Broken
Kapitel 21
Shoppen
Ginny, Draco, Blaise und Pansy saßen auf ihrer Fahrt nach Hogsmeade alle zusammen in einer Kutsche. Draco, Blaise und Pansy versuchten, die Uhrzeiten zu fixieren, an denen sie sich treffen und Ginny weiterreichen wollten. Ginny blieb leise. Sie hatte ihre Versuche, sie umzustimmen, aufgegeben, denn es funktionierte nicht. Der einzige Gedanke, der half, war das Wissen, dass Harry und Ron morgen in den Fuchsbau zurückkehren und zwei Wochen lang nicht da sein würden. Zwei Wochen ohne Harry und Ron. Zwei Wochen, in denen sie Draco küssen, umarmen und in aller Öffentlichkeit seine Hand halten konnte, denn das Schloss würde fast leer sein.
"Okay, also haben wir alles? Ich nehme Ginny zuerst mit, wenn sie Dracos Geschenk kauft. Dann geht Pansy mit Ginny los, um mein Geschenk zu besorgen, und dann, Draco, gehst du den Rest des Tages mit ihr, um Pansys Geschenk zu beschaffen", hörte Ginny Blaise sagen.
"Hört sich gut an. Und wenn wir gerade nicht bei Ginny sind, können wir ihr Geschenk besorgen", sagte Pansy.
"Werdet ihr den ganzen Tag über mich sprechen, als wäre ich nicht hier?", fragte Ginny genervt.
"Nein, entschuldige, aber es hat so ausgesehen, als würdest du sowieso nicht zuhören", stellte Pansy fest.
"Habe ich auch nicht. Aber darum geht es nicht."
"Es ist doch nur für einen Tag. Nachdem dein Bruder und Potter gefahren sind, hängst du nicht mehr mit uns fest", sagte Draco. Er zog sie dicht an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
"Ich hasse das, wenn ihr das alle macht", sagte Ginny und lehnte sich näher an Draco.
"Wenn wir was machen? Was können wir womöglich tun, das du so sehr hasst?", fragte Blaise vor purer Überraschung.
"Vieles. Aber jetzt gerade spreche ich davon, dass ihr es nie zulasst, dass ich böse auf euch bin. Ich werde erst wütend, dann sagt einer von euch etwas oder macht irgendwas und ich frage mich: Wie kann ich verdammt noch mal nach allem böse auf sie sein? Das ist ziemlich frustrierend", sagte Ginny mit einem Grinsen.
"Naja aber deswegen solltest du nicht wütend sein, du solltest froh sein", sagte Blaise mit einem Grinsen. Ginny verdrehte bloß ihre Augen.
In diesem Augenblick blieb die Kutsche stehen und die Tür schwang auf. Ginny und Pansy stiegen zuerst aus und die Jungs folgten ihnen kurz darauf. Draco ging wollte Ginnys Hand in seine nehmen, aber eine Gruppe Sechstklässler ging vorbei, also war er gezwungen, kurz zu warten.
"Okay. Also Ginny und ich sollten nun gehen. Wir sehen uns in einer Stunde oder so bei den Drei Besen", sagte Blaise, als sie die ersten Geschäfte erreichten.
"Schön, in Ordnung", sagte Draco verbittert. Ginny wusste, dass er nicht glücklich war, wenn sie zu lange weg war.
"Warte kurz", sagte Ginny zu Blaise und die anderen begannen, ein Stück weit zu laufen. "Draco, kann ich kurz mit dir reden?"
Draco nickte und Ginny zog ihn in eine kleine Gasse, die sich in einiger Entfernung zu den anderen befand.
"Was ist los?", fragte Draco ein wenig besorgt.
"Du weißt, dass das alles deine Schuld ist, also motz hier nicht den ganzen Tag lang herum", sagte Ginny.
"Wieso ist das alles meine Schuld?"
"Ich hab dir doch gesagt, dass ich heute allein losziehen kann."
"Nein, kannst du nicht, und du weißt genau warum. Auch wenn du allein losziehen würdest, würde dir das nicht gefallen, weil ich dann nicht bei dir bin."
"Da hast du es wieder! Ich kann dir nicht lange böse sein", sagte Ginny verspielt.
"Was ist sonst noch alles meine Schuld?"
"Die Tatsache, dass du jede Minute des Tages bei mir sein willst."
"Ich glaube aber, das ist deine Schuld. Nicht meine!"
"Nein, es ist deine Schuld, dass wir zusammen sind. Wenn du nicht mit mir getanzt hättest, wäre alles in Ordnung."
"Nein, wäre es nicht. Da wäre diese sexuelle Spannung zwischen uns. Und außerdem sind Pansy und Blaise daran schuld, nicht ich."
"Egal. Küss mich einfach und hör auf zu motzen."
Draco zögerte nicht. Er sah sich auch nicht um, ob jemand sie sehen konnte. Er schnappte Ginny einfach an ihrem Arm und zog sie für einen atemraubenden, leidenschaftlichen Kuss zu sich. Als seine Lippen auf ihre trafen, war es ihm egal, ob jemand sie sehen konnte. Es war ihm egal, dass die ganze Schule darüber tratschen und sein Vater wütend werden würde. Alles, was zählte, war dass er endlich Ginny küssen konnte. Er liebte das Gefühl ihrer warmen Lippen an seinen. Er hatte noch nie zuvor jemanden so geküsst wie Ginny, und er wusste, dass er bei niemandem sonst das selbe spüren konnte. Kein Kuss konnte mit Ginnys Kuss standhalten.
"Wir sollten gehen", sagte Ginny, als sie sich schließlich von einander trennten.
"Bleiben wir hier", flüsterte Draco ihr heiser ins Ohr. Er leckte mit seiner Zunge über ihre Ohrmuschel und brachte Ginny zum Zittern.
