Kapitel XX

Eigentlich wäre Leia von der Größe und Eleganz von Vaders Anwesen beeindruckt gewesen, wenn nicht alles schwarz gewesen wäre. Schwarze Wände, schwarze Möbel – sogar die Kristalle des Kronleuchters waren schwarze Diamanten. Es gab ein paar Kunstwerke, aber die Statuen waren aus schwarzem Marmor (was zum Boden und den Leisten an den Wänden passte) und die Gemälde waren in dunklen, niederdrückenden Farben gehalten. Aber alle Materialien und Stile waren klassisch und geschmackvoll, und Leia dachte, dass ihr ihre Zeit hier gefallen könnte – wenn es denn Farben gäbe.

Und natürlich, wenn sie frei wäre.

Ein kleiner Spatz von Dienstmädchen flitzte zu ihnen.

„Soll ich die Prinzessin in ihr Quartier bringen, Mylord?", fragte sie Vader. Ihre Augen waren weit aufgerissen, aber furchtlos.

„Ja", sagte Vader schlicht und trat beiseite, sodass Leia an ihm vorbeigehen und sich der Dienerin anschließen konnte, die sie die Treppen hoch führte.

„Ich bin Lanna", sagte das Mädchen, während sie Leia die Stufen hinauf führte. „Lord Vader hat mich zu Ihrer Bequemlichkeit eingestellt. Wenn Sie etwas brauchen, zögern Sie nicht, mich zu rufen, oder eines von den anderen Mädchen. Wir sind vier, die Ihnen zugeteilt sind", erklärte Lanna.

Sie schob eine Tür auf – sie war schwarz, wie auch die anderen. Die anderen drei Dienstmädchen waren in dem abgedunkelten Raum.

„Sera, Clary, Wyn, das ist die Prinzessin..."

„Bitte, nennt mich Leia", sagte sie, leicht verlegen wegen der Förmlichkeit.

„Wie Sie wünschen", erwiderte Lanna. „Clary, mach die Vorhänge auf. Ich glaube nicht, dass Leia die Dunkelheit so sehr mag wie Mylord."

Das Mädchen lachte und zog die Gardinen beiseite. Leia keuchte glücklich auf, als die Sonne herein schien und graue Wände beleuchtete, die doch eine Verbesserung zu all dem Schwarz darstellten, wenn sie schon nicht hell und fröhlich waren. Der Boden war immer noch aus kaltem Marmor, aber er war weiß und wurde nur von kleinen schwarzen Flüssen durchzogen. Das große Gemälde über dem wunderschönen marmornen Kamin war etwas farbenfroher als die anderen Bilder, die das Anwesen schmückten, und es war etwas heller. Es stellte eine Vase voller Blumen dar – wenn auch welkender –, anstatt stürmische Meere oder gefährlich aussehende Gewitterwolken.

Nach einer kurzen Führung und einer Beschreibung, wo sie sich im Anwesen aufhalten durfte und wo nicht, entließ Leia die Dienerinnen und trat hinaus auf den Balkon. Obwohl sie als eine Prinzessin aufgewachsen war, hatte sie noch niemals etwas so Aufwändiges und Teures gesehen. Es war eine Schande, dass das alles so einer schrecklichen Person gehörte.

Sie merkte, dass die Gärten sorgfältig gepflegt waren. Ein alter Mann, der sich über ein Blumenbeet gebückt hatte, richtete sich auf und fing ihren Blick auf, dann grinste er. Sie lächelte zögernd zurück. Wusste jeder in Vaders Personal, wer sie war? Wussten sie, warum sie hier war?

Leia seufzte und fragte sich unbehaglich, ob sie die Antwort zu dieser Frage nicht selber wusste.


Han schlenderte durch die Lobby der Akademie und setzte sich neben Piett, um auf ihren Termin beim Dekan zu warten. Er war nicht mehr hier gewesen, seit er beinahe rausgeschmissen und dann von Vader gerettet worden war.

Ich hab schon eine Weile nicht mehr mit Chewie geredet, wurde ihm klar, zumindest nicht mehr als eine kurze Hi-wie-geht's-und-tschüss-Unterhaltung.

„Captain Solo?", sagte die Empfangsdame und unterbrach damit seine Gedanken.

Han sah auf. „Jaah?"

„Der Dekan möchte Sie jetzt sprechen."

Han und Piett folgten ihr den kurzen Flur entlang zum Büro des Dekans. Der Dekan saß hinter seinem Schreibtisch, sah aber auf und begrüßte sie mit einem Lächeln. Die Empfangsdame schloss die Tür, als sie den Raum verließ.

„Admiral Piett, Captain Solo", sagte der Dekan und erhob sich. „Ihr Besuch ist mir eine Ehre. Ich habe gehört, dass Lord Vader ein paar neue Piloten braucht?"

„Ja", sagte Han und wünschte sich, der Mann würde mit dem Smalltalk aufhören.

Offenbar verstand der Dekan das, denn er reichte ihm sofort eine Liste mit Namen, Zimmernummern und Testergebnissen.

