Kapitel 21: Nur Ficken?
Es dauerte einige Tage, bevor Severus Snape sich bei Jennifer meldete. Er hatte einfach keine Lust gehabt, einfach keinen Antrieb verspürt mit ihr zusammen zu sein. Vielleicht auch gerade deswegen, weil er wusste, dass er sie nie so lieben dürfte, wie es gern getan hätte. Und damit meinte er keinen Sex, sondern offene, aufrichtige Liebe. Eine Beziehung ohne Geheimnisse, ohne Lug und Trug, doch er wusste, dass das nie geschehen konnte, durfte.
Severus hatte ihr in jener gemeinsamen Nacht vor einem halben Jahr nur die wesentlichsten Dinge seines Lebens als Magier erläutert. Er hatte den Krieg erwähnt und seine Folgen, doch was genau in den Magierschaften vorging konnte und wollte er ihr nicht berichten.
Severus stand im Flur der Wohnung der Familie Franco. Er wartete auf Jennifer, die vorher von ihrem Vater gerufen wurde. Dieser stand ihm gegenüber und beäugte ihn misstrauisch. Brain Franco hatte die Arme verschränkt und sah auf Severus hinab, als überlege er, was er mit ihm anstellen sollte. Ihm nur irgendetwas Gemeines an den Kopf werfen oder gleich teeren und federn?
Severus hatte eine kleine Auseinandersetzung mit ihm an der Tür gehabt, weil er ihn nicht in die Wohnung lassen wollte. Zudem hatte er ihn als „räudigen Köter" und „Taugenichts" beschimpft. Severus wusste nicht genau warum, aber er vermutete, dass es wegen seiner langen Abwesendheit war. Er hatte ihr nur einen Brief geschrieben und der war kryptisch gewesen. Ja, er hätte verstanden, wenn Jennifer ihn deswegen hasste.
Schließlich öffnete sich die Tür zu ihrem Zimmer und sie kam schnellen Schrittes auf ihn zu. Severus sah sie schuldbewusst an und erwartete gleichzeitig, dass sie die Hand heben und ihm eine Ohrfeige verpassen würde. Doch das war nicht der Fall.
„Severus!", sagte Jennifer aufgeregt und umarmte ihn, wobei sie nicht auf ihren grollenden Vater achtete. Severus hingegen stand geradezu verkrampft dort. Er hatte felsenfest mit einem kräftigen Schlag gerechnet oder zumindest mit einem Tritt ins Schienbein. Verdient hätte er es.
„Dad, es ist alles in Ordnung.", wandte sie sich an Brain.
„Wirklich?", murrte dieser.
„Ja."
„Na, wenn du meinst." Brain verschwand in die Küche.
„Es tut mir leid.", sagte Severus. „Ich konnte während meiner Schulzeit nicht mehr schreiben. Sie kontrollieren alles, was wir rein- oder rausschicken. Ich …" Jennifer brachte ihn zum Schweigen, indem sie ihm ihre Finger auf die Lippen legte.
„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen.", sagte sie. „Dein Brief klang schon so … angespannt."
„Und die Nummer von deinem Vater?", fragte Severus. Jennifer atmete schwer.
„Ich habe Brain gesagt, dass du dich nicht gemeldet hast und da ist er völlig ausgetickt. Ich bin nicht mal dazu gekommen den Grund zu nennen." Sie nahm seine Hand. „Lass uns rausgehen."
„Okay.", meinte Severus einwenig unsicher.
Sie gingen aus dem Haus und in Richtung des Parks. Sie liefen einige Minuten schweigend nebeneinander her. Severus hatte ihre Hand in der seinen.
„Ich habe dich vermisst.", sagte er. „Sehr sogar. Es war furchtbar ohne dich."
„Was ist passiert?", fragte Jennifer. „Warum kontrollieren sie euch? Du sagtest doch deine Schule sei halbwegs sicher."
„Das ist sie nicht mehr. Die Todesser haben die Macht übernommen. Endgültig und überall.", sagte Severus. Er sah zu Jennifer und biss sich auf die Unterlippe. „Ach, genug davon." Er winkte ab. „Wie ging es dir?"
„Wenn ich es mit deinem Jahr vergleiche, müsste ich wohl spitze sagen, aber es war eigentlich nicht so toll.", sagte Jennifer. „Hatte herbe Probleme mit einigen Jungs aus meiner Schule."
„Warum?", fragte Severus aus reiner Neugierde.
„Die haben nichts unversucht gelassen, um mit mir ein Date zu bekommen."
„Was haben sie denn gemacht?"
Jennifer blieb stehen. Sie befanden sich nun schon im Park. Er war wie immer fast völlig menschenleer. Die Bäume wogen sich im warmen Sommerwind, die Vögel zwitscherten und einigen der Parkbesucher waren ihre sommerlichen Hochgefühle wahrhaft ins Gesicht geschrieben.
Blanker Hohn! So empfand es Severus. Die Natur machte sich über seine Situation lustig, indem sie Schönheit und Lebensfreude offenbarte.
„Erst haben sie mich nur immer blöd angemacht. Das ging fast das ganze Jahr so. Sind um mich herumgeschwänzelt und wollten was von mir.", sagte Jennifer.
„Was wollten sie?", fragte Severus vorsichtig, der sich die Antwort jedoch denken konnte.
„Was wollen pubertäre Machos wohl von einem Mädchen wie mir?", entgegnete Jennifer leise, beinnah schamhaft. Severus legte seine Arme sanft um sie und drückte ihren Kopf an seine Brust. Jennifer vergrub ihr Gesicht in seinem Shirt.
„Ich werde nicht zulassen, dass dir irgendjemand etwas antut. Niemals.", flüsterte er.
„Kannst du nicht irgendetwas mit ihnen machen?", antwortete Jennifer leise. Ihre Stimme war ungewöhnlich hoch. Vermutlich versuchte sie ihre Tränen zu unterdrücken.
„Ich weiß es nicht.", sagte Severus.
Es waren Muggel. Er wusste nicht, ob es als Verletzung des Geheimhaltungsabkommen gelten würde irgendwelche schwanzgesteuerten Muggel zu verhexen. Allerdings bezweifelte er das irgendwie. Vermutlich wurde es ihm sogar angerechnet. Insgesamt war ihm das Gesetz jedoch völlig egal. Er würde diese Idioten verfluchen, wenn sie Jennifer auch nur falsch ansahen.
