Kapitel 21


Mit einem süffisanten Lächeln lag Sirius am nächsten Morgen in Hermines Bett und betrachtete eine ihrer braunen Locken, als wäre sie die Offenbarung des Merlin. Seine Atemluft strich regelmäßig daran vorbei, so dass sie leicht erzitterte. Das Licht der aufgehenden Sonne, das allmählich über die Fensterbank kroch, ließ sie glitzern. Und er selbst konnte sich nur schwer davon abbringen, sie zu berühren.

Die Geschehnisse des letzten Abends wirkten aus der nüchternen Sicht des Morgens so unglaublich, dass er befürchtete, einem Traum aufgesessen zu sein. Und erfahrungsgemäß endeten Träume, wenn man versuchte, das Objekt der Begierde zu berühren.

Andererseits hatte er schon sehr viel mehr mit Hermine getan, als sie nur zu berühren. Er schürzte die Lippen und streckte vorsichtig seine Hand aus. Als würde er eine Kerze löschen wollen, packte er die Haarspitzen mit Daumen und Zeigefinger. Ein zufriedener Laut entfuhr ihm, als er auch Momente später noch in Hermines Bett lag und auf einen befriedigenden Abend zurückblicken konnte.

„Sirius, was genau machst du da?"

Er runzelte seine Stirn, als er den Blick hob, um seine Bettgefährtin ansehen zu können. Dabei hielt er ihre Haarspitzen immer noch fest. „Ich prüfe, ob das wirklich passiert ist."

Skeptisch musterte sie erst sein Gesicht, dann seine Finger. „Das Schlimme an der Sache ist, dass das sogar Sinn macht." Dabei deutete sie auf seine merkwürdige Art der Realitätstestung.

„Ja, nicht?" Er grinste breit. Dann rutschte er dichter an sie heran, denn im Laufe der Nacht hatten sie sich beide auf jeweils eine Seite des Bettes zurückgezogen, um in Ruhe schlafen zu können. Es gefiel ihm, dass Hermine niemand war, der gerne in einem Klammergriff schlief.

„Und was planst du jetzt?", fragte sie allerdings, als sie bemerkte, was er tat. Sie klang nicht erschrocken oder panisch, sondern lediglich interessiert.

„Kommt drauf an", erwiderte er vage, tastete unter der Decke jedoch schon mit seiner Hand über ihren Bauch (diesen wunderbar flachen Bauch, unter dem sich die Beckenknochen abzeichneten, wenn sie lag).

„Worauf denn?", spielte sie ihm wieder den Ball zu, ohne dass man ihr sein Tun anmerkte.

„Ob du ähnlich planst." Er wackelte mit den Augenbrauen und folgte der weichen Haut nach unten, bis er den Ansatz ihrer Schamhaare fand.

Hermine begann zu kichern und krümmte sich zusammen. „Das kitzelt!", beschwerte sie sich, drehte sich auf die Seite und schob ihn auf den Rücken zurück. Halb auf ihm liegend, kam sie zu Ruhe und blitzte ihn schelmisch an. „Ich denke, das entspricht eher meinen Plänen", murmelte sie leise, nippte kurz an seinen Lippen und begann mit der linken Hand seine Oberschenkelinnenseiten zu reizen, bis er unter weichem Stöhnen steif wurde.

„Ich denke, ich kann mich mit deinem Plan anfreunden…" Gierig fuhr er mit den Händen über ihren Rücken und zog sie näher an sich. Sie war auf eine gewisse Art zierlich, die man ihr normalerweise nicht anmerkte. Ihre Schulterblätter passten zum Beispiel perfekt in seine Handflächen, doch wenn sie sich in einer Diskussion gerade aufrichtete und das Kinn vorreckte, schien sie auf eine abstrakte Weise größer als er.

Und während sie sonst um ihren Standpunkt kämpfte wie eine Löwin, ließ sie sich jetzt bereitwillig zu einem langen Kuss überreden, während sie seinen Oberschenkel verließ und stattdessen seinen Schaft betasteten. Mit der Fingerspitze umkreiste sie träge die Eichel und verrieb den schmierigen Lusttropfen.

