Kapitel 21: Rätsel

„IHR HABT SIE ENTKOMMEN LASSEN?", schrie Voldemort mehr verärgert als überrascht. Vor Wut war er von seinem Thron aufgesprungen und hatte sich dazu hinreißen lassen ein paar Schritte auf seine Todesser zuzumachen, die zitternd vor ihm auf dem Boden lagen. Nur eine Person stand noch und zwar Snape der etwas seitlich vom Thron stand und hämisch auf seine Opfer herabsah.

Alles hatte besser geklappt als dieser zu hoffen gewagt hatte. Malfoy hatte versagt. Der Weasley hatte Erfolg gehabt. Pettigrew hatte versagt. Moody hatte Erfolg gehabt. Voldemort hatte versagt. Er hatte Erfolg gehabt. Die Todesser hatten einen herben Rückschlag hinnehmen müssen und jetzt waren die Waagschalen wieder gleich. Snape erlaubte sich ein Grinsen, dann fiel sein Blick auf den bebenden Zauberstab in der Hand des dunklen Lords.

Der hatte immer noch große Lust irgendwen zu verfluchen, aber es fiel ihm schwer sich für ein Opfer zu entscheiden und für einen Grund. Der Grund war wichtiger als das wer, denn er mochte keine sinnlose Gewalt. Sollte er Peter bestrafen, weil er ausgerechnet Mad-Eye Moody in das Hauptquartier geschickt hatte? Ja, das wäre seine erste Wahl, aber leider war Peter gefangen und außerhalb seiner Reichweite. Dann einen der Leute, die den Weasley und den alten Zottel nicht bemerkt hatten, als diese durch seinen Komplex geschlichen waren und ein paar seiner Serpens gestohlen hatten.

Erschwerend hinzu kam, dass sie es ihm nicht gesagt hatten, sondern darauf gehofft hatten, dass er es nicht bemerken würde, diese Idioten. Dann hatte Snape, der einzig wahre Diener den er im Moment hatte, wo doch Bellatrix und Fenrir andere Aufgaben hatten und Lucius immer noch irgendwo gefangen gehalten wurde, ihm von Malfoy Juniors Eigeninitiative erzählt und er hatte Fragen gestellt, sehr unangenehme Fragen und man belog den dunklen Lord nicht!

Als er an Draco dachte, kam er zu einer Entscheidung. „Hardon, schaff den jungen Malfoy her, aber schnell!", befahl der dunkle Lord und einer der Todesser sprang auf und eilte zur Tür. Er entfernte sich zu schnell, zu unrespektvoll, zu ängstlich, befand Voldemort und nahm sich vor seinen Untergebenen daran zu erinnern, dass man ihm Respekt schuldete. Als die Tür zuknallte – Noch eine Frechheit – hob er den Zauberstab und zischte dreimal „Crucio". Drei Todesser schrieen vor Schmerz auf und der dunkle Lord fühlte sich besser.

Er lies sich wieder in den Thron sinken und schickte dann seine Gefolgsleute hinaus. Er musste denken. Dann wurde er sich der Präsenz von Snape bewusst und überlegte kurz, ob er ihn in seine Pläne einweihen sollte. Immerhin war der Einfluss von Dumbledore der einzige Grund gewesen, warum er Snape nicht voll vertraut hatte und nun… Nein, das Risiko war zu groß. Mit einer Handbewegung entließ er seinen Spion, der sich wieder bewährt hatte und dieser entfernte sich, nachdem er sich tief Verbeugt hatte.

Sollte der dunkle Lord sich doch überlegen fühlen, dachte sich der Tränkemeister auf dem Weg nach draußen. Er hatte jeden einzelnen Gedanken gelesen und kannte die Pläne des Wahnsinnigen gut genug. Zwischen Dumbledore und Voldemort zu stehen, der eine der beste Okklumens der Welt und der andere der beste Legilimens der Welt, hatte Können und Training erfordert. Sich gegen beide zu stellen, hatte weit mehr als das gefordert.


Da war ein Licht
Bevor Snape zum Hauptquartier des dunklen Lords aufgebrochen war, war er im Grimmauld Place gewesen. Dorthin hatte Moody den Phönixorden zitiert um seine Erlebnisse zu schildern und seine neuen Erkenntnisse zu unterbreiten. Es hatte ein wenig gedauert bis alle da waren, da Harrys Fidelius-Zauber so potent war, dass es den Leuten oft schwer fiel überhaupt an den Ort zu denken, obwohl Harry allen gesagt hatte, wo das Gebäude ist.

Als dann doch endlich alle saßen, hatte sich der Ex-Auror erhoben und als erstes verkündet, das die Beisetzung Dumbledores erst am Freitag sein würde, weil das Ministerium mehr Zeit brauchte um eine Verteidigung zu organisieren. Danach hatte er sein Abenteuer dargelegt, was ihm auch ohne Charlies Hilfe gut gelang. Der Weasley lag ihm St. Mungo und erholte sich vom Knochennachwachsen und ließ seine Haut regenerieren. Trotzdem wäre der Drachenbändiger gerne dabei gewesen, denn Moody erzählte auch einige Sachen, die er nicht gewusst hatte, obwohl er die Szene miterlebt hatte.

