Danke, danke, DANKE für alle Reviews!
Ich liebe es sie zu lesen und sie helfen mir wirklich, Ideen zu finden und Fehler zu verbessern.
Es tut mir leid, dass die Kapitel so lange dauern, ich bin kein wirklich schneller Schreiber…
Aber ich gebe die Geschichte nicht auf, keine Sorge! Es dauert nur….
Viel Spaß ^.^
Maylenchen
Obwohl er den Film mochte, kam der Schwarzhaarige nicht dazu, die Bilder zu genießen. Dauernd schweifte sein Blick ab, zu den riesigen Fenstern, die einen ungehinderten Blick auf die Außenwelt ermöglichten. Und obwohl bisher alles in Ordnung gewesen war, fühlte er sich gefangen. Die Luft war plötzlich still und abgestanden, wie in einem seit langem ungeöffnetem Keller. Die Wände schienen näher zu rücken und ihn einsperren zu wollen, obwohl sie immer noch an Ort und Stelle standen. Nichts lockte ihn mehr als die weite und offene Welt hinter den Scheiben, wo das Gras sich im Wind neigte und Wellen in der Ferne an den Strand schlugen.
„Naja, immerhin habe ich jetzt einen neuen Spitznamen für das Vögelchen.", bemerkte Tony wenig begeistert, als sie den Film zu Ende gesehen hatten.
„Gib es zu, er hat dir gefallen.", stichelte Clint fröhlich.
„Die Bären waren sehr niedlich.", versuchte Steve sich einzumischen, nur um von Tony ignoriert zu werden.
„Mein Geschmack ist besser als irgendwelche Filme mit Pfeil und Bogen."
„Genau, es muss mindestens ein Roboter vorkommen.", entgegnete Clint lachend.
„Im Moment würde ich mich auch mit einer Waffe zufriedengeben, die nicht aus Holz besteht.", murmelte Tony mürrisch.
„Loki! Wie hat dir der Film gefallen?", fragte Steve, bemüht, das Thema zu wechseln.
Der Schwarzhaarige sah gedankenverloren aus dem Fenster und schien nicht einmal bemerkt zu haben, dass der Film zu Ende war.
„Bambi?", fragte Tony und stupste seinen Sitznachbarn.
Mit einem Blinzeln riss der Exgott sich aus seiner Trance. „Verzeihung, ich war in Gedanken versunken."
„Ha! Lokes fand den Film auch langweilig!", rief Tony triumphierend.
„Eure Darstellung von Magie ist verabscheuenswürdig.", stimmt Loki halbherzig und ohne die gewohnte Schärfe in seiner Stimme zu. Sein Blick war erneut auf das Meer gerichtet, welches im Licht der untergehenden Sonne in einer Vielzahl von Rot- und Orangetönen aufleuchtete.
„Das klang nicht sehr enthusiastisch.", bemerkte Tony. „Und ich weiß, dass meine Aussicht unübertroffen ist, aber du wirkst nicht so, als würdest du nur den Sonnenuntergang bewundern. Was ist los?"
Der Schwarzhaarige löste sich widerwillig von dem Blick ins Freie, den ihm die Wand aus Fenstern bot. „Ich war gezwungen, meinen Augen eine Pause von den Schrecken zu geben, die ihnen in diesem Raum zugemutet wurden.", entgegnete er mit mehr Biss und sah demonstrativ auf Tony.
Doch der Milliardär grinste nur. „Ich weiß ja, dass Clint nicht der Hübscheste ist, aber so schlimm ist es nun auch nicht. Außerdem brauchst du nur mein perfektes Antlitz zu betrachten und alles Schlechte verblasst im Angesicht solcher Perfektion."
„Na vielen Dank auch.", mischte sich Clint ein. „Immerhin habe ich eine tolle Persönlichkeit, stimmt's Steve?", fragte er voller Sarkasmus.
„Ich glaube schon?", antwortete der Supersoldat vorsichtig.
„Wow Cap, das trifft mich wirklich schwer.", sagte Clint und machte ein betroffenes Gesicht.
„Ich meine, wir kennen uns nicht lange, also kann ich es noch nicht einschätzen, aber ich bin mir sicher, du hast eine tolle Persönlichkeit.", versicherte Steve hastig.
