Disclaimer: Ich verzweifle an der Tatsache, dass Edward (und auch sonst keiner der Charas) mir gehört. :(

Aaaaahhhh! Ich liebe euch! Ich bin ja so froh, dass meine Idee gut ankam. Ich bin überhaupt froh, dass meine ganze FF so toll von euch unterstützt wird! Dafür gibts dieses ultraschnelle Update!
Ich weiß aber auch, dass ihr mich jetzt gleich nicht mehr so mögt... Warum? Werdet ihr merken...

an Kakophonie: ich auch :D
an couchkartoffel: äh, können wir auch nur armdrücken machen? ;)

Jo, dann viel Spass!


Aussprache

Als ich nach der Arbeit zu Hause ankam, präparierte ich zunächst die Blumen. Angelas Idee war gar nicht so verkehrt. Ich nahm mir eine tiefe Schüssel, ein kleines Sieb und ein Geschirrtuch und ging mit alledem ins Bad. Dort ließ ich warmes Wasser in die Schüssel, gab etwas von meinem Lieblingsshampoo dazu, legte das Sieb darüber und dort hinein die Blumen. Ich deckte das Gebilde leicht mit dem Tuch ab, so dass der Duft möglichst intensiv an den Blumen haften blieb. Meine einzige Sorge war, dass die Freesien dabei eingingen. Ich musste sie ja nur für ein paar Stunden am Tag dieser Prozedur unterziehen und sonst würde ich sie ins Wasser stellen. Das würde schon klappen, es musste klappen.

Beim Abendessen eröffneten mir Charlie und Renee, dass sie nächste Woche verreisen würden. Es war ihr jährlicher gemeinsamer Urlaub und aus Kostengründen gingen sie außerhalb der Saison und dann auch nur für ein paar Tage. Ich war froh, dass ich mittlerweile meinen Führerschein hatte, um nicht mit in den Urlaub gehen zu müssen. Charlie und Renee genossen diese Tage... auf ihre Art und Weise und da wäre ich eh nur ein Klotz am Bein. Sie sagten, dass sie Sonntag Abend fahren und erst im Laufe des folgenden Samstags zurückkommen würden.

Für mich bedeutete das wiederum sechs Tage sturmfreie Bude, denn ich musste nächste Woche nicht arbeiten. Mr. Whitters machte immer im Frühjahr zwei Wochen das Restaurant zu. Bella allein zu Hause. Aber Charlie und Renee hatten natürlich nichts zu befürchten. Ich gehörte nicht zu der Sorte, die immer dann eine Mordsparty feierten, wenn die Eltern aus dem Haus waren. Es würde eine stille, ruhige, angenehme und entspannende Woche werden. Niemand, der mir Vorträge hielt, der mir sagte was ich tun oder lassen sollte. Das waren wirklich mal schöne Aussichten. Vor dem Schlafen gehen, holte ich meine Blumen aus dem ‚Duftbad'. Ich brachte sie in mein Zimmer, stellte die Vase auf meinem Nachttisch ab und betrachtete sie noch eine ganze Weile. Ich war schon gespannt darauf, was Edward morgen sagen würde. Oder bekäme ich eventuell auch eine Kleinigkeit geschenkt? Es gab so viele Möglichkeiten.

Nur auf die, die mich erwartete, war ich nicht vorbereitet. Es war, als hätte es den gestrigen Nachmittag nicht gegeben. Edward sagte nichts, sah mich nicht an, starrte, wie sonst auch, an die Tafel. Dabei war ich davon überzeugt, dass er wusste, dass die Freesie von mir stammte. Aber vielleicht wollte er auch nur einen geeigneten Moment abpassen. Bestimmt war das der Grund für sein Verhalten. Die ganze Stunde über beobachtete ich ihn heimlich, aber ich bekam keine Reaktion, kein kurzer Blick zu mir, einfach... nichts. Das war wirklich frustrierend.

Der Tag hatte ja gerade erst angefangen, von daher hoffte ich einfach, dass er die Stunde am Nachmittag nutzen würde. Angela wirkte ebenfalls etwas enttäuscht, als ich mit ihr zur nächsten Stunde ging. Wir sahen uns kurz an und sie zuckte mit den Schultern. Ja, so ging es mir gerade auch. Wenn ich nur gewusst hätte, was in Edward vorging... In der Mittagspause versuchte ich erneut vergeblich, einen Blick von ihm zu ergattern. Er saß einfach nur an seinem Tisch und starrte ins Leere. Er redete nicht mit seinen 'Freunden' und sie mieden es, ihn anzusehen, und schwiegen genauso. Dieses Verhalten konnte ich zumindest nachvollziehen. Es wunderte mich sowieso, dass er sich überhaupt mit ihnen an einen Tisch setzte.

