Chapter 21 / The Plan
"Hast du sie gesehen?", fragte Ron lässig – vielleicht etwas zu lässig – als Harry ihm gegenüber am Schreibtisch Platz nahm.
"Ja," antwortete er leise, während er seinen Blick weiter auf einen Punkt auf seinem unordentlichen Schreibtisch richtete, der dem in Hermines Büro so unähnlich war.
Ron starrte ihn mit gerunzelter Stirn an und wartete auf eine ausführlichere Antwort, merkte aber, dass Harry tief in seiner eigenen Welt versunken war. Er fuchtelte mit einer Hand vor seinem Aurorenkollegen herum, bekam aber keine Antwort.
"Hey!", rief er aus, worauf Harrys Kopf nach oben ruckte. „Alles in Ordnung, Mann?"
"Ihr ging es nicht allzu gut," gab Harry widerstrebend preis. "Als ich bei ihr vorbeigeschaut habe, hat sie geweint."
"Harry, ich hab nichts gemacht, das musst du mir glauben. Ich hab sie einfach getroffen und wenn überhaupt, dann hat sie mich beleidigt…"
"Oh, mach dich nicht lächerlich," schnappte Harry und blickte Ron ungläubig an. „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass sie nach all dieser Zeit wegen dir heult."
Er verzichtete darauf, Ron zu eröffnen, dass er das für eine flüchtige Sekunde selbst gedacht hatte und grinste, als Ron den Anstand hatte, rot anzulaufen.
"Ich hoffe du versucht nicht, auf diesen Zug wieder aufzuspringen, denn das hat dich auf jeden Fall ziemlich schlecht aussehen lassen."
"Oh danke, Mann, das ist so nett von dir."
Ron sah leicht unbehaglich aus und sein Blick fiel auf den Schreibtisch, worauf Harry ihn vollkommen ungläubig anblickte.
"Oh verdammte Scheiße, Ron, das kann nicht dein Ernst sein!"
„Ich weiß einfach nicht, ob ich einen Fehler gemacht hab, das ist alles," jammerte Ron und warf seine Hände in die Luft. „Ich liebe sie nicht, und ich glaube nicht, dass ich sie zurück will, aber manchmal fühlt es sich wie ein riesengroßer Fehler an."
"Hör auf," warnte Harry, dabei sah er plötzlich einen Tick mörderische aus als sonst. „Ihre Abteilung ist den Bach runter gegangen, sie ist überschwemmt mit Arbeit, die eigentlich erledigt hätte werden sollen, während sie weg war und sie hatte echt eine harte Zeit, seit sie zurückgekommen ist. Du wirst es nicht wagen, das noch schwerer für sie zu machen."
"Sieh mal, das ist vielleicht meine einzige Chance zu sehen, ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen hab," bettelte Ron, versiegelte seinen Mund aber sofort als er sah, wie sich Harrys Augen gefährlich verdunkelten.
"Du hast meine beste Freundin betrogen, und weil ich mit dir arbeiten muss und weiß, dass du tief, tief, tief unter all der Dummheit und Gefühllosigkeit irgendwie in Ordnung bist, hab ich mich dazu entschieden, es ruhen zu lassen und zu versuchen, normal zu sein. Aber wenn du die Wunden wieder aufreißt, dann werde ich dir wehtun."
Ron war komplett baff.
"Sie ist über dich hinweg, Ron. Du hast ihr Herz gebrochen, und sie hat es hinter sich gelassen, und du wirst uns nicht alle wieder zurück an den Anfang bringen," zischte er, und als Ron etwas sagen wollte, hob er eine Hand. „Du liebst sie nicht. Du willst sie nicht zurück. Der einzige Grund, warum du es bereust ist der, dass du sie nach all der Zeit gerade erst wieder gesehen hast, und es ist klar, dass das ein bisschen verwirrend ist. Aber du weißt, dass du sie nicht liebst, und sie liebt dich auch nicht mehr, also erspar uns all den verdammten Schmerz."
"Hat sie jemand anderen gefunden?", fragte Ron, sein Ausdruck gab keinerlei Emotion preis.
„Wenn sie das hätte, wäre es ihr volles Recht. Ihr seid nicht mehr zusammen, erinnerst du dich?"
"Das ist nicht dein Ernst, oder?! Sie ist jetzt schon mit jemand anderem zusammen?", schrie Ron, worauf einige ihrer Kollegen sich zu ihm umwandten.
