Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

„Remus … ich habe die Dorfbewohner gefunden."

Die Spitze ihres Zauberstabs berührte beinahe die Schläfe eines alten Mannes, dessen Gesicht von dem grellen Schein des Lumos-Zaubers erhellt wurde; dabei zeigte er keinerlei Reaktion auf den Lichtkegel. Er stand keine halbe Armlänge von ihr entfernt, genau wie die Gestalten rechts, links, neben und nun auch hinter ihr … trotz seines fortgeschrittenen Alters bezweifelte Luciana, dass die abgelöste Hornhaut seines rechten Auges (welche genau in diesem Moment mit geräuschvoller Untermalung seine gräuliche Wange hinunterglitt) unter einem üblichen Wehwehchen verbucht werden konnte, genauso wenig, wie die letzten Büschel schlohweißen Haars, die lose auf seiner Kopfhaut und seinen Schultern hingen.

In der Brennerei?", dröhnte Remus japsend in ihrem Ohr - von dem Mann vor ihr ging noch immer keine Regung aus.

„Genau da." Der Stab in ihrer Hand vibrierte und sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass dies ihrem eigenen, unkontrollierten Zittern zuzuschreiben war – Schockstarre, sie hätte sich nicht einmal bewegen können, hätte sie es gewollt. „Weißt du noch, vorletzten Sommer, da haben wir einen Filmeabend gemacht …"

Es ist jetzt wirklich nicht der richtige Zeitpunkt für-„

„'Return of the Living Dead', klingelt's da?" Neben ihr tat sich etwas, doch sie wagte es nicht, für nur eine Sekunde den Mann vor ihr außer Augen zu lassen. „Also entweder sind die Einwohner riesen Fans und heute ist Volks-Zombie Tag … oder ich sollte mich dringend nach einer Kettensäge umsehen."

Und schon wieder eine Bewegung in ihrem Augenwinkel, dieses Mal von gleich beiden Seiten.

Ist Sirius bei dir?"

„Nopes, ich dachte er sei hier unten, aber ich hab keine Ahnung –„ Luciana unterbrach sich selbst mit einem spitzen Aufschrei, als sie feucht eisige Finger an ihrem Handgelenk spürte – mit einem vehementen Ruck ihres Arms in die entgegengesetzte Richtung schüttelte sie den Grapscher ab, doch just in diesem Moment kam so etwas wie Leben in den alten Greis vor ihr. Sie wich automatisch einen Schritt nach hinten und kollidierte dabei direkt mit dem knochigen Brustkorb eines anderen Dorfbewohners – der die Gelegenheit beim Schopfe packte und beide Arme um sie schlang.

Luciana?"

„Verpiss dich du scheiß –„

Luciana, was ist los bei dir?!"

„NIMM DEINE" – sie verpasste dem Etwas hinter ihr einen kräftigen Tritt mit der Ferse, was keinerlei Effekt zu haben schien – „DRECKIGEN" – die folgende Kopfnuss, ausgeführt mit der Rückseite ihres Schädels, dafür umso mehr „PFOTEN VON MIR!". Sobald ihre Arme wieder freien Spielraum hatten, drückte sie den Sprachknopf ihres Ohrmikros.

„Ungemütlich, das ist hier los und –„ Wo ihre komplette Aufmerksamkeit nun nicht mehr ausschließlich auf den alten Greis gerichtet lag, fand sie sich nun umzingelt vor - die paar Schritte zur Treppe schienen unüberwindbar, selbst wenn sie vor lauter Gliedmaßen, gräulich löchriger Haut und dumpf starrenden, wandelnden Halbtoten hätte sehen können, wo sich diese überhaupt befand. Noch einer dieser Gründe, wieso ihre knapp über ein Meter sechzig Körpergröße als offiziell anerkanntes Handicap durchgehen sollte. „Schick jemanden rüber, am besten die ganze Einheit – das erste Brennereigebäude auf der linken Seite", rief sie panisch und versuchte neben dem grellen Schein des Lumos Zaubers das Restlicht von der oberen Etage auszumachen. Immer mehr Hände streiften ihren Rücken, ihre Schultern und Arme und sie hatte sich derweil so häufig um die eigene Achse gedreht, in der Absicht bloß keine der Gestalten aus den Augen zu verlieren, dass ihre Orientierung nun völlig hinüber war. „Am besten du apparierst hier gleich rüber oder-„ Eine Hand griff nun fest nach ihrem Unterarm, worauf ihre Faust reflexartig mitten in das Gesicht einer einst jungen Frau schnellte – die paar letzten Fetzen ihres rotblonden Haars rieselten auf die umherwandelnden Personen nieder, die Nasenknochen unter Lucianas Faust zerknirschten mit einer erschreckenden Leichtigkeit und der folgende Kreischlaut der Zombiedame löste sogleich eine Art Kettenreaktion aus … die bisherige, vollkommene Stille in der Brennerei wurde von aberhunderten, schaurigen Klicklauten durchschnitten, überall in der Halle war das schlurfende Geräusch von Schuhsohlen über gegossenem Betonboden zu hören und dann ertönte der deutliche Klang von dutzenden Schritten auf metallenem Lochblech. Da, links neben ihr, vielleicht in drei Meter Entfernung, musste die Treppe hinauf und in Sicherheit liegen – wenn sie sich nicht irrte, konnte sie auch bei genauem Hinsehen einen leichten Schein Tageslicht und … eine verstopfte Treppe voller angefaulter Dorfbewohner sehen. Es knackte in ihrem Mikro, Remus setzte gerade zum Sprechen an und wurde ihr dann in der nächsten Sekunde von mehreren Händen in ihrem Gesicht und an ihrem Nacken aus dem Ohr gerissen.

Luciana arbeitete gegen jeden ihrer Urinstinkte, die sie lautstark anfeuerten, wie ein aufgescheuchtes Huhn in Panik um sich zu schlagen und mit allen Mitteln aus dem Pulk zu kommen.

Nox", flüsterte sie leise und zwang sich weiterhin absolut still zu stehen. Sie hatte nicht den blassesten Schimmer, wie gut die Sinne dieser halbmenschlichen Kreaturen waren, oder ob sie überhaupt noch mit den Üblichen ihre Umgebung wahrnehmen konnten – vielleicht würden die Viecher in der Dunkelheit schnell vergessen, dass sie überhaupt anwesend war oder nicht zu ihnen gehörte?

Für eine Weile machte es den Eindruck, als sei ihr Plan aufgegangen und der fehlende Lichtschein an der Spitze ihres Zauberstabs würde nicht mehr als Dementorbrutzombiebabies-Anziehquelle missbraucht werden. Kaum, dass ihre Panik ein wenig abgeflaut war und sie über ihren nächsten Schritt nachdenken konnte, waren die Hände überall. Das Klicken und Schnalzen nahm an Intensität zu und das tote Opossum zu mimen schien keine Möglichkeit zu sein, hier lebend wieder herauszukommen, also besser doch die Hau-drauf-Methode.

