Ich schreibe nur aus Spaß an der Freud' und bedanke mich bei J.K Rowling für das Ausleihen der Charaktere.

Tut mir leid, hat wieder etwas länger gedauert, aber dieses Kapitel, das ursprünglich gar nicht vorgesehen war, wollte plötzlich unbedingt geschrieben werden. Ich hoffe, es gefällt euch.

Katitania

Kapitel einundzwanzig

Weder Ron noch Remus ging es besonders gut. Sie saßen beide auf je einem Küchenstuhl, die Arme fest an die Rückenlehne gefesselt. Ihre Gesichter waren gerötet, ihr Atem kam in hektischen Stößen, sie schienen einem Herzinfarkt nahe. Severus, Kingsley und Hermine beobachteten die beiden genau, Brenda hielt sich im Hintergrund. Sie war hier, falls medizinische Hilfe notwendig sein sollte.

Seit drei Wochen ging das jetzt so, fast jeden Tag mussten zwei der Zauberer die Versuche über sich ergehen lassen. Es ging vor allem darum, die ideale Dosis zu finden. Außerdem war Severus direkt nach ihrer Rückkehr aus Deutschland nach Frankreich aufgebrochen und hatte sich eine Weile dort, außerhalb der Magiekontrolle der Todesser, in Klausur begeben – die Schwiegereltern eines der Weasley-Söhne kannten jemanden, der jemanden kannte, dessen Verwandte bereit gewesen waren, ihn mitsamt seiner Zaubertrankbrauutensilien für ein paar Tage aufzunehmen – um trotz der herrschenden Lehrmeinung, es könne gegen die solutio dementoris kein Gegenmittel geben, für die Herstellung eines solchen zu experimentieren. Er wollte nicht hilflos zusehen müssen, falls ein Versuch aus dem Ruder laufen sollte und war auch voller Zuversicht mit ein paar Phiolen einer schillernden, türkisfarbenen Flüssigkeit zurückgekommen, aber diese hatte sich bis jetzt als nicht besonders wirksam herausgestellt, was bei Severus zu dauerhaft schlechter Laune und stundenlangem Brüten über seinen Notizen in dem speziell für diesen Zweck ausgeräumten Gartenschuppen geführt hatte.

„Es sind jetzt fünfzehn Minuten, wie fühlt ihr euch?" fragte Kingsley.

„Es nimmt langsam ab… glaube ich," keuchte Ron.

„Bei mir nicht! Oh, Merlins verdammter Bart, furchtbar ist das!" Remus zerrte verzweifelt an seinen Fesseln.

Es war das erste Mal, dass er an einem Versuch teilnahm. Severus beobachtete ihn grimmig und vermerkte etwas auf seinem Clipboard. Kingsley blickte besorgt zwischen ihm und Remus hin und her.

„Meinst du es ist wegen…"

„Ja, weswegen sonst," fiel ihm Severus barsch ins Wort; und Brenda wunderte sich wieder einmal, was genau mit dem freundlichen Zauberer los war, der sich jetzt so heftig auf seinem Stuhl wand, dass dieser umgefallen wäre, wenn Kingsley ihn nicht festgehalten hätte. Ron hingegen war jetzt wesentlich ruhiger, er hing schlapp in seinen Fesseln, sein Kinn hing auf seine Brust, sein Mund war leicht geöffnet, es schien, als schliefe er. Hermine wischte ihm mit einem Tuch den Schweiß vom Gesicht.

„Könnt ihr gar nichts machen?" entfuhr es Brenda und sie trat einen Schritt näher an den sich qualvoll aufbäumenden Remus. Er warf den Kopf zurück und stieß einen Schrei aus, ein heulender, unmenschlicher Laut, der abrupt erstickte, als Kingsley ihm brutal ein Geschirrhandtuch als Knebel in den Mund schob. Selbst in dieser Gegend war es nicht ratsam, bei den Nachbarn den Eindruck zu erwecken, als schlachte man in der Küche jemanden ab.

Kingsley und Severus tauschten einen kurzen Blick.

„Versuchen wir's. Wir können ihn so nicht weitermachen lassen, es ist, als würde er sich… du weißt schon."

Severus nickte kurz. Er war jetzt sehr bleich im Gesicht und Brenda sah, wie seine Finger zitterten, als er ein kleines Fläschchen mit türkisfarbenen Inhalt aus einem gepolsterten Kästchen holte und es Brenda hinhielt.

„In die Vene."

Sie sah ihn an, auf weitere Erklärungen oder Instruktionen wartend, aber es kamen keine. Statt dessen drehte er sich um, ging zur Spüle und sah aus dem Fenster, ganz so, als habe er plötzlich das Interesse an dem Geschehen verloren.

