Georgiana freute sich sehr, daß Elizabeth kam. Sie hatten ihr kleines Mißverständnis längst ausgeräumt und Georgie spürte instinktiv, wie nahe sich William und Elizabeth mittlerweile standen.
Elizabeth hatte auf eigenen Wunsch eines der Gästezimmer bezogen – es wäre ihr nie in den Sinn gekommen, in Williams Zimmer zu übernachten, wenn er nicht da war. Nachdem Elizabeth sich ein wenig eingerichtet hatte, trafen sich die jungen Frauen auf der Terrasse wieder, wo Mrs. Reynolds einige Sandwiches und Orangensaft bereitgestellt hatte. Georgiana hatte keine Neuigkeiten von ihrem Bruder.
„Ich bin so froh, daß Michelle bei ihm ist. Sie ist tough und hat jetzt sogar die kanadische Regierung angerufen, um zu intervenieren."
„Ich hoffe so sehr, daß er bald nach Hause kommt, Georgie. Glaubst du, es geht ihm gut?"
„Michelle ruft mich jeden Abend an. Man behandelt William äußerst zuvorkommend, aber solange der Fall nicht geklärt ist, darf er nicht ausreisen. Als ob er mit diesen Verbrechern unter einer Decke stecken würde! Wenn die beiden Kerle doch bloß bald gefaßt werden könnten…"
Mrs. Reynolds rief laut aus dem Wohnzimmer, daß Master William im Fernsehen war. Georgie und Elizabeth rannten zu ihr.
Es gab keine gravierenden Neuigkeiten. Von William war nur ein Foto eingeblendet und Michelle Weston gab gerade eine Erklärung ab, daß die kanadische Regierung eingeschaltet worden war und sie davon ausgingen, daß dieses unglückliche Mißverständnis bald ausgeräumt und Mr. Darcy nach Hause zurückkehren könnte.
Mehr als zu hoffen blieb auch Elizabeth und Georgiana nicht übrig. Sie lenkten sich ab indem sie die Pferde bewegten, ein paar Runden im Pool drehten, faul auf der Terrasse gammelten, lasen oder DVDs guckten. Immer wieder liefen sie ins Haus, wo der Fernseher mit dem Regionalprogramm Calgarys rund um die Uhr lief. Aber es gab vorerst keine Neuigkeiten. Georgiana teilte Michelle Weston in ihrem nächsten Telefonat mit, daß Elizabeth momentan bei ihr auf Pemberley sei und sie das ihrem Bruder ausrichten sollte. Diese Nachricht war äußerst beruhigend für William. Er wagte nicht darüber nachzudenken, ob Elizabeth auch dort bleiben würde, wenn er wieder zuhause war. Gott, wie er sie vermißte! Außerdem fürchtete er, daß die Presse bald über Georgie herfallen könnte. Pemberley war zwar gut gesichert, aber trotzdem ließ er über Michelle arrangieren, daß Georgie den Landsitz nur mit seinem persönlichen Fahrer in einer verdunkelten Limousine verlassen sollte. Er wollte endlich wieder nach Hause.
Elizabeth und Georgiana kamen sehr gut miteinander aus. Die gemeinsame Sorge um William schweißte sie fest zusammen und sie wurden sehr bald enge Freundinnen, fast Schwestern. Elizabeth stellte sich vor wie es wäre, mit William hier zu wohnen, sein Leben zu teilen. Schwierig, dachte sie. Es war nett, hier zu Gast zu sein, den Luxus zu genießen. Etwas anderes wäre es, hier richtig zu wohnen. Mrs. Elizabeth Darcy – Lizzy kicherte verschämt. Sie wußte, sie würde sich an einen solchen Lebensstil nicht leicht gewöhnen können. Williams gesellschaftliche Stellung, die Kreise, in denen er verkehrte, seine Herkunft, sein Vermögen – das war eine große Barriere für ein kleines Farmermädchen. Sie vermißte ihn sehr.
Elizabeth hatte gerade ihre zweite Woche auf Pemberley hinter sich, als zwei Ereignisse mit großer und sehr großer Tragweite über sie hereinbrachen. Georgie und Elizabeth hatten sich mit ein paar Sandwiches in das Fernsehzimmer zurückgezogen um die Nachrichten anzusehen. Seit fast vier Wochen war die Geschichte um William Darcy die Hauptnachricht in den regionalen und mittlerweile sogar landesweiten Nachrichten. Die kanadische Regierung hatte sich eingeschaltet und gefordert, ihn umgehend ausreisen zu lassen, aber auch das blieb ohne Erfolg.