Bei Merlins Unterhosen, er war überzeugt, dass sie keine Ahnung hatte, was sie da eigentlich tat!

Sirius spannte seine Bauchmuskeln an, um sich nicht allzu sehr zu bewegen. Seine Hacken gruben sich in die Matratze und würde er seine Fingernägel nicht so akribisch kurz halten, wäre er es, der sämtlichen Vorurteilen zum Trotz Kratzspuren auf ihrem Rücken hinterlassen würde.

Erst als er den Kuss unterbrach und nach Luft schnappte, hörte Hermine mit ihren Spielchen auf und setzte sich auf seinen Schoß. Sie kaute auf ihrer Unterlippe und gab so das perfekte Bild einer unschuldigen Verführerin. Ihre Brüste wippten leicht, als sie sich zu bewegen begann und Sirius' Blicke sprangen zwischen ihrem Dekolleté und ihrem Gesicht hin und her, während er seine Beine etwas anwinkelte und die Hände auf ihre Hüften legte, um sie zu unterstützen.

Jedes Mal, wenn sie sich auf ihn sinken ließ, drang er so unglaublich tief in sie ein, dass sie ein ersticktes Geräusch von sich gab. Ihre kühlen Finger gruben sich in seine behaarte Brust und irgendwann zwischen einem Stöhnen und einem Jammern schloss sie ihre Augen und legte den Kopf in den Nacken.

Er hingegen brauchte noch etwas länger, ehe er es schaffte, sich von dem Anblick ihrer leicht verschwitzten Haut loszureißen und ebenfalls die Augen zu schließen. Doch die fremden Sphären, in die er dann sank, entlohnten jede Anstrengung.


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„Melde dich regelmäßig! Und pass auf Charly auf!"

Rons Blick, als er sich endlich aus der Umarmung Molly Weasleys schälte, war absolut göttlich. Ginny hatte Probleme, dabei ernst zu bleiben. Ein kurzer Seitenblick auf Harry verriet ihr, dass es ihm ähnlich ging.

„Jaah", murmelte er lang gezogen, offensichtlich froh, sich nun endlich bei jedem verabschiedet zu haben. In einer Hand den großen Schrankkoffer, in der anderen seinen Besen schritt er zum Kamin. Hermine hatte bereits eine Prise Flohpulver in der Hand und warf diese nun ins Feuer.

„Pass auf dich auf", hörte Ginny sie sagen. Ihre Worte unterstrich sie mit einem Lächeln, das von vergangener Liebe und tiefer Sympathie erzählte. Wie Rons Reaktion darauf aussah, konnte sie allerdings nicht beurteilen. Sie sah lediglich an seinem Hinterkopf, dass er nickte.

Dann trat er in die grünen Flammen, drehte sich zum Raum um und winkte flüchtig mit dem Besen, bevor er verschwand.

Einen Moment lang herrschte Stille, doch als das Flohfeuer sich wieder gelb färbte, löste sich die Spannung auf. Wie der erste Atemzug, nachdem man lange unter Wasser gewesen war. Molly stand ziemlich verloren da und der Arm, den Arthur ihr um die Schultern gelegt hatte, schien sie nur noch weiter nach unten zu drücken.

Ginny sah ihre Mutter mit traurigen Blicken an und als diese es bemerkte, verschwand der schwermütige Gesichtsausdruck und machte einem aufgesetzten Lächeln Platz. „Na ja, wir… sollten dann auch mal nach Hause gehen. Es wartet noch Wäsche auf mich", sagte sie und kam zu Ginny, um sie ebenfalls kurz in den Arm zu nehmen. „Melde dich, wenn es losgeht, ja?", bat sie und strich über den prallen Bauch ihrer Jüngsten.

Ginny nickte. „Natürlich, Mom." Und kreuzte die Finger hinter dem Rücken, denn sie hatte nicht vor, ihre Mutter bei der Geburt ihres ersten Kindes dabei zu haben.