"Du riesengroßer Penner, du hast begonnen zu daten bevor du mit ihr Schluss gemacht hast. Du hast wirklich kein Recht, irgendetwas zu sagen."
Ron konnte nicht mehr antworten, als Tonks an ihrem Schreibtisch vorbeiging und Ron einen Ordner voll Papierkram vor die Nase warf, bevor sie sich Harry zuwandte.
"Zabini ist hier, um dich zu sehen, Harry."
Sie ging weiter zu ihrem eigenen Schreibtisch, nachdem Harry sich bedankt hatte, und Ron beäugte ihn misstrauisch.
"Warum nur dich? Wir sind gemeinsam an diesem Fall dran."
"Ich hab keine Ahnung; Ich hab noch nicht mit ihm gesprochen, vergessen?", antwortete Harry vielleicht eine Spur zu flapsig.
Er ließ seinen bescheuerten Freund am Schreibtisch zurück - wo dieser auf Grund des Ordners voll detaillierter Formalitäten seufzte – und machte sich auf den Weg zum Vernehmungszimmer 5, von dem er wusste, dass Zabini dort auf ihn wartete. Er blieb vor der Tür stehen und fragte sich, ob er das wirklich tun würde. Er sagte sich streng, dass er es nicht für sich selbst tat, nahm einen tiefen Atemzug, öffnete die Tür und sah Zabini, der kerzengerade in seinem Sessel saß. Er blickte auf, seine Augenbraue hob sich beinahe unbemerkbar.
Harry machte die Türe zu und versicherte sich, dass sie gut verschlossen war.
"Du hast nach mir verlangt, Potter?", sagte er mit schleppender Stimme, doch Harry konnte das Funkeln der Besorgnis in seinen Augen erkennen, als er ihm gegenüber Platz nahm. „Ich hatte eigentlich den Eindruck, dass mein Vater und ich von allen Verdächtigungen befreit wären."
Harry schluckte in dem Wissen, dass er Ministeriumsangelegenheiten für sein eigenes Ziel missbrauchte.
"Es ist nicht wegen dem Fall," murmelte er und begegnete Zabinis geschocktem Gesichtsausdruck. „Ich brauche deine Hilfe."
"Du brauchst….meine Hilfe," sagte der Slytherin und sein Kiefer klappte auf.
"Versprichst du mir, dass niemand davon erfährt?", sagte Harry eindringlich. „Wenn du mir hilfst und es niemandem erzählst, werden wir deinen Vater und dich nicht weiter verfolgen."
Zabini blickte ihn mit geweiteten Augen an, und nach einem Moment des Überlegens nickte er.
Harry nahm einen tiefen Atemzug, er wusste, dass er es erklären musste.
"Ich weiß, dass du dich verändert hast, Zabini. Du bist wahrscheinlich einer der wenigen, die wirklich den Fehler in ihrem früheren Verhalten gesehen haben."
Der Mann ihm gegenüber nickte bestätigend.
"Das ist der Grund, warum du für mich mit Draco Malfoy sprechen musst."
Wenn dieser Wunsch nicht so gewichtig gewesen wäre, hätte Harry bei dem absolut durchgeknallten Ausdruck auf Zabinis Gesicht gelacht.
"Hermine….Granger, weißt du. Sie und Ron haben Schluss gemacht und sie hat sich einen wohlverdienten Urlaub genommen, wo alles damit endete, dass sie Draco Malfoys Nachbarin wurde," erklärte er und stieß ein herzliches Lachen aus, als er Zabinis mehr und mehr geschockten Gesichtsausdruck sah. „Ja, so haben wir zuerst auch ausgesehen. Und als ob das nicht schon merkwürdig genug wäre….schienen Hermine und Fellknäuel gut mit einander auszukommen. Sehr – sehr – gut."
„Versuchst du mir gerade zu sagen, dass Draco und Granger gevögelt haben?!", rief Zabini, brach kurz darauf in schallendes Gelächter aus und hielt sich die Seite, als sein Oberkörper nach vorne kippte.
"Ja," sagte Harry und zuckte bei der Erinnerung daran zusammen, wie er den blassen Penner in ihrem Wohnzimmer getroffen hatte. „Aber damit hat es noch nicht aufgehört. Sie haben sich ineinander verliebt – Hals über Kopf, wenn ich hinzufügen darf. Das war das einzige Mal, an dem ich den Albinojungen das L-Wort sagen gehört hab."
