Hach, was hab ich euch alle vermisst! *Knutsch*
Und weil ich gar nicht so bin und weil ihr so lange warten musstet, gibt's das neue Kapitel schon sofort…
Wir sind jetzt übrigens an der Stelle an der ich beim letzten Mal nicht weiterwusste… Ich hab mich also quasi selbst in eine Schreibblockade manövriert. Egal wie ich weitergeschrieben habe, es fühlte sich falsch an. (Ging mir also wie dir Rouge) Sowas kann einen wirklich fertig machen. Zum Glück bin ich hartnäckig *lach* Aber ich denke, dass ich jetzt die Kurve gekriegt habe. Waren ja auch nur *hust* fünfeinhalb Jahre… Du meine Güte. Schauen wir mal, wie sich die Geschichte weiterentwickelt….
Chapter 20
1 Woche später
Die Insel der Steine.
Der Hain der Druiden.
Seit mehr als 2.500 Jahren Herz der Dracheninseln, Sitz der wahren Macht hinter den Drachenreitern.
Charlie unterdrückte ein Schaudern bei dem Gedanken. Er war in den über 13 Jahren die er zum Orden der Drachenreiter gehörte nur wenige Male hier gewesen. Und jedes Mal überwältigte es ihn aufs Neue.
Die Insel der Steine war die zweitgrößte und gleichzeitig eine der abgelegeneren Inseln. Grün und blühend mit kaum einem Anzeichen menschlicher Gegenwart, sah man vom Steinkreis ab, der auf einem Hügel im Westen der Insel in den Himmel zu ragen schien, war sie die wahrscheinlich Schönste.
Ein Ort den Außenstehende nur selten betraten.
Und jeder, der keine Druidenroben trug war ein Außenstehender.
Ein Halbkreis von 21 Druiden – 7 von jedem Orden, alle gewandete in Roben verschiedener Farbschattierungen je nach Rang, saß ihm gegenüber am Rand des Eichenhains, in dem der Rat der Druiden seit jeher seine Versammlungen abhielt und alle Entscheidungen traf. Ein Ort, der im Laufe der Jahrhunderte vieles gesehen hatte…
Charlie sah zur Seite und warf Simon der mit totenbleichem Gesicht neben ihm stand einen aufmunternden Blick zu. Als nächster Verwandter des Opfers, war seine Anwesenheit gefordert worden. Eine Bürde, die Charlie ihm gern erspart hätte.
Draco stand reglos vor ihnen, die Hände vor sich verschränkt, den Kopf gesenkt und scheinbar unbeteiligt. Seit dem Ende des Verhörs hatte er nicht mehr gesprochen und sich auch nicht von der Stelle gerührt.
Während der letzten Stunden hatten die Druiden sich haarklein alles berichten lassen was in den letzten 2 Jahren und besonders in den letzten 4 Monaten passiert war. Angefangen bei Dracos Entführung, über seine Rückkehr bis hin schließlich zu den bitteren Erinnerungen der letzten Tage. Das meiste war dem Rat bereits bekannt gewesen – nicht zuletzt durch den Vorsitzenden des Rates, den Charlie erstaunt als Stellas Großvater Connor Kelly erkannt hatte. Trotzdem behaarten sie darauf jedes noch so kleine Detail erneut geschildert zu bekommen. Nach dem Verhör fühlte Charlie sich wie durch die Mangel gedreht, obwohl er selbst kaum gesprochen hatte. Er wollte sich nicht einmal vorstellen, welche Qual die letzten Stunden für Draco bedeutet haben mussten.
