Kapitel 21
Anmerkungen:
Irgendwie werdet ihr fauler im reviewen. Liegt das daran, dass ich zu schnell update oder mögt ihr die story nicht mehr?
Hm… diesmal will ich sehen, dass die 100er Marke überschritten wird! ;)
Viel Spaß und danke an die, die trotzdem einen Kommentar hinterlassen haben.
Hui- Buh: Nein, du bist nicht strange. Ich hoffe, dass du bei diesem Kapitel auch so standhaft bleiben kannst und nicht vor lauter Schmalz wegläufst! Nee, so schlimm wird's dann auch nicht. Ob das dicke Ende nun kommt, oder ausbleibt… hm mal sehen… hier ein Vorgeschmack und ich denke, deine Vermutungen sind nicht sooo falsch ;)
kaji-chan: Ja, Tonks.. in diesem Kapitel kommt sie war nicht vor aber sie wird auf jeden Fall noch eine Rolle spielen.
katraka: Ich hab ja schon über Mail was zu deiner Kritik gesagt…
Noyir: Ein paar deiner Fragen werden wohl beantwortet aber wirkliche Aufklärung gibt's erst im nächsten Kapitel ;)
Severus sah ihn nicht an.
„Ich weiß nicht. Alles, was ich weiß ist, dass ich es nicht verhindern kann."
Remus seufzte unglücklich. „Es ist nicht wegen dir. Du kannst nichts daran ändern… aber ich… ich muss immer daran denken… an… an IHN!"
Severus rieb sich mühevoll über die Augen. „Trotzdem… es ist sicherlich alles andere als angenehm… ich hab es doch mitbekommen… deine Schmerzen…"
‚Und meine Erregung?' Remus' Körper durchlief ein Schauer, als er daran dachte, wie sein Leib auf Severus' Überfall reagiert hatte. „Du, du hast wirklich alles miterlebt?"
Severus nickte langsam, doch Remus' Erregung, die war ihm entgangen. Viel zu sehr hatte er mit dem Zwiespalt in seinem eigenen Inneren zu kämpfen gehabt…
„Und nun hältst du mich bestimmt für pervers, oder?"
Severus glaubte, sich verhört zu haben. „WAS war das gerade?"
„Naja… in so einer Situation…"
„Wovon redest du bitte!"
Beide starrten sich an. „Wovon redest du denn?"
„Naja davon, dass ich gesehen hab, dass du Schmerzen hattest, dass dich die Erinnerung überrumpelt hat und dass ich trotzdem nichts dagegen tun konnte, weil selbst mein Geist scheinbar… krank ist."
Remus' Wangen nahmen einen leichten Rotschimmer an. „Das heißt, du hast es gar nicht bemerkt?"
„Was bemerkt?" Severus verschränkte die Arme und kam sich reichlich begriffsstutzig vor.
„Dass ich… uhm… nun ja… also bevor ich mich erinnert hab… uhm… nun… dass ich… dass es… nicht wirklich schlimm für mich war." Er hielt inne. „Im Gegenteil.", fügte er flüsternd hinzu.
Severus klappte die Kinnlade hinunter.
Er und Remus saßen einander gegenüber, nackt, auf dem Fußboden, starrten sich an und gestanden sich gerade, dass sie scharf aufeinander waren?
Er kniff die Augen zusammen und massierte sich die Schläfen.
„Das ist toll, wirklich wahnsinnig toll. Wir sind doch nicht mehr normal. Du hast Spaß daran, wenn man dich vergewaltigt und ich hab nun scheinbar auch meinen Geist an dich… äh… die Krankheit verloren." Severus musste über die Ironie der Situation bitter auflachen. Er kam sich vor wie in einer schlechten Komödie mit maßlos miesen Schauspielern in der Hauptrolle. Verglich man das Schreckensszenario, das noch vor wenigen Minuten in dieser Kammer abgelaufen war mit ihrer jetzigen, geradezu lächerlichen Konversation, konnte man gar nicht anders als sie beide für völlig verrückt halten.
Sie sahen sich an.
„Und was nun?", fragte Remus leise.
„Ich weiß nicht." Er musterte den Werwolf kritisch. „Bist du… schwul?"
Remus sah erschreckt aus. Schwul? Nein, das war er nicht. Zumindest hatte er das bisher immer geglaubt. Und nun? Nun saß er hier auf dem Boden eines Kerkerraumes von Hogwarts und musste sich damit abfinden, dass es ihn erregt hatte, Sex mit einem Mann zu haben… und noch dazu unfreiwillig… und noch dazu mit Severus Snape.
