21. Kapitel
Eine halbe Stunde später stürzten die vier Freunde geschnickelt und gebügelt in die Lobby, wo Andrew Macire sie schon erwartete.
„Sie sind spät", tadelte er nach einem Blick auf seine Uhr und führte seine „Schützlinge" zum Wagen, der in die Tiefgarage gefahren worden war, da vorm Hotel niemand länger halten durfte.
Durch das abendlich beleuchtete Sydney kutschierte der Chauffeur Harry, Hermine, Ginny und Ron zum Gebäude der australischen Zaubereibehörde. Diese war, ähnlich wie das britische Zaubererhospital, in einem verfallen wirkenden Kaufhaus untergebracht. In dessen Schaufenstern standen verstaubte Puppen, deren Mode dem letzten Jahrhundert zu entstammen schien, und große „Neueröffnung in Kürze"- Kleber prankten auf den Scheiben.
Andrew Macire parkte den Wagen in der Seitenstraße und führte die Zauberer zu einem Nebeneingang. Nachdem er sich vergewissert hatte, daß keiner sie sah, zog er den Zauberstab aus der Jackettinnentsche und berührte die Tür, wobei er leise „Auspicature" murmelte.
Die Tür öffnete sich und die Neuankömmlinge betraten das Atrium, das kaum halb so groß und beeindruckend war wie das des britischen Zaubereiministeriums. Es gab allerdings auch einige Kamine zu sehen, aus denen, in grüne Flammen gehüllt, festlich gekleidete Zauberer traten. Sie hetzten zum anderen Ende des Eingangsbereiches und verschwanden dort durch eine Doppeltür.
„Folgen sie mir", bat Andrew Macire und führte die ausländischen Gäste in die gleiche Richtung, vorbei an einem runden Auskunfstresen in der Hallenmitte und einigen Aufzügen, die den Kaminen gegenüber lagen.
Sie traten durch die Doppeltür auf einen Gang, von dem weitere abzweigten, dem sie bis zum Ende folgten und der sie direkt zum Festsaal der australischen Zauberergemeinschaft führte. Ein Banner über dem Eingang verkündete, daß an diesem Tag ein Empfang anläßlich dem Besuch von Harry Potter stattfand. Andrew hielt die Tür auf und die vier Freunde betraten den hell erleuchten Saal, in dem die Große Halle von Hogwarts zweimal Platz gefunden hätte. Harry, Hermine, Ginny und Ron staunten nicht schlecht über die riesigen Kronleuchter, die von der Decke goldenen Schimmer über eine Vielzahl runder 12er- Tische und eine Bühne am anderen Saalende warfen. Von der Bühne erscholl fetzige Musik einer kleinen Zauberercombo, zu deren Klängen einige Anwesende bereits das Tanzbein schwangen.
Neben dem Eingang erwartete die Assistentin des Zaubereiministers sie bereits.
„Ich bringe sie nach vorn", nahm Miss Witchcraft die Ehrengäste in Empfang, während sich Andrew zu einem Tisch auf der rechten Saalseite begab. Sie führte die vier Freunde Richtung Bühne, wobei sie einige neugierige Blicke auf sich zogen und Anlass angeregten Getuschels bildeten. Genau vor der Bühne stand ein besonders prächtig dekorierter Tisch, an dem die Neuankömmlinge den Zaubereiminister erkannten. Rechts und links seines Platzes waren je zwei leere Stühle mit goldenen Hussen als Plätze für die Ehrengäste kenntlich gemacht wurden.
James Buttercup sprang auf, als er seine Sekretärin und deren Begleiter gewahr wurde und begrüßte letztere stürmisch. Die vier mussten sich ein Kichern verdrücken, den entgegen der ansonsten recht unauffällig gekleideten Zauberer, die wie Harry und Ron in Anzügen steckten, trug der Zaubereiminister eine schrille Zusammenstellung aus orangefarbenen Schlaghosen und einem neonfarbenen Jackett über einem lilafarbenen Hemd.
„Kommen sie, kommen sie", sagte er hektisch und geleitete die Ehrengäste zu einer Treppe, die seitlich auf die Bühne führte. Mit einem Wink brachte er die Combo zum Schweigen und trat in die Bühnenmitte. Daraufhin suchten alle Anwesenden im Saal ihre Plätze auf und nach fünf Minuten herrschte soviel Ruhe, daß der Zaubereiminister seine Rede beginnen konnte.
