Kapitel 19

Kibus PoV

Kibu war glücklich. Sehr glücklich sogar. Die Geschehnisse der vergangenen Tage begleiteten sie in ihren Träumen und hatten stets mit dem wundervollen Kuss Mercredias' geendet. Es schien als sei Kibu in einen einzigen Traum verstrickt zu sein, welcher einfach nicht zuließ, dass sie je wieder aus ihm erwachte. Nach allem was in der letzten Zeit passiert war hatte sie sich vorgenommen an diesem Abend einen gemütlichen Spaziergang durch Silbermond zu machen, um ihren Gedanken nachzuhängen und über alles nachzudenken, was ihr seit ihrer Ankunft in der Hauptstadt im Kopf herum schwirrte. Sie betrachtete die prunkvollen Gebäude und die Pracht der Blutelfen mit einem Mal in einer ganz anderen, viel intensiveren Sichtweise als zuvor. Alles war plötzlich lebendiger und impulsivere Sinneseindrücke gewannen die Oberhand über die Hexe. Wieso hatte sie die Stadt vorher noch nie so wahrgenommen, in einer solch faszinierenden Weise? Möglicherweise lag es an dem Kuss, an der Leidenschaft, die Kibu am vergangenen Abend gespürt hatte. Vielleicht hatte sie diese Zuneigung zu einem solch stattlichen Elfen, welcher wohlmöglich sogar noch von Adel war, ja auf eigenwillige Weise auf die wahren Schönheiten Silbermonds aufmerksam gemacht, weil Mercredias schon so viel länger ein Teil dieser Stadt war als Kibu. Was es auch war, die Elfe genoss den neuen Anblick der Stadt und das seltsame Gefühl von Lust und Rausch, welches sie auf ihrem Weg begleitete. Sie konnte sich durchaus vorstellen, dass der Kuss und die plötzliche Erfahrung von Liebe ihr inneres beeinflusst und für einen Manaausschuss gesorgt hatten. Wäre es Mercredias ebenso ergangen, wäre es durchaus vorstellbar, dass beide Wogen von Mana sich während des Kusses verbunden und Kibu und Mercredias in eine Art ‚Manarausch' getrieben hatten. Sie hatte schon früher von solchen Rauschverhalten gelesen, war allerdings nie in die Versuchung gelangt, sich selbst einem solchen Überschuss an Mana hinzugeben. Jetzt musste Kibu zugeben, dass er ihr durchaus attraktiv vorkam und sie eventuell sogar Gefahr lief, sich öfter einer solchen ‚Dosis' hinzugeben. Ihre Gefühle dieser Tatsache gegenüber waren jedoch gespalten. Einerseits genoss sie den Zustand von völliger Wohle und Zufriedenheit, andererseits gab es gewisse Gefahren im Umgang mit diesen Rauschverhalten, was das Mana betraf. Es konnte leicht zu Abhängigkeit oder auch Missbrauch führen und deshalb sollte Kibu lieber vorsichtig mit ihrem Mana umgehen. Für den ein oder anderen Abend schien es ihr jedoch völlig gerechtfertigt, auf ihr inneres Bündel zurückzugreifen…

Kibu schlenderte gerade am Basar vorbei um sich die neusten Angebote der Handwerkskammern anzusehen und sich einem weiteren Rauch hinzugeben, nämlich dem des Kaufes, als ein dunkelhaariger Elf ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Er hielt ein, in ein Leinentuch eingehülltes, Bündel unter dem Arm und schien dem regen Treiben auf dem Basar interessiert beizuwohnen als sein Blick zu ihr herüberschweifte und den ihrigen traf. Ein nahezu befriedigtes Lächeln trat auf seine Züge, als er die junge Elfe musterte, welche in ein freizügiges rotgüldenes Kleid gehüllt war, das ihre Hüften und einen Großteil des Rückens freigab, am Hals jedoch um so hochgeschlossener gewebt war. Kibu, immer noch der völligen Zufriedenheit hingegeben, warf ihm ein verschmitztes Lächeln zu, als er näher kam und strich sich anmutig durch das schwarze Haar. Aufmerksam musterte der Elf sie, überhaupt nicht bemüht in irgendeiner Weise verstohlen dabei zu wirken und Kibu fand immer mehr Gefallen an der kleinen Spielerei.

„Sieh an, sieh an, wen haben wir denn hier? Das Fräulein Schattenrabe in einer gar vorzüglichen Gewandung, wie ich sehe…" Wieder musterte Slaeth sie mit einem interessierten Blick. „Dürfen meine Augen sich nun des Öfteren an solchen Köstlichkeiten erfreuen?" Kibu lächelte schelmisch.

