21. Die Sluggische Erinnerung


Nach ihrem ernüchternden Gespräch mit Scrimgeour ging Weihnachten auch nicht besser weiter. Der Minister humpelte in die Ferne davon, und wenig später stürmte Percy erbost und mit einer von Essensresten bedeckten Brille aus dem Fuchsbau und schien vorzuhaben ihm zu folgen. „Percy!", rief Harriet, „Renn doch nicht gleich weg! Sie meinen es nicht so!" Sie hatte die Zwillinge als diejenigen in Verdachte, die ihren Bruder mit Essen beworfen hatten, aber wer auch immer es gewesen war, er sorgte nicht gerade für mehr Weihnachtsfriede, eher für weniger.

„Wozu bleiben? Bei diesen … Leuten! Die nicht verstehen, wie ernst die Lage ist!", keuchte Percy. Harriet beneidete sie darum ein wenig, wenn sie ehrlich war. Es wäre ihr lieber gewesen ebenfalls nicht zu wissen, wie ernst die Lage wirklich war. Sie vermisste die Zeiten, als sie zu dieser Personengruppe gehört hatte. „Fudge hat nicht mehr das Sagen. Warum versöhnst du dich nicht einfach mit allen?", wollte sie wissen.

„Weil deswegen noch lange nicht alle auf derselben Seite stehen", belehrte er sie, „Was das hier bewiesen hat. In Krisenzeiten muss man sich auf seine Regierung verlassen und kann nicht einfach eine eigene Gegenregierung bilden."

„Aber das tut hier doch keiner", argumentierte Harriet.

„Wirklich nicht? Stellt hier etwa nicht jeder Dumbledores Wort über das Wort von gewählten Vertretern? Stellst du es nicht darüber? Der Minister hat mir gesagt, du wüsstest nicht, ob du ihm vertrauen kannst. Aber wieso denkst du eigentlich, dass du Dumbledore vertrauen kannst?", wollte Percy wissen.

Diese Frage überrumpelte Harriet einen Moment lang. „Nun, weil …. Immerhin hat er mich beschützt, seit sich ein Jahr alt bin", erklärte sie dann schwach. „Und was denkst du, was Scrimgeour, der ehemalige Vorstand für magische Strafverfolgung und momentane Zaubereiminister in all der Zeit getan hat? Dass er daneben gesessen ist und Dumbledores Tun stumm zugesehen hat? Denk darüber nach. Frohes Fest!" Und stapfte er schon davon, folgte den Fußstapfen des Ministers.

Harriet kehrte in den Fuchsbau zurück, in dem Arthur und Bill gerade versuchten eine verzweifelt schluchzende Molly zu beruhigen. „Nun wird er nie wieder hierher kommen!", jammerte sie.

„Ist doch auch besser so", meinte Ron, woraufhin seine Mutter erst recht in Tränen ausbrach. Nun damit ist Weihnachten wohl vorbei, dachte Harriet und nahm es Remus nicht mal übel, dass er sich in der Folge so schnell er konnte davon machte. Sie wünschte, sie hätte es ihm gleich tun können. Sirius schien zumindest vorzuhaben zu bleiben. Aber er musterte sie misstrauisch.

„Was wollte Scrimgeour von dir?", wollte er wissen.

„Ach, nur reden", erwiderte sie möglichst unschuldig. „Nur reden. Nicht zum erste Mal, ja? Moony hat da so was fallen lassen", meinte ihr Pate dazu. Verdammter Verräter. Die Rumtreiber halten also immer zusammen und alle anderen bleiben auf der Strecke, wie?, dachte sie, war aber nicht wirklich wütend. Vermutlich wäre es so oder so irgendwann herausgekommen. „Nun, wir reden eben manchmal miteinander", sagte sie schließlich.

„Und danach hat meine Verhandlung auf einmal eine ganz andere Richtung eingeschlagen, nehme ich an. Verdammt, Harry, was hast du ihm versprochen?", wollte der dunkelhaarige Mann voller Sorge wissen.

„Nichts. Ich habe ihn nur gesagt, dass er mir beweisen soll, dass wir auf derselben Seite stehen. Das ist alles. Er war vorher nur so streng zu dir, weil er mich dazu bringen wollte mit ihm zu reden. Das ist alles", erklärte sie abwehrend.