„Liebe?!"
Harry nickte kurz, worauf Zabinis Mund abermals aufklappte.
"Wow, das ist….sehr untypisch für Draco."
"Er hat sich sehr verändert, seit du ihn das letzte Mal gesehen hast."
"Das bezweifle ich überhaupt nicht, aber ich habe mich auch verändert."
"Siehst du, das ist Teil des Problems. Hermine musste hierher zurückgehen um zu ihrem Job zurückzukehren, und Malfoy, dieser sture Idiot ist davon überzeugt, dass jeder denkt, dass er immer noch böse ist und dass all seine alten Freunde – wobei ich denke, dass eigentlich nur du gemeint bist – ihn dafür hassen, dass er sie verraten hat. Also will er nicht nach London zurück, und gerade jetzt arbeitet Hermine sich halb zu Tode um die Abteilung wieder halbwegs in Ordnung zu bringen, und das zu derselben Zeit, zu der sie ein gebrochenes Herz hat."
„Ich war immer echt glücklich darüber, dass ich nie in das Gryffindor Drama mit hineingezogen worden bin," bemerkte Zabini, grinste dann aber leicht. „Aber es klingt irgendwie witzig, und wenn man bedenkt, dass Draco es geschafft hat, seinen pelzigen, weißen Arsch dort hineinzustoßen…"
Harry schnaubte vor Lachen, und war erstaunt darüber, wie gut pelzig und weiß Malfoy beschrieben.
"Ich will, dass du mit ihm sprichst und ihm zu verstehen gibst, dass er besser dran ist, wenn er nach London zurückkommt," sagte er dann mit leiser Stimme. „Sie kann die Abteilung nicht verlassen, die ist das helle Chaos, aber sie braucht ihn wirklich. Ich kann nicht ertragen, sie so zu sehen, und so sehr ich es auch hasse es zuzugeben, passen sie erschreckend gut zusammen."
"Die Wahrheit ist, dass du mir mit diesem Angebot mehr geholfen hast als du denkst," sagte Zabini nach einigen Momenten der Stille. „Ich suche schon seit Ewigkeiten nach Draco, damit ich die Dinge zwischen uns klar stellen kann."
"Heißt das, du machst es?"
"Ich bin dabei."
Harry schob ihm einen Zettel hin, auf dem die Adresse in schlanker Handschrift geschrieben stand.
"Kein Wort."
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Hermines dritter Tag bei der Arbeit hatte überhaupt keine Verbesserung der Situation gezeigt. Ihr sogenannter Boss tat immer noch gar nichts um die Dinge zu beschleunigen, und so lag die gesamte Last auf ihren Schultern. Immer wenn sie etwas geschafft hatte, kam etwas Neues, das sich ihr gewaltsam auflud. Sie trat aus dem Kamin in Harrys und Ginnys Wohnung – sie war schon wieder zu spät zum Abendessen – und sank erschöpft in einen Armsessel. Sie war erst einige klägliche Sekunden gesessen, als sie wütende Stimmen hörte, die aus der Küche kamen.
"….nicht deine Sache, dort hin zu gehen und sie von allem wegzuschleifen, wie du es getan hast!"
"Sie war schon fast für 3 Monate dort. Es wäre nur schlimmer für sie geworden, wenn sie ihre Rückkehr weiter verschoben hätte."
"Warum nimmst du dir das Recht, das zu entscheiden,Mutter? Es ist die Hölle für sie, seit sie zurück ist, ihre Abteilung ist das helle Chaos dank ihres inkompetenten Bosses, Ron ist ein Idiot, sie hat keine Wohnung…."
"Sie ist meine Familie, Ginevra. Ich will nicht, dass sie wie eine ausgestoßene Kriminelle auf der anderen Seite des Landes sitzt, ohne jemanden von uns in ihrem Leben."
"Aber hier geht es nicht darum, was du
willst! Hermine war glücklich, Mum. Sie war sorglos und zufrieden….und sie war verliebt."
"Verliebt? Sie sagte, dass sie jemanden getroffen hätte, aber…."
"Ja, Mum, verliebt. Sie hat sich in ihren Nachbarn verliebt. Harry und ich waren ein paar Mal zum Abendessen dort, und die zwei kamen wunderbar zurecht. Und jetzt muss sie mit der zweiten Trennung in wenigen Monaten klar kommen, und dieses Mal war sie immer noch total verliebt in ihn, als sie gehen musste."