Jetzt berieten sich die Druiden schon seit fast zwei Stunden. Ein einfacher Zauber schirmte ihre Stimmen vom Rest der Anwesenden ab. Lediglich Gesten und Körpersprache ließen Vermutungen auf die Diskussion zu, die hinter diesem Schirm stattfand. Nicht das es viel zu sehen gegeben hätte. Die meiste Zeit über waren die Druiden ruhig und besonnen, jeder der redete wurde von seinen Kollegen stumm zu Ende gehört, bevor der nächste das Wort erhob. Lediglich einmal hatte sich diese Szene geändert: Nachdem einer der älteren und – daran erinnerte sich Charlie aus einer früheren Begegnung – radikaleren Druiden eine lange Ausführung beendet hatte, waren mehrere der anderen aufgesprungen und hatten heftig gestikulierend durcheinander geredete. Offenbar traf der Vorschlag des Redners auf wenig Gegenliebe. Es hatte eine Weile gedauert, bis sich alle wieder beruhigt hatten. Zuletzt hatte sich auch der Auslöser des Tumultes mit einem letzten missbilligenden Blick auf Draco wieder gesetzt.
Die Beratung wurde anschließend weitergeführt, als ob es die Unterbrechung nie gegeben hätte.
Es verging eine weitere halbe Stunde, bis sich der Vorsitzende des Rates endlich erhob und den Schildzauber mit einer beiläufigen Geste bannte.
Charlie nahm unwillkürlich eine aufrechtere Haltung an. Offenbar war der Rat zu einer Entscheidung gekommen. Der Moment war gekommen wo sich das Schicksal eines seiner besten Freunde entschied – zum Guten oder zum Schlechten.
Connor Kelly ließ seinen Blick kurz über die drei Männer vor sich gleiten um sich ihrer vollen Aufmerksamkeit sicher zu sein, bevor er an Draco hängen blieb.
„Der Rat der Druiden von Inis Draig hat über den ihm vorgelegten Fall beraten und entschieden. Draco Malfoy unterwirfst du dich der Entscheidung und dem Urteil dieses Rates?"
Draco schien aus seiner Erstarrung zu erwachen und hob den Kopf kaum merklich. Seine Stimme war leise aber fest.
„Ja, ehrwürdiger Meister."
„Charles Weasley, als Oberkommandant der Drachenarmee bist du bereit das Urteil zu hören und zu bezeugen?"
„Ja, ehrwürdiger Meister."
Der oberste Druide nickte kurz, dann richteten sich seine dunkelbraunen Augen, fest auf Draco:
„Der Rat der Druiden von Inis Draig hat dich, Draco Malfoy, nach reiflicher Überlegung des Mordes an Kevin Donnahue für schuldig befunden."
Charlie hatten für einen Moment das Gefühl das man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Bis jetzt hatte er nicht wirklich damit gerechnet, dass sie Draco schuldig finden würden. Simon war es offenbar genauso ergangen; sein unwillkürlicher Protestlaut brachte ihm einen Seitenblick Connors ein.
Draco selbst verharrt scheinbar reglos. Lediglich die plötzliche Anspannung seiner Haltung zeigte Charlie, dass das Urteil ihn hart traf.
Der oberste Druide fuhr unbeirrt fort:
„Nichtsdestotrotz erkennt der Rat die besonderen Umstände dieser Tat an. Zum Zeitpunkt des Geschehens stand der Beschuldigte unter dem Einfluss unbekannter, mächtiger Zauber deren Ursprung nicht abschließend geklärt werden konnte. Wir werden diesen Zaubern zu einem späteren Zeitpunkt unsere weitere Aufmerksamkeit schenken. Nach langer Beratung sind wir zu folgendem Urteil gekommen: Draco Malfoy, der Rat der Druiden entzieht dir mit sofortiger Wirkung deinen Rang als Schwarmführer der Drachenarmee sowie deinen Stand als Drachenreiter. Du wirst dem Rat dein Schwert aushändigen und vom heutigen Tag an ist es dir untersagt eine Waffe zu führen. In Anbetracht früherer Taten und Verdienste im Dienst deines ehemaligen Ordens haben wir von einer Verbannung abgesehen. Auch wenn es jene unter uns gab, die sich für ebendiese Strafe ausgesprochen haben, ebenso wie für eine Trennung des Seelenbandes zu deinem Drachen."
Charlie schnappte nach Luft und hörte seine Reaktion von Simon wiederholt. Draco hob ruckartig den Kopf und sah Connor zum ersten Mal direkt an. Jeder Rest von Farbe war aus seinem ohnehin blassen Gesicht gewichen. Es war Simons Stimme, die erneut die Stille durchbrach.