Er seufzte resigniert. „Ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich denken soll." Er sah auf und erwiderte den Blick aus nachtschwarzen Augen. „Was ist mit dir? Liegt das nur an der Krankheit oder…?"
Severus kniff seine Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Ja, und was war eigentlich mit ihm? Konnte er wirklich leugnen, dass auch sein Geist sich einem gewissen Gefallen nicht hatte entziehen können? Dass er seinen Körper ohne große Gegenwehr in die Arme der Krankheit gegeben hatte? Nein, nein das konnte er nicht! Aber musste er dies unbedingt Remus Lupin unter die Nase reiben?
„Was wird das hier? Ein Verhör?", erwiderte er ziemlich uncharmant.
Remus zog entrüstet die Augenbrauen nach oben. „Wenn ich mich recht erinnere, hast du damit angefangen! Und deine Antwort lässt für mich nur einen Schluss zu… du bist tatsächlich…"
„Und wenn es so wäre!", unterbrach ihn der Zaubertrankmeister. „Dann wäre das noch immer meine Sache!"
„Tja!" Remus wirkte nun ernsthaft beleidigt. „Blöd nur, dass das genauso mich betrifft! Wer ist denn derjenige, der dafür geradestehen muss! Ich ja wohl!"
Wieder herrschte Schweigen. Irgendwann stand Remus ungehalten auf, holte seinen Zauberstab, reparierte seine lädierte Kleidung und kleidete sich an.
Als er fertig war, saß Severus noch immer auf dem Fußboden. Remus musterte ihn kurz und wollte dann das Zimmer verlassen.
„Warte!"
Der Werwolf drehte sich überrascht um.
„Es tut mir leid."
Severus' Worte waren nicht mehr als ein heiseres Flüstern, nur ein leiser Luftzug, der von den kalten Steinwänden verschluckt wurde. Und dennoch trafen sie Remus bis mitten ins Herz. Er schaute in Severus' Augen und las darin, dass er es Ernst meinte.
Mit wenigen Schritten war er bei ihm, saß wieder am Boden und zog ihn fest in eine Umarmung.
Ehe beide eigentlich wussten, was mit ihnen geschah, pressten sich ihre Lippen fest aufeinander, drangen ihre Zungen in die Mundhöhlen des jeweils anderen, verloren sie sich in diesem endlos tiefen und bedeutungsvollen Kuss, ganz so, als hätte es nie eine Vergangenheit gegeben und als wäre eine Zukunft nach diesem Moment reine Illusion…
Azura Questine stand mitten in Dumbledores Büro und blickte einem Direktor ins Gesicht, dessen Augen einen entschlossenen Ausdruck angenommen hatten.
„Was ist denn noch?", fragte sie ein wenig ungehalten und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ich werde Sie nicht so einfach gehen lassen."
Er sprach nicht laut, nicht drohend, ja nicht einmal unhöflich, und doch jagte es der Ministeriumsbeamtin eine Gänsehaut über den Körper.
„Was wollen Sie damit ausdrücken, Professor?" Zu ihrer eigenen Verärgerung merkte sie, wie ihre Stimme zu zittern begann.
Dumbledore fixierte sie fest.
„Das bedeutet, dass ich es nicht zulassen werde, dass Sie weiterhin meine Lehrer, beziehungsweise Exlehrer und Freunde denunzieren oder gar verhaften."
Questine schluckte hart und erwiderte mit kratzigen Worten: „Nun, dies ist aber meine Arbeit und es tut mir Leid zu erfahren, dass gerade Sie, den ich immer als einen fairen und vernünftigen Mann erleben durfte, auf diese Weise das Gesetz zu umgehen versucht. Ich muss Ihnen allerdings sagen, dass Ihnen das nicht gelingen wird. Guten Tag.
Die Schwarzhaarige drehte sich um und hatte die Hand bereits an der Türklinke, als sie herumgerissen wurde. Sie hing in der Luft, die Füße wenige Zentimeter über dem Boden und ihre weit aufgerissenen Augen hingen an Dumbledore, der mit gehobenem Zauberstab vor ihr stand und in dessen Blick beinahe Bedauern lag.
„Mir tut es ebenfalls leid, doch manchmal macht das Gesetz einen gewaltigen Fehler. Ich werde Ihnen jetzt etwas erzählen. Hören Sie gut zu, denn ich wiederhole mich nicht."