„Ach. Und das ist so viel besser?!", empörte sich Sirius, „Ich verbiete dir in Zukunft auch nur ein weiteres Wort mit diesem Mann zu wechseln!"

Harriet seufzte. „Das ist nicht so einfach", belehrte sie ihm, „Er ist der Zaubereiminster, und alle denke ich sei die Auserwählte. Und ich bin es ja auch."

Sirius schnaufte. „Du schuldest ihm gar nichts", behauptet er, „Soll er mich ruhig wieder einsperren. Oder es zumindest versuchen! Er wird nicht weit kommen! Diesmal werde ich es ihnen nicht so einfach machen und immer an deiner Seite bleiben!"

Harriet schüttelte den Kopf. „Ich will keinen Krieg mit dem Ministerium. Wir haben bereits einen Gegner, einen gemeinsamen Feind, wozu uns untereinander bekriegen? Ich komme schon klar mit dem Minister, du musst dir wirklich keine Sorge um mich machen." Zumindest nicht deswegen. „Und im Übrigen hättest du dir mit 16 verschreiben lassen, mit wem du reden darfst und mit wem nicht?"

Sirius seufzte. „Nein, ich bin unter anderem deswegen von zu Hause weggelaufen", gab er zu. Dann seufzte er. „Kein Wunder, dass du nicht mit mir leben willst. Ich werde immer mehr wie meine Eltern!", erkannte er.

Harriet unterdrückte ein Seufzen ihrerseits. „Es ist nicht, dass ich nicht mit dir leben möchte, es ist, dass ….", begann sie. „… was klüger ist, schon klar", schnitt ihr Sirius das Wort ab. Aber wieso denkst du eigentlich, dass du Dumbledore vertrauen kannst?, hallte Percys Stimme ungebeten in ihrem Kopf nach. Nein, das habe ich schon hinter mir, ich vertraue Dumbledore, rief sie sich selbst in Erinnerung, Ja, er hat mit Dinge vorenthalten, aber er hat mir inzwischen alles erzählt und teilt selbst seine neuesten Erkenntnisse mit mir.

„Was treibst du eigentlich zur Zeit so?", wechselte sie das Thema, „Für den Orden, meine ich."

Sirius zuckte die Schultern. „Das was mir aufgetragen wird. Und außerdem arbeite ich da an einem eigenen … Projekt", sagte er. Das klang ominös, aber Harriet nahm nicht an, dass sie mehr aus ihm herausbekommen würde, nicht wenn er es nicht wollte, und das war offensichtlich der Fall. „Hör mal, ich will nicht, dass wir uns streiten", erklärte sie dann, „Ich hasse es, wenn wir uns streiten. Ich verspreche dir, dass wir zusammen leben werden, sobald ich siebzehn geworden bin. Das ist nicht mehr so lange hin. Und kaum länger als das Schuljahr."

Sirius sagte darauf einen Moment lang nichts. Dann erklärte er: „Ich hoffe, du hast recht. Es ist nur … ach, auch egal." Aber er musste es nicht aussprechen. Sie wusste auch so, was er sagen wollte, es war das gleiche, was Scrimgeour angedeutet hatte – es herrschte Krieg, und keiner wusste, wie lange der noch dauern würde, und wie viele Opfer er fordern würde. Wer wusste schon, ob sie beide überhaupt noch am Leben waren, wenn Harriet 17 wurde? Wer wusste überhaupt irgendetwas, das die Zukunft bringen würde, in Zeiten wie diesen?