„Das könnt ihr nicht machen! Das kommt einem Todesurteil gleich! Er hat nichts getan, was eine solche Strafe rechtfertigt!"
Charlie legte Simon eine Hand auf den Arm, auch wenn seine Gedanken in eine ähnliche Richtung gingen. Das Seelenband zwischen Drachen und Reiter zu trennen war nur unter Aufbringung mächtigster druidischer Magie möglich und die bloße Vorstellung war absolut ungeheuerlich. Nur die schlimmsten Verräter waren in den zweieinhalb Jahrtausenden, die der Orden existierte auf diese Art bestraft worden. Und jeder dieser Fälle hatte mit dem Tod des Verurteilten geendet. Sei es durch Selbstmord oder langsames, qualvolles Dahinschwinden.
Connor ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
„Wie schon gesagt, diese Strafe wurde erwogen und wieder verworfen. Deine Reaktion zeigt mir aber, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Manch anderer an deiner Stelle würde die härteste mögliche Strafe fordern. Wie dem auch sei, Draco Malfoy erkennst du das Urteil an?"
Eine rein formelle Frage, denn es gab nichts, was Draco dagegen tun konnte, das wusste Charlie nur zu genau. Seine einzige Alternative wäre das Exil.
Draco atmete tief ein, dann senkte er wieder den Kopf.
„Ja, ehrwürdiger Meister."
Connor nickte kurz. Hinter ihm hatten sich die Druiden erhoben.
„Die Versammlung des Rates ist hiermit aufgehoben."
Er sah kurz zu seinen Kollegen, die einzeln oder paarweise den Hain verließen. Dann wandte er sich wieder dem jungen Mann vor sich zu. Sein Blick, bisher kühl und formell wurde etwas weicher.
„Draco, bevor ihr geht möchte ich gern kurz unter vier Augen mit dir reden. Geh ein paar Schritte mit mir." Draco hob wieder den Kopf und runzelte leicht die Stirn. Charlie konnte auf seinen fragenden Blick hin nur mit den Schultern zucken.
xxx
Connor Kelly hatte die Hände in den weiten Ärmeln seiner Robe gefaltet und sah Draco nicht an, während sie langsam dem kaum erkennbaren Pfad am Rand des Hains folgten. Draco ging schweigend neben dem Druiden her. Er fühlte sich ausgelaugt, kalt und leer, während sein Verstand nur langsam begann zu begreifen was das Urteil für ihn bedeutete. Keine Verbannung, kein Exil, aber ein Leben, das er von nun an fern von den Drachenreitern und ohne Ziel und Sinn führen musste. Ein Leben, dem mit einem Mal der Inhalt fehlte.
Connors Stimme, warm und weich, die Stimme eines Barden, eines wohlwollenden Großvaters, durchbrach seine Gedanken.
„Mein Junge, es tut mir unendlich leid, dass du in diese Situation geraten bist. Der Rat ist sich, auch wenn unser Urteil es vielleicht nicht widerspiegelt der Tragik unserer Entscheidung bewusst. Ebenso wie der Tatsache, dass du kaum etwas tun konntest um dein Schicksal zu beeinflussen."
Draco lachte freudlos, sagte aber nichts.
„Was willst du jetzt tun?"
Der ehemalige Drachenreiter zuckte mit den Schultern. Seine Stimme war bitter.
„Ich weiß es nicht. Alles was ich kann, worin ich gut bin, ist mir ab sofort verboten. Ich hatte nicht gedacht, dass ich nochmal etwas Neues lernen müsste." Er versuchte sich eine Zukunft vorzustellen in der er Fische fing oder Brot backte, Bücher katalogisierte oder Verletzte versorgte. Aber nichts von alledem fühlte sich richtig an. Er blieb stehen und kämpfte gegen eine Welle der Panik.
