Kapitel 21

~ Dezember ~

Es war Harry, der sie unverhohlen betrachtete. Ronald machte keinen Hehl mehr daraus, zu ignorieren, dass sie überhaupt existierte. Sie hatte Ron schon lange nicht mehr gesehen, fiel ihr dumpf auf. Sie starrte in die Flammen des Gemeinschaftsraums und hatte noch keine Kraft gehabt, sich umzuziehen. Ihr Blick war leer nach vorne gerichtet, und in ihrem Kopf durchlebte sie die grauenvollen letzten Stunden.

Während alle anderen wieder einmal gemütlich durch die winterlichen Straßen von Hogsmeade hatten bummeln dürfen, war sie mit Pansy beim Kurs der Rose and Crown Gesellschaft gewesen. Dort, wo sie seit acht Wochen, jeden Samstag war.

Für vier Stunden. Um… zu lernen.

„Und?", fragte Harry, nicht ohne ein gewisses Maß an Gehässigkeit, wie ihr auffiel. „Ist dir der Hauselfen-Schmorbraten auch gut gelungen?", erkundigte er sich schließlich, während seine Mundwinkel zuckten.

Langsam sah sie ihn an. Ihre Haare mussten abscheulich aussehen. Ihren Blazer hatte sie sich leider verkokelt, nachdem es ihr wieder einmal nicht gelungen war, den verdammten Fasan zu garen, und sie mit beiden – magisch geschützten – Händen die Form aus dem Ofen hatte ziehen müssen, während ihre Kartoffeln verkocht waren und das Grünheidengemüse angefangen hatte, auszuschlagen – denn magisches Gemüse besaß die lästige Eigenart zu knollen und zu sprießen, wenn es nicht nach fünf Minuten aus dem Topf genommen wurde.

Es hatte ihre Soßen umgestoßen, dadurch hatte sie die Form mit dem Fasan fallen gelassen – auf ihre Schuhe – weshalb ihre Füße nun hässliche Brandblasen besaßen, die zwar bereits vor Ort behandelt worden waren – aber das machte es nicht besser!

Ihr Nachtisch war von ihrer Lehrerin als ungenießbar und aller Wahrscheinlichkeit nach giftig gebrandmarkt worden, während Pansy ein goldenes Reinblüter-Sternchen nach dem anderen bekam.

Sie verzog bitter den Mund, während sie langsam den Blick zu Harrys Gesicht wandte.

Denn es gab weitere Dinge, die sie nicht bedacht hatte.

Sie musste kochen. Nicht nur das. Sie musste hervorragend kochen.

Nicht, dass die Elfen im Haus sie nicht von hinten bis vorne bedienen würden, nein. Das war unerheblich, denn es galt, die Schwiegereltern mit Kochkünsten zu beeindrucken, selbst wenn man sie so gut wie niemals zum Einsatz bringen würde.

Sie besuchte die Benimm-Schule der Reichen und Bekloppten jeden zweiten Sonntag, und ihr wacher Geist war mittlerweile so sehr abgestumpft, dass sie sich nicht mal mehr beschwerte.

Sie hatte beide ihre Schuluniformen zerstört – bereits mehrfach – und auch diesen Samstag durften die Hauselfen wieder einmal ihre Sachen flicken. Zwar sollte Hermine mittlerweile die hohen Künste der Näh-, Stick- und Wollmagie beherrschen, aber… sie war einfach unbegabt. Und vollkommen desinteressiert daran, irgendwelche Deckchen, Söckchen, Spitzen oder Gardinen zu nähen!

„Du hast Ruß im Gesicht", bemerkte Harry mit einem Kopfnicken beflissen, und ihr Ausdruck wurde noch finsterer.

„Danke, Harry", brachte sie mit einem Knurren hervor. Er vertiefte sich wieder in seinen Quidditch-Artikel, als hätte er besonders viel Spaß an ihrem Leid.

„Und?", fuhr er unverfänglich fort. „Noch immer in Malfoy verliebt?"

