Ja, hallo erstmal. Ich denke, es ist eine kleine Beichte angebracht: Ich habe sozusagen meine Besessenheit mit Casting Moonshadows verloren. Das heißt, ich mag es noch immer, aber mein wahrer Fandom ist jetzt etwas anderes. My heart isn't in it anymore, kann man sagen. Trotzdem kann ich das hier nicht mit einem so furchtbaren Kapitel wie Nummer 20 beenden, und da dieses hier schon fast fertig auf meinem Computer gespeichert war, habe ich es vervollständigt und hochgeladen. Auch Kapitel 22 habe ich vor langer Zeit angefangen – vielleicht habe ich irgendwann noch die Zeit, dass auch noch fertig zu machen. Ich hoffe, ihr vergebt mir :( Ich hatte solche Obsessionen schon immer nur für etwa ein Jahr, und irgendwann ist es ganz plötzlich vorbei, und man fragt sich, habe ich wirklich fast 130 Stunden meines Lebens damit verbracht, eine Fanfiction zu übersetzen?
Wie auch immer. Kapitel 21 gibt es noch, und vielleicht kommt 22 auch noch. Wie ihr wisst gehört alles JK Rowling und Moonsign.
21. Finding Remus (Die Rettung)
Freunde sind die Familie, die wir uns selbst aussuchen.
(Edna Buchanan)
SIRIUS:
Als die Schuleule mit Remus' unberührten und ungelesenen Brief zurückkehrte, wusste Sirius, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Entweder hatte Remus die Eule komplett ignoriert - was unwahrscheinlich war, da sie ihr aufgetragen hatten, solange auf ihn einzupicken, bis er den Brief abnahm und las - oder sie hatte ihn nicht erreichen können.
„Was machen wir jetzt?", fragte James und starrte auf den ungeöffneten Brief auf dem Gryffindortisch vor ihm.
„Gehen und es McGonagall sagen," sagte Sirius. „Sehen, ob sie etwas tun kann. Gibt es schon was von den Anders?"
James schüttelte den Kopf. „Es sind jetzt schon fast zwei Wochen. Warum hat er nicht geantwortet?"
Sirius zuckte die Achseln, er fühlte sich erschlagen. „Lasst uns nach dem Frühstück zu McGonagall gehen."
„Was wird sie machen können?", fragte Peter. „Ich dachte, sie hätte gesagt, dass sie auch nichts unternehmen kann?"
„Wir müssen doch irgendetwas tun!", platzte Sirius heraus. „Er könnte Schmerzen haben und wir sitzen hier einfach nur rum! In zwei Tagen ist Weihnachten. Ich wollte ihm mein Geschenk geben."
„Reg dich ab, Sirius," sagte James und legte seinem Freund tröstend eine Hand auf die Schulter. „Wir gehen nach dem Frühstück zu ihr, keine Sorge."
Sirius war im Leben noch nie so wenig hungrig gewesen. Er saß da, starrte finster vor sich hin und rutschte auf der Bank herum, bis James ungeduldig seufzte und aufstand. „Gehen wir."
Von Peter kam ein gedämpfter Laut des Protests, als er sich den Rest seines Blaubeermuffins in den Mund stopfte und aufsprang, um ihnen zu folgen. „If bin noch nich fergig mig Früschgük!", sagte er mit randvollen Backen.
„Sorry, Mann," sagte James und wich dem Sprühregen an Krümeln mit geübter Leichtigkeit aus. „Ich spreche kein Backenhörnchen. Aber vielleicht könnte Schniefelus mir Unterricht geben."
Sirius war zu besorgt, um auch nur darüber zu kichern. Peter warf ihm einen suchenden Blick zu, bevor er schwer schluckte und sagte, „Ich sagte, ich war noch nicht fertig mit Frühstück."
„Nun ja, Sirius war drauf und dran zu explodieren," sagte James. „Das wäre nicht schön gewesen."
Sirius öffnete den Mund um zu widersprechen, doch bevor das tun konnte, ging er um eine Ecke und stieß mit jemandem zusammen, der größer als er war, woraufhin er nach hinten gegen James und Peter prallte. Die drei fanden sich in einem schmerzhaften Haufen Gliedmaßen wieder, während zwei besorgte Gesichter sie beobachteten.
„Tut mir leid, Jungs," sagte eine vertraute Stimme. „Ich habe euch nicht kommen sehen."
