Disclaimer: Harry Potter gehört natürlich nach wie vor Joanne K. Rowling... und daran wird sich auch so schnell nichts ändern!

Mittwoch, 15.07.1992. Morgens

London erwachte gerade zum Leben und die ersten Menschen machten sich auf den Weg zur Arbeit. Es versprach ein heißer Tag zu werden. Die U-Bahnen füllten sich langsam mit Menschen und auf den Straßen wurde es laut und hektisch.

Punkt halb acht kam Unruhe auf. Vor den großen Werbeplakaten sammelten sich Menschenmassen, in den U-Bahnen glotzen die Insassen fassungslos zum Fenster hinaus und auf den Straßen wurden die großen, roten Doppeldeckerbusse mit ungläubigen Blicken verfolgt. Das hatte es in London noch nie gegeben: sämtliche Plakate waren zum Leben erweckt worden. Cowboys rauchten genüsslich ihre Zigaretten, während ihre Pferde kreuz und quer durch das Bild rasten.

Lächelnde Hausfrauen, die Waschpulver in der Hand hielten, warfen den gaffenden Leuten Handküsschen zu, während die Waschmaschine hinter ihnen fröhlich die Wäsche wusch.

Männer mit Dreitagebart rasierten sich unendlich oft den Bart, der nach einigen Minuten wieder wie von selbst nachwuchs, während sie immer wieder den beworbenen Rasierschaum präsentierten.

Joggerinnen rannten mit ihren Hunden um die Wette, und indessen wurde der Schriftzug der Hundefuttermarke von den Hunden oft, wie als wäre es ein Hindernis übersprungen, so als hätten sie tatsächlich dieses Futter gefressen.

Man konnte nirgendwo mehr hinschauen ohne ein Plakat zu entdecken, dessen Bild sich nicht bewegte. Dazu blinkten und strahlten die Buchstaben der Werbemarken um die Wette. Die Leute konnten nichts anderes machen als stehenzubleiben und zu staunen.

„Hmmm, den würde ich aber auch nicht von der Bettkante stoßen. Wenn dieser Bart nicht immer so schnell nachwachsen würde...", rief eine junge Frau.

„Oh Mama, darf ich auch so einen Hund haben?", bettelte ein kleiner Junge.

„Das ist ja irre! Wie haben die das denn hinbekommen? Das könnte ich gut für meine Urlaubsfotos gebrauchen!", staunte ein Mann.

„Das wird ja immer seltsamer in dieser Stadt! Erst fliegende Kutschen, dann flüchtende Autos und jetzt auch noch lebendige Plakate! Fehlt nur noch, dass die aus den Bildern rausspringen! Was kommt denn wohl als nächstes? Laufende Häuser?", rief ein älterer Mann kopfschüttelnd.

„Ruft doch mal jemand die Polizei! Die soll den Spuk endlich ein Ende setzen!", keifte eine ältere Dame und fuchtelte wild mit ihrem Stock herum.

Wenig später trafen von überall her Polizei und Feuerwehr an den verschiedensten Orten ein, doch sie waren sich in keinster Weise im Klaren darüber, was sie nun tun sollten. Sie standen mehr oder weniger ratlos herum und versuchten die Leute zu beruhigen. Einer der Polizisten forderte einen der Rasierschaumwerbenden auf:

„Jetzt hören Sie doch endlich mal mit dem Rasieren auf! Warum halten Sie nicht einfach still? Wird das Kinn nicht langsam wund?"

Der Mann auf dem Plakat grinste breit, schüttelte den Kopf und fuhr seelenruhig mit dem Rasieren fort.

Die Leute davor brachen in Gelächter aus während der Polizist ein scharlachrotes Gesicht bekam.

An einer anderen Ecke prosteten sich zwei verschiedene Plakate ständig zu, indem die darauf Werbenden ihre Whisky- und Biergläser hoben. Gegenüber mussten die Polizisten dazwischengehen, da Männer und eine ganze Horde zwölfjähriger Jungs vor einem riesigen mit Unterwäsche werbenden Plakat mit einem Model standen und pfiffen, während sie ihre Unterwäsche von allen Seiten präsentierte und den Bewunderern Küsschen zuwarf.

