Disclaimer:

Ich hab's gefressen…. Nein, es gehört trotzdem nicht mir, aber es hat gut geschmeckt.

Widmung:

100!! 100!! Die Hundertermarke ist geknackt!!! Ich drücke euch alle dafür, dass ihr so fleißig Reviews gesendet habt!! Um genau zu sein sind es 108 Reviews. : ) Euch allen dann schon mal schöne Weihnachten oder was ihr sonst feiert!!

Warnung:

Diesmal kommt Blut ins Spiel. Wer das nicht mag, möge mir verzeihen und dieses Kapitel nicht oder nur teilweise lesen. Aber jetzt viel Spaß beim Lesen!! Jetzt endlich wieder mit Snape!

21. Blutrote Erlösung:

Wenn die beiden 15-Jährigen erschrocken waren, ihren Professor in einer weiten, unheilverkündenden Todesserrobe zu sehen und den kaum merklichen Geruch von Blut wahrzunehmen, so war wohl auch Severus selbst in höchstem Maße überrascht, als er seine zwei kreidebleichen Schüler langsam die Treppe hinunter kommen sah.

„Blut", flüsterte Draco, wobei er den Geruch einsog.

„Ich weiß, kein Grund gleich euphorisch zu werden. Der da ist ne Nummer zu groß für dich", erwiderte Harry so leise, dass selbst Snapes feines Gehör es nicht ausmachen konnte.

Ihre Unterredung wurde von der Stimme des Tränkemeisters unterbrochen: „Draco, was machst du hier? Und warum seht ihr beide so bleich aus?" Man hätte erwarten können, dass die erste der beiden Frage feinselig ausgesprochen worden wäre, doch sie barg Besorgnis und Verwirrung.

Seinem Wissen nach sollte Draco gerade jetzt in den Diensten des dunklen Lords stehen. Lucius hatte es ihm vor drei Tagen stolz berichtet, aber seither hatte er noch nichts erfahren. Merlin sei Dank, dass er jetzt hier war… vielleicht gab es noch Hoffnung.

„Hatte dein Vater nicht gesagt, dass du…", ein kurzer Blick zu Potter: „…eingeweiht werden solltest?" Währenddessen waren sie alle am unteren Ende der Treppe angekommen.

Es schien, dass er das Falsche gesagt hatte. Dracos ohnehin schon merkwürdig blasses Gesicht wurde noch ein bisschen heller.

„Ich wollte nicht… und deshalb dachte, ich komme zu dir… und… du wolltest doch nicht… Onkel…?" Draco hatte Harry für den Moment vollkommen ausgeblendet. Es war ihm egal, ob Potter ihn stottern hörte, das einzig Wichtige war, dass er Severus Loyalität richtig eingeschätzt hatte…, dass sein Patenonkel ihn nicht auch zu einem Todesser machen wollte.

Doch erst einmal hatte Dracos Sprechen andere Folgen:

Severus sah mit einem Mal die scharfen langen Eckzähne seines Neffen und wusste, dass das nur bedeuten konnte, er war ein Vampir. In wenigen Momenten vollzog sich ein für die beiden Schüler vollkommen unverständlicher Wandel auf Snapes Zügen: Erst Schrecken, fast sofort wieder verborgen, doch dann kam Erleichterung! Unendliche Erleichterung, die der Ältere noch nicht einmal hinter seinen starken Okklumentikschilden zu verbergen vermochte.

Er schloss den Blonden, der ihn verwirrt und nicht minder bang anstarrte, vorsichtig in die Arme. Noch während er dies tat, hörte er Dracos befreites Ausatmen.

Er hatte richtig gelegen. Bei Onkel Sev war er sicher.

„Du bist ein Vampir! Das heißt, du bist schon vor deiner geplanten Initiation hier her gekommen, Merlin sei Dank."

Harry, der das Geschehen bisher passiv verfolgt hatte und erstaunt diese gefühlvolle Begrüßung wahrgenommen hatte, verstand langsam gar nichts mehr. Natürlich wusste er aus seiner Vision, dass Draco das Mal bekommen sollte, aber warum Snape wusste, dass er nicht da gewesen war, nur weil er jetzt ein Vampir war, konnte er sich nicht erklären.