Beim Klang der Stimme setzte Sirius sich ruckartig auf und ignorierte die Tatsache, dass dabei sein Ellenbogen mit Peters Nase kollidierte. „Professor Anders?"
Der ehemalige Professor stand über ihnen, er sah so jungenhaft aus wie immer, obwohl sein Gesicht jetzt eine Anspannung zeigte, die bis jetzt nicht dort gewesen war. Neben ihm stand eine etwa gleichaltrige Frau – vielleicht in ihren frühen Dreißigern. Sie hatte weißblondes Haar, das in schäumenden Locken auf ihrem Kopf lag, und große, dunkelblaue Augen.
„Sirius?" Anders sah sehr erleichtert aus, sie zu sehen. „Ich habe euren Brief bekommen. Ich war auf einer Mission und habe ihn erst jetzt gesehen. Wir sind so schnell wie möglich gekommen."
Sirius sah die Frau misstrauisch an. Er wollte nicht, dass eine unbekannte Person in Remus' Geheimnis eingeweiht wurde. „Wer ist sie?"
„Sirius!", sagte Peter, schockiert über seine Unhöflichkeit.
Weder Anders noch die Frau sahen verletzt aus. Anders lächelte ein wenig. „Das ist meine Frau, Angela. Sie weiß von Remus."
Die drei Jungen kamen auf die Füße. „Werden Sie gehen und Remus retten?", wollte Sirius wissen.
„Wir tun unser bestes. Wir waren gerade auf dem Weg zu Professor McGonagall."
„Wir auch," übernahm James. „Sie können mitkommen, wenn Sie möchten."
„Ähm… Vielleicht wäre es das Beste, wenn ihr wartet, bis wir es besprochen haben?", sagte Anders und sah ein wenig überrumpelt aus.
„Was? Nein!" Alle drei Rumtreiber starrten ihn an, als wäre er übergeschnappt.
„Er ist unser Freund," sagte Peter stur. „Sie wären nicht mal hier, wenn wir Ihnen nicht diesen Brief geschrieben hätten."
Anders sah aus, als würde er erneut protestieren, doch Angela legte ihm eine beruhigende Hand auf den Arm. „Lass sie mitkommen, Schatz. Vielleicht können sie helfen."
„Sie sind nur Jungen!"
„Sind wir nicht!", sagte Sirius empört. „Wir sind Rumtreiber! Und wir werden Remus retten und vielleicht lassen wir Sie helfen."
Anders seufzte, und Sirius konnte sehen, wie er einsah, dass jeder Fluchtplan, den sie sich ausdenken würden, mit dem Beirat eines Erwachsenen um einiges sicherer sein würde. „Na schön. Kommt mit."
Die Rumtreiber folgten Anders und Angela selbstgefällig den Korridor hinunter und in Richtung McGonagalls Büro.
Professor McGonagall schien nicht sehr überrascht zu sein, dass Anders und seine Frau vor ihrer Türe standen, doch sie runzelte fragend die Stirn, als sie Sirius, James und Peter sah.
„Solltet ihr Jungs nicht beim Frühstück sein?"
„Wir sind gekommen, um mit Ihnen über Remus zu sprechen," sagte Sirius und verstrahlte sein bestes Reinblüter-Selbstvertrauen. „Und wir haben Professor Anders und seine Frau mitkommen lassen."
McGonagall hob die Augenbrauen und sah Anders an, der hilflos mit den Schultern zuckte.
„Was ist mit Remus, Mr. Black?"
Sirius war den anderen Rumtreibern einen Blick zu, und James trat vor und hielt den Brief hoch, den sie zu Remus gesendet hatten. „Er ist zurückgekommen. Der Brief, den wir ihm geschickt haben. Er hat ihn nicht mal bekommen. Wir machen uns Sorgen, dass ihm etwas zugestoßen ist."
McGonagall seufzte und trat ein wenig von der Tür zurück, erlaubte ihnen, einzutreten, und führte Anderes und Angela zu den Sesseln vor ihrem Schreibtisch. Sie winkte mit der Hand und verwandelte ein Stück Pergament in eine Bank, auf der Sirius, James und Peter Platz nahmen.
„Ich befürchte, es gibt nichts, was ich tun kann," sagte sie als alle saßen.
„Aber sie haben überhaupt nichts getan!", sagte Sirius und fühlte eine Welle von Wut und hilfloser Frustration.
