Wortanzahl: 740 Wörter
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Kapitel 21

25.07.20XX

Ich kann es ganz einfach noch immer nicht glauben! Es ist wie ein Wunder! Ich muss es ganz einfach aufschreiben, vielleicht wird es dann glaubhafter für mich. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass es kein Happy End mehr für mich geben wird. Vor allem, als Jack wieder aufgetaucht war.

Doch nun … Gott mir kommen schon wieder die Tränen. Ich bin in einer neuen Stadt, habe ein neues Haus und eine neue Freundin. Ich hatte schon die Hoffnung an ein gerechtes Leben aufgegeben.

Wenn ich nur an gestern Mittag denke. Ich war so durch den Wind. Was nach der kryptischen Nachricht auch nicht wirklich verwunderlich war. Zum Glück kam Daniel mit … ich weiß nicht, ob ich das allein, ohne seine Hilfe, hätte durchstehen können.

Die letzten Monate, wo wir beide lernen mussten mit dem Verlust zu leben, hatte uns immer enger aneinander geschweißt. Liz, Rodney und John... sie haben uns alle geholfen, aber nur Daniel und ich wissen wirklich wie es ist DIE eine Person zu verlieren. Wir beide mussten lernen einen Verlust zu überwinden, dessen Narbe niemals richtig verheilen wird. Während Rodney sich darin vergraben hat John zu helfen wieder langsam den Weg ins 'reale' Leben zu finden und Liz alles tat um DADT endlich abzuschaffen, hatten wir einander und fanden Wege um uns abzulenken bis... ja, bis endlich die Nachricht kam, dass Jack lebt.

Ebenso wie John wird er lange brauchen um sich zu erholen, doch Daniel war an seiner Seite und er würde es schaffen. Und ich? Ich habe langsam gelernt, dass ich Sam ruhen lassen musste. Sie würde sich nicht wünschen, dass ich vor Trauer aufgebe. Darum bin ich so froh, dass ich einen Neustart in Colorado haben kann. Ich habe ein wunderschönes Haus gefunden und mir langsam ein neues Zuhause aufgebaut. Schließlich arbeiten sie nun schon einige Monate bei NORAD (oder was auch immer dies wirklich ist!) und ich... ich finde langsam wirklich gefallen daran in einem Militärkrankenhaus zu arbeiten. Natürlich brauche ich dort nicht mein Wissen über Viren und Co., aber all diesen Menschen zu helfen zu ihren Familien zurückzukehren... etwas was Sam nicht vergönnt war... ist einfach wundervoll. Ich war glücklich... und dann kam diese seltsame Nachricht und nie... nie wieder in meinem Leben werde ich den genauen Wortlaut vergessen.

„Dr. Fraiser, sie müssen sofort ins Krankenhaus kommen! Es ist wichtig! Beeilen sie sich!"

Und dann … dann habe ich sie gesehen! Mein Engel! Im ersten Moment dachte ich, dass ich träumen würde. Ich klammerte mich regelrecht an Daniel fest, denn ich hatte das Gefühl jeden Moment zusammenzubrechen. Sie saß dort auf dem Stuhl … das Licht der Mittagssonne schien ihr ins Gesicht. Sie saß mit geschlossenen Augen da und genoss die Wärme auf ihrer Haut.

Gott, noch niemals zuvor habe ich so einen wundervollen Anblick gesehen. Ein Engel. Kein anderes Wort ließ diese Erscheinung beschreiben auf deren Gesicht sich ein Lächeln ausbreitete als sie langsam ihre Augen öffnete und mich langsam ansah. Es war mir als würde ich durch einen Nebel gehen. Ohne, dass ich es merkte, trat ich von Daniel weg und ging langsam auf sie zu. Sie sah mich weiterhin nur lächelnd an, doch gleichzeitig war ihr Blick unsicher und nervös. Sie wusste nicht was sie von mir halten sollte, vor allem als ich vor ihr auf die Knie ging. Ihr rechtes Bein war vergibst. Ebenso wie ihr linkes Handgelenk. Ihr Gesicht und ihre Arme, die durch die kurzen Ärmel ihrer Bluse zu sehen waren, trugen immer noch die Farben von verheilenden Blutergüssen, aber ich registrierte das kaum.

Selbst jetzt, wenn ich zur Seite blicke und diese Erscheinung in ihrem Krankenbett sehe, spielt es für mich keine Rolle. Sie war mein Neubeginn. Ich wusste es. Ich hatte einen neuen Beruf, ein neues Zuhause, eine neue Liebe und meine alte Freunde. Die Narben in meiner Seele würden heilen. So wie sie auch bei Daniel verheilt waren. Jede neue Minute mit Jack half ihm selbst und Daniel.

Und mir? Mir half jede Sekunde mit meiner Sam an meiner Seite. Ich würde ihr helfen zu heilen. Würde bei ihr stehen, wenn sie die Folgen der Folter und Gefangenschaft überwinden würde um stärker als je zuvor daraus aufzuerstehen. Ich habe ein junges Mädchen in den Krieg gehen sehen, aber zurückkehrt ist eine junge Frau zu mir. Aber egal was passiert ist... Sie ist meine Sam und egal was noch passieren wird... dies wird sich nie ändern.

Ende Kapitel 21