich bei einem Patienten zu achten hatte? Soda hatte die Tabellen der Antibiose, des Flüssigkeithaushaltes und vieler anderer theoretischer Behandlungsmethoden drauf, aber er hatte keine Ahnung, wie er sich um einen echten, wirklichen, Patienten kümmern musste. Er hatte Worthwhile wie eine Prüfung behandelt, ein fernes, unpersönliches Objekt. Und Rogue konnte ihm es nicht einmal vorwerfen. Soda hatte Monate, wenn nicht Jahre unter diesem Pony gedient und fand sich plötzlich in der Position, um Wohl oder Wehe von ihm zu entscheiden. Ohne das er jemals die Gelegenheit gehabt hatte, zu lernen, wie es war sich zu distanzieren, seine persönlichen Gefühle außen vor zu lassen und auf Gedeih oder Verderben und doch mit Herz zu handeln. Soda begegnete dieser Situation, in dem er sich einfach abkapselte und sich rein auf seine Werte verließ, ohne Sinn und Verstand.
Rogue war in der kurzen Zeit mehr als einmal kurz drauf und dran einfach zu sagen, das es nicht möglich war, das er aufgab und es keine andere Option gab, als das er selbst die Betreuung von Worthwhile und den anderen Verletzen auf sich nahm.
Aber immer hielt ihn ein Bild vor seinem geistigen Auge davon ab. Das Bild eines Cyanblauen Ponys, das verkrümmt auf dem mit Blättern bedeckten Boden lag, das sich krümmte vor Schmerzen und dennoch nicht den Versuch nicht aufgab aufzustehen. So wie er sie schon einmal gesehen hatte.
Dann schüttelte er sich und hielt für einen Augenblick inne. Und begann noch einmal, in ruhigem, gemessenem Ton Soda zu erklären was es bedeute, für einen Patienten zu sorgen.
Als er für einen Moment glaubte, das das junge Sanitätspony seiner Aufgabe gewachsen war, bevor es noch einen Fehler begehen konnte, das ihn zweifeln lassen konnte, schwang er sich seine Taschen auf den Rücken.
Er versuchte sich einzureden, das Worthwhile in guten Hufen war, das er Soda genug aufgeweckt hatte, um ihm eine gute, die beste Versorgung zukommen zu lassen, aber er erwischte sich ein ums andere Mal, das er zurück sah, zu dem einfachen, weißen Krankenzelt.
Er konnte den Gedanken nicht abschütteln, das er den ersten Offizier, dieses aufrechte Pony, diesen Honor Mareington Fan, im Stich ließ und einem ungewissen Schicksal auslieferte. Er hatte den anderen Elementen seine Entscheidung nicht persönlich mitgeteilt, aber er war sich sicher, das sie erleichtert waren, ihn an ihrer Seite zu wissen. Aber die Zweifel blieben.
Er betrachtet das ferne, weiße Rechteck des Krankenzeltes ein letztes Mal, dann wandte er sich um und trat zu der kleinen Gruppe, die sich am Rand der Lichtung gesammelt hatte. Neben den verbleibenden Freundinnen stand Leutnant Mellow in Hab-Acht-Stellung trotz ihres Kopfverbandes neben zwei Ponys der Marine-Infanterie. Kapitän Fairways nahm in diesem Augenblick seinen Dreispitz ab und verbeugte sich tief vor Rarity.
„Ich bitte sie ein letztes Mal, My Lady, lassen sie mich ihnen eine Eskorte zur Seite stellen. Ich kann es nicht verantworten, sie alleine mit ihren Freundinnen in diese unbekannte Wildnis hinaus zulassen. Es wäre ein Verstoß gegen meine Ehre, wenn sie es ablehnen würden."
Rarity drückte ergriffen ihren Huf gegen ihre Brust. Sie zögerte einen Augenblick, dann blickte sie auf Twilight. Die Stute lächelte verständnisvoll, schüttelte aber den Kopf. Die Fashionista atmete tief durch, dann hob sie ihren Huf an Fairways Kinn, um sein Anglitz sanft nach oben zu führen.
„Die Elemente der Harmonie danken ihnen, Kapitän Fairway. Sie sind ein besonderes Beispiel an Charisma, Mut und Galanterie, wie sich jeder Offizier der Luftwache nachzueifern nur wünschen könnte. Aber so wie es ihre Pflicht ist für ihre Ponys zu sorgen und das Schiff wieder flott zu bekommen, ist es unsere Pflicht unsere Freundin zu suchen. Sehen sie sich aus ihrer Verantwortung entlassen, für uns sorgen. So sehr ich... wir ihre Gastfreundschaft auch genossen haben, es ist die Zeit gekommen, geteilter Wege zu gehen. Wir haben unser Aufgabe, so wie sie die ihre haben."
Sie sah dem Kapitän tief in die Augen und schwieg einen Augenblick. Dann nahm sie seine beiden Vorderhufe in die ihren und neigte ihren Kopf.
„Ich hoffe und freue mich auf den Tag an den ich sie rufe und sie mir wieder zur Seite stehen."
Der Kapitän ergriff fest ihre Vorderläufe und schenkte ihr ein glitzerndes Lächeln.
„Kein Huf wird still stehen, kein Flügel nicht schlagen und kein Horn untätig bleiben, bis dieses Schiff nicht wieder auf den kleinsten Wink von euch bereit steht. Das ist mein Verprechen."
Er wich in einer einzigen, wirbelnden Bewegung zurück. Ein goldener Schimmer umfasste den Griff des Rapiers an seiner Seite und ein Geräusch wie zerreißende Seide erklang, als er den Stahl langsam aus der Scheide zog. Er salutierte zackig mit seinem Säbel vor dem weißen Einhorn, dann verbeugte er sich tief. Die Marine-Infanteristen taten es ihm wie auf ein geheimes Zeichen nach.
„Und ein Fairway pflegt seine Versprechen zu halten."
Rarity konnte sich ein beeindrucktes Kichern nicht verkneifen. „Leben sie wohl, Kapitän Fairway" Sie winkte ihm zum Abschied, während sie bereits den Hügel jenseits der Lichtung erklommen.
„Auf Wiedersehen, Miss Rarity."
„Nichts würde mich mehr freuen.", hauchte die Einhornstute leise, als die Gestalt des Kapitäns langsam hinter den Bergen aus Moos verschwand.
„Warum genau haben wir die Marines nicht mitgenommen?", fragte Rogue Twilight bereits zum mindestens ein dutzend malsten an diesem Tag.
Die violette Einhornstute rollte die Augen und antwortete genauso, wie sie es jedesmal vorher getan hatte: „Wir sind auf einer Forschungsmission. Es gibt keinen Grund, warum wir Soldaten mitnehmen sollten."
Rogue verbiss sich seine Antwort. Er könnte zum x-ten mal anführen, das eine Truppe kampferprobter Ponys in jedem Fall eine gute Versicherung gegen jede Art von Ärger war, der sie in diesen unbekannten Landen begegnen konnten. Und Twilight würde zum ebenso often Mal versichern, das sie jedesmal auch ohne Gewalt zu ihrem Ziel gelangt waren. Worauf er erwidern würde, das alles besser war, als sich mit (dabei konnte er sich ein verlegenes Kichern nicht verkneifen, denn es war ein bisschen anstößig) herunter gelassenen Höschen erwischen zu lassen. Twi pflegte darauf ein wenig zu erröten (was er übrigens ziemlich süß an ihr fand) und zu erwidern, dass sich die gute Absicht letztlich durchsetzen würde. Und was konnte Rogue schon darauf erwidern?
So setzten sie also ihren Weg unter dem Schatten der titanischen Bäume fort, hin zu einem Ziel, das keiner von ihnen sehen und nur eine von ihnen fühlen konnte: Den Zwillingsgipfeln in der Ferne. War es reiner Zufall, dass sie Rainbow gerade dort vermuteten, am Ort ihres ursprünglichen Ziels? Rogue bezweifelte es. Er hatte Fluttershy gesagt, das er nicht an ein vorgegebenes Schicksal glaubte, aber er fand es schwer, diese Behauptung noch vor sich selbst zu vertreten. Vielleicht war war es nicht der unabweichliche, gnadenlose Weg, den das schöne Pegasuspony damals vermutet hatte, aber es ließ sich dennoch nicht leugnen, das sich gewisse Muster abzuzeichnen begannen. Es gab zu viele Zufälle. Die Welt wurde zu klein, um noch bequem zu sein.
Doch sollte dahinter tatsächlich ein steuernder Huf stecken, war er sicherlich zu groß und viel zu mächtig, um ihn einfach so aufzudecken. Die glücklichen Gegebenheiten, das unvermutete Zusammenspiel und alle an ihren Platz fallenden Puzzleteile zeigten keiner für sich einen Eindruck gelenkt worden und waren so weit verstreut, das es doch – irgendwie – ein Zufall sein konnte.
Rogue schüttelte den Kopf und seufzte. Es machte keinen Unterschied. Sie handelten aufgrund von Notwendigkeit, sie alle. Eine Situation ging in die nächste über, ohne eine echte Chance für sie mehr zu tun als einfach nur darauf zu reagieren. Wenn sie nur einen Moment erhaschen könnten, inne zu halten, ihre eigenen Schritte zurück zu verfolgen, nachzudenken und den Kopf frei zu bekommen...
Aber sie hatten keine Chance. In diesem Augenblick wagten sie sich immer weiter in die unbekannten Tiefen eines uralten Waldes, der jeden ungesehen Schrecken beherbergen konnte, den sie sich nur vorstellen konnten... und schlimmeres. Und das war nur der Weg zu ihrem Ziel. Die Prüfungen würden erst danach beginnen.
Er öffnete ein weiteres Mal seinen Mund um Twilight auf die Nerven zu gehen, schloss ihn dann aber wieder. Wie hatte es der Wie-hieß-er-doch-gleich Pegasusgeneral der Antike ausgedrückt? ´Alea iacta est´ – Die Würfel sind gefallen. Jeder Schritt trug sie weiter von jeder Hilfe fort, auf die sie sich hier noch verlassen konnten.
Verdammt, warum hatten sie keinen einzigen Soldaten mitgenommen? Er hätte sich sicherlich gut mit Leutnant Mellow verstanden, sie hätte gut zu ihnen allen gepasst. Und sie hätte ihm zumindest etwas Sicherheit gegeben. Jetzt schlugen sich fünf Stuten und ein Stadthengst durch die Wildnis und warteten nur darauf auf etwas zu treten, dass sie fressen wollte. Es war vielleicht ein guter Anfang für eine Abenteuergeschichte, aber der blanke Horror, wenn man selbst in dieser Situation war. Und was wäre, wenn sie Rainbow fanden, dort oben am Berg, zerbrochen und vielleicht noch gerade so am Leben? Es war nicht damit getan, dass sie sie wieder fanden. Sie würde eine Krankenhaus brauchen, wahrscheinlich eher gestern als heute. Und es war ein langer Weg zur nächsten Notaufnahme...
Es war schön sich vorzustellen, das sie alle ein glückliches Wiedersehen dort oben feiern würden, nachdem sie den Wald und die Prüfungen hinter sich gebracht hatten. Dann würde die `Idle Barter´ heranschweben und das cyanblaue Pony, das sich vielleicht gerade den Flügel verstaucht hatte und sie alle mit ihr davontragen. Idealerweise mit den Antworten, die sie alle suchten und deren Suche mittlerweile so weit entfernt schien. Weitwinkelaufnahme des Schiffes im Sonnenaufgang, Abblende, Abspann. Zu dumm, das die Realität nicht so funktionierte. Das war kein Film im Theater und keine Abenteuergeschichte, es war...
Zu viele Zufälle. Die Welt wurde zu klein um noch bequem zu sein.
Rogue glaubte nicht an Schicksal, oder vielmehr er wollte nicht daran glauben. Aber was war, wenn das Schicksal an ihn glaubte?
Es war ein verrückter Gedanke. Aber seltsamerweise fügte er sich dennoch nahtlos in das Gefüge allen des ein, was das Rettungspony über die sechs Stuten gelernt hatte. Er hatte gespannt allen Geschichten aus Applejacks Mund gelauscht und sich oft gewundert, wie wunderbar sich letztlich alles gefügt hatte, um sie – letztlich sie alle, ihn eingeschlossen – hier an diesen Moment zu führen.
Er hatte gelernt, das Freundschaft, jener uralten, tief verwurzelten Kraft eine eigene Magie innewohnte, die sich nur schwer greifen und noch schwerer in Worte fassen ließ. Doch wenn man genau darüber nachdachte, konnte sie nicht die einzige sein. Es noch andere Verbindungen in den Ponys, die sich sicherlich damit messen ließen. Was war mit Familie? Was mit Liebe? Was war mit der fast vergessenen Heiligkeit eines Versprechens? Eines Geheimnisses? Einer... Geschichte?