„Benehmen Sie sich, Mr. Black, oder ich werde sich nicht in das Gespräch mit einbeziehen."
Sirius sank auf der Bank zusammen und sah sie finster an.
„Im Gegensatz dazu, was Sie behaupten, waren Poppy Pomfrey und ich vor einer Woche mit der Entschuldigung bei Mr. Lupin, nach Remus sehen zu wollen, da er bei seiner Abreise sehr aufgebracht wirkte."
Sirius richtete sich auf und starrte sie an. „Und?"
„War er okay?", fragte Peter.
Sie seufzte und legte kurz die Hand an die Stirn. „Er war nicht da."
„WAS?" Das kam von allen Fünf gleichzeitig.
„Wir haben mit seinem Vater gesprochen, der uns sagte, dass Remus über das Flohnetzwerk ankam, ihn bewusstlos schlug und davongelaufen ist. Er hat ihn seither nicht gesehen."
Es war lange still, während die anderen diese Information verdauten.
„Er hat gelogen," sagte Sirius und war sich auf einmal ganz sicher.
„Das können Sie nicht beweisen, Mr. Black."
„Wenn Remus weglaufen wollte, hätte er gleich von der Heulenden Hütte aus nach Hogsmeade laufen können. Warum würde er sich die Mühe machen, davor extra noch nach Hause zu gehen?"
Professor McGonagall starrte in schockiert an. „Was? Warum wissen sie davon?"
Jetzt war Sirius verwirrt. „Was?"
„Die Heulende Hütte."
Er spürte, wie James neben ihm sich versteifte, und wie sein eigenes Herz in die Gegend seiner Stiefel sank. Er war manchmal so ein Idiot. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. „Wir wussten es nicht. Nicht bis zu der Nacht, in der er weggelaufen ist. Er ist in die Hütte gelaufen, und wir sind hinterher. Er redete davon, dass er sich verwandeln würde. Wir haben rausbekommen, dass er ein Werwolf ist, aber er ist weggerannt, bevor wir ihm sagen konnten, dass es uns egal ist."
„Ihr habt diesen Raum gesehen, in den er geht, und es war euch egal?", fragte Professor Anders, und seine Stimme klang merkwürdig stockend.
„Nein, es war uns nicht egal," berichtigte James, „Weil er uns leidgetan hat. Sein Blut war überall auf den Wänden. Wir haben versprochen auf ihn aufzupassen, aber das können wir jetzt wohl nicht, oder? Nicht mit sowas. Und auch nicht mit den Dingen, die sein Vater ihm antut."
Sirius bemerkte, dass alle drei Erwachsenen sie mit äußerst seltsamen Gesichtsausdrücken ansahen. Schließlich meldete sich Professor McGonagall leise zu Wort. Er hat wirklich Glück, euch drei als Freunde zu haben. Nicht viele Leute können über die Vorurteile der Zaubererwelt hinwegsehen."
„Äh…" Peter hob die Hand. „Ich kenne die Vorurteile der Zaubererwelt nicht. Aber wenn Sie mir sagen, was sie sind, werde ich ganz sicher über sie hinwegsehen."
„Deswegen müssen wir ihm helfen!", sagte Sirius im Versuch, ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Thema zu lenken. „Weil wir seine Freunde sind."
„Was können wir denn sonst noch tun?", fragte McGonagall.
Angela räusperte sich unsicher. Bis jetzt hatte sie nicht viel gesagt und ihre Zeit eher damit verbracht, die anderen genau zu beobachten. „Ich hätte vielleicht eine Idee."
Sie sah ziemlich eingeschüchtert aus, als sie sofort von drei Rumtreibern bestürmt wurde, die sich alle um ihren Sessel drängten.
„Ooh!", sagte James mit eifrig. „Gehen wir zu ihm nach Hause und sprengen die Tür auf und fesseln seinen Vater und foltern ihn, bis er uns sagt, wo Remus wirklich ist?"
„Oder bringen wir ihn einfach auf möglichst blutige Art und Weise um und suchen Remus selbst?", schlug Sirius vor.
„Oder foltern wir ihn für die Informationen und bringen ihn dann auf möglichst blutige Art und Weise um?", fügte Peter hinzu und sah stolz aus, als Sirius und James ihm anerkennend zunickten.