„Ich weiß es nicht. Ohne mein Schwert… ohne meinen Drachen… bin ich nichts…"
Connor legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Du bist mehr als dein Schwert oder dein Drache, mein Junge. Ich hab dir einen Vorschlag zu machen, auch wenn ich im Moment wahrscheinlich die letzte Person bin, von der du Hilfe annehmen willst. Vielleicht erinnerst du dich, dass mein Sohn dir einmal gesagt hat, dass er großes Potential in dir erkenne."
Draco nickte leicht. Es war lange her, aber er erinnerte sich gut an seine ersten Monate auf der Dracheninsel und auch an das Interesse, dass die Druiden an ihm gezeigt hatten.
„Diermuid hat oft davon gesprochen, dass es eine Schande ist, dass du dein Talent so ungenutzt lässt. Du weißt es wahrscheinlich nicht, aber durch Stella und Paul hat er dich all die Jahre bis zu seinem Tod immer im Auge behalten und deinen Werdegang verfolgt. Und er hat oft mit mir über dich gesprochen."
Draco sah Connor überrascht an. Er hatte nie darüber nachgedacht, dass das Interesse der Druiden so ernst war.
„Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll…"
Connor lachte.
„Oh, warte bis ich fertig bin, bevor du etwas sagst. Nach dem Tod meines Sohnes hab ich nicht weiter über sein Interesse an dir nachgedacht. Bis ihr dann vor vier Jahren diesen dunklen Zauberer bekämpft habt. Was mir in den Berichten immer und immer wieder auffiel waren die Beschreibungen deiner Magie. Danach hab ich angefangen die Beobachtungen meines Sohnes fortzuführen. Und ich gestehe, ich war angenehm überrascht. Was mir besonders aufgefallen ist, ist dein wie selbstverständlicher Umgang mit den Elementen. Du hat eine natürliche Gabe und obwohl du nie richtig geschult wurdest, hast du sie relativ gut unter Kontrolle."
Draco zuckte wieder leicht mit den Schultern.
„Das war mir nicht bewusst. Ich mache was sich richtig anfühlt. Und ich hab viel über den Umgang mit Elementarmagie gelesen… Ich meine, ich bin mit Magie aufgewachsen, es ist nichts Besonderes."
„Oh, mein Junge, da irrst du dich. Ein Beispiel: Welches Element liegt dir am meisten?"
„Kommt darauf an, wo ich bin. Hier vermutlich Erde. Wasser wegen der Nähe zum Meer. Es variiert."
Connor schüttelte den Kopf.
„Du bist dir nicht einmal bewusst, wie besonders deine Gabe ist." Er hob eine Hand und deutete in Richtung der Hauptinsel. „Jeder dieser Drachenreiter und auch viele der anderen Inselbewohner haben das Talent die Quellen zu berühren und die Elemente zu einem gewissen Grad zu beeinflussen. Aber Feuer aus dem Nichts zu erschaffen, nur weil man sich im Inneren der Erde befindet – das kann vielleicht einer von 50. Und dass dieselbe Person nur Tage später einen Sturm heraufbeschwört, weil sie sich in der Luft über dem Wasser befindet – das kann einer in 500. Draco, ich möchte das Angebot meines Sohnes wiederholen dich zum Druiden auszubilden."
Draco lachte ungläubig auf.
„Was? Das ist ein Scherz, oder?"
Connor lächelte mild.
„Nein. Kein Scherz. Es ist mein voller Ernst."
„Aber was ist mit…" Eine vage Handbewegung in Richtung des Halbkreises aus steinernen Stühlen, auf dem vor kurzer Zeit noch der Rat der Druiden gethront hatte. „…mit dem Urteil?" Seine Stimme wurde wieder bitter. „Ich bin ein verurteilter Mörder. Es kann euch kaum daran gelegen sein, so jemanden in die Reihen der Druiden aufzunehmen…"
Diesmal war es an Connor zu lachen, auch wenn Draco seine gute Laune kaum nachvollziehen konnte.
„Mein lieber Junge, du glaubst doch nicht, dass jeder Druide den es gibt ein engelsgleich reines Gewissen hat? Viele hier haben das eine oder andere dunkle Geheimnis in ihrer Vergangenheit."