„Sehr geehrte Zaubereigemeinschaft, es ist mir eine große Ehre ihnen jetzt Harry Potter vorstellen zu dürfen", erklärte er sehr laut und winkte den jungen Zauberer heran. Lauter Applaus empfing Harry in der Bühnenmitte. Mr. Buttercup sorgte für Ruhe und stellte nun auch Ginny, Hermine und Ron vor, die am Rand der Erhöhung verweilten. Sie bekamen verhalteren, aber ebenso warmen Beifall. Dann erteilte der Zaubereiminister Harry das Wort. Dieser räusperte sich, holte sich einen ermutigenden Blick seiner Verlobten und begann dann seine Rede.
„Sehr geehrte Anwesenden, es ist mir eine große Ehre heute vor ihnen stehen zu dürfen und ich bedanke mich für den warmherzigen Empfang. Auch im Namen meiner Freunde möchte ich mich für die herzliche Einladung in ihr schönes Land bedanken, die eine große Ehre für uns darstellt.
Sicherlich möchten sie gern wissen, wie es uns in Großbritannien gelungen ist, Lord Voldemort zu stürzen, der nicht nur für die Muggel und Zauberer auf unserer Insel ein nicht zu unterschätzendes Problem war, sondern der sein größtes Ziel wohl in dem Aufbau einer Schreckensherrschaft über die ganze Welt sah, wenn er sich Großbritannien erst einmal untertan gemacht hätte.
Wie sie sicherlich wissen, war es ihm bereits gelungen das britische Zaubereiministerium in seine Hand zu bekommen und hatte bereits zahlreiche Muggel und Zauberer getödet oder töden lassen. Es war nur eine Frage der Zeit bis das Abkommen zur Geheimhaltung der Zaubererwelt außer Kraft gesetzt worden wäre und er seine Herrschaft über Großbritannien erklärt hätte.
Leider hatte Lord Voldemort bei der Erforschung der dunklen Künste das Geheimnis entdeckt, wie man nahezu unsterblich wird, und konnte so nicht einfach besiegt werden. Ohne die Hilfe von Hermine Granger, Ginny und Ron Weasley, sowie einem heute nicht anwesendem Freund namens Neville Longbottom und vielen anderen, die gegen Lord Voldemort und seine Todesser antraten, wäre es mir nicht gelungen ihn zu besiegen. Wobei ich ehrlich sagen muß, daß ich ihn eigentlich nicht besiegt habe, sondern er sich selbst. Nicht ich habe den Unverzeihlichen Fluch ausgesprochen, der seinen Tod herbeiführte, sondern er selbst. Sein eigener Zauberstab wendete sich im entscheidenden Moment gegen ihn und beendete die Schreckensherrschaft des dunklen Lords. Ich habe mich jediglich mit einem Entwaffnungszauber gegen ihn verteidigt. Dieses und die Vorarbeit, die meine Freunde und ich leisteten, in dem wir dafür sorgten, daß er wieder sterblich wird, bereitenden Lord Voldemorts Ende. Der Ruhm für das Ende von Lord Voldemort gebührt also nicht mir allein, sondern in ebenso großem Maß meinen heute anwesenden Freunden, sowie allen, die ihr Leben im Kampf gegen ihn opferten und den vielen, die sinnlos sterben mußten. Und ich hoffe, daß es nie wieder einem Zauberer gelangen wird eine solche dunkle Herrschaft zu errichten."
Damit beendete Harry seinen Vortrag und nach wenigen Sekunden der Stille, in der die versammelten Zuhörer seine Rede noch auf sich wirken ließen, würdigten sie diesen mit frenetischem Applaus. Harry nickte zum Dank dafür lächelnd mit dem Kopf und zog sich zu seinen Freunden zurück, während Mr. Buttercup das Wort ergriff und Harry für seine Rede dankte. Dann eröffnete er das Büffet, das auf der linken Seite des Saals aufgebaut war und führte die Ehrengäste an ihre Plätze.
Auf den restlichen Stühlen hatten, neben Miss Witchcraft, die Abteilungsleiter der australischen Zaubereibehörde Platz genommen und Mr. Buttercup stellte sie nun vor.
„Dies ist Cooper Antur, Leiter der Abteilung für internationale magische Zusammenarbeit."
Ein junger, schlanker Mann in dunklem Anzug erhob sich und verneigte sich grüßend.
„Hier haben wir Consulus Diligent, unseren Obersten Sekretär."
Dieser war ein sehr betagter, haarloser Mann in grauem Jackett.
„Daneben haben wir die Leiterin für die australische Zaubererausbildung, Mrs. Charlotte Omnisciens."
Eine rundliche Frau in rotem Hosenanzug nickte höflich, aber zurückhaltend als Begrüßung und die vier ausländischen Gäste wurden erschreckend an Dolores Umbridge erinnert.
„Für die australische magische Sportabteilung ist ein ehemaliger Basketballspieler zuständig, so wie das wohl bei ihnen in Großbritannien ein Quidditchveteran ist. Er heißt Scott Sporty."