Angela sah etwas verstört aus und sandte einen verzweifelten Blick in Richtung ihres Mannes.
„Los Jungs, hört auf mit dem Unsinn," sagte Anders müde.
„Unsinn?", fragte Sirius, wandte sich um und sah ihn an. „Wer macht denn hier Unsinn?"
„Meine Idee," sagte Angela laut, „hat nichts mit blutigen Morden zu tun."
„Was ist mit Folter?", fragte Sirius hoffnungsvoll.
„Mr. Black, bitte setzen Sie sich wieder hin und hören still zu, oder ich werde sie aus dieser Besprechung werfen." McGonagall sah die drei mit ihrem furchteinflößendsten Gesichtsausdruck an und sie kehrten folgsam auf ihre Bank zurück. „Bitte fahren Sie fort, Mrs. Anders. Und kein Wort mehr von euch, bis wir euch die Erlaubnis zu sprechen geben.
„Warum holen wir uns nicht einen Durchsuchungsbefehl vom Ministerium, um das Haus wegen Verdacht auf Kindesmisshandlung zu durchsuchen?"
„Können wir nicht, Schatz," sagte Anders. „Remus ist ein nicht registrierter Werwolf. Wenn sie es herausfinden, wird das unwahrscheinlich viel kosten, und wenn er so viel Glück hat und sie ihn nicht hinrichten, werden sie in irgendeinem Fall von Kindesmisshandlung definitiv nicht zu seinen Gunsten richten."
„Sie müssen es nicht herausfinden," sagte Angela und sah McGonagall an. „Neil kann einer der Auroren sein, die wir für eine Durchsuchung dabei haben müssen. Und er hat einen Freund, der ist Auror und seine Schwester ist auch eine Werwölfin. Er würde es geheim halten, wenn wir ihn suchen gehen. Dann brauchen wir nur noch ihre Aussagen, Ihre Aussage als eine Lehrerin an der Schule, und einen medizinischen Bericht der Schulheilerin, der Zeichen der Misshandlung belegt, und dann wären wir in der Lage, Remus rauszuholen und gleichzeitig seinen Vater zu bestrafen."
Es gab eine Pause, als jeder im Raum darüber nachdachte. Schließlich sagte McGonagall, „Remus' Vater könnte dem Ministerium einfach sagen, dass Remus ein Werwolf ist, wenn wir versuchen, ihn zu bestrafen."
„Es muss einen Grund geben, dass er es nie jemandem gesagt hat," machte Angela aufmerksam. „Er hat Remus nicht einmal registriert. Ich weiß das - ich habe unsere Dokumente in der Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe überprüft. Wir müssen nur sicher sein, dass dieser Grund bestehen bleibt, sogar wenn er zu einem Aufenthalt in Askaban verurteilt wird."
„Es ist eine gute Idee," sagte Anders schließlich. „Wir werden mit Dumbledore reden müssen. Er hat eine Menge Einfluss auf das Ministerium und wird uns helfen können. Je mehr Beweise wir für die Misshandlungen kriegen können, desto besser. So werden sie nicht verlangen dass Remus seine Verletzungen vor dem Zaubergamot herzeigt und damit riskiert, dass sie seine Narben sehen."
Sirius hörte ihnen bewundernd zu. Deshalb war es also gut, Erwachsene an seiner Seite zu haben. Er hatte von seinen Eltern einige wirklich furchtbare Geschichten über das Gefängnis von Askaban gehört, und er fand, dass es nach genau dem richtigen Ort für Remus' Vater klang. Er mochte die zerbrechlich aussehende Angela immer mehr. Sie hatte einen wahrhaft verschlagenen Geist hinter diesen blauen Augen und blonden Locken. Er konnte verstehen, warum Anders sie mochte.
Als die Gespräche langsam verebbten hob er unsicher die Hand.
„Was gibt es, Sirius?", fragte Anders und sah ihn freundlich an.
„Ich - äh - ich könnte ihnen erzählen, was ich am Bahnhof gesehen habe," sagte er. „Und wie er in der Kutsche ohnmächtig geworden ist."
„Das könnte sogar eine gute Idee sein," sagte Anders und sah die Frauen an. „Wenn Sirius eine Aussage unter Veritaserum machen würde, hätte das viel Gewicht."