Gerade als Snape den jüngeren Slytherin los ließ, fasste er seine Verwirrung in Worte: „Professor, ich will ja gar nicht anzweifeln, dass Malfoy das dunkle Mal nicht empfangen hat, aber woher wissen Sie es?"

Einen Moment lang starrten die beiden anderen den Gryffindor offenkundig an. Sie hatten nicht erwartet, dass er so friedfertig auf die Idee reagieren würde, Draco als beinahe gebrandmarkten Todesser zu sehen. Draco seinerseits fragte sich immer noch, wie es angehen konnte, dass Potter so genau Bescheid wusste.

Severus schien sich diese Frage nicht zu stellen, denn er musterte Harry mit strengem Blick und fragte: „Hattest du eine…?"

Harry sah ein wenig verlegen zu Boden, hob den Kopf jedoch sofort, als ihm wieder bewusst wurde, dass Malfoy neben ihm stand und alles sah.

„Ja, hatte ich…, aber wollen Sie mir nun meine Frage beantworten?" Einen Augenblick lang schwieg der großgewachsene Tränkemeister, dann: „Er konnte nur vorgestern Nacht gebissen worden sein. Ich weiß es mit völliger Sicherheit. Außerdem wäre er sonst inzwischen tot oder ein vollwertiger Vampir."

Snapes Worte klangen nüchtern, doch beide Jungen wussten aus einem Gefühl heraus, dass der Professor diesen Möglichkeiten nicht emotionslos gegenüberstand.

„Kommt, ich denke, wir haben einiges zu klären." Damit führte er seine beiden Schützlinge in sein Studierzimmer. So als wäre es Harrys jahrelange Gewohnheit, ging er als allererstes zu den Vorhängen des einzigen Fensters und schloss sie. Die beiden Slytherins fixierten ihn mit überraschten Blicken und Harry war kurz davor zu fragen:

Was, noch nie einen Jungen gesehen, der Vorhänge bewegt?

Bevor der temperamentvolle Gryffindor sich jedoch dazu entschließen konnte, diesen Satz laut zu äußern, verließ Snape das Büro mit den Worten, er wolle sich erst einmal umziehen. Also ließen sich die beiden Jungen vor dem Kamin nieder und warteten dann auf den Professor.

„Potter, du hast mir immer noch einiges zu erklären", grollte der junge Slytherin, welcher nahe beim Feuer in einem Sessel saß.

„Ich glaube nicht, Draco", erwiderte Harry trotz seiner heftigen Müdigkeit zuckersüß.

„Nun, ihm vielleicht nicht, aber mir", drang das samtige Schnarren des Tränkemeisters an sein Ohr. Er wandte abrupt den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kam.

Hmpf, egal wie lange er hier war, Snape schaffte es immer noch unbemerkt hinter ihm aufzutauchen. Da hatte er wohl seinen Spaß dran.

„Zum Beispiel, wie du es vollbracht hast weder von Draco ausgesaugt zu werden noch ihn in das nächste Jahrhundert zu fluchen…. Und seht mich nicht so entgeistert an, ich bin mir sehr wohl der Tatsache bewusst, dass ihr eigentlich keine fünf Minuten in einem Raum verbringen könnt, ohne euch in den Haaren zu liegen." Er sah sie beide düster von oben herab an. Eines wussten sie ohne Zweifel, trotz des kleinen Scherzes meinte Snape es vollkommen ernst.

Harry sah zu seinem Mitschüler hinüber und zögerte, bevor er sprach. Der Tränkemeister deutete dies als Verweigerung und setzte nach:

„Mr. Potter, ich warte auf eine Erklärung… und ich bitte um die ganze Geschichte."

Widerwillig begann er u erzählen, was sich in den letzten 24 Stunden zugetragen hatte.

Es war ja noch nicht einmal so, dass er es nicht erzählen wollte, aber es war mal wieder seine undankbare Aufgabe es so zu berichten, dass Snape alles nötige wusste, Malfoy aber nichts erfuhr, das Harry in Gefahr bringen konnte. Man konnte ja nie wissen.