Zurück auf Hogwarts wurde ihre Stimmung auch nicht gerade besser. Am Pinnboard hing eine Ankündigung für Apparationsunterricht, sofern man vor dem 31. August 17 wurde. Der Kurs dauerte zwölf Wochen, kostete 12 Galleonen, und Harriet konnte nicht anders als sich erneut zu fragen, ob es überhaupt sinnvoll war etwas zu erlernen, das sie erst einsetzen würde dürfen, wenn sie vielleicht schon tot war. Aber das waren morbide Gedanken, die ihr nicht weiterhelfen würden. Also verscheuchte sie diese und konsultierte stattdessen die Karte der Rumtreiber und stellte fest, dass Draco wieder einmal nicht auf dieser zu sehen war. Wo steckt er nur andauernd? Wenn es nur einen Weg gäbe herauszufinden, wo er hingeht, wenn er hierauf nicht zu sehen ist…

Dumbledore schien zur Abwechslung mal wieder an der Schule zu sein, da Harriet am ersten Abend nach den Ferien wieder Stunde bei ihm haben würde. Er würde mit Sicherheit auch nichts zu dem, was Snape und Draco miteinander besprochen hatten, zu sagen haben. Das hatte sie im Gefühl.

„Oh, Harriet, schön dich zu sehen", begrüßte er sie.

„Professor", erwiderte sie, „Der Minister ist im Moment nicht sonderlich gut auf Sie zu sprechen, glaube ich."

„Aber er hat dich besucht, wie ich gehört habe. Habt ihr euch einigen können?", gab Dumbledore zurück.

„Nicht wirklich", meinte sie dazu.

„Hat er dich gefragt, wohin ich gehe, wenn ich nicht an der Schule bin?", wollte der Schuldirektor dann wissen.

„Nein, hat er nicht. Ich bin mir sicher, wenn er das wissen möchte, hat er seine eigenen Methoden um es herauszufinden", entgegnete sie.

„In der Tat. Er hat Dawlish damit beauftragt mich zu verfolgen. Das war nicht freundlich von ihm. Mir war nicht wohl dabei Dawlish erneut verfluchen zu müssen, aber mir blieb keine andere Wahl. Vielleicht hat der Minister ja daraus gelernt", erklärte Dumbledore reuevoll und schüttelte traurig den Kopf, „Leider lernen die meisten von uns nur sehr langsam."

Er deutete auf das Denkarium. „Andere erstaunlich schnell. Als der junge Tom Riddle Hogwarts erreichte, war er wie ausgewechselt. Ein stiller höflicher Junge, sehr wissbegierig und sehr talentiert. Ein hübscher Waisenjunge. Der Lehrkörper war begeistert von ihm. Ich sah keinen Grund seine unrühmliche Vergangenheit als Dieb und Mobber bei den anderen anzusprechen, jeder verdient eine zweite Chance, und allem Anschein nach nutzte Tom seine. Nie kam mir zu Ohren, dass er Mitschüler gequält hätte. Er wurde vom Hut praktisch sofort für Slytherin eingeteilt. Dort dürfte er eher bald erfahren haben, dass der Begründer seines Hauses so wie er Parsel sprechen konnte. Hier fand er vermutlich bald mehr über sich selbst heraus als jemals zuvor, aber zwischen uns herrschte immer eine gewisse Kälte. Vielleicht hat er mir nie verziehen, dass ich ihn im Waisenhaus gedemütigt haben, oder einfach nur die Tatsache, dass ich ihn dort gekannt habe. Auf jeden Fall wusste er es besser als jemals zu versuchen mich mit seinem berühmten Charme einzuwickeln, anders als im Fall der meisten meiner Kollegen. Du warst in Tom Riddles Tagebuch, du erinnerst dich daran, wie er als Teenager war."

Harriet erinnerte sich nur zu gut, auch wenn sie wünschte, es wäre nicht so. Tom Riddles Charme. Ginny war ihm verfallen, und sie genauso. „Im Laufe der Zeit sammelte Tom eine Gruppe Bewunderer um sich, die ich – da mir ein besseres Wort dafür fehlt – als seine Freunde bezeichnen würde. In Wahrheit empfand er für niemanden von ihnen Zuneigung, da bin ich mir sehr sicher. Es war eine gemischte Gruppe: Manche von ihnen suchten Schutz vor Stärkeren, manche nach Ruhm, andere waren auf der Suche nach einem Weg ihre grausame Ader indirekter und damit effizienter einzusetzen. Diese Gruppe waren die ersten Proto-Todesesser, manche von ihnen wurden später auch zu echten Todesessern. In den sieben Jahren, die sie hier an dieser Schule verbrachten, konnte ihnen niemals etwas vorgeworfen werden, obwohl es Zwischenfälle gab. Furchtbare Zwischenfälle- am bemerkenswertesten das Öffnen der Kammer des Schreckens – konnte keiner davon jemals mit Tom Riddle und seinen Bewunderern in Verbindung gebracht werden. Meistens fiel die Schuld anderen zu, wie im Fall der Kammer Hagrid."