„Nun, das kommt ganz auf deine Augen an. Was treibt dich hier her in das Treiben des Basars außer den Frauen schöne Komplimente zu machen, um ihnen den Kopf zu verdrehen?" Slaeths Grinsen wurde breiter.

„Nun ja, eigentlich bin ich ja nur aus diesem einen Grund hier. Aber durch Eure Anwesenheit ist es mir wohl nicht mehr möglich den anderen Frauen heute Nacht noch überhaupt irgendwelche Komplimente auszusprechen. Gegen Eure Schönheit hätten sie bei Weitem keine Chance auf auch nur ein ehrliches, ich müsste heucheln." Und mit einer geschickten Bewegung hatte er auch schon einen Arm um Kibus Hüften gelegt und ging ein Stück mit ihr über den Basar, war sich dabei natürlich keinerlei Schuld bewusst und tat auch weiterhin ganz unschuldig.

„Heucheln also? Nun, wer versichert mir, dass du nicht auch mir etwas vorheuchelst?" Sie schmunzelte und blieb stehen. Er sah sie entrüstet an.

„Eure Gedanken und Worte brechen mir mein Herz, Liebes." Gespielt legte er seine Hände an sein Herz und verzog das Gesicht. „Ihr habt mich schwer getroffen." Und mit diesen Worten taumelte er nach hinten, ließ sich fallen und blieb reglos auf dem Boden liegen. Einige der Einkäufer und Händler drehten sich zu ihnen um, doch Kibu kicherte nur und ließ sich neben Slaeth nieder, welcher das Bündel hatte fallen lassen. Sie nahm es hoch und bemerkte, dass es recht schwer war für ein Bündel Leinen. Irgendetwas musste darin eingewickelt sein, doch was war es? Kibu wollte sich gerade daran machen den Stoff beiseite zu legen, als Slaeth ein Auge öffnete und nach ihr linste.

„Hey, hübsche Frauen wie Ihr sollten sich lieber davon fern halten. Sonst könnten sie noch von meinen dunklen Geheimnissen erfahren." Sein anderes Auge öffnete sich ebenfalls. Kibu winkte ab.

„Sei still, du bist tot. Seid wann reden Tote?" Er salutierte im Liegen und schloss wieder seine Augen.

„Aye, M'am." Kibu grinste und zog ein Teil des Stoffes von dem Gegenstand, konnte jedoch nicht rechtzeitig einen Blick auf das Etwas werfen, denn Slaeth war vor gesprungen und hatte sich das Bündel erneut geschnappt. Streng wedelte er mit seinem Finger vor ihrem Gesicht hin und her.

„Nein, nein, nein. Ich sagte doch, eine hübsche Frau wie Ihr sollte besser ihre Finger von meinen schmutzigen Geheimnissen lassen." Er grinste geheimnisvoll und Kibu rutschte näher zu ihm heran.

„Was denn für schmutzige Geheimnisse?" fragte sie ihn im Flüsterton. Erneut schwang er einen Arm um ihre Taille und ging, den Kopf erhoben und gespielt seriös erläuternd, mit Kibu im Schlepptau weiter.

„Mylady sollten wohl besser nichts davon erfahren, wenn sie nicht Gefahr laufen wollte, in dunkle Machenschaften verwickelt zu werden, die sie wohlmöglich ihren wunderhübschen Hals kosten könnte." Er lächelte zuckersüß und ließ einen Finger wie ein Messer über ihre Kehle gleiten. Kibu hob eine Braue.

„Ach? Mit so einem habe ich es hier also zu tun. Möglicherweise sollte ich mich vielleicht möglichst schnell außer Reichweite begeben, um nicht solch einer Gefahr ausgeliefert zu sein?" Und mit diesen Worten schob sie grinsend seine Hand von ihrer Taille und trat einen Schritt zurück. Slaeth musterte sie eingehend und sein wohlbekanntes Grinsen trat erneut auf seine Züge.

„Gar nicht mal dumm. Allerdings wäre ich bei all diesen Unfähigen hier wohl überhaupt erst der Einzige, der Euch beschützen könnte, Mylady." Er deutete auf einen der Marktschreier, welcher wohl von Außerhalb zu kommen schien und seine Fische anpries, welchen er dabei lautstark auf seinem Brett vor sich nieder krachen ließ. Kibu runzelte die Stirn. Wahrscheinlich hatte er in diesem Punkt sogar Recht. Wenn sie sich seinen muskulösen Körperbau so ansah und die scharfen Dolche an seinem Gürtel, dann WAR er wirklich einer der Wenigen auf diesem Platz, der sie hätte beschützen können. Ausgenommen die Stadtwachen und Arkanitwächter natürlich.