An diesem Abend nun gab es endlich einmal gute Nachrichten: Der flüchtige Geschäftsführer von Darcy Pro Hockey war an der tschechisch-deutschen Grenze festgenommen und nach Prag in Untersuchungshaft gebracht worden. Nur wenige Minuten nach der Nachrichtensendung erhielt Georgie einen Anruf von Michelle Weston die ihr mitteilte, daß einer Ausreise fast nichts mehr im Wege stünde und William höchstwahrscheinlich in den nächsten Tagen nach Hause käme.
Die Mädchen waren natürlich überglücklich über diese Wendung. Georgie rannte in die Küche, griff eine gutgekühlte Flasche Champagner und feierte mit Elizabeth die gute Neuigkeit bis spät in die Nacht.
Elizabeth wurde am nächsten Morgen sehr früh von einer überaus bösen Welle der Übelkeit geweckt. Sie schaffte es gerade noch ins Bad, übergab sich und kroch ins Bett zurück, sich äußerst elend fühlend.
Dort fand sie Georgie gegen Mittag. Sie hatte sich gewundert, warum Elizabeth nicht zum Frühstück gekommen war und grinste, als sie die Freundin erblickte.
„Tststs…Liz, so ein bißchen Bizzelwasser haut dich schon um? Los, steh auf, du solltest was essen!"
Elizabeth schüttelte den Kopf.
„Soll ich dir was hochbringen?"
„Nein, danke. Ich fühle mich beschissen."
„Elizabeth Bennet, ich werde dir jetzt etwas zu essen bringen. Wie war das, Salzstangen und Cola bei nervösem Magen? Ich geh mal nachsehen."
Elizabeth wollte nichts essen. Sie wollte einfach nur ihre Ruhe. Als Georgie zurückkam mit einer Hühnerbrühe, Salzstangen und einer kalten Cola drehte sie sich um. „Bitte, nimm die Brühe weg, mir wird schlecht vom Geruch," flüsterte sie.
Georgie zog die Augenbrauen hoch, tat aber, wie ihr geheißen.
Elizabeth verbrachte den ganzen Tag im Bett. Georgie konnte sie überreden, immer wieder mal eine Kleinigkeit zu essen. Sie leistete ihr Gesellschaft, wenn sie wollte und ließ sie in Ruhe, wenn sie allein sein wollte. Elizabeth fühlte sich sehr seltsam. Sie hatte keine direkten Magenschmerzen und konnte nicht genau lokalisieren, woher die Übelkeit kam. Gegen abend ging es ihr wieder besser, aber sie blieb im Bett und las so lange, bis sie einschlief.
Am nächsten Morgen wurde sie schon wieder wach, weil ihr so schlecht war. Und wieder raste sie ins Bad. Langsam dämmerte ihr, daß der Champagner vielleicht doch nicht schuld an ihrer „Krankheit" war.
Georgie fand sie einige Stunden später tränenüberströmt auf ihrem Bett und erschrak zu Tode.
„Elizabeth, was ist los?" Sie eilte zum Bett und umarmte die Freundin mitleidig. „Ist dir immer noch übel?"
Elizabeth schniefte. „Ich hab mich schon wieder übergeben müssen, Georgie. Und wieder gleich nach dem Aufstehen."
Georgiana sah ihre Freundin besorgt an, bis ihr dämmerte, was sie damit meinte. Ein breites Lächeln überzog ihr Gesicht.
„Lizzy, du meinst…du bist…ich werde vielleicht Tante? Oh wie schön!"
Elizabeth sah sie ungläubig an. „Schön?"
Georgiana nickte. „Natürlich wäre das schön. William wird außer sich sein vor Freude!"
Elizabeth konnte die Aufregung und Freude Georgianas nicht nachvollziehen. Ihr war alles andere als fröhlich zumute – sie fühlte sich elend. Und sie bezweifelte sehr, daß William sich freuen würde. Er würde denken, sie hätte ihm mit Absicht ein Kind angehängt um an sein Vermögen heranzukommen. Wieder liefen ihr Tränen über die Wangen.
„Liz, mach nicht so ein betrübtes Gesicht! Du mußt gleich morgen einen Test machen. Sag mal, wie lange bist du überhaupt schon drüber?"