Confringo!", rief Luciana und zielte ihren Zauberstab nach vorne – der kurze, helle Blitz offenbarte ihr ein halbes Dutzend der Gestalten, die es sofort von den Füßen riss und gleich mehrere von ihnen rempelten dabei ein paar weitere zu Boden. Der Weg zur Treppe war noch immer von umherirrenden Personen verstopft, trotzdem stieg sie mit schnellen, wenn auch vorsichtigen Schritten über alles, was sie mit ihren Füßen anstieß – dabei kam sie allerdings nicht weit, da mehrere Hände den Schaft ihrer Lederboots mit klammerartigen Griff umschlossen hielten – „Stupor!" Der folgende, rote Lichtschein reflektierte für einen Lidschlag die völlig leeren Augenhöhlen eines Teenagers zu ihren Füßen, dabei zeigte er sich von dem Zauber ziemlich unbeeindruckt.

„Scheiße", fluchte sie laut auf, improvisierte mit einem Tritt ihres Fußes und kam endlich frei – nur um in der nächsten Sekunde und einen halben Schritt weiter zwei neue Greiferchen an ihren Unterschenkeln zu spüren, zusätzlich zu dem halben Dutzend an diversen anderen Körperstellen … mal davon abgesehen, dass die gerade weggesprengten Herrschaften genau vor ihr wieder ihre Positionen eingenommen hatten – und sich nun überengagiert zeigten, ihr an die Gurgel zu gehen. Okay, Zauber schienen hier ineffektiv oder nur von sehr kurzer Dauer zu sein, sie war umzingelt, die übliche Selbstverteidigung würde eingehenden Körperkontakt erfordern und schien bei dieser geballten Masse wenig sinnvoll, wieso waren diese ätzenden Scheiß-Viecher nur so zäh und immun gegen –

Der Geistesblitz traf sie keinen Moment zu früh.

Expecto Patronum!"

Luciana kniff bei dem wabernden, silbrigen Schein, der die Spitze ihres Zauberstabs verließ, ihre Augen zusammen, bis sie sich an den Anblick der Lichtgestalt, in Form eines Falken, gewöhnt hatten. Die Gestalten, direkt vor ihr, wichen zurück, endlich sah sie klar und deutlich das Treppengeländer, keine zwei Meter entfernt und dann – ihr rutschte das Herz in die Hose, als eine ganze Horde zielgenau durch ihren Patronus auf sie zu trat. So viel zu ihrem Geistesblitz … bevor sie sich damit abfand, gleich unter einer Meute verfaulender Körperteile vergraben zu liegen, angeknabbert zu werden oder was auch immer mit sich anstellen zu lassen (was alles so oder so auf ein sehr verfrühtes Ableben ihres noch so jungen Daseins hinauslaufen würde), wechselte Luciana ihren Zauberstab in ihre linke Hand, griff mit der Rechten in die Innentasche ihres Mantels und zog ihre neun Millimeter hervor (dabei war sie sehr dankbar, am Morgen so geistesgegenwärtig gewesen zu sein, diese noch im letzten Moment, vor der Kaminreise in McGs Büro, eingesteckt zu haben) – der silbrige Falke schwebte noch immer ein paar Schritte vor ihr entfernt und bot somit ein zwar eingeschränktes, aber dafür klar erkennbares Sichtfeld.

Der erste Schuss knallte mit einem ohrenbetäubenden Lärm durch das gesamte Gebäude und verfehlte das eigentliche Ziel um einen halben Meter. Was bei diesem Gedränge nicht als Munitionsverschwendung zu verbuchen war, denn statt der Dame mit dem halb verrutschen Gesicht, traf es einen Herrn daneben in die Schulter (welche mit einem ekelhaften, reißenden Geräusch samt Arm einen Abflug nach hinten machte) – trotzdem steckte Luciana zähneknirschend ihren Zauberstab in die Tasche, damit sie beide Hände zum Zielen nutzen konnte und der Rückstoß ihr nicht gleich zur Krönung ihren eigenen Arm auskugeln würde. Der Patronus blieb, wenn er auch von Sekunde zu Sekunde zu verblassen schien.

BAMM

Zweiter Schuss, dieses Mal zielgenau – die umherfliegenden Einzelteile von dem, was einmal der Kopf der Dame gewesen war, rieselte in hundertfacher Ministückzahl schleimig auf die umherwandelnden Dorfbewohner und Luciana nieder, doch im Gegensatz zu dem Herrn mit nun einer Schulter, Schrägstrich, Armpartie weniger, brach der Rest ihres Körpers regungslos auf dem Boden zusammen.

„Geht doch", murmelte sie triumphierend und visierte direkt den nächsten Kandidaten an; nächster Schuss und darauf gleich noch einer … Zwar schien dies die bisher beste Möglichkeit zu sein, einen halbwegs freien Weg aus dieser zombieverseuchten Brennerei zu bahnen, allerdings zeigten sich diese hirnlosen Mistviecher wenig ambitioniert das Weite zu suchen und damit vor der geladenen Waffe zu fliehen, nein, alles um Luciana machte einen äußerst angepissten Eindruck. Noch schlimmer: Die bisher fahrig wirkenden Bewegungen der angegammelten Herrschaften nahmen an Tempo zu, genau wie die Klack- und Schnalzgeräusche, die irgendeine Art von Kommunikation zu sein schienen und auch wenn sie mit einer automatischen Handfeuerwaffe ausgestattet war, hatte diese erstens nur fünfzehn Schuss und zweitens hatte sie nur noch ein weiteres Magazin dabei. Vielleicht sollte man hier noch als dritten Punkt anführen, dass sich ein Maschinengewehr wohl wesentlich besser geschlagen hätte, die Viecher wurden nämlich just in dieser Sekunde verdammt schnell.

Es waren weniger als drei Schritte bis zu dem Absatz der Treppe, doch trotz beinahe hundertprozentiger Trefferquote, kombiniert mit dem Einsatz von Tritten und Schlägen, sah die Lage aussichtslos aus. Luciana wehrte gerade den Bissversuch eines fetten Kerls mit einem aufgesetzten Schläfenschuss ab, da trat sofort der nächste Mann in ihr Sichtfeld, der erschreckend zielstrebig nach ihrer Waffe griff, noch ein Schuss, dieses Mal wurde der Platz von einer Frau eingenommen, daneben tauchte gleich ein Teenager auf, daneben ein Greis – sie kam kaum damit hinterher, den Abzug zu drücken und dann –

Klick

Kein Knall, das erste Magazin war leer und sie hatte noch einen Schritt bis zur ersten Stufe. Das Greifen in die innere Brusttasche ihres Mantels nahm einfach viel zu viel Zeit in Anspruch, ihre zitternden Finger glitten zweimal an dem kalten Metall des Magazins vorbei, bis sie es endlich zu packen bekam, währenddessen versuchte sie vehement, sich nicht die Pistole aus der Hand reißen zu lassen, überall waren Finger, die an ihr zerrten, andere legten sich um ihren Hals, die sie nur mühsam und mit heftigem Kopfrucken losschütteln konnte. Mit geübtem Druck auf den seitlichen Mechanismus der Waffe schnellte das leere Magazin zu Boden und landete dumpf auf einem der umherliegenden Körper; bis sie das Neue an seinen Platz geschoben hatte, gingen noch drei weitere Angriffslustige auf Tuchfühlung mit ihren Fäusten und Tritten, noch während Luciana auf dem Absatz kehrtmachte und mit einem sehnsüchtigen Blick zu dem seichten Lichtschein oberhalb der Treppe hinaufsah.