Er fragte es jedes Mal, wenn sie so wieder kam. Sie hasste Malfoy. Aber mit ihm hatte sie seit über einem Monat nicht mehr gesprochen. Seit dem Fiasko, was Pansy und Blaise organisiert hatten, hatte sie auch deutlich weniger Kontakt mit Pansy. Allerdings merkte es Pansy nicht einmal!

Nein, Pansy hatte wohl das Gefühl gewonnen, dass sie und Hermine mittlerweile die besten Freundinnen geworden waren. Zwar gab es von Hermines Seite aus dafür keine Anzeichen, aber das war Pansy herrlich egal.

Pansy heiratete im Frühling, und deshalb besuchte sie mit Hermine den Kurs. Aber Hermine hatte schon festgestellt, Pansy erledigte die Arbeiten gewissenhafter, anmutiger und dankbarer als Hermine es tat. Pansy liebte es, sich auf die Ehe vorzubereiten.

Hermine konnte nicht erwarten, wenn alles wieder vorbei wäre!

„Ich gehe mich umziehen", ließ Hermine Harrys Frage im Raum stehen, und erhob sich abwesend von der Couch, wo sie sich hatte aufwärmen müssen.

Sie erreichte die Treppe zu den Schlafsälen, und Ron kam ihr entgegen. Es war immer unangenehm. Es war nie einfach.

Er betrachtete kurz ihre Erscheinung, während sie sich gar keine Mühe mehr gab, ihn anzusehen, ihn anzusprechen, oder sonst irgendein Zeichen zu senden, dass sie mit hm befreundet sein wollte.

Ihr Herz schlug immer noch schnell bei seinem Anblick, und alles in ihrem Innern schmerzte zu sehr, als dass sie es in Worte fassen konnte. Er hatte sich fertig gemacht für die Patrouille, und sie wusste nicht, ob Pansy ihn manchmal auf sie ansprach, aber sie war sich sicher, er sprach nie von ihr.

Sie erwiderte seinen Blick, aber er schien sich wieder daran zu erinnern, dass er sie nicht leiden konnte.

Schweigend ließ er sie stehen, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Seufzend ging sie nach oben.

Sie war so unendlich müde. Sie war so kaputt und absolut nicht mehr in der Lage, überhaupt noch einen klaren Gedanken zu fassen. Es kam ihr alles vor eine Strafe, und sie wusste schon nicht mehr, weshalb sie sich hatte hinreißen lassen, so etwas Bescheuertes zu tun!

Sie heiratete nicht nur das Arschloch – nein! Sie musste auch noch für ihn kochen und Socken stopfen!

Ohne sich umzuziehen ließ sie sich auf das Bett fallen, denn morgen musste sie schon wieder runter ins Dorf. Den Unterricht der jungen Damen der Gesellschaft besuchen, wie er sich schimpfte.

Sie wollte keine junge Dame der Gesellschaft sein!

Sie war Hermine Granger. Und sie sollte nicht so viele Strafen durchleben müssen, dafür dass sie alle Reinblüter in Zukunft vor diesem Horror der Zwänge bewahren würde! Sie sollten ihr frei geben, dafür, dass sie so großzügig war!

Aber nein… das schien nicht zu funktionieren.

Und sie hatte keine Ahnung, wie Narzissa es geschafft hatte, es schmackhaft klingen zu lassen. Wahrscheinlich gelang es Narzissa mit Leichtigkeit, alle furchtbaren Dinge in schöne Dinge zu verwandeln. Hermine war verzweifelt, und sie konnte es niemandem sagen.

Sie war auf ihr Bett gesunken, vergrub den Kopf in den Händen, und zog die Beine näher an ihren Körper. Ach, wäre es doch vorbei! Hätte sie doch nur nie damit angefangen!

„Alles ok?"

Es war Ginny.

Hermine schreckte aus ihrer mitledigen Pose und war froh, nicht auch noch zu weinen. Sie versuchte wieder Ruhe in ihre Züge zu bringen, richtete ihre Haare, so gut es ging, und Ginny sah sie fragend an.

