Harry entschied sich für ein klassisches, rotes Ballkleid. Ihr Augen strahlten, als es an der Tür klopfte. Sie öffnete die Tür und trat hinaus auf den Flur.
„Wir sind ein hübsches Paar," merkte Dempsey an.
„Ja, ich denke, wir können uns sehen lassen." Sie schaute ihn an und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Muss ich irgendwas beachten, Harry? Ich bin total nervös. Noch nie in meinem Leben hab ich so einen Pomp mitgemacht. Ich will uns ja nicht blamieren."
Er zwinkerte ihr zu und sie reichte ihm eine Hand.
„Halt dich nur an mich, dann wird schon nichts schief gehen."
Gemeinsam gingen sie hinunter in die große Halle. Hier reihten sie sich hinter die Gäste ein.
„Was hat das nun wieder zu bedeuten? Warum stehen wir hier in einer Schlange, wie im Supermarkt?"
„Bei einer solchen Veranstaltung gibt es einen Einlasser,"erklärte Harry.
Dempsey fühlte sich unwohl in seinem Smoking und zwischen den vielen Gästen, die augenscheinlich fast alle dem englischen Hochadel angehörten. Er fühlte sich fehl am Platz.
Harry hielt seine Hand fester und drückte sie leicht.
Als sie an der Reihe waren, flüsterte sie dem Einlasser ihre Namen zu.
„Mr. James Dempsey, New York and Lady Harriet Winfield, London!" rief ein junger Mann in den Saal und alle Blicke richteten sich auf Dempsey und Makepeace.
„Warum starren die uns alle an?" fragte er leise und lächelte verkniffen.
„Ich bin die Dame des Hauses, Dempsey, hast du das vergessen?"
„Muss mir entfallen sein," räusperte er.
In diesem Moment wurde ihm mal wieder klar, wie verschieden sie waren, aber er würde sein Bestes geben.
Sie setzten sich an einen runden Tisch und wurden freundlich von Freddy begrüßt.
„Guten Abend, Harry...James." Er küsste Harry auf die Wange und nickte Dempsey freundlich zu.
„Guten Abend, Daddy," hauchte sie freundlich.
„Ihr beiden seht fantastisch zusammen aus. Gibt es so etwas in New York auch, James?" Fragte der Lord neugierig.
„Nope, so was kennen wir nicht. Ich fühle mich, wie in einem Film. Kennt ihr den Film My Fair Lady? Ich glaube ich habe ein Dejavu, nur bin ich hier die Eliza."
Harry und Freddy lachten herzlich und Dempsey stimmte mit ein.
„Es ist erfreulich, sie wohl auf zu sehen, My Lord. Wie ich sehe, haben sie den Tod ihres Neffen gut verkraftet." Mike reichte Freddy die Hand und er und Susan setzten sich an den Tisch.
„Meinst du wirklich, Harry, dass Mr. Dempsey hier sein sollte? Wird er nicht des Mordes verdächtigt?" fragte Susan und schaute Harry finster an.
„Reden sie nicht von mir, als wäre ich nicht anwesend, Susan. Darf ich sie daran erinnern, dass ich ein Cop bin? Wilbur Winfield ist tot, das ist eine Tatsache und wir werden herausfinden, was passiert ist."
Dempsey versuchte seine Wut zu verbergen.
„Halte dich mir deinen Verdächtigungen zurück, Susan. James ist unser Gast und herzlich willkommen. Akzeptiere das oder geh," sagte Harry leise und blitzte Susan an.
Weitere Gäste nahmen am Tisch platz und das Essen wurde serviert. Schweigend aßen sie und Harry legte beruhigend eine Hand auf Dempsey's Knie.
Nach einer Weile wurden die Tische abgeräumt. In der Mitte des Saales befand sich eine großzügige Tanzfläche. Ein Streichorchester nahm seinen Platz ein und stimmte einen Walzer an.
„Harry, es wird Zeit den Tanz zu eröffnen," sagte Freddy und stand auf.
Er reichte Harry einen Arm und sie hakte sich ein. Dempsey's Augen glänzten, als er Harry und Freddy beobachtete. Sie war wunderschön und so elegant in ihrem Abendkleid. Stolz lehnte er sich zurück und sah ihnen zu, als sie den Abend eröffneten.
Harry und Freddy eröffneten den Abend mit einem Walzer. Sie glitt elegant über die Tanzfläche und genoß den Eröffnungstanz. Freddy winkte Dempsey zu und forderte ihn auf mit Harry zu tanzen.
Langsam ging er hinüber zur Tanzfläche. Freddy übergab ihm die Hand seiner Tochter und verließ die Fläche.
Zärtlich schlang Dempsey seine Arme um ihre Hüften. Sie lächelte ihn sanft an und gemeinsam schwebten sie über die Tanzfläche. Andere Gäste gesellten sich hinzu, wieder andere schauten gespannt auf das gut aussehende Paar.