Sie hatte fünf weitere Personen niedergestreckt, bis es unmöglich wurde, die vielen Hände abzuschütteln und auch nur ein klein wenig Abstand zu den umherschlagenden Mistviechern aufrecht zu halten. Die erste Stufe hatte sie bereits betreten, ein schierer Mob an Körpern umringte sie, quetschte sie ein, der feste Griff um ihre Waffe wurde immer anstrengender, wieder reckte sie ihren Hals Richtung Ausgang, als –

Sectumsempra!"

Aus dem oberen Stockwerk regnete es Gliedmaßen auf sie herunter, aus dem Augenwinkel sah Luciana einen fein säuberlich abgetrennten Daumen haarscharf an ihrem Kopf vorbeifliegen und nachdem nur noch die Hälfte der Gestalten auf den Lochblechstufen umherirrte, wurde eine sehr charakteristische Silhouette sichtbar. Egal wie sehr sie die Nähe dieses Mannes die letzten Tage auch gemieden haben mochte und sie noch immer stinksauer auf ihn war, der Anblick von einem finster dreinblickenden Professor Snape mit zum Kampf erhobenem Zauberstab kam in dieser Situation einer hakennasigen Marienerscheinung gleich.

Einen Augenblick später schoben sich über ein Dutzend angefaulter Wesen an ihr vorbei, wohl um den nächsten Eindringling mit schierer Überzahl zu überwältigen – allerdings war das Repertoire an Zaubern, die Snape auf Lager hatte, ein wenig effektiver, als ihre eigenen, kläglichen Versuche vor wenigen Minuten; dabei sprach er die meisten davon nicht einmal laut aus. Jedoch hatte sie nicht mehr als ein paar Sekunden, dann war sie gezwungen ihre Aufmerksamkeit wieder auf die penetranten Mistviecher in ihrer unmittelbaren Nähe zu richten, von denen noch immer mehrere gleichzeitig versuchten, sie mit Zerren und Reißen zu Fall zu bringen oder ihr die Waffe zu entwenden. Derweil nahm der Strom an umherfliegenden Körperteile nicht ab – Snape brauchte keine halbe Minute (die sich trotzdem wie eine ermüdende, höchst herausfordernde Ewigkeit anfühlte), bis er auf der untersten Stufe bei ihr angekommen war, dort keine Zeit verschwendete und ihren Oberarm umfasste, um sie darauf gleich zwei Stufen auf einmal hochzuziehen.

„Meine Hilfe wird an keiner Stelle benötigt, huh?", schnarrte er ihr abfällig entgegen und schoss nebenbei mit purpurroten Funken drei Dorfbewohnern gleichzeitig Köpfe und Arme von den Körpern.

Selbstverständlich musste dieser Kommentar kommen und damit hatte er nicht einmal gewartet, bis alle fremden Gammelgrabscherchen von ihr abgezogen waren. Doch sie hatte bedauerlicherweise nicht die Gelegenheit, eine patzige Antwort darauf zu geben – wobei er, am Rande erwähnt, allen Grund für seinen Sarkasmus hatte.

Sie rammte den Schaft ihrer neun Millimeter mitten auf die Stirn eines hochgewachsenen Mannes, der gerade mit ausgestreckten Armen die Stufen zu ihnen hochgestolpert kam, sofort trat die Spitze von Snapes Zauberstab in ihr Sichtfeld und den Kerl riss es schwungvoll von den Füßen. Schritt für Schritt kämpften sie sich den Weg zum oberen Stockwerk frei, Luciana hatte derweil wieder ihren Zauberstab aus der Manteltasche hervorgezogen, mit dem Hintergedanken, ihre letzten acht Kugeln nur für äußerst dringliche Notfälle einzusetzen, auch wenn ihre eher jugendfreien Angriffszauber wenig zu Snapes äußerst wirkungsvollem Blutbad beitrugen.

Auf der obersten Stufe angekommen, wurde ihre freie Sicht von aber dutzenden Ex-Menschen versperrt, die sich offenbar in den letzten paar Minuten in der gesamten oberen Ebene verteilt hatten. Mit einem ganz besonders grellen Blitz aus dem Zauberstab schoss Snape links neben ihr eine ganze Meute aus dem Weg, was das Sichtfeld freilegte auf –

„Was zur Hölle", schnappte sie fassungslos und starrte eine Handvoll Gestalten an, die keine zwei Meter von ihnen entfernt standen. Ihre Köpfe wandten sich, wie in einer geschlossenen Einheit, von den gerade zu Boden gestürzten Halbvergammelten ab, dann richteten sie ihre Aufmerksamkeit auf sie und Snape. Im Gegensatz zu den Herrschaften, die Luciana in den letzten Minuten bis hierher gesehen hatte, schienen diese Kandidaten das Entwicklungsstadium Level Zwei erreicht zu haben – hier und da hingen noch ein paar letzte Fetzen von etwas an ihnen herunter, was mit viel Phantasie einmal Kleidungsstücke und Haut gewesen sein mochte, dafür hatte sich eine anthrazitfarbene, transparente Schicht über ihren gesamten Körper gelegt, die die Sicht auf Knochen und Muskelreste freigab … selbst die Köpfe von ihnen wurden davon komplett verdeckt und dort, wo der Mund hätte sein sollen, klafften geöffnete Schlünde. Das war allerdings nicht das Schlimmste an diesem Anblick, denn unter dieser dunklen Schicht (die schon jetzt die Maserung von Stoff angenommen hatte) pulsierte eine schier endlose Masse an Wurmgetier. Die kleinen Maden hatten sich vor allem im Bereich der Beine angesammelt, wo sie offenbar eifrig damit beschäftigt waren, diese zu etwas ganz und gar anderem, abartigerem –

Snape trat mit einem ausladenden Schritt vor Luciana, griff dabei nach ihrem Unterarm und hielt sie dicht an seinen Rücken; dann startete er einen derart schnell aufeinanderfolgenden Angriff an Zaubern, dass die Halle für eine ganze Weile aus nichts anderem, als Blitze und Funken zu bestehen schien. Allerdings kam sie nicht umhin, sich auf der Hälfte der Strecke durch die Halle von ihm loszureißen, damit sie beide Hände für einen gezielten Schuss auf den Kopf einer Dame frei hatte, die mit affenartiger Geschwindigkeit und sehr beunruhigend aggressiver Stimmung auf sie zu gerannt kam.

Sieben Schuss, aber mit Snape an der Seite sah die Chance irgendjemandem, der für diese Misere auch nur ansatzweise verantwortlich gemacht werden konnte, den Arsch aufzureißen und heute nicht den Löffel abzugeben, gar nicht mal so düster aus – wobei es weniger erfreulich war, dass das Hallentor sperrangelweit offenstand und sie schon von hier aus erkennen konnte, wie die ‚Dorfbewohner' in einem Strom ins Freie traten.

„Sind die anderen auf dem Weg?", schrie sie über ihre Schulter in die Richtung, wo sie Snape vermutete und feuerte gleich zwei Schüsse auf ein Paar Kandidaten ab, die ihr gefährlich nahe kamen.

