21. Snape – Poppy im Eberkopf
Nur mühsam konnte er sich dazu zwingen, die Hand des Todessers los zu lassen. "Ich muß dich für einen Moment alleine lassen, aber keine Sorge, Poppy wird kommen. Sie wird dir helfen, sie hat dir immer geholfen. Ich bin bald wieder da...", flüsterte er ihm zu, wenngleich er wußte, daß die Bewußtlosigkeit so tief war, daß er ihn nicht hören konnte. Lächelnd hob er die Hand, strich eine schwarze Haarsträhne aus dem bleichen Gesicht des Mannes und verschwand dann durch die Tür, eben in jenem Moment, in dem er hörte, daß Aberforth Poppy die Tür öffnete.
"Poppy, welch ein Glück, daß Sie da sind", begrüßte der alte Zauberer die Medi-Hexe freundlich, deren Augen aber sofort suchend im Raum umherirrten.
"Wo ist er?"
"Oben, kommen Sie."
Poppys Herz schlug immer schneller, wie oft war sie schon in solch einer Situation gewesen? Sie wußte es selbst nicht mehr. Doch dieses Mal war es doch anders, einen Moment fragte sie sich, ob sich etwas geändert hätte durch das was geschehen war, doch diese Gedanken verschwanden sofort, als sie in das Zimmer kam und an das Bett herantrat, in welchem Severus noch immer bewußtlos lag.
"Oh Kind, warum kannst du nicht auf dich aufpassen...", kam es ihr gepreßt über die Lippen, während sie die Bettdecke anhob und den – nur noch mit seiner Hose bekleideten – Mann von oben bis unten musterte.
"Ich habe zumindest seinen Oberkörper gereinigt, er war so voller Blut...", erklärte Aberforth dann, der bewegungslos in der Tür stand.
"Sehr gut", murmelte Poppy geistesabwesend, während sie ihre Tasche öffnete und ihren Zauberstab heraus holte, den sie dann langsam über den vor ihr liegenden, schmalen, bleichen Körper gleiten ließ. Nein, es hatte sich nichts, gar nichts in ihr verändert. Das war immer noch Severus, der Severus, den sie mehr als einmal dem Tod entrissen hatte. Für einen Moment schloß sie die Augen, um der Flut der Erinnerungen Herr zu werden, die sich vor ihrem geistigen Auge aufbauten.
Energisch schüttelte sie leicht den Kopf um die Bilder zu vertreiben, dann ließ sie seufzend ihren Zauberstab sinken und sah Aberforth sorgenvoll an. "Er hat einige gebrochene Rippen, die Verletzungen auf der Brust sehen sie ja selbst, außerdem wurde er großzügig mit dem Cricio belegt.", erklärte sie dann in nüchternem Tonfall, während es in ihr brodelte.
"Wird er es schaffen Poppy?"
"Natürlich", Poppy nickte und hob ihren Zauberstab wieder "Wenn Sie mich bitte alleine lassen."
Aberforth nickte nur, er wußte, daß Severus in guten Händen war. Poppy hatte ihm mehr als einmal das Leben gerettet und würde es auch heute wieder tun. Er mußte sich keine Gedanken mehr machen, nun, zumindest nicht um Severus Leben.
Poppy fluchte und schimpfte, doch am Ende war sie wieder einmal zufrieden mit dem, was sie erreicht hatte. Wenngleich sie erschöpft war, so überwog doch das beruhigende Gefühl, daß Severus es schaffen würde. Sicher würde er noch einige Tage an den Verletzungen zu tragen haben, doch er würde es schaffen. ´Dieser verdammte Crucio´, fluchte sie dann erneut im Gedanken, während der Körper des jüngeren Mannes sich wieder schmerzhaft wand, er mit den Armen wahllos um sich schlug. Poppy konnte nicht mehr tun als ihn so gut als möglich fest zu halten, um zumindest zu verhindern, daß er sich selbst durch diese Bewegungen noch mehr Schmerzen zufügte, als er ohnehin schon ertragen mußte.
"Es ist gut Severus, ich bin hier, versuch´ einfach ganz ruhig zu bleiben...", flüsterte sie dann beruhigend auf ihn ein, wobei sie sich nicht sicher war, ob ihre Worte zu seinem Geist durchdrangen. Unruhig flackerten seine Pupillen unter den geschlossenen Augenlidern noch eine Weile hin und her, bis sich der Körper schließlich wieder entspannte und die Medi-Hexe ihn vorsichtig zurück auf das Bett gleiten ließ.
Dann setzte sie sich wieder zurück auf den Stuhl neben dem Bett, den Blick weiterhin auf das ihr so vertraute Gesicht gerichtet. ´Du bist doch kein Mörder Severus...´, wie oft hatte sie diesen Gedanken in den letzten Wochen gedacht, ohne sich die Tatsachen selbst erklären zu können. So lehnte sie sich müde zurück an die Stuhllehne, verschränkte die Hände auf dem Schoß ineinander und wartete. Wartete wieder einmal darauf, daß er aufwachen würde. "Du bist nicht alleine Severus, ich werde hier bleiben bis du aufwachst.", flüsterte sie entschlossen mehr zu sich selbst.
Sie wußte nicht, wie lange sie da gesessen hatte, stumm ihren Patienten betrachtend, doch irgendwann mußte sie wohl eingenickt sein. So hatte sie nicht gemerkt, wer den Raum betreten hatte, hinter sie getreten war und nun seine Hand auf ihre Schulter legte. Erschrocken fuhr sie hoch, doch war dieser Schreck nichts mit dem Schock, der sich nun in ihr breit machte. Ungläubig starrte sie ihren Gegenüber an, der ihr jedoch nur freundlich zulächelte. "Bei Merlin... Albus!"
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