Kapitel 19: Eskalation I: Harry
Als Harry wieder erwachte, warf die Sonne bereits lange Schatten und war soweit gesunken, dass sie sanft direkt durch das Fenster und auf das Bett schien, auf dem Harry immer noch lag. Im ersten Augenblick war er verwirrt. Obwohl er noch im Halbschlaf war, bemerkte er doch, dass etwas anders war als sonst. Ungewohnt. Der Untergrund, auf dem er lag, war so weich, so vertraut. Nicht so hart, wie die Couch, auf der er die letzten Wochen seine Nächte verbracht hatte. Dracos Geruch hüllte ihn ein und im ersten Augenblick, bevor er die Augen öffnete, glaubte er, dass Draco tatsächlich zu ihm zurückgekehrt war. Schon lange hatte er sich beim Aufwachen nicht mehr so wohl gefühlt, wie jetzt. Die Augen noch geschlossen haltend, drehte sich Harry um und tastete das Bett neben sich ab, wo Draco ohne Zweifel liegen musste. Aber seine tastenden Hände fühlten nur glatte, kühle Seide und plötzlich war alles wieder da. Draco war nicht zu ihm zurückgekehrt, wie er im ersten Augenblick, noch im Halbschlaf, geglaubt hatte und er war auch nicht in ihrem, in seinem, Haus. Er lag in Dracos Wohnung auf dessen Bett und war eingeschlafen.
Die weisse Decke über ihm, die Möbel aus dem hellen Holz, das Bild an der Wand, die schlichte Eleganz, die überall in der Wohnung herrschte und dann die Sonne, die sanft durch das Fenster schien. Wie spät war es eigentlich? Mit etwas Mühe gelang es Harry, sich aufzusetzen. Die Kopfschmerzen, die er die letzten Wochen regelmässig beim Aufwachen gehabt hatte und die er schon lange nicht mehr in einen wirklichen Zusammenhang mit seinem allabendlichen Alkoholgenuss brachte, waren komplett verschwunden. Harry fühlte sich irgendwie wohl und entspannt, aber doch war da das Gefühl, dass etwas fehlte, sich irgendetwas nicht an dem Platz befand, wo es eigentlich sein sollte, wo es hingehörte.
Vorsichtig stand Harry auf, streckte sich ein wenig und beschloss, sich kurz unter die Dusche zu stellen. Die Verlockung, nachdem er nun ruhig und entspannt auf Dracos Bett geschlafen hatte, danach eine erfrischende Dusche mit seinem Duschgel zu nehmen und sich anschliessend in seinen Bademantel eingehüllt an den Küchentisch zu setzen und dort auf ihn zu warten, hatte plötzlich etwas unheimlich verlockendes. Ganz kurz war der Gedanke da, dass es vielleicht nicht so klug war, wenn er von Draco in dessen Wohnung erwischt wurde, dass er, wenn Draco auf die Idee kam, ihn anzuzeigen, wegen Einbruch oder zumindest Hausfriedensbruch Probleme bekommen könnte, aber Harry schob diese Gedanken energisch zur Seite.
Warum sollte ihn Draco anzeigen? Eigentlich konnte sich sein Drache doch nur freuen, dass er ihn in seiner Wohnung erwartete, dass er gekommen war, um ihn nach Hause zu holen, dass er bereit war, ihm zu verzeihen und ihn auf Händen zu tragen, auch wenn das hiess, dass Draco vorübergehend, vielleicht die nächsten paar Jahre, das Haus nicht würde verlassen können. Ein wenig Strafe musste ja dann doch sein und Harry musste einfach sicher sein, dass er Draco vertrauen konnte, dass dieser nicht einfach so wieder verschwinden würde, wie er das vor ein paar Monaten getan hatte. Bis dahin hatte er sicher auch einen Weg gefunden, wie er seinen Drachen würde an sich binden können, wie er ihn so würde an sich binden können, dass keine Macht, egal ob Zauberer oder Muggel, sie mehr würde trennen können. In den Büchern über Blutmagie in der Bibliothek seines Patenonkels fand sich sicher ein entsprechendes Ritual, das sie würden durchführen können. Die meisten dieser Rituale dienten zwar dazu, etwaige Sklaven unwiderruflich an die Familie zu binden oder sich der Loyalität der eigenen Untertanen zu versichern, aber er würde sicher etwas geeignetes finden, etwas, das auch Draco unwiderruflich an ihn binden würde.
