Dieses Bett war nicht besonders groß. Nicht so zumindest wie sie es gewöhnt war. Es war gerade mal Platz für Zwei, aber auch nur, wenn sie wirklich eng zusammen Lagen. Dagegen hatte Perl absolut nichts. Umso enger sie ihr Bett mit ihm teilen musste, umso schneller schliefen sie wieder miteinander. Am liebsten wollte sie gar nicht mehr aufstehen. Trotzdem war es auch anders. Seit etwas über eine Woche war sie nun auf Atlantis und erst jetzt kam so langsam das Gefühl in ihr hoch, etwas zu vermissen. Zum Beispiel das sanfte Vibrieren des Hives. Die ständige Möglichkeit in Kontakt zu allen anderen zu sein. Hier funktionierte das nicht, aber es war ein kleiner Preis den sie zahlte. Sie hätte Tod sein können oder schlimmeres. Eine gefangene. Vielleicht wäre ihr schon das Leben ausgesaugt worden. Im Krieg galten keine Regeln oder? Also spielte das hier auch keine Rolle. Musste sie Ronon sagen was sie war? Wäre er ihr egal dann definitiv nicht. Sie verspürte ein schlechtes Gefühl dabei ihm das zu verheimlichen. Sie wusste aber auch das es vorbei sein würde sollte er je davon erfahren. Er würde sie hassen genauso wie jeden anderen Wraiths. Aber sie war nun mal was sie war. Sie konnte es nicht ändern und sie wollte es auch nicht ändern. Das alles wäre in dem Moment vorbei, in welchem er die Wahrheit erfahren würde. Sie wollte die Zeit mit ihm genießen so lange sie konnte. So lange es eben ging. Ein leichter Schmerz in ihrer Hand, ließ sie seufzten. Das Problem gab es auch noch. Die Umstellung deutete sich an. Sie hatte ihre Mutter oft gefragt wie es wäre, aber diese hatte nie daran geglaubt, dass sie sich würde nähren können. Ihr war ein kurzes menschliches Leben vorausgesagt worden und nun kam heraus das sie sich alle geirrt hatten. Am liebsten würde sie die Gesichter der Cleverman sehen, die ihr das gesagt hatten. Und sie wollte das Gesicht ihrer Mutter und ihres Erzeugers sehen. Sie wusste, dass diese das erste Mal wirklich Stolz zeigen würde.