„Unsere zwanzig besten Leute", erklärte der Dekan. „Ich gehe davon aus, dass Sie jemand Passendes finden."

„Ich bin mir sicher, dass wir das tun." Han reichte Piett die Liste. „Gehen wir."


Leia lief in Vaders großem Anwesen herum und versuchte, ein Gefühl für das Haus zu bekommen. Es war spät, und wahrscheinlich sollte sie nicht wach und auf den Beinen sein, aber sie konnte nicht schlafen, obwohl sie seidene Bettwäsche hatte, die nach Sommer roch, und obwohl eine warme Brise Blumenduft aus dem Garten in ihr Zimmer wehte, und obwohl sie schlichtweg erschöpft war. Aber sie machte sich Sorgen, was ihr ihre Tage hier wohl bringen mochten – Vader verhielt sich untypisch, immerhin hinterließ er ihr Nachrichten in Schiffssteuerungen, gewährte ihr Zutritt zu einem Großteil seines Zuhauses und bewegte sich abseits seiner gewohnten Pfade, um ihr aus dem Weg zu gehen.

Obwohl... jetzt, da sie darüber nachdachte... dabei könnte es auch eher um seinen eigenen Seelenfrieden gehen als um ihren.

Das bereitete Leia Sorgen. Würde er sie wieder foltern? Warum gab er ihr dann ein riesiges, extragroßes Bett, vier Dienerinnen, die zu ihrer alleinigen Verfügung standen, und ein Zimmer mit einer fantastischen Aussucht auf den Garten? Warum bot er ihr ein aufwändiges Abendessen an und ließ sie im Haus herumstreifen, wie es ihr beliebte? Es ergab einfach keinen Sinn.

Sie machte sich auf den Weg in die Küche, nur um zu sehen, wie sie so war. Es war unwahrscheinlich, dass Vader dort überhaupt Zeit verbrachte – konnte er überhaupt essen? –, aber Leia wollte sie trotzdem sehen. Sie hatte gehört, dass man über den Zustand der Küche viel über eine Person erfahren konnte.

Die Küche war ganz in schwarz gehalten – was für eine Überraschung. Aber was sie nicht zu sehen erwartet hatte, war der Mann an der Anrichte, der sich ein Sandwich machte. Sie warf einen Blick auf die Uhr – was war nach Mitternacht, oder?

Dann nahm sie den Mann genauer in Augenschein und keuchte. War er überhaupt ein Mensch?

Er drehte sich um und sah sie an.

Ja, wurde ihr klar, er war ein Mensch, aber so schrecklich von Narben verunstaltet, dass sie dachte, sie sollte ihn lieber nicht ansehen, aus Furcht, ihn damit zu beleidigen – aber dass es ihn auch beleidigen würde, wenn sie wegsah. Sie entschied sich für den Mittelweg, biss sich mitleidig auf die Lippe und warf verstohlene Blicke auf ihn, wenn sie nicht gerade zu Boden sah.

„Prinzessin", grüßte er sie mit rauer Stimme, nicht lauter als ein Flüstern.

„Es tut mir Leid", sagte sie ungeschickt. „Ich wusste nicht, dass jemand hier ist."

„Offensichtlich."

Er klang amüsiert und irgendwie hörte er sich auch bekannt an, aber sie hatte ihn noch nie getroffen. Davon war sie überzeugt.

„Ich... äh... ich werde jetzt gehen", sagte sie hastig.

Wer war der Mann? Vader füllte seine Belegschaft mit hübschen Mädchen und kräftigen Männern – was machte dieser Mann hier?

„Habt Ihr keinen Hunger?", fragte er sanft und hob das, was eine Augenbraue gewesen wäre, hätte er denn Haar.

Leia schluckte.

„Nicht wirklich", erwiderte sie wahrheitsgemäß. „Ich wollte nur sehen, wie die Küche so ist."

„Man sagt, dass die Küche viel über eine Person aussagt."

„Das habe ich auch gehört."

„Versucht Ihr, herauszufinden, was Vader plant?"

Sie schluckte. „So was in der Art."

Er schnappte sein Sandwich und ein Glas Blauer Milch – Blaue Milch? Wer trinkt dieses Zeug auf Coruscant? Wo kriegt man das Zeug auf Coruscant überhaupt? – und rauschte an ihr vorbei. Sie trat zurück, als er an ihr vorbei ging. Sie hatte nicht bemerkt, dass er so groß war. Und sie merkte, dass er stark und muskulös war. Sie musste nur hinter die Narben sehen, um das zu merken.

„Viel Glück", rief er über die Schulter, und Ironie und Sarkasmus tönten in seiner heiseren Stimme.

Sie sah zu, wie er den Flur entlang ging und verschwand, dann machte sie sich auf den Rückweg zu ihrem eigenen Zimmer, wobei sie sich die geistige Notiz machte, eine der Dienerinnen nach dem mysteriösen Fremden zu fragen.


Luke riss die Augen auf, als er die funkelnde Landschaft von Coruscant sah – jetzt als Imperiales Zentrum bekannt. Wo sollte er landen? Und wie zur Hölle sollte er Leia finden?