Von dem Gedanken beflügelt, betrat Harry das Badezimmer, zog sich aus und liess seine Kleidung noch im Gehen zu Boden fallen. Wenig später stand er unter der Dusche und liess das warme Wasser auf seine Schultern prasseln. Der Geruch nach Dracos Shampoo und Duschgel hüllte ihn ein, als er es in grosszügigen Mengen auf seinem Körper verteilte. Glitschig rutschten seine Hände über seinen Oberkörper, verteilten den Schaum, berührten seine Nippel, die sich ein wenig zusammenzogen und wanderten dann über seinen Bauch weiter nach unten, wo sein Glied bereits in freudiger Erregung wippend abstand. Vielleicht war es die Tatsache, dass ihn Dracos Geruch umgab, vielleicht aber auch der Gedanke an die Zukunft, die er sich in den schillerndsten Farben ausmalte. Draco, wie er ihn nach der Arbeit nackt und auf Knien vor dem Kamin erwartete. Draco, wie er mit den Händen an das Kopfende seines Betts gefesselt war und anschliessend von ihm betrachtet wurde, wie er nur darauf wartete, von Harry genommen und mit seinem Sperma als sein Eigentum markiert zu werden. Draco, mit den langsam erkaltenden und trocken werdenden Spuren von Harrys Sperma auf seinem Bauch, seiner Brust und vor allem in seinem Gesicht, wie er ihn demütig, aber doch liebend und verehrend aus seinen grauen Augen anblickte. Der Gedanke an diesen Anblick war es dann auch, der ihn heftig gegen die gekachelte Wand der Dusche kommen liess.
Einen kleinen Augenblick stand Harry keuchend unter dem Wasserstrahl und versuchte wieder zu Atem zu kommen. Schliesslich spülte er die Wand notdürftig ab, wusch die letzten Reste des Shampoos aus seinen Haaren und stellte das Wasser aus. Blind griff er nach dem grossen, flauschigen Handtuch, das gegenüber der Dusche über der Stange hing und trocknete sich sorgsam ab. Anschliessend hüllte er sich in Dracos Bademantel, sog tief den vertrauten Geruch ein und verliess das Badezimmer. Die Tür liess er offen hinter sich stehen, so, wie er es von zu Hause immer gewohnt war. Draco hatte sich über diese Angewohnheit immer aufgeregt, hatte gesagt, dass nicht immer alle, die sie besuchten, wissen mussten, dass gerade jemand geduscht hatte. Bald, sehr bald, in nur wenigen Tagen, würde es wieder so sein. In nur wenigen Tagen würde er seinen Drachen wieder zu sich nach Hause holen und dann würde alles wieder so werden wie früher, nur besser.
Die Uhr an der Wand im Wohnzimmer zeigte bereits sechs Uhr, als sich Harry an den Tisch setzte, entschlossen, auf Draco zu warten. Das einzige Geräusch war das leise Ticken der Uhr und das rhythmische Klopfen von Harrys Fingerknöcheln auf der Glasplatte des Tisches. Unruhe breitete sich in ihm aus. Es war doch schon fünf nach sechs und normalerweise hatte Draco spätestens um sechs Uhr Feierabend. Er müsste doch eigentlich schon lange zu Hause sein. Schliesslich konnte Harry nicht mehr länger stillsitzen und sprang auf. Was, wenn sich Draco nach der Arbeit doch noch mit dem Widerling getroffen hatte? Was, wenn Draco immer noch der absurden Idee nachhing, Harry eifersüchtig machen zu müssen? Nicht, dass Harry eifersüchtig war, aber Draco gehörte nur ihm, ihm ganz alleine und es wurde Zeit, dass er das seinem Drachen auch klar machte. Vielleicht wäre ein ledernes Halsband für diesen Zweck angemessen. Ein Halsband, das er auch gleich mit einem Zauber versehen konnte, der es Draco unmöglich machen würde, das Haus zu verlassen.
Zehn nach sechs. Draco war immer noch nicht zurück. Harry drehte eine weitere Runde im Wohnzimmer und ging anschliessend in die Küche, wo er ein Glas aus dem Schrank nahm. Irgendwo in der Bar bewahrte Draco sicher eine Flasche Whisky auf. Erstaunlich schnell wurde Harry fündig und setzte sich mit dem Glas und der noch ungeöffneten Flasche wieder an den Tisch. Sorgfältig füllte er das Glas mit der goldenen Flüssigkeit, setzte es an und leerte es in einem Zug.
