Auch wenn es nicht ganz 150 geworden sind – ich habe mich so sehr über Eure Reviews gefreut, und darüber, dass auch „Neue" hinzugekommen sind, dass es jetzt heute das nächste Kapitel gibt! Ich hoffe, es gefällt Euch!
(Achtung Insider: auch wenn Kira es nicht vermissen würde ...)
Wie immer danke ich besonders meiner Beta Callista Evans!
Die Antworten auf Eure Reviews und Mails kommen heute und morgen noch!
Lass´ uns leben – Marius Müller - Westernhagen
Draco und Hermine kochten wie jeden Abend.
Hermine hatte auf dem Nachhauseweg eingekauft, die Speisen ausgebreitet und eine Flasche Wein geöffnet – trockenen, schweren Rotwein, so dass sie gleich beginnen konnten, als ihr Freund nach Hause kam.
Hermine bereitete die Salatsauce vor und schnitt konzentriert Zwiebel.
Eher beiläufig begann sie zu erzählen. „Ginny hat eine Eule geschickt. Es geht ihr gut."
Draco schüttelte den Kopf. „Trotzdem gehört das zu den Dingen, die ich nicht begreifen kann. Eine normale, halbwegs gutaussehende Frau, die mit Severus zusammenleben will".
„Sie hat mich zur Taufe des Kleinen eingeladen ..." Hermine sah ihn an. „Ich soll meinen Freund mitbringen."
Kurzes Schweigen.
„Hast du schon geantwortet?"
Hermine zuckte die Schultern. „Nein, noch nicht - nicht, ohne mit dir zu reden. Ich dachte aber, ich kann mich ja notfalls darauf berufen, dass Muggel nicht nach Hogwarts dürfen. Und ich kann auf die vielen Treppen hinweisen. Ginny wird zwar enttäuscht sein, sie ist doch neugierig auf meinen ,Neuen´ ... Au!" Sie hatte sich nicht auf die Zwiebeln konzentriert, und machte eine Pause, weil sie sich in den Daumen geschnitten hatte.
„Außerdem hat sie mich gefragt, ob wir nicht die Paten sein wollen."
Nach einer kurzen Pause erwiderte Draco: „Ohne mich zu kennen?" – „Mhm. Sie wollten gerne ein Paar haben ... und sie wollen mich und scheinen auf meinen Geschmack zu vertrauen."
Dracos ganze Konzentration galt dem Wickeln der Rouladen. „Harry kommt auch zur Taufe?" - „Ja, natürlich ..." – „Hat er dich noch einmal auf Albus und meinen Vater angesprochen?" Seine Stimme klang so beiläufig, als sei es die unwichtigste Nebensache der Welt.
„Nein, nicht mehr. Er scheint deine Einstellung voll und ganz zu akzeptieren."
Nie wurde eine Roulade mit so viel Konzentration in den Kochtopf versenkt wie diese.
Minuten später. „Es lässt dich nicht mehr los, seit Harry da war. Ich weiß es, du träumst davon." Draco sah auf und musste lachen: „Habe ich mal wieder im Schlaf geredet?" Hermine nickte.
„Aber was fühlst du wirklich? Was planst du?" – „Herm, ich kann dich und das Baby nicht gefährden. Ihr seid mir zu kostbar." – „Du sollst uns ja auch nicht gefährden. Und du sollst vor allem auch nicht dich selber gefährden. Ich lege nämlich Wert darauf, dass unser Kind mit seinem Vater aufwachsen kann." Draco nickte: „Dann ist doch alles klar, oder?"
Sie wechselten das Thema, redeten über Belanglosigkeiten.
Erst abends, im Bett und im Dunklen begann Hermine noch einmal. „Aber ich habe Angst, dass du dich nicht gut fühlst bei der momentanen Lösung. Als wir uns wieder getroffen haben, hattest du mit dem Thema abgeschlossen. Mit deiner Vergangenheit. Aber jetzt ... durch unsere Beziehung hast du wieder mehr Kontakt zur magischen Welt, als du jemals wolltest."
Draco schwieg, als Hermine fortfuhr, aber sie spürte, wie er sich innerlich anspannte. „Und ich habe das Gefühl, dass doch noch eine offene Rechnung zu begleichen ist, mh? Ich meine, mir ist wichtig, dass du dich wohl fühlst, egal wie. Ich habe auch keine Probleme damit, alleine nach Hogwarts zu fahren und dich weiter von allen zu separieren. Aber ich habe nicht das Gefühl, als ob dir diese Vorstellung so gut gefällt."