„Aber ich kann es ja mal versuchen.", fügte er hinzu und hatte plötzlich ein hinterhältiges Grinsen aufgelegt.
„He, Franco!", rief plötzlich jemand zu ihnen hinüber. Severus sah auf und erblickte unweit von ihnen eine Clique. Er erkannte sie als jene Clique von Möchtegerncoolen, die ihn letzten Sommer des Hiphoppertums verdächtigt hatten. „Du hättest uns ja sagen können, dass du bereits vergeben bist!" Diese ach so coole Klappe gehörte zum größten Junge der Truppe, der offenbar auch ihr Anführer war. Er trug ein rotes Tanktop und Sonnenbrille. Ein richtiger Macho mit lässiger Haltung, der eine Hand in der Hosentasche seiner Cargos vergrub. Fehlten nur noch Goldkettchen und eine geelige Frisur, doch beides war nicht vorhanden.
Severus löste sich von Jennifer und trat auf die Gruppe zu.
„Was wollt ihr?", fragte er.
„Was geht dich das an, du Zwerg?", rief jemand aus der Clique. Es war ein Junge, der eine frappierende Ähnlichkeit mit gewissen, flohverpesteten Animagi aufwies.
„Oh, nichts selbstverständlich, aber je nachdem, was ihr von ihr wollt muss ich entscheiden, ob ich euch einen Kopf kürzer mache oder nicht.", sagte Severus mit gespielter Lässigkeit.
„Der Arsch deiner süßen Freundin gehört mir!", gab der Anführer zu bedenken. „Und ich werde sie ficken."
„Nein, wirst du nicht.", entgegnete Severus. „Denn wenn du nicht sofort verschwindest, dann werden du und deine Freunde auf dem nächsten Baum landen – und zwar nackt." Die Muggel brüllten vor Lachen.
„Du gegen uns alle fünf?", sagte der Anführer lachend. „Na komm schon, halte dich nicht zurück! Dich mach ich mit Links platt und dann fick ich die Franco trotzdem."
Severus zog blitzschnell seinen Zauberstab aus seiner Hosentasche. Wieder lachten diese Vollidioten.
„Seht mal, er will uns mit einem Stock drohen. Uuuuuuh.", sagte der Cliquenboss geschauspielert. Er tat so, als habe er Angst. Er tat nur so, noch, denn gleich würde sie sich auch bei ihm offenbaren – die Angst.
Severus feuerte wortlos einen schwachen Levicorpus auf die Gruppe ab. Die Clique wurde auseinander geschleudert. Sie prallten auf den harten Parkboden, der eine oder andere auch gegen Bäume. Mit schnellen Bewegungen zog er die Muggel wieder zurück und hob sie in die Luft. Sie schrieen, als würde er sie abschlachten, doch das tat er nicht – zumindest nicht körperlich. Severus setzte sie alle auf die Krone eines hohen Baums.
„Lass uns wieder runter!", rief einer der Jungs panisch.
„Runter?", sagte Severus gefährlich. „Ihr wollt wieder runter? Also runter kann ich echt gut!"
Und wieder setzte er den Levicorpus ein. Er schleuderte sie allesamt vom Baum. Sie schrieen in Todesangst, doch Severus fing sie knapp über dem Boden wieder ab und schleuderte sie unsanft auf den Baum zurück.
Und nun folgte der spaßigste Teil. Er hatte noch nie einen Accio auf viele Objekte gleichzeitig anwenden müssen, doch für alles gab es ein erstes Mal.
Severus schleuderte ihnen ein paar Aufrufesprüche entgegen, womit er die ach so coole Clique fast völlig entkleidete. Die Klamotten schwebten zu Boden und Severus steckte seinen Zauberstab weg. Sie schrieen wie die Schweine auf der Schlachtbank. Verängstigt über das gerade Geschehene und völlig von der Rolle.
„Wo gehst du hin? Hol uns wieder hier runter!", rief einer von ihnen den Tränen nahe.
Er würde sie da oben nackt sitzen lassen. Sollten sie doch selbst sehen wie sie wieder festen Boden unter den Füßen bekamen.
Severus winkte ihnen bloß freundlich, bevor er ging. Jennifer hatte sich während des ganzen Geschehens kaum von der Stelle gerührt und blickte ihn mit großen Augen und einem halb offen stehenden Mund an.
„Das war phantastisch.", sagte sie mit unterdrückter Begeisterung.
„Lass uns gehen, bevor uns noch jemand sieht.", sagte Severus bloß.
„Wow, denen hast du es gegeben! Einfach auf den Baum und BAMM!", sagte sie, als in Richtung ihres Hauses liefen. „Einfach genial!"
„Hat der Typ dich schon einmal angerührt?", fragte Severus ernst. Er hatte durchaus seinen Spaß bei dieser Aktion gehabt, aber insgesamt fand er es eigentlich nicht so berauschend. Etwas Ähnliches hatte Potter im 5. Schuljahr mit ihm gemacht. Und wenn Lily nicht gewesen wäre, dann hätte er ihm nicht nur die Hose ausgezogen.
„Beinah.", sagte Jennifer. „Er hat mir einmal nach der Schule aufgelauert. Ich hab ihn aber eins in seine Glocken gegeben."
Severus musste lachen. Dieser Typ hatte wahrlich kein einfaches Spiel mit Jennifer.
„So wie ich den Kerl einschätze, hat er gedacht, dass du dich einfach abschleppen lassen und in seine Trophäensammlung einfügen wirst.", sagte er.
„Meinst du?", fragte sie.
„Ja, dieser Macho und seine Freunde … solche Menschen gibt es überall, selbst unter Magiern."
Jennifer lachte. Es war schön sie lachen zu sehen.
Sie gingen zurück zu ihrem Haus und setzten sich auf die Treppe vor der Haustür. Severus holte seine Zigaretten heraus und steckte sich eine an. Sie schwiegen einige Augenblicke und beobachteten die ausgestorbene Straße. Er spürte währenddessen wie Jennifer ihre Hand auf sein Bein legte und nahm sie in die seine. Sie sahen sich für einen Moment an.
Sicher, er hätte sie küssen können, doch er wandte sich von ihr ab. Erneut schweifte Severus' Blick über die Straße. Niemand war zu sehen.