Tony verdrehte die Augen. „Ich glaube, der gute Captain braucht ein Ironie-Schild. Jarvis, kümmere dich darum."
„Natürlich, Sir.", antwortete der AI, obwohl er den Sarkasmus in der Aussage seines Erfinders erfasste.
Tony war sehr stolz auf diesen Teil der Programmierung. Denn mit dem Verständnis von Sarkasmus war es dem AI möglich, selbst sarkastisch zu antworten, was einen der großen Unterschiede zu anderen, weniger komplexen, künstlichen Intelligenzen darstellte.
Natürlich war es auch ein erneuter Beweis seiner eigenen Genialität. Und weil er so intelligent war, konnte er auch durchschauen, dass Lokis Antwort nur eine Ablenkung war. Er hatte sogar eine Vermutung, was dem Exgott wirklich beschäftigte.
„Langsam wird es langweilig, immer nur drinnen zu hocken.", sofort hatte der Erfinder die Aufmerksamkeit aller auf sich gezogen. „Und das, wo wir in Malibu sind. Es wäre ein Verbrechen, wenn wir morgen nicht den Strand besuchen."
An Lokis hoffnungsvollen Blick, den der Schwarzhaarige kaum verbergen konnte, erkannte Tony, dass er ins Schwarze getroffen hatte. Es war kein Wunder, dass der Exgott sich nach den letzten Wochen eingesperrt fühlte.
„Ich will euch ja nicht die rosarote Brille abnehmen, aber das letzte Mal, das Loki nach draußen gegangen ist, hat Fury ihn keine 24 Stunden später gekidnappt.", bemerkte Clint mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Das sollte kein Problem sein, ich und der Space-Pirat hatten ein klärendes Gespräch.", tat Tony den Einwand ab.
„Es ist Fury. Ich bin mir sicher, euer Gespräch war toll und er wird alles daran setzen nie wieder in so eine Position zu kommen. Irgendwann wird er sich rächen und dir alles unter die Nase reiben, womit du ihm bedroht hast. Und dann sieht er mit einem Lächeln zu, wie die Männer in weiß dich mitnehmen.", erklärte Clint gelassen und aß noch ein paar Chips.
„Ich dachte die Shield-Uniform ist schwarz?", fragte Steve verwirrt. „Außerdem würde Direktor Fury nicht… Okay, er würde was auch immer Clint meint tun.", gab der Supersoldat zu.
„Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist, nach draußen zu gehen. Nicht nur wegen Fury. Wenn dich jemand erkennt, könnte das ungewollte Aufmerksamkeit auf uns lenken." Entschuldigend blickte Steve zu Loki, der eine Maske der Gleichgültigkeit aufgesetzt hatte.
„Also erstens gehört mir mehr als genug von der Umgebung, dass wir garantiert niemanden begegnen. Ich bin Milliardär, was würde mir ein Strandhaus nutzen, wenn an meinem Privatstrand irgendwelche fremden Menschen rumlungern? Und zweitens: Einauge konnte Loki nur mitnehmen, weil er mich überrascht hat. Jarvis und ich arbeiten daran, die Sicherheitsprotokolle komplett zu überholen, damit so etwas nicht nochmal passiert. Natürlich wurden die Löcher vom letzten Mal zuerst gestopft. Und zuletzt ist meine Technik hier gegen alle Eindringlinge gefeilt. Ob aus der Luft, vom Wasser oder den Weg hoch, Jarvis sieht alles auf dem Gelände und kann entsprechend reagieren. Seitdem ich letztes Jahr ein paar ungebetene Gäste hatte, wollte ich meine Privatsphäre besser schützen."
Nach seiner Rede sah Tony mit verschränkten Armen auf seine Gegner und wartete auf weitere Einwände.
„Tu was du nicht lassen kannst.", gab Clint zuerst auf. „Ich wollte eh an meinem Teint arbeiten. Bei Shield gibt es viel zu wenig Sonnenlicht."
„Wenn du meinst, dass es sicher ist?", fragte Steve, der nicht vollkommen überzeugt war.