„Ich kann ohne Einverständnis der Eltern nicht erlauben, Veritaserum an einem meiner Schüler anzuwenden," sagte McGonagall bedauernd. „Liege ich falsch in der Annahme, dass Ihre Eltern so etwas nicht erlauben werden?"
Sirius verzog das Gesicht. „Werden sie nicht."
„Nein, es geht auch so," sagte Anders. „In einem Fall von Kindesmisshandlung benötigt man eigentlich nur die Einwilligung des Kindes selbst - freiwillige Einwilligung, natürlich. Es gab viele Fälle, bei denen die Eltern nicht erlaubten, dass die Kinder sich in die Sache einmischen, also haben sie das Gesetz geändert."
„Das ist ja wunderbar," sagte McGonagall und sah zufrieden aus. „Ich befürchte, ihr drei müsst jetzt gehen. Wir müssen gehen und Dumbledore ein wenig mit Dumbledore plaudern."
Widerwillig erhoben sich Sirius, James und Peter und gingen zur Tür. Kurz bevor sie draußen waren, drehte James sich noch einmal um und lugt zurück hinein. „Wir werden doch mitgehen dürfen wenn wir ihn holen, oder?", fragte er, und Sorge schwang in seiner Stimme mit.
Sirius erstarrte. Es war ihm gar nicht eingefallen, dass man ihnen vielleicht gar nicht erlauben würde, bei der Rettungsmission dabei zu sein.
„Ich denke wirklich nicht, dass das angemessen -", fing McGonagall an, doch Angela unterbrach sie.
„Wenn Remus schwer misshandelt und traumatisiert ist, vielleicht wäre es angenehmer für ihn, wenn seine Freunde dabei wären," sagte sie.
Anders und McGonagall sahen beide unschlüssig drein.
„Es könnte dort äußerst verstörende Dinge geben," sagte Anders. „Dinge, die Kinder nicht sehen sollten."
Sirius öffnete den Mund, um zu protestieren, dass sie es aushalten würden, sie zu sehen, immerhin erlebte Remus sie. Bevor er das jedoch tun konnte, sprach Angela erneut.
„Sie haben den Raum gesehen in dem er sich verwandelt, und das gut genug verkraftet," sagte sie. „Ich denke wir können uns darauf verlassen, dass sie sich benehmen."
Anders und McGonagall seufzten und nickten knapp. Die Rumtreiber grinsten erst einander, dann Angela an, die ihnen zuzwinkerte, als Anders und McGonagall nicht hinsahen.
„Ich mag sie," sagte Sirius, als sie auf dem Weg zurück in ihren Gemeinschaftsraum waren.
„Das war klar," sagte Peter und verdrehte die Augen. „Sie ist wie eine ausgewachsene Version von dir und James. Ziemlich clever und hinterhältig."
„Und sie sieht unglaublich gut aus und hat ganz und gar keine langweilige Frisur," fügte James weise hinzu.
„Ja, wenn sie ein Junge, zwanzig Jahre jünger und nicht mit einem Professor verheiratet wäre, könnte sie ein Rumtreiber sein," sagte Sirius.
Eine weitere Woche verging, und mit ihr Weihnachten. Obwohl es tolle Dekorationen und Feste wie im letzten Jahr gab, schaffte keiner der Rumtreiber es, richtig in Stimmung zu kommen, wenn sie daran dachten, dass Remus bei ihnen hätte sein sollen. Keiner von ihnen begriff, warum etwas so Simples wie ein Stück Papier aus dem Ministerium zu bekommen, auf dem stand, dass sie jemandes Haus betreten, ihn festnehmen und nach einem misshandelten Kind suchen durften, so lange dauern würde.
Schließlich aber, fast einen Monat nachdem Remus weggelaufen war, standen die Jungen um einen Portschlüssel gedrängt, in Begleitung von Anders, Angela, McGonagall, Madame Pomfrey und einem sehr jungen, großen, schwarzen Auror namens Kingsley Shacklebolt, der, wie man ihnen sagte, versprochen hatte, diskret über Remus' Lykanthropie zu sein.
Shacklebolt hatte heftig protestiert, als er gehört hatte, dass drei Zweitklässler bei einer ministeriumsgeleiteten Rettungsmission dabei sein sollten, aber ein strenger Blick von McGonagall hatte ihn sofort verstummen lassen. Sirius fragte sich ob er jemals ihr Schüler gewesen war, der seine Verwandlungshausaufgaben nicht gemacht hatte. Er fragte sich auch, ob McGonagall einwilligen würde, ihm Unterricht in „dem Blick" zu geben.