„Sie ist hier besser dran. Sie gehört hier hin, Ginny."
"Sie ist unglücklich. Sie ist überarbeitet, obdachlos und hat ein gebrochenes Herz."
Hermine hörte Mollys Antwort nicht. Das musste sie nicht, weil Ginny Recht hatte. Sie war überarbeitet, obdachlos und hatte ein gebrochenes Herz. Und nun war sie durstig. Sich nicht darum kümmernd, dass die zwei Weasleyfrauen einen Schreiwettkampf in der Küche veranstalteten, marschierte sie einfach hinein und ging zum Kühlschrank, um sich eine Flasche Wasser zu holen.
„Hey," sagte Ginny sanft und war ihrer Mutter einen warnenden Blick zu, den Hermine nur allzu gut sehen konnte. „Ich hab dir was vom Abendessen aufgehoben."
"Dankeschön," antwortete sie mit einem Stöhnen und ließ sich am Küchentisch nieder.
Sie nahm einen großen Schluck Wasser und knallte ihren Kopf auf den Tisch mit dem Wunsch, genau hier und jetzt zu schlafen.
"Wird es nicht besser?", fragte Ginny vorsichtig, fand die Überreste des Abendessens und erwärmte sie schnell mit einem Zauber.
"Nein,", seufzte Hermine und kämpfte gegen den Drang an, zu weinen. „Die Anfragen fliegen immer noch rein. Wenn ich einmal einen Trank geliefert hab, kommen drei weitere Anfragen rein. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Meine Mitarbeiter arbeiten so hart, und ich hab das Büro seit drei Tagen kaum verlassen."
„Sie sollten jemand Zusätzlichen anheuern; du kannst so nicht weiter machen. Das ist nicht gesund!"
"Ich kann sie zu nichts zwingen. Ich hab Harry schon die Erlaubnis gegeben, einen Antrag für eine Extrastelle für mich zu schreiben, aber ich bezweifle, dass es funktionieren wird. Sie erlauben solche Dinge fast nie; weil zurückzuliegen normalerweise die Schuld der Abteilung ist."
Ginny nickte stumm, und erblickte Harry, der im Türrahmen stand.
"Iss einfach," drängte sie und beobachtete, wie Hermine sich mit Elan auf ihr Essen stürzte.
Molly setzte sich Hermine gegenüber und beobachtete, wie das erschöpfte Mädchen ihr Essen hinunterwürgte. Ginny ging hinüber zu Harry und schenkte ihm einen leidenden Blick, nur um ihre Augenbraue zu heben als sie ein Grinsen als Antwort bekam.
"Worüber bist du so zufrieden?",fragte sie mit leiser Stimme, doch Harry legte seinen Finger auf seine Lippen und zog sie ins Wohnzimmer.
"Ich hab vor ein paar Tagen Zabini angerufen und wir haben eine Vereinbarung getroffen," erzählte er ihr flüsternd und beobachtete, wie ihre Augen groß wurden. „Er wird mit Draco reden, und hoffentlich wird ihn das dazu bringen, darüber nachzudenken wieder nach London zu gehen. Er ist heute los, ich hab ihn gerade verabschiedet."
"Das hast du getan?! Du hast das arrangiert?", fragte sie bewundernd. „Du hast diese Idee ganz alleine gehabt?"
"Ich darf wohl sagen, dass ich das hab," sagte er stolz, und sie schlang ihre Arme um seinen Hals.
"Du bist ein Genie," flüsterte sie und küsste ihn sanft auf die Lippen.
"Lass uns nur hoffen, dass es funktioniert."
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Draco saß mit einem Buch in seinem Schoß im Sessel am Kamin, und all seine Bewegungen gefroren, als er die Person erblickte, die aus den tosenden, grünen Flammen trat. Er hätte seinen ehemaligen besten Freund kaum in einer Menschenmenge wiedererkannt und es war definitiv surreal, ihn vor seinem Sessel stehen zu haben, mit einem unlesbaren Ausdruck im Gesicht.
"Du schuldest mir Geld," sagte Blaise mit seiner tiefen Stimme und einer perfekt gehobenen Augenbraue.
Draco blickte ihn mit geweiteten Augen an und legte sein Buch mit einer fast schon mechanischen Bewegung nieder.
"Bitte?"
"Du schuldest mir Geld," wiederholte Blaise ruhig, ohne sich von der Stelle zu rühren.