Zum Beispiel das der Gang, der von Moody als Sackgasse ausgegeben worden war, gar keine Sackgasse war, sonder vielmehr ein Gang der steil abgefallen war und Moody dort die Quelle des Bebens vermutete, auch wenn er nicht sagen wollte oder konnte, was genau der Auslöser war. Dann noch die Sache mit den übergroßen Zauberstäben. Mad-Eye hatte sie genauer unter die Lupe genommen und beunruhigendes herausgefunden. Mit diesen Zauberfokussen konnten keine Schildzauber, Beschwörungen und Verwandlungen ausgeführt werden, sondern nur destruktive Zaubersprüche wie der Reduktorfluch, aber diese mit unglaublicher Stärke.

„Spezialisierte Zauberstäbe?", wunderte sich Fred und grinste dann seinen Bruder an, der ihre Gedanken aussprach, „Gute Idee!" Die geschäftstüchtigen Zwillinge steckten sofort die Köpfe zusammen und beratschlagten über die neuen Perspektiven. Sie tauchten nur wieder auf, um Moody nach einem der Stäbe als Anschauungsobjekt zu fragen. Dieser rückte das gefährliche Material nur sehr widerstrebend heraus, aber auch nur nach den zahlreichen Versicherungen der Zwillingen vorsichtig zu sein und einer Bürgschaft von Arthur für seine Söhne.

Nachdem alle ihre Sorgen über das Auftauchen der neuen Zauberstäbe zum Ausdruck gebracht hatten, beunruhigte sie der alte Haudegen noch weiter, als er von dem geheimnisvollen Kästen berichtete. Daraufhin wurde heftigst debattiert, was sich in dem Kasten befinden könnte und nur einer war dabei unauffällig still, denn er wusste ja schon was in dem Kasten war. Snape hörte einfach nur zu und amüsierte sich innerlich über die abwegigen Vermutungen der Ordensleute.

Ein neuer Zauberstab für den dunklen Lord, eine mächtige Ingrediens für einen noch mächtigeren Zaubertrank (merkwürdiger Weise kam selbst bei dem Vorschlag keiner auf die Idee das Wort an Snape zu richten, so als ob sie vergessen hätten das er da wäre) oder ein Artefakt von Salazar Slytherin wurde vermutet, dabei war die Lösung so viel simpler. Schließlich musste sich Snape entfernen. Das Mal brannte.


Es kam näher
Bald würde das Mal auf seiner Haut brennen, freute sich Draco als er durch die dunklen Gänge zum Thronsaal des dunklen Lords geführt wurde, denn was sonst könnte der dunkle Lord von ihm wollen, wenn ihn nicht zu einem Todesser machen? Die viel sagenden Blicke seines Begleiters, der sich immer einen Schritt hinter ihm hielt, bemerkte der blonde Junge nicht.

Schließlich öffnete sich die Tür und Draco wurde in den Thronsaal geschoben. Als er sich umdrehen wollte, um den Todesser zurechtzuweisen – man legte die Hand nicht an einen Malfoy – knallte die Tür hinter ihm zu. Wirsch drehte sich der blonde Junge wieder rum und machte sich nach einem Moment des Zögerns zum Thron auf. Der große Moment war gekommen.


Mit dem Licht kam das Geräusch
Snape fuhr mit seinen langen Fingern über den Rand des Kessels in dem seine größte Kreation brodelte. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, denn ein paar Zentimeter unter ihm warf die Erfüllung seiner Existenz Blasen, die in süßlich riechenden Duftwölkchen zerplatzten. Lange hatte er, der weder Muggel noch mit ganzen Herzen Zauberer war, sich den Kopf über seine Bestimmung zerbrochen. Zuerst hatte ihn sein Ehrgeiz in die Arme des dunklen Lords getrieben.

Die Aussicht auf Macht hatte ihn verführt und das Ansehen als Tränkemeister befriedigt, doch dann hatte sich sein Gewissen gemeldet und aus der Not heraus hatte er sich Dumbledore anvertraut. Danach hatte seine Aufgabe als Spion ihn lange Zeit ausgefüllt und seine Dämonen eingeschläfert. Aber der Schlaf von Ehrgeiz und Gier hielt nicht ewig. Harry Potter hatte sie wieder geweckt und noch wusste Snape nicht mit vollkommener Sicherheit, ob er den Jungen dafür hassen oder danken sollte, hatte er ihn doch erleuchtet.

Erst hatte Snape es nicht ganz greifen können, doch dann war es ihm schlagartig klar geworden, als er gesehen hatte wie die Schüler zu Harry Potter aufblickten. Er wollte Anerkennung und das nicht nur von Voldemort oder von Dumbledore, er wollte wirklichen Ruhm und keinen heimlichen, den er verbergen musste. Ein scharfes Klopfen an der Tür zu seinem Laboratorium riss den Tränkemeister aus seinen Gedanken und hastig zog er die Hand vom Kessel zurück. Barsch brüllte er, „Herein!" und die Tür wurde aufgestoßen.