„Natürlich, wir reden hier von meiner Technologie, nicht von dem Versager Hammer.", antwortete Tony mit einem abfälligen Schnauben bei dem Gedanken an seinen sogenannten Konkurrenten. „Und im Notfall bin ja immer noch ich da. Diesmal mit einer vollständigen Rüstung. Und ihr zwei könnt im Hintergrund gut aussehen."
Mit einem Augenverdrehen stand Steve auf und streckte sich. „Dann gehen wir morgen an den Strand. Bevor oder nachdem Bruce angekommen ist?"
„Er sollte erst nachmittags kommen.", antwortete Tony mit einem Blick auf sein Tablett. „Der Strand läuft nicht weg, Brucie-Bär kann ein anderes Mal mitkommen. Ob Hulk wohl schwimmen kann?"
„Und mit dieser unnützen, aber irgendwie interessanten Frage verabschiede ich mich.", meldete Clint sich zu Wort und räumte die Reste seiner Snacks zurück in die Küche.
Auch die anderen drei räumten auf und verabschiedeten sich für die Nacht. Loki warf noch einen letzten Blick nach draußen. Morgen würde er das Meer spüren können. Dieser Gedanke half ihm tatsächlich dabei, Ruhe zu finden und es dauerte nicht lange, ehe er, und auch der Rest des Malibu-Anwesens, Jarvis ausgenommen, schliefen.
Er lag zusammengekauert auf dem Boden. Sein Körper schmerzte so sehr, dass die einzelnen Wunden verschwammen und nicht mehr auseinanderzuhalten waren. Er war weder wach noch ohnmächtig, gefangen in einer Zwischenwelt, welche ihn den Schmerz fühlen ließ, ohne etwas dagegen unternehmen zu können.
In der Nähe konnte er Stimmen hören, doch es waren nur Untergebene, nicht ER. ER, dem er gehorchen musste, egal was es kostete. ER, der den großen Loki beherrschte. Denn hier war der mächtigste Magier Asgards ein Nichts. Gegen SEINE Kräfte war alles andere kindische Spielereien.
Während er auf dem Boden lag und seine Gedanken verwirrende Pfade einschlugen, arbeitete seine Magie. Sie heilte und linderte den Schmerz, so gut es ihr möglich war. Langsam wuchs Haut über Wunden zusammen, Knochen richteten sich und das verlorene Blut wurde immer wieder durch Neues ersetzt, um die gebrochene Gestalt am Leben zu halten.
Mit dem verschwindenden Schmerz kehrte die Klarheit zurück. Langsam wich der Nebel, und seine Gedanken sammelten sich. Doch je besser es ihm ging, umso mehr Panik verspürte er. Denn sie ließen ihn nie in Ruhe, es gab keine Pause. Nur genug Zeit um eine neue Strafe auszuhalten. Genug Zeit, um sicherzustellen, dass er nicht sterben würde und nur genug Magie hatte, um die schlimmsten Wunden zu heilen. Wenn seine Gedanken klar genug waren, um zu antworten, würden sie kommen. Und nach jedem Nein begann sie von vorne.
Zu Beginn hatte er es geschrien, voller Wut. Was dachten diese Wesen sich, ihn unterwerfen zu wollen? Er war Loki, ein Prinz, kein niederer Diener. Sein „NEIN" hatte auf dem verlassenen Planeten gehallt.
Doch es wurde von mal zu mal leiser. Bis es nur noch ein Flüstern war, voller Verachtung und Überzeugung.
Doch auch die Überzeugung schwand. Stück für Stück, Tag für Tag. Bis nur noch ein kaum hörbares, fast Flehendes Flüstern blieb. Ein Wort, so leise und unbedeutend, dass es gegen die laute, schmerzvolle Welt zu verblassen begann.
Schwer atmend entkam Loki aus dem Traum. Einige Minuten lang saß er nur auf dem Bett, den Kopf in den Händen vergraben und versuchte, sein wie wild schlagendes Herz wieder unter Kontrolle zu bringen. Nur langsam gelang es dem Exgott, seine Panik zu unterdrücken und nicht mehr grundlos nach Luft zu schnappen.
Eine Stimme unterbrach seine Bemühungen. „… werde ich Sir verständigen. Mr. Friggason, können Sie mich verstehen?"