Rogue erinnerte sich, das er einmal gelesen hatte, das sich das antike Wort für Erzähler oder Dichter aus den Worten „Skaliger" - Zaubersprecher – und `Derang´ - Weber – zusammensetzte. ´Skalden´ waren die mystischen Zaubersänger der alten Sagen, die allein mit ihren Gesängen und Erzählungen das Schicksal beeinflussen konnten. Sie waren die weisen Helfer und Propheten in den Heldengeschichten aus dieser Zeit. Was war der wahre Kern, der sich dahinter verbarg? Waren die Geschichten, Geschichten von Helden, die sich scheinbar unüberwindlichen Hindernissen stellten, von einer eigenen Magie erfüllt, einer Magie, die der Wahrscheinlichkeit, der Realität, ihre eigenen Regeln aufzwang, so wie es jede Magie tat? War es wie eine der berühmten Prophezeiungen, die dazu neigten sich selbst zu erfüllen? War dies der übermächtige Huf den er in allem zu vermuten begann?
Oder versuchte er nur sich selbst mit einer wahnwitzigen Entschuldigung zu beruhigen? Er wusste es nicht. Er wusste nur eines, als sie ihren Weg durch die moosüberwachsene Wildnis fortsetzten:
Alea iacta est – Die Würfel waren gefallen.
Der Weg durch den Urwald war alles anderes als leicht. Die Wurzeln des nahen Gebirges brachen allernortes durch die grüne Decke des Waldbodens und ragten rankenbewachsen und moosbedeckt auf. Kleine Bäche schlängelten sich zwischen diesen Graten hindurch hinab in das ferne Tal. Rogue bemerkte, das sie einige Male ein schlammiges Bett druchquerten, wo ein kleiner Strom trockengefallen war. Es schien, als wäre die Dürre auch am alten Land nicht spurlos vorbeigegangen.
Es war schwer, die Richtung zu halten. Das dichte Blätterwerk der fernen Baumkronen verdeckte die Sonne vollständig und ließ nur ein grün gefärbtes Zwielicht auf den Waldboden dringen. Dennoch war der dicke Humus dicht bewachsen mit hohen Farnen und Gräsern, denen das wenige Licht nichts ausmachte. Dazwischen bildeten gefallene Baumriesen, dicht besetzt mit schwammigen Pilzen und dickem Moos unüberwindbare Schranken, um die sie weite Umwege machen mussten. Seltsame, bunte Vögel flatterten aus dem Unterholz auf, wahrscheinlich zum ersten Mal seit Äonen gestört durch den Tritt eines Ponys. Hoch über ihnen stießen eigenartige, befellte Kreaturen warnende Rufe aus, während sie sich von Ast zu Ast schwangen. Bandit, der auf Rogue´s Kopf ritt, lugte vorsichtig zwischen den großen Ohren hindurch, an denen er sich festhielt und behielt das grüne Dach über ihnen misstrauisch im Blick
Rogue kam sich unendlich verloren vor in dieser unermesslichen Wildnis, die ihn auf allen Seiten umgab. Die Luft war erfüllt von Gerüchen, die zwar nicht unangenehm, aber völlig unbekannt waren. Jeder Laut um ihn herum suchte eine Erinnerung in seinem Kopf zu finden, eine Entsprechung, an dem er ihn identifizieren konnte und fehlte ein ums andere Mal kläglich. In seinem Kopf war die so herrlich grüne Landschaft, deren urtümliche Schönheit er nur auf einem unterbewusstem Level wahrnahm, angefüllt mit Fremden und Bedrohlichem.
Selbst als vor ihnen ein Turm aus offensichtlich ponygeformten Steinblöcken aufragte, legte sich seine Unruhe nicht. Die zyklopischen Steinquader waren mit dichten Schlingen weinroten Efeus überwachsen. Die Zeit hatte alle Ecken abgeschliffen und kaum mehr als ein Halbrund des Bauwerkes gelassen. Wären sie nicht direkt darüber geklettert, hätten sie es nur für eine weitere verwitterte Felsnase gehalten.
Twilight ließ erschöpft ihre Taschen von ihrem Rücken gleiten und setzte sich in die Mitte des Kreises aus Steinen, die von den Mauern übrig geblieben waren. Nur eine Wand, die zu der ansteigenden Talseite hinzeigte, ragte noch hoch über ihnen auf. Sie hatte irgendwie die ungezählten Jahre, Stürme und alles sprengenden Wurzeln überstanden und neigte sich schief über ihnen. Kleine Bäume wuchsen aus den Spalten zwischen den Steinen und strebten hoffnungsvoll dem gedämpften Licht der Baumkronen entgegen. Es sah alles andere als sicher aus, aber das Gemäuer hatte tausend Jahre und mehr hier gestanden, ohne zusammenzubrechen. Es war unwahrscheinlich das gerade heute seine Zeit gekommen war.
Die Freunde ließen sich im Kreis um das Einhorn nieder und schnauften tief durch. Obwohl die Reise zu Huf erst ein paar Stunden dauerte, hatte sie ihnen schon einiges abverlangt. Neben der ständigen Kletterei und den Umwegen war es auch die hohe Luftfeuchtigkeit, die an ihnen zehrte. Und, in Raritys Fall, gänzlich neue Probleme aufwarf.
„Un-Mög-Lich!", gab das weiße Einhorn von sich, während sie sich in einem kleinen Spiegel betrachtete, den sie aus ihrem Gepäck geholt hatte. „Das ist das reinste GIFT für meine Mähne!" Sie sah tiefer in ihr Kleinod und schob ihre Haare mit dem Huf hin und her.
„Jetz´ geht das wieda´ los...", murmelte Applejack, während sie auf einem zerdrücktem Sandwich mümmelte und rollte die Augen.
„Uhm, ich kann dir beim Kämmen helfen.", brachte Fluttershy in gewohnt verhuschtem Tonfall hervor. Sie steckte die Karotte, an der sie geknabbert hatte zurück und nahm den Kamm, den Rarity gerade aus ihrem Gepäck schweben ließ, in ihren Mund. Das Modepony nickte dankbar und setzte sich auf einen der moosüberwachsenen Steinblöcke.
„Sag´ wem ich tsu stark ziehm.", murmelte Fluttershy hinter dem Kamm hervor. „ Da siem eim paar Blätta´ um Äschtchen drim."
„Danke, Darling.", sagte die Fashionista und biss gekünstelt von ihrem Sandwich ab.
Rogue schnappte sich das in Wachspapier gepackte Paket aus seinem Gepäck und warf einen prüfenden Blick hinein.
„Gänseblümchen.", schnaufte er enttäuscht. Er hasste Gänseblümchen.
„Ernussbutter dazu?"
Er konnte gerade noch verhindern, das er sich vor Schreck einen Zahn ausbiss, als Pinkie plötzlich neben ihm aufpoppte. Sie hielt ein Glas mit verdächtig hellbraunem Inhalt in dem einen und ein Streichmesser in dem anderen Huf und lächelte von einem Ohr bis zum anderen. Bei allen anderen Ponys wäre das nur literarische Umschreibung gewesen, aber Pinkie Pie konnte das wirklich. Es sah ein bisschen unheimlich aus, aber Rogue kannte sie mittlerweile gut genug, um zu wissen, das er nichts zu befürchten hatte.
„Ähm, okay?", sagte er vorsichtig.
„Hier, bitte!", rief sie fröhlich und butterte ihm eine ordentliche Schicht der zähen Masse auf sein Brot.
Kein Chemiker, der eine unbekannte Formel teste, hatte sich je so vorsichtig einem Versuchsobjekt genähert wie Rogue, der das Sandwich in seinem Huf betrachtete. Es war rein Rational egal, ob der Belag zwischen den zwei Scheiben lag, oder darauf, aber dennoch glaubte Rogue den Earl von Sandwich leise aufschreien zu hören, als sich sein Mund dem Gebilde näherte.
Er stoppte erst, als sich dem ersten, ungewohnten Aufstrich ein zweiter hinzuzufügen schien.
„Err... Pinkie, ich glaube, die anderen wollen sicherlich auch noch... Erdnussbutter.", sagte er gedehnt und warf dem pinken Pony, das seinen Kopf neugierig so nah zu ihm geschoben hatte, das sie ihr Kinn beinahe in der Erdnussbutter geparkt hatte, einen ernsten Blick zu. Pinkie hielt kurz inne, dann grinste sie breit. „Ja, klar!" Und fort war sie.
Rogue nahm einen prüfenden Biss von seinem Sandwich. Er war angenehm überrascht, das es ihm tatsächlich schmeckte. Die Ernussbutter vermischte sich mit den Gänseblümchenaroma und ließ das ganze wie... ein Erdnussbuttersandwich schmecken. Er nahm noch einen Bissen. Jap, keine Spur von Gänseblümchen mehr. Super.
Er mampfte zufrieden auf seiner Stulle und blickte sich mit neuer Kraft um.
In den schwindenden Lichtstrahlen, die durch die Blätterdecke brachen, summten kleine Insekten leise vor sich hin. Ein ferner Wind ließ die Wipfel der Bäume leise rauschen. Die seltsamen Geräusche der unbekannten Tiere um sie herum waren nicht verstummt, aber sie klangen hier etwas gedämpft und entfernt. Die Stuten saßen in ruhigem Kreis und widmeten sich ihrem Mittagessen (bis auf Fluttershy, die sich Raritys Mähne widmete. Er machte sich einen geistigen Vermerk darauf zu achten, das auch sie etwas aß.) Bandit knabberte an etwas, das wie eine überreife Beere aussah und beachtete sie nicht weiter.
Bis jetzt war ihre Reise gut gegangen. Er hatte hinter jedem Stein, hinter jedem Strauch und Baumstamm ein furchtbares Monster erwartet, das sich mit blitzenden Fängen auf sie stürzen wollte. Er hatte die Zähne zusammengebissen und bangend darauf gewartet, das ein Huf auf verrottendem Holz ausglitt und ein Pony in die gähnenden Tiefen einer der Schluchten stürzen ließ, die sie überquert hatte. Er hatte die Augen aufgehalten nach Gift-Efeu, tödlichen Pilz-Bovisten oder auch nur Dornengestrüpp. Letzteres war ihnen zwar ein ums andere Mal begegenet, aber es war nie ein Problem gewesen, es zu umgehen. Es war fast ein wenig so, als wäre er enttäuscht. In seinem Kopf hatte sich der riesenhaft gewachsene Wald mit ungezählten Schrecken gefüllt, während sich die Realität dann doch nur als langweilig und mühsam entpuppte.
Er wusste, das er eigentlich erleichtert darüber sein sollte. Es war einfach nur ein Wald, dessen Bäume durch Alter und Zeit hoch wie Wolkenkratzer gewachsen waren. Was sie in ihrem Schatten an Schrecken verbargen war sicherlich vorhanden, irgendwo. Aber längst nicht so dicht und und unausweichlich wie er sich es vorgestellt hatte.
Als er sah, das Fluttershy den Kamm beiseite legte, packte er die zweite Hälfte seines Sandwiches zurück in das Wachspapier. Er trug es zu dem Pegasuspony, das gerade seinen Schnauze in ihren Satteltaschen vergrub und legte es vor ihr ab.
„Wollen wir tauschen?", fragte er sie.
Fluttershy sah überrascht auf, die Karotte in ihrem Mund. Sie setzte sie sachtsam auf dem Deckel ihrer Satteltaschen ab und sah ihn mit großen Augen an. „A... Aber ich habe schon davon abgebissen.", sagte sie zaghaft.
„Das macht nichts.", erwiderte er und schob sein Sandwich mit der Schnauze etwas näher zu ihr hin. „Es schmeckt toll.", meinte er und strich verlegen über die Mähne an seinem Hinterkopf. „Wenn... wenn du Erdnussbutter magst... du magst doch Erdnussbutter?", fragte er mit einem Anflug von Verzweiflung in seiner Stimme.
Der kanariengelbe Pegasus sah ihn einen Moment lang durchdringend aus ihren blauen Augen an, dann nickte sie zart. „ Ja, sehr."
„Dann... dann tauschen wir. Hier... hier ist mein Sandwich und ich nehme... nehme deine Karotte."
Als er sich langsam vorbeugte, fragte er sich unwillkürlich, ob sich die Polizeiponys der Einheit für Geiselverhandlungen ebenso aufgeregt fühlten, wenn sie einen Austausch vornahmen. Irgendwie bezweifelte er es. Sein Herz klopfte so aufgeregt, als wolle es jeden Moment aus seiner Brust springen und vor den verblüfften Augen von fünf Stuten eine flotte Polka tanzen.