„Jaah", murmelte Hermine müde. „Alles gut", log sie erschöpft.

„Mhm, so siehst du auch aus", kommentierte Ginny ihre Erscheinung. „Der Kurs lief nicht gut?"

„Ich kann nicht kochen", fasste Hermine ihre achtwöchige Hölle in einem Satz zusammen. „Und morgen muss ich in der Benimm-Schule tanzen", flüsterte sie kopfschüttelnd.

„Ich glaube, so heißt es nicht", korrigierte Ginny sie sanft, während sie sich neben sie setzt. Sie strich mitfühlend über den Rücken.

„Es ist nicht mehr lange." Und vielleicht klang das in Ginnys Ohren tröstlich, aber Hermine fand sogar die furchtbaren Kurse besser als die Idee Mrs Malfoy zu werden. Es jagte Schauer über ihren Rücken. „Wie hältst du es eigentlich aus?", erkundigte sich Ginny jetzt, mit einem neugierigen Funkeln in den Augen.

Hermine runzelte die Stirn, aber ein inneres Gefühl sagte ihr, sie müsse wissen, wovon Ginny sprach.

„Na ja… ihn so lange nicht… zu sehen", gab Ginny ihr zwinkernd einen Denkanstoß.

Und Hermine wollte sagen, sie sah ihn ja ab und an.

Jeden Morgen, wenn er aufstand. Beim Frühstück, während des Unterrichts, wenn er Training hatte, zu dem sie nur ging, um ihn zu sehen – einfach länger zu sehen, denn es war so schwer, es nicht zu tun.

Sie wollte sagen, dass sie ihn beobachtete, wann immer sie konnte und dass sie versuchte, wieder eine gewisse Nähe aufzubauen, irgendwie versuchte, seine Vergebung zu erhalten, aber dass sie noch mehr Zeit brauchte.

Aber die ehrlich Antwort war: Sie hielt es nicht aus, ihn nicht zu sehen. Es war unerträglich.

Und gleichzeitig wusste sie, dass Ginny an jemand ganz anderen dachte.

Kurz spürte Hermine die Tränen in den Augen. Aber sie hatte die Chance, Ginny zu täuschen. Ihr vorzumachen, ihre Tränen galten Malfoy. Denn Malfoy sollte es ja sein, den sie nicht sehen konnte, weil sie sich so hanebüchenen Unsinn aus den Fingern gesogen hatte, dass sie und Malfoy es traditionell angehen wollten.

Dabei hatte er längst aufgehört, irgendetwas in Frage zu stellen.

Und sie dachte nicht an ihn. So gut wie nie.

Und sie wusste, es würde sich ändern. So furchtbar der Kurs auch war, sie machte ihn lieber als in Malfoys Nähe zu sein.

Alles, woran sie dachte, war Ron. Alles.

Also tat sie so, als wären es Tränen für Malfoy, und sie wischte sich über die Augen.

„Die Hochzeit ist ja schon bald, dann hat das Warten ein Ende", fasste sie ihren schlimmsten Horror in sehnsüchtige Worte. Ginny lächelte.

„Du hast mir nie erzählt, ob in der Nacht noch mehr passiert ist?", versuchte Ginny sie zu locken. Hermine wusste, von welcher Nacht sie sprach. Und sie wäre rot geworden, wäre es nicht absurd.

„Nein", sagte sie kopfschüttelnd. „Wir sind… traditionell." Ja, traditionelle Feinde, dachte Hermine fast bitter.

„Gar nichts? Absolut gar nichts?"

Hermine wusste, sie durfte sich nicht einmal über diese Nacht aufregen, denn, wie seltsam würde das wohl klingen? Es war zum Verrücktwerden!

„Na ja, wir…" Sie wusste nicht, ob es wichtig war oder nicht, wenn sie die Wahrheit sagte, bezüglich des Kusses. Daran war nichts schlimmes, bedachte man, dass sie und Malfoy verlobt waren. Bedachte man jedoch, dass sie rein gar nicht an ihm interessiert war, dann… war dieser Kuss nicht ganz unbedenklich….