Einmal wäre sie kein Fehlversuch gewesen. Keine Enttäuschung. Und jetzt wo dass alles keine Rolle mehr spielte, änderte sich ihr Körper. Weil sie sich nicht wohl fühlte, hatte Ronon sie heute mal nicht aus dem Bett gedrängt. Perl hob ihre rechte Hand und betrachtete diese lange. Wenn man ganz genau hinsah, bemerkte man den feinen Strich. Bald würde er blühen. Sich öffnen und nach leben lechzen. Sie hatte keine Ahnung wie sie es tun sollte. Normalweise wurde man dazu angeleitet. Hier war sie alleine. Nein… Tief Luftholend setzte sie sich und stellte erschütternd fest das sie wirklich alleine war. Wo sollte sie hin? Bald musste sie gehen und sie konnte nicht bei Ronon bleiben. Vielleicht… Was sollte sie nur tun? Sich doch Alabaster anschließen? Würde sie die kommenden Wochen alleine sein… Sie würde die Kontrolle verlieren. Sie musste sich die Selbstbeherrschung erst aneignen. Beklommen blickte sie auf den Teller den Ronon ihr hingestellt hatte. Sie hatte sich in ihn Verliebt und sie wusste das er ebenso Gefühle für sie hatte, darum versorgte er sie und war bemüht darum das es ihr gut ging. Aber dieses Essen das er ihr seit zwei Tagen brachte, machte ihr Freude, sättigte aber nicht mehr. Sie würde so schnell etwas verlieren das sie wirklich gern hatte. Frustriert wollte sie schreien, aber sie unterdrückte es gerade so und erhob sich langsam aus dem Bett. Sie war sich bewusst, dass sie eine tickende Zeitbombe war. Sie wollte aber diesen Frieden solange genießen wie sie konnte. Vielleicht wäre es heute Abend vorbei. Vielleicht Morgen. Aber es passierte. Zunächst begab sie sich ins Bad und richtete ihre Haare. Als sie anschließend in den Spiegel sah, fuhr ein unerträglicher Schmerz in ihre Hand. Stöhnend lehnte sie sich an die nächste Wand und griff nach ihrer Hand. Es fühlte sich an wie Feuer. Sie verbrannt! Panisch sah sie auf ihre juckend brennende Handfläche und wünschte sich es wäre vorüber. Was wenn es nicht aufhören würde? Was wenn es alles so blieb und sie sich diesen Problemen alleine stellen musste? Sie wusste das viele Neuumgestellten erst Hilfe benötigten. Sie wusste das ihre Körper manchmal nicht ganz Synchron voranschritten und der Hunger meistens kam, noch bevor die Hand so weit war, Nahrung aufzunehmen. Perlmutt bekam tatsächlich Angst. Würde sie Verhungern? War das ihr Schicksal das diese Krankheit verursacht hatte? Ängstlich wünschte sie sich gerade nichts mehr als ihre Mutter bei sich zu haben, aber diese würde niemals kommen. Nie. Sie war alleine. Nein. Nein sie… Das brennen breitete sich in ihrem ganzen Körper aus und selbst ihr Hirn schien davon befallen zu sein. Hunger. Hunger. Sie wollte… Zitternd trat sie zurück an den Waschbecken und öffnete das kalte Wasser, ehe sie ihre Hand darunterlegte. Sie hoffte das die Kälte ihre Nerven betäubten aber selbst das half nichts! Weg! /Es soll aufhören! / Schrie sie innerlich. /Es brennt so schrecklich! / ihre Stimme in ihrem Kopf klang fast schon weinerlich vor Schmerz. /Helft mir doch/, flehte sie und brach auf ihre Knie. Es sollte endlich aufhören! „Perl?" als sie Ronons Stimme hörte fluchte sie leise und versuchte aufzustehen, aber da kam er bereits ins Bad und eilte an ihre Seite. „Was ist los?!" war etwas geschehen? Perl versuchte ihn fortzuschieben, aber es gelang ihr nicht. Er sollte sie so nicht sehen! Abermals drückte sie gegen seine Brust, aber der Schmerz wurde so furchtbar, dass ihrer Kehle ein weinendes Klagen entwich. Tränen sammelten sich in ihren Augen und wieder schob sie ihn weg. Er sollte gehen! /Geh! Geh! / Schrie sie ihn in ihrem Kopf an, aber natürlich hörte er sie nicht.

Ronon sprach auf sie ein, aber er schaffte es nicht Perl zu beruhigen. Schließlich, weil er sich nicht anders zu helfen wusste, hob er sie trotz ihrer Proteste hoch und verließ geradewegs sein Zimmer. Die Krankenstation. Etwas stimmte nicht mit Perl, bereits seit drei Tagen spürte und sah er es. Sie wollte nicht essen und sie wirkte so verschlossen. Die Krankenstation war noch ein kleines Stück entfernt. „Perl was stimmt nicht mit dir?" sie kauerte in seinem Arm, aber der Schmerz war in ihrem Gesicht abzulesen. Besorgt platze er in die Krankenstation. „Dr. Beckett!" sagte Ronon laut und legte seine Geliebte auf einem der Krankenbetten ab. Sie drehte sich auf ihre Seite und hielt ihre Arme um sich geschlungen. Sie litt… Aber es schien langsam besser zu werden. Ihre Haut war Nass und er legte seine Hand auf ihre Schulter. „Dr. Beckett!" Perl hatte den Drang Ronon fortzuschicken. Abermals versuchte sie von ihm weg zu kommen, was ihn nur umso mehr irritierte.

„Was ist passiert?" der Arzt zog sich seine Handschuhe an während er verwirrt beobachtete wie die junge Frau versuchte unter Schmerzen von Ronon weg zu kommen. Sofort trat er an die andere Seite des Bettes und griff nach ihren Schultern. „Ganz ruhig! Ronon was…" Beckett konnte es nicht sagen, aber das Mädchen schien vor Ronon flüchten zu wollen. Zunächst musste er sie beruhigen darum sah der Arzt den großen Mann an. „Ronon bitte warte draußen! Ich muss sie erst beruhigen!"

„Auf keinen Fall!" etwas stimmte doch nicht mit ihr!

„Ronon bitte! Vertrau mir!"

Er musste tief durch seine Nase einatmen. Sein Blick fiel auf Perl und schließlich gab er nach, ehe er sich umdrehte und ging. Angespannt ballte er seine Hände zusammen und schluckte schwer.