Natürlich war die Presse auch schon darauf aufmerksam geworden und rückten mit etlichen Kameras und Fotoapparaten, an um das Geschehen festzuhalten. Das alarmierte Zaubereiministerium war machtlos wie nie zuvor. Es war völlig unmöglich die Bilder zu entzaubern, ohne Aufmerksamkeit zu erregen und die Anzahl der Muggelzeugen war viel zu groß, um sie alle mit Vergessenszaubern zu belegen. Die Vergissmichs und Auroren mischten sich als Muggel verkleidet unter die Menschenmenge und seufzten innerlich. Das würden sie nie und nimmer in den Griff bekommen...

Zusätzlich zu den auflaufenden Menschenmassen überall in den Straßen kam es zu zahlreichen Unfällen aufgrund der durch die bewegenden Bilder abgelenkten Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger. Die Neuigkeit der bewegten Bilder in London verbreitete sich wie ein Lauffeuer in ganz Großbritannien, und Stunden später kamen tausende Pilger aus dem ganzen Land angereist und verstopften zusätzlich die Straßen. Die zahlreichen Imbissstuben, Kioske und Bäckereien freuten sich über den zusätzlichen Kundenandrang, Hotels und sonstige Herbergen waren längst ausgebucht.

Die Dursleys waren nicht wenig überrascht, als die Nachrichten von diesen Ereignissen in London berichteten.

„Dudley, was haben diese Leute wieder in London angestellt? Da ist schon wieder Chaos, weil jemand an den Plakaten rumgepfuscht hat.", polterte Vernon aus dem Wohnzimmer.

Petunia zuckte erst zusammen und wollte schon etwas wegen des weit offenen Fensters sagen, bevor sie sich erinnerte, dass sie ja nun keine lauschenden Nachbarn mehr zu fürchten hatte.

Dudley kam verwundert ins Haus und sah sich den Livebericht aus London an. Nach einer halben Minute brach er in schallendes Gelächter aus. Vernons Kopf flog zu ihm herum.

„Was gibts da zu lachen!? Das ist doch eine Frechheit, was die sich erlauben!"

„Dad, irgendwer fand das wohl lustig, die Plakate zu verzaubern. Na und? Die können keinem was tun. Außerdem ist das doch viel lustiger, wenn die sich bewegen. Sei froh, dass die nicht sprechen können, wie die Bilder in Hogwarts. Die sind manchmal nervig mit ihrem Gelaber.", erklärte Dudley grinsend.

„WAS?! Die reden auch noch da? Das fehlte mir gerade noch, dass mich Bilder ansprechen. Wehe, du vergreifst dich an unseren Bildern, die bleiben so wie sie sind, verstanden?", knurrte Vernon.

„Ich darf das sowieso nicht in den Ferien, bis ich 17 werde. Außerdem kann ich auf einen lauthals röhrenden Hirsch über Tante Magdas Kamin verzichten, da könnte man ja nicht mehr schlafen.", gab Dudley augenrollend zurück.

Vernon grummelte etwas Unverständliches in seinen Schnurrbart, für ihn war das Thema erstmal erledigt.

Auf Dragon's Sheer Castle war die Laune deutlich besser. Die Großfamilie saß beim Tee auf der Terrasse zusammen, als eine Eule wieder einmal eine Sonderausgabe des Tagespropheten brachte. Diesesmal lautete die Schlagzeile:

SCHON DAS DRITTE MAL CHAOS IN MUGGELLONDON DURCH MAGIE!

MAGIEBEWEGTE WERBEPLAKATE IN LONDONDER INNENSTADT!