Er legte eine Kunstpause ein. „Es ist mir nicht leicht gefallen Erinnerungen aus Toms Zeit aus Hogwarts zu erwerben. Die meisten, die ihn kannten, waren nicht bereit über ihn zu sprechen. Zu viel Angst. Das meiste konnte ich erst in der Zeit, nachdem er die Schuler bereits verlassen hatte, in Erfahrung bringen – und nicht alle Methoden, die ich verwendet habe um Zeugen zu befragen, würdest du als ehrenhaft bezeichnen. Was ich herausfinden konnte, war, dass er von der Identität seinen Eltern besessen war. Er wollte unbedingt herausfinde, wer sie waren. Er war ein Waisenkind, das war nur zu verständlich. Er durchsuchte sämtliche Aufzeichnungen Hogwarts nach einem Tom Riddle Senior, bis er einsehen musste, dass sein Vater niemals einen Fuß in die Schule gesetzt hatte. Ich glaube, das war der Zeitpunkt, an dem er beschloss den Namen Riddle aufzugeben und sich Lord Voldemort zu nennen. Als nächstes wandte er sich der Familie seiner Mutter zu, der Frau, die er für zu schwach gehalten hatte, um eine Hexe zu sein. Der einzige Hinweis, den er besaß, war der Name Vorlost. Mit dessen Hilfe entdeckte er schließlich die Blutlinie von Salazar Slytherin und fand die Gaunts. In seinem 16. Lebensjahr verließ er das Waisenhaus, in das er jeden Sommer zurückkehren musste, um seine leibliche Familie zu suchen. …" Dumbldore befüllte das Denkarium mit einer Flasche mit Erinnerungen darin. Erinnerungen in Flaschen … eigentlich krank, wenn man darüber nachdenkt…

Sie betraten das Denkarium und fanden sich in der Hütte der Gaunts wieder. Harriet hätte sie fast nicht wiedererkannt – den Preis für die schönste Einrichtung hätte dieses Haus zwar nie gewonnen, doch nun wirkte es so heruntergekommen, dass man fast nicht glauben konnte, dass jemand darin leben sollte. Spinnweben und Schmutz waren nur die auffälligsten Probleme.

Ein bärtiger Mann mit langem ungepflegten Haar saß vor der Feuerstelle. Es musste Morfin sein, was Harriet aber nur wusste, weil es niemand anderer sein konnte. Dann tauchte der sechzehnjährige Tom Riddle in der Hütte auf. Die beiden Zauberer starrten sich einen Moment lang an. Dann rief Morfin aus: „DU!" und stürzte sich mit Zauberstab und Messer auf Tom. Tom zeigte überhaupt keine Angst. „Stop!", verkündete er nur ruhig in Parsel. Das ließ Morfin einhalten. Er musterte den Jungen vor sich erneut. „Du sprichst es", stellte er fest.

Ja, ich kann es sprechen", gab Tom ihm recht. Harriet fragte sich, ob Morfin wusste, wen er da vor sich hatte, ob er erkannte, dass dies sein Neffe war, das Kind seiner Schwester und deren hübschen Muggels. Tom auf jeden Fall zeigte keine Emotionen außer einem Hauch von Enttäuschung und etwas, das möglicherweise Ekel war. „Wo ist Vorlost?", wollte er wissen.

Tot", erwiderte Morfin trocken. Tom begann nun langsam herauszufinden, wen er vor sich hatte. Er brachte in Erfahrung, dass der Mann Vorlosts Sohn und damit sein Onkel war. Morfin strich sich seine Mähne aus dem Gesicht und beäugte Tom aufmerksamer. Den Gaunt-Ring trug nun er, wie Harriet bemerkte.