„Das, was von ihnen übrig ist", hörte Luciana seinen trockenen Kommentar, irgendwo in der Nähe des Tores – na klasse, die paar Sekunden hatten offenbar gereicht, sie und Snape wieder einige Meter voneinander zu trennen und die Strategie Fuß um Fuß rückwärts im Abwehrmodus aus der Halle zu schleichen, schien wenig effektiv. Mit einer schwungvollen Drehung machte sie auf der Stelle kehrt und setzte zu einem Sprint an, bei dem sie von Beginn an einen schieren Slalomlauf um auf den Boden liegende Gliedmaßen und umherirrende Dementor-Zombies vollführen musste. Der Plan schien aufzugehen – bei dem vorletzten Brennkessel vor dem Ausgang angekommen, hatte sie wieder einen freien Blick auf Snape.

Er stand mit hochkonzentrierter Miene umgeben von sicherlich über zwanzig höchst angriffslustigen Personen und vollbrachte es mit gleichbleibender Kontinuität, einen Zauber nach dem anderen auf sie abzuschießen, ohne die Kontrolle zu verlieren oder sich einkesseln zu lassen. Dabei sah er derart unverschämt gut und imposant aus, dass sie für einen Augenblick vergaß, selber nach potentieller Gefahr Ausschau zu halten. Glücklicherweise schien selbst der Zombiemob von den fließenden Bewegungen des Tränkemeisters angezogen (wenn auch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus ästhetischer Faszination) und hielt sich für den Moment von ihr fern. Luciana war sich beinahe sicher, dass er es sogar bewerkstelligen würde, jeden einzelnen der Dementorbrut eigenhändig niederzustrecken, doch auch wenn sie problemlos den Rest des Tages auf ihrer Position hätte stehen bleiben und von dort aus Snape in körperlich wie geistiger Höchstleistung beobachten hätte können, befand sie diesen Ort schon seit Entdeckung der Dorfbewohnersammelstätte für weniger geeignet, den Feierabend ausklingen zu lassen. Und wie aufs Stichwort schoss ein ganzer Ballen von Funken zwischen zwei Wesen direkt auf sie zu – Luciana konnte nur noch im Reflex den Arm heben und hätte Johnny den folgenden, klar und deutlich erkennbaren, bläulich schimmernden Schildzauber gesehen, hätte sie eine mächtig hohe Punktzahl für ihr Haus einsacken können. So ungewöhnlich stark ihr sonst eher schwächliches Schild gerade ausfallen mochte, hatte dieses gerade keinen Angriff ihrer Mitschüler, sondern eines verdammt geübten, talentierten Schwarzmagiers, Schrägstrich,Todessers zu schlucken und das Ergebnis fiel weniger perfekt aus. Die Funken wurden nicht geschluckt, sondern umgeleitet und schlugen beinahe vollständig in den riesenhaften Kessel zu ihrer Rechten ein; der Rest fetzte den Ärmelstoff ihres Wintermantels weg und nahm dabei gleich ein, zwei unterliegende Hautschichten ihres Ellbogens mit. Von diesem danebengegangenen Angriff hatte Snape selber gar nichts mitbekommen, da er noch immer eine Dreihundertsechziggrad-Egoshooter-Challenge zu bewältigen hatte. Luciana musste keine Sekunde später vor einer Fontäne aus Dampf und heißer Flüssigkeit in Deckung gehen, die sie nur um Haaresbreite verfehlte. Der Kessel neben ihr spuckte nicht nur gemeingefährlich meterweit in die Halle hinein, sondern fing nun auch noch an, bedrohlich in seiner Einfassung zu wackeln, ganz, als seien die umherflitzenden, tollwütigen Dorfbewohner nicht schon genügend Motivation, dieses verdammte Gebäude zu verlassen.

Auf die Gefahr hin, den einen oder anderen Ausreißer aus Snapes Zauberstabspitze abzubekommen, lief Luciana in die Traube aus umherschlagender Gestalten, die sich durch das Tor nach draußen quetschte – auf der Hälfte der Strecke bekam der Tränkemeister sie zu fassen, verließ damit gleichzeitig seine Kampfposition und so drängelten und schoben sie sich eine gefühlte Ewigkeit bis auf den Parkplatz hinaus (pardon, Snape drängelte, da er sie im Klammergriff mit einem Arm vor seiner Brust gepinnt hielt und ihre Bewegungsfreiheit somit sehr weit eingeschränkt war).

Die Hoffnung, dass der Alptraum außerhalb des Gebäudes ein sofortiges Ende nehmen würde, war in dem Moment zerschlagen, als sie erkannte, dass auf der Parkfläche, wie auf der angrenzenden Wiese, die ehemaligen Dorfbewohner in erschreckend großer Anzahl auf die Straße getreten waren und nun den Weg Richtung Innenstadt einschlugen. Snape hatte sie derweil aus seinem Griff entlassen und schaute sich kalkulierend in Windeseile zu allen Seiten um. Letztendlich packte er Lucianas Handgelenk und zog sie mitten durch den Strom der halbmenschlichen Wesen. Schnell spürte sie Rasen unter ihren Schuhsohlen, doch auch wenn das Gedränge hier draußen bei weitem nicht so katastrophal ausfiel, wie gerade noch im Innern, blieb ihr Sichtfeld weiterhin begrenzt – zudem hatte es mittlerweile zu dämmern begonnen, Straßenlaternen schien es hier nicht zu geben und allmählich verließen sie ihre Kräfte. Es reichte noch, den kleinen Mauervorsprung zu überwinden, um auf die bepflasterte Straße zu gelangen, aber als Snape vor ihr mit Laufschritt die andere Seite ansteuerte, wahrscheinlich in der Absicht, das nächste, offene Gelände zu erreichen, damit sie barriere- und vor allem angegammelte gliedmaßenfrei apparieren können würden, konnte sie unmöglich mit seinem Tempo mithalten.

„Wir haben keine Zeit zu verlieren, reißen Sie sich zusammen und –„

„FEUER!", übertönte der Schrei einer männlichen Stimme (die ihr sehr bekannt vorkam) Snapes letzte Worte und dann drang der unverwechselbare Lärm von Gewehrsalven über die Straße. Oder besser gesagt: genau in ihre Richtung. Rechts aus dem Augenwinkel sah sie die ersten Reihen der Dementorenbrut von Kugeln zerlöchert zu Boden sinken, keine drei Meter von ihnen entfernt – bei den vielen Gestalten um sie herum würde die Einheit unmöglich erkennen können, dass sie inmitten des Schussziels standen und nicht zum ersten Mal an diesem Tag schloss Luciana in Gedanken mit ihrem kurzen Leben ab.

Irgendwo von vorne hallte das Brüllen von Black – selbst in dieser aussichtslosen Lage fragte sie sich für eine Millisekunde, wie das sein konnte, wenn er doch unter keinen Umständen diesen Ort in Menschengestalt hatte betreten wollen, in der nächsten Sekunde wurde sie mit einem kräftigen Stoß bäuchlings auf den feuchten Asphalt geschmissen. Sie war gerade im Begriff ihren Kopf ein Stück weit anzuheben, damit sie sich ein Bild von der Lage machen konnte, als dieser von dem Gewicht eines Körpers, direkt auf ihr, wieder zu Boden gedrückt wurde. Beim nächsten Atemzug kam ihr ein wohlbekannter Geruch in die Nase, was ihre Befürchtung, sie wäre von einem getroffen Gammelzombie niedergeworfen worden, zunichtemachte.