„Ich habe geschlafen, als Draco in mein Zimmer kam. Er wollte mich aussaugen und ich war noch in einem Alptraum gefangen und bin deshalb erst im letzten Moment aufgewacht. Nachdem ich mich verteidigt habe…."

„Ja, mit der verdammten Lichtkugel!", grollte Malfoy neben ihm leise bis Snape ihn ermahnte:

„Draco, ich denke es ist in deinem Interesse, wenn wir das so schnell wie möglich hinter uns bringen. Ohne Unterbrechungen, sofern es dir möglich ist, deine Zunge im Zaum zu halten."

Harry begann, wo er vormals aufgehört hatte: „Nachdem ich mich verteidigt habe, sind wir uns einig geworden, dass es das klügste wäre auf Sie zu warten."

Einen Augenblick lang herrschte Schweigen im Raum, dann fragte Severus nachdenklich:

„Draco, wie hast du es so lange ohne Blut ausgehalten?"

Der Angesprochene sah betreten zu Boden.

„Ähm…, das habe ich nicht."

Jetzt musste er Severus von seiner Schwäche berichten gerade von dem Gryffindor Hilfe angenommen zu haben.

Snape wusste ja nicht, dass es lediglich diese Sorge war, die den jüngeren Slytherin so zerknirscht wirken ließ und reagierte erneut in einer Weise, welche zumindest Harry völlig fremd war.

Draco blickte erschrocken vom Boden auf, als er plötzlich härter als gewöhnlich bei den Schultern gepackt wurde. Er sah in Severus unendlich schwarze Augen, hörte das Blut durch dessen Adern strömen, nahm den schnellen Herzschlag des anderen wahr.

„Draco, sag mir, dass du niemanden getötet hast! Sag mir, dass es noch nicht zu spät ist dich zu retten!" Wohl nur Severus Snape brachte es fertig selbst in seiner Sorge noch streng und so verdammt bedrohlich zu klingen.

„Nein, ich… Pott… Harry hat mir Blut gegeben!", beeilte sich der Blonde zu sagen. Der Tränkemeister las die Wahrheit in den Augen seines Patenkindes und stieß einen erleichterten Seufzer aus.

„Gut, dann werden wir es versuchen können", bestätigte Snape, wobei er mittlerweile wieder vollkommen gefasst wirkte.

„Aber wir müssen uns beeilen", fügte er mit strengem Blick hinzu. Damit sah er Harry an, denn da dieser es gewesen war, der Draco Blut gegeben hatte, würde er auch bei den Vorbereitungen zu dem Wiederbelebungsritual die zentrale Rolle spielen müssen. Snape beschlichen leise Zweifel. So erschöpft und bleich wie Potter momentan aussah, wusste er nicht wie gut er seine Aufgabe überstehen würde.

Aber das lag alles in der Zukunft, denn egal in welcher Verfassung sich seine Schützlinge befanden, ohne Potters Einwilligung würden sie gar nichts erreichen, denn er musste seinen Teil der Prozedur freiwillig ausführen, damit das Ritual wirken konnte.

Wie sollte er das Problem der Zeit lösen? Natürlich wusste er, dass Harry und Draco das Ritual ohne seine Hilfe nicht durchführen konnten, aber das machte die Lage nicht weniger vertrackt.

Lange Augenblicke war es vollkommen still im Studierzimmer, dann ging Severus zu Draco, denn eine Idee keimte in seinem Innern. Der Jungvampir sah mit bangem Blick zu ihm auf, doch Severus legte ihm beruhigend einen Arm um die schmalen Schultern, ohne Angst vor Dracos Vampirseite zu zeigen oder zu empfinden. Dies wunderte Harry, denn sicherlich war diese wilde Seite von Malfoy auch für Snape nicht ungefährlich.

Wenn die beiden Jungen nur wüssten, warum Severus keinerlei Angst verspürte….

„Draco", riss Snapes tiefe Stimme sie aus ihren Überlegungen: „Ich werde dich jetzt mit einem sehr alten zauber magischen Schlafes belegen. Er wird uns genug Zeit für die Vorbereitungen und dir Ruhe verschaffen sowie die Möglichkeit die nächsten Stunden zu überstehen, ohne noch einmal von Potter Blut annehmen zu müssen."