Elizabeth zuckte mit den Schultern. „Etwas über zwei Wochen."
„Was für Neuigkeiten! William kommt bald nach Hause und wird Vater!"
„Georgie, nenn mir einen Grund, warum er sich darüber freuen soll! Er wird denken, ich hätte es ihm mit Absicht angehängt und ich…"
„Elizabeth, hör auf! Bitte! Warum soll er das denken? Bist du eine Glücksjägerin, eine Goldgräberin? Bist du tatsächlich nur hinter seinem Vermögen her? Das kann ich kaum glauben. Du bist so ganz anders als die Frauen, mit denen er sonst Umgang hat. Ich kann mir nicht vorstellen, daß du so berechnend bist und dich bisher nur verstellt hast."
Elizabeth hatte den Blick abgewandt. „Nein, ich bin nicht hinter seinem Vermögen her. Ich liebe ihn, Georgie. Und ich will nicht daß er denkt, ich würde ihn zu etwas zwingen, was er vielleicht gar nicht will."
„Lizzy, ich bin überzeugt, er wird sehr, sehr glücklich darüber sein. Natürlich ist es zuerst eine Überraschung, aber ich weiß, daß er so froh ist, dich zu haben, und eine Familie wollte er schon immer haben, auch wenn diese Art der Familienplanung zugegebenermaßen ein wenig schnell geht."
Elizabeth war nicht überzeugt. Ihre Beziehung hatte gerade erst angefangen und da machte sie ihn schon zum Vater – welchem Mann würde das schon gefallen?
Und so vergingen zwei weitere Tage: Zuerst erhielt Elizabeth die ärztliche Bestätigung, tatsächlich schwanger zu sein, und kurze Zeit später bekam Georgie einen Anruf, daß ihr Bruder soeben Prag verlassen und auf dem Weg zurück nach Calgary war.
Georgiana hatte Elizabeth gebeten, auf Pemberley zu bleiben, bis ihr Bruder wieder hier war. Es war sein größter Wunsch, wie er ihr selbst mitgeteilt hatte. Elizabeth fügte sich. Einerseits konnte sie es kaum erwarten, ihn wiederzusehen, andererseits wäre sie gerne ans andere Ende der Welt geflohen.
William hatte darauf bestanden, daß Georgie nicht zum Flughafen kam um ihn abzuholen. Er würde – zusammen mit Michelle – eine kurze Pressekonferenz geben, aber dann sofort nach Pemberley fahren. Georgiana sollte unter keinen Umständen involviert werden. Darcy war schon immer äußerst ängstlich darauf bedacht gewesen, seine Schwester aus allem herauszuhalten. Durch seine eigene vierwöchige, fast tägliche Präsenz in den Nachrichten war er bekanntgeworden – wo vorher vielleicht sein Name in einigen Kreisen ein Begriff war, kannte man jetzt auch sein Gesicht. Flächendeckend.
Und da die Geschichte die Bewohner Kanadas (und insbesondere Calgarys) sehr bewegt und interessiert hatte, wollte man natürlich auch näheres über Mr. William Darcy erfahren. So ein junger, gutaussehender, reicher Junggeselle – das bot sicher einiges an interessanten Informationen!
Elizabeth und Georgie verfolgten die Pressekonferenz im Fernsehen und waren beide sehr erschrocken, wie müde, blaß und erschöpft William aussah. Er äußerte sich in kurzen Worten über die letzten vier Wochen, erlaubte dann einige Fragen und schließlich beendete die allgegenwärtige Michelle Weston die Pressekonferenz. Darcy konnte sich endlich auf den Weg nach Pemberley machen. Endlich nach Hause.
Etwa eine Stunde später fuhr die schwarze Limousine vor dem Landsitz vor. Georgiana und Mrs. Reynolds standen aufgeregt wartend vor dem Haupteingang, während Elizabeth im Haus geblieben war, durch ein Fenster aber alles nervös beobachtete.
Darcy und Michelle Weston stiegen aus. Nur wenige Sekunden später lag Georgiana ihrem Bruder in den Armen. Sie schluchzte und lachte gleichzeitig vor Erleichterung und wollte ihn nie, nie wieder loslassen.
„Heee…Süße, wenn du mich erdrückst, haben wir beide nicht viel davon!" lachte William und drückte sie noch einmal fest an sich, um sie dann liebevoll-besorgt anzuschauen.