Guide und Jennifer schritten langsam durch die Gänge der alten Stadt. Das kleine Transportschiff von Guide befand sich in der Nähe der Jumperbucht und sie beide wussten das dort Teyla und Scheppernd bereits auf sie warten würden. Guide hatte Jennifer die Zeit gelassen die sie bräuchte, nun aber würde er sich endlich zu sich holen. In Sicherheit und dieses Mal würde Alabaster sich nicht gegen sie aussprechen. „Wie viele sind verloren? Was ist mit Angel und Wood?"

„Angel hat es geschafft", erzählte Guide. „Und Wood ebenso. Sie sind Jung und Stark. Wir verloren einige Drohnen und ein paar Ältere. Es ist nicht Verkraftbar."

„Zum Glück hat Alabaster es überstanden. Ich will mich nicht einmischen aber… Wäre es nicht Ratsam das alle Königinnen langsam damit beginnen Nachwuchs zu bekommen? Es dauerte fast 100 Jahre bis ihr Teilweise ausgewachsen seid. Und wenn ihr bereits jetzt so wenige…"

„Wir sind uns dem Problem bewusst. Darum kommst du auch zurück auf das Hive. Jedes unserer Leben ist Wichtig." Seine Hand legte sich auf ihren Rücken und Jennifer sah leicht zu ihm hoch. Sie hatte etwas absolut Verrücktes getan. Und sie bereute es nicht. Anfangs noch hatte sie es als Verantwortungslos angesehen Kinder in dieser Galaxie auf die Welt zu bringen. Wegen der ständigen Bedrohung der Wraiths. Nun bekam sie ein Kind von einem Wraiths. Das Leben konnte verrückter sein. Als sie Teyla sah schritt Jennifer etwas zügiger, bemerkte aber das Guide stehen blieb und zurücksah. Terror. Etwas… Wütend sah er John an und trat zügig näher. „Was soll das?!"

„Was?" fragte Sheppard verwundert und bemerkte erst da wie Nervös Teyla plötzlich aussah. „John!"

„Was ist hier los?" fragte der Sheppard verwirrt und richtete seine Aufmerksamkeit auf Teyla. „Ich fühle eine Wraiths!"

„Was?"

„Wo ist sie?!" fragte Guide wütend nach. „Wie konntet ihr eine Frau meiner Art hier solange verstecken?!"

„Was?" fragte John abermals und hob seine Hand. „Welche Frau? Etwa eine… Königin?"

„Ja John", sagte Teyla nun und blickte Guide an. „Ich schwöre wir wussten nichts davon. Sie muss sich verborgen haben", aber wozu? Was ging hier vor sich.

„Guide was ist los?" Jennifer griff nach seinem Arm und da erst beruhigte er sich etwas. „Ich hörte eine Frau um Hilfe schreien. Sie leidet schmerzen." Es befand sich eine Königin hier? Jennifer sah Teyla an aber die schüttelte ihren Kopf. Sie musste sich versteckt haben aber… Wie sollte das…

John merkte auf als er etwas durch sein Headset hörte und legte seine Hand daran. „Wiederholt das! … Ja… Ist gut. Nein sie ist hier." Sein Blick fiel auf Keller und Guide. „Er ist es auch. Wir kommen sofort." John wartete bis die Verbindung weg war, ehe er die Drei bei sich ansah. „Ronons Freundin befindet sich auf der Krankenstation. Wir sollen sofort kommen."

„Wir auch?"

„Gerade ihr auch…" John glaubte nicht dem was man ihm gesagt hatte, aber er beeilte sich um voran zu gehen.

„Es ist alles okay." Beckett hatte die junge Frau soweit beruhigen können, zumindest versuchte sie nicht mehr aufzustehen. Die Schmerzen die sie überkommen hatten, waren anscheint etwas besser geworden. Er hoffte es zumindest. Sie hatte auch gesprochen und jetzt wurde ihm klar, wieso sie sich nie hatte untersuchen lassen wollen. Er war ein Arzt egal für welches Lebewesen. Aber was sie ihm alles gesagt hatte… Er wollte es selbst nicht glauben. „Darf ich deine Hand sehen?" fragte er vorsichtig. „Um nachzuschauen wie weit es ist?" er hatte keine Ahnung wie es aussehen sollte und was richtig war und was nicht. Darum hatte er Sheppard darum gebeten Keller und Guide her zu bringen. Zumindest letzterer musste wissen was es damit auf sich hatte. Als Perl ihm ihre Hand hinhielt, nahm er diese vorsichtig und drehte sie einmal. Die Handinnenfläche schwitze und war stark gerötet. Ein Strich war zu erkennen aber er war nicht offen. Darum herum war es leicht angeschwollen. „Ich habe nach Freunden rufen lassen. Sie werden wissen wie wir dir helfen können. Okay?"