„Du bist jetzt so anders.", sagte Jennifer. „Irgendwie."
„Ja.", sagte Severus. „Alles ist irgendwie anders. Furchteinflößender."
„Machst du dir Sorgen?", fragte sie.
„Wegen meinesgleichen? Durchaus.", sagte Severus. Er spürte wie sich ein Kloß in seinem Hals manifestierte und biss sich auf die Unterlippe. Er musste ganz einfach die Ruhe bewahren. Er durfte nicht …
„Ich … ich weiß nicht, ob ich das durchstehe, Jan. Ich weiß nicht wie. Ich habe die letzten 6 Monate in einem Gefängnis verbracht. In einem Alptraum und je länger ich lebe, desto schlimmer wird er." Severus schleuderte seine Zigarette wütend auf den Asphalt. Er war nicht wütend auf Jennifer, weil sie ihn gefragt hatte. Nein, dieser Zorn galt allein ihm selbst.
„Severus?", sagte sie vorsichtig und berührte ihn sanft an der Schulter.
„Tut mir leid. Ich denke, ich sollte besser gehen.", sagte er und erhob sich. „Es tut mir leid."
„Kommst du wieder?", fragte Jennifer. Sie klang besorgt. Severus nickte.
„Ja. Tut wir wirklich leid.", sagte er zum wiederholten Mal und wandte sich von ihr ab.
Einsam und still weinend ging er nach Hause. Was war bloß mit ihm los? Konnte er denn nicht einmal abschalten und einfach an etwas anderes denken, als diesen scheiß Krieg? Warum nahm ihn das so ein?
Daheim setzte er sich in die Küche und starrte eine schiere Ewigkeit die gegenüberliegende Wand an.
Warum ist das nur so?
Frag dich selbst, du kennst die Antwort.
Ja, aber … ich will das nicht.
Verfluchter Mist, er hatte Jennifer so gern, aber wenn er an sie dachte, dann wurde er oft mit purer Trauer erfüllt. Warum? Warum konnte es der Welt nicht einfach egal sein? Warum durfte jemand wie er nicht einfach lieben, wen er wollte? Warum musste diese Liebe bedeuten, dass er, zusammen mit Jan, irgendwann vor den Schafrichter geführt wurde?
Unvermittelt öffnete sich die Tür und riss Severus aus seinen Gedanken. Tobias trat ein und blickte seinen Sohn fragend an.
„Was ist passiert?"
„Nichts.", log Severus und wischte sich die Tränen aus den Augen.
„Ich bin kein Idiot. Sag was mit dir ist!" Tobias setzte sich an den Tisch.
„Wie … wie war das damals mit dir und Mom? Wie konntest du überhaupt mit ihr zusammen sein … sie lieben?" Severus sagte das geradezu vor sich hin. Beinah teilnahmslos.
Sein Vater seufze schwer und fuhr sich durch sein Haar.
„Das war ziemlich schwer. Für mich jedoch mehr, als für sie."
„Warum?", fragte Severus. Tobias verstummte für einen Augenblick und besah seine Finger. Er wirkte plötzlich irgendwie nervös.
„Das, was ich dir jetzt erzähle, habe ich nicht einmal deiner Mutter preisgegeben."
Severus horchte auf. Was hatte das zu bedeuten?
„Als ich deine Mutter kennen lernte war ich gerade Mal ein Jahr aus dem Zuchthaus raus."
„Wie bitte?", entfuhr es Severus. Davon hatte er noch nie etwas gehört!
„Als ich in deinem Alter war habe ich etwas Furchtbares getan. Ich kannte ein Mädchen in meiner Nähe, dass mir sehr gefiel, aber zu dem ich einfach keinen Zugang bekam. Ich habe ihr eines Tages aufgelauert und sie vergewaltigt."
Severus konnte nicht glauben, was er da hörte. Er spürte wie er sich verkrampfte und gleichzeitig den Drang hatte aufzuspringen. Es beängstigte ihn, so etwas von seinem Vater zu hören, vor allem, wenn er so seelenruhig davon sprach.
„Ich weiß, was du jetzt denkst. Ich bin ein Schwein und ja, das war ich auch. Ein verfluchter Hurensohn! Nicht mehr wert, als ein Stück Scheiße. Ich wurde verurteilt und hatte während der Haft eine Therapie. Als ich nach 5 Jahren raus kam, war ich mir nicht sicher, ob ich mich wirklich unter Kontrolle halten konnte. Ich hatte Angst, sehr viel Angst. Und als ich deiner Mutter begegnete mochte ich sie sofort. Wir verstanden uns gut, aber ich fürchtete mich unendlich vor mir selbst. Ich wusste, dass es da immer noch dieses … Böse in meinem Kopf gab." Tobias sah von seinen Fingern auf und blickte seinem Sohn direkt in die Augen.
„Dad, wie bin ich …", begann Severus zögernd.
„Keine Sorge, ich hatte keinen Rückfall. Du bist aus reiner Liebe entstanden.", sagte Tobias. „Ich bin nicht stolz darauf, Severus. Ganz und gar nicht." Sein Vater strich sich mit dem Finger über die Nase. „Warum fragst du eigentlich?"
„Ich habe Angst vor mir.", gestand Severus.
„Warum?"
„Wegen dem, was ich bin."
Tobias lehnte sich zurück und blickte Severus aufmerksam an.
„Geht es um deine Freundin?"
Severus nickte.
„Wie habt ihr das gemacht? Es ist heute schlimmer denn je. Wie konntet ihr überhaupt so lange ungestört leben?"
„Es war nie ruhig.", meinte Tobias. „Eileen hat mir lange nicht verraten, wer sie war. Erst bei unserer Verlobung hat sie sich mir offenbart. Ich hatte die Hosen voll, das kannst du mir glauben."
„Wieso?", fragte Severus neugierig.
„Ich habe ihr lange nicht geglaubt und eines Tages hat sie mich an der Decke baumeln lassen. Außerdem war und ist mir vieles nicht geheuer, was mit den Magiern zutun hat. Nicht, weil ich sie verachten würde, sondern, weil diese Welt mir einfach zu fremd ist. Trotzdem wusste ich genau worauf ich mich einließ, als ich sie heiratete."
