Vielen Dank für dein Review, Marian! Tja dann werd ich mir für Balogh wohl was besonderes ausdenken müssen! ;-)

lg Gaby

21 Noch ist es nicht zu spät

Sie wurde bereits erwartet. Schweigend reichte man ihr eine Platte mit Speisen und Wein. „Bring das dem König!" befahl man ihr schroff. Ein Diener eilte ihr voraus und wies ihr den Weg. Sie fühlte wie sich ihr Herzschlag beschleunigte. Das konnte nichts gutes bedeuten. Eldor hatte Recht, er ahnte bereits etwas. Wie viel würde sich zeigen. Mutig richtete sie sich kerzengerade auf und schritt vornehm aus. Sie war eine Gryffindor, niemals ließ sie sich unterkriegen! Sie folgte dem Mann vor sich über unzählige Treppen und Flure nach oben zu den Gemächern. Zuletzt hielt er an einer mächtig aussehenden Tür. Sie wirkte auf sie uneinnehmbar. Bevor sie sich darüber weiter den Kopf zerbrechen konnte, öffnete der Diener ihr bereits die Tür und ließ sie eintreten, drängte sie förmlich sich zu beeilen. So schritt sie hastig über die Schwelle und sah sich dabei neugierig um. Sie wusste nicht was sie erwartet hatte, aber das nicht. Es war nicht das schlichte Bett, oder die einfach Kommode die ihren Blick anzogen – es war der Spiegel. Er sah genauso aus wie der auf Hogwarts. Es war das exakte Gegenstück. Erstarrt blickte sie auf ihn. Ihre Hoffnung stand zum greifen nahe vor ihr und doch durfte sie ihn nicht berühren, nicht einmal ansehen. Sie zwang sich den Blick abzuwenden und traf direkt auf Baloghs. Ihm war ihr Interesse an dem Spiegel nicht entgangen, doch wie immer war an seiner Mine nicht zu erkennen was in ihm vorging. Sie hatte ihn erstmals hoch zu Ross gesehen und selbst da wirkte er bereits unheimlich auf sie, aber ihn so plötzlich so nahe vor sich zu haben, ließen ihr kalte Schauer der Furcht über den Rücken kriechen. Neben ihm wirkte Voldemort wie ein Chorknabe. Wortlos sah er ihr zu wie sie klappernd das Essen auf der Kommode abstellte. Mit der Hand deutete er seinem Diener seine Kammer zu verlassen. Dieser gehorchte auf der Stelle und schloss hinter sich die Tür. Nun war sie mit ihm ganz alleine. Sie zwang sich still zu stehen und ihm ihre Furcht nicht zu zeigen. Er sollte nicht wissen was in ihr vorging. Langsam trat er näher, betrachtete sie aufmerksam. Sie war schwach, das erkannte er schon als er sie in Begleitung von Eldor sah. Sie war nur eine Frau, sie war sicher keine Gefahr für ihn. Er griff an ihr vorbei und fasste nach dem Weinkelch. In einem Zug leerte er den Becher und hielt in ihr hin. Sie war seine Dienerin, sollte sie dienen. Gelassen packte sie den Krug und füllte seinen Becher nach. „Der Spiegel – gefällt er dir?" fragte er sie, ohne sie dabei anzublicken. Seine Augen hafteten an seinem Kelch so als studiere er den Wein der leicht schwankend allmählich zur Ruhe kam. „Jeder der ihn berührt, findet den Tod!" Er hob den Blick und fixierte sie. Geschockt starrte sie ihn an. Er wusste es. Er wusste es tatsächlich.

*

Völlig erschöpft erreichte er das Schloss. Noch war er nicht zu spät, das Tor war noch offen und so konnte er passieren. Schnell trat er durch und sank, kaum im Inneren, auf die Knie. Er war zu alt um so durch den Wald zu laufen, oder war es etwas anderes was ihm den Atem nahm? Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und achtsam sah er sich um. Er wollte nicht dem einen begegnen. Einen Augenblick der Ruhe gönnte er sich. Er suchte sich ein stilles Plätzchen und sank müde nieder. Später würde er Hermione suchen, später. Die Tasche ließ er hinter sich fallen, er musste gut darauf acht geben, ihr Inhalt – wenn sie in die falschen Hände fiel, dann..... Wer weiß welches Unheil er damit anrichten konnte und er wollte es gar nicht wissen. Eldor erinnerte sich zurück an jene glücklichen Tage, ehe Balogh an die Macht kam. Ein einfacher Soldat war er gewesen, kein Herrscher, ein lächerliches Nichts. Von seinen Kameraden wurde er mehr als einmal verspottet, aber schon damals lag in seinen Augen eine Kälte und wenn niemand hinsah, dann blitzte sie hervor. Eldor war im Schloss geboren worden. Er war der Sohn einer einfachen Magd, seinen Vater hatte er nie kennen gelernt, dieser starb am Fieber noch vor seiner Geburt. Als kleiner Junge war es ihm gestattet sich frei im Schloss zu bewegen und so sah er viel, vielleicht zu viel für so kleine Kinderaugen. Einmal fand er eine Magd, er kannte sie, sie lag weinend am Boden. Neugierig trat er näher. „Was fehlt dir?" hat er sie gefragt und bei seiner damals noch zarten Stimme hob sie den Kopf und zeigte ihm ihr Gesicht. Ganz blau verfärbt war es, die Lippe aufgeplatzt, ein Zahn fehlte. Sie blutete aus dem Mund. Flehend betrachtete sie ihn, sprach kein Wort, zaghaft streckte sie ihm die Hand entgegen, doch die Geste wirkte nicht als wollte sie ihn zu sich heran locken, nein, sondern mehr als wollte sie ihn von sich fortschieben. In diesem Augenblick trat er hervor und verpasste ihr einen weiteren Tritt in die Seite. Vor Schmerzen krümmte sie sich. Schützend rollte sie sich zusammen, ihr Blick war immer noch auf ihn gerichtet. „Lauf!" flüsterte sie und das ließ er sich nicht zweimal sagen.

