Heute gibt es noch ein kleines Bonbon zu später Stunde (oder früher, je nachdem, wann ihr das lest ): unser Eichhörnchen nicx hat uns auch noch einen OS beschert. Und er ist was für all die SS/HG-Shipper unter uns, aber mehr verrate ich ja nicht, das wird ja sonst langweilig!
Ihre anderen Geschichten findet ihr hier:
www. fanfiktion. de/u/nicx+nihil
(Nehmt bitte die Leerzeichen nach www. und nach fanfiction. raus)
Achja... Wenn ihr das jetzt hier irgendwann zwischen 1 und 5 Uhr in der Nacht lest, müsst ihr entweder früh arbeiten, seid viel zu lange auf oder seid einfach durchgeknallt. Aber das sind wir ja alle irgendwie, oder nicht? *gg*
Von Ruinen und Weihnachtsliedern von nicx nihil
Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube kletterte Severus die Trümmer empor, die einst Treppen gewesen waren. In einer Zeit, die vielen unendlich lange her erschien, obwohl gerade mal ein paar Jahre vergangen waren, hatten diese Treppen zum Eingangsportal des ehrwürdigen Hogwarts hinauf geführt. Doch auch von dem Eingangsportal war nicht mehr viel übrig.
Man hatte den Krieg gewonnen. Die Todesser und allen voran Lord Voldemort waren gefallen, doch auch die Seite des Lichts hatte zahlreiche Verluste hinnehmen müssen. Einer davon war Hogwarts selbst. Seine Mauern hatten den Angriffen lange standgehalten, doch irgendwann waren sie unter dem Sturm der Flüche eingebrochen.
Die Überlebenden hatten nach dem Ende der Schlacht lange darüber gestritten, was aus den größtenteils zerstörten Resten des Schlosses werden sollte. Niemand wollte sein Zuhause aufgeben, doch die Verwüstung war so groß und das Zusammentreffen größtenteils schwarz magischer Flüche mit einem ganzen Berg mächtiger Artefakte, die in der Schule lagerten, so unberechenbar, dass man sich schließlich schweren Herzens darauf einigte, das alte Schloss zu verlassen und anderswo eine neue Bildungsstätte zu eröffnen.
Nach einigen eher unbefriedigenden Zwischenlösungen hatte dann 5 Jahre später endlich das auf einem einsamen Felsen direkt am Meer thronende Albus Dumbledore Institut für magische Bildung" den Lehrbetrieb aufgenommen. Obwohl vieles anders geworden war, hatten alle gemeinsam versucht so viel wie möglich aus ihrer alten Schule beizubehalten. So war es kein Wunder, dass fast alle überlebenden Lehrer wieder zurückgekommen waren. Nur mit einem hätte wohl niemand gerechnet. Als am ersten Schultag der wohlbekannte und eigentlich für ziemlich tot gehaltene Severus Snape mit am Lehrertisch saß, wussten die meisten Schüler nicht, was sie mehr erstaunte: Dass er nicht gestorben war oder dass er die Chance ausgelassen hatte so viel Raum wie möglich zwischen sich und jede Art Kinder zu bringen. Natürlich traute sich kein Schüler ihn das eine oder das andere zu fragen und so war es einfach wie es war - Severus Snape war da.
Hätte ihn jemand gefragt und wäre der unwahrscheinliche Fall eingetreten, dass er sich zu einer Antwort herabgelassen hätte, dann hätte dieser mutige Zauberer erfahren, dass Severus, nachdem er nur knapp dem Tod entronnen war, ziemlich knapp bei Kasse und ohne Aussicht auf irgendeine Anstellung das St. Mungos verlassen hatte. Das Angebot der neuen Schulleiterin Minerva McGonagall hatte er also nicht wirklich freiwillig angenommen, auch wenn sie ihm das gerne immer wieder unter die große Nase rieb, es war ihm gar nichts anderes übriggeblieben.