Es war ein peinliches, lächerliches Gefühl, aber er konnte nicht anders, als sich darüber zu freuen wie ein kleines Fohlen an Hearths-Warming-Eve.
Er nahm ihre Karotte und sie zog sein Sandwich zu sich her. Als er einen herzhaften Biss in das feste Gemüse machte, machte sie es ihm gleich und nahm einen Happen von dem Sandwich. Ihre Mundwinkel zogen sich gleichzeitig nach oben.
„Es wird immer dichter!", rief Twilight. Sie war so weit in das wuchernde Unterholz gekrochen, das nur noch ihr Schweif zu sehen war. Sie alle balancierten auf einem umgestürztem Baumstamm, der der einzig sichere Weg über eine sumpfige Landschaft am Waldboden zu sein schien. Dichtes Gestrüpp wuchs zu allen Seiten weite über ihre Köpfe und versperrte ihnen den Weg.
„Können wir uns den Weg durchschneiden?", fragte Rogue, der weit hinten der Schlange stand.
„Warte mal...", klang die gedämpfte Stimme des violetten Einhorns zu ihm. Es gab ein kurzes Gemurmel an der Spitze ihrer Gruppe, dann kam ein aufgeregtes Schnipp!Schnipp! Von vorne.
„Ja, genau, Rarity!"
„Meine leichteste Übung, Darling. Das ist meine größte Schere. Wir sind schneller aus dem ganzen Schlamassel als du sagen kannst... AHHH!HILFE!"
„Äh...Ahhh...Hilfe?", wiederholte Pinkie unsicher irgendwo vor ihm, dann erbebte der morsche Stamm unter ihnen.
„Oh, Shieeee...", weiter kam Appeljack vor ihm nicht, bevor der Baumstamm unter ihnen durchbrach.
Rogue sprang aus Instinkt zurück und konnte sich gerade noch an einem morschen Ast festhalten, der aus der Seite des umgestürzten Baumes herausragte. Das vermoderte Holz hielt seinem Gewicht nur einem Moment lang stand, bevor es mit einem trockenen Knirschen abbrach.
Er landet mit dem Hintern voran in dem schlammigen Ufer des Sumpfes und versank auf Anhieb bis zu seinen Knien im Modder. Er fühlte, wie sich die ekle, zähe Masse des Moores um sein Hinterteil schloss und ruderte verzweifelt mit seinen freien Vorderhufen nach Halt.
Er hörte die Schreie von Twilight und Rarity hinter sich und das gepresst klingende Fluchen Applejacks an seiner Seite. „´Dammt, lass´ mich los oda´ ich geb´dir nen´ Tritt, denn de´ nich´ vergisst..."
Rogue kämpfte umso mehr gegen den unwiderstehlichen Sog des Untergrundes, der ihn gefangen hielt. Der Stamm vor seinem Kopf und das Unterholz versperrten ihm jede Sicht auf das Geschehen.
Ein peitschendes Geräusch. Ein Schrei, zweifellos von Rarity ausgestoßen.
„Es ist lebendig! Es greift..." ein weiterer Peitschenschlag. Das weiße Pony heulte einen wortlosen Schrei in die Luft.
„Rarity!", rief Twilight irgendwo dort drüben im Gebüsch. „Gib mir deinen AHHHH!"
„Ich kann... ich kann nicht...!", schrie Rogue, während er versuchte sich aus seinem schlammigen Gefängnis zu befreien.
Er fühlte, wie sich der schlammige Untergrund unter ihm bewegte, eine unheimliche, ekle Veränderung, so als wäre er statt in ein totes Moor in etwas lebendiges, ein widerliches Maul eines unfassbaren Organismus gefallen. Sein Hinterteil steckte noch immer in dem kalten Schlamm fest und er musste unwillkürlich an die schrecklichen Käfer denken, die am Grund von Sandtrichtern lauerten, um unvorsichtige Ameisen hinabzuziehen. Sein Grauen gab ihm neue Kraft, noch zusätzlich gestärkt durch die Schrei der Stuten, aber er konnte sich nicht befreien. Er ruderte haltlos mit seinen Vorderhufen und spürte doch nur, wie er immer tiefer versank.
„Ich kann... Ich kann nicht...", stieß er hervor. Der Schlamm reichte ihm jetzt bis zu den Schultern. Er kämpfte, schlug um sich. Seine Hufe tasteten hilflos um sich, in verzweifelter Hast. Und jede Bewegung zog ihn tiefer hinab in die Tiefe. Dorthin... wo die scharfen Kiefer warteten. Sein Kopf geriet unter die ekle Brühe des Sumpfes. Er strampelte entsetzt. Einen kostbaren Moment konnte er seine Lungen mit der fauligen Luft füllen, mit der widerlichen Luft, die der letzte Atem war den er je wieder tun würde, denn dann zog es ihn wieder hinab. Wo sie dich packen und in einem Strudel hinabreißen. Er kämpfte gegen den Sog an, strampelte um sein Leben. Fern des Lichts und dich langsam zerteilen und fressen und...Seine Hufe durchstießen die Oberfläche. Er spürte wie ihn etwas packte und zog. Sein Kopf brach aus dem brackigem Wasser und er tat einen Atemzug, er atmete und presse Luft in seine Lunge und es war das beste Gefühl, das er je in seine Leben gehabt hatte. Er hielt an diesen Hufen fest, die Ihn trugen, die ihn gerettet hatten und als er glaubte, das er genug geatmet hatte, sah er nach oben, und da war Fluttershy und sie hielt ihn fest und sie lächelte, während ihre Flügel an ihrem Rumpf wie die eines Kolibris schlugen und ihre Hufe, die die seinen hielten und er lächelte zurück und er dachte, wie sehr er doch diese Stute liebte, nicht nur weil sie ihn gerettet hatte, sondern weil er nicht anders konnte und dann wischte ein schwarzer Tentakel, ein schwarzer Strich sie aus seiner Wahrnehmung und er fiel und fiel und die Zweige des Unterholzes peitschten gegen ihn und kratzten ihn und ließen ihn wund und blutend auf den Waldboden plumpsen.
Er kämpfte sich gegen seine Schmerzen, gegen den frischen Schmerz seiner Kratzer, Blesuren und der Benommenheit des Sturzes auf seine Beine.
„Fluttershy?", rief er laut aus.
Seine Stimme verklang ungehört zwischen den titanischen Stämmen des Waldes. Er stand auf sicherem Grund, aber als er sich umsah, entdeckte er nirgends auch nur eine Spur des verhängnisvollen Pfades, den sie gegangen hörte irgendwo zwischen dem hohen Unterholz Hufe trappeln und einen kurzen Schrei. Er galoppierte los, den Geräuschen nach.
„Fluttershy?"
Die Rufe in der Ferne wurden leiser, schienen sich zwischen den Bäumen zu verlieren. Er hatte keine Ahnung mehr, woher sie kamen.
Er blieb stehen und drehte sich mehrfach um sich selbst, versuchte einen Sinn, ein bekanntes Bild in dem Durcheinander aus wucherndem Moos, umgestürzten Bäumen und wuchernden Farnen zu finden, aber es gelang ihm nicht.
Ein winziger Laut zu seiner Rechten, der nicht in das ewige Rauschen der Blätter, das Flattern der Vögel und der seltsamen Rufe passte.
„Fluttershy?",konnte er gerade noch fragen, dann war er schon über ihm.
Es war ein dunkler Schatten, der sich aus den immergrünen Dickicht löste, als währe er ein lebendig gewordener Teil davon. Das Rettungspony hatte gerade noch genug Zeit erschreckt einzuatmen, das Weiß in den Augen seines Angreifers zu sehen und das Glitzern auf der Spitze des Speere, die auf sein Herz zielte.
Bandit schleuderte sich wie ein lebendiges, braunes Geschoss in das Gesicht des Angreifers. Rogue spürte einen heftigen Stoß gegen seine Hüfte, gefolgt von einem brennenden Schmerz. Er versuchte, sich mit einem Satz in Sicherheit zu bringen, aber sein Hinterlauf knickte ein und der Schmerz explodierte. Er schrie und ging zu Boden und ekle, feuchte Blätter klatschten in sein Gesicht. Er hörte ein lautes Schnauben und das hohe, ängstliche Quieken seines Freundes und versuchte sich herumzuwälzen, aber die Pein in seiner Hüfte ließ ihn bei der Bewegung laut aufschreien. Er wendete den Kopf und wimmerte auf, als neuerliche Wellen der Pein ihn durchzuckten. Der Speer war durch seine Sanitätstasche gedrungen und steckte im Fleisch seines Oberschenkels. Hellrotes Blut sickerte bereits in raschen, drängenden Fäden unter der Tasche hervor, suchten ihren Weg über sein Fell und tropfte zwischen die verfaulenden Blätter unter ihm. Jede seiner Bewegungen ließ die Griffstange auf und ab wippen und sandte neue Lanzen des Schmerzes durch seinen Körper. Das wütende Pochen der Wunde und das Pochen seines Herzens waren eins und dröhnten in seinen Ohren. Seine Welt schrumpfte darauf zusammen, auf das wilde Klopfen der Pein und dem Schlag in seiner Brust. Er starrte auf die Stange, die aus seinem Leib ragte und versuchte die verschwimmenden Ränder der Bewusstlosigkeit aus seinem Sichtfeld zu verdrängen. Sein Atem ging keuchend vom Schock.
Er nahm nur unterbewusst wahr, wie die Gestalt Bandit mit einer schnellen Bewegung ihres Kopfes bei Seite schleuderte. Aus dem Augenwinkel sah er einen Schatten, der nun über ihm aufragte. Sein Kopf zuckte nach oben.
Es war das Gesicht eines Ponys, eines Hengstes, das seinem Blick unbewegt begegnete. Sein Kopf war von einem Helm aus mattem Eisen bedeckt, aus dem ein Horn spitz und gefährlich lang hervorragte. Sein riesiger, muskelbepackter Körper war nicht weniger gepanzert, an Brust und Rücken, Platten die seine Flanken schützten und… seine Flügel.
Rogue konnte nur entsetzt zu dem Pony aufsehen. Seine Welt schien in einem Strudel aus Schmerz und Blut um ihn zusammen zu brechen.
„Bitte... bitte...", stieß er flehentlich hervor.
Das gepanzerte Alicorn betrachtete ihn einen Moment mitleidslos, dann griff es mit seinem Mund nach dem Speer in Rogue´s Seite.
„Nein!"
Ohne zu zögern zog der Fremde den Schaft aus der Wunde.
Das Rettungspony unter ihm schrie. Das laute Geräusch verhallte zwischen den grauen Stämmen der ewig gleichgültigen Bäume.
„Celestia und Luna!", presste Rogue zwischen seinen Zähnen hervor. Der Schmerz war ein heißer Dorn gewesen, der seinen ganzen Körper durchzuckt hatte, aber er ebbte langsam ab. Das Pochen beruhigte sich und ließ Platz für die dunklen Wellen, die herauf spülten, um Rogue mit sich davonzutragen. Er kämpfte gegen die Bewusstlosigkeit an und schluckte den kupfernen Geschmack in seinem Mund hinunter.
Der Fremde trat ihm mit dem Vorderhuf ins Gesicht, drückte Rogue´s Kopf schmerzhaft gegen den Boden und nagelte ihn dort fest. Als das Rettungspony unter seinem Huf leise wimmerte, verstärkte er den Druck, bis Rogue verstummte.
Der Huf des Ponys war so groß, das es Rogues ganze Gesichtsseite bedeckte und ihn blind und stumm unter seinem brutalen Griff hielt. Das Rettungspony zuckte unter den Schmerzen von seiner Wunde und dem erdrückendem Gewicht auf seinem Kopf, aber er biss sich vor Furcht auf die Zunge, um keinen weiteren Laut von sich zu geben. Die bloße Ausstrahlung des Alicorns rief tiefstes Entsetzten in ihm hervor. Er spürte die rohe, wilde Kraft des Ponys und roch seinen herben Moschusduft selbst durch den Geruch der feuchten Blätterdecke unter ihm.
Er bemerkte, wie sich der riesige Hengst über ihm bewegte und versuchte so still wie möglich zu liegen. Einen verrückten Augenblick lang kam ihm in den Sinn, dass er einfach Tod spielen könnte. Aber es war unmöglich das der Angreifer das heftig Auf – und Ab seines Brustkorbes übersehen würde.
Und dann zuckte Rogue trotz seine Angst heftig zusammen, als er fühlte, wie eine Zunge über das Fell seines Hinterlaufes schleckte, dort, wo sein Blut hell und warm unter der Tasche hervor lief.