Severus schämte sich. Er hatte sich immer eingeredet, dass sein Vater nichts von ihm wissen wollte, dass er ein verfluchter Magierhasser war. Er wusste nicht, wann genau dieses Verhältnis zwischen ihnen so zerstört wurde, dass er ausschließlich seiner Mutter vertraute, doch es hatte ihn all die Jahre geleitet. Und ihm selbst glauben gemacht, Tobias sei einer der Gründe, warum sie allesamt so litten. Doch in Wahrheit war es nicht sein Vater, sondern ihre Verschiedenartigkeit, die diese Keile zwischen sie trieb. Ein Muggel würde in seinem Weltverständnis niemals zu einem Magier werden. Und ein Magier würde niemals einen Muggel verstehen können. Es war wie in dem berühmten Sprichwort, um den Vergleich von Äpfeln und Birnen. Das eine würde niemals zum anderen werden können.
„Wie hast du das durchgehalten?"
„Was? Die Gefahr? Ich wusste um das Risiko, das ich jeden Tag einging. Zwar gewannen diese Radikalen innerhalb der Magier erst später an Stärke, doch wirklich beliebt waren meinesgleichen ja noch nie. Ja, als … Voldemort …" Tobias sprach den Namen mit bedacht aus. „… die Macht übernahm hatten wir sehr viel Angst. Deine Mutter hat sehr viel geweint. Sie meinte damals zu mir, dass Menschen doch nichts anderes als dummes Herdenvieh seien. Ich fürchte sie hatte Recht." Sein Vater atmete tief. „Wie ich es geschafft habe? Wie ich durchgehalten habe, trotz der Angst? Ich bin einfach ganz normal geblieben. Irgendwie menschlich eben – so gut es mir möglich war."
„Normal.", sagte Severus leise zu sich selbst.
„Wenn du sie wirklich liebst, dann bleib bei ihr, sei du selbst, egal, was der Rest denkt. Und grüble nicht so viel darüber nach. Wir haben alle eine Uhr, die unaufhörlich abläuft, aber keiner von uns weiß, wann unsere Stunde schlägt. Du könntest morgen sterben oder in ein paar Monaten, aber vielleicht auch erst in Jahren oder Jahrzehnten. Vielleicht wirst du ein alter Mann, vielleicht auch nicht. So was kann man nicht planen.", sagte Tobias eindringlich.
„Meinst du?", fragte Severus.
„Nutze die Zeit, die dir bleibt. Weißt du, ich und Eileen dachten immer, wenn die Todesser uns angreifen, dass es dann mich erwischt oder uns alle."
Severus nickte nur. Es war schon komisch, wie er hier saß und dieses aufrichtige Gespräch mit seinem Vater führte. Sie hatten noch nie viel miteinander geredet. Wenn Severus Sorgen hatte, dann war er immer zu seiner Mutter gegangen.
Tobias erhob sich, ging um den Tisch herum und legte seine Hand auf die Schulter seines Sohnes. Er öffnete den Mund, doch er hielt inne und schloss ihn sogleich wieder. Ja, Worte konnten nicht ausdrücken, was ihnen durch ihre Köpfe ging. Jetzt, da sie wussten, wie ihre Situation in Wirklichkeit aussah.
Severus erhob sich und verließ wortlos den Raum.
Nichts, was Worte hätten sagen können. Er hatte jetzt die Gewissheit, dass sie sich über Jahre hinweg nicht zugehört hatten, dass sie sich mit Absicht missverstanden hatten. Und trotzdem erboste ihn das nicht oder Stürzte ihn in die Verzweiflung. Der Scham von vorhin war verflogen. An seine Stelle trat jetzt eine ernüchternde Objektivität.
Er wusste, dass sein Vater Recht hatte; Sie alle waren zum Tode verdammt – und zwar von Geburt an. Die Frage, die sich stelle war somit nicht, wie man dem Tod entfloh, sondern wie man sein Leben verbrachte bis dieser eintrat. Denn verhindern konnte ihn keine Macht der Welt!
Machte man sich sein verbleibendes Leben selbst zur Hölle oder lebte man es einfach?
Eine schwierige Frage – vor allem, in einer Gesellschaft, die einen nicht so leben ließ, wie man es für richtig hielt.
Dunkle Wolken zogen über das Schloss Hogwarts hinweg, als die Todesser die gefangenen Muggelstämmigen auf die Ebene vor das Schloss trieben, jeden einen Spaten in die Hand drückten und sie Graben ließen. Graben, wie die scheiß Muggel es taten! Mit ihren bloßen Händen. Auf General Greeds Befehl hin hatte man jeden von ihnen den Zauberstab weggenommen. Es war ein Frevel, dass sie überhaupt einen besaßen, diese Unwürdigen.
Vor Ende der Ferien hatten die Todesser rund 500 Schüler von ihren magischen Mitschülern getrennt und sie in den Kerkern eingesperrt. Sie nahmen ihnen alles weg, was sie besaßen; selbst ihre Kleidung.
Und nun hockten sie hier, von den Todessern in der drückenden Hitze angetrieben, geschlagen, gepeinigt, halbnackt. Sie mussten zerschlissene, alte Lederhosen tragen. Das Zeichen für den Zwangsarbeiterstatus innerhalb von Askaban. Ihre Oberkörper hingegen mussten frei sein – von jedem, selbst von den Mädchen –, damit sie die Peitschenhiebe ihrer neuen Herren deutlich zu spüren bekamen.
Sie waren nun nicht mehr als Sklaven, die von ihren finsteren Herren gezwungen wurden zu arbeiten, zu graben. Die Todesser machten keine Ausnahmen. Alle mussten schuften und nach ihrer Pfeife tanzen. Die älteren und starken Schüler ebenso wie die Erstklässler, die oft kaum das Arbeitstempo der Älteren halten konnten, geschweige denn, den Anforderungen der Todesser genügen.
„Schneller!", bellten die Wachen gnadenlos. „Ihr sollt eure dreckigen Ärsche bewegen! Na los! Macht schon, ihr Kakerlaken!!"
Mitten hinein in diese erbarmungslose Szenerie schritt General Maximus Greed. Er inspizierte die Bauarbeiten und konnte erfreut feststellen, dass sie sehr gut im Zeitplan lagen. Und diese verfluchten Schlammblüter taten ihre Arbeit.