Molly schniefte leise und wandte sich dann ihrem Mann zu. „Kommst du, Arthur?"

Arthur, der sich gerade mit Dumbledore unterhalten hatte, horchte auf, als hätte er sich zuvor in einem leichten Dämmerschlaf befunden. „Oh, ähm… ja", fügte er sich allerdings in sein Schicksal, verabschiedete sich flüchtig vom Schulleiter und den anderen und folgte seiner Frau zum Kamin.

Dieses Mal hielt das Schweigen nicht so lange an, als sie verschwunden waren. Dennoch reichte es, um ein eigentümliches Knacken für alle Anwesenden deutlich hörbar zu machen. Im ersten Moment war Ginny so irritiert wie die anderen auch, da sie den Ursprung des ihr absolut unbekannten Geräusches nicht zuordnen konnte. Doch dann lief etwas Warmes an ihren Beinen hinunter und sorgte dafür, dass das Blut in ihrem Kopf diesem Beispiel folgte.

„Das… ähm… war die Fruchtblase", sagte sie dumpf.


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Von einem Moment auf den anderen herrschte ein wilder Aufruhr im Wohnzimmer. Granger lief zu ihrer Freundin und stützte sie, obwohl sie nach Severus' Auffassung auch wunderbar alleine stehen konnte. Dabei stellte sie ihr eine nicht enden wollende Liste von Fragen, angefangen mit „Soll ich deinen Eltern Bescheid sagen?" bis hin zu „In welchem Abstand kommen die Wehen?".

Potter hingegen hüpfte um die beiden Frauen herum wie ein Niffler, dem man ein Goldstück unter die Nase gehalten hatte, und brachte dabei nicht ein einziges verständliches Wort heraus. Dafür aber eine Menge interessanter Gesten. Eine davon galt Black, den er anscheinend darauf aufmerksam machen wollte, dass er jetzt Vater wurde.

Der Köter lachte kehlig und grinste, beide Hände in den Hosentaschen vergraben. „Ich sehe es, Harry, ich sehe es!"

Und die Gebärende selbst versuchte sich über das Durcheinander hinweg Gehör zu schaffen, indem sie abwechselnd „Harry!" und „Hermine!" sagte, zwischendurch auch mal ein kaum vernehmbares „Hört hier eigentlich irgendjemand auf die Frau mit dem gebärwilligen Uterus?".

Während Albus irgendwo in den Schatten an der Wand lehnte und sich den Trubel belustigt ansah, verzog Severus das Gesicht und sorgte schließlich mit einem scharfen „Halten Sie den Mund, alle miteinander!" dafür, dass es augenblicklich still wurde. Dann erteilte er der werdenden Mutter das Wort.

„Danke, Professor", sagte sie höflich, ehe sie sich ihren Problemen zuwandte. „Hermine, könntest du mich bitte loslassen? Ich kann alleine stehen. Und bei Merlin, komm ja nicht auf die Idee, meiner Mutter Bescheid zu sagen!" Angesprochene sprang überrascht einen Schritt zurück (Severus feixte). „Harry, beruhige dich und atme tief durch." Sie wartete, bis ihr Ehemann der Aufforderung nachgekommen war. Und auch wenn Severus überzeugt war, dass er noch immer nicht viel zurechnungsfähiger war als Momente vorher, erteilte sie ihm sofort neue Anweisungen: „Du gehst jetzt nach Hause und bereitest dort alles vor. Lass dir Zeit, die Liste liegt in der Küche."

„Aber… aber…", stotterte er und fuhr sich mit den Händen durch die Haare, so dass sie noch wilder aussahen als sonst.

„Kein Aber! Wir haben alle Zeit der Welt, ich hab ja noch nicht mal Wehen. Also wenn es dir irgendwie hilft, mach dir einen Tee zur Beruhigung, während ich hier auf Madam Pomfrey warte." Sie sah ihn streng an.