Er ließ die Beamtin wieder auf den Boden zurücksinken und fixierte sie. Questine blinzelte kurz: „Nun, da bin ich aber gespannt."
Durch ihre Verblüffung war es ihr nicht einmal möglich, sich zur Wehr zu setzen.
„Sie haben Nachforschungen angestellt über Remus Lupin und Severus Snape. Einer war ein Todesser, der andere ist ein Werwolf, dessen Verwandlungen, wie ich zu meinem Bedauern leider sagen muss, außer Kontrolle geraten sind. Ja, es ist nicht vorhersehbar, wann und unter welchen Umständen, der Wolf in ihm die Überhand gewinnt und ihn zu seinem Werkzeug macht. Ähnlich war es auch in der Mordnacht. Allerdings… trifft die Bezeichnung „Mord" meiner Ansicht nach nicht zu, denn was geschehen ist, war ein tragischer Unfall. Wie sie richtig vermuten, war es Remus Lupins Werwolfsform, die den jungen Pitch getötet hat."
Questine zog scharf die Luft ein. Ein Gefühl des Triumphes und der Genugtuung machte sich in ihr breit. Sie hatte es gewusst! Sie hatte es von Anfang an gewusst! Und dass er, Dumbledore sich dies eingestand, war mehr als sie je erhofft hatte. Ein dämonisches Grinsen legte sich auf ihre Lippen und sie wollte etwas sagen, als Dumbledore ihr mit vorgehaltener Hand Einhalt gebot.
„Bitte unterbrechen Sie mich jetzt nicht! Wie Sie sicherlich wissen, bin ich ein Mensch, der immer das Gute in Anderen sieht. Dies mag oftmals naiv sein, doch in diesem Falle ist es die richtige Entscheidung. Ich werde nicht zulassen, dass Sie ihn nach Askaban bringen, für eine Tat, die er bei vollem Bewusstsein nicht nur nicht begangen, sondern außerdem noch scharf verurteilt hätte. Dieser Mann hat genug mit seinen Schuldvorwürfen zu kämpfen, man muss ihm nicht noch eine solch schwere – und ungerechtfertigte – Last aufbürden."
Dumbledore brach ab und blickte Questine abwartend an.
Diese schien sich der Tragweite der Worte des Direktors gerade vollends bewusst zu werden und fand gleichzeitig ihre Selbstkontrolle und Hartnäckigkeit wieder.
Sie verschränkte die Arme vor der Brust und ihre Mundwinkel verzogen sich spöttisch.
„Nun, Professor.", sie spie den Titel förmlich aus. „Ich kann und werde nicht zulassen, dass Geschöpfe wie Mr. Lupin frei herumlaufen und die Zaubererwelt tyrannisieren. Können Sie mir garantieren, dass es kein nächsten Opfer gibt?"
„Ja, das kann ich. Professor Snape arbeitet an einem Gegenmittel und ich bin sicher, mit seinem Talent und Durchhaltevermögen wird das Ergebnis nicht mehr lange aus sich warten lassen."
„Professor Snape, ja? Der Todesser? Nun, es tut mir sehr Leid." Doch ihre Miene drückte alles andere als Bedauern aus.
„Aber ich werde meine Arbeit gewissenhaft erledigen. Sie werden sowohl auf ihren Lehrer verzichten müssen als auch damit leben, dass das Gesetz nicht mit Menschfreundlichkeit alleine klarkommen kann. Es muss auf die Sicherheit aller achten, daher ist Askaban die einzig mögliche Konsequenz. Sollten Sie sich weigern, mir den Aufenthaltsort der beiden zu verraten, wird das nicht nur Folgen für Sie haben, nein ich werde auch auf der Stelle nach ihnen fahnden lassen."
Sie machte eine bedeutungsschwangere Pause und fragte sich, warum Dumbledore keinen Muskel verzog und sie noch immer aus seinen ruhigen Augen heraus ansah.
Der Direktor strich sich mit der Hand über den Bart.
„Miss Questine, ich muss leider sagen, dass ich diese Reaktion von Ihnen erwartet hatte. Sie sind eine gute Beamtin, zweifelsohne. Sie sind fleißig, intelligent und scheuen weder vor Autoritäten noch vor scheinbar unlösbaren Fällen zurück. Dennoch fehlt Ihnen etwas ganz Entscheidendes: Mitgefühl. Erst, wenn Sie lernen, dass man die gesamte Bandbreite der Menschheit nicht in ein paar Paragraphen einfangen kann, können Sie wirklich zu mentaler Reife und Größe gelangen."