Rogue flippte aus.
Obwohl die Schmerzen in seinem Hinterlauf sich wie ein wütendes Tier in ihn verbissen, schlug er wild mit seinen sämtlichen Gliedmaßen aus, drosch blind um sich und wühlte verbissen seinen Gesicht unter dem Huf des anderen Ponys hervor. Er wollte nur weg, weg von diesem grauenhaften Zerrbild einer Gottheit, einer Prinzessin, das es auf sein Blut abgesehen hatte. Das Alicorn war überrascht genug, das sein Gesicht frei kam und er sich von ihm wegrollen konnte. Panisch versuchte Rogue auf die Beine zu kommen, aber wieder ließ ihn seine verletzte Seite im Stich.
Der Große Hengst war blitzschnell wieder bei ihm und brach wie ein Gewitter über ihn herein. Er stieß das Rettungspony mit seiner reinen Körperfülle so brutal zu Boden, das dieses sich zweimal überschlug. Rogue wusste noch gar nicht was ihn getroffen hatte, da trafen ihn schon zwei gut gezielte Tritte in den Unterleib. Die Welt versank in rotem Schmerz.
„Nu resterende er venligt!"
Rogue bekam nur am Rande mit, dass das Alicorn gesprochen hatte. Er war zu sehr damit beschäftigt sich zusammen zu krümmen und schluchzend seine Hufe auf seinen schmerzenden Bauch zu pressen.
„Dig! Hvem er du? Du er ikke en formskifter! Hvad er du?"
Ein Huf stupste ihn grob an und Rogue rollte sich noch mehr zusammen, um sich zu schützen.
„Hurtigere Spyd? Hvor er du?" Eine weitere, tiefe Stimme drang aus dem Gebüsch zu ihnen. Das Stupsen hörte auf.
„Jeg er her, mere . Kom her, jeg har fanget noget og ikke ved, hvad det er. ", rief das Alicorn und setzte seinen Huf auf Rogues Seite, um ihn besser unter Kontrolle halten zu können.
Das Unterholz raschelte und ein weiteres in Eisen gekleidetes Pony trat daraus hervor. Auch dieses trug ein mattes Eisenhorn auf der Stirn und gepanzerte Flügel an seinem Rumpf. Es blieb stehen und senkte misstrauisch den Kopf. „Hilsener, Hurtigere Spyd, der kan ramme tre mål i tre øjne blinker.", sagte er in der fremd klingenden Sprache.
„Og jeg siger dig, Støjsvage Hov, det ubemærket kan snige aber på toppen til at give dem for at stjæle deres bær."
Die beiden nickten sich zufrieden zu und das zweite Alicorn gab seine vorsichtige Haltung auf. Es trat näher und beugt sich neugierig über Rogue. „Hvad er dette? Det ser næsten ud som et føl!", sagte er.
Der erste Hengst nahm hastig seinen Huf von Rogue herunter. „Et føl? Tror du, det kan være? Først troede jeg, det billetpris en af disse forbandede formskifter, men hans blod er rødt, og det smager endnu korrekt." Er spuckt auf den Waldboden und besah sich dann das zitternde Pony unter ihm genauer. „Nej, dette er ikke en føl. Men formskifter er det ikke. Og det ligner en pony, bare mindre. Så lille som ..." Die beiden Alicorns sahen sich an.
„Robe Tog!", sagten sie gleichzeitig überrascht.
Rogue´s Kopf wurde von einem riesigen Huf angehoben, sanft, aber nachdrücklich, so das er dem ersten der beiden Hengste in die Augen sah.
„Dig! Sig mig: kommer du fra landet bag de høje tinder?"
Das Rettungspony konnte nur schwach den Kopf schütteln. „Ich... ich verstehe sie nicht.", krächzte er. Der Hengst ließ ihn los und sein Kopf sank kraftlos zurück. „Det giver ingen mening. Jeg tror ikke, at han forstår vores sprog."
Der andere nickte zustimmend. „Vi tager ham med os. Hvis chefen er tilbage igen, kan han beslutte, hvad der sker med ham. Ellers Robe Tog sikkert ved rådgivning."
Sie drehten sich zu Rogue um. „Dig! Los, opstå! Du kommer med os!"
Trotz der Schmerzen, die nur langsam abebbten, hob das Rettungspony überrascht den Kopf. Den letzten Satz meinte er fast verstanden zu haben. Es hatte sich so angehört, als wollen sie ihn mitnehmen.
Sein Eindruck wurde noch bestätigt, als die beiden gegen seine Beine stupsten. „Opstå!"
Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig. Er kämpfte sich auf drei Beinen stehend hoch und ließ seinen verletzten Hinterlauf unbelastet. Er merkte, wie ihm immer noch frisches Blut ans seinem Bein hinunterlief. Die beiden Alicorns schienen sich darum nicht zu kümmern.
„Endelig! Og nu gå!", fauchte ihn der Erste an.
Vorsichtig belastete Rogue das vierte Bein. Sofort schoßen sengende Schmerzen durch sein Hinterteil, als die verwundeten Muskeln sich anspannten. Er konnte nur mit Mühe einen Schrei unterdrücken.
„Det giver ingen mening.", brummte das zweite Alicorn. „Du fangede ham godt."
„E-es tut mir leid, ich kann nicht, ich bin verletzt...", bat Rogue kläglich. Als eines der beiden riesigen Ponys auf ihn zutrat, hob er ängstlich die Hufe. „Warten Sie! Warten sie!" Die Augen des Hengstes verzogen sich unter dem Helm zu misstrauischen Schlitzen, aber er hielt inne.
„Bitte,... ich...lassen sie mich die Wunde kurz verbinden, es dauert nicht lange."
Die beiden Alicorns sahen sich fragend an, dann zuckte einer die Schultern. „Hvad skal sådan en lille pony tilpasse allerede imod os to?", fragte er den anderen. Dann zeigte er mit einem Huf auf Rogue. „Du har ikke meget tid! Gør hvad du må gøre, så du kan køre!"
Das Rettungspony nickte heftig und begann damit, seiner Rettungstaschen von seinem Rücken zu ziehen. Er konnte einen leisen Schmerzenslaut nicht unterdrücken, als die Tasche an seiner Seite, die ihm wahrscheinlich das Leben gerettet hatte, über seine Wunde glitt, aber das glitschige Blut darunter machte die Aufgabe leichter. Er wühlte mit der Schnauze darin herum, während das erste Alicorn näher trat, um ihm wachsam über die Schulter zu schauen.
Als erstes nahm Rogue eine dicke Verbandsrolle aus der Verpackung und wischte unter schmerzhaften Verrenkungen das schon gerinnende Rot von seinem Oberschenkel. Dann spuckte er das blutige Bündel auf den Boden und ekelte sich vor dem Geschmack seines eigenen Blutes im Mund. Aber als er sich die Wunde besah, atmete er erleichtert auf. Er konnte zwar nicht sehen, wie tief sie war, aber es war ein sauberer, langer Schnitt. Zwar floss das Blut sofort nach, aber nur langsam. Wenn er Glück hatte, war kein wichtiges Gefäß verletzt worden.
Er schluckte schwer. Er musste die Wunde tamponieren und dann fest verbinden, wenn er wirklich damit laufen wollte. Je fester der Verband war, umso besser würde es gehen. Keine leichte Aufgabe, wenn man es an sich selbst machen musste. Und es würde weh tun, vor allem der erste Teil. Er sah zu den beiden Alicorns auf, die ihn ungeduldig betrachteten. Und er hatte nicht viel Zeit.
Er biss die Zähne zusammen und machte sich an die Arbeit.
Er versuchte sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, aber jetzt, da er meinte, das die unmittelbare Gefahr für sein Leben abgewendet war und der Schock abklang, zog es seine Gedanken unwillkürlich zu seinen Freunden. Wo waren sie? Waren sie so wie er von diesen furchterregenden Gestalten gefangen genommen worden, oder konnten sie entkommen? Waren sie unverletzt?
Diese Sorgen kreisten endlos durch seinen Verstand und verdrängten mühelos seine Fragen dannach, wer diese seltsamen Alicorns waren, oder warum sie ihn angegriffen hatten. Oder warum er noch keines von beiden Magie benutzen hatte sehen. Oder warum die geschmiedete Flügelplatte scheinbar fest mit dem Rumpfpanzer verbunden war. Er konnte nur an die sechs Stuten denken, während er mit zitternden Hufen den Verband um sich legte. Wo Bandit stecken mochte, seinem treuesten Freund und ob es ihm gut ginge. Und was aus Fluttershy geworden war. Vor allem, was Ihr widerfahren war.
„Ved du, hvad de andre har fundet?", fragte das erste Alicorn seinen Kumpanen. Der schüttelte den Kopf. „Det ved jeg ikke. Måske noget ligesom her."
Rogue, der zwischen den beiden herhumpelte und immer wieder sanft, aber nachdrücklich von hinten angeschoben wurde, wurde das Gefühl nicht los, das er manchmal fast verstehen konnte, was die beiden sprachen. Er konnte noch immer mit vielen Wörtern nichts anfangen und vieles aus dem Mund der Alicorns klang fremd und undeutbar. Aber er hatte nicht den Eindruck einer gänzlich unbekannten Zunge zu lauschen. Mehr einem... tiefen, tiefen Dialekt. Die Silben waren vertraut, aber oft verschliffen und fast unkenntlich.
Der zunehmende Schmerz in seinem Hinterlauf ließ ihn kurz anhalten. Der Verband hielt und war bisher auch nicht durchgeblutet, saß sogar so fest, das er das Bein ein wenig belasten konnte. Aber er humpelte trotzdem noch und das Pochen unter der Gaze nahm ständig zu. Er wünschte, er hätte mehr als nur eine Schmerztablette genommen, nachdem er mit der Versorgung fertig gewesen war. Wenigstens hatten sich die beiden Alicorns einsichtig gezeigt, als er mit schmerzverzerrtem Gesicht versucht hatte sein Taschen wieder auf den Rücken zu hieven und sie ihm mit einem abfälligen Schnauben abgenommen. Der zweite Hengst hatte sie sich trotz des daran klebenden Blutes wortlos umgehangen und war losmarschiert.
Ein weiterer Stoß trieb Rogue wieder an und er beeilte sich, wieder Schritt aufzunehmen. Er biss sich gegen den Schmerz auf die Lippen und trottete weiter. Er glaubte kaum, das die beiden Lust hatten, auch noch ihn zu tragen, auch wenn sie wahrscheinlich problemlos dazu in der Lage waren. Sie überragten ihn umj etwas mehr als einen Kopf und waren damit sogar noch ein wenig größer als Big Mac, der das größte Pony war, dem Rogue jemals persönlich begegnet war. Und in Körperkraft standen sie dem roten Hengst sicherlich in nichts nach. Er hob etwas den Kopf und betrachtete das vor ihm laufende Pony noch einmal eingehend.
Es hatte eine tiefbraune Färbung, doch eine seltsam riechende, dunkelgrüne Farbe war in Streifen darauf aufgetragen und verklebte seine Mähne so stark, das ihre ursprüngliche Farbe nicht mehr zu erkennen war. Der aus einfachen, grob getriebenen Eisen bestehende Panzer war fast schmucklos und bestand aus Platten, die eher primitiv mit (Rogue erschauderte) Lederstreifen an dem Körper des Ponys befestigt waren. Rogue hatte in seiner Kindheit oft Bilderbücher mit in Rüstung gekleideten Ponys betrachtet, die in alten Sagen auftauchten und selbstverständlich immer noch die Leibgarde der Prinzessinnen stellten. Diese Panzer waren ausgeklügelte Meisterwerke aus überlappenden Schichten schimmernden Metalls gewesen, mit fein gearbeiteten Gelenken und kunstvollen Verzierungen. Dagegen wirkte die Rüstung dieser Ponys grobschlächtig und vorsintflutlich. Sie schienen nur die wichtigsten Organe zu schützen und den Rest einem dünnen Kettengewebe oder dicken Schichten speckigen (Bäh...) Leders zu überlassen. Am seltsamsten fand er jedoch den Panzer an den Hörnern und den Flügeln. Er wusste, das es vor langer Zeit als wahre Meisterschaft unter den Schmieden der Ponys galt einen Flügel zu panzern, ohne ihn zu sehr in seiner Beweglichkeit einzuschränken. Deshalb ließen die Pegasie der alten Tage ihre Flügel meist frei und verließen sich auf ihr Geschick, um einem Schlag gegen sie auszuweichen. Aber hier zeigten sich einfach nur zwei Beulen im Metall, in die tiefe Furchen gemeiselt worden waren, um die darunter liegenden Schwingen nachzuempfinden. Und es war beispiellos, das ein Horn gepanzert wurde. Rogue wusste nicht genau darüber bescheid, aber keine der Abbildungen, die er kannte, zeigten einen Einhornritter mit gepanzertem Horn. Vielleicht brachte es irgendwie ihre Magie durcheinander, oder so.