„Ka…", Draco räusperte sich und begann erneut: „Kannst du mir nicht Blut geben?" Severus Miene zeigte Bedauern und Verständnis, etwas, das man nicht oft auf den harten Zügen des Tränkemeisters entdeckte.

„Nein, Draco, es würde dich umbringen, wenn du in dieser Phase Blut von jemand anderem außer Potter annehmen würdest." Er sprach ruhig und doch entdeckten die beiden 15-Jährigen Sorge bei ihrem Mentor und Paten. Draco und Harry erbleichten und schließlich war es an Harry mit leiser Stimme eine genauere Erklärung zu fordern.

„Sofern Draco dich nicht vollkommen aussaugt und damit unwiderruflich zu einemvollwertigen Vampir wird, kann er von niemand anderem Blut annehmen, ohne zu sterben." Er lag eine Düsternis ins Snapes Stimme, die deutlich zeigte wie negativ er diesen beiden Möglichkeiten gegenüberstand.

Schluckend sahen die unfreiwilligen Zimmergefährten sich an. Ihnen wurde erst jetzt bewusst wie viel Glück sie gehabt hatten, genauso gut hätte jetzt einer von ihnen tot oben in Harrys Schlafzimmer liegen können.

Bevor sie jedoch zu einer weiteren Reaktion fähig waren, führte Snape Draco zu dem schmalen, dunkelroten Sofa und bedeutete ihm sich hinzulegen. Zudecken brauchte der Professor sein Patenkind nicht, denn als Vampir machte ihm Kälte nichts aus.

Die Furcht in den Augen des anderen lesend, flüsterte Severus mit samtweicher Stimme:

„Es wird alles gut werden, Draco, hab keine Angst." Einen Moment später zog er seinen Zauberstab und schickte den jungen Slytherin mit einer komplizierten Handgeste und den Worten „Somnus quietus magicus.", in einen tiefen Schlaf, der die Verwandlung in einen Vampir vorübergehend anhalten würde… nicht für lange jedoch, weshalb er sich beeilen musste, Potter zu erklären, was für das Ritual von Nöten war.

Einen Augenblick lang überlegte er, ob er den Gryffindor nach der Vision fragen sollte, die er offensichtlich gehabt hatte, doch dann entschied er sich dagegen.

Harry hingegen schien froh zu sein, dass Draco schlief, denn es hatte den Anschein, dass er dringend über etwas reden wollte.

Er musste Snape ja noch warnen!

Er musste dem Professor sagen, dass Malfoy in Gefahr war, weil Voldemort sich nicht damit zufrieden geben würde ihn nachträglich zu einem Todesser zu machen, sondern ihn töten wollte.

Als Snape sich dann zu ihm umwandte, stellte Harry seine Frage, nervös mit den Händen ringend: „Professor, kann ich kurz mit Ihnen sprechen, über Malfoy und so? Es ist dringend!"

Was mochte der Junge ihm sagen wollen, das nicht warten konnte bis sie Draco zurückverwandelt hatten? Sollte er sich doch die Zeit nehmen? Nein, er konnte nicht. Dracos Leben war ihm wichtiger als irgendwelche Sorgen des Gryffindor.

Der Slytherin schien für einen Moment überrascht und der Versuchung erlegen, ihm seinen Wunsch zu gewähren, dann jedoch schüttelte er seinen Kopf.

„Nein, Potter, es muss warten." Er hielt einen Moment inne, seine Züge hart.

„Es sei denn, du möchtest, dass Draco nie wieder ins… richtige Leben zurückkehren kann."

Harrys Blick wurde für einen Augenblick abweisend, vielleicht sogar verletzt.

Die Tatsache, das Snape sich diese Beschuldigung überhaupt anmaßte, versetzte Harry einen Stich ins Herz, den er nicht so recht verstand.

Er wusste, dass er teilweise Schuld am Tod von Cedric und Sirius war und es quälte ihn in beinah jeder Nacht. Dachte Snape etwa, er würde Malfoy sein Schicksal gönnen? Glaubte er wirklich, dass Harry einfach zusehen würde, wie der blonde Slytherin auf ewig ein Vampir werden würde?