Sie hatte einige Male darüber nachgedacht, seit dem es passiert war.

Dieses… Gefühl. Aber sie schrieb es einfach der Tatsache zu, dass sie nicht erfahren in solchen Dingen war, und sich wahrscheinlich jeder Kuss mit jedem anderen Mann genauso angefühlt hätte.

Sie hatte wenige Vergleiche.

„Wir haben uns geküsst, aber mehr auch nicht", räumte Hermine mit einer wegwerfenden Handbewegung ein. Ginny schien daran nicht mal etwas Verwerfliches zu finden. Es gab Hermine zu bedenken, wie gut sie schauspielern konnte.

„Und?"

Hermine hatte diese Frage befürchtet.

„Und was?", wiederholte sie gespielt ahnungslos. Ginny verdrehte die Augen.

„Und, wie ist er so?", hakte sie grinsend nach. „Also… was man so hört-"

„-Ginny!" Hermine hätte sich gerne selber applaudiert, denn Ginny sah betreten zu Boden. Eigentlich hatte Hermine sie mit dem Hintergrund maßregeln wollen, dass es ihr unangenehm war, mehr über Malfoys Fähigkeiten zu erfahren, aber andererseits kam es Ginny nun reichlich unhöflich vor, vor Hermine Geschichten über Malfoys Eskapaden auszubreiten.

Es war ein Win-Win, dachte Hermine zufrieden.

„Es tut mir leid! Ich meinte natürlich nicht, dass-"

„-er ist ein Playboy", schloss Hermine, und würzte ihre Stimme mit der richtigen Prise Eifersucht. „Aber ich treibe es ihm schon aus", ergänzte sie siegessicher. Ginny wirkte erleichtert, dass Hermine nicht sauer geworden war.

„Wenn nicht du, wer dann?", wollte Ginny mit einem anerkennenden Nicken wissen.

Hermine hasste es, über ihn zu reden, als würde sie auch nur ein positives Gefühl mit ihm verbinden. Sie verband nichts mit ihm. Vielleicht höchstens ihre schlechte Laune und die Ungeduld, dass es endlich vorbei sein sollte!

Sie war nicht faul. Das war sie wirklich nicht. Und Pansy fand Hermine so undankbar!

Sie ging hier wirklich über ihre Kompetenzen hinaus.

„Und warum nicht?", fragte Pansy ihn erneut, während sie durch die leeren Gänge des Schlosses patrouillierten. Er funkelte sie zornig an.

„Könntest du nicht mit mir sprechen? Danke", knurrte er und wandte den Blick wieder nach vorne. Pansy wurde wahnsinnig mit ihm.

„Er kann nicht kommen. Er ist… krank", log sie einfach, denn sie wollte Weasley nicht sagen, dass Draco einfach nur – unter keinen Umständen der Welt – morgen mitkommen würde.

„Parkinson, hör auf damit!" Er war nahe dran, die Kontenance zu verlieren.

„Du bist Reinblüter! Nur Reinblüter drüfen in den Club!", rief sie zornig aus, als er schnellere Schritte machte und sie ihn wieder einholen musste.

„Merlin, es reicht!", fuhr er sie an.

„Weasley, ich finde, es ist deine Pflicht als-"

„-als was?", unterbrach er sie plötzlich scharf, während er stehen blieb.

„Als Hermines Freund!", endete sie erbarmungslos.

„Scheinbar hat dich die Neuigkeit nicht erreicht, aber wir sind keine Freunde mehr!", informierte er sie sauer.

„Unsinn!", widersprach sie ihm einfach. „Du bist eifersüchtig, schön. Wir haben's begriffen, Weasley!", rief sie aus. „Aber komm drüber weg, verhalte dich nicht wie ein Arsch und tu ihr diesen Gefallen, Merlin noch mal!"

Er starrte sie an. „Ich bin nicht eifersüchtig, Gott, Parkinson!", knurrte er und wandte sich wieder um.