Der erste Hengst wühlte sich durch ein Dickicht und blieb dann plötzlich stehen. „Ah, ja, til sidst!", riefer laut und mit Erleichterung in seiner Stimme aus. „Da Kraal! Og arne-brand allerede brænder. Vi ankommer i tide til middag!"
Der Zweite schnaubte zufrieden und drängte Rogue etwas schneller voran. Als er sich durch die dichten Äste und Blätter gewühlt hatte, sah er, das sie auf einem kleinen Abhang standen, wo der ewige Wald lichter wurde. Und unter ihnen breitete sich ein Dorf aus.
Es war ein Dorf, wie Rogue es noch niemals gesehen hatte. Der Wald mit seinen mächtigen Stämmen war gerodet worden und sein Holz zu einer hohen Palisade aufgestellt, dessen Wände abweisend auf die mit Baumstümpfen übersäte Lichtung starrten. Hölzerne Wachtürme warfen argwöhnische Blicke aus engen Schießscharten in den umgebenden Wald. Ein einzelner, großer und massiver Baumstamm ragte in der Mitte der Siedlung empor, von dessen Spitze sich ein Netz wie das einer Spinne zu den Mauern hin ausbreitete. Darunter waren Laufstege an tieferen Stellen des Stammes aufgehangen, wo kleine, bunte Gestalten patrouillierten. Der Rauch aus mehreren Herdfeueren drang durch die Spitzen von kleinen, runden Hütten, die sich unter dem Schutz des Netzes duckten und kräuselte sich in der windstillen Luft nach oben.
Vor dem großen Tor, auf das sie zugingen, arbeiteten Ponys, zogen Baumstümpfe aus der Erde oder ackerten den freien Boden. Rogue konnte es aus der Entfernung nicht genau erkennen, aber er hatte den Eindruck, das es normale Ponys waren. Hier und da ein Einhorn und dort flog ein Pärchen Pegasie durch die Luft, aber keine Alicorns, wie seine Bewacher.
„Kom nu, ikke falder i søvn. Vi gjorde det samme.", Er verspürte wieder einen Druck gegen sein Hinterteil, aber nur wie ein wohl gemeinter Klaps. Er konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie der Hengst hinter ihm sanft lächelte. Er beeilte sich, dem Befehl nachzukommen.
Als sie tiefer in die Senke kamen, konnte er mehr Einzelheiten erkennen. Die Ponys auf den Feldern waren tatsächlich in der Mehrzahl Erdponys, wenn auch wesentlich größer als normal, etwas so wie seine Geleitschaft. Als sie die Ponys auf das Tor zugehen sahen, blickten sie von ihrer Arbeit auf und winkten ihnen fröhlich zu. Die beiden Alicorns winkten zurück.
Das Tor vor ihnen wurde immer größer und Rogue kam langsam ins Schwitzen. Zum ersten Mal seit seiner Gefangennahme kam es ihm in den Sinn, sich um sich selbst Sorgen zu machen. Das nagende Gefühl der Ungewissheit und die Angst vor diesen Fremden hatte weit hinter seinen Schmerzen, der betäubenden Furcht vor den Alicorns und der Sorge um seine Freunde zurückstehen müssen. Jetzt jedoch drängte es sich mit Macht in den Vordergrund.
Er schaute sich noch einmal scheu zu seinen Bewachern um, die jetzt hinter ihm liefen. Sie bemerkten seinen Blick und rückten etwas näher.
Rogue ließ den Kopf hängen. Er hätte ohnehin keine Chance ihnen mit seinem Bein zu entkommen.
Das aus starken Holzbohlen gezimmerte Tor öffnete sich knirschend gerade weit genug, das sie sich hindurch quetschen konnten. Rogue zögerte, wurde aber einfach von der Masse des nachfolgenden Alicorns hindurchgedrängt.
Sie standen nun in einem kleinen Innenhof, der von allen Seiten von hohen Holzmauern umgeben war. Der Zugang zum Dorf war durch ein weiteres, kleines Tor abgetrennt, das mit einem Gatter verschlossen war. Dahinter traten gepanzerte Gestalten, ebenfalls mit Horn auf der Stirn und Flügeln an den Seiten an. Über ihren Köpfen erklang Hufgetrappel und mißtrauische Augen linsten durch die Schießscharten. Zum ersten Mal sah Rogue dahinter das Schimmern von Magie blitzen.
„"Hey, der! Håber jeg, at er og mere Støjsvage Hov un Hurtigere Spyd banker på min dør der!" schallte eine weibliche Stimme zu ihnen herunter.
Hey da! Blah,blah, Stöswage Huf und Hurtigere Spit pochen an mein Tor da!, versuchte sich Rogue in einer Übersetzung. Wahrscheinlich war der Name des einen seiner Bewacher ´Stöswage Huf´ und der des anderen ´Hurtigere Spit´. Er hatte diese Ausdrücke öfters vernommen, wenn sich die beiden angesprochen hatten.
Stöswage Huf lösten den Riemen um sein Kinn und nahm den Helm ab. Und da sah Rogue, das er es weder mit einem Alicorn, noch einem Einhorn zu tun hatte. Die Stirn des großen Hengstes war mit der grünen Farbe verklebt und glitzerte vor Schweiß in der Sonne, trug jedoch kein Horn. Dafür ein Narbe, die sich bis zum Ansatz seiner Mähne fortsetzte.
„Ingen andre!", rief er laut aus. „Og en dag, jeg vil betale dig tilbage, at du gav mig trak de krukken på hovedet, selvom du er tre gange vogter porten!"
Sie hörten ein schallendes Lachen von der Mauer. „Jeg venter, Støjsvage Hov, Jeg venter! Åbn porten!"
Langsam hob sich das Gatter vor ihnen und die Ponys dahinter traten zurück.
Hurtigere Spit stieß Rogue voran „Bare gå videre.", brummte er. Das Rettungspony humpelte weiter.
Als sie aus dem Schatten des letzten Torweges heraustraten, fand sich Rogue mit seinen Bewachern mitten im geschäftigen Leben eines kleinen Dorfes wider. Stuten, die ihn mit Leichtigkeit überragten, trugen irdene Töpfe in Taschen aus Weidengeflecht oder saßen vor ihren Hütten und formten mit Huf oder Magie feuchten Lehm oder bereiteten Essen über knisterndem Feuer zu. Fohlen, manche schon so groß wie Rogue und doch immer noch Teenager, trieben sich zwischen den Hütten umher, spielten an der Seite ihrer Mütter oder übten sich spielerisch im Zweikampf. Der klare, helle Klang von Eisen auf Eisen, sicherlich das Werk eines Schmiedes, drang zwischen den Hütten hervor. Über ihnen, gerade unterhalb des Netzes, das alles überspannte, trappelten die Schritte der Ponys auf den Laufstegen, den Blick stets wachsam in den Himmel gewandt.
„Du godeste! Jeg kan ikke forvente mig at vaske det! Jeg er nødt til først at komme ud af rustning." Hurtigere Spit trat an den Aufgang zu der Palisade neben ihnen und begann damit, die Riemen und Verschlüsse seiner Rüstung zu öffnen.
„Skynd dig! Mig det klør allerede overalt...", knurrte Stöswage Huf und warf einen wachsamen Blick auf Rogue, während sich sein Kumpane aus dem Panzer schälte. Kaum lag Eisen und Leder auf dem Boden, begann das Pony sich hingebungsvoll am ganzen Körper mit den Hufen zu kratzen und stieß dabei offensichtliche Laute des Wohlgefallens aus. „Smukke!"
„Rogue!"
Der Kopf des Rettungsponys ruckte wie an einem Faden gezogen herum, als er eine vertraute Stimme über dem geschäftigen Lärm des Dorfes hörte.
„Applejack!", rief er erleichtert aus, als er die orangefarbene Stute auf sich zu traben sah. Als er sie mit offenen Vorderläufen empfing, und sie sich ihm in eine glückliche Umarmung warf, war es, als würde ein riesiges Gewicht von seinem Herzen fallen. Sie war hier!
„Applejack...", flüsterte er ihr glücklich ins Ohr und drückte sie noch ein wenig fester, um sich zu vergewissern, das er sie wirklich in seinen Hufen hielt.
„Oh, Celestia sei dank, du bis´ hier." Sie seufzte laut und er fühlte, wie eine Anspannung von ihr abfiel, die wahrscheinlich weit mehr beschäftigt hatte, als ihr eigenes Wohlergehen.
„Hej, der! Ud!", hörten sie von hinter sich brüllen, aber sie wollten einfach noch nicht loslassen, wollten noch einen Moment lang in dieser Umarmung verharren und zum Tartarus mit allem anderen!
„Geht es den anderen Gut?", flüsterte Rogue schnell, da er ahnte das es nicht lange dauern würde, bis man sie wieder trennte.
„Wir sin´ wohlauf. Ich weiß nich´ was diese Ponys von uns woll´n, aber sei vorsichtig! Ich glaub´, die fackel´n nich´ lange!" Dann sah sie den Verband an seinem Hinterteil.
„Du bis´ verletzt! Was is´ passiert?"
Doch bevor Rogue etwas darauf erwidern konnte wurden die beiden unsanft auseinander gezogen.
„Jeg sagde, du skal gå fra hinanden!" Rogue spürte, wie ihn etwas an seinem Fell über dem Genick packte und zog. Als nächstes wusste er nur, das er durch die Luft gewirbelt wurde und hart auf dem fest gestampften, trockenen Boden aufschlug. Er biss die Zähne zusammen, aber ein kläglicher Laut unterdrückten Schmerzen stahl sich dennoch über seine Lippen.
„Rogue! Ah, jetzt hastes, geschafft, Mista´ Ach-So-Groß! Keina´ legt´n Huf an mein´ Cousin ohne das ich da n´ Wort mitzured´n hab. Ich verpass´ dir n´ Tritt da hin, wo die Sonn´ nich´ schein tut, dass dene Großenkl´ noch Schmerz ham´!"
„Gå tilbage til den anden hoppe! Jeg ønsker ikke at såre dig, men jeg vil gøre det, hvis jeg skal!"
Rogue kämpfte sich zurück auf seine Hufe und blinzelte entschlossen den Staub fort, der in seine Augen gekommen war.
„Lass es, Applejack! Ich... ich bin Okay!" Er fühlte sich nicht okay, aber er wollte um nichts in der Welt, das seine Cousine sich für ihn in einen Kampf warf, den sie nicht gewinnen konnte.
„N´ Dreck isse´s!" rief AJ trotzig und scharrte mit den Hufen. Einer der riesigen Hengste, einer den Rogue bisher noch nicht gesehen hatte, stand zwischen ihnen und beäugte die Stute wachsam.
„Tilbage krigere!" Der Ruf hallte laut und klar über den kleinen Anger. Die Ohren des Hengstes zuckten kurz, dann gab er seine aggressive Haltung auf. Applejack ließ sich nicht beeindrucken, zögerte jedoch mit ihrem Angriff.
Rogue sah sich suchend nach dem Ursprung der Stimme um. Aus der größten Hütte, die sich an die Innenseite der Palisade schmiegte, trat ein kleines, mintgrünes Pony, dessen fahlblaue Mähne mit weiße Streifen durchsetzt war. Erst hielt Rogue es für ein Fohlen, bis er merkte, das dieser Eindruck nur durch die Größe der beiden Wachponys entstand, die neben dem Rufer getreten waren. Tatsächlich war diese Pony weit davon ab ein Fohlen zu sein. Sein Fell war vom Alter ausgebleicht und runzlig. Es war ein Greis, und noch mehr: Es war ein Pony wie sie, vom Alter gebeugt, aber doch nicht wesentlich kleiner als sie. Selbst im Sommer seiner Jahre konnte er nie an die Riesen herangeragt haben, die ihn so wachsam eskortierten.
„Tilbage krigere!", sagte das alte Pony noch einmal, sanfter diesmal. Der große Hengst warf einen kurzen Blick auf Applejack, dann trat er respektvoll zurück.
Der Greis ließ sich auf seine Hinterläufe nieder und atmete schwer.
„Der er ingen grund til fjendtligheder, mine brødre og søstre." brachte er in gemessener Stimme hervor. "Jeg kan se, at disse er hverken formskifter eller et trick af dem. Der er bare ponyer, ponyer fra den fjernt land bag de høje tinder, som det var min far."
Die Hengste, die sich kampfbereit um sie gestellt hatten, nickten langsam und verstehend.