„Was ist denn mit dir los?", fragte Jessica plötzlich und mir fiel ein, dass sie noch gar nichts von... meiner Erkenntnis wusste. Ich sah hilfesuchend zu Angela, aber sie schien so auf die Schnelle auch keine plausible Antwort parat zu haben. „Du starrst die ganze Zeit zu Edward", fügte Jessica an.

„Ich... um, ich hab nur... noch Mal über gestern nachgedacht." Eine gute Idee. „Du weißt schon, wer sie sein könnte", sagte ich noch und war beinahe stolz auf mich, dass ich eine perfekte Ausrede gefunden hatte.

„Weißt du, darüber hab ich auch ständig nachgedacht", stieg Jessica tiefer in das Thema ein. Ich war froh, dass sie nicht gemerkt hatte, was der eigentliche Grund war, aber Jessica war eher oberflächlich veranlagt. Sie war nicht gut darin, hinter die Fassade zu schauen, im Gegensatz zu Angela. Ich diskutierte mit ihr den Rest der Mittagspause über mögliche Kandidatinnen, immer darauf bedacht, nicht auf mich zu sprechen zu kommen. Und obwohl ich nicht damit gerechnet hatte, erfuhr ich sogar eine interessante Kleinigkeit. Als Jessica sagte, dass sie Edward noch mit keinem Mädchen zusammen gesehen hatte, fiel Mike in das Gespräch ein und stellte klar, dass Edward, seit er hergezogen war, noch keine feste Freundin gehabt, wo er sie doch in Chicago wochenweise gewechselt hatte. Er wüsste das aus zuverlässiger Quelle, wahrscheinlich meinte er Tyler damit. Es gab hier also bisher kein Mädchen, dem Edward zugetan war.

Aber warum sollte er sich dann ausgerechnet für mich interessieren? Oder sollte ich sagen, interessiert haben? Denn auch in Bio war Edward schweigsam, wie eh und je. Wenn ich nur nicht so verdammt feige gewesen wäre, hätte ich ihm einfach sagen können, dass mir leid tat, was passiert war und dass ich gerne mit ihm... befreundet wäre. Leider befürchtete ich immer mehr, dass ich sein Verhalten am vorigen Tag falsch interpretiert hatte. Trotzdem würde mich das nicht von meinem Vorhaben abbringen. Ich war ihm zumindest das schuldig, da er sich für mich eingesetzt und damit Ärger eingehandelt hatte. Außerdem, wenn ihm diese Geste wirklich das Nachsitzen angenehmer machte, war es mir erst Recht ein Vergnügen. Da ich annahm, nach Sport nicht schnell genug zu sein, legte ich die Freesie noch davor ans Fensterbrett und kam prompt zu spät in den Unterricht. Aber das war es mir Wert.

Nach Sport schlich ich erneut hinter das Verwaltungsgebäude. Ich wollte sichergehen, dass Edward die Blume erhalten hatte. Als ich durch das Fenster linste, sah ich zunächst wieder die schwebende Zeitung, die Mr. Green verdeckte, und danach Edward, der schreibend an seinem Tisch saß. Und vor ihm lag meine Freesie. Ein Lächeln zauberte sich von ganz alleine auf meine Lippen. Wenigstens hatte er mein Geschenk angenommen. Edward hörte auf, zu schreiben und schien irgendwo vor sich hinzusehen, gefolgt von einem Blick zu Mr. Green, bzw. der Zeitung, bevor er seinen Kopf einem offenen Fenster zuwandte mit diesem unglaublich verzaubernden Lächeln im Gesicht. Ich wünschte, dieser Augenblick würde nie vergehen...