Und da stand er nun, inmitten eines riesigen Schutthaufens, der unendlich viel gefährliches, magisches Potential und noch viel gefährlichere Erinnerungen enthielt und sollte eine verdammte Kiste mit Weihnachtsdekoration suchen. Severus hatte Albus zu Lebzeiten schon für leicht senil gehalten, doch wer konnte ahnen, dass Minerva ihn in dieser Hinsicht um Längen überbieten würde? Wie war sie nur auf die Schnapsidee gekommen, dass es den Schülern beim Übergang von der alten auf die neue Schule helfen würde, wenn sie zumindest an Weihnachten ihre gewohnte, geliebte, traditionsreiche undsoweiter undsofort unverzichtbare Weihnachtsdekoration bekommen würden. Diese war natürlich rein zufällig in der Eile in irgendeinem verschütteten Keller von Hogwarts liegen gelassen worden und er, Severus - der der immer dran ist, wenn es sonst keiner machen will- Snape, sollte sie nun holen.
Sein Leben hasste ihn mal wieder. Da stummes Meckern und Verwünschen die Kiste aber leider auch nicht aus dem Keller heraufbrachte, holte Severus noch einmal tief Luft, zückte sein Zauberstab und betrat das, was einst die Eingangshalle von Hogwarts gewesen war. Sogleich traf ihn die Erinnerung wie ein Schlag. Hier hatte man während und nach der Schlacht die Toten aufgebahrt, als im Krankenflügel der Platz knapp geworden war. Jetzt war davon zum Glück nichts mehr zu sehen, doch es reichte, um das sowieso schon gespenstige Gemäuer noch schlimmer zu machen. Den Blick mühsam von alten rotbraunen Flecken auf dem Boden abwendend, ging Severus geradewegs auf die Treppe zu den Kerkern zu. Minerva hatte ihm genau beschrieben, wo die Kiste liegen musste und er wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen.
Er kam nicht weit. Fluchend betrachtete der Tränkemeister den immensen Schutthaufen, der die Treppe zum Kellergeschoss komplett blockierte. Bei genauerem Hinsehen fiel ihm allerdings noch etwas anderes auf: Die Steine waren nicht zufällig dahin gefallen. Jemand hatte offenbar den Zugang zum Keller zugeschüttet. Severus versuchte sich mit einigen Zaubersprüchen des Problems zu entledigen, musste aber feststellen, dass dieser Jemand, wer immer es gewesen war, es wohl ernst gemeint hatte. Da lagen nicht einfach Steine, das war eine magische Barriere. Hinsichtlich dessen, was sich dahinter verbergen mochte, stimmte dieser Umstand Severus nicht unbedingt zuversichtlich. Er beschloss sich nicht länger mit dem Geröll herumzuärgern, sondern einfach einen anderen Weg zu nehmen. Es war ja nicht so, dass dies der einzige Zugang zum Keller gewesen wäre.
Er wollte gerade in einen Gang zu seiner Rechten einbiegen, als hinter ihm ein Geräusch wie von rollenden Steinen das Pfeifen des Windes in den Löchern übertönte. Blitzschnell hatte er sich umgedreht, den Zauberstab kampfbereit vor sich - und tatsächlich, es war ihm jemand gefolgt. Als dieser jemand näher kam, musste der Tränkemeister allerdings feststellen, dass es sich dabei keineswegs um eine Gefahr handelte, nun zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.
„Severus, warum hast du denn nicht auf mich gewartet?"
Hermiones Gesicht war rot von der Kälte und sie schnaufte, als wäre sie den ganzen Weg vom Apparierpunkt bis hierher gerannt. Nicht einmal unter Folter hätte Severus zugegeben wie wunderbar das aussah und wie gern er sie anderweitig dazu gebracht hätte genauso erhitzt auszusehen. Er merkte wie seine Gedanken abschweiften und rief sich energisch zur Ruhe. Das war genau das Problem! Seit sie zur Eröffnung der neuen Schule als neue Lehrerin für alte Runen vorgestellt worden war, hatte es plötzlich keinen Tag mehr gegeben, an dem ihn ihre Anwesenheit nicht aus dem Konzept brachte und ihn dazu verleitete irgendetwas Dummes zu tun. Es war durchaus möglich, dass das einfach daran lag, dass sie in fünf Jahren erheblich erwachsener und reifer geworden war. Aber Severus selbst vermutete hingegen immer noch, er habe während der Schlacht einfach einen kräftigen Schlag auf den Kopf bekommen. Doch egal warum, wenn sie anwesend war, benahm er sich wie ein Idiot. Daran gab es nichts zu rütteln. Gerade tat er es schon wieder. Sie hatte ihn etwas gefragt, er wusste kaum noch was, und er stand da, stumm wie ein Fisch und starrte sie an. Geisteskrank eindeutig, wahrscheinlich würde er diese ganze Weihnachtsaktion hier bald auch noch für eine gute Idee halten.