"Jeg har tænkt mig at tage i mjød hallen og spørge. Journey fortsætter i dit arbejde."
Langsam erwachte das Dorf, das um sie herum so unwillkürlich und sorgenvoll still geworden war, wieder zum Leben. Die Stimmen der Ponys erhoben sich erneut und schnell war es, als hätte es die gewaltsame Szene nie gegeben.
Das Alte Pony winkte langsam und aus der Richtung, aus der Applejack auf ihn zugestürmt gekommen war, kamen jetzt auch die vier anderen Stuten. Jede von ihnen hatte einen der großen Hengste als Bewacher an ihrer Seite und schnell trat auch der Hengst, der AJ gegenübergestanden war wieder zu seiner Gefangenen. Die Stuten nickten Rogue erleichtert zu und er erwiderte ihre Geste. Aber keiner von ihnen wagte es zu sprechen.
Als sie alle um ihn versammelt waren, räusperte sich der Greis. „Ich nicht wissen, ob alle Worte korrekt sind. Lært von meine Farter und ist schon lange her. Komme mit in mjød hallen, da sprechen und wissen." Er drehte sich um und winkte den Freunden ihm zu folgen. Die Wächter an ihren Seiten stießen sie sanft, aber fordernd voran. Seltsamerweise war Rogue der einzige, der anscheinend keinen Aufpasser bekommen hatte. Seine beiden Häscher waren gerade damit beschäftigt, sich, ihrer Rüstung entledigt, hingebungsvoll an den Baumstämmen der Palisade zu kratzen. Eine Stute war bei ihnen und reichte ihnen Wasser. Als Hurtigere Spit ihr den Becher abnahm, sah sie neugierig zurück, auf die kleine Gruppe, die gerade durch die hohe Tür der großen Halle verschwand.
Zusammen mit der Wachmannschaft betraten sie die das größte der aus holz gezimmerten Gebäude des Dorfes. Rogue nahm am Rande wahr, das dies das einzige war, das Verzierungen aufwies. Die massiven Stämme der Torbögen waren mit verschlungenen Schnitzereien übersäht, deren Einzelheiten sich ihm im Vorbeigehen entzogen. Am Holz der offenen Torflügel machte sich gerade eines der großen Einhörner zu schaffen und ritzte mit einem rot leuchtenden Griffel weiteres Muster ins Holz. Der Hengst beachtete sie nicht weiter, als sie eintraten.
Das Innere war ein hohe Halle, getragen von Mächtigen Balken, die die Decke weit über ihnen schweben ließ. Hölzerne Bänke scharrten sich um eine lang gezogene Feuerstelle, an der sich mehrere Stuten um in eisernen Kesseln kochendes Essen kümmerten. Dort wo das Dach an den Seiten niedriger wurde, waren Planen aus grob gewebtem Stoff gespannt und trennten die Bereiche gegen neugierige Blicke ab. Rogue sah, wie ein neugieriges Fohlen seinen Kopf durch eines der Separees steckte und eilige zurückgezogen wurde.
Der Greis stapfte an den Bänken und Tischen vorbei und kletterte eine niedrige Empore hinauf, die an sich an der Stirnseite der Halle erhob. Eine einfache Bank thronte in der Mitte der Erhebung, bedeckt mit weichen Fellen und Stoff. Die Freund warfen sich zweifelnde Blicke zu, als sie ersteres erkannten. In Equestria war es ein unausgesprochenes Tabu Felle oder andere Teile eines Tieres zu verwenden, wenn man es dafür töten musste.
Das alte Pony wich dem Thron jedoch aus und setzte sich statt dessen mit einem Ächzen daneben. Er schnaufte noch einige Male tief durch, dann hob er den Kopf und lächelte freundlich.
„Ich entschuldigung. Ich bin Robe Tog. In eure sprog ´Seilzug´, wenn ich nicht forkert. Ich will hörent eure Namen." Er sah sie erwartungsvoll an.
Es dauerte einen Moment, dann trat Twilight vor an den Rand der Empore. Sie Räusperte sich kurz und bemühte sich sichtlich um einen gefassten und freundlichen Tonfall. „Es freut uns sehr, sie kennen zu lernen, Herr Seilzug. Ich bin Twilight Sparkle und dies sind meine Freunde Applejack...", die Farmerin tippte grüßend an ihren Hut; „...Pinkie Pie...", das pinke Pony wedelte aufgeregt mit ihrem Huf und stieß ein helles „Hi!", aus; „...Fluttershy...", der kanariengelbe Pegasus zuckte zusammen, als ihr Name fiel und konzentrierte sich weiter auf den Boden; „...Rarity...", das weiße Einhorn verbeugte sich anmutig und warf dann ihren Kopf zurück, so das ihre nur etwas ramponierte Mähne angemessen wallen konnte; „...und Rogue Runner.". Das Rettungspony hob etwas unsicher seinen Huf zum Gruß.
Das lavendelfarbene Einhorn beendete die Vorstellungsrunde und fuhr fort. „Wir möchten ihnen gegenüber als Führer dieses... Stammes als erstes zum Ausdruck, das wir in einer friedlichen Mission unterwegs sind und in keinster Weise eine Bedrohung für sie darstellen. Unser einziges Anliegen..." Sie unterbrach sich, als sie das leise heisere Lachen des alten Ponys hörte.
Der Greis hob sich einen Huf vor dem Mund und versuchte sein Lächeln zu verstecken. „Ich entschuldigung. Aber sprog von fernen Ponys ist so komisch und..." Er wischte sich über das Gesicht und seufzte leise. „...und erinnter mich an Farter... mein Vater." Er sah für einen Moment ins Leere, dann schüttelte er sanft den Kopf. „Langt væk, lange døde. Ich schon lange nicht mehr an ihn getankte." Er hob seinen Kopf. „Ich habe es noch nicht talte: Willkomme, Willkomme ihr alle. Der Ingenör der Fløj, Hov og Horn, der ´Schwinge, Huf und Horn´ in eure sprog, heißt euch willkomme. Ihr sollt Gæst sein, von Ret og pligt."
Twilight zögerte einen Moment lang, während sie versuchte, Sinn in das Wirrwar aus Wörtern zu bekommen. Dann verbeugte sie sich tief. „Wir danken euch, Herr Seilzug. Nun, da wir eure Gäste sind, mögt ihr uns vielleicht ein paar Fragen zu beantworten? Natürlich werden wir euch im Gegenzug gerne redlich Frage und Antwort stehen."
Seilzug lächelte breit. „Als en Gæst hobt ihr die erste...", er überlegte kurz, „...´Fragä´". Er betonte die Silben lang und breit und ließ das Wort fremd klingen.
Twilight überlegte einen Moment lang angestrengt, dann hellte sich ihr Gesicht auf. „Wie kommt es, das ihr als einziger unsere Sprache sprecht?", fragte sie gerade heraus.
Rogue setzte zu einem Einwurf an, schwieg dann aber. Das war nicht gerade das, was er sich unter einer drängenden Frage vorstellte...
Der Greis nickte langsam. „Mein Vater sagde, das viele kloge Ponys im fernen Land sind. Es ist immer klog seine Allieret kenne zu lerne."
Dann hob Seilzug den Kopf, reckte sich mühsam und nahm eine stolze Haltung an. Sein Vorderhuf klopfte sich hart auf die Brust und machte ein hohles, trockenes Geräusch. „Ich bin Roge Tog, Sohn des Striker, der kam vom Fernen Lande, der war ein Alkymist ohn´ gleichen. Mein Farter hat gemacht des Pulver Nummer Eins, was ein solche Strøm war wie kein vorher. War Pulver und war blinkende wenn man Feuer daran getan. Sein Lebe er hat gemacht dafür, aber als er seiner Guddommen legt zu Huf, sie erschreckt und sagt: ´Ingenör Striker, forbudt das ist! Kein Pulver Nummer Eins! Zu Strøm das Pulver und zu svag meine kleinen Ponys.´ Und sie forbyde das Livsværk von meim Farter." Seilzug strich geistesabwesend mit seinem Huf über die Bohlen unter seinen Hufen. Sein Gesichtsausdruck war entrückt, abwesend, so als würde er sich etwas erinnern, das ihm bisher fern und fremd vorgekommen war. „Mein Farter rive hans manke. Und will seiner Guddommen doch nicht widerspreche. Aber is sein Livsværk, nicht war?"
Und an diesem Punkt erkannte Rogue erschreckt, das der alte Greis tatsächlich Tränen vergoss. Das alte Pony weinte, während es weiter verdrossen Kreise mit seinem Huf auf das Holz unter ihm zeichnete.
„Hat kein Hoppen genommen, kein Føllet gemacht und alles nur for ingenting... umsonst."
Der alte Huf klopfte laut auf das Holz. "Farter sagt, er kann nicht sagen nein zu sein Livsværk. Und wenn Guddommen es nicht will, kein Pony, kein Krydse, kein Frache soll haben. Er geht Væk... Exil. Geht ins Gamle Land. Durch stier... Pfade, die nur er kennt. Hierher. Und trifft Fløj, Hov og Horn. Alles Kæmpen... Riesen. Hier seit ferne Ponys weg und gegangen nach ferne Land. Aber nicht alle. Nicht Fløj, Hov og Horn, nicht Blodige Fløj, nicht Vilde Løberen, nicht Skræmme Hvide und andere, viele andere! Gamle Land, vild! Gamle Land, gefährlich! Und Ponys hier kæmper, kæmper! Und werde Kæmpen, nicht so wie in ferne Land. Und Farter denkt: Wenn Guddommen mich nicht braucht, dann die Kæmpen, den auch wenn sie Kæmpen, sie oft døde. So er lærer ihr das Smeden und de Kunste Medicin, wie man bruden tut aus de Urter – Krut...Kräutärn – das sie richtig helbreden die Wunden und Sygdomme."
Seilzugs Kopf hob sich noch ein wenig mehr und er blitzte sie aus seinen alten, aber dennoch scharfen Augen an. „Und es var nicht nur für Fløj, Hov og Horn! Mein Farter wollt kein Broderen sein, bis alle Ponys in de Gamle Land nicht wussten, was er wollt lærer. Und der gamle Høvding, Mødet Taurus, war klog genug, das er nachgeb und mein Farter ja sagt. Und so zog mein Farter von Roden to Roden und jedes Pony wusste, das er Fløj, Hov og Horn war. Und als er Blive Blændet von der Vilde Løberen traf, da hat er kæmper! Und hat tabt!" Seilzug klopfte energisch mit seinem Huf auf den Boden. „Aber er noch einmal kæmper! Und er wieder tabt!" Wieder ein entschlossenes Pochen mit dem Huf. "Und als er bludige und halv-død noch einmal will kæmper, Blive Blændet kæmper und schlägt den Udfordreren in de Knie!" Seilzug riss seinen Kopf nach oben und stieß einen Schrei des Triumphs aus, völlig gefangen in seiner eigenen Geschichte.
„Und mein Mor Blive schaut sich um ob dort noch undere Udfordreren sin." Seilzugs Kopf wendete sich wild hin und her, während die Gelenke seines Halses wild knackten. Er schien es nicht zu bemerken. „Doch ingen har modet tu der Hoppen zu gehen und noch ein Mal to forderen. Dat war Vilde Blomster, de hat gezeugt den Høvding von de Vilde Løberen, Aflytning Bladet. Und sie hat ihn mitgenommen in de Hytten. Und kein Hingsten word dagegen."
Seilzug atmete tief durch und hustete einmal trocken. Er brauchte einen Moment, bis er fortfuhr. „Des war de Tid, das mein empfangen war. Von de Farter Striker, von die fernen Ponys und der Mor Blive Blændet von die Vilde Løberen, als de Sohn von de Fløj, Hov og Horn. Was mein Farter lærert, das war allen Ponys und vor allen Ponys, war von seinem Sohn, mir. Was er an klog war, lært er mich und was ich an klog war, lært ich viele Ponys, die ich gezeugt. So halt ich in mein Hjertet – mei...nem...Herz..en...- was er wollt. So wie die Sprog, die er ich auf sein Knien von ihm lært."
Der alte Hengst war erschlafft in sich zusammengesunken und schien kaum seinen Kopf heben zu können, um Twilight ins Gesicht zu sehen. „Ist deine Frage damit besvaret... beantwortet, Twilight Sprakle?"
Die Einhornstute verharre einen Moment regungslos und mit überrascht hoch gezogenen Augenbrauen. Eine Reaktion, die sie mit den meisten ihrer Freunde teilte.
Zu viel Information..., dachte sich Rogue leise und strich sich verlegen über das Gesicht. Es war eine Sache, unaufgefordert seine Lebensgeschichte zu erzählen, aber noch einmal eine ganz andere Sache, Dinge wie seine eigene Empfängnis darin unterzubringen.