Schließlich wurde Edwards Blick traurig und er seufzte, bevor er sich erneut über sein Blatt beugte. Wahrscheinlich konnte er sich eine bessere Art vorstellen, den Nachmittag zu verbringen, als in diesem Kabuff zu sitzen, zumal heute ein angenehm milder Tag war. Kein Regen und fast schon ungewöhnlich warme siebzehn Grad. Ich seufzte ebenfalls, als ich mich wieder davonschlich. Später am Tag, nachdem ich von der Arbeit nach Hause kam, brachte ich die übrigen drei Freesien ins Bad, um ihnen ihr Duftbad einzulassen. Wie ich mein fertiges Werk betrachtete, fragte ich mich, warum Edward so... zurückhaltend war.

Konnte es das sein? Zurückhaltung? Dabei war er, als wir uns mehr oder minder kennen lernten, sehr forsch, für meinen Geschmack leider zu forsch. Zurückhaltung jedoch schien irgendwie keine Eigenschaft zu sein, die auf sein Image passte. Oder lag es noch immer an dieser dämlichen Bedingung? Wie konnte ich ihm verständlich machen, ohne dass ich es ihm direkt ins Gesicht sagen musste, dass ich gar keinen Wert mehr auf diese Bedingung legte? Ich wusste es nicht. Und es stimmte mich traurig. Ich musste doch noch etwas tun können, dass er mich wieder beachtete. Was würde ich alles dafür geben, wenigstens ein sarkastisches Wort aus seinem Mund zu hören, das mir galt. Ich legte meine Stirn an den Rand des kalten Waschbeckens und starrte die Fliesen unter mir an. Ich hoffte inständig, dass meine Botschaft bald bei ihm durchsickern würde.

Die folgenden Tage liefen nach dem gleichen Schema ab. Edward sagte nicht ein Wort, ich brachte die Freesie ans Fenster und vergewisserte mich anschließend, dass er sie erhalten hatte. Als ich mich am Freitag gerade wieder vom Verwaltungsgebäude entfernte, war ich am Boden zerstört. Heute war der letzte Tag gewesen, die letzte Chance und wieder hatte er sie nicht genutzt. Ich musste wirklich alles falsch verstanden haben. Warum sonst sollte er mich noch immer ignorieren? Die Ohrfeige, die ich ihm verpasst hatte nach unserem Streit, war wohl doch ein Zeichen für ihn, mir aus dem Weg zu gehen. Er wollte nichts mehr mit mir zu tun haben.

Mr. Whitters sagte mir, dass ich nur am Samstag arbeiten müsse, Sonntags würden sie schon alle in ihren Urlaub fahren. Noch ein Tag mehr, um sich Gedanken zu machen und zu verzweifeln. Ich wollte nicht alleine sein. Nicht jetzt. Beinahe hätte ich sogar meine Eltern gebeten, hier zu bleiben, allerdings wäre das wirklich erbärmlich von mir gewesen, zumal sie schon alles gebucht hatten. Am Abend saß ich in meinem Zimmer, war über die Hausaufgaben gebeugt und überlegte, ob ich Angela vielleicht einladen sollte, um mich ein bisschen abzulenken, bis mich Renee zurück in die Realität holte.

„Bella, Schatz, Telefon!", rief sie von unten hoch und ich ging zügig zu ihr.

„Wer ist dran?", fragte ich leise. ‚Jacob' formte sie mit ihren Lippen und ging zurück in die Küche. Unwillkürlich lächelte ich. „Hi, Jake", sagte ich fröhlich. Hatte ich noch vor wenigen Sekunden Trübsal geblasen, bekam ich beim Gedanken an Jacobs Stimme beste Laune.

„Hey, Kleines."

„Schön, dass du anrufst", sagte ich nach ein paar seltsamen Sekunden des Schweigens. Sonst war Jacob nicht auf den Mund gefallen und ich überlegte, warum er so... komisch war.

„Wie geht's dir?", fragte er, aber sein Ton war ganz anders, als sonst. Nicht so fröhlich und unbeschwert. Irgendetwas stimmte nicht.

„Gut, und dir?"

„Bestens", Nur klang das alles andere als bestens.

„Jake, was ist los?", brachte ich es auf den Punkt, denn so wie es aussah, würde er noch eine halbe Ewigkeit um den heißen Brei herumreden.

„Hast du morgen Zeit?"

„Morgen muss ich arbeiten, aber am Sonntag bin ich Zuhause", antwortete ich ihm und bekam ein immer mulmigeres Gefühl.

„Dann würde ich Sonntag... zu dir fahren... wenn das geht", flüsterte er beinahe.