„Geht es dir gut, Kleines?"
„Ja, mir geht es jetzt wieder sehr gut. Viel wichtiger ist, wie es dir geht? Du siehst so blaß aus!"
„Ich bin froh, wieder zuhause zu sein." Er drehte sich um zu Mrs. Reynolds, die leise hinzugetreten war. Auch sie wurde herzlich umarmt.
Michelle hüstelte diskret. „William, ich verabschiede mich jetzt. Laß dich von deiner Familie ein bißchen verwöhnen und erhol dich etwas. Und daß du mir morgen nicht ins Büro kommst, verstanden?" Sie drohte in gespieltem Ernst mit dem Finger.
Darcy umarmte sie herzlich. „Michelle, du weißt, du hast was gut bei mir. Und ich bestehe darauf, daß du erstmal Urlaub machst."
Michelle lächelte. „Natürlich. Später irgendwann. Machs gut, William."
William schüttelte seufzend den Kopf und gab ihr einen Kuß auf die Wange. „Und ich dachte immer, ich sei der Chef," grummelte er.
Michelle küßte ihn zurück, winkte Georgie und Mrs. Reynolds zu und stieg wieder in die Limousine.
Darcy war sehr enttäuscht, daß Elizabeth nicht da war, um ihn zu begrüßen. Elizabeth war schon halb draußen gewesen, als sie sah, wie er Michelle verabschiedete. Ihr Herz sank. Die beiden sahen so perfekt zusammen aus. Diese große, elegante, selbstbewußte Frau – einschüchternd, selbstsicher, verbindlich und einfach perfekt zu William passend. Sie kamen aus der gleichen gehobenen Schicht, sie bewegten sich in den gleichen Kreisen. Und was hatte sie, Elizabeth Bennet, Farmertochter, Landei und Bauerntrampel schon dagegen anzubieten? Vielleicht konnte sie ihn ein paar Wochen im Bett amüsieren und dann konnte er sich wieder seinesgleichen zuwenden oder sich ein anderes Vergnügungsobjekt suchen. Sie faßte den irrationalen und etwas albernen Entschluß, ihm niemals zu sagen, daß er Vater werden würde. Sie würde ihn höflich begrüßen und dann nach Hause fahren und damit raus aus seinem Leben.
Mit diesem Vorsatz trat sie zögernd vor die Tür und in William Darcys Blickwinkel. Zwei Sekunden später lag sie in seinen Armen und sah verblüfft die Tränen in seinen Augen.
„Wie kannst du mich so quälen, Liebling," flüsterte er und drückte sie so fest an sich, daß ihr fast die Luft wegblieb. „Ich dachte schon, du wärst nicht hier."
Ihre ‚guten' Vorsätze waren auf einen Schlag vergessen. Sie erwiderte seine Umarmung und seine Küsse und war nur noch glücklich, ihn wieder zu haben.
Mrs. Reynolds und Georgiana grinsten sich an und gingen ins Haus zurück, um die beiden Liebenden alleine zu lassen.
Nach etwa zehn Minuten gingen auch sie ins Haus. Darcy war zwar überaus erschöpft vom Flug, der Pressekonferenz und all dem, was heute und in letzter Zeit auf ihn eingestürzt war, aber er weigerte sich, Elizabeth auch nur für einen Moment loszulassen. Er hatte nicht die Absicht, sie jemals wieder loszulassen.
Mrs. Reynolds hatte für alle Erfrischungen und einige Sandwiches ins Wohnzimmer gebracht. Darcy trank genießerisch einen Kaffee – Guatemala Hochland Irish Cream – was sonst; und berichtete ein wenig von seinen „Abenteuern", aber viel lieber hätte er sich mit Elizabeth zurückgezogen. Georgiana bemerkte seine innerliche Unruhe und daß er – sogar im Beisein von ihr und Mrs. Reynolds! – Elizabeth keinen Augenblick losließ.
„William, du mußt schrecklich müde sein. Ich denke, du willst nichts weiter als eine erfrischende Dusche nehmen und dann ein bißchen schlafen, hab ich recht? Wir können später noch weiterreden, du mußt erstmal zur Ruhe kommen. Ich werde ein bißchen schwimmen gehen – bis später!"