„Ah, nun, das war ein doch recht ausführliche Antwort auf meine Frage..." , brachte Twilight vorsichtig hervor. „..und es heißt Twilight Sparkle, vielen Dank.", konnte sie sich nicht verkneifen hinterher zu schieben.
Seilzug lächelte sanft. „Sparkle. Ich mir merken. Also, ich kann hoffen, wenn meine ´Antwort´ auf Frage so... aus-führ-lich war, deine ´Antwort´genauso?" Seine alten, klugen Augen fixierten die junge Stute aufmerksam. „Ich habe Fragen. Viele Fragen. Und quid pro quo? Habe ich richtig gesagt? ´Das eine für das andere´? Hat mein Farter mich richtig lært?"
Rogue sah, wie Twilight nervös schluckte. Sie hatte den alten Zausel unterschätzt. Sein ausschweifendes Gerede mochte altersschwaches Gebrabbel gewesen sein. Und seine lückenhafte Kenntnis der equestrianischen Sprache mochte noch ihr übriges dazutun, um ihn als einen verwirrten Primitiven abzutun. Aber mit einem einfachen Trick war es ihm dennoch gelungen, sie in die Ecke zu drängen. Er hatte die Wahrheit gesagt, soweit sie es feststellen konnten und gleichzeitig jede Lüge, die sie ihm auftischen mochten in Frage gestellt. Wenn er von einem gelehrten Pony aus Equestria abstammte, konnten sie unmöglich erahnen, wie viel er wusste. Und wenn sie seine Geschichte richtig verstanden, regten sich arge Zweifel, ob er ihrer, von den Prinzessinnen befohlenen Mission, gutgesinnt gegenüberstand.
Letztlich tat Twilight das einzige, was ihr übrig blieb und was Seilzug geplant hatte: Sie flüchtete sich in die Wahrheit.
„Ich bin Twilight Sparkle, die treue Studentin ihrer Majestät, der Prinzessin Celestia, Schwesterregentin von Equestria, neben Ihrer Majestät, Prinzessin Luna. Ich bin eines der Elemente der Harmonie, einer uralten Quelle der Magie, von der wir glauben, das sie Equia selbst zusammenhält. Meine Freunde hier sind ebenfalls Teil dieser Elemente, namentlich Applejack als das Element der Aufrichtigkeit, Pinkie Pie als Element des Lachens, Fluttershy als Element der Freundlichkeit, Rarity als Element der Großzügigkeit, Rainbow Dash, die gerade nicht hier ist, als Element der Loyalität und ich selbst als Element der Magie." Sie stutzte einen Moment lang, dann fuhr sie hastig fort. „...und natürlich nicht zu vergessen Rogue, als Element der... des Mitgefühls."
Seilzug betrachtete sie skeptisch. Sie lächelte unsicher. „Seltsam, wie man das Mitgefühl immer wieder vergisst, nicht wahr? Hehehe."
Na ja, vielleicht nicht die ganze Wahrheit. Rogue konnte sich gerade noch zurückhalten, einen verwirrten Blick auf Twilight zu werfen und sie so zu verraten. Das lavendelfarbene Einhorn war auch so schon eine miserable Lügnerin.
Twilight räusperte sich erneut, um ihre schlechte Darstellung zu überspielen und fuhr fort: „In unserem Land ist eine unnatürliche ausgebrochen, deren Ursprung wir trotz größter Anstrengungen bisher nicht herausfinden konnten. Jedoch glauben wir, das hier, im alten Land, ein Ort liegt, wo wir diese Antworten finden können. Ein Orakel vielleicht, oder ein alter Hort des Wissens, das sich bei den Zwillingsgipfeln befindet."
Als Seilzug den Namen des Berges hörte, zuckten seine Ohren merklich auf. „De Twinmødet?", fragte er leise.
Das lavendelfarbene Einhorn sah überrascht auf. „Ja, ich denke schon. Könnt ihr uns etwas darüber sagen?"
Der Greis runzelte die Stirn und grübelte eine Zeit lang nach, während die Ponys vor ihm unruhig von einem Huf auf den anderen traten. Schließlich setzte er zu einer Antwort an. „Des sind ting, die ich nicht beslutte ka – entscheiden. Des sind ting von de Høvding Torden Hallen, er muss beslutte. Er ist auf de Klanmødes von de rodens für de krig gegen de formskifter. Troden kommt vielleicht heut, kommt vielleicht morgen. Wenn er sagt god, dann ich sage klog und lær und de roden wird euch helfen. Doch bis er gekomm, ihr seid Gæst. Ihr esst und drikke mit uns."
Er bedeutete den Stuten, die an der Feuerstelle der Halle beschäftigt waren, mit einem Nicken aufzutragen und trat ächzend vom Podest.
Twilight sah sich unsicher um. „Aber wir wollten uns doch gegenseitig unsere Fragen beantworten!", brachte sie hervor.
Seilzug schüttelte bedächtig den Kopf. „Was ihr habt sagde, is de ting von Høvding, nicht von Ingenör."
Aber Einhorn ließ nicht locker. „Aber wir können nicht auf euren äh, Häuptling? Wir können nicht auf Torden Hall warten! Unsere Freundin, Rainbow Dash ist irgendwo in diesem Gebirge und wahrscheinlich ist sie verletzt! Wir müssen so schnell wie möglich zu ihr!"
Seilzug verhielt in seinem Schritt, dann drehte er sich langsam um. Ein Ausdruck von Mitgefühl huschte über sein altes Gesicht, bevor es wieder zu der ernsten Miene zurückkehrte.
„Wenn eure Freundin ist in de Twinmødet...", begann er leise und zögerte dann einen Moment und schüttelte wieder den Kopf. „Is de Høvding ting."
Und er ließ sich nicht mehr erweichen.
Das Essen in der großen Halle wurde danach zu einer stillen, ungemütlichen Angelegenheit. Die Speisen selbst, ein heißer, kräftiger Eintopf, serviert in Holzschalen, schmeckten tatsächlich ausgezeichnet. Und das süße Getränk, das sie dazu aus tönernen Bechern gereicht bekamen, war überraschend kühl und erfrischend. Aber das Schweigen, mit dem Seilzug jeder Frage und jedem Bitten der Freunde begegnete, würgte jede Konversation ab. Selbst untereinander konnten sie nicht frei reden, den neben jede der Stuten hatte sich einer der Hengste gequetscht und betrachtete sie beim Essen immer aus den Augenwinkeln. Nur Rogue schien keiner Bewachung würdig zu sein. Er wunderte sich ausgiebig darüber. Wahrscheinlich betrachteten sie ihn wegen seiner Verletzung nicht als Gefahr.
Er rutschte auf der harten Bank etwas hin und her und versuchte das Pochen in seiner Flanke zu ignorieren. Er wünschte, er könnte noch eine Schmelztablette nehmen, aber seine Sanitätstasche mit den Medikamenten war bei seinen beiden Häschern geblieben. Er hoffte, das er sie wieder zurück bekam. Ansonsten sah er schwarz sowohl für sich als auch für Rainbow Dash. Vorausgesetzt diese seltsamen Ponys ließen sie überhaupt wieder gehen.
Er musste bald die Tamponade entfernen und die Wunde vernähen lassen, sonnst würde sie sich unweigerlich entzünden. Er hatte weder genug Zeit noch einen klaren Kopf gehabt, als er sich selbst notdürftig zusammen geflickt hatte. Selbst unter den widrigen Umständen war es ihm gut gelungen, denn der Verband hielt und seine Schmerzen hielten sich in Grenzen. Aber weder hatte er die Wunde desinfiziert, noch vorbeugend ein paar Antibiotika genommen. Wenn er sich nicht bald ausreichend versorgen konnte, konnte seine Verletzung so schlimm werden, das er einfach ausfiel. Und das letzte was sie jetzt gebrauchen konnten, war noch ein Problem mehr.
Er sah auf den schon etwas schmutzigen Verband an seinem Hinterteil. Himmel, er wusste noch nicht einmal, ob er überhaupt noch in der Lage war, mit den anderen mitzuhalten. Er erschauderte beim Gedanken daran, das die Stuten ihn hier bei diesen furchterregenden Ponys zurücklassen könnten.
Doch dann schüttelte er den Kopf. Das würden sie nicht tun.
Er nahm noch einen Schluck aus seinem Becher. Die goldfarbene Flüssigkeit darin roch nach Honig und ein wenig nach herben Kräutern, die wahrscheinlich dazu getan worden waren, um die starke Süße zu mildern.
Er wünschte sich, er könnte sich wenigstens waschen. Sein Hinterlauf war unterhalb des Verbands noch immer mit seinem geronnen Blut bedeckt, das sein Fell verklebte und in rostroten Flocken davon abfiel. Ihre ´Gastgeber´ schien das nicht zu stören, aber Rogue fühlte sich einfach nur dreckig und verschwitzt. Und der kupferne Geruch seines eigenen Blutes war einfach nur widerlich.
Er sah auf, als eine der riesigen Stuten neben ihn trat und seinen Teller und den Becher abtrug.
Seilzug war aufgestanden und klopfte mit einem Huf auf den Tisch. „Ich zeige de Gæst nun de Kraal. Folgt mir, bitte."
Die Freunde standen zusammen mit ihren Bewachern auf. Die beiden gerüsteten Ponys an der Seite von Seilzug traten vor, aber der Greis winkte sie zurück. „Det er vores gæst. Jeg har ikke brug for vagter." Die Ponys nickten und traten wieder zurück.
Seilzug führte sie auf die staubigen Straßen des Dorfes, vorbei an den eingeborenen Ponys, die sie neugierig beäugten. „Ich zeige euch, wofür Ingenör gut."
Sie trotteten hinter ihm her, während die Wächter nie von der Seite der Stuten wichen. Er führte sie zu der Schmiede des Dorfes, ein einfaches Dach, das sich auf Streben stützte und aus dessen grob gemauerter Esse schwarzer Rauch aufstieg. Kräftige Stuten, deren Fell von der Anstrengung in der warmen Luft feucht glänzte, schwangen Hämmer in ihren Mündern oder ließen sie Kraft ihrer Magie auf rotglühendes Eisen niedersausen, dass die Funken nur so flogen. Sie hatten sich Schürzen aus Leder umgebunden, damit sie sich nicht versengten und wieder konnte Rogue, ebenso wie seine Freunde, es sich nicht verkneifen, entsetzt darüber den Kopf zu schütteln.
Als nächstes gingen sie auf die andere Seite des Dorfes und sahen zu, wie die Ponys gerade große, behauene Baumstämme aufrichteten, um einen weiteren Wachturm zu bauen. Sie hatten aus Hanf gedrehte Seile an der bereits fertigen Palisade angebracht, die über mehrere Umlenkrollen liefen und als vertikaler Kran fungierten. Ein... Seilzug. Der Greis ließ sich in seinem Kauderwelsch lange über die Wirkungsweise und den unglaublichen Fortschritt in der Bautechnik aus, den diese Errungenschaft seines Vaters dem Stamm gebracht hatte. Dabei kam auch heraus, das dieses Dorf nur ein Provisorium war, von eher temporärer Natur. Deshalb bauten sie es auch aus Holz, statt aus Stein, wie sie es wohl im von Seilzug so genannten ´Honningdal´ getan hatten. Wo her die ´Schwinge, Huf und Horn´ erst vor kurzem hierher gekommen waren. Über die Gründe für den Umzug schwieg er.
Rogue tauschte unterwegs mit den anderen unsichere Blicke aus. Offensichtlich war Seilzug sehr stolz auf seine `Maschinen´, auch wenn sie den Ponys aus Equestria alltäglich, wenn nicht sogar antiquiert erschienen. Schließlich räusperte sich Twilight „Nun, Herr Seilzug, wir finden, das sie hier großartiges geleistet haben. Ihre Handwerkskunst ist sind sehr... praktisch. Ich bin mir sicher..." Sie unterbrach sich, als der Hengst, der ihr folgte, neben sie trat und seinen Schweif wie zufällig gegen ihre Flanke wedelte. Die lavendelfarbene Stute zuckte vor der Berührung zurück und warf ihrem Bewacher einen genervten Blick zu. Der große Erdhengst sah betont unschuldig in die Luft.
„Ähm, könnte sie ihren Wachen bitte sagen, sie sollen das lassen? Ich fühle mich nicht wohl dabei." Seilzug warf ihr einen verwirrten Blick zu. „Wachen? Das ist nicht de Vagt. Das ist..." Er kam nicht dazu weiter zusprechen.