„Nein, natürlich nicht!", erwiderte der Gryffindor heftig und versetzte Snape einen düsteren Blick.

Severus bemerkte Harrys Dilemma nicht. Er hatte diese letzte Bemerkung nicht von sich gegeben, weil er Harry dazu fähig hielt, seinem Patensohn dessen Verwandlung zu wünschen, sondern weil er Angst um Draco hatte und der Dringlichkeit seiner Rettung Luft machen wollte.

Seine unbedachten Worte schnell vergessend, nickte er nur und signalisierte seinem Schüler dann ihm zu folgen.

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Sie gingen schnellen Schrittes in den Ritualraum, wo Snape ihn erst einmal stehen ließ und dann das karg eingerichtete Zimmer wieder verließ. Was der Professor getan hatte, erfuhr Harry erst als dieser mit einem mittelgroßen samtenen Beutel durch die Tür trat. Der Gryffindor vermutete, dass sich darin die Utensilien für das spätere Ritual befanden und wurde von Snapes knappen Worten bestätigt.

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Severus forderte seinen Schüler auf es ihm gleich zu tun und sich auf einen der heraufbeschworenen Stühle niederzulassen. Kurz musterte er ihn mit einer Eindringlichkeit, die den 15-Jährigen unruhig werden ließ, dann begann er unvermittelt mit seinen Erklärungen:

„Potter, ich werde dir jetzt den genauen Hergang des Rituals erklären und ich wünsche, dass

du zuhörst, denn ich habe keine Zeit mich zu wiederholen. Ist das klar?"

„Ja, Sir. Aber darf ich fragen, heißt das Sie brauchen meine Hilfe bei diesem… Zauber?"

„Ja, Potter, das tue ich." Snapes Antwort klang etwas gepresst, denn anscheinend war diese Tatsache nicht unbedingt nach seinem Geschmack. Daraufhin nickte Harry kaum merklich, damit Snape fortfahren konnte.

Es gefiel ihm nicht wirklich nach den Anstrengungen der letzten Tage an irgendeinem fremden Ritual teilzunehmen, doch er wusste schon jetzt, dass er es tun würde, egal was seine Aufgabe sein mochte.

Es sei denn, du möchtest, dass Draco nie wieder ins … richtige Leben zurückkehren kann…,

hallten Snapes Worte erneut in seinem Kopf wider. Innerlich schüttelte der junge Gryffindor sich.

Er würde nicht zulassen, dass Malfoy auf ewig ein Vampir blieb!

Irgendwie schien Snape genau diesen Gedanken aufgeschnappt zu haben, denn als er mit seiner Erläuterung begann, war sein Tonfall kaum merklich sanfter geworden.

„Das Ritual, welches Draco für seine erneute Menschwerdung benötigt, ist sehr alt und stammt aus den arabischen Landen. Sein Kern besteht in der Bezeugung des Opfers, keine Kreatur der Nacht bleiben zu wollen. Doch es reicht nicht dies einfach zu sagen oder zu beschwören. Es ist mit einer Prüfung der Willensstärke verbunden. Der Zauber gibt uns die Möglichkeit das Blut und damit das Leben zurück in seinen Körper zu bringen. Doch es ist mit einem Opfer verbunden, oder anders gesagt einer Willensprobe."

Der Tränkemeister hielt inne, um zu ergründen, ob Potter ihm noch immer folgen konnte und

als dieser nickte, erklärte er, was geschehen werde:

Dass er, Harry, wenn er dazu bereit sei, das Blut spenden müsse, mit dem ihr Jungvampir dann von Kopf bis Fuß eingerieben werden würde. Dass Draco der übermächtigen Versuchung wiederstehen müsse auch nur einen einzigen Tropfen des Blutes aufzunehmen. Kein Quäntchen des Blutes, welches auch seine Lippen bedecken würde.

Bevor er die Frage zuließ, die seinem Schüler auf den Lippen zu brennen schien, erkundigte er sich, wann der Gryffindor zum letzten Mal gegessen hatte und als Harry den Mittag nannte, zeigte er sich zufrieden. Erst jetzt forderte er Harry leicht spöttisch auf endlich seine Frage zu stellen, bevor die Unwissenheit ihn platzen ließ.