Perl sah zur Seite und senkte ihre Hand wieder. „Hast du noch schmerzen?"

„Es brennt", flüsterte sie Hilflos. „Ich brenne…" Sie wirkte vollkommen entkräftet. Beckett bereitete das ziemlich sorgen… Sein Blick glitt zur Türe und er wusste das Ronon hinter dieser stand. „Weiß Ronon was mit dir ist?"

„Nein… Nein bitte sagt ihm nichts!"

„Es tut mir Leid Perl… Aber das kannst du nicht mehr verheimlichen. Dein Körper stellt die Ernährung um. Das ist ein sehr komplizierter Fall und du wirst dich bald Nähren können."

„Also ist es vorbei", flüsterte sie und sah den Arzt wieder an.

„Ich gebe dir noch etwas Schmerzmittel, vielleicht hilft es dir."

Perl dachte kurz darüber nach, ehe sie den Kopfschüttelte und nun einfach schwieg. Beckett seufzte leicht und lächelte ihr aufmunternd zu, ehe er sich zur Türe begab. Als er hinaus trat überfiel Ronon ihn fast schon. Beckett schloss sofort die Türe und seufzte laut. „Was ist mit ihr?!"

„Ronon du… Wir sollten uns alleine Unterhalten. Aber wir warten auf John, Teyla, Dr. Keller und Guide."
„Warum?"

Beckett schüttelte seinen Kopf und als die Gruppe dazu kam deutete er ihnen an in einen separaten Raum zu kommen. „Wo ist die Königin?" fragte Guide barsch als sie den Raum erreichten, aber Beckett stellte sich ihnen gegenüber hin. „Welche Königin?" hakte Ronon irritiert nach. „Ich will wissen was mit Perl ist!"

Guide sah Ronon an und schüttelte leicht seinen Kopf. „Also Leute bleibt ruhig. Lasst Dr. Becket sich erklären. Okay?" drängte Sheppard nun beide Männer zur Ruhe und sah von einem zum anderen. „Danke John…" Beckett räusperte sich und blickte in die Runde. „Um es für alle Verständlich zu sagen… Ronon befand sich auf dem feindlichen Hive der von der Dedalus zerstört wurde. Er kam zurück nach Atlantis mit einer jungen Frau. Ihr Name ist Perl."

Guide merkte auf und hob eine Augenbraue. „Perlmutt? Ihr habt die Tochter der Königin hier?" er hatte sie selbst nie gesehen, aber das wusste er von ihrem Vater.

Ronon blinzelte einmal. „Moment. Nein. Perl ist ein Mensch."

„Eben nicht", sagte Beckett nun bemüht ruhig. „Perl sieht zwar aus wie ein Mensch, aber innerlich ist sie das nicht. Darum hat sie auch dieses doch recht spitze Gebiss. Der Grund weshalb sie schmerzen hat ist relativ simpel. Ihr Körper stellt sich um. Sie wird sich nähren müssen, allerdings macht mir ihre Hand sorgen. Sie leidet laut ihrer Aussage an einer Krankheit, die für ihr Aussehen verantwortlich sei. Ich glaube das ihre Hand noch nicht weit genug entwickelt ist. Man müsste es eventuell operieren aber so würde sie erst einmal verhungern."

„Darum ist sie mir nie Vorgestellt worden. Ich verstehe. Wo befindet sie sich jetzt?" fragte Guide. „Ich werde sie mir selbst ansehen."
„Im Zimmer Gegenüber. Aber… Moment!" Guide eilte bereits los und Beckett sah keinen Sinn darin ihn aufzuhalten. „Ich gehe mal Hinterher", sagte Jennifer sofort. Nur Teyla, John und Ronon blieben erst einmal zurück. Letzterer hatte seine Lippen zu einem angespannten Strich verzogen und John wusste gerade nicht, ob Ronon sich wirklich zusammenreißen könnte. Er selbst konnte kaum glauben was er da hörte…