Seit dem Befehl zur Schussfreigabe und der tatsächlichen Ausführung waren keine drei Sekunden vergangen und in diesem winzigen Zeitfenster war Snape offenbar geistesgegenwärtig genug gewesen, zu reagieren. Unter den Stoffmassen seiner Robe und des Umhangs, sowie seiner Brust über ihrem Kopf, erklangen die umherfliegenden Schüsse nur noch dumpf in ihrem Gehör, jedoch sie rissen für keinen Augenblick ab. Über ihr murmelte Snape unaufhörlich in ihren Haaransatz hinein, bis ihr nach einigen Worten, die sie klar herausfiltern konnte, bemerkte, dass er dabei sein musste, einen Schildzauber aufzubauen. Luciana beschloss an Ort und Stelle (auf Tuchfühlung mit der nassen Straße), den Paragraphen siebzehn Abschnitt vierundzwanzig ihrer Vertragsbedingungen mit dem Orden um den Punkt erweitern zu lassen, dass sie nie wieder eine Mission antreten würde, wenn der Kerl da über ihr nicht mit von der Partie war; obwohl, vielleicht hatte sich das Thema auch soeben erledigt, denn genau in diesem Augenblick ging ein kräftiger Ruck durch seinen Körper – ihr Herz überschlug sich, ihre in Panik aufgerissen Augen erkannten nichts weiter, als Dunkelheit und einen Spalt breit Asphalt, ein gräulicher Arm mit nur noch drei Fingern an der Hand – war Snape getroffen worden? Hatte der Schutzschild eine Kugel durchgehen lassen? Lag sie hier gerade vollkommen tatenlos herum, während er menschlichen Munitionsabfangmechanismus für sie spielte? Wieso musste er überhaupt den Helden markieren, nachdem was er seit Schuljahresbeginn mit ihr in seinem Unterricht und auch außerhalb davon abgezogen hatte? Und war das wirklich nur Feuchtigkeit von Tau unter ihren Fingerspitzen, oder war etwas Wärmeres, Dickflüssigeres hinzugekommen?

„Hören Sie auf der Stelle auf mit dem Gezappel!", zischte Snape wütend direkt in ihre Ohrmuschel, was bedeuten musste, dass er in Ordnung war und nicht gerade auf ihr ausblutete, oder? Die Schüsse knallten unaufhörlich weiter, Lucianas Zeitempfinden schien unbrauchbar und gerade, als sie sich wieder ein klein wenig beruhigt hatte, kam die nächste Erschütterung, die sie in keiner Weise zuzuordnen wusste – zudem wurde der Körper über ihr schwer, es wurde immer anstrengender Sauerstoff in ihre Lungen zu befördern; sie musste hier weg, irgendwie Kontrolle über die Situation bekommen, einen Überblick, nicht tatenlos -

„Sie rühren sich nicht von der Stelle", drang seine Stimme wieder zu ihr durch, dabei legte er seine Hand auf ihren Kopf, „haben wir uns verstanden", redete er weiter, dabei klang er wesentlich ruhiger, als gerade eben, „keinen Fingerbreit". Luciana versuchte bei der eingeschränkten Bewegungsfreiheit so etwas wie ein Nicken zustande zu bringen und zwang sich, jeglichen Fluchtversuch abzubrechen – „Atmen Sie ruhiger", kam die nächste Anweisung von ihm und hätte er dies nicht gesagt, wäre ihr ihr eigenes, abgehacktes Luftholen gar nicht aufgefallen. Die Gewehrsalven nahmen nicht ab, Snape redete weiter auf sie ein, während sie unter großer Anstrengung versuchte, ihre Atemgeschwindigkeit seinen langsamen und gleichmäßigen Brustkorbbewegungen anzupassen – dieser Scheißtag wollte und wollte einfach kein Ende nehmen.

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„Ach du meine Güte", grüßte Mrs Weasley sie an der geöffneten Tür zum Grimmauldplatz, dann: „Ach du meine Güte!", mit gleich doppelter Intensität.

„Das ist alles nicht von mir", erwiderte Luciana mit einem schiefen Lächeln und deutete einmal anschaulich an sich selbst herunter. Zugegeben, ihr Anblick konnte auf den ersten Blick etwas verstörend sein, immerhin war sie über und über mit angetrocknetem Blut, Fetzen aus Haut und Haaren sowie bröckligen Stücken undefinierbaren anderem organischen Material bedeckt. Remus, der von oben bis unten mit Ruß eingeschichtet war, legte ihr eine Hand auf den Rücken und schob sie an der noch immer schockiert dreinblickenden Weasley-Mama vorbei, gleich darauf humpelte Moody hinter ihnen ebenfalls durch den Eingang in den Flur. Anstatt den Weg die Treppe hinunter in die Küche zu nehmen, machte Luciana am Ende des Gangs Halt, knöpfte ihren Mantel auf, verstaute ihren Zauberstab, die neun Millimeter, Zigaretten und jeden anderen Krimskrams, der sich in den Taschen befand auf einem kleinen Tisch neben dem Aufgang und drückte Mrs Weasley das vor Schmutz stehende Kleidungsstück in die Hand.

„Schmeißen Sie ihn weg, verbrennen Sie ihn, mir egal, ich nehme jetzt erstmal eine ausgiebige Dusche." Moody und Remus setzten zum Protest an, faselten irgendwas von ‚dringlicher Besprechung' und dass der gröbste Dreck schnell mit einem Zauber beseitigt werden könnte, doch da war sie schon auf dem halben Weg in das erste Stockwerk. Nicht, dass die Herrschaften sie hätten umstimmen können. Zumindest sorgte ihr schlachthausreifes Erscheinungsbild für totales, erstarrtes Schweigen seitens des miesepetrigen, total bekloppten Hauselfs der Blacks, an welchem sie auf der Hälfte des langen Flurs zum Bad vorbeilief und diesem nicht mehr als einen flüchtigen Seitenblick zuwarf.

In dem renovierungsbedürftigen Badezimmer (genauer genommen war das komplette Haus in einem katastrophalen Zustand, selbst nach Mrs Weasleys mittlerweile über einjähriger Säuberungsaktion) angekommen, klatschte Luciana den Rest ihrer dreckigen, feuchtnassen Klamotten auf einen klapprigen Stuhl neben dem Waschbecken, über dem ein halb erblindeter Spiegel zwischen all seinen angelaufenen Flecken ihre eigene, verdammt angepisste Reflektion abbildete. Bisher hatte sie diesen Raum nur einmal betreten, als Fletcher im letzten Monat ‚aus Versehen' (oder eher Fahrlässigkeit) eine wortwörtliche Bombe neben ihr im Kaminzimmer hatte platzen lassen (irgendetwas aus einem Jutebeutel, den er ständig dabei hatte und von dem jeder wusste, dass sich Schmuggelware und Diebesgut darin befanden – Luciana hatte bis heute keine Ahnung, warum er überhaupt Mitglied im Orden war) und sich das umherfliegende, purpurne Pulver Mithilfe keines noch so kniffligen Haushaltszaubers aus Mrs Weasleys Repertoire vollständig hatte entfernen lassen. Normalerweise nutzten sie bei den Treffen das Gäste-WC im Erdgeschoss, was allerdings mit keiner solch ‚hübschen' Duschvorrichtung wie dem altertümlichen Rohrkonstrukt ausgestattet war, unter dessen heißen Wasserstrahl sie sich gerade mit einem langgezogenen Seufzer begab.