Ein schlacksiger Hüne erhob sich von seinem Stuhl und griff fest nach den Händen der Ehrengäste.
„Dann hätten wir hier noch den Leiter für die Aufsicht und Führung magischer Geschöpfe, Gregory Lepidus."
Ein rothaariger Zauberer in Schlangenlederjacke und Lederhose grüßte sie mit einem lässigen Kopfnicken.
„Und der letzte in der Runde ist für alle nationalen Zaubereibelange zuständig, bei ihm laufen sozusagen alle Drähte der Behörde zusammen, Charles Subsidius."
Ein Mann, der altersmäßg dem Zaubereiminister entsprach, im Nadelstreifenanzug erhob sich würdevoll von seinem Stuhl und begrüßte die ausländischen Zauberer.
„Setzen wir uns", forderte Mr. Buttercup sie auf und winkte einen Kellner heran, damit er ihnen Champagner einschenke.
„Trinken wir noch einmal auf ihren Besuch bei uns", meinte der Zaubereiminister, nachdem alle am Tisch versammelten ein Glas des perlenden Getränkes vor sich hatten.
Man prostete sich zu, dann verkündete Mr. Buttercup, daß er hungrig sei und lud die Ehrengäste ein ihm zum Büffet zu folgen, nachdem er einem Kellner aufgetragen hatte ihnen eine Flasche Chardonney zu bringen.
„Ein ganz besonderer Tropfen, der unweit im Hunter Valley gekeltert wird. Der Kellermeister muß auch hier herumschwirren, ein Zauberer namens Greg Vin", erläuterte der Zaubereiminister auf dem Weg zu der weiß gedeckten Tafel, auf der sich die verschiedensten Köstlichkeiten aneinander reihten.
„Wir haben eine eigene Kantine, die dieses Büffet ausgerichtet hat. Dort ist die Küchenleiterin, Melissa Sapor. Eine exzellente Köchin. Sie könnte ein Fünf- Sterne- Restaurant leiten, begnügt sich aber damit uns jeden Tag die herrlichsten Lunches zuzubereiten, unterstützt von fünf Kochmagiern."
Die kalten und warmen Platten waren mit Hinweisschildern versehen, so daß man wußte, wovon man sich auf den eleganten Porzellanteller lud. Ron hatte in Spitzengeschwindigkeit einen Berg Essen auf den seinen geschaufelt und wollte sich eben einen zweiten Teller holen, da zischte Hermine ihm zu: „Iß erst mal das. Was macht das den für einen Eindruck."
Geknickt schlich Ron zum Tisch, geleitet von Mr. Buttercup, dessen Teller ebenso voll geladen war.
Während des Essens drehten sich die Gespräche am Tisch um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der britannischen und australischen Zaubererwelt, wobei meist Hermine diejenige war, die genaue Auskunft geben konnte.
Charlotte Omnisciens interessierte sich sehr für Hogwarts und die magische Ausbildung an der Schule, worüber Ginny ausführlich Auskunft erteilte.
„Ich habe gehört sie sind ein passabler Quidditchspieler", wendete sich Scott Sporty an Harry. Da dieser den Mund voll hatte, konnte er als Erwiderung nur nicken.
„Hab es an der Schule auch mal probiert, aber bei meiner Größe war es einfach zu problematisch auf dem Besen. Und Basketball hatte ich schon von klein auf gespielt, da bot sich eine Karriere dann an."
„Wenn man das Talent dazu hat", stimmte Harry höflich zu.
„Wir haben natürlich eine ausgezeichnete Quidditchliga, leider relativ klein, nur zehn Vereine. Wir haben dafür eine eigene Art des Rugby kreiert. Haben sie davon schon mal gehört?" fragte Scott Sporty.
„Von Rugby schon", antwortete Harry.
„Wir spielen mit einem verzauberten Ball, der sich dagegen wehrt gehalten zu werden. Und mit Toren, die man austricksen muß, um einen Punkt erzielen zu können. Dabei ist aber jedes Zaubern seitens der Spieler verboten. Zauberstäbe auf dem Spielfeld führen zur Disqualifikation."
„Ein sehr unterhaltsames Spiel", mischte sich Cooper Antur ein: „Hab es an der Universität gespielt."
Der Abend verging mit weiteren angeregten Gesprächen. Harry, Ginny, Hermine und Ron tanzten ein paar Runden zu den Klängen der Zauberercombo. Um Mitternacht ließen sie sich von Andrew Macire ins Hotel zurückfahren, da am nächsten Morgen um 10 Uhr ein Brunch mit dem Zaubereiminister und einigen seiner Angestellten auf dem Plan stand.