„Aber wie soll das von mir gegebene Blut denn reichen, um Malfoys ganzen Körper zu beschmieren?" Harry wirkte etwas grün im Gesicht, was kein Wunder war, bei der Vorstellung, was genau in kurzer Zeit mit einem Teil seines Blutes geschehen würde.

Ob Harrys umgangssprachlicher Ausdrucksweise schnaubte der hagere Professor verächtlich.

Beschmieren! Das war doch kein Kurs für Malen mit Fingerfarbe!

Seine Gedanken für sich behaltend, beantwortete dann die Frage:

„Das Blut wird reichen, da ich es mit einigen anderen Essenzen versetzen werde, die für die Vollendung des Zaubers von Nöten sind." Harry wollte gerade sein Verständnis bekunden, als Snape fort fuhr.

„Dies jedoch führt uns zu dem nächsten Problem." Besorgt stellte der Gryffindor fest, dass sich die Miene des Professors erheblich verdüstert hatte.

„Im Gegensatz zu dem Blut, das deinen Körper bereits verlassen hat, muss jenes, das du gibst völlig frei von magischen Flüssigkeiten sein."

Der Junge, der lebte, sah seinen Lehrer verständnislos an. Snape seufzte.

„Das heißt, dass du weder in den letzten zwei Stunden Tränke zu dir genommen haben darfst

noch ich dir welche geben kann."

Zu allererst rechnete Harry im Kopf aus, wann er zuletzt den Wundheiltrank benutzt hatte und war erleichtert, als er feststellte, dass es mehr als zwei Stunden her war. Was Snape sagte, ließ ihn jedoch noch immer nicht das Problem erkennen, welches der Ältere zu fürchten schien. Etwas gereizt setzte Severus zu einer weiteren Erklärung an:

„Zum Beispiel ein Trank, der dich von dem Blutverlust heilt, welchen du zweifellos erlitten hast, als du Draco während der letzten 24 Stunden mit Blut versorgt hast."

„Oder warum glaubst du sonst diese unglaublich gesunde kaltweiße Hautfarbe zu haben?", fügte der Slytherin sarkastisch hinzu.

„Mist", war Harrys einzige Antwort, denn mit der Tatsache im Blick, dass er, wie Snape ihm gesagt hatte, eine nicht gerade kleine Menge Blut geben musste, war diese Entwicklung wahrlich nicht die beste.

Als hätte diese Unterhaltung plötzlich eine ganz andere Frage in Severus aufgeworfen, sagte er jetzt: „Potter, zeig mir die Stelle, an der Draco dich gebissen hat."

Sehr zögerlich schob Harry den Ärmel seines Pullover hoch und gab damit den Blick auf die dünne dunkelrote Narbe eines sauberen Schnittes frei. Snape starrte ungläubig darauf hinunter.

„Potter, hast du in den letzten Tagen Selbstheilungskräfte entwickelt oder warum ist die Wunde so gut verheilt?" In seinem Tonfall lag deutliches Misstrauen.

Mist, jetzt waren sie also doch auf das Thema zu sprechen gekommen, das er lieber hatte vermeiden wollen.

„Ähm, nein, ich habe keine Heilkräfte… aber seien Sie unbesorgt, es ist schon mehr als zwei Stunden her!", dies brabbelte Harry hastig und sah dann etwas schuldbewusst zu seinem Mentor auf. Eben jener sah aus, als hätte er nur zu gern mehr über dieses „es" erfahren, schüttelte dann jedoch den Kopf und nickte nur.

Dafür hatten sie später noch Zeit genug. Jetzt mussten sie seinen Patensohn retten!

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Severus kniete sich vor seinen Schüler und griff entschlossen nach seinem Handgelenk.

„Denk daran, mit aller Kraft zu versuchen, während der Spende wach zu bleiben. Schaffst du es nicht, wird die Magie des Rituals dein Blut nicht als freiwillig gegeben akzeptieren."

Harry nickte etwas zittrig.