Viertel nach sechs. Die Uhr im Wohnzimmer gab ein leises, angenehm klingendes Geräusch von sich. Harry füllte das Glas erneut und trank es wieder in einem Zug leer. Die Gläser in Dracos Wohnung waren ein wenig grösser als das Glas, das er immer zu Hause benutzte und so spürte Harry schnell, wie sich die angenehme Wärme des Alkohols in ihm ausbreitete. Das nächste Glas trank er langsamer, genoss die einzelnen Geschmacksnuancen des Whiskys und liess seine Gedanken schweifen.
Wenn Draco nach Hause kam, würde er ihm klar machen, dass er ihm verziehen hatte, dass sie zusammengehörten und dass er mit ihm nach Hause kommen musste. Darüber, was mit der Wohnung geschehen würde, konnten sie später immer noch nachdenken. Beziehungsweise, darüber würde er später noch nachdenken. Denn eigentlich war sie zu schön, um sie einfach komplett aufzugeben, aber Harry war davon überzeugt, dass ihm bei Gelegenheit ein passender Verwendungszweck einfallen würde.
Das Whiskyglas in der Hand schwenkend, so dass die Flüssigkeit leicht hin und her schwappte, hing Harry seinen Gedanken nach. Stellte sich vor, wie es sein würde, wenn er nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kam und dort von seinem Drachen nur mit einem Lederhalsband bekleidet empfangen würde. Nicht, dass er gedachte, das Halsband wirklich zu benutzen ausser eben einen Zauber daraufzulegen, der Draco daran hindern würde, es abzulegen oder das Haus zu verlassen, aber alleine die Vorstellung gefiel ihm doch ausgesprochen gut.
Die Uhr im Wohnzimmer gab wieder ein leises Klingen von sich, verriet damit, dass es bereits halb sieben war. Harry spürte, wie langsam Wut in ihm aufstieg. Was machte Draco eigentlich so lange? Nach der Arbeit hatte er gefälligst sofort nach Hause, in seine Wohnung zurückzukehren, wo er doch bereits ungeduldig erwartet wurde. Wenn er nach Hause kam, dann konnte er etwas erleben. Und was, wenn er sich doch noch mit dem Widerling traf? Wenn er den ganzen Abend wegblieb?
Heftig stellte Harry das halbleere Whiskyglas auf den Tisch. So heftig, dass ein wenig der Flüssigkeit über den Rand schwappte und sich kleine, goldene Pfützen auf dem Glastisch ausbreiteten. Kurz verlor sich Harry in der Vorstellung, wie es wohl aussehen würde, wenn er Draco auf diesem Tisch nehmen und anschliessend das Sperma von seinem Loch auf die Glasplatte tropfen würde.
Gleichzeitig beschwor die Vorstellung von Draco auf dem Glastisch aber auch Bilder davon herauf, wie sich Draco von dem Widerling berühren liess. Ob Nott seinen Drachen etwa auch auf dem Glastisch liegend genommen hatte? Weissglühend frass sich die Eifersucht durch Harrys Körper. Ein weiteres leises Klingen verkündete, dass es bereits Viertel vor sieben war. Noch bevor Harry wirklich wusste, was er da eigentlich tat, hatte er seinen Zauberstab gezogen, ihn auf die Uhr gerichtet und einen Incendio gesprochen. Befriedigt sah er zu, wie die Uhr in Flammen aufging bis nur noch ein schwarzer Fleck an der Wand verriet, dass dort einmal etwas gehangen haben musste.
Unruhig ging Harry zum Fenster und starrte hinaus auf die Strasse. Dort, unter der Strassenlaterne hatte er gestanden, als sein Draco mit dem Widerling zurückgekommen war, als der Widerling seinen Drachen in die Arme gezogen und geküsst hatte und sein Drache, sein Draco, hatte den Widerling angelächelt. Hatte ihn so angelächelt, wie er sonst nur Harry angelächelt hatte. So, wie er ihn in Hogwarts am See angelächelt hatte, damals, als noch alles in Ordnung gewesen war.
Und jetzt war sein Drache bei diesem Widerling und liess sich von ihm betatschen, tat mit ihm Dinge, die nur ihm, Harry, zustanden. Abrupt drehte sich Harry um und ging mit grossen Schritten zum Tisch zurück, wo immer noch das Whiskyglas stand. Es klirrte leise, als er es ruckartig hochhob und in einem Zug leerte. Auf dem Tisch hatte sich ein hässlicher, nasser Ring gebildet. Kaum war das Glas leer, als es Harry, einem plötzlich Impuls folgend, mit aller Kraft gegen die gegenüberliegende Wand warf, wo es klirrend zersprang.