Mrs. Reynolds nickte zustimmend und räumte die Tassen auf ein Tablett. „Master William, ich habe ein leichtes Abendessen vorbereitet, daß nur noch warmgemacht werden muß. Es steht im Kühlschrank. Ich bin dann drüben, falls sie mich brauchen."
„Danke, Mrs. Reynolds, machen sie ruhig für heute Schluß. Ich glaube nicht, daß man heute mit mir noch viel anfangen kann." Er lächelte müde.
„Ruhen sie sich gut aus, Master William. Bis morgen dann!"
Elizabeth war etwas unentschlossen stehengeblieben als Darcy sich ihr zuwandte. Er breitete stumm die Arme aus und sie trat zu ihm.
„Laß uns nach oben gehen," murmelte er.
Schweigend betraten sie sein Schlafzimmer. Elizabeth fühlte sich überhaupt nicht wohl in ihrer Haut. Sie wollte zwar bei ihm sein, aber nicht einfach so als Bettspielzeug zur Verfügung stehen, das nur darauf wartete, benutzt zu werden. Das hatte Darcy auch gar nicht im Sinn.
„Liebes, ich springe schnell unter die Dusche und bin in fünf Minuten wieder da. Bitte geh nicht weg, ja?"
Elizabeth nickte wortlos und blieb schließlich an einem der großen Fenster stehen, die einen grandiosen Blick auf die Rocky Mountains erlaubten. Wann soll ich es ihm sagen? fragte sie sich immer wieder und strich geistesabwesend über ihren Bauch. Wie wird er es aufnehmen?
Sie bemerkte gar nicht, daß William wieder ins Schlafzimmer gekommen war und sie nun liebevoll betrachtete, wie sie da so nachdenklich am Fenster stand und sich immer wieder über den Bauch strich. Für einen kurzen Moment kam ihm die Vorstellung in den Sinn, die sie mit einem wesentlich dickeren Bauch zeigte – als seine Frau mit seinem ungeborenen Kind.
Er trat zu ihr hin und legte ihr von hinten die Arme um den Bauch, was Elizabeth erschreckt zusammenzucken ließ.
„Ich bin so glücklich, daß du da bist, Liebes," murmelte er und zog sie an sich. Ihre Haare fielen offen über ihren Rücken und er vergrub sein Gesicht darin.
„Ich hab dich auch vermißt, William," flüsterte Elizabeth und Tränen traten ihr in die Augen. Sie mußte es ihm sagen, und zwar bald. Er würde sie anhören, sich abwenden, fragen, ob er tatsächlich der Vater sei, dann sehr kühl versichern, daß er für das Kleine selbstverständlich zahlen würde und sie schließlich elegant aus dem Haus und aus seinem Leben werfen.
„Du hast bisher kaum etwas gesagt, stimmt irgend etwas nicht?" fragte William besorgt. Er sah sie stirnrunzelnd an. Ihre Freude über seine Ankunft erschien ihm irgendwie nicht allzu ausgeprägt.
Elizabeth holte tief Luft. Ihre Hände zitterten. „Ich muß dir etwas sagen, William."
Er zog sie neben sich auf das große Bett, hielt ihre Hände in seinen und sah sie erwartungsvoll an.
„Ich…ich…" verdammt, ich schaff das einfach nicht! „Also ich packe schnell meine Sachen und dann fahr ich am besten nach Hause." Aaarrghh…Lizzy!
„Aber warum?" William schaute sie verwirrt und fast enttäuscht an.
Sie sah auf ihre Hände herab und gab keine Antwort.
„Elizabeth, was genau wolltest du mir sagen? Doch nicht bloß, daß du deine Sachen packen mußt. Was hast du auf dem Herzen?" Langsam machte er sich wirklich ernsthafte Sorgen.
Sie ertrug seine liebevolle Besorgnis nicht länger. Sobald sie ihm die Wahrheit gesagt hatte, würde sie seinen Zorn zu spüren bekommen und das würde ihr das Herz brechen.
„Daß ich meine Sachen packe und dann so schnell wie möglich aus deinem Leben verschwinde, bevor du mich selbst rauswirfst." flüsterte sie unter Tränen.
Darcy war entsetzt. Was redete sie da bloß?
„Und aus welchem Grund solltest du aus meinem Leben verschwinden?" Er bemühte sich um eine ruhige Stimme, auch wenn er innerlich total aufgelöst war. Was zum Teufel hatte sie bloß angestellt, daß sie glaubte, er würde sie rauswerfen? Das Familiensilber der Darcys bei Ebay verkauft?