"Hier? In diesem Gässchen? Wie romantisch!", sagte Ginny voll Sarkasmus und begann zurückzugehen.
"Können wir endlich gehen?", fragte Pansy mit einem Grinsen, als sie Ginny und Draco aus der Gasse kommen sah. Bei beiden war das Haar zerzaust, die Wangen gerötet und die Lippen vom Küssen geschwollen.
"Ja, komm schon, Blaise", sagte Ginny und warf Pansy einen schnellen Blick zu. "Wir sehen uns in einer Stunde!", rief sie zurück und begann, die Straße entlang zu gehen.
Ginny und Blaise gingen ein paar Minuten in völliger Stille. Sie betraten ein paar Geschäfte und sahen sich ein wenig um, fanden aber nichts, das sich gelohnt hätte, es zu kaufen. Ginny hatte immer noch keine Ahnung, was sie Draco kaufen sollte, und sie wusste, dass wenn sie Blaise nicht bald fragen würde, ihre Zeit um war und sie nichts für ihn hätte.
"Blaise?"
"Mmmm?"
"Ich weiß nicht, was ich Draco kaufen soll", sagte Ginny aufrichtig.
"Willkommen im Club."
"Was meinst du damit?"
"Es ist schwer, ihm etwas zu schenken. Pansy und ich haben schon monatelang im Voraus überlegt", sagte Blaise und klang dabei ein wenig bitter.
"Das ist einfach großartig. Was soll ich bloß machen? Ich habe keine Ahnung, was ihm gefällt, und ich will ihm nichts kaufen, das er nicht mag", sagte Ginny frustriert und sie betraten ein neues Geschäft.
"Ihm wird alles gefallen, das du ihm schenkst." Ginny warf Blaise einen Blick zu, der in etwa so viel bedeutete wie: Hör mit diesem Unsinn auf! "Gib mir eine Minute Zeit, dann versuche ich, mir etwas einfallen zu lassen."
Fünfzehn Minuten später verließen Ginny und Blaise den Laden wieder. Blaise hatte ein Geschenk für Pansy gefunden und Ginny hatte mit seiner Hilfe ein Geschenk für Draco gekauft. Ginny war sich nicht ganz sicher, was sie da für Draco besorgt hatte, aber Blaise meinte, es würde ihm wenigstens ein bisschen gefallen.
"Wir müssen uns beeilen, wir sind schon zehn Minuten zu spät dran und du kennst doch Draco", sagte Blaise und er beschleunigte seine Schritte die Straße entlang.
Ginny nickte und sie begann, ebenfalls schneller zu laufen. Fünf Minuten später kamen sie vor den Drei Besen an und begegneten einem ziemlich angepisst aussehenden Draco.
"Ihr seid zu spät", sagte er geradeheraus.
"Gratuliere, du kannst schon die Uhrzeit ablesen!", sagte Blaise und klatschte in die Hände wie ein Vater, dessen kleines Kind gerade seine ersten Schritte gemacht hatte.
"Wir sind nur ein klein wenig zu spät. Wir sollten gehen", sagte Ginny und drehte sich zu Pansy. "Wir sehen uns in einer Stunde, Draco!", rief sie zurück.
Sie drehte den Kopf, um zurückzublicken, und sah, dass Draco sie böse anstarrte. Ginny grinste bloß und lief mit Pansy weiter. Pansy und Ginny liefen durch das Dorf und unterheilten sich über das, was Ginny für Draco besorgt hatte und was sie Blaise kaufen wollte. Ginny erwähnte, dass sie auch keine Ahnung hatte, was Blaise gut gefallen könnte, aber Pansy half ihr weiter, indem sie ihr sagte, dass ihnen die selben Sachen wie Fred und George gefielen. Eine Stunde später hatte Pansy ihre Geschenke für Blaise und Draco und Ginny hatte ihre Geschenke für Blaise, Draco und die Zwillinge.
Sie gingen zurück zu den Drei Besen und teilten sich dann wieder auf. Der Spaziergang mit Draco war zugleich angenehm und angespannt. Ginny liebte es, dass sie Draco zumindest nahe war, aber sie hasste es auch, dass sie ihn nicht einmal berühren konnte, denn die Straßen waren voller Schüler. Sie konnte sagen, dass es Draco genauso erging, und beide versuchten sie, die Situation aufzulockern, indem sie darüber sprachen, was die Zwillinge wohl für die Weihnachtsfeier ausheckten.
Eineinhalb Stunden später hatte Draco all seine Geschenke beisammen, inklusive für die Zwillinge, und Ginny hatte ebenfalls all ihre Geschenke. Sie gingen zurück, um sich mit Pansy und Blaise zu treffen, und Draco versuchte immer wieder, in Ginnys Einkaufstaschen nachzusehen, was sie ihm gekauft hatte. Er benahm sich wie ein kleiner Junge! Diese Seite an ihm bekam Ginny eher selten zu sehen, und sie war überrascht, dass Draco sie ihr und auch der halben Schule, die auf den Straßen unterwegs war, zeigte.
Sie trafen sich mit Blaise und Pansy und Draco versuchte weiterhin, Ginny die Taschen zu entlocken, und nachdem er sicher gegangen war, dass alle vier ihre Einkäufe erledigt hatten, gingen sie dorthin zurück, wo die Kutschen auf sie warteten. Einige Kutschen standen leer, also nahmen Ginny und Draco eine eigene und Pansy und Blaise stiegen in die nächste. Sie meinten, wegen all ihrer Einkaufstüten bräuchten sie eine eigene Kutsche, und die anderen würden sicher spionieren wollen, aber sie wussten alle, dass Ginny und Draco einfach ein wenig Zeit allein verbringen wollten.