„Natürlich. Liebend gern." Ich versuchte möglichst viel Enthusiasmus in diese Worte zu legen, damit er verstand, dass ich mich sehr darüber freute, aber irgendwie erzielte es eher die gegenteilige Wirkung.

„Ja, gut. Dann gute Nacht, Kleines", sagte er und legte auf, noch ehe ich antworten konnte. Was hatte Jacob nur? Ich stellte das Telefon weg und begab mich wieder nach oben an meinen Schreibtisch, jedoch waren meine Gedanken überall nur nicht bei den Hausaufgaben. Im Moment stand meine Welt völlig auf dem Kopf. Mein Gemüt schwankte innerhalb von Sekunden von zu Tode betrübt zu himmelhochjauchzend und umgekehrt, Edward ignorierte mich vehement und jetzt schien sogar Jacob böse auf mich zu sein. Was hatte ich falsch gemacht? Warum musste ausgerechnet jetzt alles den Bach runtergehen? Ich verfluchte mein ungnädiges Schicksal. Konnte ich nicht wenigstens ein Mal, ein einziges lausiges Mal etwas Glück haben?

Aber eigentlich war ich selbst schuld daran. Es hätte alles anders laufen können, wenn ich nicht so unglaublich stur gewesen wäre. Und jetzt musste ich die Suppe auslöffeln, die ich mir eingebrockt hatte. Pah, dabei hasste ich Suppe. Frustriert und vor Selbstmitleid triefend ließ ich das schulische Zeugs einfach liegen, schmiss mich aufs Bett und vergrub mein Gesicht in meinem Kissen. Am liebsten hätte ich hineingebissen, um ein bisschen Dampf abzulassen, aber ich schätzte, dass Renee mir das übel nehmen würde. Davon abgesehen war es bestimmt nicht sehr schmackhaft. Seufzend erhob ich mich, ging ins Bad und richtete mich fürs Bett. Für heute war mir die Lust auf alles vergangen, ich wollte nur noch schlafen und vergessen.

Der Sonntag kam schneller, als mir lieb war und ich erwartete bereits den ganzen Vormittag nervös Jacobs Ankunft. Renee merkte mir das natürlich an und hatte versucht, aus mir herauszukriegen, was los war. Allerdings war mir hier meine Sturheit mal von Vorteil und sie musste sich noch immer ihren Kopf darüber zerbrechen. Charlie war beim Angeln, aber ich bezweifelte sowieso, dass ihm mein Zustand groß aufgefallen wäre, geschweige denn, dass er mich darauf angesprochen hätte. Als es dann endlich um die Mittagsstunde an der Tür klopfte, wurde meine Nervosität noch um ein Vielfaches verstärkt. Ich atmete tief durch und setzte ein gefaktes Lächeln auf, bevor ich aufmachte. Jacob lächelte ebenfalls, aber auch seines wirkte unecht. Es erreichte seine Augen nicht. Als würde ich vor einem Spiegel stehen...

„Hi. Komm rein", sagte ich nur und machte ihm etwas Platz, damit er den Flur betreten konnte.

„Danke", sagte er so leise, dass ich es fast nicht gehört hätte. Ich ging ins Wohnzimmer, setzte mich in den Sessel und Jacob folgte meinem Beispiel, indem er die Couch in Beschlag nahm. Er beugte sich leicht nach vorne, legte seine Arme auf seinen Beinen ab und starrte den Boden zu seinen Füßen an.

„Möchtest du hier bleiben oder gehen wir irgendwo hin?", fragte ich, in der Hoffnung die Anspannung von uns beiden zu nehmen. Er sah auf, direkt in meine Augen, sein Blick war nachdenklich. Nach einigen Sekunden Stille, antwortete er mir.

„Wir könnten ein bisschen spazieren gehen. Was hältst du vom Strand?", sagte er sehr ernst. Gut, da stand mir wohl noch einiges bevor. Ich erhob mich wieder.

„Gern. Mom, wir gehen dann mal", rief ich noch und machte mich auf den Weg nach draußen. Ich konnte hören, dass mir Jacob auf dem Fuß folgte. Sein Auto stand in der Einfahrt, aber dieses Mal wollte ich mich anbieten, zu fahren. Ich sah zu ihm auf, wollte schon zu meiner Frage ansetzen, aber er ging einfach an mir vorbei und öffnete die Beifahrertür für mich. Also wäre das auch geklärt. Ich stieg ein und in der kurzen Zeit, da er meine Tür zugemacht und bis er ums Auto herumgelaufen war, seufzte ich tief.