Das laute Klirren schien die Wut, die durch Harry hindurch fegte, ein wenig zu beruhigen und plötzlich war der Gedanke da. Leuchtend hell. So, wie die Venus, wenn sie am klaren Himmel nach Sonnenuntergang der erste Stern war, den man, häufig noch bevor der Mond aufging, sehen konnte. Venus, die Göttin der Liebe. Er würde seinen Drachen zurückholen. Er würde jetzt, sofort, auf der Stelle, zur Wohnung des Widerlings apparieren und seinen Drachen zurückholen. Dabei konnte er dem Widerling gleich noch eine Lektion erteilen, was es bedeutete, sich an Harry Potters Eigentum zu vergreifen. Denn das war sein Drache - sein Eigentum, sein Besitz. Draco gehörte ihm, nur ihm allein und nur er durfte darüber bestimmen, wer seinen Drachen berührte und der Widerling durfte das nicht. Er durfte seinen Drachen nicht mit seinen schmutzigen Händen betatschen und ihm die Reinheit nehmen. Ausser ihm durfte überhaupt niemand seinen Drachen berühren.
Harrys Zauberstab zitterte ein wenig, als er die Antiapparierschilde aufhob, die über der Wohnung lagen. Jetzt, da er den Entschluss gefasst hatte, seinen Drachen zurückzuholen, war er plötzlich ganz ruhig. Natürlich würde sich sein Drache ein wenig sträuben, würde sich zunächst wehren, aber Harry war sich sicher, dass Draco schon in wenigen Tagen einsehen würde, wie grosszügig er doch war, dass er ihm verzieh und ihn zu sich zurückkommen liess, nach allem, was er ihm angetan hatte. Er würde seinen Drachen schon zu zähmen wissen. Etwas, was er in den letzten Jahren offensichtlich viel zu sehr vernachlässigt hatte. Diesen Fehler würde er in Zukunft nicht mehr machen.
Mit einem leisen Knall verschwand Harry und tauchte direkt vor Notts Wohnung wieder auf. Am liebsten wäre er ja direkt in die Wohnung dieses Widerlings appariert, aber die kannte er ja leider nicht von innen. Sicher wimmelte es dort nur so von schwarzmagischen Artefakten, mit denen er seinen Drachen verzaubert hatte. Ein weiterer Gedanke durchfuhr Harry. Was, wenn der Widerling einen Spruch über seinen Drachen gelegt hatte oder ihm einen Liebestrank gegeben hatte? Sein Draco wäre doch niemals freiwillig mit Nott in dessen Wohnung gegangen. Der Widerling musste ihn verzaubert haben. Eine andere Möglichkeit gab es doch eigentlich gar nicht. Sein Drache liebte ihn schliesslich und nur ihn. Ganz sicher wartete Draco nur darauf, dass er ihn befreite.
Entschlossen stürmte Harry zur Eingangstür und riss sie auf. Während er die Treppen hinaufrannte, hämmerte in seinem Kopf nur ein einziger Gedanke: „Halte durch, mein Drache. Ich komme und befreie mich. Es tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe, um zu begreifen. Aber jetzt werde ich dich retten." Natürlich würde er seinen Drachen, wenn sie erst wieder zu Hause waren, trotzdem bestrafen müssen. Schliesslich war er davongelaufen und hatte sich von dem Widerling verzaubern lassen. Aber jetzt musste er erst seinen Draco retten. Über die Strafe konnte er später immer noch nachdenken.
Endlich hatte Harry die Tür erreicht, die zu Notts Wohnung gehörte. Mit zitternden Händen löste er die Schilde, die über der Tür lagen und öffnete sich vorsichtig. Wenn der Widerling seinen Draco verzaubert hatte, dann musste er damit rechnen, dass Harry kommen würde, um zu holen, was eigentlich ihm gehörte. Die falsche Slytherinschlange hatte sicher nicht gezögert, ihm schwarzmagische Fallen zu stellen.
Vorsichtig schaute Harry in den Eingangsbereich der Wohnung. Am Rand, direkt an der Wand, standen Dracos Schuhe. Sein Drache war also sicher hier. Ansonsten war aber zumindest der Eingangsbereich verlassen. Schnell sprach Harry einen Aufspürzauber, der ihm offensichtliche schwarzmagische Spuren anzeigen sollte. Als der Zauber nichts ergab, wagte er sich weiter vor. Direkt hinter dem Eingangsbereich hatte er die Wahl zwischen zwei Türen. Gerade als er dabei war, vorsichtig die erste zu öffnen, vernahm er hinter der zweiten ein leises Stöhnen. Draco! Das war Dracos Stöhnen gewesen. Sein Drache war in Gefahr. Ein erneutes Stöhnen erklang, gefolgt von Flüstern und einem leisen Lachen.