Auf den mit Rissen und Sprüngen durchzogenen Fliesen unter ihren Füßen sammelte sich sofort eine dunkelbraune Pfütze und je mehr Schmutz von ihrem Körper gespült wurde, desto klarer konnte Luciana wieder denken.

Sie hatte Dufftown vor nicht einmal zehn Minuten verlassen und schon jetzt fühlten sich die Erinnerungen an die Ereignisse des heutigen Tages wie längst vergangen an – oder mehr, als habe sie gerade eine Vorpremiere eines neuen Splatter-Streifens verlassen und würde jetzt in Ruhe den Abend ausklingen lassen … Das Wasser, welches in dem im Boden eingelassenen Abfluss verschwand, wurde mit der Zeit immer klarer, bis sie es für sauber genug befand, nach einem Kräutershampoo auf der Ablage zu greifen (auf der ebenfalls irgendeine Rosenessenz lag, die ‚zauberhaftes Volumen' versprach, allerdings verspürte sie wenig Lust auf Experimente mit magischen Hygiene-Produkten) und die halbe Flasche daraus auf jedem Quadratmillimeter ihrer Haut und Haare verteilte – der Geruch von verwesendem Fleisch hing ihr trotz und alledem weiterhin in der Nase (was sicherlich einen eher psychischen Grund hatte), dabei war ihr dieser in dem Gebäude der Brennerei selbst gar nicht so sehr aufgefallen. Ein kleines Übel, wenn man bedachte, wie oft sie bei dieser Mission in verdammt brenzlige Situationen gekommen und mit mehr Glück als Verstand lebend wieder herausgekommen war. Natürlich hatte sie diesen Umstand zum Großteil dem Eingreifen von Snape zu verdanken – was sie über alle Maße verwirrte, denn auch wenn es heute bei weitem keine Premiere gewesen war, dass er sich überengagiert gezeigt hatte, sie von Gefahren fernzuhalten und ihren Hintern aus aussichtlosen Lagen zu prügeln (zaubern, was auch immer), hatte sie angenommen, er würde sich, mit all der Verachtung, die er ihr gegenüber an den Tag gelegt hatte, einen Dreck darum scheren, was Dementorbrutbabies mit ihr anstellen würden und von wie vielen Kugeln sie durchlöchert hätte werden können. Was wieder Zorn in ihr aufkeimen ließ, denn bei der lebendigen Schutzschildaktion auf der Straße hätte er gut und gerne selbst draufgehen können. Wenn er schon den Löffel in diesem Krieg abgeben musste, dann bitteschön nicht bei einer Gelegenheit, in die sie ihn direkt oder indirekt katapultiert hatte … immerhin war es einem kleinen Wunder gleichgekommen, dass sie beide die ‚Säuberung' auf dem Glennfiddich Gelände ohne den kleinsten Streifschuss überstanden hatten und das, wobei die Gewehre erst verstummt waren, nachdem auch der allerletzte Dorfbewohner regungslos alle Viere von sich gestreckt (oder geworfen) hatte.

Danach war alles so verdammt schnell gegangen, dass Luciana Schwierigkeiten hatte, die Ereignisse in richtiger Reihenfolge Revue passieren zu lassen – Snape hatte sie auf die Beine gezogen und irgendetwas in Richtung der Einheit gebrüllt, die noch immer kniend auf ihren Positionen mit den Gewehrläufen, aus denen es fürchterlich gequalmt hatte, auf sie gezielt hatten. Remus war neben ihr aufgetaucht, vollkommen außer Atem und hatte dabei ausgesehen, als sei er geradewegs aus einem Kohlenkeller gekrochen. Auch ihn hatte Snape wütend angeschrien, doch in Lucianas Ohren waren zu diesem Zeitpunkt noch immer nur die Schüsse der vergangenen Minuten zu hören gewesen. Irgendwo zwischen Mr Weasleys unaufhörlicher Fragerei nach ihrem Gesundheitszustand und einer Rangelei zwischen Black (in Menschengestalt), Remus und Matthews, hatte sie Snape aus den Augen verloren, kurz darauf war sie dann mit Moody und Remus zurück nach London appariert.

Luciana drehte den Duschhahn erst zu, als ihre Haut schon ganz schrumpelig geworden war, trocknete sich schnell ab und lief mit einem Badehandtuch zum Wickelkleid umfunktioniert in Remus Zimmer, um sich dort eine Pyjamahose auszuborgen, da ihre eigene Jeans mit dem Mantel zusammen entsorgt werden können würde. Selbst ihr Pullover war vor der Blut- und Dreckflut nicht verschont geblieben, so betrat sie in offenen Boots (nach der kurzen Säuberungsaktion unter dem Wasserhahn war sie zu motivationslos gewesen, sie wieder vollständig zuzuschnüren), zu langer, zerschlissener Hose und schwarzem Tank Top die Küche, die Arme voller Tascheninhalt, den sie im Flur wieder eingesammelt hatte.

Die Anwesenden schenkten ihr wenig Beachtung und hörten weiter den Ausführungen von Remus zu, die Luciana zunächst ignorierte, bis sie ihren Platz am Ende des langen Tisches eingenommen hatte, das Zeugs achtlos auf die Platte schmiss, nach einem leeren Kaffeebecher griff und damit zum Tresen verschwand. Dass sie sich dort an dem nicht so verborgenen Geheimvorrat an Hochprozentigem in einem der unteren Küchenschränke bediente, blieb weitestgehend unbemerkt (sie erntete eine hochgezogenen Braue von Professor Snape, bei dem man auch ohne Dusche unmöglich hätte erahnen können, dass er die letzte Stunde in einem Zombieplanschbecken verbracht hatte) und nachdem sie einen ordentlichen Schluck Kaffee auf ihren Whisky gekippt, einen kräftigen Schluck genommen und eine Zigarette entzündet hatte, war sie endlich wieder aufnahmefähig.

Fürs Protokoll (das sie in Abwesenheit ihrer Schreibunterlagen im Geiste führen musste): Anwesende Mitglieder waren an diesem Abend, um kurz nach achtzehn Uhr, Albus Dumbledore, Professor Snape, Kingsley Shacklebolt, Alastor Moody, Charlie Weasley (seltener Gast), Nymphadora Tonks (die gerade mit ihrer eigenen Spucke einen Rußfleck aus Remus Gesicht wischte, der dem Säuberungszauber wohl entgangen war – was Charlie offenbar genauso ekelig mit anzusehen fand, wie Luciana), Sirius Black (der wieder einmal mit verklärtem Blick die Maserung des Holzes vor seiner Nase betrachtete, erfahrungsgemäß sollte er aus diesem Zustand in ein paar Minuten wieder von alleine herausfinden), Molly und Arthur Weasley und Remus Lupin.

Gerade war dieser an der Stelle des Berichts angelangt, an dem er via Patronus Verstärkung vom Orden gerufen hatte, was Luciana zu dem Teil der Geschichte brachte, von dem sie selbst gar nicht mehr Zeuge geworden war.