„Wahrscheinlich hast du da sogar gar nicht so Unrecht." Gab sie zu. Er nickte heftig.

„Und ob ich da Recht habe! Und mit Eurem liebreizenden Äußeren solltet Ihr sowieso immer auf der Hut sein, dass nicht irgendwelche geifernden Elfen auf die Idee kommen Euch in einen Hinterhalt zu locken, um Euch die Kleider vom Leibe zu reißen." Kühn unterzog er sie einer erneuten Musterung und Kibu schnalzte mit der Zuge.

„So wie du es gerade also am liebsten tun würdest, ja?" Slaeth riss sich von ihrem Körper los und sein Grinsen verschwand.

„Aber, aber. Ich würde niemals auf solche Ideen kommen, Fräulein Schattenrabe."

„Kibu ist schon in Ordnung." Schmunzelte sie. Schwungvoll verbeugte sich Slaeth tief vor ihr, was Kibu allerdings nur als eine erneute Taktik abstempelte, einen Blick unter ihre Gewandungen erhaschen zu können.

„Kibu, natürlich." Sie seufzte. Slaeth war zwar nicht unattraktiv, ganz im Gegenteil. Wenn sich nicht mindestens die halbe Frauenwelt Silbermonds auf ihn einließ und auf seine plumpen Komplimente und Wortspielereien hereinfiel, dann wusste sie es auch nicht. Aber irgendwie gingen ihr seine Annäherungs- und Starrversuche dann doch mit der Zeit ein wenig auf die Nerven. Sie versuchte ihn also von seiner Taktik abzulenken, indem sie auf das Bündel unter seinem Arm deutete und danach zu fragen begann.

„Was genau ist das denn eigentlich? Ein Teil deiner dunklen Machenschaften?" Sie kicherte als Slaeth begann den Stoff zu tätscheln.

„Oh ja, ganz Recht, Liebes. Das hier ist das Tor zu meinem finanziellen Glück und Wohlstand." Stolz brüstete er sich vor Kibu, welche immer noch interessiert das Päckchen anstarrte.

„Ah, ich verstehe. Und… was genau ist da drin?"

„Das kann ich natürlich nicht sagen. Nur soviel: Es ist etwas von unschätzbar großem Wert und ich werde nun einen geeigneten Hehler dafür finden, welcher mir in Kürze schon einen prall gefüllten Beutel mit Goldmünzen im Gegenzug gegen dieses Ding überreichen wird." Er schien zufrieden. „Vielleicht nehmt Ihr ja dann, wenn ich endlich ein Leben in Wohlstand und Reichtum führe, meine Einladung zu einem köstlichen Glas Met in der Taverne an?" Kibu lachte leise.

„Na, wenn es irgendwann so weit sein sollte, dann komme ich auf dein Angebot zurück." Sie schmunzelte.

„Ah, das erfreut mein armes Diebesherz aufs Innigste!" Er legte erneut eine Hand auf sein Herz und Kibu lachte nur leise und verdrehte die Augen.

„Ja klar, natürlich. Nicht, dass es nicht noch etwa fünfhundert andere Frauen in Silbermond gäbe, die du an meiner Stelle umwerben könntest und es wahrscheinlich auch tust, nicht wahr?" Die Hexe lachte und Slaeth schnitt eine lächelnde Grimasse.

„Erwischt!" Sein Lachen klang ehrlich als er mit einstimmte, verebbte jedoch, als er sich einer Gestalt gewahr wurde, welche immer näher auf Kibu und ihn zukam. „Nun, es wird Zeit, mein Hehler wartet nicht gern. Auf bald, Liebes." Und damit verschwand er in die Schatten, ließ eine verwirrte Kibu zurück.

„Was wollte der denn hier?" Kibu schreckte hoch und riss sich herum, völlig aus ihren Gedanken gezerrt, atmete jedoch erleichtert auf, als sie Mimus erblickte. Er schien nicht gerade erfreut Slaeth bei Kibu gesehen zu haben und blickte immer noch zu der Stelle, wo der Dieb zuvor gestanden hatte.

„Du kennst Slaeth?"

„Ja. Von deiner Schwester, von wem sonst!" Es war keine Frage, sondern eine Feststellung und Kibu schluckte hörbar.

„Na woher soll ich das wissen." Mimus brummte.