„Okay", brachte Potter schließlich hervor, wirbelte auf dem Absatz herum und spurtete zum Kamin, als wäre der Dunkle Lord persönlich hinter ihm her. Bei seinem Versuch, sich eine Prise Flohpulver aus dem Topf zu greifen, warf er das ganze Ding zu Boden, so dass sich ein grünes Muster auf dem Teppich ausbreitete. Begleitet von einigen undamenhaften Flüchen ließ er die Fahrkarte nach Hause wieder in das Behältnis schweben und passte dann glücklicherweise besser auf, was er tat.

Dieses Mal atmete besonders Severus auf, als das Flohfeuer sich wieder gelb färbte.

„Professor Dumbledore, könnten Sie Madam Pomfrey Bescheid sagen, wenn Sie wieder nach Hogwarts gehen?", fragte Ginevra dann und trat umsichtig aus der feuchten Lache am Boden, bevor sie sie mit Hilfe ihres Zauberstabes beseitigte.

„Natürlich", erwiderte der Schulleiter und keine Minute später war auch er verschwunden.

„Das geht ja zu hier wie auf dem Hauptbahnhof", nörgelte Severus und angesichts der Tatsache, dass die einzige halbwegs zurechnungsfähige Person soeben verschwunden war, wirbelte er auf dem Absatz herum und zog sich in sein Labor zurück.


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Schon als Harry in der gemeinsamen Wohnung aus dem Kamin trat, spürte er, dass etwas nicht stimmte. Er wusste nicht, was es war, und hätte auch später niemandem rational erklären können, was ihn zur Skepsis veranlasst hatte. Doch die Haare in seinem Nacken stellten sich auf und sein Herzschlag schoss augenblicklich in die Höhe.

Dem Verdacht folgte keine zehn Sekunden später der Beweis, als es im Wohnzimmer polterte. Ein ungehaltenes Zischen folgte.

Für einen Moment stand Harry stocksteif, während das Feuer hinter ihm langsam erlosch. Er musste sich entscheiden, was er tat. Sich den Eindringlingen stellen, von denen er nicht wusste, wie viele ihn erwarten würden, oder unverrichteter Dinge zu seiner Frau zurückkehren, die sich gerade darauf vorbereitete, ihr Kind zur Welt zu bringen.

Noch vor zwei Jahren hätte er die erste Variante gewählt, dessen war er sich sicher. Doch mittlerweile war er zu einem egoistischen Mann geworden, der die Sicherheit seiner Familie (und er zählte sich selbst dazu) über einen Kampf mit ein paar Todessern stellte.

Er warf einen Blick über die Schulter, zielte mit dem Zauberstab auf den Kamin und entzündete ein Feuer. Zwar beherrschte er den Spruch dafür gut genug, damit er auch nonverbal seine Wirkung tat, doch die Flammen knisterten erbarmungslos in die Höhe und verrieten seinen Gegner, was er zu tun gedachte.

Deswegen wirbelte Harry herum und griff zielsicher nach dem Topf mit dem Flohpulver – nur dass seine Hand ins Leere fuhr. „Was?", keuchte er und seine Blicke flogen den Kaminsims hinunter. „Oh, Ginny!", jammerte er kläglich, als er feststellen musste, dass der Topf mit dem Flohpulver dem Ordnungssinn seiner Frau zum Opfer gefallen war.

Planlos hastete er durch das Zimmer und riss Schubladen und Schränke auf. Zwischendurch feuerte er einige Flüche auf die Besucher, die das Kaminzimmer längst erreicht hatten, und duckte sich unter den Antworten hinweg. Es waren tatsächlich Todesser, gekleidet in den üblichen schwarzen Umhängen, maskiert wie er es gewohnt war.

Harrys Gesicht verzog sich zu einer grimmigen Maske und er legte jede Scheu ab. Die Flüche, die er warf, wurden gemeiner, auch wenn er sich stets im legalen Bereich bewegte. Eine Schublade nach der anderen landete auf dem Boden und ergoss polternd ihren Inhalt auf den Teppich. Einmal suchte er sogar hinter einer Schranktür Deckung und schielte lediglich mit seiner Brille über die obere Kante hinweg.