Ein aschegrauer Einhornhengst war aus einer der kleinen Hütten getreten, und hatte seine lange, glänzend schwarze Mähne ausgeschüttelt. Er wollte sich gerade gerade auf den Weg zum Brunnen auf dem Dorfplatz machen, als sein Blick auf die Gruppe fiel, die Seilzug folgte. Seine violetten Augen blitzten auf, als er die fünf Stuten und deren Verfolger sah. Der Hengst schnaubte laut, senkte seine Vorderläufe und kratzte aggressiv mit den Hinterläufen im Staub der Straße. Bei diesem Anblick kam Unruhe in die eingeborenen Hengste, die die Stuten bewachten. Sie warfen sich unsichere Blicke zu und zwei von ihnen wichen sogar einige Schritte zurück.
Dann startete der aschgraue Hengst durch. Seine großen Hufe donnerten über die Straße und warfen Staubwolken auf, als er mit gesenktem Kopf auf die Gruppe zustürmte. Die zwei Hengste, die bereits zurückgewichen waren, gaben Fersengeld. Aber der Angriff galt gar nicht Ihnen.
Der Pegasushengst neben Fluttershy versuchte noch, sich in die Luft zu flüchten, aber er war nicht schnell genug. Er war kaum zwei Meter aufgestiegen, als sein Angreifer ihn zu fassen bekam. Das Einhorn sprang mit seinen kräftigen Hinterläufen ab und erwischte ihn mit seinem Gebiss an seinem hinteren Huf. Der Pegasus versuchte verzweifelt weiter aufzusteigen, wurde aber vom dem zusätzlichen Gewicht gnadenlos in die Tiefe gezogen. Der Einhornhengst schleuderte seinen Gegner mit der Kraft seines muskulösen Halses zurück zur Erde, wo sich das Pony mehrfach überschlug und in einer Staubwolke zum liegen kam. Sofort versuchte es sich aufzurappeln, aber der heranstürmende Hengst stieß ihn aus vollem Lauf mit der Brust nieder. Seine Hufe rutschten über den Staub als er neben seinem Gegner scharf bremste, um seine Vorderhufe auf ihn niederzuschmettern. Der Pegasus rollte flink zur Seite, als die Hufe donnernd dort niedergingen, wo eben noch seine Brust gewesen war. Das fliegende Pony sprang vom Boden hoch und wirbelte mit einem Flügelschlag herum, den Hinterlauf ausgestreckt. Das Einhorn wurde hart an der Wange getroffen und konnte nur mit Mühe auf den Hufen bleiben. Mit einem Schütteln seiner Mähne warf er die Benommenheit ab und ging wieder in Angriffsstellung Die beiden Kontrahenten standen sich angriffslustig gegenüber, bereit jede Blöße des Gegners zu nutzen.
Die sechs Ponys starrten entsetzt auf den erbarmungslosen Kampf, der so plötzlich ausgebrochen war. „Was... Warum kämpfen sie?", fragte Twilight bestürzt. Seilzug, der sich auf die Hinterläufe niedergelassen hatte, betrachtet das Hufgemenge interessiert, aber alles andere als überrascht. Die eingeborenen Ponys auf der Straße waren stehengeblieben und sahen sich ebenfalls das Schauspiel an, ohne Anstalten zu machen einzugreifen. Selbst aus den Hütten traten Ponys, die den Aufruhr draußen gehört hatten.
„Sie kæmpen um den Pegasus.", bemerkte Seilzug gelassen und deutete mit einem Huf auf Fluttershy, die sich ängstlich hinter Applejack versteckte.
Den fünf Stuten entglitten die Gesichtszüge. Rogue bemerkte, wie ihm die Kinnlade herunterklappte. Twilight war blass im Gesicht geworden. „Was soll das heißen, sie kämpfen um Fluttershy?" ihre Stimme zitterte leicht. Sie warf einen kurzen, ängstlichen Blick auf den großen Erdhengst, der so unangenehm nahe bei ihr stand.
Seilzug wandte sich ihr zu, sein Gesichtsausdruck unlesbar. „Sie kæmpen um das Recht, gelbes Pegasus mit in ihre Hytten zu nehmen, in Abend. De Hingsten sind nicht eure Vagdt. Das sind Hingsten, die ihr gefallen. Sie bleiben an eurer Side um ihr Højre, ihr recht zu sichern. Will streiten um Højre, Hengst muss kæmpen."
Die Stuten sahen sich gegenseitig an, das blanke Entsetzen in ihren Gesichtern.
Rogue´s Herz klopfte laut in seiner Brust, so als wolle es vor Angst zerspringen. Das erklärt, warum ich keine Wache bekommen habe, dachte er sich.
Er versuchte sein Zittern zu unterdrücken, als er vor Seilzug trat und fest mit dem Huf aufstampfte. Hinter ihm wurden die Kampfgeräusche leiser, als das große Einhorn den übel zugerichteten Pegasus zu Boden drückte.
„Ich... kann das nicht zulassen. Das ist nicht richtig.", sagte Rogue mit aller Entschlossenheit, die er aufzubringen vermochte. Applejack, Twilight, Pinkie Pie, Rarity und Fluttershy wandten sich im zu, in ihren Blicken lag der Schock und die blanke Angst. Ihre Augen flehten ihn an, diesen Alptraum zu beenden, irgendwie. Er schöpfte Mut, als er sah, wie sehr sie sich auf ihn verließen, aber seine verdammten Knie wollten nicht aufhören zu zittern. Die Hengste an den Seiten der Stuten traten nun auf Rogue zu, selbst die zwei, die beim Angriff des Herausforderers Fersengeld gegeben hatten. Der siegreiche Einhornhengst, staubig und verschwitzt, trat neben Fluttershy und warf dem Rettungspony einen einschüchternden Blick zu. Die großen eingeborenen Hengste bauten sich bedrohlich um das kleinere, grauen Pony herum auf.
Bei Celestia, schoss es Rogue durch den Kopf, die stampfen mich in den Boden. Jeder einzelne von ihnen.
Seilzug maß ihn ein weiteres mal von Mähne bis Huf. Dann kicherte er amüsiert. „Du willst Højre? Dann Hingste, musst de kæmpen!"
Die Hengste traten noch einen Schritt vor, so das Rogue in ihren Schatten stand. Einer von ihnen lachte leise.
Er konnte das nicht zulassen. Er konnte nicht daneben stehen, während diese... Wilden unausprechliche Dinge mit Applejack, Fluttershy und den anderen anstellten. Er musste etwas dagegen unternehmen, irgendetwas. Er war sich mehr als schmerzlich bewusst, das er keine Minute gegen einen der erfahrenen Kämpfer des Stammes durchhalten würde, schon gar nicht mit seiner Verletzung. Aber er würde nie wieder in einen Spiegel sehen können, wenn er es nicht wenigstens versuchte.
Oh, Celestia und Luna.
Sie würden ihn zu Brei stampfen. Er wollte noch nicht sterben! Die Angst in seinem Herzen, jeder Funke von Selbsterhaltungstrieb, schrie ihn an, das es Selbstmord war, es auch nur zu versuchen. Das niemandem damit geholfen wäre, wenn er wegen einer reinen Geste des Widerstandes jeden Knochen im Leib gebrochen bekäme.
Er schloss die Augen. Schweig still mein Herz. Er konnte sein Zittern nun nicht mehr unterdrücken. Jede Faser seines Körpers fühlte sich an, als wolle sie jeden Augenblick auseinander reißen. Sein Herz pochte so laut, das er kaum seine eigenen Worte hörte, als er rief: "Ich kämpfe!"
„Nein, Rogue!" Sein Kopf ruckte herum, als ein Schrei hinter den über ihm aufragenden Hengsten erklang. Applejack drängte sich durch die Wand der massiven Körper, stieß mit Kopf und Hufen zu allen Seiten, um sich Platz zu machen. Die Hengste schreckten überrascht zur Seite und die orangene Erdstute warf sich ihm um den Hals, drückte ihn fest an sich.
„Tu´ das bitte nich´, Rogue. Bitte, bitte, tu´ das nich´."
Das junge Rettungspony legte seine Vorderläufe um seine Cousine und fühlte, wie sie zitterte, nicht weniger als er selbst. „Du bis´ kein Gegner für diese Bande. Die stampf´n dich tot. Bitte." Rogue spürte, wie Tränen von Applejacks Wangen auf sein Fell tropften. Hinter ihr traten auch die anderen Stuten zwischen den Hengsten hindurch auf ihn zu.
„Bring´ dich nich´ für uns um. Wir... ich un´ die Mädel´s..." Applejack löste sich langsam aus der Umarmung und sah sich zu ihren Freundinnen um. Sie versuchte tapfer zu lächeln. „...wir komm´ schon zurecht. Vielleicht wird's gar nich´ so schlimm." Sie schluchzte unterdrückt. Auch in Twilight´s und Rarity´s Augen glitzerten Tränen, aber auch sie zwangen sich zu einem Lächeln. Fluttershy hatte sich auf dem Boden zusammen gerollt und ihr Gesicht in ihren Vorderläufen begraben. Sie zitterte wie Espenlaub. Dieser Anblick allein wollte sein Herz zerbrechen lassen.
Rogue blickte sich im Kreis der Stuten um, die bereit waren, wie die Lämmer zur Schlachtbank zu gehen, unbeschreibliches zu ertragen, damit er sich nicht in Gefahr begab. Er versuchte tief durchzuatmen, um sich zu beruhigen, aber es drang nur ein Schluchzen aus seiner Kehle. Er fühlte seine eigenen Tränen, wie sie ihm heiß über die Wangen liefen. „Celestia...Celestia und Luna... Nein, ich kann nicht... Ich kann einfach nicht..." presste er kläglich hervor. Das Herz in seiner Brust wollte vor Schmerz vergehen.
„Uhm, Äh, Mister Seilzug, Sir?"
Pinkie Pie hüpfte hinter den breiten Rücken der Hengste auf und ab und hielt dabei einen Vorderhuf in die Höhe. Als wolle sie sich in der Schule melden.
Seilzug warf ihr einen Blick zu und winkte dann den Hengsten, sie durch zu lassen. Pinkie warf dem Hengst, der an ihrer Seite blieb, ein Lächeln zu und trat dann auf den Ingenör zu.
„Was wollen die Hengste eigentlich mit uns in den Hütten machen?", fragte sie unschuldig. Ihre Freunde starrten sie nur entsetzt an, dann wendeten sie sich Seilzug zu.
Das braune Pony kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. „Na, sie wollen... wollen Tid, wie heißt das in eure Sprog? Tid ist... Tid ist..." Er zuckte mit den Schultern. „Ich kann mich nicht erinner... bringte hoppen in Hytten an Abend, bringen spise, macht Kompliment, sagt wie schön aussiehe, fragt wie der Tag war, sieht wo das Ganzes hinführt..." Er schüttelte verwirrt den Kopf. „Hab kein Klog, warum die ganze Spænding und Weinen. So dårlig das ihr verbringt einen Abend mit eine starke Kæmpenhingste? Ich hab kein klog..." Er schabte etwas verlegen mit dem Huf im Staub.
Sechs Kinnladen lagen auf der Straße. Twilight fing sich als erste wieder. „Die... diese... Sie wollen uns den Hof machen?", fragte sie verwirrt.
Seilzugs Miene hellte sich auf „Ja, genau, das ist das Word, das hab ich gesucht." Dann runzelte er die Stirn. „Wieso, was habt ihr geglaubt, was Hingester tun?" Er sah die Ponys der Reihe nach an. Verstehen blitzte in seinen blauen Augen. „Was?... haben geglaubt... haben geglaubt..." Wieder schüttelte er den Kopf, etwas enttäuscht, aber gleichzeitig umspielte ein Lächeln seine Lippen. Er sagte etwas in der Sprache der Eingeborenen zu den Hengsten. „Disse hopper var bange for at vi ønskede at tage det med magt!" Diese gaben einen kurzen empörten Laut von sich und sahen zu den Stuten an ihrer Seite. Doch dann lächelten auch sie, freundlich, und der ein oder andere sogar ein wenig scheu.
Seilzug wurde wieder ernst und fixierte Rogue. „Fløj, Hov og Horn nimmt de Hoppen nicht mit volde, mit Gewalt. Fløj, Hov og Horn sind kein Barbarerne. Fløj, Hov og Horn hat ære. Fløj, Hov og Horn sieht to god aus, als müsst sich nehmen, was Hoppen auch gerne geben frivilligt." Er sagte einen kurzen Satz in der fremden Sprache, was allgemeines Gelächter hervorrief. „Und wenn Hoppen nicht will, dann de andere Hingsten kann fordern Højre und er vielleicht mehr god für sie. Das ist...", Er überlegte kurz angestrengt, dann lächelte er noch breiter. „...Zif-ili-satz-on!"