Davor stand einer der neuen Todesser, der sich nicht lange mit Höflichkeiten aufhielt. Wortlos schmiss er einen Packen Lumpen in den Raum und knallte die Tür wieder zu. Der Haufen stöhnte, rappelte sich mühsam auf und entpuppte sich als Draco Malfoy. Unwillentlich verzog sich Snapes Mund zu einem Grinsen als er den Slytherin musterte. Die Kleidung war zerrissen und die Augen vom Weinen rot und das Gesicht eingefallen. Für einen kurzen Augenblick fragte sich der Spion des Ordens, warum er die Schreie des Jungen nicht gehört hatte. Dann sah er durch den zerfetzte Ärmel das schwarze Mal leuchten, das wie ein frisches Brandmal kohlenschwarz glitzerte, und die Frage wurde unwichtig.

„Willkommen bei den Todessern. Ich hoffe deine Aufnahmezeremonie hat dir gefallen", sagte Snape in bemerkenswertem neutralen Ton und ging zu dem Schrank, der seine Vorräte an Zaubertränken enthielt. Draco versuchte zu lächeln, brachte aber nur eine schmerzverzerrte Grimasse zustande und gestand mit brüchiger Stimme, „Ich hatte sie mir anders vorgestellt." Snape fischte einen Heiltrank aus dem Schrank und ging zu dem Jungen. „Hier, trink das", wies der Hauslehrer von Slytherin seinen Schüler an und flösste ihm die Flüssigkeit ein. Dann schob er den Jungen zu dem Stuhl, auf dem er die Wartezeiten verbracht, wenn er Tränke braute.

Während Draco sich im Stuhl hängen und den Zaubertrank wirken lies, ging Snape zu seinem Kessel und mit einem Schwung seines Zauberstabs erstarb das Brodeln. Dann nahm er ein leeres Flakon von seinem Vorrat und befüllte es mit der milchigen Flüssigkeit, die den ekelhaft süßen Geruch verbreitete. „Hier trink das auch, das macht dich wieder munter", sagte Snape und hielt dem neuen Todesser sein Gebräu hin. Der Malfoy zog die Nase hoch, griff aber schließlich doch zu und stürzte den Inhalt des Fläschchens in einem Zug hinunter. Dann entglitt ihm das Glas und zersprang auf dem Boden.

Der Körper des Jungen wurde plötzlich von spastischen Krämpfen geschüttelt und seine Augenlieder flimmerten, doch ein seliges Lächeln erschien auf seinen Lippen. Nach nicht mal einer Minute verschwanden die Krämpfe so plötzlich wie sie gekommen waren und nur das Lächeln blieb. Als Snape seinem Schüler in die Augen sah, musste auch er lächeln, denn was er sah, war das wahnsinnige Glitzern eines Besessenen und diese Leute waren am einfachsten zu lenken, wie er bei dem jungen Weasley schon festgestellt hatte.

„Wie geht es dir?", fragte Snape den Jungen ohne sonderliches Interesse, denn er hatte jetzt anderes zu tun. „Hervorragend", platzte es aus Draco heraus, dessen Blick auf einen Punkt in unendlicher Entfernung fixiert war. „Dann raus mit dir. Du findest schon jemanden, der dir den Ausgang zeigt", sagte Snape und wandte seiner neusten Akquisition den Rücken zu, die gehorsam aus dem Raum trottete.


Und näher
Danke fürs lesen. Ich weiß, dass war wieder sehr kurz, aber ich denke auch in dieser Länge sehr gehaltvoll und kompakt. Wie ihr an der starken Fragmentierung der Geschichte seht, ist es momentan schwierig für mich die Handlungen so auszuleuchten, dass alles berührt wird. Deshalb habe ich dieses Kapitel so kurz gelassen, um erstmal zu sehen, wie es ankommt und danach entweder so weiter machen zu können oder mir etwas anderes überlegen zu müssen.

MfG, euer Daly

P.S: Da ich meine Vendetta gegen die Schwarzleser vorerst begraben habe (ich beginne einzusehen, dass ich mir zuviel herausnehme), möchte ich den Kampf auf der anderen Seite fortsetzen. Da wir Autoren von dazu angehalten werden nach bestem Wissen und Gewissen auf Grammatik und Rechtschreibung zu achten, und das vollkommen zu Recht, möchte ich dies doch auch an die Reviewer weitertragen. Das richtet sich eigentlich nicht gegen die Reviewer bei meinen Geschichten, die sich im Großem und Ganzen um ein vernünftiges Deutsch bemühen, sondern gegen die Karikaturen von Kommentaren, die mir teilweise beim Durchblättern auffallen. Ich hoffe es ist trotzdem nicht zuviel verlangt mal ab und zu die Shifttaste zu betätigen und ein wenig auf Groß/Kleinschreibung zu achten. (Wie wär's sika, Sandy, Berserkgorilla? ;-) )