„Hermine ..." nach einer langen Pause, in der seine Frau bereits dachte, er sei eingeschlafen, begann Draco doch noch zu sprechen. „Spätestens in elf Jahren werde ich mich diesem Problem doch stellen müssen. Oder denkst du etwa, unser Kind – Nachwuchs von Granger und Malfoy – wird eine Squib? Selbst wenn ich mir das mittlerweile sogar selber wünschen würde, ich kann es mir nicht vorstellen. Malfoys sind seit Hunderten von Jahren Slytherins, und du bist die beste und intelligenteste Hexe seit langer, langer Zeit ... Was sollen wir tun? Unser Kind anlügen, und hoffen, dass kein Brief kommt an seinem elften Geburtstag? Würdest du das für fair erachten? Und: Seit Harry Bescheid weiß, fühle ich mich ... wohler. Ich weiß nicht, warum. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich, glaube ich, gar nicht realisiert, wie sehr die Zaubererwelt mir fehlt ... Wie groß die Lüge ist, mit der ich lebe, wie weit ich doch vor mir selber geflohen bin ... Ich weiß es, seit wir zusammen leben, aber seit dem Treffen mit Potter kann ich es auch vor mir selber eingestehen."
Hermine rutschte näher an ihren Geliebten heran, suchte größtmöglichen Kontakt: „Und?"
Draco zog sie noch weiter an sich heran: „Vielleicht ... wenn es dir nichts ausmacht ... kannst du mit Severus reden? Bitte! Ich selber ... ich weiß nicht, wie ich ..." – Hermine lachte und nickte in der Dunkelheit. „Natürlich, wenn du das willst, kann ich es tun."
Am folgenden Tag flogen viele kleine Eulen durch die Welt und über den Ozean. Hermine fragte, ob sie kurz nach Hogwarts kommen könne, und noch am folgenden Abend machte sie sich auf den Weg zu Ginny.
Sie erschien gegen Abend im Kamin, als Ginny gerade das Abendessen abräumte.
Ginny fiel ihrer Freundin um den Hals: „Schön, dass du da bist! Was wolltest du denn so dringend besprechen? Du machst doch den Paten für Ron junior, oder?"
Hermine begrüßte die Freunde, lachte und wartete, bis Ginny in ihrem Redesturm Luft holen musste.
Sie nahm Platz; Severus hatte ihr mit einer kleinen Handbewegung ohne weiteren Kommentar und ohne Ginnys Begeisterung zu unterbrechen einen Sessel vor dem Kamin angeboten und ihr schweigend eine Tasse ihres Lieblingstees serviert.
„Ja - nein. Also: Natürlich mache ich den Paten, wenn ihr das gerne wollt." – „Und dein Freund? Ich meine, wir müssen ihn doch endlich irgendwann einmal kennen lernen, oder? Ich meine, du bist mittlerweile schwanger, ihr wollt heiraten, und ..."
Severus unterbrach nun doch seine Frau, die Hermine gerade völlig an die Wand redete. „Hermine, Ginny hätte gerne euch beide als Paten. Ich denke, wir sollten vielleicht den potentiellen Paten unseres Sohnes erst einmal kennen lernen, auch wenn ich die Idee grundsätzlich gut finde. Ginny hat erzählt, dass er ein Muggel ist – gut, damit kann ich mich abfinden, und für die Taufe werde ich eine Sondergenehmigung für den Aufenthalt in Hogwarts erwirken können. Ginny hat auch sonst ein wenig ... über ihn erzählt. Aber sehr viel weiß sie auch nicht, also denke ich, dass wir ihn erst einmal kennen lernen sollten."
Endlich schaffte es Hermine, sich Gehör zu verschaffen. „Das ist ... alles sehr nett von euch.
Aber ich muss trotzdem noch etwas dazu sagen. Vielleicht ... ist es nicht so schwierig, wie ihr denkt. Aber es ist vielleicht doch ... viel schwieriger. Er ist kein Muggel."
Sie sah ihrer Freundin in die Augen. „Kein Muggel? Aber du hast doch gesagt ..." – „Alles andere, was ich gesagt habe, stimmt auch. Es ist mein Chef, er hat den Verlag, in dem ich arbeite, aufgekauft, und ich habe mich in ihn verliebt. Aber er ist kein Muggel!"
Severus mischte sich wieder in das Gespräch ein. „Und warum kauft er einen Muggelverlag? Warum hast du zuerst behauptet, er sei ein Muggel?" – Hermine sah nun ihrem ehemaligen Lehrer in die Augen. Er hatte sehr an seinem Patenkind gehangen, er war jahrelang davon ausgegangen, dass Draco gestorben war. Wie würde er auf die Lüge reagieren?
„Er hatte den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen, weil er noch von den letzten Todessern gesucht wird. Deshalb lebt er unter Muggeln."
Ginny unterbrach sie. „Das klingt ja interessant. Und wann hast du erfahren, dass ihr beide Zauberer seid? Wann habt ihr beide euch als Magier erkannt?"