Unbekannte haben letzte Nacht sämtliche Plakate in der Londoner Innenstadt mit Fotomotoriktrank behandelt und mit einem Zeitzauber belegt, so dass die Abbildungen auf den Plakaten sich alle ab genau halb acht anfingen zu bewegen. Diese zogen naturgemäß große Aufmerksamkeit der Muggel auf sich, die sich seitdem vor den Plakaten tummeln und diese mit Staunen betrachten. Die Muggel, die mit ihren Vehikeln, Fahrrädern oder auch zu Fuß unterwegs waren, versäumten es, dorthin zu sehen, wohin sie fuhren bzw. gingen, so dass zu zahlreichen Zusammenstößen und Unfällen kam. Die Gesetzeshüter der Muggel hatten sichtlich Mühe, die Menschenmassen zu beruhigen. Einige verzweifelte Muggel riefen sogar die Feuerbekämpfer der Muggel, die, wie sie schnell erkannten, überflüssig waren, da es nirgendwo brannte. Sie kümmerten sich stattdessen um die verunfallten Vehikel und deren Insassen.

Die Vergissmichs und Auroren, die eigentlich die Londoner Innenstadt bewachen und beobachten und eigentlich solche Vorfälle verhindern sollten, fanden sich heute morgen mit Schockzaubern betäubt in dunklen Gassen und Gebüschen wieder. Als sie erwachten, war es natürlich schon zu spät, um das Desaster zu verhindern. Sie werden bis heute Nacht warten müssen, bevor sie mit der Entzauberung der Plakate beginnen können. Denn daran ist angesichts der Muggelmassen am Tag nicht zu denken, auch sind Gedächnismodifizierungen ausgeschlossen, da innerhalb kurzer Zeit ganz Großbritannien davon erfahren hatte, dank der Muggelpresse. Das Zaubereiministerium befindet sich momentan in einem Schockzustand .

So etwas hat es noch niemals in unserer Geschichte gegeben. Ich bin absolut fassungslos, dass eine Gruppe von Zauberern unsere Geheimhaltung derart verletzt. Wir werden natürlich alles tun, was in unserer Macht steht, um die Täter zu fassen.", erklärte der Minister der Zauberei Cornelius Fudge heute Mittag den aufgebrachten Reportern des Tagespropheten...

„Also langsam müssen die Muggel es ja mal kapieren. So blöd sind ja nicht mal die Trolle, dass sie nicht merken was da vor sich geht.", sagte Bryan.

„Bryan, du wirst staunen wie blind die Muggel sein können wenn sie wollen. Etwas was sie nicht wahrhaben wollen, existiert es für sie auch nicht. Magie gehört zu diesen Dingen. Lieber glauben sie an Außerirdische als an Zauberei.", erklärte Sahrah.

„Wenn Außerirdische hier herkommen würden, dann würde das Zaubereiministerium die auch glatt geheimhalten wollen.", schnaubte Bryan.

„Habt ihr eine Ahnung wer dahintersteckt?", fragte Harry neugierig.

„Das werdet ihr noch früh genug erfahren, wenn die Zeit reif ist. Die Person wird sich erst dann zeigen, wenn dessen Ziel erreicht ist. Mehr müsst ihr nicht wissen.", antwortete Magnus.

„Mit anderen Worten: Ihr wisst es, könnt es aber nicht sagen.", sagte Bryan augenrollend.

„Ihr seid noch zu jung um da mit hineingezogen zu werden. Das Ministerium hat überall Ohren. Also kein Wort darüber. Ist das klar?", stellte Rose klar.

Die Kinder nickten ergeben und versprachen, den Mund zu halten. Sie wussten genau, dass aus den Erwachsenen im Moment ohnehin nichts rauszubekommen war. Stattdessen beschlossen sie, im nahen See schwimmen zu gehen.

Ungeahnt von den Kindern befand sich der Britische Geheimdienst im Aufruhr. Weder das Zaubereiministerium noch die normale Bevölkerung ahnte auch nur im Entferntesten, wie sehr bestimmte Orte überwacht wurden. Wenn das Zaubereiministerium gewusst hätte, wie sehr ihre Mitarbeiter einem geübten Auge auffallen, wären sie schockiert gewesen. Aber so nahmen die Dinge ihren schicksalhaften Lauf...