„Gleich und gleich gesellt sich eben gern." Kibu runzelte die Stirn.

„Na hör mal, du redest hier immer noch über meine Schwester. Und Slaeth ist ein netter Kerl, er ist nur… etwas aufdringlich." Sie seufzte, lächelte jedoch. Mimus schien nicht sehr überzeugt und sah sie zweifelnd an.

„Also war er aufdringlich? Hat er dich belästigt? Ich schwöre beim Prinzen, ich werde ihn…" Kibu lachte, als sie den Gesichtsausdruck des Barden sah.

„Nein, nein. Du liegst völlig falsch… na gut, nicht völlig, aber ich habe ihn nur zufällig getroffen. Er hat da irgendeinen Handel, von dem er mir erzählt hat. Muss wohl etwas ziemlich wertvolles erbeutet haben, wie mir schien." Mimus hob eine Augenbraue.

„So?" Die Schwarzhaarige nickte.

„Ja, er wollte mir zwar nicht sagen, um was es genau ging, aber ich glaube wirklich legal ist das Ganze nicht. Wie dem auch sei, das ist wohl seine Sache."

„Hm…" Mimus grummelte etwas Unverständliches und Kibu runzelte erneut die Stirn.

„Was ist?"

„Nun ich… etwas sehr wertvolles, sagst du?" Sie nickte und Mimus geriet wieder ins Grübeln.

„Was ist los, jetzt sag schon!" Neugierig blickte Kibu ihn an und wartete auf eine Antwort auf ihre Frage.

„Also ich war eben im Sanktum." Kibu sah ihn misstrauisch an.

„Schon wieder? Was treibst du so oft da unten?" Er winkte ab.

„Das tut jetzt nichts zur Sache, jedenfalls ist dort etwas entwendet worden. Es handelt sich um ein Buch, ein ziemlich altes Buch. Rhunaion hat mir davon erzählt. Es ist wohl eine der neusten Errungenschaften der Hexer Silbermonds. Irgendwer scheint es mitgebracht zu haben vor kurzem und es hat wohl eine sehr große magische Kraft. Eine… dunkle magische Kraft." Dabei sah er sie intensiv an, um ihr den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Kibu war unwohl geworden, als Mimus zu reden begonnen hatte. Sehr unwohl sogar. Denn dieses Buch war… es war das Buch, welches Kibu damals aus dem Schrein der Bibliothek geholt und mit sich nach Silbermond gebracht hatte. Das Buch, welches Kibu in Morgenluft studiert hatte und genau das Buch, welches Kibu als eines der gefährlichsten Bücher Azeroths eingestuft hatte. Mimus hatte Recht, es besaß über große magische Kraft. Aber er war nur ein Priester, und wenn ein solcher so etwas schon sagte, dann war er sich noch nicht einmal annähernd bewusst WIE groß die Macht des Buches in Wirklichkeit war. Sie war Hexe, sie hatte bereits von der Magie des Buches gekostet. Sie wusste, was für einen Schaden es in den falschen Händen ausrichten konnte. Seit sie es mit in das Sanktum gebracht hatte, wurde es von Alamma gehütet, wie sein Augapfel. Er hatte ihm sogar extra einen eigenen Altar anfertigen lassen.

„Es… es ist weg?" Mimus nickte. Kibu war entsetzt. Das Buch war also tatsächlich entwendet worden. Aber wer war so töricht, ein solch gefährliches Buch einfach zu stehlen? Ein Hexer wohlmöglich? Ein Dieb? Mimus' Stimme klang hart und fest als er weiter sprach.

„Und ich habe da auch schon jemanden unter Verdacht."

„Und wer könnte das sein? Ein Hexer vielleicht?" Er schüttelte den Kopf.

„Nein… Maev und dieser Straßenköter!" Kibu riss die Augen auf und ihre Lippen klappten auseinander.

„Aber wie kommst du darauf? Warum sollten sie das tun und dann noch dazu ausgerechnet dieses Buch und… wieso im Sanktum?" Tausend Fragen eilten Kibu durch den Kopf, doch Mimus beendete ihren Redeschwall mit einem einzigen Satz.

„Weil ich sie vor dem Sanktum gesehen habe. Zusammen. Und weil sie mir nicht erzählt haben, was sie dort gesucht haben, deshalb!" Kibu schüttelte den Kopf. Das konnte nicht sein. Warum sollte Maev ein solches Buch stehlen wollen? Was hatte sie denn davon? Gold? Hatte sie sich wirklich in der Kurzen Zeit zu einer waschechten Diebin entwickelt? Und noch dazu zu einer Komplizin von Slaeths dunklen Machenschaften? Und dann fiel Kibu siedendheiß etwas ein.