Ich dachte du wärst dieser Muggel", gab Morfin zu, „Du siehst diesem Muggel wirklich sehr ähnlich." Harriet hielt den Atem an. Das hier würde böse ausgehen, das spürte sie instinktiv. „Der Muggel in den meine Schwester verliebt war, der drüben im großen Haus lebt. Riddle." Morfin spuckte auf den Boden. Tom war wie erstarrt, was seinem Onkel zu entgehen schien, der erst jetzt bemerkte, dass Tom nur ein Teenager war. „Er ist zurückgekommen, weißt du? Hat sie verlassen, ist ihr aber recht geschehen dafür, dass sie diesen Haufen Dreck geheiratet hat! Und bestohlen hat sie uns auch noch! Wo ist Slytherins Amulett? Mhm, was ist damit geschehen?"

Harriet wurde klar, dass Morfin vielleicht verwirrt war, aber dass er ganz genau wusste, wen er vor sich hatte, und nun mit Genuss die Frucht der Liebe quälte, die er immer verachtet hatte. „Entehrt hat sie uns, die kleine Hure! Und wer denkst du, dass du bist, dass du hierher kommst und Fragen stellst! Es ist vorbei, hörst du! Es ist vorbei!" Er stolperte auf den Jungen zu, geriet dabei aus dem Gleichgewicht, und fiel zu Boden. Tom trat auf ihn zu, wohl um ihn aufzufangen, doch dann … wurde alles finster.

Dumbledore umfasste ihre Hand und zerrte sie zurück in die wirkliche Welt. „Was ist passiert?", wollte Harriet wissen, „Wieso war es einfach vorbei? War das ein Filmriss?"

„Ein guter Vergleicht, Harriet", lobte sie Dumbledore, „Morfin fehlt jede Erinnerung an das, was nach diesem Moment passiert ist. Er wachte am nächsten Morgen auf. Alleine. Und der Gaunt-Ring war verschwunden." Nun der Apfel fiel nicht weit vom Stamm was die Neigung zum Diebstahl anging, wie es schien.

„Unterdessen war in Little Hangleton die Hölle los. Es hatte einen Dreifachmord gegeben: An Tom Riddle Senior und seinen Eltern. Die Muggle-Polizei konnte keine Todesursache feststellen. Der Avada Kedavra hinterlässt normalerweise keine Spuren, wie du weißt. Das Ministerium hingegen nahm den einzigen Verdächtigen fest: Einen bekannten Muggel-Hasser, der noch dazu kaum, dass man ihn aufsuchte, alles bis ins kleinste Detail gestand. Er gab mit seinen Taten an, war stolz darauf die verhassten Muggel endlich getötet zu haben. Er übergab nur zu bereitwillig seinen Zauberstab, mit dem die Riddles getötet worden waren. Und ließ sich ohne Widerstand abführen. Das einzige, das ihn zu beschäftigen schien, war der Verlust des Rings. Er wird mich dafür umbringen, dass ich ihn verloren habe, war alles, was er in der Folge noch zu sagen hatte, wieder und wieder. Morfin verbrachte den Rest seines Lebens in Askaban, alleine und vergessen."

Harriet dachte darüber nach. „Imperius?", vermutete sie.

„Ja, aber nur für das Geständnis. Opfer des Imperius erinnern sich an ihre Taten. Morfin erinnerte sich nicht. Sein Neffe hatte ihn außer Gefecht gesetzt und die Morde mit dem Zauberstab seines Onkels begangen. Danach kehrte er zurück, implantierte falsche Erinnerungen in Morfins Gedächtnis, nahm den Ring an sich, und verschwand. Durch Morfins Geständnis und seine Vorgeschichte zweifelte keiner an seiner Version. Selbst mir gelang es nur mit viel Mühe diese Erinnerung aus dem Geist des sterbenden Morfins zu extrahieren. Nachdem ich sie mir angesehen hatte, wollte ich veranlassen, dass Morfin freigelassen werden würde, doch da war es bereits zu spät."

Harriet schüttelte den Kopf. „Das Ministerium sollte langsam mal wirklich eine Methode entwickeln um festzustellen, wer einen gewissen Zauber gewirkt hat, und nicht nur wo einer mit welchem Zauberstab gewirkt wurde", meinte sie bitter. Ihres Dafürhaltens nach funktionierte das Rechtssystem der Zaubererwelt überhaupt nicht. Und zwar genau deswegen.