„Ich habe nur Kingsley und Severus gesehen, wie bereits gesagt, die Häuser in der Dorfmitte hatten Feuer gefangen, es war alles recht … chaotisch. Luciana habe ich erst erreichen können, als wir die meisten Brandherde schon niedergezaubert hatten, Severus hat sich auf den Weg zur Brennerei gemacht, gleich nachdem er von dem Verbleib der Dorfbewohner gehört hatte."

„Und hier ist sicher die beste Gelegenheit, Luciana das Wort zu überlassen", warf Dumbledore ein und betrachtete sie mit einem seiner eher undefinierbaren Blicke über seine Halbmondbrille hinweg. „Oh, und bitte entschuldige meine Schusseligkeit, ich habe mich noch gar nicht erkundigt, wie es dir, bei all dem Schlammassel, überhaupt ergangen ist."

Luciana winkte diese Entschuldigung beiläufig ab, nahm einen großen Schluck aus ihrer Tasse und erzählte sehr kurz und bündig, was in der Brennerei und davor geschehen war.

„Eigenartig", meldete sich Snape zu Wort, sobald sie verstummt war und schielte dabei zu Black herüber, „dass Miss Bradley Black hat in das Gebäude gehen sehen, man möchte fast meinen zielstrebig, und er danach nicht mehr ausfindig zu machen war." Niemand schien darauf eine logische Erklärung parat zu haben, am wenigsten Black, der noch immer geistig nicht ganz anwesend zu sein schien. „Und war es nicht so, dass er sich von dem Umstand alle Dorfbewohner tot vorgefunden zu haben, auffallend betroffen gezeigt hatte, nachdem er am Rockzipfel von Lupin wieder zu uns gestoßen war?"

„Nicht jedem geht einer dabei ab, mitansehen zu müssen, wie eine ganze Muggelstadt abgeschlachtet wird, Schniefelus", keifte Black aus heiterem Himmel und funkelte Snape mit nun gar nicht mehr verklärtem Blick an. „Du wirst dir sicherlich eine ordentliche Belohnung bei deinem Herrchen abholen können, wenn er erfährt, wieviel Muggel du davon eigenhändig umgebracht hast, mh?"

„Jetzt mach mal halblang", mischte sich Luciana ein. „Das war erstens Selbstverteidigung und zweitens sicher kein Vergnügen und mal davon ab, die Viecher hatten nicht mehr viel Menschliches an sich. Die sind sofort auf Angriff gegangen, wenn Professor Snape nicht gekommen wäre –„

„Knarlkacke", schnappte Black empört, „die haben niemandem etwas zu Leide getan. Sie waren friedlich, bis du hereinplatzen musstest und –„ An dieser Stelle stockte er, blickte nervös in die Runde und klackerte mit dem Nagel seines Mittelfingers in rasanter Geschwindigkeit auf das Holz der Tischplatte „Es ist ein fröhlich Ding um aller Menschen Sterben, es freuen sich darauf die gerne-reichen Erben, die Würmer freuen sich an einem guten Bissen –„, murmelte er drauf los und verfiel dabei in den üblich leisen Singsang, den er immer aufzusetzen pflegte, wenn er einen seiner Dichter-Ausfälle bekam (wie viele vom Orden diesen Zustand nannten), doch dieses Mal hatte Luciana nicht im Sinn, Rücksicht auf ihn zu nehmen, vor allem, weil ihr gerade ein besonders düsteres Licht aufgegangen war.

„Du bist gar nicht weggelaufen, weil du Schiss hattest", Black schielte zu ihr herüber, klopfte noch immer auf die Platte, hatte aber zumindest mit dem Plappern aufgehört. „Matthews hatte durchblicken lassen, dass die Brennerei nicht gesichert worden war, darauf bist du abgehauen und nicht, weil die Dementoren durchgebrochen sind – du hast befürchtet, die würden das Gelände checken!"

„Sie waren niemals eine Bedrohung", schnappte Black.

„Bei Merlin, Sirius", sagte Remus und rieb sich mit schockierter Miene über seinen Dreitagebart. „Was hast du getan?"

Alle Augenpaare waren auf Black gerichtet, selbst Dumbledore schien gespannt abzuwarten, was er zu seiner Verteidigung zu sagen hatte.

„Ich bin zu spät gekommen, sie hatten die Eier schon geleert."

„Wer hat die Eier geleert, Sirius?", fragte Remus eindringlich und schien sehr bemüht, seine Stimme ruhig zu halten.

„Die Dementoren", antwortete Black und betrachtete dabei seinen Finger auf dem Tisch.

„Und was ist dann passiert?", hakte Remus weiter nach; seine Stimme hatte dabei einen leicht zittrigen Unterton, ein klares Anzeichen dafür, dass er bemüht war, nicht die Fassung zu verlieren.

„Sie sind von Haus zu Haus gezogen – sie haben in ihren Betten geschlafen und selbst die, die noch wach gewesen sind, haben sie nicht kommen sehen. Ich befürchtete erst, sie würden ihnen die Seelen aussaugen", aka der berühmt berüchtigte Dementoren Kuss – Luciana drehte sich bei dem Gedanken der Magen um, „aber sie haben nichts herausgesaugt, sondern …" Hier kehrte wieder Stille in die Küche ein, Dumbledore und Snape wechselten einen ihrer Blicke, die einem ganzen Gespräch gleichkamen, doch keiner brachte einen weiteren Ton heraus. Was Luciana wieder auf den Plan brachte.

„Also im Klartext: Du bist irgendwann die letzten Tage ohne Absprache mit irgendjemandem rüber nach Dufftown spaziert, hast da beobachtet, wie die Dementoren die Dorfbewohner in vitro befruchtet und sie danach in die Brennerei verfrachtet haben und bist dann wieder zurück und hast keinen Pieps gesagt? Glanzstück, Black", sagte Luciana und drückte ihre Zigarette aus.

„Mir wäre eine Lösung eingefallen", verteidigte er sich und warf ihr einen grimmigen Blick zu. „Hätte ich einen Ton gesagt, wäre genau das geschehen, was deine Leute heute getan haben, ein Gemetzel."

„Das ist nicht tragbar", murmelte Shacklebolt, schüttelte dabei seinen Kopf und sah Black fassungslos an, Dumbledore nahm sich die Brille von der Nase und Remus versank in seinem Stuhl.

„Es ist ja mehr als offensichtlich, dass dich der kleine Trip hinterm Vorhang ein zwei Tassen im Schrank gekostete hat", schnappte Luciana bissig und sprach damit ein Thema an, was als absolut tabu in dieser Runde galt, „aber seit wann beeinträchtigt das dein Sehvermögen? Oder willst du mir ernsthaft erzählen, dir sei nicht aufgefallen, dass all die Leute in einem fortgeschrittenen … ich nenn's mal ‚Verpuppungsstadium' gewesen sind und dass die sowieso alle als klinisch tot durchgegangen wären?!"

Sein Klopfen auf dem Tisch wurde während dieser Worte noch eine Spur schneller, Mrs Weasley flüsterte in rasantem Tempo ihrem Mann irgendetwas ins Ohr und Professor Snape hatte wieder damit begonnen, seine Beisserchen zu zermahlen.