Wer weiß, wenn sie mich zufrieden stellen habe ich vielleicht keinen Grund sie umzubringen.
Ja, er würde Gnade walten lassen. Der gnädige Maximus Greed, der in seiner Großzügigkeit ihre wertlosen Leben verschonte.
Er ging mit seiner Leibwache am oberen Rand der Gräben entlang, die inzwischen etwa 3 Meter tief und 4 Meter breit waren.
Dabei entdeckte er einen seiner Männer, wie er zwei Jungen anschrie. Der eine war ein Erstklässler mit dunkelblondem Haar und der andere war wohl ein Fünft- oder Sechstklässler mit wildem, schwarzem Haar. Beide waren sie sehr mager.
„Steh auf, du Schlammblut!", schrie der Todesser den kleinen Jungen an.
„Er kann nicht. Er ist erschöpft. Lasst ihn eine Pause machen.", warf der größere der Beiden ein. Ohne Vorwarnung fing der Junge einen Fausthieb. Er stürzte zu Boden.
„Du sprichst nur, wenn du gefragt wirst, Schlammblüter!" Der Todesser trat, den im feuchten Dreck liegenden Jungen mit dem Stiefel in die Rippen. Einmal. Zweimal. Dreimal.
„Das reicht!", rief Greed zu seinem Todesser hinunter. Der Mann hörte unverzüglich auf, drehte sich zu ihm um und salutierte.
„Was ist hier los?", fragte Greed.
„Die arbeiten nicht, Herr." Der Todesser packte den am Boden liegenden älteren Jungen am Schopf und zerrte ihn auf die Beine. „Und der hier behauptet sie bräuchten eine Pause."
„Ach was?" Greed sprang in den Graben hinunter und beäugte die beiden Jungen.
„Ich bitte Sie …", sagte der Ältere unter Schmerzen. „… er ist erschöpft. Er braucht nur ein wenig Ruhe. Er wird später doppelt so viel arbeiten."
„Verbürgst du dich für diesen kleinen Wicht, Schlammblüter?", fragte Greed.
„Ich flehe Euch an, lasst ihn sich ausruhen."
„Oh, das werde ich.", sagte Greed und ging einen Schritt auf den kleineren der Beiden zu. Dieser hockte apathisch auf dem Boden und starrte auf seine Füße. Neben ihm steckte sein Spaten im Boden. Greed zog ihn heraus.
Es wird Zeit ein Exempel zu statuieren.
„NEIN!", schrie der Ältere, der wohl schon ahnte, was er vorhatte, doch Greed ließ sich davon nicht aufhalten. Er schlug dem auf dem Boden sitzenden Jungen mit der Schaufel direkt auf den Kopf. Er traf ihn an der Schläfe und der Schüler fiel schlaff zur Seite. Blut lief ihm aus Mund und Nase.
„DU DRECKIGES SCHWEIN! DU HAST IHN UMGEBRACHT! DU VERFLUCHTER HURENSOHN!", schrie der Ältere verzweifelt. Tränen stiegen ihn in die Augen.
Ohne zu zögern ging Greed mit dem Spaten auf ihn los. Der Todesser, der ihn festhielt sprang zu Seite, damit sein Heerführer ihn nicht auch erwischte. Die Schaufel traf den Jungen am Kopf. Er schwankte, konnte sich allerdings noch auf den Beinen halten. Erneut schlug Greed zu. Dieses Mal klappte der Junge bewusstlos zusammen.
„Bringt sie zum Tor und pfählt sie. Das sollte allen anderen eine Lehre sein.", befahl er seinem Untergebenen.
„Aber, Herr, der hier lebt noch." Der Todesser zog seinen Zauberstab.
„Nein!", sagte Greed laut. „Lasst ihn am Leben. Ich will seine Schreie hören, wenn ihr seine Eingeweide mit dem Pfahl durchstoßt und ihm die Krähen die Augen aushacken."
Seine Männer nickten und schafften die beiden Jungen zum Tor. Dort befahlen sie den Schlammblütern ihnen zwei große Pfosten zu bringen und diese mit einer Axt anzuspitzen. Währendessen schmorten die beiden Halbtoten in der sengenden Sonne in ihren eigenem Blut. Niemand beachtete sie. Die Schüler waren zu verängstigt, um einzuschreiten. Voller Furcht sahen sie auf die beiden, leblosen Körper und gingen rasch an der Hinrichtungsstätte vorüber.
Zwei Todesser nahmen den kleinen Jungen und hielten ihn im Stand, während zwei andere ihm den Pfahl durch den Leib trieben. Ein gewaltiger Schwall Blut sprudelte ihm aus Mund und Nase. Sie brachten den Pfahl in eine aufrechte Position und gruben ihn ein Stück ein, um ihn stabil zu halten.
Als sie den Älteren auf die Beine zerrten stöhnte dieser schmerzerfüllt.
„Los, Beeilung! Der hier scheint bald aufzuwachen.", rief einer der Todesser. Als sie schließlich bereit waren ihm den Pfahl durch den Körper zu bohren schlug er verwirrt die Augen auf. Der Junge realisierte zunächst gar nicht, wo er war und was um ihn herum geschah, doch als mit einem kräftigen Ruck der Pfahl in seine Eingeweide eindrang riss er die Augen auf und schrie. Es war ein Schrei, der mit nichts zu vergleichen war. Die Todesangst und die Verzweiflung, die in ihm lagen, ließen jeden in seiner Umgebung verängstigt innehalten.
Als die Spitze des Pfahls beim zweiten Ruck mit einem ekelhaft knackenden Geräusch seine Wirbelsäule durchstieß und auf seinem Rücken austrat spritzte Blut in alle Richtungen. Ebenso quoll ihm jede menge Blut aus der Nase und den Mund.
Beim dritten Rück hingegen verstummten seine Schreie. Er atmete hektisch und übergab sich in seiner Todesangst. Blut und Kotze vermengten sich zu einem furchtbaren Mörtel, der nach schier endloser Grausamkeit und Tod roch.
Greed war bei der Pfählung der beiden Schlammblüter anwesend und genoss das Schauspiel. Sie hatten bekommen, was ihresgleichen verdienten.