Ein Teil deiner dunklen Machenschaften?"

Oh ja, ganz Recht, Liebes. Das hier ist das Tor zu meinem finanziellen Glück und Wohlstand."

Es ist etwas von unschätzbar großem Wert und ich werde nun einen geeigneten Hehler dafür finden, welcher mir in Kürze schon einen prall gefüllten Beutel mit Goldmünzen im Gegenzug gegen dieses Ding überreichen wird."

Slaeth. Es fiel ihr wie Schuppen von den Augen. Das Bündel war gerade groß genug, sodass das Buch mit Leichtigkeit hineingewickelt sein konnte. Wieso hatte sie Mimus bloß erst jetzt getroffen, wieso nicht einige Minuten zuvor, in denen sie noch nicht von Slaeth und seinen ‚geheimen Machenschaften' gehört hatte? Dann hätte sie es ihm einfach abnehmen können. Oder ihn mit ihrer Magie dazu gezwungen, es ihr freiwillig zu übergeben. Sie seufzte und schüttelte nur den Kopf.

„Wir müssen es unbedingt wiederbekommen. Es ist von unschätzbar großem Wert, da hatte Slaeth wirklich ein gutes Auge, als er es gestohlen hat."

„Oder Maev…" Murmelte Mimus leise. Kibu sah auf, weil sie seine Worte nicht gänzlich verstanden hatte.

„Hm?" Der Barde winkte rasch ab.

„Ach nichts. Wir sollten mit Rhunaion sprechen. Er wird wissen, wen wir am besten benachrichtigen sollten."

„Ist gut. Wir sollten uns aber beeilen, wer weiß, wo das Buch inzwischen bereits ist. Wir müssen vermeiden, dass es in die falschen Hände gerät, wer weiß, was uns sonst bevor steht." Er nickte.

„Dann komm. Rhunaion ist sicher noch immer in der Nähe des Sanktums." Sie eilte hinter Mimus her und auf dem Weg sprachen beide kein Wort, was auch überhaupt nicht nötig war. Erst als sie ankamen schüttelte Kibu den Kopf und sprach, außer Atem und voller Zorn, aus, was ihr durch den Kopf ging.

„Ich kann nicht glauben, dass Maev das getan hat. Ich kann nicht glauben, dass Slaeth es getan hat. Ich weiß einfach gar nicht, was ich glauben soll. Wieso tun sie so etwas? Nicht schlimm genug, dass sie in das Sanktum eingebrochen sind, was allein schon unglaublich gefährlich für Nichtmagier ist, nein, sie müssen ja auch gerade DIESES Buch stehlen!" Mimus schnaubte halb verächtlich, halb verständnislos.

„Ja, einfach unglaublich! Woher weißt du eigentlich soviel von diesem Buch?" Kibu sah ihn an.

„Nun ich… nun ja, ich war die jenige, die es mit nach Silbermond gebracht hat." Seine Augen weiteten sich.

„DU?" Die hübsche Elfe nickte.

„Ja. Ich habe es aus einem der umliegenden Sankta mitgebracht…"

„Verstehe… mal sehen, was Rhuna dazu sagen wird." Und mit diesen Worten traten sie durch den Schleier des Hexerheiligtums hinein in das schummrige Innere.

Was sie jedoch nicht wussten war, dass jemand ihnen in den Schatten der Häuser folgte und jedes einzelne Wort des Gespräches mit angehört hatte. Der junge Elf, welcher ein Tuch vor Mund und Nase gewickelt trug bewegte sich nahezu lautlos durch die Gassen und verschwand, sobald jemand ihn zu entdecken drohte, hinein in die Schatten, um weiterhin seinen Opfern dicht auf den Fersen bleiben zu können. Als sich seine Vermutung bestätigte, dass die Beute, welcher er vor Kurzem erst gemeinsam mit seiner jungen Komplizin gestohlen hatte, von unschätzbarem Wert war, breitete sich ein zufriedenes, hinterlistiges Grinsen auf seinem Gesicht aus, welches sogar durch das rote Tuch sichtbar war.

Na also, das klappt doch alles wie am Schnürchen. Ich kenne da auch schon jemanden, der ein riesiges Interesse an diesem Buch haben wird… wollen wir doch mal sehen, wie viel Gold dabei heraus springt.'

Mit einem leisen, diabolischen Lachen trat der Schwarzhaarige Elf hinein in den nächsten Schatten und verschwand im Nichts…