„Sie sahen noch nicht so aus, als ich gestern weg bin", sagte Black, als würde das die Sache besser machen. „Und ich bin sofort zurück zum Dorf gelaufen, nachdem ich sie heute gesehen habe."

„Interessant, gerade hast du noch einen davon erzählt, die würden niemandem etwas zu Leide tun", bemerkte Luciana prompt und entzündete die zweite Zigarette an diesem Abend. Remus setzte gerade zum Sprechen an, als sie sich von Black zu der Spitze des Tisches wandte und ihm zuvorkam. „Professor Dumbledore, ich beantrage, bis aufs Weitere, eine Ausschließung von Mr Black für die zukünftigen Sitzungen des Ordens."

„Da stimme ich zu", sagte Shacklebolt und auch Moody neben ihm nickte.

„Das ist mein Haus!", rief Black und knallte zur Untermalung dieser Aussage seine flache Hand auf den Tisch. „Ich lasse mich nicht ausschließen, du hast kein Recht –„

Du hast alle in Gefahr gebracht, Sirius", mischte sich nun Mrs Weasley ein (Luciana hatte sich schon gewundert, dass sie es so lange ohne Kommentar ausgehalten hatte). „Wie sollen wir dir noch vertrauen, nachdem was du heute getan hast? Und das war nicht dein erster Alleingang, der viel schlimmer hätte ausgehen können!"

„Da waren Kinder in diesem Dorf", rief Black, ganz, als würde das alles relativieren.

„Oh ja, hab ich gesehen", erwiderte Luciana. „Eins davon hatte sich in meinem Stiefel festgebissen."

„Du und deine Leute schert euch doch einen Dreck um die Menschen", schrie Black – langsam, aber sicher, ging sein Temperament mit ihm durch. Das schien sich auch Snape zu denken, der beiläufig in den Ärmel seiner Robe griff, von dem sie wusste, dass dort sein Zauberstab versteckt lag. Doch bevor die Situation noch weiter eskalieren konnte, meldete sich endlich Dumbledore zu Wort.

„Sirius, ich möchte dich bitte unter vier Augen sprechen." Damit setzte er seine Brille wieder auf die Nase und schaute Black durchdringend an. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis dieser schnaubend aufstand, Luciana noch einen letzten, vernichtenden Blick zuwarf, den Raum verließ und die Tür hinter sich ins Schloss knallte. „Ich schlage vor", sagte Dumbledore dann, „dass wir den restlichen Abend nutzen und alle unsere erhitzten Gemüter beruhigen, es war ein sehr langer Tag." Ein paar der Anwesenden nickten und die ersten schoben schon ihre Stühle zurück. „Luciana, es wäre sehr erfreulich, wenn du dir morgen, nach dem Frühstück, ein wenig Zeit nehmen könntest und mich in meinem Büro aufsuchst."

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Auf dem Weg zum Kaminzimmer im Erdgeschoss drang Blacks aufgebrachte Stimme durch die Salontür, doch Luciana hatte wenig Lust auch nur den Versuch zu starten, irgendeins der Worte verständlich herauszufiltern. Zudem lief Snape keine zwei Schritte hinter ihr (eine Premiere, normalerweise sorgte er immer dafür, den Wegweiser zu spielen) und machte genau wie sie den Eindruck, dieses Haus so schnell wie möglich verlassen zu wollen. Sie hatte sogar so sehr die Schnauze gestrichen voll von diesem Tag, dass es ihr nicht einmal etwas ausmachte, das erste Mal nach dem Gespräch am Halloween Abend mit Professor Snape zusammen die Rückreise zum Schloss antreten zu müssen.

Im Zimmer mit dem riesenhaften Flohreise-Kamin angekommen, musste sie sich ein wenig gedulden, bis Charlie und Shacklebolt nacheinander in den grünen Flammen verschwunden waren (wortlos, jeder, der an dieser Sitzung teilgenommen hatte, hing gerade seinen eigenen Gedanken nach, so machte es zumindest den Anschein), dann fand sie sich keine Minute später in dem düsteren Wohnzimmer des Tränkemeisters wieder. Luciana war schon auf dem halben Weg zum Durchgang in den Flur, als das Geräusch von lodernden Flammen hinter ihr Snape ankündigte – welcher keine Sekunde verschwendete, um sie zurück zu pfeifen.

„Miss Bradley."

Luciana atmete einmal tief durch und drehte sich dann um – mit einem Handwink entzündete Snape beiläufig die vielleicht halben Dutzend Öllampen rings herum an den Wänden und trat ein paar Schritte auf sie zu.

„Sie haben da eine Schnittwunde", sagte er nach einem Moment des Schweigens und deutete auf ihren rechten Arm, mit dem sie den Beutel hielt, den Mrs Weasley für ihre Sachen aufgetrieben hatte.

„Ja", sagte sie und warf einen prüfenden Blick auf ihren Ellbogen, der von einem von Snapes Angriffszaubern gestreift worden war. „Ich muss irgendwo hängen geblieben sein, da kümmere ich mich gleich drum." Nicht, dass er noch auf die Idee kam, wieder Pflegedienst zu spielen, denn trotz seines Einsatzes heute löste sein alleiniger Anblick ein Gefühlschaos monströsen Ausmaßes in ihr aus und das konnte sie an diesem Abend wirklich nicht oben auf gebrauchen. Doch als sie gerade wieder kehrtmachte, um den Ausgang anzusteuern, drang wieder seine Stimme zu ihr heran.

„Miss Bradley", dieses Mal seufzte sie ganz besonders geräuschvoll, bevor sie sich wieder zu ihm wandte – Snape schluckte sichtbar und hatte offenbar große Mühe, den Blickkontakt mit ihr aufrecht zu halten. „Bei unserem letzten Gespräch in meinem Büro", Luciana biss schon einmal vorsorglich ihre Zähne aufeinander, ihre Miene verfinsterte sich schlagartig, „hatte ich den Eindruck, dass Sie mich im hohen Maße missverstanden haben. Ich halte es für das Beste, wenn –„

„Professor", unterbrach sie ihn bestimmt und grub dabei schmerzhaft ihre Fingernägel in die eigene Handfläche, „ich bin Ihnen wirklich dankbar, dass Sie mir heute den Hintern gerettet haben, aber das ändert nichts, absolut gar nichts daran, was Sie gesagt haben", Snape schürzte seine Lippen, straffte seine Schultern, zwei klare Anzeichen dafür, dass er auf Verteidigungsmodus ging; gut so, „oder an Ihrem Verhalten mir gegenüber, seit das Schuljahr begonnen hat, wenn wir schon mal beim Thema sind." Für einen Wimpernschlag überlegte sie, es bei dieser Ansage zu belassen, doch in ihr kochte es viel zu sehr. „Und wenn Ihnen nichts Besseres dazu einfällt, als das Ganze als ein Missverständnis hinzustellen, habe ich Ihnen außerhalb des Klassenraums und der Ordenssitzungen nichts mehr zu sagen."

Professor Snape nutzte den folgenden Moment, in dem Luciana schweigend dastand und ihn durchdringend ansah, nicht dazu seine Aussage zu ändern oder irgendeinen Ton von sich zu geben, dementsprechend startete sie ihren dritten Versuch seine Privaträume zu verlassen. Dieses Mal hielt er sie nicht zurück.