Hermine holte noch einmal tief Luft, und sah ihrem ehemaligen Lehrer für Zaubertränke fest in die Augen, als sie leise fortfuhr, Ginnys Frage zu beantworten, „Ich habe ihn sofort als Magier erkannt. Sofort ... Severus! Weil ich nie, nie aufgehört hatte, ihn zu lieben. Seit meinem sechzehnten Lebensjahr."
Severus starrte sie verständnislos an. „Wen hast du geliebt?" ... Bis ein atemloses Keuchen von Ginnys Sessel kam: „Malfoy?"
Hermine löste ihren Blick nicht von Severus, als sie nickte.
Sekunden passierte nichts.
Dann wurde ihr Gegenüber leichenblass. Von einem Moment auf den nächsten.
Severus Snape sprang auf, packte Hermine bei den Schultern und zischte: „Draco Malfoy ist tot. Draco ist vor über elf Jahren gestorben ..."
Hermine kämpfte nicht gegen die schmerzhaft in ihre Schultern verkrampften Hände an, sondern redete eindringlich auf den Paten ihres Mannes ein.
„Severus. Draco Malfoy lebt, er lebt und wünscht sich nichts mehr, als Pate deines Sohnes zu werden ..." Sekunden zögerte Severus, bis er die Bedeutung dieses Satzes begriffen hatte.
Dann ließ er die Schultern Hermines so plötzlich los, dass sie fast den Halt verlor, fuhr sich fahrig mit der Hand über das Gesicht, nur um dann Hermine beim Arm zu packen und mit sich zu ziehen.
„Ich glaube es nicht. Ich muss ... ich muss ihn sehen. Sofort!" Das letzte Wort schrie Snape, als er Hermine schon hinter sich her Richtung Kamin zog.
Mit einem Knall landeten sie in mitten des Zimmers – Draco hatte lesend vor dem Kamin gesessen und auf Hermines Rückkehr gewartet.
Ob er damit gerechnet hatte, dass sein Pate vor ihm stehen würde ... er wusste es nicht, er hatte es nicht wissen wollen.
Eine kurze Ewigkeit starrten sich die beiden Männer durch das Zimmer hinweg an.
Sie musterten sich, beide um mehr als zehn Jahre älter ...
Der in eine schwarze Robe gekleidete, ältere Mann, der Lehrer, der Pate – und der junge, blonde, in Muggelmanier gekleidete junge Mann im Rollstuhl, ihm gegenüber ...
Schwarze Augen trafen graue ...
„Warum hast du nichts gesagt ... Warum hast du nie ..." Heiser stellte Snape die Frage in den Raum hinein.
„Ich... konnte doch nicht. Wenn Lucius irgendwie ..." Weiter kam Draco nicht. Severus Snape erstickte ihn fast in der Umarmung.
Sekunden später ließ er ihn wieder los, nun wieder wütend und schreiend.
„Du weißt, dass ich dich vermisst habe! Und du weißt, dass ich dich nicht verraten hätte! Hast du so wenig Vertrauen zu mir ...?" Draco sah ihn nur ruhig an. Sah ihm zu, wie er wütend im Zimmer auf- und abstürmte.
Sein Pate hatte sich nicht im Geringsten verändert ...
Er ließ ihn austoben. Wartete, bis Severus Snape fertig war.
Eine kurze Stille folgte ...
„Severus, du weißt, wie sehr du mir gefehlt hast. Aber jeder Versuch, nach England oder nach Hogwarts zu kommen, hätte ein nicht zu verantwortendes Risiko dargestellt ..."
Severus sah ihn an. Schwieg. Dann nickte er.
Hermine verließ den Raum, ließ die beiden Männer alleine.
Sie ging eine halbe Stunde später zu Bett und sagte nur kurz den beiden im Gespräch vertieften Männern Bescheid.
Nachts erwachte sie, als ihr Mann zu ihr ins Bett kam.
Als er das Licht gelöscht hatte, rutschte sie näher zu ihm.
„Es ist alles gut. Vielen Dank, mein Schatz! Danke."
Sie küsste ihm leicht die Schulter.
„Er ... hat auch über meinen Vater geredet. Hat mir zugeredet, die ... Verhältnisse zu klären. Aber, dass er nichts davon hält, dass ich als Muggel lebe, war mir eigentlich von vorneherein klar ..."
„Und was hast du geantwortet?"
"Ich habe gesagt, wir überlegen es uns ..."
Im Einschlafen murmelte Draco noch an ihr Haar gedrückt ...
„Und die Patenschaft für seinen Sohn übernehmen wir natürlich auf jeden Fall."
Wollt Ihr mehr davon?
Schreibt es mir ...!