Hinter seinem Rücken tastete er nach den verbliebenen Schubladen und als endlich alle auf dem Boden lagen, huschten seine Blicke ein weiteres Mal über das Chaos. Erleichtert fand er das Flohpulver und obwohl er es geschafft hatte, ein zweites Mal innerhalb von zehn Minuten eine Ladung davon auf dem Boden zu verteilen, lächelte er erleichtert.

Mit der freien Hand tastete er nach unten und griff mitten in den Hügel hinein, der sich gebildet hatte. Ein grüner Fluch sauste direkt über seinen Kopf hinweg. Ein roter folgte ihm auf dem Fuße.

„Denkt euch mal was Neues aus", murrte Harry frustriert, sprach einen mächtigen Schildzauber und duckte sich dahinter weg, quer durch den Raum bis zum Kamin. Schon zwei Schritte vorher warf er das Pulver in die Flammen, doch bevor er den rettenden Ausgang aus diesem Kampf erreicht hatte, löste der Schildzauber sich unter einem Hagel von verbotenen Flüchen auf und etwas streifte ihn schmerzhaft am Rücken.

Mit einem unterdrückten Schrei stolperte Harry in die Flammen, murmelte bemüht leise sein Ziel und schloss die Augen, als er eine Menge Ruß hinein bekam.

Noch während er abwartete, dass er im Grimmauldplatz aus dem Kamin gestoßen wurde, überlegte er, wie groß die Wahrscheinlichkeit war, dass Madam Pomfrey bereits anwesend war. Der Kampf hatte etwa acht Minuten gedauert. Wenn Dumbledore direkt nach ihm aufgebrochen war, hätte Madam Pomfrey möglicherweise genug Zeit gehabt. Es war nicht unmöglich.

Der Stoß in seinen Rücken kam unerwartet und Harry bemühte sich, schnell wieder auf die Beine zu kommen, während er blinzelnd in den Raum starrte. „Ist Madam Pomfrey hier?", keuchte er, einen Fuß im Kamin, um den Ausgang zu versperren. „Ist Madam Pomfrey hier?", wiederholte er seine Frage lauter, als er nicht sofort eine Antwort bekam.

„Ja doch!", kam die gehetzte Antwort von der Medihexe persönlich und Harry atmete auf.

Er zog den Fuß aus dem Kamin und tat, was man ihm in seiner Ausbildung beigebracht hatte, um einen Kamin zu versiegeln.

„Harry, was tust du da? Bei Merlin, was ist passiert?" Das war Ginny. Und anscheinend hatte sie sein zerzaustes Aussehen und die Wunde auf seinem Rücken bemerkt.

„Todesser. Sie haben zu Hause auf unsere Rückkehr gelauert. Ich schätze, du wirst unser Kind hier zur Welt bringen."

„In den nächsten paar Stunden wird hier kein Kind geboren", stellte Madam Pomfrey mit der Entschlusskraft eines Marineadmirals fest und niemand zweifelte daran, dass der Zwerg in Ginnys Bauch sich an die Anweisungen halten würde. „Und jetzt werde ich mich erstmal um dich kümmern, Harry."

Noch bevor er endlich den Ruß aus seinen Augen bekommen hatte, fassten zwei starke Hände ihn am Arm und zogen ihn zu einem Stuhl hinüber. „Dumbledore muss es erfahren", versuchte er zwischenzeitlich einen rationalen Gedanken zu fassen.

„Ich schicke eine Eule", erklärte Sirius' Stimme irgendwo von der Tür her.

Harry war überzeugt, dass mehr als zwei Paar Beine um ihn herumliefen, als man an seinem Umhang und dem Hemd zerrte, um die Wunde auf dem Rücken frei zu legen. „Verdammt!", fluchte er und wischte sich über die tränenden Augen.

„Ich hole eine Schüssel Wasser." Das war Hermine und damit war das Rätsel des dritten Beinpaares gelöst.

„Hol zwei!", rief die Medihexe ihr hinterher. „Ich muss den Schnitt reinigen, das sieht übel aus."