„Erde an Severus, jemand da?""
Eine kleine behandschuhte Hand wedelte vor seiner Nase auf und ab.
„Houston, wir haben ein Problem.""
Sehr geistreiche Antwort, Severus. Glückwunsch. Er schüttelte den Kopf, um endlich wieder vernünftige Sätze zu bilden und antwortete endlich:
„Ich meinte: Was machst du hier? Warum hätte ich auf dich warten sollen? Ich war mir nicht bewusst, dass wir zu einem romantischen Spaziergang durch das idyllische Hogwarts verabredet waren." Ahhh, Sarkasmus. Schon besser. Das Gesicht der kleinen Hexe vor ihm wurde noch eine Nuance röter und wäre sie ein paar Jährchen jünger gewesen, hätte sie vielleicht noch vor Wut mit dem Fuß aufgestampft. So jedoch antwortete sie nur bissig: „Oh verzeih! Ich war mir nicht bewusst, dass du beim letzten Gespräch mit Minerva dein Hörgerät nicht dabei hattest. Denn anders kann ich mir nicht erklären, wie es dir entgangen sein kann, dass sie uns gebeten hat die Weihnachtskiste gemeinsam suchen zu gehen. Hier ist es für einen allein viel zu gefährlich!"
Tatsächlich! So ein Mist aber auch. Nachdem Minerva ihren sowieso schon hirnrissigen Vorschlag, Hogwarts Keller zu betreten, noch unendlich viel hirnrissiger gemacht hatte, indem sie ihm Hermione zur Seite stellen wollte, hatte er umgehend beschlossen, dass er sie nicht mitnehmen würde und diesen Teil des Gesprächs zu den mentalen Akten gelegt. Er hätte wissen müssen, dass die schreckliche kleine Hexe sich nicht von einer simplen Entscheidung ihres ehemaligen Tränkemeisters abhalten lassen würde. Es wurde also Zeit etwas klarzustellen: „Ich freue mich, dass du dir die Zeit genommen hast mich zu verabschieden, bevor die namenlosen Schrecken im Keller das vollenden, was Voldemort nicht geschafft hat, aber ich muss mich jetzt trotzdem beeilen. Komm gut nach Hogsmeade zurück."
Hermione guckte einen Moment lang verwirrt, doch dann schien sie zu verstehen, was er meinte: „Was soll das heißen, Severus? Ich werde nicht umkehren und ich werde dich hier nicht allein lassen." Nun war es an dem Tränkemeister seinerseits ein klitzekleines bisschen wütend zu werden: „Ich sage es nur dieses eine Mal Hermione: Du wirst die Kerker nie wieder betreten. Das ist viel zu gefährlich!"
„Ok." Severus schaute sie an, als hätte sie sich gerade in Hagrid verwandelt und wusste im ersten Moment gar nicht, was er sagen sollte. Einen zweiten Moment bekam er nicht, denn Hermione setzte sich bereits in Bewegung und steuerte den Gang an, den Severus vor ihrem Auftauchen bereits hatte betreten wollen. Sich endlich aus seiner mentalen Erstarrung lösend, spurtete der Tränkemeister ihr nach. „Bleib sofort stehen du freches Gör! Ich will mich nicht wiederholen müssen, sonst…" „Sonst was?" Hermiones Augen loderten vor Zorn aber hey, immerhin war sie stehen geblieben. „Jetzt hör mir mal gut zu, Professor, denn ich will mich auch nicht wiederholen müssen: Ich bin kein Kind mehr und auch nicht mehr deine Schülerin und ich nehme keine Befehle von dir entgegen. Wenn es dir so widerstrebt mit mir gemeinsam diese verdammte Kiste zu holen, dann versuch du den Weg durch den Geheimgang im zweiten Stock während ich hier entlang gehe." Schwer atmend vor Wut drehte sie sich abermals um und ließ ihn einfach stehen. Fluchend stapfte er ihr schließlich nach. Diese Runde mochte an sie gegangen sein, doch das bedeutete nicht, dass Severus sich geschlagen gab.