Snape war gerade im Begriff den Dolch an die Vene zu setzen, doch etwas hielt ihn von der Bewegung ab. In seinem Griff hatte Potter begonnen sich völlig zu verkrampfen. Ein Blick auf sein Gesicht zeigte, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.

Harry spürte, dass kalter Schweiß seine Stirn benetzte. Unbewusst hielt er den Atem an, denn in dem Moment, da Snape zum Stich ansetzte wurde Harry grausam daran erinnert, was vor etwa einem Jahr passiert war.

Der Gryffindor schloss die Augen, als Panik in ihm aufstieg. Er würde Draco nicht im Stich lassen, nur weil er die Erinnerung nicht aus seinem Gedächtnis verbannen konnte.

Wenn Snape ihn indirekt ohnehin schon beschuldigt hatte, es gern zu sehen, wenn Malfoy nicht wieder zurück verwandelt werden konnte, würde er ihm hiermit das Gegenteil beweisen. Außerdem wollte er ganz und gar nicht, dass sein Erzrivale ein Vampir blieb. So etwas wünschte er niemandem!

Trotzdem kehrten seine Gedanken unwiderruflich zu den Ereignissen auf dem Friedhof zurück:

Die kalte Klinge berührte jetzt seine Armbeuge, bald würde sie eindringen und eine Wunde reißen… der gleiche Schmerz… das gleiche Gefühl.

Severus starrte auf das junge, bleiche Gesicht vor ihm. Ein Gesicht so verkrampft, dass es eher einer Statue glich, der Ausdruck panischer Angst in Stein gemeißelt.

Einen Moment lang debattierte der Ex-Todesser im Geiste darüber, was nun wieder nicht in Ordnung war.

Dann wurde es ihm schlagartig klar: Wurmschwanz hatte seine Armbeuge aufgeschlitzt, als er Blut für das Wiedererweckungsritual des dunklen Lords genommen hatte.

Seufzend legte er den Dolch beiseite.

„Potter, ich bin nicht Pettigrew", sagte ruhig und deutlich.

Harry schreckte auf, in den weit aufgerissenen Augen war immer noch die Panik zu sehen.

„Da… das wollte ich damit nicht sagen…!" Er sah seinen Professor halb erschrocken und halb entschuldigend an.

„Das weiß ich. Ich habe mich nicht von dir auch beleidigt gefühlt." Mit diesen Worten stand

Snape auf, doch bevor er noch mehr als einen Schritt gehen konnte, sprach Harry erneut.

„Bitte, gehen Sie nicht. Ich will Malfoy das Blut geben, ich werde ihn nicht einfach im Stich lassen."

In Gedanken setzte er hinzu: Bitte, denken Sie das nicht von mir!

Harry stockte, bevor erneut ansetzte: „Es wird schon funktionieren. Tun Sie es, aber bitte gehen Sie jetzt nicht einfach."

Severus sah in Harrys Augen und der Hauch eines Lächelns huschte über seine Lippen.

Er hockte sich vor seinen Schüler und sagte gelassen: „Das hatte ich eigentlich auch nicht vor."

„Aber wieso dann…"

„Ich wollte lediglich meine Position wechseln und, wie du mir sicherlich zustimmen wirst, geschieht dies sehr viel schneller und vor allem stilvoller, wenn ich dabei nicht sitzend über den Boden robbe."

Damit kniete er sich hinter den verwunderten Gryffindor.

„So, und jetzt möchte ich, dass du dich beruhigst und mir zuhörst: Du brauchst dir keine Sorgen machen, ich bin hier und ich werde aufpassen, dass dir nichts geschieht. Es wäre doch schade Dumbledores Liebling zu viel Blut abzuzapfen, jetzt wo ich ihn kennen gelernt habe."

Dies alles flüsterte er fast sanft in Harrys Ohr, wobei der letzte Teil von kaum bemerkbarer Belustigung geprägt war.

Noch während er es sagte und seine eigene Belustigung spürte, stellte Severus verwundert fest, dass selbst die brennende Sorge um Draco von diesem Gefühl etwas gemildert wurde.

Es schien fast so als würde die Notwendigkeit sich um Potter zu kümmern ihm eine Art innere Ruhe und Zuversicht schenken. … Es war in gewisser Weise schön sich um einen anderen zu kümmern.