„Jarvis.", erinnerte sich Loki, noch halb in seinem Albtraum gefangen. Aus seinen Gedanken gerissen sah er sich um und versuchte, so viele Einzelheiten wie möglich zu bemerken, die ihm in der Realität verankern konnten.
Der Mondschein, welcher durch das Fenster fiel und es möglich machte, Umrisse des Zimmers zu erkennen. Die Tür, welche ihn nach draußen führen würde, wenn er wollte. Die Wand, welche im Mondlicht bläulich schimmerte. Das Bett, in welchem er lag.
Loki konnte die Bettwäsche auf seiner Haut fühlen, weich und warm, an anderen Stellen jedoch schweißdurchdrängt. Anscheinend hatte er sich während seines Albtraums nicht ruhig verhalten, sondern versucht zu entkommen. Nicht nur geistig, sondern auch körperlich.
Der Exgott befreite sich von der Bettdecke und vergrub die Zehen im Teppich. Auf dem Rand des Bettes sitzend ließ er die kalte Luft seine verschwitzte Haut kühlen.
„Mr. Friggason? Ihre Vitalwerte scheinen sich zu verbessern. Möchten Sie, dass ich Sir über die Begebenheiten informiere?", klang Jarvis Stimme aus den Lautsprechern.
Der Schwarzhaarige schüttelte seinen Kopf. „Nein.", verbalisierte er seine Entscheidung, falls die Bewegung von den Kameras nicht erfasst wurde. Oder falls es keine Kameras in dem Zimmer gab.
Wie Blitze zuckten die Gedanken zwischen Resten des Traumes durch den Kopf des Schwarzhaarigen.
Sich plötzlich eingeengt fühlend, rannte er beinahe zur Tür und ging dann schnellen Schrittes zum Wohnzimmer, welches den besten Ausblick auf das Meer bot. Die Hände auf das kühle Glas gestützt, sah er hinaus auf die Klippen, welche vor den Fenstern zu sehen waren. Das Meer schlug gegen die Felsen und schäumte, zog sich zurück und griff wieder an, in einer beinahe hypnotischen Sequenz. Unter den Klippen war ein Teil des Strandes zu sehen, an welchen das Meer langsam schwappte, idyllisch im Gegensatz zu dem Kampf an den Klippen.
Plötzlich reichte die Aussicht nicht mehr. Er wollte den Wind in seinen Haaren spüren, das Gras, den Sand und das Meer an seinen Füßen. Er wollte das Wasser riechen und die Wellen fühlen.
Wie in einer Trance ging er zur Tür, welche im Glas eingelassen war, um die Möglichkeit zu bieten, jederzeit mit nur wenigen Schritten die Aussicht ohne störende Scheiben genießen zu können. Er griff nach der Klinke, kurz davor, endlich in Freiheit zu stehen.
Doch eine Stimme riss ihn aus dem Traum. „Mr. Friggason? Es ist noch sehr früh. Wäre es nicht besser, morgen wie geplant mit Sir hinauszugehen?"
Und kurz war der Schwarzhaarige geneigt, die Tür verschlossen zu lassen. Er hatte die Bedenken nicht vergessen, die er selbst gedacht und die Clint und Steve am Vorabend laut ausgesprochen hatten. Doch der Drang war stärker. So stark wie nie zuvor. Als wäre diese Welt nicht wirklich, ehe er nicht das Meer spüren konnte. Als könnte er sich reinwaschen und Frieden finden, wenn er nur hinaustrat. Als wäre er gefangen, wenn er noch weiter hinter der Tür verharrte.
Fast panisch öffnete er die Tür und trat hinaus, überwand mit drei schnellen Schritten die gepflasterte Terrasse und stand schließlich im Mondschein auf einem ebenso gepflegten Rasen. Die Grashalme kitzelten sanft seine Füße und der Wind spielte mit seinen Haaren. Besänftigt tat Loki einen tiefen Atemzug, um die frische, kühle Nachtluft in sich aufzunehmen.
Aber er verweilte nicht lange, denn nun konnte er den Gesang des Meeres laut und deutlich hören. Das Tosen der Wellen an den Klippen und das ruhigere Rauschen am Strand lockten ihn, weg von dem gepflegtem und gezähmten Rasen, hin zur endlosen freien Weite des Meeres.