Trotz des hohen Blutverlustes starb der Junge nicht sofort. Sein Blut rann den aufgestellten Pfahl herunter. Er konnte nicht mehr sprechen, nicht mehr weinen, nicht mehr schreien. Nur ein dumpfes, schmerzerfülltes Stöhnen zeugte von seinen Todesqualen.
Die undeutlichen Klagelaute des sterbenden Jungen hallten noch einige Zeit über die Ebene, bis er schließlich das Bewusstsein verlor. Die Hitze nahm ihm all seine Kraft. Sein Blut trocknete und sein verstümmelter Leib entsendete bald einen widerlichen Gestank.
Erst in der Abenddämmerung ging es schließlich mit ihm zu Ende.
Nach dem ernüchternden Gespräch mit seinem Vater war Severus Snape fest entschlossen sein Dasein in diesen 6 Wochen zu genießen. Das Leben würde schon schnell genug wieder unangenehm genug werden.
Und das tat er, indem er mit Jennifer zusammen war. Er genierte sich nicht mehr für seine Liebe zu ihr. Ja, er gab es ganz offen zu.
Und er tat mit Jennifer, was Verliebte nun mal so taten: Er ging mit ihr essen – wenn auch nur bis zum Italiener, der auf der gegenüberliegenden Seite des Parks ein kleines Restaurant hatte –, diskutierte mit die verschiedensten Themen und hatte Sex mit ihr.
Sie trafen sich oft bei ihm, weil Brain ihnen zunehmend hinterher spionierte und sie mochten nun mal keine unangenehmen oder peinlichen Zwischenfälle.
Tobias hingegen tolerierte Severus' Beziehung. Im Gegenzug billigte auch Severus die Liebschaft seines Vaters. Er hatte sie bis jetzt nur einmal gesehen, als sie Tobias eines Abends abholte. Sie war etwa im Alter seines Vaters und etwas kleiner er. Ihre Statur war schlank, jedoch auch etwas maskulin. Allerdings sah sie trotzdem hübsch aus. Ihr Haar war schwarz und sie trug keine typisch weibliche Kleidung, sondern lieber Hemd und abgetragene Jeans nebst Turnschuhen.
Zudem erfuhr Severus, dass Tobias sie auf seiner neuen Arbeitstätte kennen gelernt hatte. Sie war wohl der einzige, weibliche Zimmermann, den die Firma je hatte.
Als sie seinen Vater abholte brachte Severus nicht mehr als ein etwas steifes „Hallo" heraus. Er war immer noch unzufrieden damit, dass Tobias einfach in den Armen einer Fremden verlor, doch er tolerierte die Entscheidung und die Gefühle seines Vaters.
Da musst du dich aber überhaupt nicht aufregen! , ermahnte ihn seine innere Stimme schnippisch.
Meine letzte Freundin hat mich ja auch einfach für diesen supertollen Quidditschspieler fallengelassen und wurde nicht ermordet! Außerdem ist Tobias' neue Flamme eine Muggel.
Kommt da etwa der Todesser in dir durch?
Severus hätte sich am Liebsten selbst geohrfeigt. Jetzt fing er selbst schon an ihn diesen Bahnen zu denken!
Er hatte nichts Elementares gegen die Muggel. Nein, bestimmt nicht! Jennifer war ja schließlich auch eine.
In den nächsten Wochen verlief sein Leben wunderbar ruhig – wenn man von seinen Liebesnächten mit Jennifer absah. Er wusste nicht wann er das letzte Mal innerlich so friedlich war. Auf jeden Fall musste das schon einige Jahre her sein.
Wenn er mit ihr Sex hatte fühlte er sich, als könnte nichts auf der Welt seine augenblickliche Ausgeglichenheit zerstören – auch, wenn er tief in seinen Inneren wusste, dass das eine Lüge war.
Auch an diesem Abend lag er mit ihr im Bett. Severus schmiegte sich an Jennifer und lag ruhig in ihren Armen.
„Willst du mich berühren?", fragte Jennifer. Im Grunde kam das der Frage gleich, ob er Lust auf sie hatte, doch sie fragte derartiges nie so direkt. Und das war auch gut so.
„Wo?", fragte Severus.
„Überrasche mich."
Er streichelte Jennifer sanft am Hals, liebkostete sie ebenso zärtlich und erkundete mit seinen Händen ihren Körper. Sie seufze und schlang ihre Arme um ihn.
Severus hatte mittlerweile oft genug mit ihr geschlafen, um zu wissen, was ihr gefiel. Ihr gemeinsamer Sex war inzwischen auf einer höheren, vertrauensvollen Ebene angelangt. Und diese Vertrautheit durchzog ihre gesamte Beziehung. Es war Liebe – mentale wie körperliche.
Er wanderte mit seinen Lippen an ihrem Hals hinab und spürte Erregung in sich aufsteigen. Jennifer fuhr ihm mit ihren Händen über den Rücken und glitt zu seiner Taille. Sie schlang ihm ein Bein um den Hintern.
Severus strich ihr über dieses und wanderte mit seiner Hand auf die Innenseite ihres Schenkels. Sie fühlten beide ihre aufgewühlten, sexuellen Gefühle. Sie konnten sie nicht leugnen – wollten das aber auch überhaupt nicht. Und sie spürten ihren schneller werdenden Atmen und das Adrenalin in ihrem Blut.
Jennifer schlang nun auch das andere Bein um ihn und rollte sich mit ihm auf die Seite. Severus zog ihren Schenkel näher an sich heran und küsste sie innig. Er spürte wie sein Penis gegen ihren Unterleib drückte, doch er wollte es noch nicht zu mehr kommen lassen. Erneut küssten sie sich und berührten sie sich sanft. Jennifers Hand wanderte zu seinem Glied hinab und packte ihn an den Hoden. Er konnte nicht anders als genussvoll zu stöhnen.
Schließlich packte er sie an den Hüften und drehte sich auf den Rücken. Jennifer saß auf ihm und liebkostete seine Brust. Severus schlang seine Arme um sie, während sie zärtlich seinen Hals küsste und an seinem Ohr knabberte. Jennifer nahm seine Arme und drückte sie sanft von sich weg. Sie drückte sie nach unten, damit er nichts mehr tun konnte.
Severus beobachtete gespannt, was sie als nächstes tat. So etwas hatte sie noch nie gemacht, doch er freute sich über jedes Experiment mit ihr.