Während der gesamten Fahrt sagte keiner von uns etwas, aber ich wartete ehrlich gesagt darauf, dass er anfing, schließlich hatte er auch angerufen und um diese Verabredung gebeten. Daher wusste ich ja gar nicht, was so wichtig war, was ihm auf der Seele lag, um es ansprechen zu können. Ich war froh, dass es relativ schnell ging, bis Jacob auf dem Parkplatz Halt machte. Hier verbrachten wir unseren ersten gemeinsamen Tag und mich beschlich erneut das Gefühl, dass es hier und heute unser letzter sein würde.

Jacob ging vor, zu dem kleinen Pfad, der an den Strand führte. Ich folgte ihm, fühlte mich wie ein räudiger Hund und wusste nicht mal genau weshalb. Er sagte noch immer nichts, bis wir den eigentlichen Strand erreichten. Da drehte er sich zu mir um und sah mich eindringlich an. Er kam wieder den einen Schritt zu mir zurück, nahm meine Hände in seine und wollte etwas sagen, aber seine Lippen zuckten nur. Er rang um Worte, seine Augen hielten stetig den Blickkontakt mit meinen und schließlich schüttelte er nur ganz leicht den Kopf, schloss dabei kurz seine Augen.

Ich war viel zu sehr in diesem Moment gefangen, um überhaupt zu reagieren. Ich vermutete, dass er mich... wie sollte ich das sagen? Dass er mich verließ? Mit mir Schluss machte? Das klang bescheuert, da wir ja nicht zusammen waren. Aber... würde er mir die Freundschaft kündigen? Ich schauderte nur beim Gedanken daran. Ich brauchte Jacob. Ja, ich brauchte ihn...

„Kleines", sagte Jacob und riss mich damit aus meinen Gedanken. Ich sah ihm wieder fest in die Augen. „Was sind wir?", fragte er. Das war genau die Art von Frage, die ich mehr als alles andere gefürchtet hatte. Es nützte nichts, ihn anzulügen. Er hatte gesehen, wie ich auf Edward reagiert hatte, auf dessen Aussage. Jacob wusste Bescheid. Also blieb mir nur, die Karten klipp und klar offen zu legen.

„Freunde. Die Besten überhaupt." Es war nicht mehr als ein Flüstern, ich hatte noch immer Angst vor seiner Reaktion.

„Du..." Jacob holte tief Luft. „Du magst ihn?"

„Ja." Wieder nur ein Hauch von Flüstern. Mir war, als würde meine Welt zerbröckeln, als stünde ich direkt vor dem Abgrund. Nicht nur, dass ich Edward nie haben könnte, jetzt verschwand auch noch Jacob Stück für Stück aus dem bisschen Rest an kümmerlichem Leben, das ich noch hatte.

"Du Ärmste", sagte er und nahm mich unerwartet fest in seine Arme. „Tut mir leid. Ich war so dumm", flüsterte er mir ins Ohr. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Wofür entschuldigte sich Jacob? Und warum kamen mir jetzt auch noch die Tränen?

"Es tut mir leid", flüsterte ich ebenfalls und schluchzte. Ich wusste nicht, was ich sonst hätte sagen sollen. War nicht ich an dieser ganzen Misere schuld?

„Nein", sagte Jacob und ich spürte, wie er seinen Kopf schüttelte. „Ich hab alles nur noch schlimmer gemacht. Ich hätte dir gleich die Wahrheit sagen sollen." Ich wartete darauf, dass er weitersprach, aber es kam nichts mehr. Welche Wahrheit? Jacob löste unsere Umarmung, legte beide Hände fest an meine Schultern und sah mich wieder eindringlich an. „Bella, du bist wirklich jemand ganz Besonderes. Das habe ich nicht nur so gesagt. Du bist nicht einfach nur meine beste Freundin, du bist... wie eine Schwester für mich." Er machte eine Pause und ich verstand jetzt gar nichts mehr. „Kleines, ...", setzte Jacob erneut an und schüttelte wieder seinen Kopf. „Ein paar Tage nachdem wir uns zum ersten Mal begegnet sind, hat meine Mom immer wieder ein Treffen für mich arrangiert... mit einem Mädchen. Wie soll ich sagen, es ist ihr wichtig, dass ich... mal die perfekte Frau an meiner Seite habe. Das klingt total abgedroschen, aber so ist meine Mom halt. Und dieses Mädchen hat mich von Anfang an verzaubert. Ich hätte dir das gleich erzählen sollen. Ich bin wirklich gern mit dir zusammen, mit dir kann ich jede Menge Unsinn machen, bei dem Ness wahrscheinlich Panik schieben würde –"

„Ness?", unterbrach ich ihn und versuchte noch immer, die Dinge in meinem Kopf zu ordnen. Jacob lächelte und es war die Sorte Lächeln, die man hatte, wenn einem der Gedanke an die eine einzige Person im Leben kam.