"Ich schulde dir sicherlich keine einzige verdammte Galleone, Blaise."
"Da bin ich anderer Ansicht," bemerkte sein Freund, und dann schwand zu Dracos Überraschung seine steinerne Maske um Platz für ein bösartiges Lächeln zu machen. „Ich glaube, mich an eine bestimmte Vorhersage zu erinnern, die du komplett abgeschlagen und 27 Galleonen, drei Sickel und elf Knuts darauf gewettet hast, dass so etwas nie passieren würde."
Verständnis machte sich auf Dracos Gesicht breit und er konnte nicht verhindern, dass ein schiefes Lächeln auf seinen Lippen erschien.
"Mann, das war im fünften Schuljahr!"
"Die Wette hatte kein Zeitlimit. Ich erinnere mich genau daran wie du gesagt hast, dass die Chance, dass das ‚jemals, jemals, jemals passiert genauso groß ist wie die, dass du Potter die Hand schüttelst' worauf du hinzugefügt hast ‚dass das in einer Million Lichtjahren nicht passieren wird'."
„Fünftes Schuljahr, Blaise. Ich hätte unmöglich voraussehen können…."
"Ich hab es vorausgesehen! Ich hab dir im fünften Schuljahr gesagt, dass du eines Tages mit Granger vögeln würdest, und du hast es getan! Und jetzt rück das Geld raus."
Draco blickte ihn finster an und lehnte sich hinüber zum Kaminsims, um seinen Beutel voll Zauberergeld zu nehmen.
"Hier," sagte er mit säuerlicher Stimme als er Blaise die verlangte Menge gab. „Und, da du ja offensichtlich nur gekommen bist um dein Geld zu holen, kannst du jetzt gehen."
Blaise rollte mit den Augen, ignorierte Dracos Aufforderung und setzte sich stattdessen in den freien Armsessel.
"Schönes Haus," bemerkte er, und ignorierte offensichtlich die sturmgrauen Augen, die ihn von seiner linken Seite her böse anstarrten.
Draco antwortete nicht. Er wusste nicht warum, aber er fühlte sich, als ob er sich schützen müsste. Es fühlte sich für ihn an, als ob dies das Ende für ihn und Blaise war – die letzte Konfrontation von der er gehofft hatte, dass sie nie kommen würde.
"Ich habs dir nie übel genommen."
"Lügner," sagte Draco mit einem traurigen Lächeln.
"Naja, es ist klar, dass ich es dir übel genommen hab, als ich versucht hab, dich umzubringen, aber es ist schon lange her, dass ich realisiert habe, dass, wenn irgendeiner das Recht hatte sich verraten und wütend zu fühlen, du das warst. Wir waren – sind – beste Freunde, auch wenn ich deinem Urteilsvermögen nicht vertraut hab und nicht auf dich hören wollte. Du glaubst mir vielleicht nicht, aber ich habe dir schon vor langer Zeit verziehen."
"Mir war nicht bewusst, dass Vergebung ein Slytherinding ist," bemerkte Draco trocken in dem Versuch, zu verstecken, wie sehr dieses Eingeständnis ihn erschütterte.
"Ist es nicht, aber wir sind in Häuser eingeteilt worden, weil wir einige der Charakterzüge besitzen, und nicht weil wir so werden sollen, wie es das Hausklischee vorgibt. Und auch wenn es so wäre; ich hab mich verändert, Draco. Was du getan hast war richtig, und ich wünschte, ich hätte das früher gesehen."
Eine unangenehme Stille schwebte über den Zwei, während sie beide tief in Gedanken versunken waren. Er hatte Blaise seit Jahren nicht gesehen, und doch war er hier – und sah genauso verändert aus wie er behauptet hatte zu sein. Sein bester Freund war hierher gekommen um ihm zu sagen, dass alles gut war; dass zwischen ihnen alles okay war. Draco wäre rot angelaufen wenn irgendjemand gewusst hätte, was er in diesem Moment fühlte.
Er merkte kaum, dass Blaise aus seinem Sessel aufstand, aber er hob langsam den Kopf und blickte in die ziemlich erwachseneren Gesichtszüge seines Freundes.
"Jeder der zählt weiß, dass du das Richtige getan hast, Draco. Hier zu bleiben und jeden aus deinem Leben auszuschließen bringt niemandem etwas. Sie braucht dich."