„Ich fühl mich, wie auf einen Präsentierteller," flüsterte er ihr ins Ohr.
„Daran wirst du dich gewöhnen müssen, wenn du mit Harriet Winfield zusammen bist. Ich hoffe du kannst das," flüsterte sie zurück.
Das hoffte sie wirklich. Harry hatte sich ihre Herkunft nicht ausgesucht und sie wusste, dass es ihm schwer fallen würde damit umzugehen.
„Ich glaube Susan hat noch mehr von ihrem Gift verspritzt. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich schon umgefallen."
Harry konnte Susan's Verhalten nicht verstehen. Wie konnte nur irgend jemand glauben, dass Dempsey Wilbur getötet hat?
„Lass sie doch schauen, Dempsey. Ich bin froh, dass du hier bist. Das du an meiner Seite bist und uns hilfst das durchzustehen."
Dempsey schaute ihr tief in die glänzenden, blauen Augen. Sie schien den Tanz mit ihm wirklich zu genießen.
Sanft strich er ihr über den Rücken und küsste sie zärtlich auf die Lippen.
„Ich bin auch sehr froh, dass ich hier bei dir sein kann."
In diesem Moment betrat Superintendent Spikings den Saal. Harry erschrak bei seinem Anblick. Spikings schaute sie düster an.
„Er sieht nicht sehr glücklich aus," sagte Dempsey leise.
Sie verließen die Tanzfläche und trafen Spikings an der Tür.
„Kommt raus. Ich muss mir euch reden," sagte er barsch.
Sie gingen gemeinsam in die Bibliothek. Hier konnte sie niemand hören.
„Was gibt es, Boss?"
„Das Ergebnis der Autopsie ist da und es sieht nicht gut für uns aus. Wir haben hier ein weiters Mordopfer. Wilbur Winfield wurde erschlagen. Er war schon tot, als er ins Wasser geworfen wurde. Vier Tote! Vier Tote! Und was muss ich hier sehen? Grace Kelly und Fürst Rainier amüsieren sich anscheinend prächtig! Ich will endlich Resultate sehen, habt ihr mich verstanden?"
„Was sollen wir machen,sir? Wir haben nicht den kleinsten Hinweis auf den Fuchs. Ich hab alle Gäste, soweit wie möglich, überprüfen lassen. Bisher gibt es keinen Verdächtigen."Wandte sich Harry an ihren Vorgesetzten.
Spikings strich sich über den Kopf.
„Wenn es nach Lady Mary geht, gibt einen Verdächtigen,"sagte er und schaute auf Dempsey.
Dempsey schnalzte mit der Zunge.
„Klar Boss, ich habe nichts besseres zu tun, als Harry's Familie auszulöschen."
„Beschäftigt euch mehr mit dem Fall, als mit euch selbst! Morgen ist die Fuchsjagd und ich will keine weiteren Opfer. Hab ich mich deutlich ausgedrückt?"
„Ja, sir. Wir geben wirklich unser Bestes," sagte Harry und verließ die Bibliothek.
„Hör zu Dempsey, wenn du diesen Mistkerl nicht erwischt, steckst du wirklich in Schwierigkeiten. Lady Mary will uns verklagen. Schnappt den Fuchs, hast du mich verstanden? Und pass auf Makepeace auf. Sie ist der beste Cop, den ich habe, ich will nicht, dass ihr etwas passiert, weil du wieder durchdrehst!"
„Sie haben mein Wort, Boss. Ich verspreche ihnen, dass Harry kein Haar gekrümmt wird."
Harry wartete in der Halle auf ihn.
„Spikings ist wirklich wütend, wir müssen endlich einen Hinweis finden," seufzte sie leise.
„Das werden wir, Harry. Was erwartet er denn von uns? Wir geben wirklich unser Bestes aber der Fuchs ist uns immer einen Schritt voraus."
Sie gingen niedergeschlagen zurück in den Festsaal. Die Tanzfläche war gut gefüllt. Das Streichorchester spiele einen alten Beatles Song.
„Möchtest du tanzen? Ich liebe diesen Song," fragte er und reichte ihr eine Hand.
„You hold me tight? Ich wusste nicht, dass du die alten Klassiker magst," antwortete sie überrascht.
Sie gingen auf die Tanzfläche und Dempsey umfasste Harry's Hüften. Zärtlich legte er seine Lippen an ihr Ohr.
„Hold me tight ,let me go on loving you tonight, tonight...making love to only you ...so hold me tight tonight, tonight." Leise flüsterte er den Text in ihr Ohr.
Harry bekam Gänsehaut. Sie fühlte sich ihm so nah und sie versank in dem Text und in seinen Armen.