Ihre Lippen wanderten wieder zu seiner Brust, als er plötzlich ein Zwicken verspürte.
„Ah!", entfuhr es ihm. Sie hatte ihn gebissen! Zwar war es nur ein kleiner, zärtlicher Biss, doch die Überraschung darüber äußerte sich sofort über seine Kehle.
Und es machte ihn wild. Er hatte es die ganze Zeit hinausgezögert, doch nun fühlte er diese urzeitliche, sexuelle Energie in sich. Jenen natürlichen Instinkt, der nur eines wollte; in ihr sein. Er strich ihr das Haar zur Seite und beugte sich zu ihr hoch.
„Ich will dich.", flüsterte Severus in ihr Ohr.
Jennifer drückte ihn wieder sanft auf das Bett und warf ihn einen ihrer spitzbübischen Blicke zu. Er kannte dieses neckische in ihrem Gesicht nur zu gut.
Was hatte sie vor? Wie immer ließ er sich gern von ihr überraschen.
Jennifer wanderte mit ihrem Mund zu seinem Unterleib und küsste ihn dort. Ihre Hand umschloss seinen Penis und begann ihn mit rhythmischen Bewegungen zur Verzweiflung zu bringen. Es war eine lustvolle Verzweiflung unter der Severus seufze und stöhnte.
Das war so gemein von ihr! Er wollte sie. Er wusste, dass er es nicht länger aushielt, doch Jennifer neckte ihn gern damit, dass sie nicht tat wonach es ihn so sehr verlangte. Sie mochte es ihn noch wilder auf ihren Körper zu machen, ihn in eine vorzeitige Extasse zu versetzen.
Würde sie sich ihm nicht bald öffnen, würde er jedoch wohl oder übel in ihre Hand ejakulieren müssen – und das wollte er nun wirklich nicht.
„Jan …", hauchte er und setzte sich auf. „Bitte!" Ja, er flehte sie an. Er bettelte. Er wollte sie einfach so sehr, dass er nicht anders konnte.
Jennifer zog ihn sich und strich ihm durch sein Haar.
„Ja.", sagte sie leise und küsste ihn. Jennifer setzte sich auf ihn, schlang die Arme um seine Schultern und ließ Severus bereitwillig in sich eindringen. Er presste sie an sich, während ihre Körper sich vereinten. Sie stöhnten beide in ihrer gemeinsamen Lust und rieben sich heftig aneinander. Immer schneller, immer zügelloser, bis ihre Gefühle in einem gemeinsamen Höhepunkt explodierten. Severus vergrub sein Gesicht in ihrer Schulter. Befriedigung breitete sich in ihm aus. Ganz langsam beruhigte er sich. Sein Atem verlangsamte sich. Sein Herzschlag wurde ruhiger. Das Adrenalin verflog.
Er ließ sich nach hinten sinken und schloss die Augen. Die mit Sex verbundene, natürliche Erschöpfung ergriff Besitz von ihm. Er spürte wie Jennifer von ihm kletterte und sich neben ihn legte.
Nichts hätte seine glückselige Stimmung in diesem Moment trüben können. Es war alles in Ordnung und so wie es sein sollte. Ja, nicht einmal die von seinem Sperma herrührende Nässe störte ihn. Das spielte alles keine Rolle.
Severus öffnete die Augen wieder und rollte sich auf die Seite. Er sah Jennifer an und nahm ihre Hand. Sicher hätte er jetzt sagen können wie toll er den Sex mit ihr fand oder wie sehr er sie liebte, doch er schwieg. Die Gefühle, die er augenblicklich für sie empfand waren nichts, was er in Worten hätte sagen können.
Sie verweilten einige Zeit friedlich nebeneinander liegend bis Severus sich erhob und sich seine Shorts anzog. Er kramte seine Zigaretten aus der Tasche seiner Jeans, die er über einen Stuhl gehängt hatte und öffnete das Fenster. Er zündete sich eine Kippe an und zog genüsslich daran. Auch Jennifer regte sich wenige Sekunden später und warf sich ein weites Shirt über. Sie setzte sich im Schneidersitz auf das Bett. Severus stellte schmunzelnd fest, dass sie sich keine Unterhose angezogen hatte, weshalb sein Blick einen Augenblick an ihrem Intimbereich hängen blieb.
„Was ist?", fragte Jennifer.
„Nichts.", log Severus.
„Wirklich?", hakte sie nach und begann zu lächeln. „Du bist ein miserabler Lügner."
Och, und dabei hab ich mir doch solche Mühe gegeben!
Severus lächelte zurück und zog an seiner Zigarette.
Jennifer krabbelte auf allen Vieren auf ihn zu.
„Sag schon! Was ist?"
Er warf seine Kippe umgehend durch das Fenster auf die nächtliche Straße und nährte sich ihr. Sie kniete vor ihm und sah ihn gespannt an. Severus strich ihr sanft über ihren Unterleib und glitt mit seiner Hand zwischen ihre Beine. Anders als noch Minuten zuvor, als sie es leidenschaftlich miteinander getrieben hatten, verspürte er keinerlei sexuelle Erregung, als er das tat. Es war nur eine zärtliche und intime Berührung, hinter welcher sich für ihn in diesem Moment keinerlei erotische Gedanken verbargen.
„Oh, verstehe.", sagte Jennifer. Ihre Finger umschlossen Severus' Hand zwischen ihren Schenkeln. „Wie ist das?"
„Schön.", antwortete er und zog seine Hand zurück. „Genauso wie du."
Oh Gott, klingt das schmalzig!!
Ja und? Es ist die Wahrheit.
Wenig später saßen sie nebeneinander im Bett und lehnten sich gegen die Wand. Die Bettdecke verhüllte ihre Beine, um eisigen Gliedmaßen vorzubeugen.
„Beantworte mir eine Frage.", sagte Jennifer.
„Welche?"
„Was finden Männer so toll an Brüsten?"
Severus musste plötzlich loslachen.
„Was ist so witzig daran? Hör zu, ich kann ja verstehen, was Männer an dem zwischen meinen Beinen finden, aber warum ausgerechnet Brüste?"
„Ich könnte dich genauso gut fragen, was Frauen an männlichen Genitalien finden.", konterte Severus diese durchaus schwierige Frage.
„Die haben durchaus ihre Reize.", meinte Jennifer daraufhin.