Der Mann war Balogh gewesen. Niemals wurden Gerüchte über sein Tun laut, dass wusste er klug zu verhindern. Einige der Mägde verschwanden, plötzlich, unerklärlich. Einige die gewagt haben den Mund zu öffnen.............. Verdrossen schloss er die Augen. Nur nicht daran denken, nur nicht daran.

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Balogh bediente sich an den Speisen, unverdrossen war sein Blick dabei auf Hermione gerichtet. Er versuchte zu ergründen, was an ihr so besonders sein sollte. Nichts an ihr war außergewöhnlich, nicht einmal ihre Schönheit. Sie war eine kleine, zierliche Frau mit braunen Locken. Langes Haar das ihr wirr ins Gesicht fiel. Er hatte bis jetzt nichts bedrohliches an ihr entdecken können. „Dein Mann – woran ist er gestorben?" fragte er sie plötzlich. Er musste einfach wissen was es war. Wenn sie tatsächlich über eine Macht verfügte, die selbst ihn, unsterblich, machtvoll, zerstören konnte, dann wollte er sie haben. Leicht verunsichert, dachte sie nach. Diese Frage traf sie unvorbereitet und so konnte sie ihm nicht sofort antworten. „Weißt du nicht woran er starb?" Er verhöhnte sie und entfachte so ihren Zorn. „Ich weiß woran er starb, mein König! Die viele Arbeit brach ihm das Kreuz und so starb er!" Kurz zeichnete sich so etwas wie Erstaunen in seinem Gesicht ab. War es möglich, hatte er sich doch geirrt? Sie sprach mit einer solchen Leidenschaft, als hätte sie tatsächlich ihren Mann verloren. „Welchem Handwerk ging er nach, dein Mann?" ließ er sich hinreißen zu fragen. „Er diente seinem König!" In seinen Augen entstand ein tödlicher Funke. „Wie kannst du es wagen!" fuhr er sie kalt an. „Willst du ihm denn so schnell folgen?" Gespielt entsetzt sah sie ihn an. „Mein König er verdiente als Hufschmied sein Geld und einzig die Pferde des Königs müssen beschlagen werden." Unschuldig sah sie ihn an. Wieder war er beinahe versucht ihr zu glauben, aber nur beinahe. Ehe sie es kommen sah oder verhindern konnte, holte er aus und schlug sie nieder. „Verhöhne mich nie wieder, oder es wird dein Tod sein!" kalt blickte er herab auf sie und sah in ihren Augen wonach er sich am meisten sehnte

- Angst! „Verschwinde!" Mit einem Winken seiner Hand, der Hand mit der er sie geschlagen hatte, entließ er sie wie zuvor den Diener. Zittrig kam sie auf die Beine und verließ seine Gemächer.

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Ungeahnter Hass stieg in ihr empor. Ihr brannte fast das ganze Gesicht und mit Sicherheit würden sich morgen blaue Flecken zeigen. Schon jetzt spürte sie wie ihr Auge zuschwoll.

Er hat das nicht zum ersten Mal getan. Er wusste genau wie heftig er zuschlagen musste damit es richtig weh tat, aber ohne sie ernsthaft dabei zu verletzten.

Schlagartig wurde ihr das klar. Er war wahrlich das Monster, für das ihn alle hielten. Und er war ihnen auf der Spur. Selbst er glaubte an diese bescheuerte Prophezeihung, aber auch wenn es sie nicht geben würde, könnte sie tatsächlich dieses Land verlassen, ohne den Menschen hier zu helfen? Eldor, Zion, Carla......Sie alle hatten ihnen auf die eine oder andere Art völlig selbstlos geholfen. Sie konnte nicht von hier fortgehen und diese liebenswerten Menschen ihrem Schicksal überlassen. Denn dieses Schicksal war grausamer als der Tod und selbst diesen hatte Balogh bereits betrogen! Sie eilte hinaus zu dem Brunnen und kühlte ihr Gesicht mit kaltem Wasser. Zufällig fiel ihr Blick in den Schatten neben ihr. Sie erschrak zutiefst. Dort im Schatten regte sich etwas. „Sssch!" zischte dieses etwas und schob sein Gesicht in das fahle Licht des Mondes. „Eldor?"