Mit einem Achselzucken nahm Brenda eine Einwegspritze aus ihrem Medizinkasten und zog die Flüssigkeit auf, nahm Desinfektionsmittel und Tupfer und ging hinter Remus' Stuhl in die Hocke. Das also war das Ergebnis seiner langwierigen Überlegungen: Das Gegenmittel nicht oral, sondern intravenös zu verabreichen. Kingsley musste den Stuhl nach wie vor festhalten. Sie schob Remus' Ärmel hoch, seine Anstrengungen ließen die Venen auf beiden Armen gut hervortreten. Nach kurzem Zögern wählte sie den linken Arm, desinfizierte die Einstichstelle, fragte sich kurz, wie lange wohl Severus Risiken und Vorteile des Injizierens eines Zaubertranks auf Muggelart gegeneinander abgewogen hatte, und stach schließlich beherzt zu, beobachtete, wie die schwimmbadblau schimmernde Flüssigkeit in der Vene verschwand.

Zuerst passierte gar nichts, Remus quittierte den Einstich mit einem weiteren erstickten Schrei und bäumte sich nach wie vor gegen seine Fesseln auf. Kingsley hielt immer noch den Stuhl fest und beobachtete den Mann darauf genau, ebenso Hermine, während sie mechanisch Rons Gesicht abwischte. Severus starrte aus dem Fenster.

Irgendwann ließen die Bewegungen und die Schreie nach. Remus hing jetzt ebenso schlaff auf seinem Stuhl wie Ron. Kingsley zog ihm den Knebel aus dem Mund und löste dann bei beiden Männern die Fesseln. Brenda nahm Remus' Arm und fühlte seinen Puls: Immer noch viel zu schnell. Hermine wusch das Tuch an der Spüle aus und wandte sich Remus zu.

„ich glaube, du hast es geschafft, Severus. Das ist die Lösung." Sein aufmunterndes Strahlen hatte es schwer in dem allgemeinen Gefühl der Erschöpfung.

Der Angesprochene drehte sich denn auch nur wortlos um und nickte müde. Er nahm sein Clipboard vom Tisch und machte sich eine Notiz.

„Weasley, Höhepunkt wann? Fünf Minuten, zehn?"

„Keine Ahnung…"

Severus schnaubte ärgerlich.

„Wir haben die Zeit genannt. Also, eher bei fünf oder eher bei zehn?"

Ron rieb sich beleidigt die Handgelenke.

„Kann ich was zu trinken haben? Das Zeug hinterlässt einen scheußlichen Geschmack im Mund…"

„Merlin, nein! Wie war die Anweisung?"

„Eine Stunde lang nichts essen oder trinken," brummte Ron mürrisch.

„Eben. Ist daran etwas missverständlich, Weasley?"

Ron verzog beleidigt das Gesicht und schüttelte den Kopf.

„Gut. Also, noch einmal: Wann war der Drang zu töten am mächtigsten?"

„Mann, wenn man das Zeug intus hat, hat man wirklich anderes zu tun, als an die Zeit zu denken…"

„Fünf oder zehn?"

„Okay, okay, eher an zehn…"

„Dosis zu schwach…" murmelte Severus und machte eine weitere Notiz.

„Dosis definitiv nicht zu schwach," stöhnte Remus. „Gütiger Merlin, das war wie…"

„Ja, das haben wir gemerkt," unterbrach ihn Severus kühl. „Wir können nur hoffen, dass der dunkle Lord keine weiteren Anhänger von deiner Sorte rekrutiert hat."

Von welcher Sorte? Verdammt, warum mussten alle immer in Rätseln und Andeutungen reden, wenn es Remus betraf? Vielleicht sollte sie einfach mal mutig sein und nachfragen. Brenda holte Luft…

„Zehn Minuten sind zu lang." Severus hatte wieder etwas auf seinem Clipboard vermerkt und blickte nun fordernd in die Runde. „Es ist bisher die kürzeste Reaktionszeit, aber für unsere Zwecke muss es schneller gehen. Außerdem sind die meisten Todesser wahrscheinlich schwerer als Mr Weasley hier, so dass sich die Wirkung weiter verzögern könnte. Wir brauchen noch mehr Versuche, vor allem auch um zu sehen, wie sich der gleichzeitige Konsum von Alkohol auswirkt."

Ron stöhnte.

„Er hat Recht, Ron, wir können kein Risiko eingehen," sagte Kingsley.

„Wir müssen auch ein paar Versuche mit Frauen durchführen," fuhr Severus unbeirrt fort.

„Was? Gibt es weibliche Todesser?" fragte Brenda überrascht.

Severus nickte. „Ja, durchaus."

„Ich stehe jederzeit zur Verfügung," rief Hermine.

„Lasst uns morgen weitermachen."

Kingsley legte eine Hand auf Remus' Schulter.

„Remus, ich glaube, du solltest es besser nicht mehr wagen, auch wenn Severus' Gegenmittel jetzt offenbar wirklich funktioniert."

Er grinste aufmunternd in die Runde.

„Wir kommen dem Ziel immer näher, Leute."

Das zustimmende Gemurmel war eher verhalten.

„Tee irgendjemand?" fragte Brenda. „Natürlich jetzt nur die, die dürfen," fügte sie nach Severus' missbilligendem Blick hinzu. „Remus und Ron, ihr legt euch vielleicht besser erst mal eine Weile hin."

Mit einem Seufzer hielt sie den Wasserkocher unter den Wasserhahn. Ob es ihr noch irgendwann einmal in diesem Leben gelingen würde, herauszufinden, was mit Remus los war?