Luna: Jaah, ich weiß, die Zeitdifferenz von ISEM zu den MSs ist furchtbar lang. Und mittlerweile hänge ich ja auch hier mit den Updates. Aber das Projekt ist weder vergessen, noch aufgegeben. Ich hoffe, das Nachlesen ist nicht allzu schlimm. ;)
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zu dieser Szene: Was soll ich sagen? Das Bunny war hartnäckig...
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- nach Severus' Flucht aus Hogwarts (nach Kapitel 17)
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Severus hatte ihnen kaum Zeit gelassen, nach der Flucht aus Hogwarts zu Luft zu kommen. Seine Lungen brannten bei jedem Atemzug und die Kraft, die er aufbringen musste, um die Stimme des Schulleiters in seinem Kopf zum Schweigen zu bringen, fehlte an allen anderen Enden. Der Boden schien zu schwanken, Geräusche drangen nur leise an seine Ohren. Und mit allem, was an diesem Abend geschehen war, im Hinterkopf, konnte er mit voller Überzeugung behaupten, dass es ihm erst einmal zuvor so dreckig gegangen war.
Auf seinem Gesicht spiegelte sich nicht ein einziger Aspekt dieses Kaleidoskops wider. Seine Lippen waren zwar blass, doch schmal wie immer, verkniffen und nicht mehr als ein Gefängnis für seine scharfe Zunge. Draco wusste das und schwieg.
Zumindest bis das Anwesen seiner Eltern vor ihnen aufragte wie ein Mahnmal. Das weiße Haus mit den Flügeln und Erkern schien im Licht des Mondes zu leuchten; es hatte dieselbe Farbe wie Dracos Gesicht.
„Was werden wir ihnen sagen?", fragte der Jüngere in diesem Moment und klang nicht so kühl, wie noch vor einigen Stunden.
Severus schnaubte. „Du wirst gar nichts sagen. Ich habe geschworen, dich zu schützen, und ich werde diesen Schwur halten." Koste es, was es wolle – doch diesen Zusatz dachte er nur.
Draco legte eine Hand gegen das schmiedeeiserne Tor, das die Auffahrt zum Hauptgebäude von der Straße trennte. Die Banne erkannten ihn als ein Mitglied der Familie und gaben den Weg frei. Severus folgte ihm als sein Gast.
Während sie die etwa einhundert Meter bis zu den Flügeltüren zurücklegten, spannten sich die Muskeln des Tränkemeisters noch ein bisschen mehr an. Schwelender Schmerz umhüllte seine Wirbelsäule wie ein Mantel und krabbelte an seinen Rippen entlang nach vorne, bis er kaum noch Luft bekam. Dies war einer jener Momente, in denen er sich daran erinnern musste, womit er dieses Leben verdient hatte.
Die Tür sprang auf, noch bevor sie hatten klopfen können. Narcissa lief leichtfüßig und mit wehendem Todesserumhang über die Schwelle und schloss ihren Sohn in den Arm. Über seine Schulter hinweg warf sie Severus einen dankbaren Blick zu, der sich im Moment allerdings eher wie bitterer Hohn anfühlte.
Er stolperte beinahe, als er das Haus betrat. Nicht nur, weil Albus seine Okklumentikfähigkeiten forderte, sondern auch, weil er befürchten musste, dass der Dunkle Lord hier war und einen Bericht erwartete. Severus wusste nicht, wie er eine der üblichen Befragungen in diesem Zustand überstehen sollte.
Mit schmalen Augen blieb er am Fuß der Treppe, die ins obere Stockwerk führte, stehen und lauschte. Wenn der Dunkle Lord hier war, dann sicherlich nicht alleine. Und wenn eine ganze Gruppe Todesser hier waren, würde er sie früher oder später hören.
„Er ist nicht da."
Narcissas Stimme ließ Severus unbemerkt zusammenzucken. Und dann breitete sich eine Welle herrlicher Erleichterung in ihm aus. Er nickte steif, verzog dabei keine Miene und sah zu Draco, der verloren im Flur seines Zuhauses stand.
„Lucius ist im Salon. Er ist der Einzige, dem du heute etwas erklären musst."
„Hast du es nicht getan?" Severus zog eine Augenbraue in die Stirn, während Furcht sich auf dem Gesicht der blonden Frau abzeichnete.