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„Schweig still und komm her!" befahl er leise. Unruhig sah er sich um. Hatte sie schon Aufmerksamkeit auf sich gezogen? Die beiden Soldaten die den Kerker bewachten, sahen Hermione in den Schatten kriechen. Belustigt stießen sie sich an und gröhlten. Vermuteten sie doch, das sie sich hier zu einem Stelldichein traf. Eldor zuckte mit den Schultern, sollten sie doch, besser, als das sie die Wahrheit kannten. „Was machst du hier?" flüsterte sie ihm aufgebracht zu. „Was ist mit deinem Gesicht?" fragte er ebenso leise zurück. Ihm war trotz des spärlichen Lichts nicht entgangen, das ihre linke Gesichtshälfte leicht geschwollen war. „Balogh!" gab er sich gleich darauf selbst die Antwort. Fast grob packte er sie bei den Schultern. „Bleib weg von ihm!" fuhr er sie wild an und schüttelte sie. Zu oft hatte er diese Art Verletzung nun schon in seiner Nähe gesehen. „Eldor!" entfuhr es ihr, doch er hörte sie nicht. „Eldor!" sagte sie, diesmal schon um einiges lauter. „Du tust mir weh!" abrupt ließ er sie los. „Entschuldige!" meinte er zerknirscht. „Ich hab das einfach schon zu oft gesehen. Er....er schlägt Frauen. Die Mägde hier, Ashulie und nun auch dich....ich.." Wirr fuhr er sich durch sein spärliches Haar. „Schon gut!" beruhigend legte Hermione ihm eine Hand auf den Arm. Ihr war vorhin schon klar geworden, dass sie nicht die erste war und hatte Eldor ihnen, ihr und Severus, nicht berichtet, dass er auch Ashulie schlug? „Lass uns lieber über etwas anderes reden. Warum bist du zurück gekommen?" Ihr Herz krampfte sich bei dem Gedanken an ihn schmerzhaft zusammen. Ihn so nahe zu wissen und doch so unerreichbar fern.... Mühsam unterdrückte sie die Traurigkeit. Heute Nacht würde er sie nicht in seine Arme schließen. Doch das dürfe wahrscheinlich seine geringste Sorge sein. Mit Sicherheit wartete kein weiches Lager auf ihn. Wer konnte schon sagen wie es im Kerker aussah, bei Baloghs Grausamkeit.

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Es gab kein Fenster, sodass er nicht nach den Sternen sehen konnte. Er hatte versucht sich hinzulegen, Schlaf zu finden, aber seine Gedanken fanden keine Ruhe. Sie war da draußen, er fühlte es, fast zum greifen nahe und er konnte sie nicht beschützen. Er musste hier raus! Sobald sich die erste Wache blicken ließ, würde er diese überwältigen und dann.....Egal er würde einen Weg finden, er fand immer einen Weg. Streng zwang er sich platz zu nehmen. Wenn er so weiter machte, hatte er später keine Kraft mehr zum kämpfen. Er musste ruhen. Er schloss die Augen und beschwor ihr Bild herauf. Ihr Anblick gab ihm Frieden und übte eine beruhigende Wirkung auf ihn aus. Für sie würde er alles tun, weil er sie liebte! Sein Herz schlug heftig gegen seine Rippen. Nicht noch einmal würde er versagen. Nicht noch einmal wollte er sich so hilflos fühlen, wie er sich einst gefühlt hatte. Noch einmal konnte er es nicht ertragen. Hermione musste leben und sicher zurückkehren nach Hogwarts. Das war seine Pflicht. Das war seine Aufgabe. Er ballte die Hände zu Fäusten. Er musste hier raus und sie beschützen!

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Vorsichtig zog er den Beutel hinter seinem Rücken hervor. „Das hier hat Severus verloren!" bedeutend hielt er den Gegenstand in seinen Händen hoch. „Severus Tasche, seine Tänke!" Begeistert drückte sie die Tasche an sich. Mit diesen Tränken konnte, nein, musste es ihr gelingen ihn zu befreien und dann würden sie ihn gemeinsam stürzen. „Du sagtest er besitzt Magie. Wo? Ich meine wo bewahrt er all die Dinge auf, die er zum zaubern braucht?" Gespannt blickte sie auf Eldor. „Ich habe keine Ahnung." erwiderte er entmutigend. „Aber wenn ich danach suchen würde, würde ich mit seinen Räumen beginnen."

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