In frostigem Schweigen schlichen sie durch die Gänge bis zu der Stelle, an der eigentlich eine weitere Treppe in die Kerker hinunterführen sollte. Auch hier kamen die beiden nicht weit. Die selbe Art Barriere wie schon in der Eingangshalle versperrte ihnen den Weg. Hermione zückte ihren Zauberstab und versuchte mit allerhand verschiedenen Sprüchen das Geröll beiseite zu schaffen, doch nichts half. Wütend fuhr sie schließlich zu Severus herum: „Hast du jetzt etwa beschlossen zu schmollen? Willst du mir nicht vielleicht helfen?" Eine große, kalte Hand schoss nach vorne und packte ihr Kinn. Tiefschwarze Augen funkelten sie wütend an und Severus Stimme war fast so giftig, wie in alten Zeiten, als er sagte: „Ich schmolle nicht! Bevor du gekommen bist und mich gestört hast, habe ich diese Zaubersprüche alle bereits an der anderen Barriere ausprobiert. So wird das nicht funktionieren. Also hör endlich auf, noch mehr Magie in die Wände zu schießen als sowieso schon darin steckt und streng lieber deinen hochgelobten Verstand an."
Er wartete kurz, ob sie zu einer weiteren Tirade ansetzen würde, doch als diese erfreulicherweise ausblieb, sprach er weiter: „Also, ich fasse zusammen: Irgendjemand will aus irgendeinem Grund nicht, dass wir den Keller betreten. Ich nehme nicht an, dass es uns viel bringt noch die anderen regulären Zugänge zu überprüfen, da diese höchstwahrscheinlich auch versperrt sein werden. Wie also kommen wir da runter?" Fast hätte er erwartet, ihre Hand nach oben schießen zu sehen, doch nichts dergleichen passierte. Stattdessen blieb Hermione still und dachte nach. Er war sich nicht sicher, ob es eher die Besonnenheit in ihrer Art war, die sie sich irgendwann zugelegt hatte oder doch einfach die Tatsache, dass sie beim Nachdenken abwesend auf ihrer Unterlippe herumkaute. Aber er wusste ziemlich genau, dass entweder das eine oder das andere gleich dafür sorgen würde, dass er zu keinem vollständigen Satz mehr in der Lage war. Sie erlöste ihn gerade noch rechtzeitig indem sie ihre Lippe wieder freigab und sagte: „Wie wäre es mit den Geheimgängen?" „Einen Versuch ist es wert", stimmte Severus ihr zu.
672 Treppenstufen, 37,6 Minuten und 28 gefluchte „Ich bring' sie um" später wussten die beiden, dass derjenige, der den Keller versiegelt hatte, offensichtlich nicht so freundlich gewesen war, die Geheimgänge zu vergessen. Naja, es hätte ja klappen können. Severus und Hermione starrten sich ein weiteres mal schweigend an. „Was nun?", brachte Hermione es schließlich auf den Punkt. „Ich weiß nicht, wir könnten...", Severus stockte mitten im Satz und fixierte plötzlich einen Punkt in der Ferne. „Das ist der Weihnachtswahnsinn, ganz eindeutig", murmelte er vor sich hin. Doch Hermione schüttelte den Kopf. „Nein, ich höre es auch."
„Was ist das?" Die Stimme des Tränkemeisters war leise geworden um die Geräusche nicht zu übertönen. „Weihnachtslieder." Severus hatte so gehofft, eben diese Antwort nicht zu bekommen. „Weihnachtslieder?"
„Ja, Weihnachtslieder! Was meinst du, sollen wir herausfinden woher sie kommen?"
„Nein, wir nehmen die Beine in die Hand und rennen weg bevor Rudolph the red-nosed deatheater uns den Garaus macht", brummelte er vor sich hin und wäre fast wirklich vom Schlag getroffen worden, als die kleine Hexe neben ihm daraufhin herzlich lachte. „Komm schon, du großes böses Rentier. Du kannst bestimmt schiefer singen als die." Ohne auf weitere Kommentare zu warten, setzte sich Hermione auch schon in Bewegung und folgte den Stimmen, die nun ein ziemlich schauerliches „Santa Claus is coming to town" angestimmt hatten.