Loki kam erst zum Stehen, als er wadentief im Wasser stand. Es war, als würde er endlich aufwachen. Als hätte es das Meer an seinen Beinen, den Wind in seinem Gesicht und den Sand unter seinen Füßen benötigt, um den Albtraum zu vertreiben.
Das Kommen und Gehen der Wellen, welches er sehen, hören und fühlen konnte, half dem Exgott, in eine leichte Meditation zu fallen. Er hatte diese Technik früh gelernt, um seine Magie zu spüren und besser zu verstehen, ehe er beginnen konnte, sie tatsächlich einzusetzen. Meditation unterstützte ihn dabei, seine Magie und sich selbst zu beruhigen, damit weniger Unfälle passierten.
So konnte er den Tumult seiner Gedanken ordnen und kategorisieren, um sie sich Stück für Stück vorzunehmen, ohne überfordert zu sein. Und es waren viele Gedanken, welche ihn derzeitig plagten.
Doch ein Problem drängte sich immer wieder in den Vordergrund. Hatte er es in den letzten Wochen noch verdrängen können, so hatte der Albtraum die Erinnerung erneut ins Licht gerückt und machte es unmöglich, diesen Gedanken weiter zu ignorieren.
ER. Dessen Name ihm genug Angst macht, um ihn nicht einmal zu denken. Als würde es reichen, um IHN zu rufen. Und es hatte eine Zeit gegeben, da waren diese Bedenken angebracht. Da hattes es gereicht, SEINEN Namen zu denken, um IHN aufmerksam zu machen. Eine Zeit, als ER in Lokis Kopf war und dort regierte.
Doch nun war Loki frei. Seitdem der grüne Riese ihn auf den Boden schlug und damit die Verbindung trennte. Vielleicht sollte er dem Biest dankbar sein, denn ohne es würde ER die Entscheidungen treffen, nicht Loki. Aber der Exgott war sich sicher, wieder Herr seiner Selbst zu sein. Denn ER war niemand, der sich verstecken und warten würde. Nein, ER hätte es den Schwarzhaarigen seine Enttäuschung spüren lassen, sowie ER es unzählige Male in den Weiten des Weltalls getan hatte.
Aber nur weil die Verbindung gekappt war, hieß dass nicht, dass ER aufgeben würde. Ohne den Tesserakt, den Raumstein, würde es nur länger dauern, bis ER zur Erde kam. Bis erneut eine Macht auf die Erde treffen würde, auf die die Menschheit nicht vorbereitet war. Denn im Gegensatz zu Loki, einem unfreiwilligem Diener, halb tot und kaum bei klarem Verstand, war SEINE wahre Streitmacht unermesslich.
Asgard hätte die Möglichkeit gehabt, die neun Reiche vorzubereiten. Es wäre ein langer und intensiver Kampf gewesen und Loki war sich nicht sicher, ob ein Sieg möglich gewesen wäre, doch es hätte sich jemand IHM in den Weg gestellt. Er wäre bereit gewesen, alles zuzugeben, wie er manipuliert wurde, wie schwach er gewesen war, wie er aufgegeben hatte.
Doch Odin hatte es nicht für nötig befunden, seinen zweiten Sohn sprechen zu lassen. Nicht einmal Thor hatte es für wichtig gehalten, ein einzige Mal nach dem Warum zu fragen. Oder hatte er, während des Kampfes und Loki konnte sich nur nicht erinnern? Vielleicht war es wirklich seine eigene Schuld, schließlich hätte er seine Warnung sofort aussprechen können, als die Kontrolle aufhörte. Doch in diesen wenigen Minuten war die Erleichterung und die Freude zu groß und dann war es zu spät.
Nun konnte es Jahrzehnte oder sogar ein Jahrhundert dauern, ehe er eine Möglichkeit hatte, Asgard zu kontaktieren. Der Bifröst war immer noch kaputt und somit konnte er nicht darauf hoffen, dass Thor zu Besuch kam. Es würde zu viel dunkle Energie verbrauchen, um den Donnergott aus keinem wichtigen Grund in ein anderes Reich zu schicken.
Heimdall schien ihm nicht zu antworten und es war ohnehin zu gefährlich, irgendetwas über IHN einfach hinauszuschreien. Damit würde ER ohne große Widerstände in die neun Reiche einfallen. Wenn ER kam, wäre es schon zu spät, zu langsam bewegte sich Asgard. Und hatte ER erst einmal das goldene Reich vernichtete, standen ihm alle Türen offen.