„Das mag ja sein. Aber mein Geheimnis liegt weder in der Vergangenheit noch ist es geheim… Jeder hier weiß, was ich getan habe."
„Du irrst dich, Draco. Es ist Vergangenheit. Das Urteil wurde ausgesprochen und du hast es anerkannt. Damit ist, was den Hain betrifft die Sache erledigt und du kannst gemäß deiner Talente und Gaben beurteilt werden. Ganz davon abgesehen bleibt die Tatsache, dass du unter dem Einfluss eines Zaubers standest. Wer weiß, wenn wir die Möglichkeit hatten diesen Zauber genauer zu untersuchen und vollständig aufzuschlüsseln, vielleicht stellt sich dann heraus, dass du zu Unrecht verurteilt wurdest."
„Nicht. Bitte…"
Draco schüttelt den Kopf, hob die Hände wie um einen Schlag abzuwehren. „Mach mir keine falsche Hoffnung. Was geschehen ist, ist geschehen…"
Er atmete zitternd aus
„Das ist alles zu viel… Noch vor einer halben Stunde war mein Leben ein Haufen Scherben und jetzt bietest du mir eine neue Zukunft… Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll…"
„Denk darüber nach. Du musst nicht heute entscheiden, ob du den Rest deines Lebens hier verbringen willst. Es spielt vorerst keine Rolle ob du dich tatsächlich zu einem vollen Druiden ausbilden lässt und dich einem der Orden verschreibst oder ob du nur lernst deine angeborenen Fähigkeiten in vollem Umfang zu nutzen. Du verpflichtest dich zu nichts. Du wirst mein Schüler solange bis ich entscheide, dass ich dir nichts mehr beibringen kann oder bis du entscheidest, dass das Leben eines Druiden deine Zukunft ist und du die tieferen Mysterien erlernen willst."
Draco ging zu einem der Bäume, die den Hain begrenzten, lehnte die Stirn gegen die raue Rinde der uralten Eiche und schloss die Augen. Seine Hände berührten sacht die Seiten des mächtigen Stammes. Wenn er sich konzentrierte konnte er die Quellen spüren die unter seinen Füßen im Inneren der Erde zusammentrafen und wieder auseinanderliefen, konnte unter seinen Fingerspitzen fühlen, wie der Baum Wasser und Nährstoffe aus dem Boden sog, wie das Leben durch den Stamm nach oben in Zweige und Blätter strömte.
Ein Druide… Das war etwas, das ihm nie wirklich in den Sinn gekommen war. Er erinnerte sich, dass er gelachte hatte, als Stellas Vater ihm vor über 10 Jahren dieses Angebot gemachte hatte. Und doch… Was wenn Connor die Wahrheit sagte – und soweit er wusste war es den Druiden verboten zu lügen – was wenn er wirklich das Potential hatte? Er mochte kein Drachenreiter mehr sein, aber es gab andere Möglichkeiten als das Leben eines Fischers. Und viel wichtiger noch: Was wenn man hier tatsächlich nicht nach seiner Tat beurteilen würde? In der Festung, bei seinen Freunden würde er dem niemals entkommen. Ja, sie waren seine Freunde, sie liebten ihn und er wusste das keiner von ihnen ihn für das verurteilte was geschehen war – wahrscheinlich nicht einmal Simon. Und dennoch würde es immer unausgesprochen im Raum stehen. Er, Draco, würde es nicht vergessen können. Und solange er nicht lernte mit der Schuld umzugehen, sie zu beherrschen, konnte er sein Leben nicht neu beginnen. Sein altes Leben war in tausend Stücke zerbrochen worden und hier bot sich eine Möglichkeit wenigstens einen Teil davon wieder zusammenzusetzen.
„Wie lange würde es dauern?" Seine Stimme war ruhig, nachdenklich. Die Bitterkeit von vorher war verschwunden.
„Oh, das ist schwer zu sagen. Einige brauchen 5 Jahre, andere 20. Es kommt auf so viele Faktoren an, dass es müßig wäre sich im Voraus darüber Gedanken zu machen. Mindestens 3 Jahre bis du die Entscheidung treffen könntest, ob du dich dem Orden anschließen willst."