Es dauerte eine ganze Weile, Santa Claus hatte mittlerweile die Stadt erreicht und war in Jingle Bells Rock übergegangen, bis die beiden endlich vor einer ziemlich massiven Tür zum Stehen kamen. Der Gesang war ganz eindeutig dahinter zu hören. „Worauf warten wir noch?", fragte Hermione, nachdem er sie einen Moment zu lange angestarrt hatte. Eher hätte sich Severus selbst die Zunge abgebissen, als ihr zu verraten, was er in diesem Moment gedacht hatte und so stieß er endlich die Tür auf. Wer ihn kannte, wusste, dass er das schon immer für ein effektives Mittel zur Überbrückung peinlichen Schweigens gehalten hatte. Mutig betraten die beiden den Raum und zuckten im ersten Moment kräftig zusammen, denn der Wind fegte durch ein riesiges Loch in der Mauer und wehte ihnen den Schnee ins Gesicht. Ein weiteres Loch im Boden sah dagegen aus, als wäre es schon immer hier gewesen und aus genau diesem Loch tönte gerade „Silent Night".
„Was ist das hier?", fragte Hermione und Severus schlug sich auf die Stirn. Warum war er nicht von selbst darauf gekommen? Weil ihn eine viel zu vertrauensvolle, viel zu freundliche und definitiv viel zu sinnliche kleine Hexe abgelenkt hatte. Das war ganz eindeutig der Grund aber das konnte er nun leider schlecht an ihr auslassen. „Ich bin ein Idiot."
„Und ich gratuliere dir zu dieser Erkenntnis Severus, aber würdest du mich vielleicht daran teilhaben lassen, was genau dich zu diesem bahnbrechenden Eingeständnis geführt hat. Ich nehme an, es hat etwas mit dem Loch da zu tun."
„Das ist kein Loch", erklärte Severus nun endlich. „Das ist ein Luftschacht."
„Ein Luftschacht?" Hermione schien mit der Erklärung nicht sonderlich zufrieden zu sein. „Wozu braucht eine magische Schule Luftschächte?"
„Wozu braucht eine magische Schule Toiletten?", entgegnete der Tränkemeister ohne mit der Wimper zu zucken. „Dieser Schacht führt direkt in eine kleine schmale Kammer in den Kerkern, welche über viele kleine Öffnungen mit dem ehemaligen Tränkeklassenzimmer verbunden ist. Ist dir nie in den Sinn gekommen, dass bei eurem Tränkeunterricht so viele giftige Dämpfe entstanden sein könnten, dass es nötig geworden wäre für einen stetigen Luftaustausch zu sorgen?"
Hermione dachte einen Moment darüber nach und murmelte dann. „Du hast ja Recht. Ich dachte, das Problem würde magisch gelöst."
„Wo wir wieder bei den Toiletten wären", schmunzelte Severus . „Natürlich kann man auch dieses Problem mit einigen Zaubern lösen aber warum sollte man, wenn ein einfacher Luftschacht ebenso effektiv ist und zudem keinen permanenten Einsatz von Magie benötigt?"
„Klingt plausibel", stimmte sie ihm zu. „Also, wie kommen wir da runter?"
„Wir kommen nirgendwo hin. Du bist schon viel zu weit durch dieses marode Gemäuer geschlichen. Wenn du möchtest, kannst du hier Wache halten und ich... was tust du da?" Sie hörte ihm nicht zu. Sie ignorierte ihn einfach! Nein schlimmer, sie nutzte die Zeit, in der er sprach um das Problem allein zu lösen. Impertinent! Doch all sein mentales Fluchen hielt Hermione auch nicht davon ab das Seil, das soeben aus der Spitze ihres Zauberstabes geschossen war, an einem alten Balken zu befestigen und das andere Ende in den Schacht zu werfen. „Bist du fertig oder soll ich schon mal vorgehen?", fragte sie und wurde von einem überaus wütenden Tränkemeister beiseite geschoben. „Impertinentes Weibsbild" hörte man ihn noch brummen, bevor er voll und ganz verschwunden war.