Noch während die ältere Frau mit ruhiger Hand auf Harrys Rücken herumdrückte, waren von Ginny etwas zu ruhige Atemzüge zu hören. „Ich glaube, das war die erste Wehe", stellte sie fest.

„Schau nach der Zeit", wies Madam Pomfrey sie beiläufig an.

„Geht es?", fragte Harry einen Moment später, als seine Frau erleichtert ausatmete. Durch den Schleier von Tränen hindurch konnte er sie einigermaßen erkennen.

„Ja, das wird schon." Sie fasste ihn an der gesunden Schulter und drückte aufmunternd zu.

„Hier ist das Wasser", meldete sich dann auch Hermine zurück.

„Danke." Plätschernd nahm Madam Pomfrey ihr eine der beiden Schüsseln aus der Hand.

Hermine holte sich derweil einen Stuhl heran und setzte sich vor Harry. „Hier, damit kannst du dir die Augen ausspülen."

Er senkte seinen Kopf über die Schüssel, nahm seine mittlerweile bereits halb auf der Stirn sitzende Brille ab und tat, was Hermine ihm gesagt hatte. Beinahe augenblicklich ließ das Jucken nach, auch wenn es nicht gänzlich verschwand.

Im nächsten Moment setzte dafür ein heftiges Brennen auf seinem Rücken ein. Dafür, dass er die Wunde vorher kaum bemerkt hatte, quälte sie ihn nun umso mehr, was er die Medihexe auch wissen ließ: „Was bei Merlins Schnurrbart machen Sie da?"

„Halt still!", war die Antwort und eine starke Hand drückte seinen Oberkörper an der gesunden Schulter nach unten. „Du warst wesentlich weniger wehrhaft, als du noch zur Schule gingst", beschwerte die Medihexe sich danach und es klang, als hätte sie etwas im Mund.

„Wollen Sie mich etwa nähen?", kiekste Harry daraufhin und da seine Sicht allmählich wieder klarar wurde, konnte er die ungläubigen Blicke der beiden Frauen vor ihm erkennen. Hermine war aufgestanden und hatte Ginny auf ihren Stuhl bugsiert, die sich nun den Bauch rieb und ein amüsiertes Lächeln zu verbergen versuchte.

„Du wirst überhaupt nichts spüren." Aus eigener Erfahrung konnte Harry allerdings behaupten, dass Madam Pomfrey nichts anderes sagte, wenn sie jemandem die Schulter einzurenken versuchte.

„Das glaube ich Ihnen nicht mehr!", jammerte er deswegen.

„Harry, vergiss nicht, dass du dich in der magischen Welt befindest!", wandte Hermine mit einem vielsagenden Blick ein.

„Verletzungen tun hier aber genauso sehr weh wie in der Muggelwelt!", begehrte Harry auf, doch die Hand seines Folterknechts hielt ihn immer noch in Position. Was ihn freute, denn mit einer Hand konnte man hoffentlich keine Wunden nähen.

„Aber die Versorgung nicht", seufzte Hermine und klang dabei genauso wie damals, als sie ihm und Ron die Kausalitäten der Verwandlungsgrundlagen zu erklären versuchte. Gerade so eben konnte Harry sich noch davon abhalten, ihr zu sagen, dass sie erstmal eigene Erfahrungen in dieser Richtung machen sollte – immerhin hatte sie das gerade erst hinter sich.

Und so murrte er fast lautlos vor sich hin, während er wartete, dass Madam Pomfrey endlich anfing. Umso perplexer war er, als sie ihm schließlich zweimal auf den Rücken schlug und ein „Das war's!" flötete.

„Wie jetzt?", kiekste er überrascht und richtete sich auf. Probehalber ließ er seine Schultern kreisen, doch von einer Verletzung war nichts zu spüren.

„Ich hab's dir ja gesagt", grinste Hermine mit tanzenden Augenbrauen.

„Schön!", unterbrach Ginny den Schlagabtausch der beiden, „Können wir uns dann wieder der Geburt zuwenden?" Sie ließ den Atem in einem lang gezogenen Zischen entweichen. „Das waren sieben Minuten."