Draco nickte leicht, noch immer tief in Gedanken. Er drehte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen den Stamm der Eiche, sah Connor an.
„Ich würde hier leben?"
„Ja. Einem Novizen ist es nicht erlaubt außerhalb der Insel der Steine zu leben. Im ersten Jahr wäre dir jeder Kontakt zur Außenwelt verboten. Und damit meine ich alles außerhalb dieser Insel. Danach hättest du mit Erlaubnis deines Meisters, also mir, die Möglichkeit Freunde und Familie zu besuchen."
Draco schloss wieder die Augen. Ein Jahr. Ein Jahr in dem er niemanden sehen, mit niemandem sprechen musste. Kein Mitleid, keine stummen Vorwürfe, keine Erklärungsversuche… Ein Jahr die Scherben aufzusammeln, seine Seele, seinen Verstand wieder zusammenzusetzen…
Aber auch ein weiteres Jahr ohne Harry… Harry…
Wenn er jemals wieder die Chance haben wollte ein Leben mit Harry zu führen, musste er erst sein eigenes Leben in Ordnung bringen.
Als er die Augen wieder aufschlug lag darin Entschlossenheit.
„Ich nehme dein Angebot an."
Connor lächelte warm, nahm Dracos schlanke Hände in seine eigenen.
„Das freut mich sehr, mein Junge. Und selbst wenn du nach einem Jahr feststellst, dass deine Zukunft nicht hier liegt, so denke ich doch, dass diese Entscheidung - zumindest im Moment - die richtige ist."
xxx
„Du weißt, dass ich das tun muss."
Charlie nickte ernst.
„Ja. Das weiß ich. Und ich bin froh, dass du die Chance hast."
Er zögerte kurz.
„Was ist mit Harry?"
Draco senkte den Blick, schüttelte leicht den Kopf.
„Soll ich ihm etwas ausrichten?"
„Nein…"
„Draco…"
„Egal was ich sage… es ist nicht genug. Sag ihm… ich werde es ihm eines Tages selbst erklären. Hierbei kann er mir nicht helfen… Das muss ich allein tun… Er wird es verstehen. Irgendwann… Das hoffe ich… Und… Sag ihm, ich verstehe, wenn er nicht auf mich wartet…"
Seine Stimme brach bei den letzten Worten. Er schüttelte wieder den Kopf, dann berührte er kurz Charlies Schulter, sah Simon ein letztes Mal an.
„Lebt wohl."
Ohne noch einmal aufzusehen drehte Draco sich auf dem Absatz um und folgte einem jüngeren Druiden, der etwas abseits auf ihn wartete aus dem Hain.
Connor Kelly warf Charlie und Simon ein aufmunterndes Lächeln zu.
„Ich werde gut auf ihn acht geben. Hier hat er die Möglichkeit vollständig zu heilen. Und sein Talent liegt nicht länger brach."
Charlie seufzte tief.
„Ich weiß, dass du Recht hast. Und trotzdem... Du nimmst mir einen meiner besten Männer."
„Du findest das Urteil zu hart."
„Ja!" Es war Simon der die Frage beantwortete. „Hätte ich gewusst, was ihr vorhabt…"
Charlie legte ihm die Hand auf den Arm.
„Simon. Lass gut sein. Wir sollten jetzt gehen."
Er schüttelte Connors Hand, bemühte sich um einen neutralen Tonfall.
„Wir sehen uns an Stellas Geburtstag. Komm Simon."
Am Strand, wo Flame und Freckles auf ihre Reiter warteten, blieb Charlie stehen und sah übers Meer zur Hauptinsel. Die Festung war nur eine Silhouette vor der untergehenden Sonne, umtanzt von den Schatten der Drachen.
„Wie um alles in der Welt soll ich das Harry beibringen…"
TBC
(…)
You run away you hide away
to the other side of your universe
where you're safe from all that hunts you down
and it feels too late so you're moving on
but can you find your way back home?
(Within Temptation – Fire and Ice)
