Kapitel 21

Gedanken

Du liegst neben mir.

Deine Hand ruht vor mir auf der Bettdecke.

So nahe.

Dein Gesicht ist das Schönste, was ich je gesehen habe. Selbst jetzt verschlägt es mir den Atem, dir in die Augen zu sehen. Sie sind grün. Und leuchten wie zwei Sterne, die aus dem Himmel gerissen wurden. Aber wenn ich in deine Augen blicke, dann sehe ich drei Paar grüne Augen.

Eines von ihnen verfolgt mich.

Ich habe Angst.

Nicht um mich, diese Angst habe ich schon lange verloren.

Um dich. In welchen Abgrund habe ich dich gezogen?

Du lächelst. Ganz so, als wärst du glücklich.

Und doch – ist es ein trauriges Lächeln. Ahnst du, was hinter meiner Stirn vorgeht? Siehst du die Angst in meinen Augen?

Ich versuche sie zu verbergen, aber ich weiß nicht, ob es mir gelingt. Wie schon so oft kann ich dir nicht sagen, was mich bewegt.

Ich kann es nicht in Worte fassen.

Das Glück, dich hier zu haben. Dich zu sehen. Dich zu berühren. Dein Atem in meinem Gesicht. Mein Spiegelbild in den Tiefen deiner so unglaublichen Augen zu sehen. Mich selbst im Spiegel zu sehen wie noch nie zuvor.

Der Drang, mich vorzubeugen, deine Lippen mit meinen zu berühren. Die Hand auszustrecken und dir die einzelnen verirrten Strähnen deines widerspenstigen Haars aus dem Gesicht zu streichen. Der süße Schmerz, es nicht tun zu können.

Die Angst, all das wieder zu verlieren.

Und die Gewissheit, dass es sein muss. Dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Ich würde dich gehen lassen, wenn du es wolltest.

Aber ich kann dich nicht noch einmal fortschicken. Mir fehlt die Kraft.

Dich aus meinem Denken, meinem Fühlen zu verbannen, hieße, mir den Dolch ins Herz zu stoßen. Zum zweiten Mal.

Ich war noch nie mutig. Allen Mut, den ich jemals hatte, habe ich durch dich bekommen. Durch euch. Aber jetzt ist dieser Mut aufgebraucht. Und ich bin leer.

Ich war unabhängig. Nie habe ich jemanden gebraucht. Ich war allein.

Was soll aus uns werden? Aus mir? Und vor allem: Aus dir? Ich weiß es nicht. Ich weiß gar nichts mehr.

Ich war allein. Du hast mir gezeigt, dass ich darunter leide.

Ich liebe dich.

Aber ich bin gefährlich, ich bringe anderen nur Leid – oder den Tod.

Ich verstehe dich nicht. Ich hätte es schaffen können. Es war dein Wille, wieder zu mir zu kommen.

Und bei mir zu bleiben.

Und jetzt liegst du neben mir.