Das war ihm Antwort genug und bevor sie Draco fortschicken und ihn um Verzeihung bitten konnte, steuerte er den Salon an. Denn er wusste, dass er Narcissa nicht lange standhalten könnte, wenn sie ein Ziel verfolgte. Er konnte die Wut auf sie besser in Selbstbeherrschung umsetzen als die auf sich selbst.
„Severus!" Lucius stand auf, als er ihn sah, und griff mit einem aufgesetzten Lächeln nach einem Glas. „Whisky?"
„Ja, bitte." Severus setzte sich – verdreckt und erschöpft wie er war – in einen Sessel vor dem Kamin. Erst als die Hitze des Feuers über seine Finger strich wie die Berührungen Hermines, wenn sie ihn verarztete, bemerkte er, wie kalt ihm war. Er nahm den Whisky dankend an und trank einen großen Schluck in der Hoffnung, dass der Alkohol ihn wärmen würde.
„Nun, wie lief es?", erkundigte Lucius sich nach ein paar Momenten und aus dem Augenwinkel sah Severus, wie Narcissa und Draco sich zu ihnen setzten – letzterer eher widerstrebend, doch Lucius würde es nicht dulden, dass er auf sein Zimmer ging.
„Besser als es angefangen hat", fügte Severus sich in sein Schicksal und begann, die Geschehnisse des Abends so zu verdrehen, dass Lucius seinen Malfoyschen Stolz bewahren konnte, ohne seinen Sohn zu bestrafen, wie man es sonst nicht einmal mit einem Hauselfen tun würde.
„Albus Dumbledore ist also tot?", forschte der blonde Mann weiter.
„Ja."
„Und hast du es getan, Draco?" Lucius drehte sich nicht einmal um, um seinen Sohn anzusehen.
„Nein", antwortete Severus, ehe Draco auch nur Luft holen konnte. „Ich war schneller da. Ich sah eine Chance. Ich habe es getan."
Der Kopf des Blonden flog herum. „Aber es war seine Aufgabe!"
„Ich weiß." Der Tränkemeister schaffte es, so gleichmütig zu klingen, als würden sie über ein verkochtes Dinner reden. „Hätte ich den Schulleiter auf dem Astronomieturm fesseln und knebeln und damit das Risiko inkauf nehmen sollen, dass irgendein Wink des Schicksals ihn doch wieder rettet?"
Lucius' Gesicht nahm die Farbe eines reifen Apfels an, während Narcissa ihren Arm um Dracos Schultern legte, nur um sofort wieder abgeschüttelt zu werden. Angespanntes Schweigen breitete sich über dem Knistern des Feuers aus, doch Severus hielt dem Blick seines ehemaligen Freundes mühelos stand. Er war immer der Stärkere von ihnen gewesen, obwohl er so viel jünger war.
„Er wird es nicht gutheißen", sagte Lucius schließlich und versuchte einen Anflug von Angst unter seiner Wut zu verbergen.
„Das ist mir durchaus bewusst. Doch früher oder später wird er sehen, dass es richtig war."
„Das ist es nicht, was ich bezweifle. Ich frage mich viel mehr, ob du das noch erleben wirst." Ein feines Lächeln glitt über Lucius' Gesicht, das einmal mehr deutlich machte, dass sie schon lange keine Freunde mehr waren.
Und weil er die Gastfreundschaft nicht überstrapazieren wollte, stand Severus auf, stellte sein Glas auf den Tisch und sah Narcissa an, während er sagte: „Vertrau mir, Lucius, ich werde selbst dich überleben." Er wusste nicht, woher er diese Sicherheit nahm, doch der Glaube an die Wahrheit hinter dieser Aussage war stark.
Schweigen war die Antwort und da niemand Anstalten machte, Severus nach draußen zu begleiten, ging er alleine und disapparierte, sobald er die Banne hinter sich gelassen hatte.
Das Anwesen seiner Eltern tauchte vor ihm auf wie ein schwarzer Hund, der träge in der Landschaft lag. Die Müdigkeit kroch in seinen Körper, während er die Rasenfläche bis zum Eingang zurücklegte. Die Erinnerungen an den Abend schlichen sich von hinten an ihn heran und mit dem Knallen der sich schließenden Tür fielen sie über ihn her.
Severus taumelte, bis er sich an einer Wand abstützen konnte. Dann glitt er daran zu Boden und lehnte schwer atmend den Kopf zurück.