„Wie beleidigt kann ein Mensch eigentlich sein, Weasley?" Sie folgte ihm wieder. Er schüttelte stur den Kopf, während er weiter ging. „Du bist wie ein Mädchen. Selbst deine Schwester ist nicht mehr wütend."

„Du verstehst es nicht. Jetzt lass mich in Ruhe!"

„Dann liegt es daran, dass du zwei linke Füße hast und dich bewegst wie ein Troll bei hohem Seegang?", vermutete sie nun, und er hielt wieder inne. Zorn tobte in seinen blauen Augen.

„Ok, noch einmal zum Mitschreiben für dich, Parkinson", begann er gefährlich ruhig, „ich werde nicht zu eurem beschissenen Tanzkurs für dumme Reinblüter kommen, nur um Hermine auszuhelfen, weil ihr Arschloch von Ehemann keinen Bock hat, sich zu kümmern! Weil er sie ausnutzt, weiß Gott wofür, und weil ich nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte!"

„Also, noch ist er ihr Verlobter", korrigierte sie ihn gereizt, „dann ist er kein Arschloch", ergänzte sie kopfschüttelnd, „und du bist einfach nur kindisch!", schloss sie böse.

Er sah sie an, kurz vorm Explodieren.

„Nein!", wiederholte er so laut, dass die Menschen in den Portraits zusammenzuckten.

„Warum nicht?", fragte sie ihn wieder, bereit, all seinen Zorn in Kauf zu nehmen. „Ich kann dir tanzen beibringen!", versprach sie. „Selbst ein Weasley könnte es lernen", wog sie ab, und er atmete zornig aus.

„Lass mich in Ruhe mit dieser Scheiße!", rief er. „Nerv irgendwen anders! Ich bin nicht der einzige Reinblüter in dieser Schule, und nebenbei – Hermine ist eine Muggel. Wieso darf sie in eurem bescheuerten Club tanzen? Dann müsste ja-" Aber Pansy unterbrach ihn, denn es war so absurd, dass er es in Frage stellte.

„Sie heiratet Draco Malfoy", erklärte sie, als wäre es selbsterklärend – was es auch war!

Weasley sah sie mit säuerlichem Ausdruck an. „Sie wird damit die führende junge Dame unserer Gesellschaft sein. Was die größte Ehre für den Club sein wird. Sie ist einfach perfekt", seufzte Pansy kopfschüttelnd. Und zum ersten Mal trat ein weicher Zug auf Weasleys zorniges Gesicht. „Und wen soll ich fragen? Ich gehe mit Blaise. Soll ich Goyle fragen? Oder irgendeinen anderen Slytherin? Wie sähe das bitteschön aus?"

Sie wusste, ihre Argumente waren nicht gerade wasserdicht.

„Was soll das heißen?", wollte er jetzt wissen.

„Meine Güte, sie soll nicht mit dem letzten Troll über die Tanzfläche tanzen, Weasley!" So, da hatte er sein dämliches Kompliment, was er wohl unbedingt hatte hören müssen. Er war unmöglich, befand sie. Dass sie ihn überhaupt so bitten musste!

„Wie nett", war alles, was er sagte, „aber nein", schloss er kalt.

Sie atmete aus. „Deine beste Freundin hat ihr Glück gefunden, sie möchte heiraten, eine gute Ehefrau sein, und du führst dich auf wie ein gekränkter, tiefverletzter Exfreund! Dabei solltest du sie unterstützen, denn wegen dir weint sie sich die Augen aus dem Kopf, wenn ich sie heimlich beobachte, weil du nicht mehr ein Freund sein möchtest! Es ist schäbig, Weasley! Es ist nicht loyal, und es ist nicht die Welt! Es ist eine Tanzstunde!"

Sie hatte so schnell gesprochen, dass sie ganz außer Atem war.

Er hatte den Abstand überraschend geschlossen.