Die Menschen hatten Glück. Es war sehr wahrscheinlich, dass keiner der Avenger, außer Thor, noch am Leben war, wenn ER einfiel. Ihre Leben waren so kurz im Vergleich zu den anderen Bewohnern der neun Reiche, dass vielleicht sogar Generationen vergehen konnten, ehe etwas geschah.
Vielleicht traf das inzwischen auch auf Loki zu. Mit seiner gebundenen Magie wäre es ein leichtes, durch einen Unfall zu sterben. Allein ein unglücklicher Sturz würde inzwischen reichen, da seine Magie ihn nicht heilen konnte.
Vielleicht würde Thor in hundert Jahren zur Erde kommen und sich wundern, wo seine Freunde waren. Wenn keiner von ihnen mehr am Leben war, nach einer Zeit, die für den Asen nur ein paar Wochen gleichkam. Und vielleicht würde er dann auch seinen Bruder vergebens suchen, denn Loki wusste nicht, welche Auswirkungen der Verlust seiner Kräfte auf seine Lebensspanne hatte. Würde er IHM entkommen, ohne sich anstrengen zu müssen? Oder würde er noch hier sein und nur hilflos zusehen können, wie ER alles zerstörte? Würde er altern und sterben innerhalb weniger Jahrzehnte, genau wie Tony und die anderen Avenger? Oder war seine Lebensspanne nicht betroffen und er musste zusehen, wie sie nach und nach ihre Jugend verloren und ihn zurückließen?
Sehnsüchtig sah der Exgott auf das Meer hinaus. Seit er klein war, hatte er sich sein Leben auf verschiedenste Weisen vorgestellt. Zu Beginn sah er sich und Thor gemeinsam auf dem Thron sitzen, Brüder und Herrscher, unzertrennlich für die Ewigkeit. Dann sah er sich selbst als größten Magier. Der stärkste Magier der neun Reiche, anerkannt und für seine Fähigkeiten gelobt und verehrt. Anschließend kam die Zeit, in der er sich selbst als den perfekten Asen träumte. Strak, groß, immer fröhlich, kurzum: Thor. Das war der Beginn des Abstieges. Über die Jahre wurde das Bild einsamer, härter. Er selbst würde über Asgard herrschen, konnte es allen heimzahlen, die über ihn lachten. Thor musste seinen Befehlen folgen, genauso wie seine vier Freunde. Dann kam die Entdeckung seiner wahren Herkunft und eine Spirale, welche ihn mehr und mehr in die Tiefe zog, bis er den Speer losließ, der ihm über den Bifröst hielt.
Doch nun sah seine ideale Zukunft anders aus. Sie war kurz, aber erfüllt von so viel Neuem, so viel Freude und Staunen wie seit seiner Kindheit nicht mehr. In dieser Zukunft hatte er echte Freunde, welche ihn gesehen hatten, als er am Boden lag und ihm wieder aller Erwartungen aufgeholfen hatten. Er konnte Filmabende sehen, Scans um seine Magie zu erforschen, Wettbewerbe, bei welchem es nicht um gewinnen oder verlieren ging, sinnlose Debatten über merkwürdige Themen und einen warmen Körper neben sich auf der Couch. Gespräche, in denen er Beleidigungen ausstieß, über die gelacht wurde, echte Sorge, wenn es ihm nicht gut ging, Strategiespiele mit einem Programm, welches lebensechter war als mancher Mensch, einen kleinen, hilfsbereiten Roboter und dessen Erfinder.
Und mit einem Lächeln blickte Loki auf das Meer, aus welchem sich die Sonne langsam erhob. Er lies die dunklen Ecken seiner Gedanken hinter sich und widmete sich den Gedanken einer Zukunft, wie er sie nie in Betracht gezogen hatte, welche aber perfekter war, als alles, was er sich je erträumen konnte.
Okay, das Ende ist zumindest hoffnungsvoll?
Eigentlich war am Ende noch ein bisschen mehr Tony geplant, aber anscheinend kommt er erst nächstes Kapitel dran :)