Unten angekommen bot sich den beiden erst einmal kein besonders eindrucksvolles Bild. Der Luftschacht hatte in einen schmalen Gang geführt, dessen Wände mit kleinen, sehr schmalen Schlitzen durchsetzt waren. Es war dunkel, staubig und die Weihnachtslieder waren nun lauter denn je zu hören. „Lumos", murmelte Severus und das Licht aus seinem Zauberstab zeigte ihnen, dass dieser unbedeutende Raum in der großen Schlacht scheinbar unbeschädigt geblieben war - keine klaffenden Löcher, kein Geröll aber leider auch keine Tür. Eigentlich war das einzige, was der Raum überhaupt enthielt, ein unscheinbarer Kerzenleuchter an einer der Stirnseiten. Wirklich, enorm unauffällig. So steuerte Hermione denn auch direkt darauf zu, doch sie kam nicht weit. Nachdrücklich schob sich Severus an ihr vorbei und baute sich vor ihr auf: „Diesmal wirst du mich nicht einfach ignorieren. Du bleibst hinter mir, was immer wir da draußen auch finden, verstanden?" Sie holte bereits tief Luft doch dann stieß sie sie ungenutzt wieder aus und brummelte und ein sarkastisches „Ja, Meister". Severus ging nicht weiter darauf ein. Ein beherzter Zug an dem Leuchter öffnete - oh Wunder - eine Geheimtür und schon standen die beiden auf dem Flur vor dem Tränkeklassenzimmer. Auch hier war es dunkel und jämmerlich kalt. Nichts erinnerte noch an die vielen Unterrichtsstunden, die er in diesen Kerkern gehalten hatte, nichts an die vielen Schüler, die vor ihm erstarrt oder davongelaufen waren. Schwarze Flecken an der Wand zeugten davon, dass auch hier Kampfhandlungen stattgefunden hatten. Eine Tür hing schief in ihren Angeln. Er bemerkte wie Hermione fröstelte und legte ihr unvermittelt einen Arm um die Schultern. Verwundert schaute sie ihn an, doch die Geste schien sie nicht zu stören, also ließ er den Arm, wo er war. „Jetzt wird mir erst so richtig bewusst, dass ich etwas anderes erwartet hatte", murmelte Hermione. „Wie dumm von mir zu glauben, ich würde nach Hause kommen. Ich... es ist..."
„Schhhh" die Umarmung wurde tatsächlich noch ein bisschen fester und Severus antwortete „Du bist nicht die einzige, die sich wünscht, dass Hogwarts noch das alte wäre, aber diese Zeit ist nun einmal vorbei. Wir sollten uns nicht an Gegenstände und Gebäude klammern und lieber froh sein über all die Menschen, die nicht gestorben sind."
„So wie du" kam es so leise, dass er es kaum verstanden hätte und doch wärmte es sein Herz mehr als jedes Feuer. Dennoch ging er vorerst nicht darauf ein. Dies war wirklich nicht der richtige Ort um über Gefühle zu diskutieren. „Los komm", er ließ sie los und ging voran. „Bringen wir es hinter uns." Sie folgten dem Gang bis zum Slytheringemeinschaftsraum oder dem, was davon übrig war. Die Tür war zu und dahinter tönte schief „Zions Daughter". Severus und Hermione wechselten einen letzten Blick, dann öffnete Severus die Tür und trat mit gezogenem Zauberstab in den Raum.
Was sie zu sehen bekamen, hatte wohl keiner von ihnen erwartet. Der Gemeinschaftsraum war in verhältnismäßig gutem Zustand. Die Wände waren intakt und irgendjemand hatte versucht sämtliche Flecken zu beseitigen. Im Kamin brannte ein Feuer und davor saßen der blutige Baron, der fast-kopflose Nick sowie die anderen Geister des Schlosses. Außerdem befand sich noch eine alte Hauselfe, deren Namen Severus nicht kannte, in der illustren Runde. Sie alle verstummten augenblicklich und starrten die Neuankömmlinge mit großen, halb durchsichtigen Augen an.