„Ich habe heute noch eine weitere Erinnerung für dich", erklärte Dumbledore, „Nach dir."

Sie kehrten ins Denkarium zurück. Und wurden dort von einem bedeutend jüngeren Slughorn erwartet (er hatte noch Haare und zwar einige, und ein Unfall von einem Schnurrbart zierte sein Gesicht), der offenbar gerade ein Slug Club-Treffen abhielt. Er saß ein einem gemütlichen Lehnsessel, hatte seine Füße hochgelegt, trank Wein und aß Gelantine-Ananas-Stücke, und war von einem Haufen bewundernder Schüler umgeben – unter ihnen auch Tom Riddle, der bereits den Ring der Gaunts am Finger trug.

Tom erkundigte sich danach, ob es wahr wäre, dass Professor Merryweather in Pension gehen würde. „Tom, Tom, wenn ich das wüsste, könnte ich es dir auch nicht sagen", meinte Slughorn mit gespieltem Tadel und zwinkerte Tom zu, „Ich würde gerne mal wissen, wo du immer deine Informationen herbekommst. Du weißt mehr als die Hälfte des Lehrkörpers. Du mit deiner einzigartigen Fähigkeit Dinge zu wissen, von denen du keine Ahnung haben solltest, und deiner andauernden Einschmeichelei bei den richtigen Leuten – danke übrigens für die Ananas, du hattest recht, es ist meine Lieblingssorte-"

Die anderen Jungen glühten Tom mit eindeutiger Heldenverehrung an, während andere lachten, und dann schien auf einmal der ganze Raum erfüllt zu sein von weißem Nebel und eine Stimme aus dem Off, die sich verdächtig anhörte wie die von Slughorn, verkündete: „-wird dich noch eines Tages auf den falschen Weg führen, merk dir meine Worte, Junge!"

Der Nebel verschwand so plötzlich, wie er gekommen war, und die Erinnerung ging normal weiter. Slughorns Wecker erinnerte ihn an die Zeit, und er wollte die Jungen ins Bett schicken. Die meisten machten sich davon, doch Tom blieb. Als Slughorn sich ihm zuwandte, meinte Tom: „Sir, ich wollte Sie noch etwas fragen…."

Slughorn forderte ihn auf fortzufahren. Tom lehnte sich verschwörerisch in seine Richtung und sagte: „Sir, ich habe mich gefragt, was Sie über … Horcruxe wissen?"

Der Nebel war zurück, und diesmal konnte Harriet gar nichts mehr sehen und Slughorns Stimme brüllte: „Ich weiß nichts über Horcruxe, und wenn ich etwas wüsste, dann würde ich es dir nicht sagen! Und jetzt verschwinde von hier, und lass mich dich nicht noch einmal dabei erwischen, wie du danach fragst!"

Dumbledore legte der perplexen Harriet seine Hand auf die Schulter, und sie fanden sich seinem Büro wieder. „Was bitte war das denn?", wunderte sich Harriet.

„Nun, wie dir aufgefallen ist, wurde diese Erinnerung manipuliert", erklärte Dumbledore.

„So was geht?!", wunderte sich Harriet.

„Wenn man ein so geübter Zauberer ist wie Professor Slughorn, dann ist es möglich ja. Siehst du, wenn jemand über etwas, das er getan hat, verzweifelt genug ist, sich dessen genug schämt, dann ist er bereit alles zu tun um die Welt und sich selbst vergessen zu lassen, dass es jemals geschehen ist", meinte der Schuldirektor dazu, „Jetzt weißt du aber, warum ich wollte, dass du Professor Slughorns Zuneigung gewinnst. Ich will, dass du ihn überredest die wahre Version dieser Erinnerung freiwillig mit uns zu teilen. Ich glaube, dass das, was er Tom Riddle in jener Nacht über Horcruxe erzählt hat, genau die Information zu Tage fördern wird, die wir brauchen: Die Anzahl der Horcruxe, die Voldemort erschaffen hat."


A/N: Ugh, diese ganze Expositions-Kapitel sind wirklich anstrengend zum Schreiben. (zum Glück gibt es nur noch ein weiteres von denen).

Reviews?