„Hören Sie auf zu reden, Professor. Mein Entschluss steht fest."
„Schade, dass zu hören. Nun, mein Entschluss steht ebenfalls fest. Sie werden Remus nicht mitnehmen."
„Und was wollen Sie bitte dagegen unternehmen?"
Sie zuckte die Achseln, grinste und drehte sich zur Tür um.
„Das werden Sie gleich sehen."
Erneut wurde die Beamtin daran gehindert, das Zimmer zu verlassen. Sie wandte sich um und das letzte, was sie sah, war ein auf sie gerichteter Zauberstab, ehe sie in tiefer Dunkelheit versank…
Irgendwann, nach wenigen Minuten oder vielleicht tausenden von unbedeutenden Jahren lösten sich Remus und Severus aus ihrem Kuss.
Remus blickte in Severus' leicht glasige, schwarze Augen und wusste weder, warum er diesen Weg gegangen war noch ob er je zurück konnte. Alles, was ihm klar war, war, dass es die richtige Entscheidung gewesen war.
Severus kam sich vor, als stünde er neben sich, betrachte die Welt von oben. Und doch, doch fühlte er mit deutlicher Intensität die Präsenz von Remus und seinen unglaublich weichen Lippen.
„Was passiert hier?", hörte er einen Mund sagen, von dem er nicht wusste, dass er ihm gehörte.
„Ich weiß nicht.", drang eine Stimme an sein Ohr, die von solcher Wärme und Geborgenheit geprägt war, dass er sich fragte, wie er ohne diese Stimme überhaupt hatte leben können.
„Was bedeutet dies? Für dich, für mich? Für uns?", sprach diese Stimme weiter und Severus' nahm ihren Besitzer wahr und versank fast in halb geschlossenen, braunen Augen.
„Egal, was es bedeutet. Bleib bei mir." Ja, das war es doch, oder nicht? Gleichgültig! Alles war gleichgültig, solange Remus da war. Egal ihre Vergangenheit, egal seine Krankheit, egal Remus' Verwandlungen. Wichtig nur das Jetzt und Hier.
„Das ist es, ja…", flüsterte Remus und ließ sich gegen Severus' Brust sinken. Er hörte dessen Herz unregelmäßig schlagen und er dankte Gott, dem Zufall und allem, dem man noch danken konnte, dafür, dass Severus' von dieser Krankheit befallen worden war…
So surreal, so losgelöst dir ein Moment auch erscheinen kann, irgendwann kommt immer der Punkt, an dem du feststellst, dass es eine Welt gibt, die sich um dein Glück nicht schert, die weiterlebt, auch wenn du dir wünschst, dass die Zeit stehen bleibt.
Genauso ging es Remus und Severus.
Irgendwann fanden auch sie in die Realität zurück. Severus kleidete sich an, sie setzten sich einander gegenüber in die Sessel und lauschten dem Prasseln des Kaminfeuers.
Beide wussten nicht recht, wie diese plötzliche Wandlung hatte vonstatten gehen können, doch der fahle Nachgeschmack, der auf emotionale Momente oft folgt, der blieb aus. Es waren keine großen Worte nötig, beiden war die Tragweite dessen, was soeben geschehen war, durchaus bewusst. Sie wussten, dass ihr Leben fortan nicht mehr dasselbe sein würde, dass es keinen Weg zurück und auch kein Halt mehr gab.
Remus nahm Severus' Hand in seine eigene und lächelte ihm zu. „Immerhin musst du dir nun keine Gedanken mehr wegen der Krankheit machen, stimmts?"
Severus sah ihn an und nickte mit einem befreiten Lächeln, das so zuvor von noch niemandem gesehen worden war.
Sie würden Zeit brauchen. Zeit, um überhaupt zu begreifen, wie die Zukunft aussehen würde. Zeit, um die Vergangenheit ruhen zulassen, Zeit, um neu anzufangen.
Doch… sollte ihnen diese Zeit zustehen?
TJaaaaaa…. Lebt ihr noch oder seid ihr in der Schnulze ertrunken?
Ich habe an dieser Stelle das Kapitel beendet. Vermutlich folgen nur noch ein oder zwei, aber diese Stelle wollte ich damit abgeschlossen sehen, auch wenn es dadurch etwas kurz war, ich mache hier ja schließlich keinen Längenwettbewerb ;)
Bitte schreibt mir eure Meinung über diese, doch recht schnelle und plötzliche Wendung. Ist sie wenigstens halbwegs glaubhaft?
Katze