Es gab einen heftigen Zug gleich unter seinem Bauchnabel und die Szene um ihn herum verschwamm. Als sie sich wieder klärte, fand Sirius sich im Garten eines kleinen Anwesens am Rande eines Waldes wieder. Die Mauern um den Garten waren sehr hoch – viel zu hoch, als dass jemand hätte darüber klettern können, und die Hütte vor ihnen sah ein wenig ramponiert und abgenutzt aus – wie so ziemlich alles, was zu Remus gehörte. Der cremefarbene Anstrich löste sich von den Wänden, wo Efeu sich einen Weg in die Risse gebahnt hatte, und der Garten sah aus, als wäre er sehr lange nicht gepflegt worden.
Die Jungen folgten den Erwachsenen, als sie sich der Tür näherten. Shacklebolt klopfte harsch und es folgte eine angespannte Stille, als sie auf eine Antwort warteten. Nach einer Weile hörte man Schritte und dir Tür öffnete sich ein wenig, um das misstrauische Gesicht des grobschlächtigen Mannes zu offenbaren, den Sirius am Bahnhof gesehen hatte. Er hatte Remus' Augen, fiel Sirius auf. Sehr helles braun, beinahe golden. Sirius hatte angenommen, dass die Augen zum Werwolffluch gehörten, doch er hatte offensichtlich falsch gelegen.
„Mr. Lupin," sagte Anders eindringlich, „wir haben Grund zur Annahme, dass in diesem Haus Kindesmisshandlung verübt wird. Wir haben einen Durchsuchungsbefehl vom Zaubereiministerium und außerdem einen Befehl für Ihre Verhaftung." Er hielt die Papiere hoch und Mr. Lupins Augen weiteten sich. Er versucht, die Tür wieder zuzuschlagen, doch Kingsley und Anders bahnten sich bereits einen Weg nach drinnen.
„Petrificus Totalus!", sagte Anders, als er an dem heftig protestierenden Mann vorbeiging, und sah mit mehr als nur ein bisschen Schadenfreude zu, wie John Lupin vornüber kippte und mit einem harten Plumps auf dem steinernen Boden seines Flurs landete.
Die Rumtreiber folgten den Erwachsenen nervös ins Haus. Sie hatten strikten Befehl, sich soweit wie möglich herauszuhalten, doch Sirius konnte nicht wiederstehen, dem erstarrten John Lupin einen hinterhältigen Tritt gegen die Schläfe zu verpassen, als er über ihn hinweg stieg. „Ups," murmelte er und klang dabei nicht im Geringsten reumütig, als Anders es bemerkte und ihn wütend ansah.
Angela stand in der Mitte des schäbigen Wohnzimmers und holte ein seltsames Metallgerät aus der Tasche. Er bestand aus zwei winzigen Silberglöckchen an beiden Enden eines dünnen Silberstifts, der seinerseits an einem kleinen Metallbogen befestigt war. Angela schnippte die Glöckchen an und der dünne Stift begann, hin und her zu schwingen. Jedes Mal, wenn eines der Glöckchen am Ende des Bogens anstieß, wurde der Raum von einem melodiösen Läuten erfüllt.
„Was ist das?", wagte James zu fragen.
„Ein Werwolfdetektor," sagte sie geistesabwesend und legte den Kopf schräg, als sie dem Klingeln zuhörte. „Der Silberstift schwingt schneller, je näher ein Werwolf ist. So findet unsere Abteilung nicht registrierte Werwölfe." Sie musste ihre entsetzten Blicke entdeckt haben, denn sie fügte eilig hinzu, „Ich werde ihn nicht verraten. Ich dachte nur, es ist der beste Weg ihn zu suchen, wenn er im Haus versteckt ist." Sie blinzelte und drehte sich in Richtung der Küche. „Da hinein," sagte sie.
Die anderen folgten ihr in die Küche. Es war sehr sauber, doch wie im Rest des Hauses sah die Einrichtung alt und abgenutzt aus. Angela ging auf eine große Kommode zu, die am Ende des Raumes stand. Dann blieb sie stehen und runzelte die Stirn.
„Es sagt, dass er hier irgendwo ist," sagte sie.