„Ich hasse all das, Parkinson!", fuhr er sie an, dass sie zusammenzuckte. „Ihr seid keine Freunde, du und sie! Sie gehört nicht in eure verkorkste Gesellschaft!", zischte er böse. „Und ihr seid das, wogegen wir gekämpft haben! Ihr nennt sie Schlammblut, und egal, wie liberal deine Show hier auf Hogwarts sein mag, Parkinson, ich weiß, wie ihr früher wart! Ihr habt sie beleidigt und gequält. Und nicht nur ihr Schüler, nein, all ihr Reinblüter da draußen! Und jetzt? Jetzt soll ich mich damit abfinden, dass Hermine uns alle verraten hat? Dass sie Draco Malfoy heiratet? Merlin! Hörst du nicht, wie verrückt das ist?"

„Sie liebt ihn!", beteuerte Pansy, wovon sie selber nicht ganz überzeugt war.

„Gott! Hörst du dich reden?", schrie er jetzt, und sie schloss kurz die Augen, um sich zu fangen.

„Du… du bist…!" Sie konnte nicht ruhig atmen. Sie hatte gelernt, immer Ruhe zu bewahren, eine Lady zu sein, sich niemals reizen zu lassen. Sie war besser als das. Aber er machte es ihr verdammt schwer, eine Lady zu sein. „Du bist Schulsprecher!", spuckte sie ihm entgegen. „Das heißt, du bist loyal, du bist… geeignet, die Schule würdig zu vertreten! Du bist ein Vorbild, weil du warmherzig bist und… und freundlich und klug und…-"

Sein Mund verzog sich. „Denkst du etwa, all diese Eigenschaften treffen auf dich zu, Parkinson?" Er lachte auf. „Vielleicht treffen sie auf Hermine zu, oder sie haben es irgendwann einmal – aber nicht auf-"

Und sie hatte ausgeholt.

Ihre flache Hand traf seine Wange so überraschend hart, dass sie unterdrückt fluchte, als der Schlag ihre Hand verbrannte. Sein Kopf flog zur Seite, und er fluchte noch unbeherrschter als sie. Dann traf sie sein überaus zorniger Blick.

„Bist du übergeschnappt? Du schlägst mich?", fuhr er sie an, und sie war überfordert.

„Du beleidigst mich!", erwiderte sie heiser. „Und glaub ja nicht, dass auch nur eine dieser Eigenschaften auf dich zutrifft, du egoistischer, widerlicher, selbstbezogener, eifersüchtiger, nachtragender, kreuzdämlicher Gryffindor-Scheißkerl!"

Und sie wusste… - es waren viel zu viele Adjektive, die sie ihm zuteilwerden ließ….

Und der lächerliche Gedanke… diese lächerlich Hoffnung, dass er sie urplötzlich küssen würde, sie an sich reißen würde, hier, mitten auf dem Flur, raubte ihr kurz den Atem.

Denn das war es, was sie gerade dachte – nein, was sie gerade lächerlicherweise hoffte!

Oh Gott!

Wieso schlug ihr Herz so albern schnell? Wieso sah sie ihn immer noch so an, mit blöden großen Augen?

Sie hatte gewusst, es hatte nichts zu bedeuten gehabt, dass Weasley hinter der Tür gewesen war, dass sie ihn als Mystery Date im Kopf gehabt hatte!

Es hatte nichts zu sagen. Es war nicht wichtig, aber jetzt fiel es ihr schwer, zu atmen.

Und bevor er sich umdrehen konnte und verschwand, tat sie das einzig sinnvolle: Sie drehte sich auf dem Absatz um und rannte.

Rannte den Flur zurück. Zurück in den Gemeinschaftsraum.

Wieso konnte er sie nur so wütend machen, fragte sie sich verzweifelt? Wieso konnte Weasley es schaffen, dass sie ihre Manieren, ihre Erziehung, all ihre Werte vergaß, auf die sie so stolz war? Wieso brachte er es fertig, dass sie vor ihm immer ehrlich sein musste?

Sie konnte es nicht verstecken. Sie wollte es nicht verstecken.

Es war… absurd. Nur vor ihm war sie… wie sie wirklich war.

Sie rannte immer noch. Denn sie hatte Angst.

Plötzlich hatte Pansy Angst bekommen.