Es waren diese Worte, dieser ruhige und einfühlsame Ton, der Harry ein Stück seiner Panik vergessen lies.

„Bist du damit einverstanden, wenn wir es noch einmal probieren?"

„J…ja."

„Gut."

Severus rutschte so hinter Harry, dass er gut um seinen Körper fassen konnte. Mit der linken Hand tat er dies und umschloss bestimmt Harrys Handgelenk, wobei er seine Rechte auf die Schulter seines Schützlings legte und ihn zurückzog, sodass er mit dem Rücken an seiner Brust lehnte.

„Jetzt versuch dich zu entspannen, dann geht es leichter und ist weniger schmerzhaft. Vergiss nicht, ich bin hier und passe auf dich auf." Severus wusste selbst nicht, warum er plötzlich Worte gewählte hatte, die er vor einigen Wochen noch als sentimental abgetan hätte.

Diese Überlegungen in einen hinteren Winkel seines Geistes verbannend, nahm Snape jetzt den Dolch, wartete auf ein weiteres, zittriges Nicken von Harry und stach dann die Spitze der Klinge ein kleines Stück in die Armbeuge.

Er spürte, dass sein Schüler in seinen Armen heftig zusammenzuckte und ein leises Keuchen von sich gab, bevor er die Spitze wieder herauszog, um den Blutfluss zu ermöglichen.

Harry fühlte sich komisch. Erst tat es weh und er verkrampfte sich, doch dann wurde das Gefühl anders, nicht beruhigend, aber anders.

Nicht lange nachdem Snape begonnen hatte das Blut in die magische Schale fließen zu lassen wurde er leicht benommen und war auf den Halt, den der Oberkörper seines Mentors bot, angewiesen.

Vor seinen Augen sah er Sterne und er musste heftig blinzeln. Seine Sicht wurde nicht klarer.

„Potter, atme ruhig weiter und sieh nicht auf deinen Arm, sondern nach vorne, wenn das besser für dich ist."

Er versuchte es, spürte dann aber wie sein Blick unwillkürlich zu der metallenen Schale gezogen wurde, in die sein eigener Lebenssaft tropfte und sogleich leicht zu schwingen begann.

„Warum sieht es so aus als ob das Blut in der Schale umher kreist?", fragte Harry und hörte sich dabei schläfrig an, was wohl auf den Blutverlust zurückzuführen war.

„Weil es genau das tut", kam die trockene Antwort.

„Aber warum…?"

Snape seufzte und fuhr dann mit einer Frage fort: „Nun gut, kannst du etwas mit dem Begriff Blutrühren anfangen?"

Wenigstens wird ihn das ablenken…und vielleicht lernt er ja auch ein einziges Mal in seinem Leben etwas.

Harry überlegte kurz, was in halb benommenen Zustand schwieriger war als gedacht, und nickte dann.

„Ich glaube früher haben das die Muggel getan." Seine Zunge fühlte sich bleischwer an.

„Genau, wenn früher Tiere geschlachtet wurden, haben sie das Blut gerührt, um sein Gerinnen zu verhindern und ebendies erledigt auch der Zauber der Schale."

„Hm." Danach verfielen beide in Schweigen, währendem es Harry immer schwerer fiel die Augen offen zu halten.

Noch nie hatte er so deutlich spüren müssen wie Blut langsam aus seinem Körper floss. Es war unangenehm und beängstigend. Harry wurde sehr schwindelig. Lange würde er nicht

mehr bei Bewusstsein bleiben können. Er spürte wieder Angst.

Dann plötzlich war da eine Hand auf seiner Schulter. Sie war nicht erschreckend, sondern

beruhigend.

Es war Snapes Hand.

Und während der Tränkemeister jetzt seinen Arm um Harrys Oberkörper legte und ihn sicher an seine eigene Brust gedrückt hielt, redete er mit ihm. Sanft und beruhigend.

CCCCCCC

Das war Kapitel 21, ich hoffe es entschädigt euch für die Severus'lose Zeit in den letzten Kapiteln. Macht mir ein Weihnachtsgeschenk, indem ihr reviewt!