„Er ist in dem Kasten da?", fragte Peter unsicher. „Ich glaube nicht mal Remus ist klein genug um da reinzupassen."
Für einen schrecklichen Moment hatte Sirius eine Vision von Remus, tot und in kleine Stücke gehackt in der Kommode versteckt. Dann sprach Angela wieder. „Anscheinend ist er unter uns."
„Es muss einen Keller geben," sagte Shacklebolt und trat vor. Er schwang den Zauberstab, und der Schrank glitt mit einem lauten schabenden Geräusch zur Seite. Tatsächlich war eine hölzerne Falltür in den Küchenboden eingelassen.
„Sein Zimmer," murmelte Madam Pomfrey. „Ich hoffe, dieser Mann verrottet in Askaban!"
Shacklebolt kniete nieder und öffnete die Falltür. Die anderen scharten sich um ihn, als er sich entlang einer Leiter zum Boden hinunterließ.
„Großer Merlin!", hörten sie ihn mit entsetzter Stimme rufen.
Sofort kamen Anders und Madam Pomfrey ihm nach. „Ihr Jungs bleibt hier oben," sagte McGonagall ihnen streng. Die drei Rumtreiber starrte sie an, als wäre sie verrückt geworden.
„Tun wir natürlich nicht!", sagte Sirius
Bevor sie protestieren konnte, bestieg er die Leiter und kletterte nach unten. Das erste, was ihm auffiel, war der Geruch. Es war der gleich, der auch die Heulende Hütte durchdrang – nach Blut und wildem Tier. Die Luft war dick und schwer, und als seine Augen sich an die Finsternis gewöhnt hatten, erkannte er, dass sie in einem „Schlafzimmer" waren, dass noch um einiges ramponierter als das in der Heulenden Hütte war.
Der Raum enthielt ein Regal, ein Bett, ein Nachtkästchen und Remus' jetzt völlig zerkratzten, verbeulten Koffer. Wie in dem anderen Zimmer waren die Steinwände voller Blut - alte, sorgfältig weggeschrubbte Spritzer, und solche, die frisch und klebrig aussahen. Sirius schmeckte Galle und schluckte schnell.
„Wer würde einem Kind so etwas antun?", flüsterte Angela. Niemand antwortete ihr, alle waren zu beschäftigt damit, sich ungläubig und angewidert in dem Raum umzusehen.
„Wo ist er?", fragte Madame Pomfrey. Ihre Stimme zitterte.
„Remus?", rief Sirius leise. Beim Klang seiner Stimmer konnte man ein winziges Wimmern von unter dem Bett vernehmen.
„Remus?", sagte Anders und näherte sich dem Bett. Diesmal kam keine Antwort. Anders sah auf und winkte Sirius, James und Peter zu sich.
Sirius kniete sich neben das Bett und lugte in die Dunkelheit darunter. Der Geruch von Blut, Schweiß und Wolf war hier noch stärker und er konnte geradeso eine kleine Gestalt zusammengerollt an der Wand ausmachen.
„Rem?" Er streckte die Hand nach dem dunklen Umriss. „Es ist Sirius. Wir sind hier um dich hier rauszuholen. James und Peter und ich haben alle Erwachsenen dazu gebracht, uns zu helfen."
Es gab ein weiteres, lauteres Wimmern, doch diesmal klang es seltsam, als ob Remus versuchte, darunter Worte zu formen.
„Was hast du gesagt?"
„S'beraxt."
Sirius erstarrte, als er sich erinnerte, was Angela ihm über die Hinrichtung von Werwölfen erzählt hatte.
„Es gibt keine Silberaxt," sagte James eindringlich und kniete sich neben Sirius. „Wir haben dem Ministerium nicht gesagt, was du bist, Rem. Es macht uns nichts aus. Du bist immer noch unser Freund."
„Du bist Remus," sagte Peter. „Nachdem Anders mir gesagt hat, was die Vorurteile der Zaubererwelt sind, habe ich sofort über sie hinweggesehen. Mir ist das egal."
„Peitschen?", kam die leise Stimme wieder.
„Auch keine Peitschen, Mann," sagte James sanft. „Versprochen. Nur wir und Anders und McGonagall – die den ganzen Tag schon „den Blick" macht, also geh ihr lieber aus dem Weg. Und Anders' Frau, die fast ein Rumtreiber ist weil sie uns mitkommen lassen hat. Und Madam Pomfrey, die wie immer gefährlich aussehende Tränke dabeihat, also würde ich ihr auch nicht in die Quere kommen. Oh, und dieser Typ namens Shacky-irgendwas, und seine Schwester ist ein Werwolf und er liebt sie trotzdem."