Ok, es muß sein – brings endlich hinter dich, Elizabeth!
Noch einmal holte sie tief Luft. „Ich bin schwanger."
Da, es war raus.
William starrte sie ausdruckslos an. Seine Gedanken fuhren Achterbahn – es stürmte so viel auf ihn, diese drei Worte hatten ihn vollkommen in Aufruhr versetzt. Er wußte gar nicht, was er als erstes denken sollte. Aber der Grundgedanke war: ich bin der glücklichste Mensch der Welt.
Elizabeth schloß die Augen. Warum sagte er nichts? Warum sah er sie so komisch an? Los, frag schon, ob du wirklich der Vater bist, dachte sie verzweifelt. Dann kann ich endlich meine Sachen packen.
Das Schweigen wurde unerträglich und schließlich hielt es Elizabeth nicht mehr aus. Sie stand auf und murmelte etwas von „Sachen packen", was Darcy schließlich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholte und aus seinen Gedanken riß.
„Elizabeth, ist es wirklich wahr? Wir bekommen ein Baby?"
Sie nickte stumm und blickte sehnsuchtsvoll zur Tür. Nur raus hier!
William nahm ihre Hände in seine und zog sie wieder aufs Bett zurück. Sein Blick war weich geworden, gemischt mit einer Art faszinierter Ungläubigkeit. „Ich…ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich glaube, ich bin ziemlich überwältigt." brachte er schließlich heraus. Immer wieder schüttelte er ungläubig den Kopf.
Elizabeth wußte nicht, was sie sagen sollte. Er hielt ihre Hände weiterhin fest in seinen. Schließlich zog er sie an sich und als sie ihn anschaute, sah sie zu ihrem Erstaunen Tränen in seinen Augen.
„Ich gebe zu, das kommt alles etwas überraschend, aber du machst mich sehr, sehr glücklich," flüsterte er und hielt sie fest an sich gepreßt.
Elizabeths Anspannung fiel langsam ab. Er war nicht sauer? Er würde sie nicht heimschicken? Er freute sich?
Es fiel vorerst kein weiteres Wort mehr zwischen den beiden. William legte Elizabeth sanft, aber bestimmt aufs Bett und streichelte zärtlich ihren (natürlich jetzt noch flachen) Bauch. Ganz langsam begann er, sie und auch sich zwischen vielen Küssen und Streicheleinheiten vorsichtig auszuziehen. Elizabeth wehrte sich nicht. Normalerweise genügte es schon, wenn er sie einfach nur berührte und sie war Wachs in seinen Händen.
Oh ja, sie hatte ihn vermißt. Sehnsüchtig vermißt. Und er sagte, er sei glücklich! Sie spürte, wie sie langsam erregt wurde und begann, sich unter seinen Berührungen zu winden. Sie schlang ihre Beine um seine Hüften und wollte nur noch, daß er sie endlich nahm.
Aber das war nicht Williams Idee von Liebemachen heute. Er war immer noch müde und erschöpft und ließ es langsam angehen, auch wußte er nicht so recht, wieviel man einer Schwangeren in diesem Zustand zumuten konnte. Er kannte und schätzte Elizabeths Vorliebe für harte, leidenschaftliche Ritte, aber dazu war er beim besten Willen heute nicht in der Lage. Und ob das dem Baby nicht sogar schaden würde? Als sie es nicht mehr aushielt und ihn anflehte, endlich zu ihr zu kommen, schob er ihre Beine auseinander und drang langsam und vorsichtig in sie ein. Es dauerte auch nicht lange, bis er mit einem lauten Seufzer in ihr kam. Mittlerweile war er so müde und zufrieden, daß er am liebsten sofort eingeschlafen wäre, aber er konnte Elizabeth natürlich nicht unbefriedigt zurücklassen. Mit dem Kopf auf ihrem Bauch ruhend begann er, sie vorsichtig erst mit einem, dann mit mehreren Fingern zu verwöhnen. Glücklicherweise war auch Elizabeth so erregt, daß es nicht lange dauerte, bis sie kam. Williams Finger kamen zwischen ihren Beinen zur Ruhe und eine Minute später forderte die Anstrengung der letzten Wochen und Stunden ihren Tribut und er schlief ein – den Kopf immer noch auf ihrem Bauch liegend.