Severus zog ihr das Shirt hoch und betrachtete ihre Brüste.
„Tja, keine Ahnung, was an denen so spannend sein soll, außer vielleicht rein anatomisches Interesse." Jennifer nahm das Kissen neben sich und warf es nach ihm. Er brach in schallendes Gelächter aus.
„Vorhin fandest du sie gar nicht so unspannend.", sagte sie neckig.
„Also wenn man vom rein anatomischen Interesse absieht, dann könnte es natürlich an unserer biologischen Bestimmung liegen."
„Und deine persönliche Meinung?", fragte Jennifer.
„Sie haben durchaus ihre Reize.", meinte Severus und zwinkerte ihr zu. Daraufhin kniff sie ihm in die Seite.
„Was denn? Das hast du auch über meine Körperteile gesagt."
Jennifer zerrte ihm augenblicklich die Decke weg und zog seine Unterhose nach unten.
„Der ist doch wunderbar."
Severus verschränkte die Arme und tat so als würde er schmollen.
„Püh! Das meinst du ja eh nicht ernst."
„Natürlich tue ich das!", versicherte sie ihm aufrichtig und ohne jede Ironie. „Ein wirklich schöner Schwanz." Severus konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.
„Ja?"
„Oh ja, schließlich will ich ja keinen Sex mit einem Elefanten."
Er zog sich seine Hose wieder hoch und spürte, wie seine Ohren unangenehm glühten. Jennifer streifte sich ihr Shirt ab und blickte ihn an.
„Jetzt bist du dran!", meinte sie grinsend.
„Soll ich eine Einschätzung wagen?"
„Oh, aber ich bitte darum!"
Severus biss sich auf die Unterlippe und warf den Kopf von einer Seite auf die andere, während er Jennifers Brüste betrachtete.
„Nun … auf jeden Fall haben sie das richtige Maß."
„Inwiefern?"
„Nicht zu groß und nicht zu klein."
„Griffig?", fragte Jennifer lachend.
„Oh ja, das auf jeden Fall." Auch Severus musste lachen. Es war wirklich witzig; dieses ganze herumalbern über ihre geschlechtsspezifischen Körperteile. „Ich will sie nicht missen."
„Also doch nicht so unspannend, was?"
„Nein, in der tat nicht.", sagte Severus grinsend, woraufhin Jennifer ihn auf die Wange küsste.
Sie wollte sich ihr Shirt wieder überwerfen, als er es ihr in einem Anfall von Neckigkeit wegschnappte.
„He, gib das her!"
„Nein!", sagte Severus lachend und warf sich auf die Seite, als sie es ihm entreißen wollte. Er hielt es vor die Brust und rollte sich ein. „Das kriegst du nicht!"
„Und ob ich das kriege!", sagte Jennifer und piekste ihn in die Seite.
„He, das ist unfair!", rief Severus.
„Ist es nicht! Das sind die Waffen einer Frau, mein Lieber." Sie piekste ihn erneut in die Seite.
„Nein! Nein! Nein!", rief Severus, als sie auch anfing ihn auszukrabbeln. „Argh! Nein, hör auf! Hör auf, ich bin kitzlig!"
Obwohl er sich tapfer gegen Jennifers Kitzelattacken zur wehr setzte siegten die Waffen einer Frau schließlich doch.
„Sag jetzt bloß nicht; das war unsportlich.", meinte sie, als sie sich ihr Shirt wieder überzog.
„Das war unsportlich.", sagte Severus.
„Ach du!" Jennifer griff sich das Kissen und warf es ihm an den Kopf.
„Immer musst du mich ärgern!"
„Ach, du Armer." Sie strich ihm mitleidig über den Kopf.
„Püh!" Wieder spielte er den Schmollenden.
„Ach, so schlimm war das doch nicht."
„Nicht so gemein wie andere Sachen.", meinte Severus. Jennifer lachte los. „Das ist überhaupt nicht witzig. Ich werde mich schon noch dafür rächen!"
„Oh, wirklich?" Sie blickte ihn neugierig an. „Darauf warte ich ja schon die ganze Zeit." Wieder hatte sie diesen spitzbübischen Ausdruck in ihrem Gesicht.
„Na warte!" Er packte sie, zog sie näher zu sich heran und küsste sie. „Das kommt schon noch."
„Will ich doch hoffen.", sagte Jennifer und grinste ihn an.
Severus grinste zurück, streckte sich im Bett aus und zog sich die Decke heran. Seine Freundin tat es ihm nach und legte ihren Kopf auf seine Brust. Er legte seine Arme um sie und es dauerte nicht lang bis er allmählich wegdöste.
Als Severus am nächsten Morgen erwachte wurde er plötzlich von einem beunruhigendem Gedanken ergriffen: Warum liebte er Jennifer eigentlich? Liebte er sie, weil er sie schätzte oder weil er nur auf ihren Hintern scharf war?
Ja, sicher, er genoss den Sex – Jan tat es schließlich auch –, aber war das alles echt? Waren seine Gefühle wirklich? Oder ging es ihm am Ende doch nur ums ficken?
Obwohl; darum lebte ja jeder einzelne Mensch, jedes Wesen auf diesem Planeten, oder? Die gesamte natürliche Evolution war auf Sex ausgerichtet. Darum lebte man.
Fressen – ficken – Verrecken. Der Kreislauf des Lebens. Und er war in diesen Kreislauf mit eingebunden, ob ihm das nun gefiel oder nicht.
Ja, jeder dachte ans Ficken! Er, Jennifer, sein Vater, Lucius … Selbst der Dunkle Lord dachte womöglich daran.
Severus strich Jennifer mit den Fingern sanft über die Wange.
Ich liebe sie.
Wirklich?
Ja, ich könnte sie auch ganz ohne Sex lieben.
Glaubst du?
Ja. Ganz sicher.
Er war nicht nur heiß auf ihren Hintern! Er liebte sie von ganzen Herzen. Er war keiner dieser widerwärtigen Penner, für die eine Beziehung nur ficken bedeutete.
Severus schloss die Augen. Er hatte es ernst gemeint, als er ihr im Park gesagt hatte, dass er nicht zulassen würde, dass ihr etwas geschah. Vollkommen ernst!
Selbst, wenn das bedeutete, dass er sterben würde, doch das war sowieso todsicher.