Vorsichtig öffnete Harry die zweite Tür, immer darauf vorbereitet, dass ihn, sobald die Tür geöffnet und er hindurchgetreten war, der Widerling mit Flüchen angreifen würde. Die Tür schien direkt ins Schlafzimmer zu führen. In der Mitte des Raumes stand ein grosses Bett mit blauen Laken und auf dem Bett… Harry musste die Augen einmal gründlich zukneifen und wieder öffnen. Das konnte nicht sein. Nein, das durfte nicht sein.
Auf dem Bett sass der Widerling mit nacktem Oberkörper. Irgendwo davor lag ein dunkelgraues Hemd und direkt vor dem Widerling sass sein Drache. Das weisse Hemd war aufgeknöpft und ihm von der Schulter gerutscht. Sein wunderschönes, blondes Haar war zerzaust, seine Wangen rötlich gefärbt. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde nahm Harry all die kleinen Details wahr. Notts Hand, die unter Dracos Hemd verschwand, sanft über den Rücken zu streicheln schien, während die andere auf dem Oberschenkel seines Drachens lag. Dracos Hände, die auf den Schultern des Widerlings lagen und mit einer beinahe morbiden Faszination beobachtete Harry, wie sich langsam ihre Gesichter einander näherten, wie sich Dracos Augen schlossen, genauso wie Notts und sich schliesslich ihre Lippen berührten. Unglaublich zärtlich berührten sich die Lippen und Harry konnte förmlich beobachten, wie sich Draco in den Kuss fallenliess, sich darauf verliess, dass Nott ihn auffangen würde, wenn er sich ihm ganz hingab. Seine ganze Haltung, die Hände, die auf Notts Schultern lagen, all das strahlte soviel Vertrauen und soviel Liebe aus, dass Harry für einen kurzen Moment der Atem stockte. Wie lange war es her, dass sich Draco ihm so hingegeben hatte? Ganz dunkel konnte er sich noch an Zeiten erinnern, in denen Draco ihn so angesehen hatte, sich ihm so hingegeben hatte.
In die aufflammende Eifersucht mischte sich eine Stimme. Eine Stimme, die ihn anschrie, dass er gehen sollte, dass er so leise, wie er gekommen war, wieder verschwinden sollte, dass er Draco verloren hatte, ihn endgültig verloren hatte. Doch die Stimme wurde, noch bevor sie wirklich in sein Bewusstsein vordringen konnte, von der rasenden Eifersucht verdrängt. Der Widerling küsste seinen Drachen und begrapschte ihn. Nur er durfte seinen Drachen berühren. Draco gehörte ihm.
Harry stiess die Zimmertür mit einer solchen Wucht zur Seite, dass sie laut krachend gegen die Wand knallte. Nott und Draco fuhren auf und starrten ihn an. Mit Befriedigung beobachtete er, wie sich Dracos Augen vor Schreck weiteten, während er ein tonloses „Harry!" keuchte. Im gleichen Mass verhärtete sich Notts Gesicht und nahm einen entschlossenen Ausdruck an. Langsam stand er vom Bett auf und machte einen Schritt auf Harry zu. „Was willst du hier, Potter?"Die Stimme war ruhig, seltsam kalt und hatte eine drohenden Unterton und doch nahm sie Harry nur am Rand war.
All seine Sinne waren ganz auf Draco konzentriert. Auf seinen Drachen, der immer noch mit offenem Hemd auf dem Bett sass und ihn einfach nur anstarrte. „Draco, ich bin gekommen, um dich nach Hause zu holen." Seine Stimme klang fremd, irgendwie krächzend und Harry war selber erstaunt, dass sie nicht zitterte, vor Eifersucht und unterdrückter Wut. „Lass uns nach Hause gehen, Drache. Ich verzeihe dir, dass du mich einfach so verlassen hast. Jetzt wird alles wieder gut." Unwillkürlich machte Harry einen Schritt auf Draco zu. Plötzlich schob sich Notts schmale Gestalt zwischen ihn und seinen Drachen. „Draco wird nirgendwo mit dir hingehen, Potter. Hast du es denn immer noch nicht begriffen? Draco will nichts mehr mit dir zu tun haben. Und jetzt raus, bevor ich mich gezwungen sehe, die Auroren zu rufen."