Blaise hielt ihm ein Blatt Pergament hin, er nahm es verwirrt und sah das Symbol des Ministeriums ganz oben auf der Schriftrolle. Seine Augen wanderten einige Momente lang darüber und seine Brauen zogen sich zusammen, als er den Inhalt davon in sich aufnahm.
"Warum gibst du mir das? Ich versteh nicht, warum brauchen die zusätzliche Mitarbeiter?"
„Alles war ein komplettes Chaos, als sie zurückgekommen ist. Sie kommt kaum aus ihrem Büro raus und das Ministerium ist am Ende seiner Weisheiten, weil niemand die Tränke bekommt, die er braucht."
Sein Gesicht fiel leicht in sich zusammen, aber es war gerade genug für Blaise, um es zu bemerkten.
"Dennoch, was hat das mit mir zu tun?"
"Ich glaube, mich daran zu erinnern, dass es nur eine Person gab, die Granger in diesem Fach das Wasser reichen konnte," antwortete er einfach, nahm sich ein bisschen von dem Flohpulver und schloss seine Finger um den feinen Sand.
Draco saß verloren in seinem Sessel, mit dem Pergament schlaff in seiner Hand.
"Werd erwachsen, Draco. Ich bin es schon."
"Das bist du sicherlich. Ich hätte dich nie für Potters Botenjungen gehalten."
Blaise rollte mit den Augen, grinste aber trotzdem leicht, bevor er in genau den gleichen Flammen verschwand, durch die er gekommen war, und Draco mit einem Blatt Pergament zurückließ, das sein Leben verändern könnte.
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"Sie haben was getan?!"
Hermine stand wie angewurzelt da, ihre Arme hingen schlaff an ihren Seiten und ihr Mund hatte sich auf eine mehr als unattraktive Weise geöffnet. Sie war sich sicher, dass sie ihn falsch verstanden hatte. Nicht einmal er konnte so beschränkt sein.
„Ich habe unsere Abteilung dazu gemeldet, die Organisation des Wohltätigkeitsballs zu übernehmen," wiederholte er, seine Arme waren hinter seinem Rücken verschränkt, während er aus dem verzauberten Fenster blickte.
Er hatte sie nicht mehr angesehen seit sie hereingekommen war, und sie hatte nichts getan außer ihn anzustarren, seit sie hereingekommen war. War er komplett verrückt geworden?
"Das soll wohl ein Witz sein. Sagen Sie mir, dass das eine kranke Version eines Scherzes ist," kreischte sie, ihre Stimme war so hoch, dass sie beinahe brach.
"Sie haben vier Tage für die Dekoration und die Rede, um den Ball zu eröffnen. Das sollte Zeit genug für Sie und ihre Mitarbeiter sein," antwortete er einfach, und verlagerte sein Gewicht auf seine Fußballen.
In diesem Moment fühlte sie sich, als ob eine Ader in ihrem Gehirn geplatzt wäre, als ob all der Druck plötzlich über ihren Kopf hinausgestiegen und ihr direkt auf ihre Schultern gefallen wäre.
"Sie haben uns für mehr Arbeit gemeldet ohne jemanden von uns zu konsultieren?!", rief sie, ihre Augen schossen beinahe aus ihren Höhlen. „Was ist los mit Ihnen?! Wir ertrinken in Arbeit, wir liegen noch immer Wochen über Wochen mit den Bestellungen hinterher!"
"Es ist nichts, das sie nicht schaffen würden."
"Oh, ich bin erfreut darüber, dass Sie so viel Glauben in mich haben, Mr. Merewood," schnappte sie, ihre Stimme war scharf wie ein Messer, „aber wir holen nicht auf. Wir funktionieren nicht. Ich hab rund um die Uhr gearbeitet, genau wie alle anderen bis auf Sie. Das ist kein Arbeiten. Wir machen nicht unseren Job."
"Ich habe dem Minister schon gesagt, dass wir das tun werden, um all den Ärger, den wir verursacht haben, wieder gut zu machen, und ich habe ihm versichert, dass wir das schaffen werden."
Er hatte sie noch immer nicht angeblickt, er starrte immer noch aus diesem verdammten Fenster, als ob er irgendetwas Interessantes in einer magisch programmierten Aussicht sehen könnte. Sie kochte. Was für Nerven er hatte. Er hatte nichts getan, seit sie zurückgekommen war (oder bevor sie zurück gekommen war, was das betrifft) und nun meldete er sie freiwillig für mehr Arbeit, die jetzt noch zu dem dazukam, mit dem sie fertig werden musste.