„Professor Snape, Miss Granger, was tun sie denn hier?" Nick hatte als erster seine Sprache wiedergefunden. „Wir suchen...", setzte Hermione an, doch dann verstummte sie, als sie sah, dass der Raum festlich mit genau den Kugeln und Sternen geschmückt war, derentwegen sie hergekommen waren. Sie sprach nicht weiter. Severus rettete die Situation. Offenbar hatte er das gleiche erkannt, wie Hermione: „Wir suchten einige alte Zaubertränkebücher, die damals nicht mitgenommen wurden und dann hörten wir plötzlich Musik. Habt ihr die Kerker versiegelt?" Nun war es an der maulenden Myrte zu antworten. „Ja, das haben wir. Ihr habt uns einfach hier vergessen! Ihr seid weggegangen und habt uns nicht mitgenommen." Sie klang anklagender denn je. „Wie hätten wir euch mitnehmen sollen?", fragte Severus verärgert. „Ihr könnt Hogwarts nicht verlassen." „Ach wirklich? Das ist uns noch gar nicht aufgefallen", mischte sich nun auch der blutige Baron ein.
„Nachdem der letzte Zauberer Hogwarts verlassen hatte, beschlossen wir, uns hier unten in den Kerkern niederzulassen, weil diese noch den intaktesten Teil von Hogwarts darstellen. Da ihr uns ja scheinbar vergessen habt, wollten wir auch nicht gestört werden und außerdem gibt es hier unten seit dem Kampf einige gefährliche Ecken, in die besser kein neugieriger Zauberer stolpert. Wanda hier war so freundlich uns beim Verschließen der Zugänge behilflich zu sein." Die kleine Hauselfe zuckte ein wenig zusammen. „Nun wie es scheint haben wir irgendetwas übersehen. Habt ihr denn wenigstens gefunden, was ihr gesucht habt?" Severus zögerte, doch da hatte Hermione auch schon den Kopf geschüttelt. „Leider nicht. Das Regal ist vollkommen verkohlt. Da ist nichts mehr zu retten." Es entstand peinliches Schweigen. Die Geister schienen den Zauberern nicht mehr viel zu sagen zu haben, nachdem man sie einfach zurückgelassen hatte. Hermione und Severus konnten es ihnen nicht verübeln. Diesmal war es überraschenderweise der fast-kopflose Nick, der das Schweigen brach indem er einfach sehr laut und sehr schief „Oh little town of Bethlehem" anstimmte. Nach einem Moment der Überraschung stimmten auch Hermione und die anderen Geister mit ein und schließlich brummte sogar Severus etwas, was man mit viel Phantasie vielleicht als zweite Stimme durchgehen lassen konnte.
Als Severus und Hermione endlich wieder vor den Toren des Schlosses standen, waren viele Stunden vergangen. Der Tränkemeister hatte in dieser Zeit mehr Weihnachtslieder gehört, als er jemals hatte hören wollen und doch war er erstaunlich guter Laune. Es beruhigte ihn, dass die Geister und die Hauselfe ihnen schließlich doch verziehen hatten, wenn auch nur gegen das Versprechen sie regelmäßig besuchen zu kommen. Es war ihm gar nicht so schwer gefallen dieses Versprechen zu geben. Doch nun waren sie wieder allein und er fragte, was er schon die ganze Zeit hatte fragen wollen: „Glaubst du, dass uns Minerva den Kopf abreißt, wenn wir ohne die Kiste zurückkommen?" Hermione grinste und schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass sie Verständnis dafür hat, dass wir unseren Geistern nicht die einzige Weihnachtsfreude wegnehmen wollten, die sie hier noch haben."
„Sie haben immerhin noch ihre Lieder", brummte Severus und Hermione lachte. Ein Blick nach oben ließ sie verstummen. „Was ist denn?", wollte der Tränkemeister wissen. „Wie kommt ein Mistelzweig da hoch?", fragte sie. Severus konnte sich denken wie der dahin gekommen war, doch er hatte nicht die Absicht ihr diese Frage zu beantworten. Stattdessen zog er sie kurzerhand in seine Arme und drückte seine kalten Lippen auf ihre. Die glühenden Wangen der kleinen Hexe wurden noch eine Spur wärmer, doch sie stieß ihn nicht weg. Im Gegenteil - sie lehnte sich an ihn und schlang ihre Arme um seine Taille. Lang standen sie so da, bis sie sich endlich voneinander lösten. „Was meinst du", fragte er sanft. „Sollen wir nach Hause gehen?" „Aber...", setzte sie an doch er nahm schmunzelnd ihre Hand und zog sie die erste Stufe hinunter. „Ich bin sicher, dass wir dort auch den einen oder anderen Mistelzweig finden werden."