Sie hörten ein seltsames Geräusch, wie ein schmerzhaftes Ersticken. Sirius' Herz setzte vor Angst einen Schlag aus, bis er bemerkte, dass es ein sehr wässriges Kichern war.
„Den Inneren Tunichtgut hast du also noch," sagte Sirius trocken und lächelte fast über James' empörtes Gesicht. „Wir haben seinen Erfindungsreichtum für Streiche vermisst."
Es war lange Still, während jeder im Raum den Atem anhielt. Die Erwachsenen zogen sich zurück, um die Jungen nicht zu bedrängen. Sirius zuckte beinahe zurück, als er plötzlich eine warme kleine Hand in seiner spürte, die er unter das Bett gestreckt hatte. Er drückte sie sanft.
„Ihr hasst mich nicht?" Die Hoffnung in dieser leisen Stimme war das herzzerreißendste, das Sirius je gehört hatte.
„Nein, Rem. Tun wir nicht, ehrlich. Dass du ein Werwolf bist, ist nicht Grund genug, um einen Wunsch zu zerstören, der mit Blut und Mondschatten gemacht wurde."
Die Hand zuckte erschrocken zurück. „Du hast das gesehen?"
„Ich hab's gesehen, ja," antwortete Sirius leise und versuchte, Remus' Gesichtsausdruck zu erkennen. Seine Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit und er konnte geradeso den Schein dieser riesigen Bernsteinaugen ausmachen, die ihn beobachteten. „Ich bin dir in dieser Nacht nachgegangen. Du hättest es aber nicht tun müssen. Wir wollten schon davor deine Freunde sein. Wir hatten nur ein bisschen Angst weil wir gesehen haben, wie du diese Slytherins im Keller verprügelt hast. Das war übrigens genial. Geschieht ihnen recht, nachdem sie dich ärgern wollten."
Es gab noch ein ersticktes Geräusch und dann noch eines. Sirius spürte, wie Remus' Hand zitterte, und diesmal erkannte er, dass der andere Junge weinte.
„D-d-dachte ihr w-würdet m-m-mich hassen!"
Sirius wechselte einen kurzen Blick mit James und Peter, dann beugte er sich vor und streckte beide Arme unter das Bett. „Komm raus, Remus. Wir müssen dich wieder hinkriegen."
Es gab ein paar raschelnde Geräusche, dann bewegte sich der Umriss auf ihn zu. Als Remus unter dem Bett hervorkam, musste Sirius dagegen ankämpfen, vor Schreck loszuschreien. Der kleine Junge sah furchtbar aus. Er war überseht mit Verbrennungen und Blut hatte seinen Schlafanzug beinahe vollständig rot gefärbt. Es war sogar unmöglich zu sagen, welche Farbe seine Haare hatten. Mit einer Hand hielt er einige äußerst mitgenommene Schachteln an seine abgemagert Brust gepresst, während er hervorkroch.
„Oh, Rem," sagte Sirius, unfähig, sich etwas anderes einfallen zu lassen.
Er zog den widerstandslosen Jungen sanft in seine Arme und spürte, wie die kleine Gestalt gegen ihn zusammenbrach, immer noch schluchzend. Remus roch schrecklich – eine Mischung von Blut, Krankheit und entzündeten Wunden, doch Sirius schaffte es nicht, sich darum zu kümmern. Er hielt ihn nur in den Armen und fühlte nun auch Tränen in seinen Augen.
„Remus?", flüsterte James, kam näher und nahm eine von Remus' Händen. „Es tut uns so leid."
Peter kam ebenfalls dazu und berührte eine der Schachteln, die Remus gegen seine Brust drückte. Sirius erkannte sie sofort. Eine Box mit Bertie Botts Bohnen Jeder Geschmacksrichtung, eine Box mit Zischenden Wissbies und eine Box mit Schokofröschen. An einem davon hing immer noch ein Streifen Weihnachts-Geschenkpapier. Sirius fühlte einen Stich in seinem Herzen.
„Dieses Jahr habe ich dir ein besseres Geschenk als das da gekauft," flüsterte er Remus ins Ohr.