„Meine Freundin." Er hatte eine Freundin. Und er ließ mich nicht hängen, er wollte mein großer Bruder sein. Ich stieß den Luftschwall aus, den ich während seiner Ansprache angesammelt hatte. Ich war zutiefst erleichtert.

„Jake", schluchzte ich und klammerte mich fest an ihn.

„Kleines." Er strich mir beruhigend über den Rücken und ich fühlte wieder diese Geborgenheit. Ja, ich brauchte ihn, wie einen Teil meiner Familie und genau das würde er sein, das wollte er sein, so wie ich es wollte. Die Gefühle, die in diesem Moment auf mich einströmten, waren unbeschreiblich. Ich war wieder ganz. Zumindest zu einem Teil... „Kleines, worüber ich eigentlich mit dir reden wollte..." Langsam löste ich mich von Jacob, sah zu ihm auf. „Ich mach mir Sorgen. Als dein... Bruder fühle ich mich verantwortlich, auf dich aufzupassen. Ich möchte nicht, dass du traurig bist, schon gar nicht wegen so einem", sagte er ernsthaft. Seufzend ließ ich meinen Kopf hängen.

„Zu spät", murmelte ich. „Ich glaube nicht, dass er es so gemeint hat", fügte ich etwas lauter an, obwohl ich nicht wusste, was Edward sonst gemeint haben könnte.

„Bist du dir sicher?" Ich sah wieder zu ihm auf. Alles was ich in seinen Augen sah war Sorge. Sorge um die kleine Schwester, die sich Hals über Kopf in den coolsten Jungen der Schule verliebt hatte und dabei war, auf die Nase zu fallen. Ich atmete einmal fest durch.

„Ja", sagte ich bestimmt. Jacob schien zu überlegen.

„Dann muss ich mich vielleicht nicht...", murmelte er vor sich hin. Es schien nicht wirklich für meine Ohren bestimmt zu sein, denn er wirkte gedankenversunken, bevor er mich wieder fest ansah. „Wenn du möchtest, kann ich mir den Burschen mal vorknöpfen, damit er endlich merkt, was ihm entgeht", sagte Jacob und grinste leicht. Für einen Moment dachte ich wirklich darüber nach, sein Angebot anzunehmen. Aber dann schüttelte ich nur schnell den Kopf. Wie peinlich wäre das denn? Ich versuchte, mir die Szene vorzustellen, wie Jacob vor Edward stehen würde und... keine Ahnung was er dann tun würde. Nein, definitiv eine schlechte Idee.

Dennoch hatte dieses Thema wieder eine bessere Stimmung zu Tage gebracht. Wir gingen noch ein bisschen spazieren und Jacob bestand darauf, dass ich ihm alles über Edward erzählte, schließlich wolle er Bescheid wissen über die Jungs, die sich mit seiner Schwester verabreden zu gedachten. Ich fand es zwar absurd, tat ihm aber trotzdem den Gefallen und es tat gut, sich wieder alles von der Seele zu reden, besonders wenn es bei Jemand so Vertrautem war wie Jacob. Wir blieben dieses Mal nicht ganz so lange am Strand, da ich mich ja noch von meinen Eltern verabschieden wollte und nachdem mich Jacob zu Hause abgesetzt hatte mit dem Versprechen, ihn spätestens anzurufen, wenn es wichtige Neuigkeiten gäbe, fiel ich ausgelaugt ins Bett. Es war ein anstrengender Tag gewesen, voller Anspannung, obwohl sich doch noch alles zum Guten gewendet hatte.


So, hasst mich, hasst mich, los doch! xD
Ich weiß, ich bin doof... :)

Ach und: Pls, n paar mehr Reviews dieses Mal? *treudoofer hundeblick hab*