Sie verkniff sich all die gemeinen Spitznamen, die sie ihm nur zu gern an den Kopf geworfen hätte und rannte praktisch aus dem Büro, in einer verzweifelten Jagd nach Erleichterung von der unendlichen Zunahme ihrer Verantwortung. Adam versuchte, sie aufzuhalten und fragte sie, was los war, doch sie war auf einer Mission. Sie würde das nicht länger mitmachen.
Niemand war im Stande, sie auf ihrem Weg in den obersten Stock zu stoppen, und sie wurde erst langsamer, als sie den Schreibtisch der Assistentin erreichte.
"Ich muss sofort den Minister sprechen," verkündete sie zielstrebig, worauf ihr ein ungläubiger Blick begegnete.
"Der Minister ist sehr beschäftigt, Mrs…."
"Miss Granger," sagte sie geistesabwesend, bevor sie sich umdrehte. Wenn sie sich nicht komplett täuschte, kam der Minister für gewöhnlich genau jetzt von seinen Mittagsbesprechungen zurück.
„Miss Granger, Sie können nicht…"
Hermine ignorierte sie, als sie den Minister am Ende des Ganges entdeckte, gefolgt von seiner üblichen Horde an Wachen, sie ging auf ihn zu und achtete nicht auf die Rufe seiner Assistentin und die Warnungen seiner Wachen.
"Minister, könnte ich bitte so bald wie möglich mit Ihnen sprechen?", fragte sie und ihr Gesicht verformte sich zu einer nervösen Grimasse, während sie in Gedanken alles durchging, was sie tun musste. „Es geht um den Ministeriumsball."
Dieser Satz schien die Bedenken seiner Wachen zu vermindern, der Minister stimmte ihrer Bitte widerwillig zu und forderte sie auf, es so kurz wie möglich zu machen, als er sie in sein Büro führte. Als die Wachen andeuteten, ihm zu folgen, wandte er sich ihnen mit gehobener Augenbraue zu.
„Miss Granger ist eine Kriegsheldin, die mit einem Orden ausgezeichnet wurde; Ich bezweifle doch sehr, dass sie das Ministerium stürzen will."
Sie lächelte dankbar, als er die Tür schloss, und biss sich nervös auf die Lippe als er um den Tisch herumging und sich setzte, um sie anzublicken.
"Haben Sie irgendwelche Probleme mit dem Ball, Miss Granger?"
Zu ihrer Verzweiflung spürte sie erneut, wie sich heiße Tränen hinter ihren Augenlidern sammelten. Sie hatte in der vergangenen Woche mehr geweint als in ihrem gesamten bisherigen Leben, und die Erschöpfung ließ sie beinahe zusammenbrechen.
"Die Abteilung ist ein Durcheinander," sagte sie ehrlich und ließ ihren Atem entweichen, während sie gegen die Tränen ankämpfte. „Ich bin aus meinem Urlaub zurückgekommen und so gut wie gar nichts ist während meiner Abwesenheit geschehen. Wie Sie wissen sind wir unglaublich weit zurück mit unseren Lieferungen an die anderen Abteilungen, und wir holen nicht auf. Wir arbeiten rund um die Uhr, aber wir können einfach nicht genug in der Zeit abdecken, die wir haben. Und nun hat Merewood mir erzählt, dass er uns dafür gemeldet hat, den Ministeriumsball zu organisieren. Ich kann das nicht tun, Minister. Ich arbeite im Moment mehr als ich schlafe, und zum ersten Mal in meinem Leben werde ich brutal ehrlich sein, wenn es um einen Vorgesetzten geht: Mr. Merewood tut überhaupt nichts, um die Abteilung wieder auf Vordermann zu bringen."
„Können Ihre Mitarbeiter diese Aussage bekräftigen?", fragte er nach einem qualvollen Moment der Stille.
Sie nickte wild und wusste nicht, wie um alles in der Welt sie an diesen Punkt gekommen war. Sie hätte unter normalen Umständen nie einen Vorgesetzten angezeigt. Trotz allem was er getan hatte fühlte es sich fast an wie Verrat.
„Das sind sehr schwere Anschuldigungen, Miss Granger," erinnerte er sie und erhielt ein weiteres Nicken. „Glücklicherweise haben wir eine Lösung parat."
